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	<title>Thriller &#8211; Letters2Feel</title>
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		<title>La pulga que mata Teil 19 &#8211; Ende</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Japakl75]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Apr 2026 06:09:18 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[​​​​​​​Doch noch Urlaub &#8222;Du schaust jetzt ganz anders aus mit den offenen Haaren. Fühlst dich so gar nicht wohl, oder?&#8220;, fragte Willy seine Freundin, während er sie lächelnd betrachtete. Sie&#8230;]]></description>
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​​​​​​​Doch noch Urlaub<br />
&bdquo;Du schaust jetzt ganz anders aus mit den offenen Haaren. Fühlst dich so gar nicht wohl, oder?&ldquo;, fragte Willy seine Freundin, während er sie lächelnd betrachtete. Sie saßen in einem gemütlichen italienischen Restaurant am Ufer des Liffey, von wo aus sie durch große Panoramascheiben auf den Fluss hinunterblicken konnten.<br />
Rosalinda haderte mit dieser Veränderung, auch wenn sie zugeben musste, dass diese Frisur ihr stand. Letzten Endes hatten ihre neuen Freunde Recht behalten, der Wiedererkennungswert war durch sie deutlich gemindert worden. &bdquo;Ich komme mir vor wie so eine typische Muschi. Keine Ahnung. Das bin ich einfach nicht.&ldquo; Sie las in der Karte, schien zu wissen, was sie bestellen wollte, klappte sie zu und legte sie beiseite. &bdquo;Ich bin einfach nur froh, dass wir jetzt in Ruhe gelassen werden. Die zwei Tage waren echt anstrengend.&ldquo;<br />
Willy musste ihr Recht geben. Nach dem ersten Abend unter ihren Fans waren sie auch noch dazu genötigt worden, einen zweiten Tag mit Orlaith und ihrer Familie zu verbringen. Die Geschwister zeigten ihnen tagsüber einige Sehenswürdigkeiten und abends das Dubliner Nachtleben, welches ihnen viele unterschiedliche Facetten offenbarte. Sie tranken in den Pubs Bier, lauschten dem Gesang der Gäste, tanzten in einem Underground-Club und nahmen am nächsten Morgen völlig übernächtigt ein Katerfrühstück zu sich. Den halben Tag verschliefen sie, weshalb sie sich vornahmen, die verbleibende Zeit so gut wie möglich zu nutzen. Die Serie wurde von ihnen mit keinem Wort mehr erwähnt. Sie sollte keine Rolle mehr für sie beide spielen, zumindest jetzt und hier.<br />
&bdquo;Morgen also die Burg, das Trinity College, Grafton Street und Guinness. Die Kathedrale würde mich auch noch interessieren. Wäre das okay?&ldquo;, wurde Rosalinda von Willy gefragt.<br />
Rosalinda griff nach seiner rechten Hand, hob sie an ihren Mund und küsste sie. &bdquo;Kein Thema. Hauptsache, wir bleiben jetzt für uns. Orlaith und Fionnuala kommen morgen noch mal kurz vorbei, um Tschüss zu sagen, dann haben wir es endgültig geschafft. War cool und ätzend zugleich. Strange irgendwie.&ldquo;<br />
&bdquo;Sie haben versucht, es wieder gut zu machen. Und gefunden haben wir auf Social Media nichts, von daher scheinen sie und ihre Freunde Wort gehalten zu haben. Allein darauf kommt es an. In ein paar Tagen haben sie uns eh nicht mehr auf dem Schirm. Von daher alles fein.&ldquo; Willy lächelte zu ihr hinüber, betrachtete sie eingehend und gestand sich ein, dass ihm diese so weiblich wirkende Rosalinda sehr gut gefiel.<br />
Das Essen war teuer, aber auch von besonderer Güte. Rosalinda bestellte Eis, während Willy wieder seinen Reiseführer studierte. Sie ahnte, dass er sie morgen wieder zu jedem Punkt seines Interesses mit unzähligen Informationen fluten würde. Das meiste davon interessierte sie nicht, wollte ihn aber auch nicht vor den Kopf stoßen. Sie mussten nicht in allem harmonieren, und was ihre Interessen betraf, lagen Welten zwischen ihnen. Sie würde sich zwar nicht als reinen Körpermenschen bezeichnen, aber Willy eben schon als reinen Kopfmenschen. Er lebte relativ gesund, sparte sich aber jede körperliche Anstrengung, das Bumsen mal außen vor gelassen.<br />
Sie hatte beim Make-up andere Farben verwendet, trug die Haare offen über beide Schultern, und niemand nahm mehr großartig Notiz von ihr. Von ein paar jungen Männern abgesehen, welche aber Willy schnell als ihren Begleiter akzeptierten und auf Abstand blieben. Die Iren schienen wirklich ein entspanntes Volk zu sein, diese Seite gefiel ihr gut an diesem Land.<br />
Morgen also den Städtetrip mit ihrem Süßen, dann würde es weitergehen Richtung Norden. Willy hatte ihr alles erklärt, und sie war froh, dass sie sich nicht weiter zu sorgen brauchte. Ihr war es wichtig, einmal vom Gewohnten ausbrechen zu können, und jetzt, mit ein paar Tagen Verspätung, schien ihr das endlich möglich.<br />
Vielleicht half ihr das Reisen? Sie fühlte, dass auch Willy diese Hoffnung in sich trug. Sie spürte in sich hinein und fand im Grunde in diesem Augenblick nur das Interesse an Carlos, den sie mit ihrer Vergangenheit verband. Sie würde Fionnuala darum bitten, den Kontakt mit dem Mann herzustellen, wenn sie wieder in Deutschland war. Der Typ hatte Erfahrung, das würde sicher auf irgendeine Weise nützlich für sie sein.<br />
Hör auf! Sie ermahnte sich selbst dazu. Ruhe im Kopf. Geschäftsmänner tickten ähnlich. Sie suchten nach Möglichkeiten, strafften Prozesse, behielten Konkurrenten im Auge, bereiteten sich auf Marktverwerfungen und Konflikte vor. Vielleicht sollte sie sich als eine solche sehen? Vielleicht sich auch etwas in diese Richtung aufbauen? Es wäre wahrscheinlich eine ideale Tarnung für sie. Besser als die einer Sozialpädagogin.<br />
Es reichte anscheinend diese Feststellung, und schon begann sich ihr kriminelles Gedankenkarussell wieder zu drehen. Sie hätte in diesem Moment am liebsten aufgeschrien. Warum fiel sie immer wieder in dieses Muster? Warum konnte sie nicht einfach ihren Frieden finden?<br />
&bdquo;Alles gut? Dafür, dass wir hier so schön sitzen, scheinst du ziemlich angespannt zu sein.&ldquo;<br />
&bdquo;Ach, ich weiß auch nicht. Es wird insgesamt besser, aber meine Gedanken nehmen immer wieder eine bestimmte Richtung. Das nervt mich so ohne Ende. Es ist doch nicht alles, was ich kann.&ldquo;<br />
&bdquo;Du meinst deine Geschäfte mit Jochen?&ldquo; Willys Stimme überschlug sich.<br />
&bdquo;Ja, auch. Lass uns nicht davon reden. Wenigstens im Urlaub soll das kein Thema sein.&ldquo;<br />
Willy wollte dennoch etwas sagen. &bdquo;Und wenn du zur Erkens gehst? Die kann dir bestimmt Techniken beibringen, mit denen du dich kontrollieren kannst. Die Frau ist super und hat den Kindern bisher auf unglaubliche Weise geholfen.&ldquo; Er rechnete mit Ablehnung, doch schien Rosalinda über seinen Vorschlag ernsthaft nachzudenken.<br />
&bdquo;Du hast recht. Ich habe lange nicht mehr mit ihr gesprochen. Danke, Süßer. Wir laufen uns oft über den Weg, da brauche ich keine große Sache draus zu machen.&ldquo;<br />
Willy lächelte. Dort saß die Frau, welche er liebte. Mörderin, kriminell, manipulativ und aggressiv, hoch intelligent, zu extremen körperlichen Leistungen imstande, ständig gegen ihre Dämonen ankämpfend, um ihm, seiner Familie und ihrem Adoptivvater irgendwie gerecht zu werden. Gerade erst achtzehn Jahre alt geworden, wurde sie von der amerikanischen Army zur Arbeit geflogen, ihr Leben als Vorlage für eine Serie genommen und die ersten Anzeichen einer positiven Entwicklung einer mexikanischen Region ihrem Einfluss zugesprochen. Ging es extremer? Er schüttelte seinen Kopf. Hätte man ihm vor sechs Jahren Ähnliches prophezeit, wäre derjenige von ihm für verrückt erklärt worden.<br />
Ein junger Italiener brachte ihnen das Essen. Er stellte ihnen wortlos die Teller hin, dann war er auch schon wieder verschwunden. Er schien gestresst und getrieben, ganz gegensätzlich zu den beiden jungen Leuten.<br />
Sie verließen Dublin zwei Tage später in einem kleinen italienischen Kompaktwagen. Es passten neben ihnen selbst gerade noch so ihre Koffer und Rucksäcke hinein. Ansonsten schnurrte er aber wie eine Nähmaschine und brachte sie zuverlässig von einem Ort zum anderen.<br />
Newgrange, ein Hügelgrab, war für Rosalinda eine Enttäuschung. Die Führung zeigte ein paar Steine, ein paar Skelette und ein bisschen Krimskrams von Annotuk, das war es auch schon gewesen. Willy hingegen war außer sich vor Begeisterung von der historischen Bedeutung und versuchte, sich die Menschen vorzustellen, welche vor fünftausend Jahren hier gelebt haben sollten.<br />
Drogheda war der am nächsten gelegene Ort, wo sie auch in einer gemütlichen Herberge Unterkunft fanden. Auch hier war Willy nicht zu bremsen und so besichtigten sie eine große Kirche, bewunderten das übriggebliebene Tor einer alten Stadtbefestigung und Überreste eines Klosters. Irgendwann hatte sie dann keine Lust mehr und wollte ihrerseits in den Geschäften stöbern, bevor sie dann abends im Gasthof etwas aßen und für ihre Verhältnisse früh schlafen gingen. Sie wollten am Morgen dann weiter nach Südwesten aufbrechen.<br />
Die kommenden Tage waren für Rosalinda eine ruhige Zeit. Die Eindrücke vieler interessanter Orte und Plätze füllten ihre Gedanken aus, zumal sie auch immer wieder in Kontakt mit Einheimischen und Touristen kamen. Nur hielten sie sich jetzt zurück, erzählten nur wenig von sich selbst und hielten eine Verortung so vage wie möglich. So verbrachten sie in Barney Castle den Tag mit einem älteren Schwulenpärchen aus Schleswig-Holstein. Nette Leute, unkompliziert, unterhaltsam und überraschend humorvoll. Nie beleidigend oder anstößig, sondern auf eine unschuldige und originelle Art wohltuend gesellig.<br />
Rosalinda und Willy hätten sich sogar vorstellen können, mit den beiden noch ein paar zusätzliche Tage zu verbringen, doch waren Michel und Pierre auf dem Weg nach Dublin, während sie über Cork und Killarney in die Berge fahren wollten, um den Carrauntoohil zu besteigen. Die beiden waren schon vor ein paar Tagen am Fuß des Berges gewesen, hatten aber auf halber Strecke die Besteigung aufgegeben, weil sie die dafür nötige Anstrengung nicht aufbringen mochten.<br />
Kälte, Wind, ein steiniger Aufstieg mit unsicherem Untergrund schienen ihnen zu viele Hindernisse in dieser kalten Jahreszeit zu sein. Willy hatte lange überlegt, ob er diese Anstrengung auf sich nehmen wollte, und je mehr er sich mit diesem Ort beschäftigt hatte, desto entschlossener wurde er. Doch vorher sahen sie sich die Stadt Cork an, mit einer wunderschönen Markthalle voller kulinarischer Leckereien, einer alten Festung, die vom in Irland so berüchtigten Engländer Oliver Cromwell ausgebaut worden war, einem alten Frauengefängnis, das sowohl Willy als auch Rosalinda mehr als beklemmend empfanden, und der Universität, in deren Garten ein Baum stand, welcher als Keim in der Hosentasche eines im 1. Weltkrieg Gefallenen gewachsen und dann hierher verbracht worden war.<br />
Für Rosalinda spielten Optik, Stimmung und Menschen eine große Rolle, während Willy auch die Hintergründe und Geschichten der Orte zu hinterfragen suchte. Dabei machte er sich immer wieder Stichpunkte und Notizen, welche er dann abends in sein Tagebuch schrieb, das er bisher mit Begeisterung geführt hatte.<br />
So hatte er angenommen, dass spätestens beim Namen Cromwell seine Freundin hellhörig würde, doch abgesehen von der Feststellung, dass Menschen mit diesem Namen anscheinend Arschlöcher seien, kam nichts weiter über ihre Lippen.<br />
Egal, wohin sie fuhren, sie hatte nie das Gefühl, dass die Zeit ausreichend bemessen war, um sich alles ansehen und erleben zu können. So berieten sie morgens im Gasthof oder Hotel, was sie sich ansehen wollten, und scheiterten oft auch mit diesen Vorhaben. Zu viel auf ihrem Weg lud zur näheren Betrachtung ein, hier und da kam man ins Gespräch, bekam Empfehlungen oder wurde sogar auf ein Ale oder einen Kaffee eingeladen.<br />
So war auch der Tag in Killarney ein imposanter, aber anstrengender, sodass die beiden beschlossen, einen weiteren dranzuhängen, bevor es dann weiter zum höchsten Berg Irlands ging. So spazierten sie am Lough Leane, sahen sich das alte Schloss Ross Castle an und schlenderten durch die Straßen der kleinen Stadt.<br />
Willy sorgte sich dabei immer wieder um seine Freundin. Rosalinda machte alles mit, fand auch Kurzweil, aber richtig glücklich wirkte sie dabei nicht auf ihn. Oft war sie in Gedanken und schien unruhig, obwohl es hierfür keinen Anlass zu geben schien. Das Handy mied sie. Lag es daran? Es kam ihm seltsam vor, dass sie gerade morgens oder am Abend vor dem Schlafengehen ihre Social-Media-Beiträge nicht ansehen wollte, waren sie doch in Deutschland ein fester Bestandteil ihres Tagesablaufs. Kaum dass eine Stunde verging, in der sie sich keinen Beitrag angesehen hätte, manchmal sogar nachts auf der Toilette.<br />
Aufstieg zum Carrauntoohil<br />
Rosalinda hätte verschlafen, wenn Willy sie nicht geweckt hätte. Am späten Abend in Cronin&rsquo;s Yard angekommen, war sie sofort ins Bett gegangen und hatte sogar auf den Einschlafsex verzichtet, welcher sonst ein Muss für sie beide war. So hatte sie sich nicht an dem einfachen Zimmer gestört, und auch das unkomfortable Bett mit seiner harten Matratze hatte sie nicht um ihren wohlverdienten Schlaf bringen können.<br />
&bdquo;Hey Süße! Aufstehen. Killian möchte in einer Stunde los.&ldquo;<br />
Rosalinda blinzelte in das funzelige Licht der Deckenlampe, ließ sich von ihrem Freund küssen und blieb ansonsten reglos. Auch hier tickte sie im Urlaub völlig anders. Während sie zuhause früh aufstand, um ihren Sport zu machen, schlief sie im Urlaub so lange wie möglich und kam nur schlecht aus dem Bett heraus.<br />
&bdquo;Komm! Sonst stressen wir uns gleich&ldquo;, bat er sie.<br />
Ihre Augen folgten ihm, doch schien sie zu keiner Antwort willens zu sein.<br />
Er nahm seinen Kulturbeutel zur Hand, trat an die Zimmertür und horchte. Draußen schien noch alles ruhig zu sein.<br />
&bdquo;Warum einen Führer?&ldquo;, fragte sie schließlich. &bdquo;Übersieht man den Berg, wenn er doch der höchste Irlands ist?&ldquo;, fragte sie ihn spöttisch.<br />
Willy lächelte, erleichtert darüber, dass sie endlich aktiv wurde. &bdquo;Du, es gibt verschiedene Routen, und eine jede von ihnen hat es in sich. Gerade jetzt im Winter. Von daher besser, wenn wir jemanden haben, der uns da nach oben bringt. Es sind auch noch vier andere Reisende bei uns.&ldquo;<br />
&bdquo;Weißt du was über sie?&ldquo;, fragte sie und gähnte. Sie richtete sich auf, zog das Handy vom Ladekabel und warf einen Blick auf das Display. Sie legte es wieder zur Seite und sah zum Fenster rüber, hinter dem nach wie vor das Dunkel der Nacht herrschte.<br />
&bdquo;Nein. Wir werden sie aber früh genug kennenlernen. Kommst du mit duschen? Dann brauchen wir nicht so lange und kommen pünktlich zum Frühstück runter.&ldquo;<br />
Rosalinda blies ihre Wangen auf, dann nickte sie. Lag es an der sauerstoffreichen Luft, dass sie heute so müde war? Immerhin hatte sie volle acht Stunden geschlafen. Oder war es das Reisen an sich? Sicher, das Land gefiel ihr, sie freute sich über Willys Nähe und die vielen Eindrücke, doch es passierte wenig und alles um sie herum war seltsam. Sie konnte es schlecht in Worte fassen. Langweilig? Ja und dann doch wieder nicht. Sie erwischte sich immer wieder dabei, dass sie sich auf zuhause freute. Dort wurde sie gebraucht, es gab viel zu tun und es entwickelte sich etwas. Hier? Hübsche Orte, freundliche Menschen, alle lieb und nett, für sie zu viel des Guten. Man wusste es nicht mehr zu schätzen, der Kontrast fehlte für sie.<br />
So kramte auch sie ihre Hygienetasche aus dem Rucksack, streckte sich und folgte ihrem Freund. Sie konnte durch die Tür ein paar englische Worte vernehmen, hörte eine Tür gehen, dann wurde es wieder ruhig. Sie hob ihre Schultern. Große Scheu vor Fremden kannte sie nicht, sie legte auf anderer Meinung nicht viel Wert, es sei denn, sie wollte beeindrucken. Hier und jetzt war es ihr also völlig egal.<br />
&bdquo;Lässt du mich rein?&ldquo;, fragte sie, nachdem sie an die Tür geklopft hatte.<br />
Willy öffnete ihr, schenkte ihr ein Lächeln, dann zog er den Duschvorhang beiseite. Er hatte gerade die Temperatur des Wassers eingestellt, und so zog sie sich aus, folgte ihm, küsste ihn auf die Brust und ließ sich von ihm einseifen.<br />
Beide sprangen sofort aufeinander an. Es dauerte wenige Sekunden, und sie spürte seinen steifen Schwanz gegen ihre Poritze drücken. Sie lächelte, wandte sich halb zu ihm um und fragte, ob er schnell wolle. Doch Willy bremste sie unerwartet. &bdquo;Heute Abend, okay? Ich will die anderen nicht warten lassen, verstehe das bitte.&ldquo;<br />
Rosalinda seufzte. Sie kannte ihn gut genug, um zu wissen, dass sie ihn hier nicht umstimmen konnte.<br />
So duschten sie wenige Minuten, Rosalinda schminkte sich wenigstens dezent, band ihre Haare locker zum Pferdeschwanz und zog sich frische Unterwäsche an.<br />
&bdquo;Pack dich warm ein! Dort oben wird es kalt&ldquo;, mahnte sie Willy. &bdquo;Und nimm dir ein zweites Paar Socken zum Wechseln mit, dann läufst du dir nicht so krasse Blasen.&ldquo;<br />
&bdquo;Hast du das gelesen?&ldquo;, fragte sie, sich einen schwarzen Rolli überziehend. Sie zog sich eine dicke Thermostretchhose an, dazu schwere Boots, welche sie gut eingelaufen hatte und die für eine Tageswanderung ausreichend sein würden. Dazu eine dicke Windjacke, auch sie würde der Witterung gut standhalten. Regen war möglich, auch wenn es hieß, dass es trocken bleiben sollte. In dieser Region konnte das Wetter jederzeit innerhalb weniger Augenblicke umschlagen.<br />
Auch Willy packte sich ein, zog sich eine weite wie dicke Hose an, einen der Norwegerpullover und eine dicke Gore-Tex-Jacke, welche Rosalinda ihm gekauft hatte. Sie war orange und von Weitem gut zu erkennen. Damit er ihr nicht verloren ging, wie sie ihm erklärt hatte. Seine nagelneuen Wanderstiefel würden sich auch für die Tage an der Westküste eignen.<br />
&bdquo;Den Kompass und die Karte noch, dann kann es losgehen.&ldquo; Willy lächelte zu ihr rüber und schien aufgeregt und in freudiger Erwartung zu sein. Und das, obwohl der Marsch für ihn zu einer Strapaze werden würde. Je nachdem wie die anderen drauf waren, dauerte die Tour bis zu zehn Stunden.<br />
Hastig gefrühstückt, Wegzehrung eingepackt, traf man sich vor der Herberge. Auch in dieser Jahreszeit gab es Zelte auf dem dazugehörigen Campingplatz, einige hartgesottene Wanderer schienen sich der Natur in jeglicher Form stellen zu wollen.<br />
Zwei weitere Pärchen warteten auf den Bergführer. Ein kleiner Franzose mit seiner russischen, fast winzig wirkenden Frau sowie ein Deutschitaliener mit einer jungen Schweizerin. Allesamt konnten sie Deutsch, stellten sich einander vor, erstaunt darüber, dass es neben dem Englischen auch noch eine weitere Sprache gab, über welche sie miteinander kommunizieren konnten. Jacques stammte aus Dünkirchen und seine Frau Olga aus Nowosibirsk, lebten aber beide in der Nähe von Gelsenkirchen. Er verkaufte Autoersatzteile, während sie als Pädagogin an einer Behindertenschule arbeitete. Ein munteres und herzliches Paar, das freudig grüßte und sofort eine Bindung mit den jungen Leuten einging.<br />
Sergio, ein gebürtiger Münsteraner, studierte in Basel und war von seiner Schweizer Freundin Sandra zu der Reise eingeladen worden. Er war ein modisch gekleideter und sehr attraktiver Mann, sie eine durchschnittlich aussehende Frau mit einem zurückhaltenden Wesen. Sie wirkte neben ihrem Freund graumäusig, wie Rosalinda fand, wusste aber aus eigener Erfahrung, wie tief und wertvoll unscheinbare Menschen sein konnten.<br />
Jacques und Sergio unterhielten sich angeregt mit Willy, während die beiden Frauen instinktiv einen Austausch miteinander suchten und dabei Rosalinda mit einschlossen. Diese beantwortete artig die gestellten Fragen, zeigte aber nur oberflächliches Interesse an den beiden.<br />
Ihr irischer Führer ließ auf sich warten und traf erst mit einer zwanzigminütigen Verspätung bei ihnen ein. Er musterte die Gruppe mit einer nachdenklichen Miene, seufzte und trat dann an die drei Paare heran. Klein, untersetzt, ein grimmiges kleines Gesicht in seinem eierförmigen Schädel tragend, zog Rosalinda sofort die Schublade Arschloch auf und stopfte ihn hinein. Der blonde Haarschnippel auf seiner spitzen Kopfspitze wirkte verklebt und strähnig, die grauen Augen regelrecht böse. Wie ein Mensch mit solch einer Ausstrahlung Bergführer werden konnte, war ihr ein Rätsel.<br />
Killian nahm jeden von ihnen eingehend in Augenschein. Er betrachtete die Schuhe, die Kleidung und schien die körperliche Belastbarkeit seiner Touristen einzuschätzen. So seufzte er demonstrativ auf, als er Willy bewertet hatte, und deutete anschließend mit ausgestrecktem Arm auf einen Weg, welcher vom Gelände herunterführte. Er schien kein Mann großer bzw. vieler Worte zu sein.<br />
Bemerkenswert fand Rosalinda, dass der Ire nur Dreiviertel-Hosen trug und augenscheinlich kräftige Beine besaß. Ein zäher Bursche, der den harten Bedingungen der Gegend sicher schon einige Jahre trotzte.<br />
So gingen sie in der Dunkelheit einen gut ausgetretenen Weg entlang, mit ständigem Blick auf den Gipfel des Carrauntoohil und passierten dabei zwei Bergseen. Killian blickte sich angewidert zu seinen ihm folgenden Schützlingen um und zischte die Namen der beiden Seen, dabei mit seinen Armen in die jeweilige Richtung zeigend.<br />
&bdquo;Left Lough Callee, right Lough Gouragh.&ldquo;<br />
Rosalinda schüttelte ihren Kopf, seufzte und sah sich um. Wenn sie diesen komischen Kauz ausblendete, konnte sie der Landschaft einiges abgewinnen. Zumal ihr die körperliche Anstrengung guttat. Ihre Muskeln schienen auf diese Belastung sofort anzuspringen und begannen emsig zu arbeiten.<br />
Willy dagegen kämpfte sich jeden Meter voran, wobei der Weg jetzt noch keine starke Steigung hatte. Sein Körper war völlig überfordert, man konnte es ihm ansehen. Die anderen Reisenden waren deutlich sportlicher als er und anscheinend auch routinierte Wanderer. Sie nahmen Rücksicht, nur Killian zeigte deutlich, wie stark er unter dem langsamen dicken Deutschen litt, der seinen Berg hinaufschlich.<br />
&bdquo;Scheiße! Was hab ich mir da eingebrockt?&ldquo;, stöhnte Willy. Er wischte sich mit seinem Jackenärmel über die Stirn und sah genervt zu Rosalinda rüber, welche an seiner Seite blieb und völlig unangestrengt wirkte. So als ob sie gemeinsam durch die Gänge eines Einkaufscenters schlenderten. &bdquo;Tut mir leid. Ich halte euch alle auf.&ldquo;<br />
Seine Freundin hakte sich bei ihm ein und antwortete nicht. Stattdessen sah sie sich um und schien die feindliche Stimmung aus Kälte, Wind und Nässe zu genießen.<br />
Willy hatte schon nicht mehr mit einer Antwort gerechnet, als Rosalinda auf die zwei Pärchen vor ihnen deutete. &bdquo;Du willst mithalten, deshalb verballerst du deine ganze Energie. Sollen sie ruhig vorausgehen, wir kommen schon beide klar.&ldquo;<br />
Er schien einverstanden und bat sie darum, Killian Bescheid zu geben. So schloss sie mühelos zum Führer auf, wechselte ein paar Worte mit ihm und kehrte zu ihm zurück. &bdquo;Der Pfosten meinte, es wäre ihm egal. Du hast schließlich im Voraus bezahlt.&ldquo; Sie lachte. &bdquo;Der Typ ist so kackendreist, dass ich ihn schon wieder mag.&ldquo;<br />
Sie gingen weiter. Willy machte jetzt langsamer und hetzte sich nicht mehr. Die Gruppe war aber schon drei- bis vierhundert Meter weiter. Rosalinda fühlte mit ihm. Das war nicht seine Sportdisziplin. Sie grinste und überblickte jetzt das Gelände vor ihnen. War der Anstieg bisher relativ flach gewesen, nahm die Steigung nun zu und würde bis zum Bergkamm so steil aufsteigen, dass man gerade noch so gehen konnte. Die Steine waren feucht, sie mussten jetzt wirklich aufpassen.<br />
&bdquo;Wir müssen da nicht wegen mir hoch, Süßkeks. Wenn du willst, gehen wir zurück und laufen um die Seen herum.&ldquo;<br />
Willy blickte zum Berggipfel auf und blieb fest entschlossen. &bdquo;Nein. Ich muss da jetzt hoch, sonst kann ich nicht mehr in den Spiegel schauen. Bitte, Ros. Hilf mir dabei, okay?&ldquo;<br />
Sie war einverstanden. Normalerweise hatte sie keine Hemmungen, andere anzutreiben, doch war es bei ihm nun mal anders. Dachte sie an Anton oder Esme, so hatte man schon fast von Schikane sprechen können. Sie war mit beiden hart umgegangen und hatte sie zu Höchstleistungen angespornt. Erfolge waren schon nach wenigen Wochen eingetreten, nach ein paar Monaten andere Menschen durch ihren Willen geformt worden. Mit dem Preis, dass beide zu Werkzeugen ihrer Vorhaben geworden waren.<br />
Sie dachte an Anton. Es war das erste Mal, dass sie bei einem Mitglied ihrer Gang die Zügel wieder lockerer ließ. Es durfte nicht zur Gewohnheit werden. Das würde die Strukturen ihrer Gruppe sonst schwächen und sie als Ganzes gefährden.<br />
&bdquo;Versuche immer mit der ganzen Sohle aufzutreten! Nicht nur mit dem Vorderfuß!&ldquo;, riet sie ihm. Sie machte es ihm vor und er versuchte es nachzumachen. Tatsächlich wurde sein Tritt damit sicherer. &bdquo;Du machst das gut, Schatz. Du wärst sportlich, wenn du es wolltest. Daran glaube ich fest.&ldquo;<br />
&bdquo;Du bist lieb zu mir. Esme hat immer gemeint, du wärst wie ein Drillsergeant aus einem Armyfilm zu ihr gewesen. Du hättest sie ständig angetrieben und ihr sogar Arschtritte gegeben, wenn sie dir nicht genügend Leistung gebracht hat.&ldquo;<br />
&bdquo;Hab selbst gerade daran denken müssen. Zu dir kann ich nicht so sein und will es auch nicht. Bei dir bin ich der Mensch, der ich gerne sein möchte, weißt du?&ldquo;<br />
Er lächelte. &bdquo;Ich liebe dich, das weiß ich. Du würdest mich nie im Stich lassen.&ldquo;<br />
Sie blieb nachdenklich in diesem Moment, suchte über ihm einen festen Stand und half ihm, einen großen Felsbrocken hinaufzusteigen, indem sie ihm ihre Hände hinhielt und zu sich rauf zog. &bdquo;Du mich auch nicht, Willy. Daran glaube ich fest.&ldquo;<br />
Es war ein Kampf und für Willy bald auch Krampf. Seine Beine schmerzten, und so hieß ihn Rosalinda nach einem weiteren Kilometer stehenzubleiben und sich hinzuhocken. Sie zog ihm Stiefel und Socken aus, massierte seine Füße, Waden und Schenkel, rieb sie mit den frischen Socken trocken und zog ihm diese dann über. Vorsichtig half sie ihm in das Schuhwerk hinein, schnürte es sorgsam zu, dann machte sie eine längere Pause, damit er Kraft holen konnte.<br />
&bdquo;Wir müssen in zwei Stunden oben sein, sonst schaffen wir es nicht mehr bis zur Dämmerung zurück&ldquo;, meinte Willy besorgt, nachdem er auf seine Uhr gesehen hatte.<br />
&bdquo;Kriegen wir schon. Das Schlimmste hast du jetzt hinter dir. Nur beim Abstieg musst du aufpassen.&ldquo;<br />
&bdquo;Danke dir!&ldquo; Er lächelte, sah ihr dabei zu, wie sie sich wieder aufrichtete, griff nach ihrer Hand und ließ sich von ihr beim Aufstehen helfen. &bdquo;Du musst mich für eine Memme halten.&ldquo;<br />
Sie verwehrte sich sofort gegen diese Annahme. &bdquo;Was glaubst du, wie viele Männer eine starke Frau an ihrer Seite dulden würden? Eine, welche ihnen in körperlichen Aspekten überlegen ist? Du hast genügend Selbstbewusstsein, um das zuzulassen. Du weißt genau, wo du deine Stärken hast und auch, dass ich dich für diese liebe. Von daher nein, wirklich nicht. Zumal du keine Schwäche zeigst. Du bist stur wie ein mexikanischer Esel. Du willst dort hinauf, also wird das jetzt auch passieren. Und wenn wir bis zur Dunkelheit die Seen erreicht haben, kriegen wir den Rest ohne Probleme auch noch hin. Von daher tue dir weiter die Ruhe an.&ldquo;<br />
Er nickte, die nächsten drei- bis vierhundert Meter mit Sorge überblickend. Der Aufstieg war steil und voller nachtfeuchtes Geröll. Die Sturzgefahr war definitiv vorhanden. Und wenn das passierte, würde der Fall wohl erst nach etlichen Metern enden.<br />
&bdquo;Folge mir einfach. Schritt für Schritt. Ich zieh dich nach, wenn du an einer Stelle hängst.&ldquo;<br />
Er war einverstanden und folgte weiter ihren Anordnungen. Rosalinda wusste, was sie tat, ob nun aus ihren Erfahrungen vom Parcoursport her oder durch das Industrieklettern, wusste er nicht. Sie zeigte nirgends eine Unsicherheit, selbst an Stellen, welche für ihn nicht zu passieren waren.<br />
War Willy anfangs erleichtert, dass der steile Pfad ein Ende fand, peitschte ein feuchtkalter Wind ihnen auf dem Bergkamm ins Gesicht, durchsetzt von Schneeregen. Eine schneidende Kälte umhüllte sie, während in ihren Gesichtern ein quälender Reiz entstand, als ob tausend feine Nadeln gleichzeitig in ihre Haut stechen würden. So kämpften sie sich jeden Schritt voran und trafen schließlich eine Stunde später auf die zurückkehrende Gruppe.<br />
Jacques und Olga schienen enttäuscht. Die Sicht war praktisch null gewesen. So rieten sie dem nachfolgenden Paar, den Aufstieg abzubrechen. Die Anstrengung wäre das Ziel nicht wert. Man sah kaum die eigene Hand vor den Augen, berichteten sie, und ein regelrechter Sturmwind brauste über den Gipfel hinweg.<br />
Sergio und Sandra hatten den Aufstieg abgebrochen, wie sie freimütig zugaben. Sie wollten nur noch so schnell wie möglich wieder von dem Berg runter.<br />
Killian indessen sagte kein Wort, überblickte die sechs Touristen mit herablassendem Blick und schien sich seinen Teil zu denken. Für ihn schienen diese Leute ein notwendiges Übel zu sein, welches sein Leben finanzierte. Für seinen Rat, gerichtet an Rosalinda und Willy, den Aufstieg abzubrechen, schien er sich schon überwinden zu müssen. Er meinte, ein Unwetter würde aufziehen, was den Berg gefährlich werden ließ.<br />
Rosalinda wurde unwohl, ihr Freund stand jetzt schon an seiner Belastungsgrenze, und sie selbst spürte sich gleichfalls angestrengt, vor allem durch die feuchte Kälte und den schneidenden Wind.<br />
&bdquo;Lass uns mit den anderen zurückgehen, Willy. Es wird sonst gefährlich.&ldquo; Rosalinda konnte seine Antwort erahnen. Er würde nicht nachgeben. Gerade jetzt, wo er dem Ziel relativ nahe war. Der Esel erkannte nun nur noch einen Weg.<br />
Killian hob seine Schultern, als er die Ablehnung seines Vorschlags vernahm, schob sich an den beiden vorbei und mahnte die übrigen vier seiner Gruppe zum zügigen Abstieg.<br />
Rosalinda blickte ihrem Freund besorgt nach, doch folgte sie ihm. Ihr war nicht wohl in diesem Moment. Willy aber kämpfte mit der Anstrengung, und als er glaubte, am Ende seiner Kräfte angelangt zu sein, schien in ihm ein Faden zu reißen. Ihm wurde leichter und seine Beine fanden wie von selbst den nächsten Schritt.<br />
Der Wind nahm zu und schien die Wolken regelrecht über den Gipfel zu jagen. Ein Heulen wurde laut, während von der linken Seite die Nässe in ihre Glieder fuhr. Hielten die Jacken dicht, so waren es vor allem die Hosen, welche der Feuchtigkeit nachgaben.<br />
&bdquo;Dort oben ist es!&ldquo;, meinte Rosalinda, und tatsächlich war der Gipfel nur zweihundert Meter vor ihnen.<br />
Willy unterdessen schwieg, war ganz bei sich selbst und setzte Schritt vor Schritt. Wie ein Roboter blieb er im Takt, jedes Gefühl von Schmerz und Belastung unterdrückend.<br />
Der Franzose hatte Recht behalten. Auf dem Gipfel des Carrauntoohil blieb die Sicht gleich null. Rosalinda war enttäuscht, während Willy von einer inneren Befriedigung erfüllt worden war, ähnlich der, als er begriffen hatte, dass er und Rosalinda nun ein Paar geworden waren. Er fühlte sich in diesem Augenblick so, als ob er den ganzen Berg versetzt hätte.<br />
&bdquo;Lass uns wieder runter! Das Wetter darf jetzt nicht viel schlechter werden, Süßkeks.&ldquo;<br />
Willy verstand sie nicht. Das Heulen des Windes übertönte sie. Sie musste sich noch einmal wiederholen und dabei regelrecht in sein Ohr hineinbrüllen.<br />
&bdquo;Bitte warte noch!&ldquo;, rief er zurück. &bdquo;Vielleicht haben wir Glück und es reißt auf.&ldquo; Er sah sie flehentlich an. Die Sichtweite auf dem Gipfel betrug vielleicht zwanzig Meter.<br />
Rosalinda fühlte, dass es ihm wichtig war, und so presste sie ihren Körper an den seinen und blickte Richtung Osten, dem kräftigen Wind den Rücken zeigend. Minuten verstrichen, das Gefühl von Gefahr breitete sich aus, gepaart mit einer ihr wohlbekannten Spannung. Sie fühlte regelrecht, wie das Adrenalin ihren Körper flutete. Ab diesem Moment war sie Willy dankbar, dass er unbedingt hatte bleiben wollen. Diese gemeinsame Zeit tröstete sie über die Belanglosigkeit der letzten Tage hinweg.<br />
&bdquo;Wir müssen, Willy! Komm jetzt! Sonst schaffen wir es nicht mehr&ldquo;, brüllte sie in sein Ohr.<br />
Der Freund sah weiter Richtung Osten, zögerte, dann war er einverstanden. Schade! Er hätte gerne für sich einen Beweis mitgenommen, dass er hier oben gewesen war. So ließ er Rosalinda vorausgehen, vom Stolz erfüllt und enttäuscht zu gleichen Teilen.<br />
Auf dem Bergkamm setzte Starkregen ein. Der Marsch wurde jetzt für die beiden Wanderer zur Hölle. Jeder Schritt wurde zur Gefahr, und Willy bekam es zusätzlich mit der Angst. Auch Rosalinda sorgte sich, weniger um sich selbst als um ihn. So dirigierte sie jeden seiner Tritte, und als sie dann am steilen Bergpfad angelangt waren, potenzierte sich die Gefahr noch einmal für sie beide. Dieser hatte sich in ein Rinnsal verwandelt, und so griff sie durch dessen Wasser hindurch nach den Steinen. Rosalinda deutete zur Seite, um dort den Abstieg vorzunehmen.<br />
Jeder ihrer beider Sinne war damit beschäftigt, den Gegebenheiten zu trotzen. Ein Fehltritt und sie würden stürzen. Wie weit, das konnte man schwer abschätzen. Wenn vielleicht nicht der Tod, so würden ihnen aber auf jeden Fall schwere Verletzungen drohen und ein Weiterkommen damit zur Unmöglichkeit werden. Die Zeit, welche sie auf dem Gipfel vergeudet hatten, rächte sich jetzt, setzte nun auch noch Hagel ein.<br />
&bdquo;Bleib stehen! Das wird zu krass. Warte, bis das Schlimmste vorbei ist&ldquo;, rief Rosalinda.<br />
Willy war einverstanden. Er vertraute ihrer Einschätzung. So stieg sie wieder zu ihm rauf, presste ihren Körper an den seinen, beide in einem halbwegs sicheren Stand verharrend. Eine halbe Stunde verging, dann flaute der Sturm etwas ab. Rosalinda war jetzt fest entschlossen. Sie mussten den Weg unbedingt erreichen, bevor die Dämmerung einsetzte.<br />
So überwanden sie hundert Meter des Hangs, als Willy ausglitt und stürzte. Er rutschte Rosalinda entgegen, drohte sie mitzureißen, als sie zur Seite hechtete und mit ihrer linken Hand nach seiner Kapuze griff. Dabei schlug sie ihm gegen die Stirn, schaffte es aber, in den Stoff der Jacke hineinzugreifen. Zwar wurde sie nun ebenfalls von der Energie seines Gewichts mitgerissen, doch ihre Füße stemmten sich mit aller Gewalt gegen den steinigen Boden, suchten zweimal vergebens Halt, dann gewannen sie festen Stand.<br />
&bdquo;Bist du in Ordnung?&ldquo;, rief sie besorgt, während Tränen in ihre Augen stiegen. Sie hoffte, dass ihm nichts passiert war.<br />
&bdquo;Alles gut. Ich hab mir nur meinen Steiß geprellt. Es tut scheiße weh!&ldquo;, brüllte er zurück.<br />
Sie war erleichtert, lachte heiser auf, dann berappelten sie sich einen Moment. Vierhundert Meter noch, dann würden sie die Talsohle zwischen den beiden Seen erreicht haben.<br />
Rosalinda hielt Willy weiterhin an seiner Jackenkapuze fest. Würde er noch einmal stürzen, würde sie ihn erneut bremsen. Der Weg wurde jetzt weniger abschüssig, das Schlimmste lag hinter ihnen. Dass sie aber noch zwei Stunden laufen sollten, kam einer Folter gleich.<br />
&bdquo;Ich bin fertig. Lass mich kurz ausruhen&ldquo;, bat Willy, kaum dass sie den Weg erreicht hatten. Auch Rosalinda war erschöpft und wollte einen Moment ihrer Erschöpfung nachgeben dürfen. So setzten sie sich auf den Boden, jeder für sich, für einen Moment den Warnsignalen ihrer Körper Rechnung tragend.<br />
&bdquo;Zehn Minuten, Süßer! Sonst kommt die Kälte über uns. Das wird dann richtig gefährlich.&ldquo;<br />
&bdquo;Ich kann nicht mehr, Maus! Geh du vor. Ich komm schon klar.&ldquo;<br />
Ihre Stimmung schlug sofort um. &bdquo;Als ob, du Depp. Du machst das, was ich dir sage. Zehn Minuten, dann geht es weiter. Oder ich prügel dich den Berg runter.&ldquo;<br />
&bdquo;Wäre mir gerade auch egal.&ldquo; Er rang sich für sie ein Lächeln ab. &bdquo;Zehn Minuten! Okay. Ich bin so fertig&#8230;&ldquo;<br />
Er schloss seine Augen und streckte sich auf den völlig durchnässten Boden aus. Der Regen prasselte in sein Gesicht, die Kälte schlich in seine Knochen, dann hörte er aus der Ferne ein helles Brummen.<br />
Drei Quads knatterten den Weg hinauf, besetzt mit vier Männern. Die brauchten nicht lange, um die beiden Wanderer zu entdecken, fuhren an sie heran, brachten ihre Gefährte zum Stehen und liefen zu ihnen rüber. Killian war der Erste, der bei Willy war, unter dessen Achseln griff und ihn mit einer bemerkenswerten Kraft aufrichtete.<br />
Willy bekam das alles wie aus weiter Ferne mit. Man half ihm beim Aufsteigen auf eines der Fahrzeuge, stützte ihn beim Absteigen, führte ihn die Stiege zum ersten Stock hinauf, dann wurde er von Rosalinda ausgezogen und in die Dusche gestellt. Leise hörte er ihre Stimme, fühlte ihre Hand über seine Wange streichen, dann war sie bei ihm. Warmes Wasser prasselte auf ihn herab, dann kam eine wohlige Wärme über ihn. Er setzte sich einfach auf den Boden der Duschwanne, welche ihn gerade so fasste, während seine Freundin den Strahl der Brause über seinen Körper hinweg wandern ließ.<br />
Den nächsten Tag blieben sie in dem kleinen Gasthaus am Fuß des Berges. Zu Rosalindas Glück hatte es keine weiteren Buchungen gegeben, und so war der Wirt froh gewesen, das Zimmer noch einen Tag länger belegen zu können. Zumal der Wintersturm weiter zugenommen hatte und mit viel Jaulen und Jammern über das Land hinweg tobte, begleitet von heftigen Schauern. Willy ruhte sich aus und hatte sich prompt erkältet, während sie selbst sich wie immer auf ihre eiserne Konstitution verlassen durfte. So ließ sie ihn schlafen, kuschelte sich an seine Seite, nahm sich ihre In-Ear-Kopfhörer und schaute sich die Serie an, welche von ihr und ihrem Leben handelte. Die erste Staffel schilderte dabei ihr Gangleben in Mexiko, die zweite Staffel das Leben in Deutschland. Dabei war der Ort klar benannt worden, und sogar die Umgebung, in welcher der Pfarrer sein Haus hatte, war im Film authentisch wiedergegeben worden. Offensichtlich wurde dem Drehbuchautor sehr viele Informationen gegeben, welche sie betrafen. So fing sie erst mit den letzten Folgen an und war erleichtert, als keine kriminellen Handlungen darin thematisiert worden waren, auch wenn es ein paar fiktive Abenteuer gab, unter anderem auch den Zusammenstoß mit dem Sicherheitspersonal einer Filmcrew.<br />
Willy schlief ruhig vor sich hin. Obwohl groß und schwer, war er derjenige von ihnen, welcher nicht schnarchte. Anscheinend stimmte irgendetwas mit ihrer Nase nicht. Ihrem Freund war es soweit egal, er konnte auch so neben ihr schlafen. Nur bestand er darauf, dass sie solange wach blieb, bis er weggedämmert war.<br />
Sie sah sich den ganzen Tag die Serie an, bis Willy wieder einigermaßen bei Kräften war, noch einmal duschte, aber mit ihr zusammen im Bett bleiben wollte. Es war eine schöne Stimmung zwischen ihnen hier im Warmen, während draußen das raue Wetter Westirlands tobte.<br />
Böses Erwachen<br />
&bdquo;Bienchen? Dein Handy vibriert die ganze Zeit. Ist eine Nummer, die ich nicht kenne.&ldquo;<br />
Rosalinda brauchte ein paar Sekunden, bis sie aus ihrem Schlaf herausfand. Sie nahm von ihm das Gerät entgegen, sah auf dessen Display herunter und hatte selbst Probleme, die ihr fremde Nummer zuzuordnen.<br />
&bdquo;Ich wollte rangehen, aber die haben mich weggedrückt, sowie sie meine Stimme gehört haben.&ldquo; Er konnte deutlich die Sorge in ihrem Gesicht erkennen. &bdquo;Meinst du, es ist was mit Jochen?&ldquo;<br />
Sie hob ihre Schultern, dann stieg sie aus dem Bett. Sie wandte sich zu ihm um und deutete mit ihrer rechten Hand in Richtung Zimmertür. &bdquo;Du, ich gehe mal raus zum Telefonieren, okay?&ldquo;<br />
Er kämpfte mit sich, wollte aber nicht mit einem falschen Kommentar die bisher so harmonische Stimmung zwischen ihnen stören. Sollte sie ihre Geheimnisse vor ihm haben. Sie hatte ihm, was das betraf, etwas versprochen gehabt.<br />
Rosalinda trat in den Flur, schloss sorgsam die Tür hinter sich, nahm die Stiege nach unten, grüßte die ältere Dame an der Rezeption und setzte sich im kleinen Gastraum an einen der Tische. Außer ihr war niemand da. Kein Wunder, das Mittagessen war gerade vorbei, das Abendessen würde erst gegen 19 Uhr serviert werden.<br />
Sie versuchte, die Herkunft des Anrufes zu erahnen, doch blieb diese im Dunkeln. Alle Kanäle, welche sie hatte, würden sich auf anderen Wegen bei ihr bemerkbar machen. Und hier gab es für sie keine Nachrichten.<br />
Warum legte sich solch ein belastendes Gefühl über ihren ganzen Körper? Warum beschlich sie eine Angst, welche sie so in dieser Dimension nicht kannte?<br />
Sie sah unschlüssig auf das Handy herunter, zögerte einen Augenblick, dann führte sie die Rückruffunktion aus.<br />
&bdquo;Rosalinda?&ldquo;, hörte sie eine stark akzentuierte Stimme. Sie erinnerte sie sofort an die Männer, welche auf der Baustelle in Polen für Solokow gearbeitet hatten.<br />
&bdquo;Ja?&ldquo;, ihre Stimme klang jetzt gefasst. Sie riss sich mit aller Gewalt zusammen.<br />
&bdquo;Ein gemeinsamer Freund möchte dich gerne sprechen. Leider ist er in seiner Freiheit etwas beschnitten, sodass ihr euch über einen kleinen Umweg unterhalten müsst.&ldquo;<br />
&bdquo;Du bist falsch verbunden!&ldquo;, antwortete Rosalinda und wollte wieder auflegen.<br />
&bdquo;Das glaube ich nicht. Denn dein Vater ist hier bei uns und sicher nicht ganz freiwillig. Von daher würde ich an deiner Stelle&#8230;&ldquo;<br />
Sie brach das Gespräch ab und schaltete sofort ihr Handy aus. Der Russe! Hatte er herausgefunden, wem er seine Verhaftung zu verdanken hatte? Selbst wenn er von René erfahren hatte, gab es nur eine indirekte Verbindung zu ihr. Und von Willy wusste er nichts. Waren es die Gemälde aus dem Bergwerk? Hatte Jochens Partner hier noch einmal Scheiße gebaut und bereits welche davon verkauft? Sie wusste, dass der Bayer bereits etliche Kisten geborgen haben musste.<br />
Ihr wurde schlecht. Übelkeit legte sich über ihren Magen. Sollte Georg wirklich in den Händen dieser Typen sein, wäre er in direkter Gefahr. Solokow hatte ihr in der Disko unmissverständlich klar gemacht, womit sie bei ihm zu rechnen hatte, wenn er die Sicherheit bekam, dass sie ihn hintergangen hatte. Und die hatte er jetzt offensichtlich bekommen. Woher auch immer.<br />
Ihre Gedanken rasten. Sollte sie sich an die Amerikaner wenden? Oder an die deutsche Polizei? Nein! Sie würden ein offizielles Verfahren einleiten, und wenn Georg einen seiner Kidnapper identifizieren konnte, überlebte er diese Entführung nicht.<br />
Sie hatte Möglichkeiten. Doch wenn sie hier aktiv wurde, wusste Georg darüber Bescheid, in welchem Ausmaß sie ihn bereits belogen und betrogen hatte. Ihn und auch die DEA.<br />
&bdquo;Wer war es denn?&ldquo;, fragte Willy besorgt. Rosalinda stand noch mit dem Rücken zu ihm, schloss die Tür, dann drehte sie sich zu ihm um. Er sah die Tränen in ihren Augen, die kreideweiße Gesichtshaut, das Beben ihrer Lippen. Noch nie hatte er diese sonst in allem kontrollierte und beherrschte Frau so gesehen.<br />
Sofort stieg er aus dem Bett heraus, trat an sie heran und schloss sie in seine Arme. &bdquo;Was ist passiert?&ldquo;<br />
&bdquo;Sie haben Georg&ldquo;, flüsterte sie.<br />
Willy verstand nicht. &bdquo;Wer hat Georg?&ldquo;<br />
&bdquo;Ein paar Russen, mit denen ich Ärger hatte.&ldquo;<br />
Er löste sich von seiner Freundin, sah auf sie herab und konnte das Ausmaß ihrer Worte kaum fassen. &bdquo;Jetzt lass dir nicht alles aus der Nase ziehen! Was für Ärger?&ldquo; Seine Stimme überschlug sich und klang von jetzt auf gleich aggressiv.<br />
&bdquo;Du kannst dich noch an das Hotel erinnern, in welchem du mich abgeholt hast?&ldquo;, fragte sie leise.<br />
Willy sah auf sie herunter, überlegte kurz, dann erinnerte er sich. &bdquo;Was ist damit?&ldquo;<br />
&bdquo;Der Typ, der das Zimmer gebucht hat&#8230;, er hat mich in der Nacht vergewaltigt. Ich habe davon nichts mitbekommen. Er hat mir etwas ins Getränk getan, das er für mich bestellt hatte.&ldquo;<br />
Ihr Freund starrte sie entsetzt an. &bdquo;Wann wolltest du mir das erzählen?&ldquo;, fragte er sie leise.<br />
&bdquo;Nie. Es sollte dir nicht so scheiße gehen wie mir damals. Ich bin so etwas gewohnt, du nicht.&ldquo;<br />
&bdquo;Georg auch nicht&ldquo;, zischte Willy. &bdquo;Was hast du mit dem Typen gemacht? Lebt er noch?&ldquo;<br />
Rosalinda fühlte Wut in sich. Doch wollte sie nicht ihren einzigen Verbündeten in dieser Situation verlieren. &bdquo;Natürlich lebt er noch. Ich hab ihn verarscht und später dafür gesorgt, dass er keine weiteren Frauen mehr schänden kann. Mädchen besser gesagt, denn nicht nur ich war minderjährig, sondern alle anderen auch.&ldquo; Sie wurde jetzt laut. &bdquo;Ein Kinderschänder, Willy! Verstehst du mich? Er schläfert sie ein, fickt sie und macht sie anschließend zu Huren, indem er ihnen etwas Geld dalässt. Er sagt dann mit einem hübschen Kärtchen artig danke für die schöne Nacht.&ldquo;<br />
Willys Stimmung hatte sich nicht gewandelt. Er war nach wie vor ihr gegenüber voller Wut. &bdquo;Du erzählst mir jetzt alles! Wenn du etwas auslässt und ich erfahre es später, gehen wir getrennte Wege, das ist ein Versprechen.&ldquo;<br />
&bdquo;Warum bist du jetzt so scheiße zu mir? Ich und Georg sind die Opfer, nicht dieses Schwein!&ldquo;<br />
Er antwortete etwas ruhiger. &bdquo;Weil du eben nicht alles und jeden kontrollieren kannst, wie du es glaubst, und es mittlerweile Menschen in deinem Leben gibt, welche dir wichtig sind und mir auch, Ros. Du bringst sie in Gefahr, wie du siehst. Du bist doch nicht doof! Gerade wenn es um so etwas geht.&ldquo; Er deutete auf das Bett. &bdquo;Erzähl jetzt!&ldquo; Es klang wie ein Befehl.<br />
Rosalinda folgte ihm nach. Es war lange her, dass das letzte Mal jemand gewagt hatte, so mit ihr zu reden. Dass sie Willy dies zugestand, zeigte ihr wieder einmal deutlich auf, in welcher Abhängigkeit sie zu ihm stand. Nicht sie war die Starke in dieser Beziehung. Er war es.<br />
Sie setzte sich auf das Bettende, während er auf seiner Seite Platz nahm. Dann fing sie damit an, das Geschäftstreffen mit Solokow zusammenzufassen. Den anschließenden Einsatz in Polen, die gefundenen Kisten, das Verkaufen der Bilder an den Bekannten von Jochen, alles wurde von ihr ausführlich wiedergegeben. Dann gestand sie ihrem Freund, wie sie René losgeschickt hatte, den Russen auszuspionieren, nachdem sie ihm geholfen hatte, sein kleines Problem zu lösen, und schließlich sogar Dörtes Kommilitoninnen mit ins Boot geholt hatte, um den Vergewaltiger auf frischer Tat der Polizei auf dem Silbertablett zu präsentieren. Dabei vermutete sie, dass Solokow hiervon nichts wusste und dass es ihm vor allem um die Gemälde in der Mine ging.<br />
&bdquo;Was sind das für Bilder?&ldquo;, fragte er gefasster.<br />
&bdquo;Irgendwelche Kunst, die früher von den Deutschen im Krieg gestohlen worden ist.&ldquo;<br />
Sie sah zu ihm rüber, fand ihn vornübergebeugt, mit beiden Händen sein Gesicht stützend. Vor einer Stunde waren er und sie noch die pure Harmonie gewesen.<br />
&bdquo;Die könnten zig Millionen wert sein, ist dir das klar? Das war kein kleines wie du mir so ich dir, was du mit dem Typen da gemacht hast.&ldquo;<br />
&bdquo;Was soll ich jetzt tun?&ldquo;, fragte sie ihn kaum hörbar. &bdquo;Bitte, Willy! Ich mag es nicht, wenn du so zu mir bist.&ldquo;<br />
&bdquo;Du kennst dich mit so etwas aus. Wenn ich dir rate, zur Polizei zu gehen, was wären deine Gegenargumente?&ldquo;<br />
Sie machte sich keine Illusionen, seine Stimmung hatte sich nicht gewandelt.<br />
&bdquo;Sie würden ein Verfahren einleiten und darauf warten, dass sich die Entführer melden. Fangschaltung, vielleicht auch Solokow verhören, doch der wird alles abstreiten. Georg wird ab diesem Moment dann einfach verschwunden bleiben. Der Russe geht sicher kein Risiko ein, auch noch wegen einer Entführung belangt zu werden.&ldquo;<br />
&bdquo;Wenn du sagst, dass du nicht weißt, wer die Typen sind? Würde das etwas ändern?&ldquo;<br />
Sie hob die Schultern. &bdquo;Georg muss nur einen von denen gesehen haben. Dann wird er nicht mehr zurückkommen.&ldquo;<br />
Willy kamen die Tränen. Rosalinda hörte sein Schluchzen. Mit seiner Beherrschung war es jetzt vorbei, und zuverlässig erlangte sie die ihre damit wieder zurück. Der kurze Moment des Fallenlassens war nun vorüber.<br />
&bdquo;Lass mich ihn zurückholen. Bitte, Willy!&ldquo;<br />
Er hob sein Gesicht und wandte sich ihr zu. &bdquo;Was soll das denn jetzt? Wie könntest du das?&ldquo;<br />
Sie schloss ihre Augen und holte tief Luft. &bdquo;Ich habe Möglichkeiten und Freunde, welche mir helfen werden. Solokow hält mich für schwach, ich werde ihm zeigen, dass er mich falsch einschätzt.&ldquo;<br />
Er starrte sie mit rotem Gesicht an, während ihm die Tränen über seine Wangen liefen. &bdquo;Du machst genau dort weiter, wo du früher aufgehört hast! Nur mit dem Unterschied, dass du die verarscht, die dich lieben und damit dich selbst. Ist dir das eigentlich irgendwie bewusst? Es gibt jetzt Menschen da draußen, verdammt. Welche, die dir zumindest nicht völlig egal sind.&ldquo;<br />
Sie nickte, sich dabei über ihre Augen wischend. &bdquo;Ich weiß das jetzt. Bitte, Willy! Geh jetzt nicht! Bleib!&ldquo;<br />
&bdquo;Hol ihn zurück! Mach das, was du für nötig hältst. Ich sorge dafür, dass wir so schnell wie möglich zurückfliegen.&ldquo;<br />
Rosalinda bat ihn darum, damit zu warten. &bdquo;Es ist besser, wenn wir erst einmal hier bleiben. Dann bringt uns niemand mit dem, was passieren wird, in Verbindung.&ldquo;<br />
&bdquo;Tu, was du für richtig hältst. Aber egal wie das hier ausgeht, Ros, du brauchst Hilfe! Unbedingt! Und wenn du sie dir nicht suchst, kann, nein will ich nicht mehr bei dir bleiben.&ldquo;<br />
Sie wollte etwas entgegnen, doch schüttelte er seinen Kopf. &bdquo;Nein, Ros! Keine Ausflüchte mehr, keine Diskussionen. Es geht um Georgs Leben! Und danach um unseres.&ldquo;<br />
Sie stand wortlos auf und ging aus dem Zimmer. Willy blickte ihr nach, in diesem Moment sich um das Leben des Freundes sorgend, nicht um sein eigenes oder das Rosalindas.<br />
Entführt und misshandelt<br />
Georg begriff erst langsam, was ihm zugestoßen war. Ein freundlicher älterer Herr hatte ihn angesprochen, dann war ihm von jetzt auf gleich schwarz vor den Augen geworden. Er glaubte, sich noch an eine Erschütterung an seinem Hinterkopf erinnern zu können.<br />
Jetzt fühlte er quälenden Kopfschmerz. Er öffnete seine Augen und blickte in ein grelles weißes Licht, welches ihn blendete und damit sein Weh noch potenzierte.<br />
&bdquo;Da sind Sie ja, Pfarrer! Herzlich willkommen bei uns. Die Umstände tun mir sehr leid, mit denen meine Männer Sie gezwungen haben, uns mit Ihrer Gesellschaft zu beehren.&ldquo; Die Stimme klang metallen und verzerrt, jedoch freundlich und sehr zivilisiert dabei.<br />
&bdquo;Was wollen Sie von mir?&ldquo;, stöhnte Seydlitz.<br />
&bdquo;Von Ihnen gar nichts, lieber Herr. Von Ihrer Tochter!&ldquo;<br />
Georg sah instinktiv direkt ins Licht, wandte sich aber sogleich wieder ab.<br />
&bdquo;Weshalb?&ldquo;<br />
Die freundliche Männerstimme antwortete nicht sofort.<br />
&bdquo;Nun, ich bin nicht ganz unschuldig an dieser prekären Situation, das möchte ich nicht beschönigen. Ich habe Ihre Tochter nach einem sehr netten und unterhaltsamen Abend vielleicht ein wenig zur körperlichen Nähe genötigt, ohne ihr dabei eine Wahl gelassen zu haben. Das hat sie mir offensichtlich übel genommen, obwohl sie danach dennoch mit mir zusammengearbeitet hat. Nur die Konsequenz dieser Kooperation zeigte sich mir erst später. Erst als Vermutung, jetzt als Gewissheit.&ldquo;<br />
Es dauerte, bis der Verstand Seydlitz&lsquo; den Bericht des Fremden zusammengesetzt und in seiner Aussage ergründet hatte. &bdquo;Sie haben sie vergewaltigt?&ldquo;<br />
Der Mann zeigte in diesem Moment sein Bedauern. &bdquo;Hätte ich die Konsequenzen erahnt, welche für mich damit einhergehen, niemals, lieber Pfarrer. Zumal diese ja nun auch Sie und Ihre Tochter ereilen. Wie gesagt, ich empfinde durchaus Reue. Zumal ich nun auch noch vom deutschen Staat dafür belangt werde. Auch hier ist Ihre Tochter nicht ganz unschuldig daran, wie ich spekuliere. Von daher hoffe ich stark, dass sie einem Gespräch mit mir einwilligen wird, um weiteren Schaden von Ihnen beiden abzuwenden.&ldquo;<br />
&bdquo;Wenn sie darauf eingeht? Was haben Sie mit ihr vor?&ldquo;, fragte der Pfarrer.<br />
&bdquo;Nun, ein wenig Zucht werde ich ihr schon beibringen müssen, bevor wir gemeinsam darüber nachdenken werden, wie wir den angerichteten Schaden wieder gutmachen können. Es geht immerhin um 132 Millionen Euro, das ist keine Kleinigkeit.&ldquo;<br />
Der Pfarrer blinzelte ins Licht und glaubte, nicht richtig gehört zu haben. &bdquo;Wie kann meine Tochter Sie in solch einem Maße geschädigt haben?&ldquo;<br />
&bdquo;Indem sie eine Information verkauft hat, welche sie eigentlich mir beschaffen sollte. Das Bergwerk in Polen, Sie erinnern sich? Sie wird Ihnen bestimmt davon erzählt haben.&ldquo;<br />
Tatsächlich konnte sich Seydlitz daran erinnern.<br />
&bdquo;Leider ist es so, dass Rosalinda eine Kontaktaufnahme bisher abgelehnt hat. Selbst mit dem Wissen, dass Sie sich in unseren Händen befinden. Ich hoffe inständig, dass dadurch nicht Ihr Verhältnis zueinander belastet wird.&ldquo;<br />
Seydlitz glaubte jetzt, die Situation zu verstehen und auch deren Ausmaß zu begreifen. &bdquo;Rosalinda ist im Ausland. Sie kann nicht mal eben herkommen&ldquo;, gab er zu bedenken.<br />
&bdquo;Wir sind sicher, dass sie ihre Rückreise beschleunigen wird. Leider wird Ihnen Vladimir dazu ein wenig wehtun müssen. Verübeln Sie es ihm bitte nicht, Sie bekommen gleich im Anschluss Schmerztabletten.&ldquo;<br />
Georg fühlte Angst in sich, da sah er einen schwarzen Schatten auf sich zukommen. Etwas schnellte ihm ins Gesicht, begleitet von einer heftigen Erschütterung, da stieg ein brutaler Schmerz in sein Gesicht. Nase, Lippen, Zähne, Wangen und Stirn schienen sich zu einer einzigen Quelle der Qual zusammengeschlossen zu haben. Er stöhnte auf, erwartete weitere Schläge, doch stattdessen wurde ein weiteres grelles Licht sichtbar, welches sofort wieder verschwand. Anscheinend hatte man ihn fotografiert, um Rosalinda gegenüber weiteren Druck aufzubauen.<br />
Seydlitz versuchte irgendwie, den Schmerzen Herr zu werden, welche in seinem Gesicht tobten. Eine Hand mit einem Glas Wasser näherte sich von hinten, führte dessen Rand an seine mit Blut besudelten Lippen und forderte ihn auf zu trinken. Der Pfarrer ahnte, dass dies das Schmerzmittel war, welches man ihm angekündigt hatte.<br />
&bdquo;So, Herr Pastor. Dann wollen wir hoffen, dass sich Ihre Tochter schnell melden wird. Wir haben ihr soeben das Foto zugeschickt, sodass wir alle auf eine schnelle Reaktion hoffen können.&ldquo;<br />
Seydlitz stöhnte. Das Sprechen fiel ihm nach dem heftigen Schlag in sein Gesicht sehr schwer. So rang er sich jedes Wort ab, das er an seine Entführer richten wollte.<br />
&bdquo;Ihr macht alles kaputt, was ich bei ihr erreicht habe. Sie wird wieder zu dem werden, wovor ich sie zu beschützen suchte.&ldquo;<br />
&bdquo;Lieber Herr Seydlitz. Ihre Tochter wird Zeit ihres Lebens unter meiner Obhut ihre Schuld abtragen, dessen können Sie sicher sein. Aber vielleicht sehen Sie sich ja ab und an, wir werden sehen, wie sie sich bei mir führen wird.&ldquo;<br />
&bdquo;Sie wissen nicht, was sie für ein Mensch ist. Sie wecken das Monster in ihr, das sie seit Jahren zu beherrschen sucht.&ldquo;<br />
&bdquo;Monster? Pfarrer, wir reden von einer jungen Frau, die ihren Platz nicht kennt, und ich werde ihn ihr zeigen.&ldquo;<br />
Seydlitz schüttelte seinen Kopf. Er konnte nur hoffen, dass Rosalinda vernünftig handelte und zur Polizei oder den Amerikanern ging. Gerade Letztere würden sicher helfen.<br />
Die Stimme verstummte, der grelle Scheinwerfer wurde abgeschaltet. Seydlitz hörte russisch sprechende Männerstimmen, dann verstummten auch sie. Eine Tür wurde geschlossen, dann hörte er den Riegel eines Schlosses. Er war gefangen und seiner Freiheit beraubt worden.<br />
Entfesselt<br />
Romina sah auf das Handy herunter. Es war 16 Uhr. Sie wollte jetzt die Kommentare von Sanchez Guerro durchgehen, einem Straßenkünstler aus Portugal. Von dessen Kanal aus wurden die Emots für die anderen Plattform-Kanäle angezeigt, in welchen dann in verschlüsselten Kommentaren Anweisungen gegeben wurden. Die letzten Wochen waren ruhig gewesen, sodass sie sich voll auf die Ausbildung ihres Partners Erich und die der Deutschen Esme konzentrieren konnte. Beide drillte sie drei Stunden am späten Nachmittag, fünf Tage die Woche. Umgang mit Messern, Ringen, Schlagen, Treten, Überwinden von Hindernissen, Aufbrechen von Schlössern, Fesseln, Knebeln, Wundbehandlungen &#8211; die Themen fanden kein Ende.<br />
Esme war dabei sehr aufnahmefähig, während der Deutsche langsam Wissen verarbeitete und ziemlich begriffsstutzig war, obwohl er sich viel Mühe gab. Sie nahm es hin, denn das, was er dann mal verstanden hatte, hatte er auch verinnerlicht.<br />
Zuhause herrschte zwischen ihr und Erich Abstand. So ließ sie ihn die Haushaltsführung übernehmen, sich von ihm bedienen und bekochen, hielt ihn aber weiterhin auf körperliche Distanz. Nähe hatte es zwischen ihnen bisher nicht gegeben, obwohl sie fühlte, dass er sich diese wünschte. Machte er es sich selbst? Manchmal stellte sie sich diese Frage.<br />
Überhaupt machte sie sich viele Gedanken um ihn. Erich war nicht intelligent, körperlich sehnig, aber nicht sonderlich muskulös, redete viel und sagte dennoch wenig, versuchte ihr zu gefallen und nervte sie dadurch noch mehr.<br />
Die Vorstellung, dass sie noch Jahre in der Gesellschaft dieses Idioten verbringen sollte, marterte sie regelrecht.<br />
Sie ging die Emots durch, welche auf eine Gitarrenmelodie hin gepostet wurden.<br />
Melita28! Das war Rosalinda! Roter Ordner, Thermometer, Lach-Smilie mit Freudenträne = Notkanal!<br />
&bdquo;&iexcl;Ven aquí, Erich!&ldquo; Das hagere Gesicht des Mannes tauchte Sekunden später in der Wohnzimmertür auf. Er blickte fragend zu ihr herüber.<br />
&bdquo;&iexcl;Acércate aquí! &iexcl;Imbécil! &iquest;Eres tonto o sordo?&ldquo;<br />
Er kam eilig zu ihr, stellte sich vor dem Sofa auf und blickte fragend zu ihr herunter. Ihr Fuß schnellte vor, traf ihn im Schritt, heftigen Schmerz in seinem Unterleib entfesselnd. Er gab seinem Weh nach, beugte sich vor, da schlug schon eine heftige Ohrfeige in sein Gesicht.<br />
&bdquo;&iexcl;Siéntate ya! &iexcl;Y no empieces a llorar de inmediato!&ldquo; Er sollte sich gefälligst setzen und nicht zu weinen anfangen.<br />
Romina wechselte jetzt den Kanal des Messengers und rief die Seite einer brasilianischen Tänzerin auf. In den nächsten Minuten brauchte sie die volle Konzentration. Worte und Zeichen wechselten sich ab, dieses Mal von einem Rio Grande 833. Sie schrieb sie mit, entschlüsselte sie, dann hatte sie Gewissheit.<br />
Ihr Gesicht erstarrte. Georg! Er war in den Händen des Russen. Sie sollte ihn zurückholen, koste es, was es wolle. Rosalinda gab ihr freie Hand.<br />
Kurz blickte sie zu Erich herüber, seine gequälte Miene dabei ignorierend. Er schien wissen zu wollen, was passiert war. Es war ihr egal. Er hatte einfach zu funktionieren.<br />
&bdquo;&iquest;María? &iquest;Vienes a comer? Hemos hecho demasiado. Avísale a René y apúrense. De lo contrario, se enfriará.&ldquo; Sie lud Maria und René zu einem spontanen Essen ein. Die Freundin wusste jetzt, dass es einen Notfall gab. Jede Minute zählte!<br />
Rosalinda hatte ihr vier Zellen zugewiesen. Leute aus Mexiko, Ecuador und Portugal, welche schon ein bis zwei Jahre in Deutschland lebten und hier systemrelevante Ausbildungsberufe nachgingen. Sie hatten schon in ihren Heimatländern Deutsch gelernt und standen in keinem direkten Verhältnis zu den Los hijos del diablo. Acht Leute, plus sie vier. Notfalls konnte sie sich auch über Erich an Jochen wenden. Waffen hatten sie vor zwei Wochen erhalten, gerade zur rechten Zeit. Eigentlich hatten sie angenommen, diese selten, vielleicht sogar nie einsetzen zu müssen. Esme konnte noch nicht mit Pistolen und Gewehren umgehen, sie war noch nicht so weit. Erich dagegen hatte schon bei den Nazis entsprechende Erfahrungen sammeln können. Er war verlässlich und hatte trotz seiner schweren Verletzungen keine Angst vor einer neuerlichen Konfrontation. Lag es an seiner Blödheit? Konnte er Gefahrenpotenziale nicht richtig einschätzen? Oder war er einfach mutig? Romina wusste es nicht sicher.<br />
René! Er würde bei dieser Mission entscheidend sein. Er hatte den Russen monatelang observiert. Rosalinda hatte alles über den Mann wissen wollen und Marias Partner war ein Naturtalent, was das Observieren anbelangte. Auch diesen Holger würde man einsetzen können, wenn auch nur zur Überwachung und als Blockierer.<br />
Eine halbe Stunde später klingelte es an der Tür. Romina hörte Erichs Stimme, der das befreundete Paar einließ. Hatte sie an alles gedacht? Die Mitglieder der vier Zellen waren unterwegs und würden sich unterwegs bewaffnen. Ziele würden ihnen zugewiesen werden, genauso wie eine Handlungsempfehlung. Drei Stunden! Solange würde es dauern, bis sie Stellung bezogen hatten. Nicht um den Pfarrer zu finden wohlgemerkt. Die Taktik war jetzt eine völlig andere.<br />
&bdquo;Setzen an Tisch beide! René! Sag über Russen. Wo wohnen, Kinder, Frau. Wo gewesen, Partner, Freunde.&ldquo; Sie sah den dicken Deutschen eindringlich an. Der war in diesem Moment ein einziges Fragezeichen.<br />
&bdquo;Was ist passiert?&ldquo;, wollte der Musiker wissen.<br />
&bdquo;Russe haben Georg.&ldquo;<br />
Renés Gesicht zeigte deutlich seine Bestürzung und so nahm er am Tisch Platz und berichtete alles, was er wusste. Auf einer Karte zeichnete er Solokows Haus ein, welches er gegen Ende seiner Observierungsmission über Umwege hatte in Erfahrung bringen können. Dann das Büro des Russen, später auch ein Lokal, in welchem er sich regelmäßig mit drei Männern traf. Diese unterhielten dort anscheinend eine Art Herrenabend. Einer von ihnen arbeitete in der russischen Botschaft. Außerdem hatte Solokow eine Exfrau und Tochter, welche in Potsdam lebten.<br />
&bdquo;Gut! Wir nehmen cinco. Alle!&ldquo; Maria schien sich nicht weiter zu wundern, während Erich und René erschrockene Blicke wechselten. &bdquo;Haus und Auto machen kaputt, Büro mit Granate bumm!&ldquo; Romina grinste. Sie schien sich auf das Kommende zu freuen.<br />
&bdquo;&iexcl;Vamos, María! Asignaremos los objetivos a las celdas y luego nos iremos. Tú con René a la oficina, yo con Erich a la casa de los rusos.&ldquo; Romina forderte Maria dazu auf, ihr beim Einweisen der Zellen zu helfen, ihnen die Ziele zuzuweisen, um dann später mit Erich zu dem Haus des Russen zu fahren, während Maria und René sich um dessen Büro kümmern sollten.<br />
Zwei Stunden waren verstrichen, da hockten Romina und Erich in einem Gebüsch, welches dem Haus ihres Ziels gegenüberlag. Es gehörte zum Garten einer Villa, deren Bewohner zurzeit nicht zuhause waren. Gekleidet in schwarzen Overalls, Kopfmasken, Handschuhen und Kampfstiefeln, hatten sie in der fast abgeschlossenen Dämmerung während der letzten halben Stunde ihren Fluchtweg ausgekundschaftet. Eine Querstraße weiter gab es eine Brache mit viel Wildwuchs, dahinter einen angrenzenden Wald. Sie würden diese Richtung nehmen, dann aber nach links ausscheren, in ein leerstehendes Grundstück einbrechen, sich umziehen und dann in die belebte Stadtmitte entfliehen. Entsprechende Kleidung hatten sie bereits in dessen Nähe deponiert. Es gab auch einen Gulli, unter dessen Abstieg sie die Waffen verstecken konnten, um sie später wieder zu bergen. Vielleicht beließen sie diese auch dort, als Depot für spätere Einsätze.<br />
Sie beide trugen Funkgeräte mit Headsets, Holger observierte die Straße. Vier Minuten, dann würde es losgehen. Den Russen hatten sie bereits ausgemacht, er ging nervös im Wohnzimmer auf und ab. Wahrscheinlich auf Rosalindas Anruf wartend.<br />
Romina nickte Erich zu, der das kompakte russische Sturmgewehr mit dem Kolben an seine rechte Schulter hob, es mit dem an der rechten Seite befindlichen Spannhebel durchlud und auf zwei Reservemagazine herabblickte, welche er sich sorgsam bereitgelegt hatte.<br />
&bdquo;El objetivo uno y dos han sido identificados y serán capturados en su debido momento. El objetivo tres no ha aparecido. La madre y la hija están en su apartamento&ldquo;, stellte Romina fest, warf Erich einen kontrollierenden Blick zu, dann nickte sie. &bdquo;Zwei Freunde okay, dritte nicht okay. Frau und Kind in Wohnung, Maria Büro okay. Wir machen auf drei! Erstes oben, unten, letzte Automobil! &iquest;Entendido?&ldquo; Sie sah ihn fordernd an, dann nickte ihr Partner.<br />
Sie hörten aus weiter Entfernung einen heftigen hellen Knall, dann lud auch Romina ihre Waffe durch, drückte die Sicherung über dem Kolbenansatz und brachte sie in Anschlag. &bdquo;&iexcl;Dispara!&ldquo;<br />
Totale Eskalation!<br />
Was bildete sich diese kleine Schlampe eigentlich ein? Seit Vladimir sie angerufen hatte, war diese unerreichbar. Hatte sie vielleicht doch die Polizei eingeschaltet? Er hatte ihr doch die Konsequenzen aufgezeigt. Zumal nichts auf ihn hindeuten würde. Er hatte alles getan, um sich entsprechend abzusichern.<br />
Nervös ging er in seinem modern wie luxuriös möblierten Wohnzimmer auf und ab, blickte aus einem der Fenster hinaus auf die Straße, dann wieder auf das Handy herunter, welches er in seiner rechten Hand hielt. Vladimir hatte ihm vor fünf Minuten den letzten Status zukommen lassen. Die Haken unter dem Foto des Pfarrers waren nach wie vor grau.<br />
War die Kleine wirklich so abgebrüht? Vielleicht war der Alte ihr scheißegal? Er würde sie kriegen, früher oder später war sie dran. Und ja, selbst wenn er über sie doch noch an die Gemälde kam, hatte sie ihr Leben in Freiheit verwirkt. Er würde sie für all die Unannehmlichkeiten verantwortlich machen, unter denen er jetzt zu leiden hatte.<br />
Er griff in den Saum seines rechten Hosenbeins, hob es an und kratzte über seinen Unterschenkel. Diese verdammte Fußfessel! Es war die Bedingung gewesen, damit man die Kautionszahlung überhaupt möglich gemacht hatte. Vierhunderttausend Euro!<br />
Das Handy! Es surrte! Er entsperrte es mit seinem Daumenabdruck, öffnete den Messenger und fand einen Screenshot vom Handy seines Gefolgsmanns. Zwei blaue Pfeile, Rosalinda musste jetzt das Foto gesehen haben!<br />
In diesem Moment brach ein helles Knattern auf der Straße los, ähnlich dem, welches zu Silvester tobte. Etwas dumpfer und kräftiger vom Klang splitterten in der oberen Etage seines Hauses laut hörbar Fensterscheiben. Er versuchte zu begreifen, was hier passierte, hastete in den Flur, nahm die Treppe nach oben und fand alle Fenster zur Straße hin zerstört. Die Wände waren übersät mit Einschlagslöchern, Schränke, Bilder und Türen waren von Projektilen durchschlagen worden, Wolken von Staub waberten durch die Räume. Wieder brach das Knattern los und erneut klirrten geborstene Fenster im Haus. Erst jetzt realisierte er, dass in diesem Augenblick auf sein Haus geschossen wurde.<br />
Solokow warf sich auf den Boden, legte seine Hände über seinen Hinterkopf, die Beine zu seinem Oberkörper heranziehend. Für Sekunden herrschte Stille, dann brach das Knattern erneut los, begleitet von hohlen Stanzgeräuschen. Erneut brach Glas, Holz splitterte, dann war nur noch das Jaulen des Autoalarms zu hören. Hunde bellten, immer wieder tönte der Signalton des Wagens.<br />
Solokow blieb auf dem Boden liegen, rührte sich nicht, den Blick auf das vor ihm liegende Handy gerichtet. Es lag mit dem Display auf dem Teppichboden, einen halben Meter von ihm entfernt. Er starrte es an. Sekunden verstrichen, Minuten &#8230;, er vermochte es nicht, seinen Blick davon zu lösen.<br />
&bdquo;Was?&ldquo; Er streckte zögerlich seine Hand nach dem Gerät aus, umfasste es, drehte es so, dass er den Bildschirm sehen konnte. Dieser hellte sich in diesem Moment auf. Es war seine Exfrau. Er wollte schon das Gespräch wegdrücken, als ihn ein klammes Gefühl überkam.<br />
&bdquo;Nadine?&ldquo;<br />
&bdquo;Wo ist sie? Hast du sie? Wo ist Madlen? Sag mir, wo sie ist, Demjan! Reicht es dir nicht, jugendliche Mädchen zu schänden, vergreifst du dich jetzt auch an deiner Tochter? Gib sie mir zurück, du Schwein, oder ich werde &#8230;&ldquo;<br />
Solokow erstarrte. Er begriff nicht, was hier geschah. Er hörte die Stimme seiner Frau im Hörer des Handys, dann wurde sie übertönt von Sirenen, welche schnell lauter wurden. Bremsen quietschten draußen auf den Straßen, dann fiel ein grelles Licht in die Fenster.<br />
&bdquo;Demjan! Hörst du mich? Wo ist Madlen? Bitte! Sag mir, wo sie ist!&ldquo; Seine Frau verfiel in einen Weinkrampf. &bdquo;Ich will sie zurück, hörst du? Du kannst sie sehen, so wie vorher auch. Ich lasse die richterliche Verfügung zurücknehmen, einverstanden? Bitte, Demjan!&ldquo;<br />
&bdquo;Ruhig, Nadine! Bitte! Ich weiß noch nicht, was hier gespielt wird, aber ich finde es heraus. Erzähl mir bitte erst einmal, was überhaupt passiert ist.&ldquo;<br />
&bdquo;Sie war vor einer halben Stunde noch in ihrem Zimmer. Sie hat ein Hörbuch gehört. Ich wollte ihr gute Nacht sagen, doch sie war nicht mehr da. Nur das Fenster stand offen.&ldquo;<br />
&bdquo;Zu niemandem ein Wort, Nadine! Ich finde heraus, wer das war. Hörst du? Vertrau mir.&ldquo;<br />
&bdquo;Bitte, Demjan! Spiele kein Spiel mit mir. Wenn du dahintersteckst, bring sie mir zurück!&ldquo;<br />
&bdquo;Nadine! Ich habe sie nicht. Verstehst du das? Bitte! Gib mir etwas Zeit. Ich komme zu dir, okay?&ldquo;<br />
&bdquo;Was hast du getan? Wer war das, wenn nicht du? Bitte, Demjan! Es ist wie früher. Nie weiß ich, was los ist. Es geht hier um unser Kind.&ldquo;<br />
Solokow bat sie, ruhig zu bleiben, da brach im Erdgeschoss die Tür. Ein Knall wurde laut, gefolgt von Schritten. &bdquo;Gesichert!&ldquo;, tönte eine Stimme, da tauchten schon Bewaffnete auf der Treppe auf. Sie bemerkten ihn sofort und richteten in der nächsten Sekunde ihre Maschinenpistolen auf ihn. &bdquo;Bleiben Sie liegen! Bewegen Sie sich nicht!&ldquo;, brüllten die maskierten Schwerbewaffneten.<br />
&bdquo;Das ist mein Haus! Auf mich wurde geschossen!&ldquo;<br />
Eine Viertelstunde später saß Solokow am Esstisch in der Küche. Diese lag auf der Rückseite des Hauses und war unbeschädigt geblieben. Eine Zivilbeamtin stand seitlich von ihm und blickte auf ihn herunter, während andere Beamte sein Haus durchsuchten und Spuren sicherten.<br />
&bdquo;Sind Sie okay, Herr Solokow? Soll ein Arzt nach Ihnen sehen?&ldquo;, fragte die ältere Polizistin. Sie sah übernächtigt aus.<br />
&bdquo;Nein, es geht schon.&ldquo; Er unterstrich seine Worte mit einer flapsigen Handbewegung. Man merkte ihm an, dass er mit seinen Gedanken woanders war.<br />
&bdquo;Mein Name ist Keim, ich bin von der Kripo Berlin.&ldquo;<br />
Solokow blickte flüchtig zu der Frau auf. Sie wirkte beherrscht und gefasst, trotz der Verwüstung, welche der Beschuss im Haus angerichtet hatte.<br />
&bdquo;Wer könnte das gewesen sein? Haben Sie eine Ahnung?&ldquo;<br />
Der Russe schüttelte seinen Kopf. &bdquo;Nein. Ich weiß es wirklich nicht.&ldquo;<br />
Ein Polizist trat an die Beamtin heran und flüsterte ihr ins Ohr. Sie wandte sich dem Uniformierten schockiert zu, ihn ungläubig betrachtend. &bdquo;Irrtum ausgeschlossen?&ldquo;<br />
&bdquo;Es ist ein Firmenschild an der Eingangstür des Bürohauses.&ldquo;<br />
Die Beamtin nickte und wandte sich wieder dem Mann zu, der sichtlich verstört wirkte. Er sah den vielen Polizisten dabei zu, wie diese versuchten, sich einen Überblick zu verschaffen.<br />
&bdquo;Ich würde gerne telefonieren.&ldquo;<br />
&bdquo;Das können Sie sicher noch nach hinten aufschieben. Wir haben eine weitere schlechte Neuigkeit für Sie. In Ihrem Büro hat eine Gasexplosion stattgefunden. Diese fand, auf die Minute zeitgleich, mit dem Beschuss Ihrer Wohnung statt.&ldquo; Frau Keim sah ihn interessiert an. Sie schien jetzt neue Energie zu finden, welche ihrem Interesse an diesem Fall geschuldet war. &bdquo;Da kann man nur schwerlich von einem Zufall ausgehen.&ldquo;<br />
Ein junger Zivilbeamter trat in diesem Moment in die Küche, nickte ein paar seiner Kollegen zu, dann grüßte er auch den so massiv verstörten Mann am Küchentisch.<br />
&bdquo;Hallo Fabian!&ldquo;, grüßte ihn die Polizistin. &bdquo;Schön, dich zu sehen. Hast du Infos für uns?&ldquo;<br />
Der Mann schien nicht weiter beeindruckt von den Gegebenheiten zu sein. Glatze, Stiernacken, kräftiger Körperbau, breitschultrig und von mittlerer Größe, schien ihn nicht so leicht etwas um seine Ruhe zu bringen.<br />
&bdquo;Herr Solokow steht unter Hausarrest. Er wurde erst vor Kurzem aus der Untersuchungshaft entlassen. Unter Umständen, die ein wenig merkwürdig wirken. Er scheint ziemlich gute Beziehungen zu haben. Eigentlich gehört er nach wie vor hinter Gitter.&ldquo;<br />
Der schlanke Mann am Küchentisch blickte zornig zu dem Polizisten hinüber, welcher völlig gleichgültig blieb. &bdquo;Die Mädchen haben sich prostituiert. Das habe ich schon dem Staatsanwalt erklärt.&ldquo;<br />
&bdquo;Sieben Mädchen aus gutem und stabilem Umfeld, allesamt unauffällig und sehr jung wirkend. Vor allem die Letzte. Sie war noch Jungfrau gewesen. Selten bei Huren, finden Sie nicht? Wahrscheinlich haben Sie die Kleine vorher bezahlt, damit sie sich von Ihnen als Erstes betäuben lässt, richtig?&ldquo;<br />
Keim schien jetzt ein Licht aufzugehen. &bdquo;Er war das?&ldquo;<br />
Der junge Kollege nickte, sah sich um und trat dann an den Russen vorbei. &bdquo;Sie haben Feinde, Herr Solokow. Gefährliche noch dazu. Kriegswaffen wurden für den Anschlag hier genutzt.&ldquo;<br />
&bdquo;Bitte! Lassen Sie mich telefonieren. Ich stehe nicht unter Arrest, richtig? Ich bin der Geschädigte.&ldquo;<br />
Die Beamtin tauschte mit ihrem jüngeren Kollegen Blicke aus, dann zeigte sie sich einverstanden. &bdquo;Der Staatsanwalt kommt gleich her. Er will sich einen Blick über die Lage machen. Bis dahin dürfen Sie telefonieren, Herr Solokow.&ldquo;<br />
&bdquo;Wie gnädig. Verzeihen Sie mir, wenn ich dafür auf die Toilette gehen möchte. Privatsphäre, verstehen Sie?&ldquo;<br />
Die beiden Beamten beobachteten ihn schweigend, wie er den Stuhl zurückschob, aufstand und den Raum verließ. Er war sich im Klaren darüber, dass sie ihm zur Toilette folgen würden. Also musste er russisch sprechen, damit ihn potenzielle Zuhörer nicht verstehen konnten.<br />
Die Gästetoilette war im Gang, nur ein paar Meter entfernt. Er schloss deren Tür hinter sich ab, zog am Hebel des Wasserhahns und ließ einen kräftigen Strahl ins Becken laufen. Sollten die Bullen ruhig wissen, dass er sich nicht belauschen lassen wollte.<br />
&bdquo;Владимир? Подключи меня к голосовому искажателю, мне нужно поговорить с священником.&ldquo; Er forderte von seinem Untergebenen Vladimir, dass er ihn über den Stimmenverzerrer mit dem Pfarrer verbinden sollte.<br />
&bdquo;Что-то случилось, Босс?&ldquo;, der Untergebene wollte wissen, ob was passiert sei.<br />
&bdquo;Не задавай вопросов и делай то, что я тебе говорю!&ldquo;<br />
Es wurde still am Hörer, dann erklang ein helles Kreischen. Ein Signalton wurde hörbar, dann stand die Verbindung.<br />
&bdquo;Herr Seydlitz? Sie sind jetzt sechs Stunden Gast bei mir und in der Zwischenzeit sind ein paar kleine Vorfälle passiert, welche mich doch etwas verunsichert haben, wie ich zugeben muss. Gibt es etwas, das ich über Ihre Tochter wissen sollte?&ldquo;<br />
Die Stimme des deutschen Geistlichen klang leise und undeutlich im Hörer. Solokow ahnte, dass dies der vorangegangenen Misshandlung geschuldet war. &bdquo;Was ist Ihnen passiert?&ldquo;, kam die Gegenfrage.<br />
&bdquo;Beantworten Sie nur meine Fragen, Seydlitz. Ich muss gestehen, dass mir langsam die Geduld mit Ihnen und Ihrer Tochter ausgeht.&ldquo;<br />
&bdquo;Sie ist Mexikanerin. Ich habe sie adoptiert. Das wissen Sie doch sicher schon.&ldquo;<br />
Solokow erinnerte sich an den Abend mit der jungen Latina zurück. Sie hatte nicht viel von sich erzählt, aber das zumindest hatte sie ihm erklärt.<br />
&bdquo;Ja, das weiß ich. Sie hat von Ihnen ziemlich geschwärmt. Von daher war ich mir sicher, ich habe mit Ihnen den richtigen Hebel gefunden, welchen ich bei ihr ansetzen kann.&ldquo; Er räusperte sich. &bdquo;Aber da ist doch noch sicher mehr, habe ich Recht? Ich will alles wissen, Seydlitz.&ldquo;<br />
Ein dumpfes Poltern wurde hörbar, gefolgt von einem gellen Aufschrei. Solokow ahnte sofort, was passiert sein musste. Vladimir war Exsoldat und schon aus dieser Zeit wegen seines brutalen Handelns gegenüber Untergebenen verrufen gewesen.<br />
&bdquo;Немедленно перестань, идиот! Вы больше не тронете его волос!&ldquo; Er rief ins Telefon, dass man sofort aufhören sollte, den Pfarrer zu misshandeln.<br />
Sein Sicherheitsmann entschuldigte sich umgehend. Er hatte geglaubt, es würde so wie immer ablaufen.<br />
Es dauerte zwei geschlagene Minuten, bis der Pfarrer es schaffte, wieder ein verständliches Wort herauszubringen. &bdquo;Sie gehörte zu einer Gang. Jetzt arbeitet sie in einem Resozialisierungsprogramm der amerikanischen Regierung mit, genauso wie ich auch. Die DEA ist ebenfalls daran beteiligt.&ldquo;<br />
Solokow wurde schwindlig. Die Amerikaner! Mein Gott! Er hatte in ihrem Teich gefischt, ohne es zu ahnen. Doch würden sie zu solchen Mitteln greifen? Man hatte seine Tochter entführt, ihn beschossen und sein Büro in die Luft gesprengt. Das war doch keine Reaktion auf die Entführung eines Geistlichen, schon gar nicht, wenn man offensichtlich wusste, wer hinter dem Ganzen steckte.<br />
Sein Schläger fragte in diesem Moment, ob er dem Pfarrer Wasser geben durfte.<br />
&bdquo;Да, черт возьми. Сделай все, чтобы он снова стал более-менее в форме!&ldquo; Er forderte seinen Untergebenen auf, alles für das Wohl seiner Geisel zu unternehmen.<br />
&bdquo;Seydlitz. Bitte! Sagen Sie mir, was es mit Ihrer Tochter auf sich hat. Das waren keine Aktionen von Amerikanern. Da steckt mehr dahinter.&ldquo;<br />
Es wurde ruhig. Solokow musste fragen, was los sei. Stimmen wurden vor seiner Toilettentür laut. Anscheinend war jetzt der Staatsanwalt zur Stelle. Verdammte Scheiße! Ging das so weiter, würden ihn auch seine guten Verbindungen zur Politik nicht mehr retten können. Irgendwann war sein Einfluss verbraucht, zumal er kurz davor stand, zur Persona non grata erklärt zu werden.<br />
&bdquo;Sie hat früher in Mexiko schwere Verbrechen begangen. Sie ist sehr gefährlich, wenn man sie provoziert. Aber sie ist nicht hier. Sie kann Ihnen nichts tun. Sie ist im Ausland. Sie ist im Westen Irlands unterwegs, zusammen mit ihrem Freund.&ldquo;<br />
&bdquo;Was für Verbrechen, Seydlitz!&ldquo;, flüsterte Solokow.<br />
&bdquo;Das Schlimmste, was Menschen einander antun können. Von daher bitte ich Sie: Lassen Sie mich wieder gehen. Sie wecken etwas auf, was ich über die Jahre zur Ruhe gebracht habe.&ldquo;<br />
&bdquo;Seydlitz! Man hat auf mich geschossen! Mein Büro wurde in die Luft gesprengt und meine kleine Tochter entführt. Das innerhalb weniger Stunden. Wie kann das Ihre Tochter gewesen sein, wenn sie sich in Irland aufhält?&ldquo;<br />
Es blieb ruhig. Vergebens wartete der Russe auf eine Antwort. Stattdessen meldete sich jetzt die Polizistin. &bdquo;Telefonieren Sie noch lange, Solokow? Wir würden gerne die Vernehmung fortsetzen, Herr Schleswig von der Staatsanwaltschaft ist jetzt vor Ort.&ldquo;<br />
&bdquo;Ich werde noch ein wenig brauchen. Seien Sie geduldig mit mir, es wurde auf mein Leben ein Anschlag verübt.&ldquo;<br />
&bdquo;Sie bekommen zehn Minuten, Solokow. Ansonsten holen wir Sie raus und dann telefonieren Sie das nächste Mal von Moabit aus&ldquo;, hörte er eine tiefe grollende Männerstimme. Das musste der Staatsanwalt sein.<br />
&bdquo;Ja, verdammt. Tun Sie nicht so groß. Ich habe Verbindungen!&ldquo;, schrie Solokow zurück.<br />
&bdquo;Hören Sie mich?&ldquo;, vernahm er jetzt die Stimme des Priesters. &bdquo;Lassen Sie mich mit meiner Tochter sprechen. Sie wird Ruhe geben, wenn sie weiß, dass ich heil zurückkomme.&ldquo;<br />
Solokow war einverstanden. &bdquo;Sagen Sie ihr, dass man meine Tochter gehen lassen soll!&ldquo;<br />
Seydlitz versprach es ihm.<br />
&bdquo;Gut, lass ihn anrufen, Vlad! Melde dich über Messenger und halte mich auf dem Laufenden. Ich muss meine Frau Bescheid geben, sonst rennt sie zur Polizei und dann gerät alles noch mehr außer Kontrolle als ohnehin schon.&ldquo;<br />
Verhandlung<br />
&bdquo;Willy! Ich bin es, Georg. Gib mir Ros!&ldquo;<br />
&bdquo;Pater? Sie hat mir alles gesagt. Hat man Sie gehen lassen?&ldquo;, fragte der junge Mann hoffnungsvoll.<br />
&bdquo;Gib mir meine Tochter, Willy! Bitte!&ldquo;<br />
Der Junge schien zu ahnen, dass sich der Pfarrer in einer brisanten Situation befand.<br />
&bdquo;Warte bitte, ich hole sie sofort!&ldquo;<br />
Seydlitz hörte, wie eine Tür aufgerissen wurde. Anschließend Schritte auf einer Diele. &bdquo;Ros! Ros!&ldquo; Willys Stimme überschlug sich. Weitere Schritte tönten, dann glaubte der Pfarrer, hören zu können, wie das Telefon den Nutzer wechselte.<br />
&bdquo;Georg! Geht es dir gut?&ldquo;, tönte die verweinte Stimme seiner Adoptivtochter. &bdquo;Ich mache die Schweine kaputt! Jeden Einzelnen von ihnen. Sie und ihre Familien! Sag ihnen das&ldquo;, kreischte seine Tochter ins Mobiltelefon hinein.<br />
&bdquo;Rosalinda! Beruhige dich. Bitte! Was passiert hier? Du hast ein Kind entführen lassen?&ldquo;<br />
Seine Tochter verneinte. &bdquo;Nein, das habe ich nicht. Aber Freunde von mir haben Maßnahmen ergriffen, um dich zu befreien.&ldquo;<br />
&bdquo;Schatz! Bitte! Was sind das für Freunde? Du bist doch jetzt anders. Ich verstehe das nicht. Du hättest doch zur Polizei &#8230;&ldquo;<br />
&bdquo;Georg! Das Schwein ist ein Vergewaltiger und noch viel mehr. Du siehst doch, was er dir antut. Was glaubst du, wäre geschehen, wenn ich zu den Bullen gegangen wäre? Der Typ steht unter Anklage. Die hätten dich einfach verschwinden lassen und Willy wäre der Nächste gewesen. Jetzt wissen sie Bescheid. Meiner Familie tut niemand etwas. Dafür sorge ich!&ldquo; Die letzten Worte hatte sie geschrien. &bdquo;Sie lassen dich innerhalb der nächsten halben Stunde frei, geben mir die Adresse, wo meine Leute dich abholen können, oder ich läute die nächste Runde ein. Sag ihnen das!&ldquo;<br />
&bdquo;Ros! Bitte, Schatz! Ich kenne dich so nicht. Das, was hier passiert, kann dich doch nicht von jetzt auf gleich so verändert haben.&ldquo;<br />
&bdquo;Ich habe solchen Schweinen den Krieg erklärt. Darauf haben wir uns geeinigt, erinnerst du dich? Solchen, die es verdienen. Es war nur mein Fehler zu glauben, dass man hier anders verfährt als in Mexiko und die Familie nicht mit reinzieht. Ach übrigens, der Typ bei dir &#8230;, Vladimir heißt er, richtig? Wir haben seinen Bruder Viktor. Vielleicht richtest du ihm das aus? Er hat eine große Familie hier in Deutschland, wie ich hörte.&ldquo;<br />
Der Sicherheitsmann wurde rot im Gesicht, doch zeigte ihm der Pfarrer eine verzweifelte Miene. &bdquo;Nein! Bleiben Sie ruhig! Sie ist sonst zu allem fähig.&ldquo; Er wandte sich wieder an seine Tochter. &bdquo;Bitte, Rosalinda &#8230;&ldquo;, doch wurde er von ihr sofort unterbrochen. Ihre Stimme klang völlig unbeherrscht in diesem Moment. &bdquo;Es ist so, wie ich es gesagt habe, Georg. Sie tun dir noch einmal weh und ich rotte sie alle aus!&ldquo; Die letzten Worte hatte sie geschrien, dann wurde das Gespräch beendet.<br />
Die beiden Männer wechselten erschrockene Blicke. In dieser einen Sekunde vergaßen sie, wer Täter und wer Opfer war. Nicht nur Seydlitz schien es mit der Angst bekommen zu haben, sondern auch der Russe. Jeder von ihnen machte sich in diesem Moment Sorgen um seine Angehörigen.<br />
Zehn Minuten später las Solokow die Nachricht. Er wurde kalkweiß in diesem Augenblick. &bdquo;Die Tochter ist wie wahnsinnig. Sollte in einer halben Stunde der Pfarrer nicht freigelassen werden, droht sie uns alle zu töten. Sie haben jetzt auch meinen Bruder, Boss.&ldquo;<br />
&bdquo;Hören Sie uns? Es wäre schön, wenn Sie unsere Fragen beantworten würden, anstatt sich Ihrer Kommunikation zu widmen. Sonst sehe ich mich gezwungen &#8230;&ldquo;<br />
Der Russe löste sich widerwillig aus seinen Gedanken und wandte sich dem schlanken, hochaufgeschossenen Anzugträger zu, welcher ihm gegenüber Platz genommen hatte. &bdquo;Passen Sie auf, Schleswig. Ich kann gleich als Nächstes meinen Rechtsanwalt anrufen. Dann wird hoffentlich schnell klar werden, dass ich hier nicht der Täter bin, sondern das Opfer. Und spätestens ab dieser Sekunde erfahren Sie nichts mehr von mir, verstanden?&ldquo;<br />
Der Staatsanwalt riss sich zusammen und schluckte seine offensichtliche Wut herunter. So war es die Kollegin von der Polizei, welche ihn ablöste.<br />
&bdquo;Sie kennen Ilja Roslan und Wassili Petrov?&ldquo;, fragte Frau Keim in einer ruhigen Stimmlage. Sie schien zwischen den beiden Männern intervenieren zu wollen.<br />
&bdquo;Ja, es sind langjährige Geschäftspartner von mir.&ldquo; Der Verhörte schien in diesem Moment nicht erahnen zu können, worauf sie hinaus wollte.<br />
&bdquo;Sie wurden entführt. Gewaltsam aus dem Haus ihrer Familien. Zur selben Zeit, in der Sie, Herr Solokow, beschossen worden sind und Ihr Büro gesprengt wurde. Irgendjemand hat Sie da auf dem falschen Fuß erwischt. Solch ein koordiniertes und aggressives Handeln haben wir hier noch nie erlebt, da möchte ich ehrlich zu Ihnen sein.&ldquo;<br />
Der Russe nahm sein Handy auf. Das Ganze nahm ein Ausmaß an, welches er nicht mehr überblicken konnte. Die beiden Männer hatten die besten Verbindungen. Wenn sie ihn für ihre Entführung verantwortlich machten, würde er den nächsten Tag nicht mehr überleben.<br />
Eine gerade erst achtzehnjährige Frau nahm sein Leben auseinander! Wegen einer Nacht, in der er sich an ihr vergangen hatte. Wenn er doch nur die Zeit zurückdrehen könnte. Dieses eine Zusammentreffen ungeschehen &#8230; Es brauchte so wenig und das Leben wurde zur Katastrophe.<br />
Er nahm sein Handy auf und tippte auf Russisch eine Nachricht. &bdquo;Lass ihn gehen!&ldquo;<br />
&bdquo;Trinken Sie das, Pfarrer! Sie werden eine Weile benommen sein und wenn Sie wieder klarer werden, sind Sie frei. Ich schreibe Ihrer Tochter, wo man Sie abholen kann.&ldquo;<br />
Seydlitz war einverstanden. Er schloss seine Augen, während sein Entführer ihm den Rand des Glases vorsichtig an seine Lippen führte. &bdquo;Sagen Sie ihr, sie soll meinem Bruder nichts tun. Bitte!&ldquo;<br />
Der Pfarrer versprach es. Dennoch blinzelte er in den Schein der Lampe und zeigte seine Wut. &bdquo;Sie haben alles zerstört. Meine ganze Arbeit mit ihr.&ldquo;<br />
Der Entführer zeigte Reue. &bdquo;Es tut mir leid. Ich tue nur das, was mir gesagt wird &#8230;&ldquo;<br />
&bdquo;Das lässt Sie nicht unschuldig werden&ldquo;, entgegnete der Pfarrer. &bdquo;Beten wir zu Gott, dass ich sie besänftigen kann.&ldquo;<br />
Er nahm ein paar Schlucke von dem bitteren Sud und lehnte sich zurück gegen die einfache Stuhllehne. Lieber Herrgott, lass uns alle in diesem Moment stark sein und auf den Pfad der Tugend zurückkehren.<br />
Romina war mit Erich gerade in der Wohnung angekommen, als eine neue Nachricht eintraf. Sie brauchte Zeit, um sie zu entschlüsseln, während ihr Partner deutlich seine Aufregung zeigte. Er hatte in seinem Leben noch nie scharf mit einem Sturmgewehr geschossen! Das war so krass gewesen. Das Haus war regelrecht zerlegt worden, vom Wagen ganz zu schweigen. Das war etwas anderes gewesen, als im Schützenverein auf ein paar Papierscheiben zu feuern.<br />
&bdquo;&iexcl;Tenemos que irnos, idiota! Vamos a buscar a Georg.&ldquo; Die hübsche Latina herrschte ihn an, dass sie sofort wieder los müssten, um Rosalindas Vater zu holen.<br />
&bdquo;Dann haben wir es geschafft?&ldquo;, fragte Erich erstaunt. &bdquo;Das ist ja krass. Rosalinda ist die Größte! Da passt einfach nichts mehr drüber.&ldquo;<br />
Seine Partnerin zeigte dieses Mal ein Lächeln. &bdquo;Mexiko! Sie klein und tot überall. Sie Teufel gewesen sein. Jeder haben Angst vor klein Chica. Selbst Männer groß. Selbst Bosse!&ldquo; Sie schien für einen Moment nachdenklich. &bdquo;Lieben Engel. Georg und Willy sein.&ldquo;<br />
Erich lächelte. Er freute sich, dass Romina das erste Mal so etwas wie ein Gespräch zwischen ihnen hatte aufkommen lassen.<br />
&bdquo;Kommen! Du gut waren.&ldquo; Sie nickte ihm zu, nahm die Jacken, welche sie gerade erst aufgehängt hatten, dann verließen sie auch schon wieder eilig die gemeinsame Wohnung.<br />
Komplikationen<br />
Erich mietete über die App seines Handys einen Carsharing-Wagen, dann fuhren sie in den Norden Berlins. Das Navigationssystem prophezeite 18 Minuten. Hoffentlich fanden sie Rosalindas Vater heil und gesund. Er hoffte es wirklich für die Chefin. Sie war sein Idol. Eine Macht. Etwas, dem man sich beugen musste. Genauso wie diese Frau an seiner Seite. Die beiden waren keine Schwätzerinnen oder Poserinnen wie seine Kameraden. Das waren Menschen, welche die Hölle gesehen und überlebt hatten. Alte Begrifflichkeiten schienen sich diesen Frauen gegenüber zu verbieten. Untermenschen? Kanaken? Chilifresser? Er wollte den Mann sehen, welcher seine Romina so zu nennen wagte.<br />
&bdquo;Du gucken Straße! Konzentrier! Hören?&ldquo;, schimpfte Romina ihn.<br />
Er sah kurz zu ihr rüber, dann nickte er. Sie bekam es sofort mit, wenn er in Gedanken woanders war. Wenigstens schlug sie ihn nicht. Wahrscheinlich aus Respekt davor, dass er am Steuer saß.<br />
Die Minuten verstrichen. Romina bekam einen Anruf. &bdquo;&iquest;Rosalinda? Sí, estamos a punto de llegar. Cinco minutos más. Nos daremos una vuelta antes de que Erich recoja a Georg. Voy a proteger a ambos de cualquier sorpresa.&ldquo; Sie erklärte der Chefin die Situation und dass Erich den Pfarrer holen sollte, während sie die Umgebung sicherte.<br />
Der ehemalige Nazi konnte Rosalindas Stimme hören, ein paar Sekunden später war das Gespräch auch schon wieder vorbei. Das wenige, was er gehört hatte, zeigte ihm in aller Deutlichkeit, in welcher Verfassung die Frau war. Wahnsinn. Er hätte nicht geglaubt, dass sie so sensibel auf einen Menschen reagieren könnte. Der Alte schien ihr wirklich etwas zu bedeuten.<br />
&bdquo;Ich Pistola, du Chuchillo und Gas Pimienta. &iquest;Has entendido? &iexcl;Ten cuidado!&ldquo;<br />
Er glaubte zumindest, verstanden zu haben. Chuchillo bedeutete Messer, Gas Dingsbums konnte nur die Flasche mit dem Pfefferspray sein. Entendido wusste er. Das hieß verstanden. Sie brüllte es ihm ständig zu, meist im Zusammenhang mit einer Ohrfeige, welche sie auf seine Wange krachen ließ. Cuidado? Keine Ahnung. Er lächelte in ihre Richtung, dann deutete er auf die rechte Straßenseite. Es gab dort einen Haltebereich für Fahrzeuge, ohne Häuser in unmittelbarer Nähe. Die Chance, dort gesehen zu werden, war relativ gering. Die Adresse lag von hier aus zweihundert Meter in der Querstraße. Diese war selbst um diese Zeit dicht befahren. Seltsam, dass man den Pfarrer ausgerechnet dorthin verschleppt hatte.<br />
&bdquo;Los! &iexcl;Vamos! &iexcl;Hazlo ya!&ldquo; Schon traf eine heftige Erschütterung sein Gesicht. &bdquo;Mach!&ldquo; Romina sah ihn böse an, riss die Tür auf ihrer Seite auf, dann war sie schon auf dem Gehweg.<br />
Auch Erich öffnete jetzt die Wagentür, sah sich um, dann lief er los. Die nächste Längsstraße und eine verkommene Werkhalle auf deren gegenüberliegender Seite war sein Ziel. Dort sollte dieser Pfarrer auf ihn warten.<br />
Er rannte, so schnell es ihm möglich war. Dass seine Partnerin Schritt halten würde, darum brauchte er sich nicht zu sorgen. Sie würde bei ihm sein, wenn es darauf ankam. Immer! So wie die Chefin auch.<br />
Der junge Mann stieg behände über einen niedrigen Zaun, dann war er auch schon auf der gegenüberliegenden Seite des Grundstücks. Es war jetzt fast 23 Uhr. Was das für ein irrer Tag gewesen war. Total crazy.<br />
Romina war nirgends zu sehen. Das war ihm jedes Mal ein Rätsel. Wenn sie nicht entdeckt werden wollte, blieb sie praktisch unsichtbar. Wie sie das anstellte, wollte sie ihm nicht verraten. Vielleicht irgendwann einmal? Er konnte es nur hoffen.<br />
Er war jetzt an der Straße. Autos passierten ihn auf seiner Seite, der Gegenverkehr war frei. Da! Ein Mann an der gegenüberliegenden Straßenseite! Er schien betrunken zu sein. Relativ groß und massig, Glatze &#8230; die Beschreibung passte! Und auch das Foto! Warum aber torkelte der Vater von Rosalinda wie betrunken in der Gegend herum? Erich zeigte sich wegen des Zustands des Mannes verwirrt. Hatten ihn die Russen besoffen gemacht?<br />
Der Mann schwankte stark, tat einige unsichere Schritte und fand gerade noch Halt am Mast einer Straßenlaterne. Erich wollte die Straßenseite wechseln, doch war es ein heranfahrender LKW, welcher ihn daran hinderte. Der Pfarrer indessen löste sich wieder von der Laterne, wankte weiter und driftete immer näher Richtung Straße ab, drohend den sicheren Gehweg zu verlassen.<br />
Eine Limousine kam jetzt auf der Straße herangerast. Nur noch wenige Dutzend Meter von dem Geistlichen entfernt. Dieser stolperte in diesem Augenblick, ruderte mit seinen Armen und stolperte auf die Straße!<br />
Jetzt galt es! Trotz dessen hinter dem LKW ein Kleinwagen nachfolgte, sprang Erich auf die Straße, sprintete, so schnell er konnte, um ein Haar von dem PKW fast erfasst werdend. Hupen wurde hinter ihm laut, da war die Limousine nur noch wenige Meter von dem Geistlichen entfernt. Sie bremste in diesem Moment ab, das Krachen des ABS tönte, doch würde der behäbige Mann in der nächsten Sekunde von deren Front getroffen werden.<br />
In einem riesigen Satz hechtete Erich auf den dicklichen Mann zu, stieß ihn im Sprung zurück auf den Gehweg, während seine Beine zur Seite geschleudert wurden und seinen Oberkörper mitrissen. Er fühlte, wie sein Körper über den Asphalt rollte, dann hatte er sich wieder unter Kontrolle.<br />
Romina war sofort bei ihm, zog ihn auf den Gehweg hinauf, während ein älterer Herr aus dem Wagen heraussprang und deutlich seine Panik zeigte.<br />
&bdquo;Oh mein Gott! Es tut mir so leid. Der Betrunkene ist mir vors Auto gelaufen! Wenn der Mann nicht gewesen wäre &#8230;&ldquo;, er stürzte an den jungen Mann heran, der bei Bewusstsein zu sein schien. Der robbte auf den augenscheinlich Betrunkenen zu, welcher sich in diesem Moment nicht mehr regte.<br />
&bdquo;Was ist mit ihm? Er bewegt sich nicht mehr! Romina! Schau, was mit ihm ist!&ldquo;, rief Erich erschrocken.<br />
Erst jetzt begriff die Latina und sah zu dem kräftigen Körper rüber, der kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Sie eilte zu ihm, beugte sich über ihn, während sich Erich an den reglosen Leib auf seinen Unterarmen heranzog.<br />
&bdquo;Sie da! Holen Sie einen Krankenwagen!&ldquo;, forderte der Verletzte. Der Fahrer der Limousine schien völlig überfordert, dabei hielt er das Handy schon an sein Ohr. Stotternd gab er das Unfallgeschehen durch, anschließend bot er der Passantin seine Hilfe an. Die schien unschlüssig, was zu tun sei, und so war es wieder Erich, der eingriff.<br />
&bdquo;Atmet er?&ldquo;<br />
Romina beugte sich über den Mund des Pfarrers, fühlte seinen Bauch, dann schüttelte sie ihren Kopf.<br />
&bdquo;Schlägt sein Herz?&ldquo;, fragte ihr Partner weiter.<br />
Die Latina senkte die Seite ihres Gesichtes auf der Brust des auf dem Boden liegenden Geistlichen ab. Sie schien sich nicht sicher.<br />
&bdquo;Sie da! Leisten Sie erste Hilfe! Drücken Sie auf seinen Brustkorb!&ldquo;, rief Erich und wandte sich seiner Begleiterin zu. &bdquo;Romina! Luft in seinen Mund! Los!&ldquo;<br />
Sie begriff nicht und so zog sich Erich weiter an den Leib des Schwerverletzten heran, hob seine Hände und überstreckte den Kopf des Pfarrers nach hinten, mit seinem Kinn dabei gegen den Beton des Gehweges drückend, um seinen Kopf abzustützen. &bdquo;Atmen! Los! Romina! Aero!&ldquo;<br />
Die Latina schien endlich zu begreifen, beugte sich über das Gesicht des Pfarrers und drückte über seinen Mund die Luft aus ihrer Lunge heraus in die des reglosen Mannes. Zwischenzeitlich versuchte der PKW-Fahrer weiter die Herzmassage, sich verzweifelnd auf die Frequenz zu besinnen suchend, welche er vor langer Zeit einmal gelernt hatte. War der Mann vielleicht tot? In diesem Moment tönten Sirenen und nahmen schnell an Lautstärke zu.<br />
Erichs Blick war die ganze Zeit über auf den Pfarrer gerichtet. Der Mann bewegte sich nicht! Sein Rumpf bebte nur unter der Herzdruckmassage, während Romina ihn weiter mit Sauerstoff zu versorgen suchte. Hatte das alles noch einen Sinn? In diesem Moment kamen ihm Zweifel. Auf dem Boden liegend sah er jetzt drei Sanitäter an sich vorbeieilen, nachdem sie sich kurz vergewissert hatten, dass er stabil war. Erst jetzt machte er sich Gedanken um sich selbst.<br />
&bdquo;Wir übernehmen!&ldquo; Die Profis komplimentierten die beiden Helfer zur Seite, baten um Platz und übernahmen die Reanimation. Ein weiterer Wagen brauste heran, bremste und ein Notarzt war ein paar Sekunden später zur Stelle.<br />
Romina kam jetzt an Erichs Seite. Jetzt war er es, um den sie sich kümmern wollte. &bdquo;Gut sein?&ldquo;<br />
Erich blickte über seine rechte Schulter hinweg in Richtung Beine. &bdquo;Keine Ahnung, trau mich gerade nicht, mich zu bewegen. Die Karre hat mich voll erwischt.&ldquo;<br />
&bdquo;Schmerz?&ldquo;, fragte sie ihn weiter.<br />
Erich fühlte in sich hinein. Tatsächlich taten ihm beide Beine weh, nur hatte er bis jetzt nicht auf sich selbst geachtet gehabt. So nickte er, blieb aber mit seiner Aufmerksamkeit bei dem Geistlichen. Rosalinda würde am Ende sein, wenn der Alte abkratzte. Hoffentlich konnten die Helfer das Schlimmste verhindern.<br />
Eine halbe Stunde später wurde Seydlitz auf eine Trage gebettet. Man hatte wieder einen Puls. Inwieweit er stabil war, wusste der Notarzt nicht einzuschätzen. Man musste ihn im Krankenhaus erst näher untersuchen. Ein Glück für sie war, dass der Mediziner Spanisch konnte und so Romina auf den neuesten Stand brachte. Sie schickte Rosalinda eine Sprachnachricht, in welcher sie kurz beschrieb, was passiert war und wie es ihrem Vater ging.<br />
&bdquo;Sie können nicht mitfahren. Ich gebe Ihnen die Adresse, dann kommen Sie nach. Ihr Freund hat es ziemlich erwischt. Ich gehe von mehrfachen Frakturen aus&ldquo;, erklärte der Arzt der Mexikanerin.<br />
Erich machte es nicht viel aus. Er war zeit seines Lebens Kummer und Leid gewöhnt. Er konnte mit solchen Situationen umgehen. Dass er nach wenigen Monaten schon wieder ins Krankenhaus verbracht wurde, amüsierte ihn fast.<br />
&bdquo;Ich kommen!&ldquo; Romina nickte ihm zu, während sie ihn in den Krankenwagen hineinschoben.<br />
Der junge Deutsche hob seinen Arm, winkte in ihre Richtung, dann wurden die Türen geschlossen. Das waren keine leeren Worte von ihr gewesen, diese Gewissheit hatte er.<br />
Romina sah dem Krankenwagen nach, wie er die Hauptstraße weiter hinunterfuhr. Georg war mit einem anderen Wagen transportiert worden, der diesem vorausgefahren war. Im Gegensatz zu Erich stand Rosalindas Vater nach wie vor unter Lebensgefahr. Anscheinend hatte er einen Infarkt erlitten, wie von dem medizinischen Personal vermutet worden war.<br />
Auch der Notarzt verabschiedete sich flüchtig, rief doch schon der nächste Einsatz. Romina aber blieb in diesem Moment ratlos, suchte ihr Handy und rief Maria und René an. Letzterer musste sie holen kommen, besaß sie doch selbst keinen Führerschein.<br />
Willy saß neben seiner Freundin auf der Treppe. Rosalinda sprach mit ihm kein Wort, starrte auf das Display des Handys herunter und wartete auf Neuigkeiten. Georg war befreit worden, dass er jetzt ins Krankenhaus gebracht wurde, war wahrscheinlich dem Stress geschuldet, welchem er ausgesetzt gewesen war. Romina hatte von einem Zusammenbruch gesprochen.<br />
&bdquo;Ich weiß nicht, was ich machen soll!&ldquo;, flüsterte Rosalinda.<br />
&bdquo;Tue das, was Georg von dir erwarten würde!&ldquo;, wandte Willy ein, ahnend, dass es jetzt um ihre Rachemaßnahmen gehen würde.<br />
&bdquo;Ich soll sie gehen lassen?&ldquo;, fragte sie ihn.<br />
&bdquo;Ros! Es ist genug! Wir haben ihn wieder. Lass dieses Schwein nicht noch mehr zerstören als ohnehin schon.&ldquo;<br />
Würde sie auf ihn hören? Willy ahnte, dass dies allen Erfahrungen zuwiderlief, welche sie in frühen Jahren gemacht hatte.<br />
&bdquo;Ich lasse seine Tochter gehen. Die anderen behalten wir bis &#8230;&ldquo;<br />
Willy schüttelte seinen Kopf, streckte beide Hände nach ihr aus und drückte ihren Körper gegen den seinen. &bdquo;Bitte, Ros! Hör auf! Er würde es wollen und ich auch.&ldquo;<br />
&bdquo;Du bist weg, Willy! Du bleibst nicht nach dem hier&ldquo;, flüsterte sie.<br />
&bdquo;Ich habe es dir versprochen. Immer und immer wieder&ldquo;, entgegnete er.<br />
Rosalinda schloss ihre Augen. Dennoch fühlte sie Tränen über ihre Wange laufen. &bdquo;Erst Georg, dann du! Was, wenn er nicht aufhört?&ldquo; Sie schluchzte. &bdquo;Dieses Schwein! Er hat alles kaputt gemacht. Ich habe keine Schuld, hörst du? Er hat mich vergewaltigt. Ich konnte mich nicht wehren. Ich wollte, dass er es nie wieder tut. Weder bei mir noch bei einem anderen Mädchen.&ldquo;<br />
&bdquo;Beruhige dich! Ich buche uns Flüge. Morgen sind wir zurück. Alles andere ist jetzt nicht wichtig.&ldquo;<br />
Er spürte ihr Nicken, ab dann blieb sie völlig passiv. Er konnte sie noch dazu überreden, auf das Zimmer zu gehen und sich aufs Bett zu legen. Dort starrte sie auf das Display ihres Handys und zögerte noch immer.<br />
&bdquo;Bitte, Ros! Denk an Georg! Denk an mich! An uns!&ldquo;<br />
Sie blickte in seine Richtung, hob das Handy an ihren Mund und sprach hinein. &bdquo;Deja que todos se vayan. Pero antes deben saber a quién tienen que agradecer todo esto.&ldquo; Sie forderte Romina auf, die Geiseln freizulassen und sie darüber zu informieren, warum sie entführt worden sind. Dann warf sie das Handy aufs Bett, legte sich auf die Seite, ihr Rücken ihm zugewandt.<br />
Empfand Willy Mitleid? Seine Wut auf sie war immer noch da. Hätte sie den Mann angezeigt, wäre das alles nicht passiert. Doch hätte man ihr geglaubt? In einer Luxussuite mit einem Bündel Scheine auf dem Nachttisch sowie einem Dankschreiben?<br />
Er hatte sich nie vorstellen können, wie es sich für eine Frau anfühlen musste, von einem Mann misshandelt und missbraucht zu werden. Es war da nicht mehr als eine Ahnung in ihm. Er konnte nur sagen, dass es ihn nach ihrer Offenbarung immens beschäftigte. Ein anderer Mann war mit seinem Penis im Geschlecht seiner Freundin gewesen. Im Grunde genommen war er selbst durch ihn gleich mit vergewaltigt worden.<br />
Gewissheit<br />
Fünf Tage waren vergangen. Rosalinda saß im Wartebereich des Chefarztbüros. Auch andere Patienten warteten auf Informationen über Angehörige. Kurz hatte sie den behandelnden Arzt vorgestern kennengelernt. Etwa im selben Alter wie Georg, fast zwei Meter groß, schmale Schultern, müdes, überanstrengtes Gesicht.<br />
&bdquo;Bleib ruhig, Ros!&ldquo;, mahnte Willy. &bdquo;Noch steht nichts fest. Es lag doch das Wochenende dazwischen.&ldquo;<br />
Rosalinda nickte ihm zu. Sie war nur zum Waschen und Umziehen zu Hause gewesen, Schlafen hatte sie nicht können. Der Kreislauf ihres Vaters war stabil, nur eine Regung seines Körpers oder ein Bemerkbarmachen seines Bewusstseins blieb aus. Künstliches Koma! In Georgs Kopf war eine Ader geplatzt. Wahrscheinlich schon während seiner Gefangenschaft. Ein Betäubungsmittel hatte ihm dann den Rest gegeben. Die Hirnschäden waren sehr groß und wahrscheinlich irreversibel. Auf das abschließende Urteil des Spezialisten warteten sie jetzt in diesem Moment.<br />
Rosalindas Augen waren trocken und entzündet, ihr Gesicht ungeschminkt, die Haut bleich, ihre Atmung angestrengt. Sie war körperlich am Ende. Vielleicht das erste Mal in ihrem Leben.<br />
In ihren Gedanken repetierte sie die Erinnerungen an ihren Adoptivvater immer und immer wieder. Gemeinsame Erlebnisse, welche sie verbanden, Erinnerungen, von denen die meisten unscheinbar und leer wirkten, einige andere aber dafür umso mächtiger.<br />
In Mexiko hatte sie keinen Menschen als selbstverständlich genommen. Zu groß schien damals die Gefahr, jemanden zu verlieren und nie wieder zu sehen. Schon als Kind hatte sie gelernt, emotional zu anderen auf Abstand zu bleiben. Gerade dann, wenn man selbst etwas erreichen wollte.<br />
Und hier? All ihre Bekannten und Freunde, vor allem aber Georg und Willy, waren zu festen Bestandteilen ihres Lebens geworden. Säulen, auf denen es ruhte. So ungefähr fühlte es sich jetzt auch für sie an, wo ihr eine der wichtigsten davon weggebrochen war.<br />
Franzi, Heidrun und Frank, René, Maria, Romina, Esme und Mike &#8230; sie alle waren da gewesen, um zu helfen. Und all diese Menschen waren ihr eine Selbstverständlichkeit geworden. Keine von ihnen wollte sie geopfert oder verletzt sehen.<br />
&bdquo;Frau Seydlitz?&ldquo; Der Arzt winkte ihr von der Tür seines Sprechzimmers her zu.<br />
Rosalinda ließ sich von Willy aufhelfen, der vor ihr aufgestanden war und sie zum Eingang des Dienstzimmers führte. Jede Faser ihres Körpers meldete ihr drohendes Unheil.<br />
&bdquo;Nehmen Sie bitte Platz!&ldquo; Das bartlose hagere Gesicht des Arztes wirkte überanstrengt und verschlissen. Seine grauen Augen wechselten zwischen ihr und ihrem Freund hin und her, dann setzte er sich an seinen Arbeitsplatz.<br />
&bdquo;Ich will gleich auf den Punkt kommen. Es warten noch viele andere Patienten. Ich hoffe da auf Ihr Verständnis.&ldquo;<br />
Willy nickte ihm zu, Rosalinda blieb reglos.<br />
Der Arzt drehte den großen Bildschirm seines Arbeitsplatzes zu den beiden um, beugte sich vor und hob einen Stift an die Silhouette einer MRT-Abbildung. Sie bildete die Aufsicht eines menschlichen Kopfes ab. Blauweiß schattiert, sah man helle und dunkle Flecken.<br />
&bdquo;Herr Seydlitz weist nur noch sporadisch Hirnaktivitäten auf. Würden wir ihn jetzt aus dem Koma holen, würde sich nicht viel an seinem jetzigen Zustand ändern. Ich empfehle Ihnen dringend, ihn in Würde gehen zu lassen.&ldquo;<br />
Sein Blick richtete sich jetzt auf die junge Frau. &bdquo;Die Entscheidung liegt bei Ihnen. Sie sind seine nächste Angehörige. Nehmen Sie sich die Zeit.&ldquo;<br />
Willy wollte nicht so schnell aufgeben. &bdquo;Und wenn wir uns eine zweite Meinung einholen?&ldquo;<br />
Der Arzt schien nicht verärgert. Wahrscheinlich kannte er solche Reaktionen.<br />
&bdquo;Das haben wir schon getan. Es gehört zum Routineprozess, mehrere Gutachten anzufordern. Leider bleiben die Ergebnisse dieselben.&ldquo;<br />
&bdquo;Leidet er?&ldquo;, fragte Rosalinda leise.<br />
Der Arzt verneinte. &bdquo;Eine Gefühls- und Gedankenwelt ist nicht mehr wahrscheinlich.&ldquo;<br />
Die junge Mexikanerin blickte auf einen der blauweißen Schädel, welche vor ihr auf dem Bildschirm dargestellt waren.<br />
&bdquo;Sie können am Empfang einen Termin ausmachen und mir Ihre Entscheidung mitteilen.&ldquo;<br />
Willy trat an seine Freundin heran, griff behutsam nach ihrer rechten Hand und zog sie vorsichtig mit sich. Er nickte dem Arzt noch einmal zu, dann trat er mit ihr zusammen auf den Gang hinaus. Neugierige Gesichter anderer Patienten musterten sie, dann füllten sich ihre Mienen mit Sorge. Wahrscheinlich hatten sie ihr eigenes Hoffen von ihrem Ergebnis abhängig gemacht.<br />
Rosalinda war wie paralysiert. Sie ließ sich von ihm führen, starrte vor sich hin, registrierte nichts von ihrer Umgebung und schien sich ganz tief in ihr Innerstes zurückgezogen zu haben. Nie hätte Willy es für möglich gehalten, dass sie etwas so tief bewegen könnte, dass ausgerechnet sie eine Grenze fand. In diesem Moment war nichts mehr von der früheren Mörderin und Schwerverbrecherin übrig geblieben. Hier gab es nur noch eine Tochter, die um einen wesentlichen Teil ihres eigenen Lebens nachtrauerte, auch wenn es sich dabei nicht um ihren leiblichen Vater handelte.<br />
&bdquo;Bringst du mich bitte nach Hause?&ldquo;, flüsterte sie kaum hörbar. &bdquo;Zu Georg meine ich.&ldquo;<br />
Willy blickte auf sie herunter, dann nickte er. &bdquo;Ja, natürlich.&ldquo;<br />
Sie verließen gemeinsam das Krankenhaus, gingen zum Parkhaus, wo Rosalindas Wagen stand, und fuhren nach Wustermark. Dabei sprach Rosalinda kein Wort zu ihm. Ihr Gesicht blieb regungslos, nur Tränen liefen ununterbrochen über ihre Wangen.<br />
&bdquo;Ich kann uns Sachen holen &#8230;&ldquo;<br />
Sie sah flüchtig zu ihm rüber, dann schüttelte sie ihren Kopf.<br />
&bdquo;Lass mich bitte allein! Bitte!&ldquo;<br />
&bdquo;Aber &#8230;&ldquo;<br />
Sie schüttelte ihren Kopf.<br />
&bdquo;Ich rufe dich an. Okay?&ldquo; Noch einmal sah sie ihn an, nickte kaum merklich, dann blickte sie wieder nach vorne.<br />
Willy blieb ratlos vor dem Haus stehen. Rosalinda hatte ihm den Wagen überlassen, falls er zurück nach Berlin wollte. Sie bestand aber darauf, weiter allein zu bleiben. Sie wollte weder jemanden hören noch sehen und bat ihn um Verständnis.<br />
Es tat ihm weh, dass sie ihn in dieser Situation nicht als ihre Stütze sah. Fast fühlte es sich gegenteilig für ihn an. Ihm war so, als ob sich etwas Wesentliches zwischen Rosalinda und ihm geändert hätte. Nur ahnte er nicht einmal im Ansatz, was das sein könnte.<br />
Nach Berlin fahren? Nein! Er würde bei seinen Eltern darauf warten, dass sie sich meldete. Sie brauchte ihn, es konnte gar nicht anders sein. Spätestens dann, wenn sie zurück zu Georg ins Krankenhaus wollte.<br />
Quälend lange vergingen die Stunden. Willy saß in seinem Zimmer auf dem Bett, starrte auf den Fußboden herunter, gefangen in seinen Ängsten um Rosalinda. Für Georg gab es kaum noch Platz in seinen Gedanken, ein Umstand, welcher ihn zusätzlich verwirrte.<br />
Franzi war mit seinen Eltern beim Pfarrer und wollte auch noch später bei Rosalinda vorbeischauen. Doch Willy hatte darum gebeten, sie in Ruhe zu lassen. Sie brauchte diese Zeit anscheinend. Wahrscheinlich, um die eine Entscheidung zu treffen, um die sie der Arzt gebeten hatte.<br />
Nervös ließ er die Finger seiner Hände ineinandergreifen, wippte mit seinen Füßen, dann legte er sich rücklings auf das Bett und sah zur Decke hinauf. Vor drei Tagen waren sie in Irland am Fuß des Carrantoohill gewesen. Nie hätte sie ihn allein gelassen. Selbst in Lebensgefahr nicht. Warum durfte er nicht das Gleiche für sie tun? War es vielleicht gerade dieser Moment des Loslassens, der ihr half? Ihr nicht auch noch seine Sorge aufladend, dass er ihrer unsicher wurde? Woher kam dieses Gefühl?<br />
Willy schloss irgendwann seine Augen, dann fuhr er wieder aus dem Schlaf heraus. Dunkelheit! Der Tag war zur Nacht geworden. Das Handy lag neben ihm, es war eine Nachricht eingegangen.<br />
&bdquo;Ich habe dich lieb, Süßkeks. Danke, dass du mir die Zeit gibst. Ich denke viel nach.&ldquo;<br />
Sie dachte an ihn. Es half! Und dennoch schien sich die Wirkung dieser Nachricht sofort wieder zu verflüchtigen.<br />
Zeit der Trennung<br />
Rosalinda hatte angerufen und Familie Beckmann ins Krankenhaus gebeten. Drei Tage waren vergangen, in welchen Willy sie nicht gesehen hatte. Kurz hatten sie miteinander abends telefoniert, einige wenige Worte der Beruhigung ausgetauscht, dann war der kurze gemeinsame Augenblick auch schon wieder verstrichen.<br />
Franziska hatte ihren Bruder zu beruhigen versucht. Ihn daran erinnert, wie viel er mit Rosalinda zusammen erlebt hatte und wie eng sie miteinander waren. Doch Willy ließ sich nicht beirren. Sein Gefühl sagte ihm, dass etwas zwischen ihm und Rosalinda passieren würde, was über die Bedeutung von Georgs letztem Weg hinausging.<br />
Sie trafen sich im Krankenhaus vor Georgs Zimmer. Rosalinda umarmte Willy, gab ihm einen Kuss, drückte dann anschließend auch seine Schwester und die Eltern. Sie sah aus wie die Tage zuvor. Bleich, für ihre Verhältnisse ungepflegt, heruntergekommen und phlegmatisch.<br />
Georg hatte eine Gehirneinblutung und anschließend einen Herzstillstand erlitten, sein Gehirn war unter einer Einblutung und Sauerstoffmangel zu großen Teilen funktionsuntüchtig geworden. Mehr wusste man nicht. Einzig Willy hatte Kenntnis von dem monströsen Verbrechen, welchem der Pfarrer zum Opfer gefallen war.<br />
&bdquo;Ich glaube, dass er sich seinen Frieden wünscht. Dass ich ihn hier ans Bett fessle, angeschlossen an Maschinen, das entspricht nicht dem, wofür er gelebt und gearbeitet hat.&ldquo; Sie blickte die vier Freunde der Reihe nach an. &bdquo;Seht ihr das auch so?&ldquo;<br />
Heidrun und Frank nickten ihr zu, Franzi schwieg, sah auf ihre Tochter herunter, während ihre Lippen sich zu einem Zittern verselbstständigten. Willy indessen blieb ruhig, schloss seine Freundin in die Arme und flüsterte ihr zu: &bdquo;&iexcl;Deja que nuestro ángel regrese a casa con los suyos!&ldquo; Sie sollte ihren Engel zu den seinen lassen.<br />
&bdquo;Wenn es so ist, wie er geglaubt hat, werde ich ihn nie wiedersehen&ldquo;, stellte sie nachdenklich fest, die Nähe zu Willy aufrechterhaltend. &bdquo;Ich werde nie dahin kommen, wo er hinkommt.&ldquo;<br />
Ihr Freund schüttelte seinen Kopf. &bdquo;Ihr werdet euch wiedersehen, ganz bestimmt. Liebe findet immer einen Weg!&ldquo;<br />
Rosalinda sah zu ihm auf und lächelte. &bdquo;Glaubst du das wirklich?&ldquo;<br />
Er nickte. &bdquo;Ja, ganz fest.&ldquo;<br />
Sie wandte sich ab, trat an das Krankenbett und griff nach der Hand ihres Adoptivvaters. Sie hob sie mitsamt den Versorgungsschläuchen an ihren Mund, schloss ihre Augen, dann trat sie ans Kopfende und küsste die hohe Stirn des so friedlich wirkenden Mannes.<br />
Sie nickte den Freunden zu, suchte Abstand zu dem Sterbenden und verließ das Zimmer. Willy verabschiedete sich als Nächstes, ließ sich Zeit dabei, dann folgte er Rosalinda nach.<br />
&bdquo;Darf ich jetzt wieder bei dir sein?&ldquo;, fragte Willy vorsichtig, als er im Flur an sie herangetreten war. Sie schien dort auf ihn und die Familie gewartet zu haben.<br />
Sie sah nachdenklich auf seine Brust, hob ihr Gesicht und blickte ihm in die Augen.<br />
&bdquo;Du machst jetzt nicht Schluss &#8230;&ldquo;, fragte er sie bestürzt.<br />
&bdquo;Es ist besser so, Willy&ldquo;, flüsterte sie. &bdquo;Lass mich gehen, so wie ich Georg gehen lasse. Ich tue dir nicht gut. Genauso wie ich ihm nicht gut getan habe.&ldquo;<br />
Er starrte sie fassungslos an. &bdquo;Und das entscheidest du jetzt mal eben so? Weißt du eigentlich, was du damit anrichtest? Du lässt dieses Schwein gewinnen!&ldquo;<br />
Rosalinda schloss ihre Augen. Dass er ihn erwähnte, kostete sie schon alles an Beherrschung. &bdquo;Vor Kurzem noch hast du mir die Schuld an allem gegeben, Willy. Nicht ihm. Erinnerst du dich?&ldquo;<br />
Er wollte etwas entgegnen, aber sie verneinte mit einer müden Kopfbewegung. &bdquo;Du hast ja recht. Wenn ich anders reagiert hätte, wäre das alles nicht passiert. Ich bin nach Polen mit dem Vorsatz gefahren, diesem Mann zu schaden, und wäre ich nicht auf Rache aus gewesen, wäre Georg jetzt noch am Leben. Wir alle könnten jetzt zusammen sein.&ldquo;<br />
Fassungslosigkeit. Es war ihr Ernst!<br />
&bdquo;Dieser Mann ist ein Vergewaltiger und Kidnapper. Wie viele Mädchen hätten noch in seine Fänge geraten sollen? Er ist an allem schuld, nicht du. Er hat dich vergewaltigt!&ldquo;<br />
Sie blieb entschlossen.<br />
&bdquo;Ich weiß nicht, ob ich mich ändern kann. Das macht mir Angst. Heute lass ich Georg gehen und morgen dich? Weil ich mich wieder mit dem Falschen anlege? Weil ich gegen solche Monster kämpfe, wie ich selbst eins bin? Du hast recht gehabt. Mit allem. Ich liebe jetzt Menschen. Ich will nicht, dass ihnen etwas passiert.&ldquo;<br />
&bdquo;Ros! Bitte! Wir lieben uns. Das kann dir doch nicht egal sein.&ldquo;<br />
Sie schüttelte verhalten ihren Kopf.<br />
&bdquo;Gerade weil es das nicht ist, werde ich dich und deine Familie nicht in Gefahr bringen. Die ganze Angelegenheit ist noch nicht vorbei und selbst wenn ich das mit Solokow geklärt habe, muss mit mir etwas passieren. Ich habe Georg als selbstverständlich erachtet, genauso wie dich und viele andere. Ich will euch endlich gerecht werden und nicht weiter um eure Liebe betrügen. Zumindest so gut ich kann.&ldquo;<br />
&bdquo;Du bringst ihn um?&ldquo;, fragte Willy erschrocken.<br />
&bdquo;Es wäre das Einfachste. Aber gerade weil es das ist, kann ich diesen Weg nicht gehen. Georg würde es nicht wollen und du auch nicht. Mein Versprechen gilt, du brauchst dir keine Gedanken machen.&ldquo;<br />
&bdquo;Kommst du zu mir zurück?&ldquo; Willys Stimme klang tonlos.<br />
Rosalinda wischte sich mit ihrem rechten Unterarm die Tränen von den Wangen.<br />
&bdquo;Ich werde es sicher versuchen. Nur kann ich nicht darauf hoffen, dass du solange auf mich warten willst.&ldquo;<br />
&bdquo;Und wo willst du jetzt hin?&ldquo;, fragte er.<br />
&bdquo;Aufs Gelände zu den Amerikanern. Dort ist die Erkens und dort sind auch Georgs Kinder. Ich werde mich um sie kümmern. Seine Arbeit weitermachen. Ich war mir nie sicher, ob das meins ist, aber jetzt habe ich Klarheit. Georg hat sein Leben lang nur gegeben. Jetzt bin ich dran.&ldquo;<br />
&bdquo;Dann sehen wir uns wieder?&ldquo;<br />
Rosalinda nickte. &bdquo;Die ersten Monate nicht, Willy. Wir werden Abstand voneinander brauchen. Aber ich werde dich immer lieb haben und für dich und die anderen Beckmanns da sein. Von daher natürlich. Ich bleibe auch in Georgs Haus wohnen.&ldquo;<br />
Sie umarmte ihn, drückte ihm einen Kuss auf seine Lippen, dann löste sie sich von ihm.<br />
&bdquo;Und wann kommst du zu mir zurück?&ldquo;, fragte er noch einmal.<br />
&bdquo;Wenn ich es geschafft habe, ein besserer Mensch zu werden und du nicht inzwischen die Frau gefunden hast, die du verdienst, Süßkeks.&ldquo;<br />
&bdquo;Du versprichst es?&ldquo;, fragte er sie eindringlich.<br />
Sie nickte. &bdquo;Ja. Wie könnte es anders sein.&ldquo;<br />
Sie wollte sich von ihm abwenden, doch hielt er sie noch einmal zurück.<br />
&bdquo;Wir wollten einander gehören, erinnerst du dich? Wir haben es uns geschworen.&ldquo;<br />
Rosalinda sah ihn nachdenklich an. &bdquo;Ich weiß, Willy. Aber nicht so. Ich werde zu dir kommen, aber wenn du dann jemanden hast &#8230;&ldquo; Sie wandte sich mit diesen Worten ab und ging den Gang runter, sich nicht noch einmal zu ihm umblickend.<br />
Feinde<br />
Demjan Solokow hatte zumindest in seinem Erwachsenenleben immer aus einer Position der Stärke heraus gehandelt. Sein Vater hatte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Karriere gemacht, war zu einem reichen Unternehmer geworden, hatte sich in der Politik Einfluss erkauft und so für ein sorgenfreies Leben seiner Familie gesorgt. Er selbst bekam dadurch das Privileg einer Universitätsausbildung in Oxford und Cambridge, wurde von Anfang an mit leitenden Positionen in großen Konzernen betraut, knüpfte schnell auch die ersten Kontakte, welche fern von Recht und Ordnung lagen.<br />
Er hatte schon immer auf junge Mädchen gestanden. Sich an ihrer Unschuld und Unsicherheit ihm gegenüber berauscht und erregt. Ein Vater hatte ihn einmal zusammengeschlagen, ein Bruder ihm nach dem Leben getrachtet. Mit der Zeit war er immer gekonnter vorgegangen, hatte manipuliert, gelenkt und betäubt, um an sein Ziel zu kommen. Muckte heute jemand auf, regelten das seine Leute.<br />
Jetzt hatte er etwas losgetreten, was nicht mehr zu kontrollieren war. Seine beiden wichtigsten Geschäftspartner hatten sich von ihm distanziert, seine Frau wollte nichts mehr mit ihm zu tun haben und drohte ganz offen damit, zur Polizei zu gehen. Sie wusste um die Gründe der Entführung ihrer Tochter. Genauso wie die Männer, welche er noch vor Kurzem als enge Freunde bezeichnet hätte. Selbst Vladimir hatte sich von ihm losgesagt. Ihm war die Sicherheit seiner Familie wichtiger als das Geld, welches er bei ihm verdient hatte. Schade. Solch ein skrupelloser Schläger war nicht so schnell zu ersetzen. Zumindest nicht durch einen, dem zu hundert Prozent zu vertrauen war.<br />
Er stand am Fenster und blickte in den Vorgarten hinunter. Oleg und Stephan passten im Erdgeschoss auf, sein treuer Sekretär Andrej arbeitete im Wohnzimmer. Das Büro war mit der Explosion völlig zerstört worden und mit ihm zusammen allerlei persönliche Wertsachen und Kostbarkeiten.<br />
Rosalinda Seydlitz. Ein unscheinbares Mädchen stellt sich als seine persönliche Katastrophe heraus. Ein mexikanisches Kartellmonster, verteidigt von einer mächtigen Organisation. Genauso gut hätte er seinen Penis in einen Sack voll Plutonium stecken können.<br />
Also zurück nach Russland. Dem einzigen Land auf der Welt, wo er sich erst einmal sicher fühlen durfte. Irgendwann war Gras über die Sache gewachsen und er würde seine Geschäfte wieder geordnet und neu aufgebaut haben. Diejenigen, welche ihn heute verlassen hatten, würden morgen um seine Gnade betteln.<br />
Er dachte an die Mexikanerin. Es war wider jede Vernunft. Aber er spürte immer noch das Verlangen, sie zu bezwingen.<br />
&bdquo;Demjan!&ldquo; Aufgeregte Rufe drangen ins Schlafzimmer. &bdquo;Demjan!&ldquo;<br />
Schritte wurden im Treppenhaus laut. Solokows Blick richtete sich auf die Zimmertür und damit auf die Wand mit den vielen frisch verputzten Stellen. Sie lagen alle knapp unterhalb der Decke, was dem Schusswinkel geschuldet war, in dem die Schützen auf das Haus geschossen hatten.<br />
Andrej stürmte ins Zimmer, atmete schwer, ihn dabei aus seinen blauen Augen erschrocken anstarrend. &bdquo;Der Seydlitz ist tot!&ldquo;<br />
&bdquo;Woher weißt du das?&ldquo;, fragte Solokow erstaunt.<br />
Sein Sekretär trat an ihn heran und reichte ihm ein Kuvert. Es war eine Traueranzeige darin, mit den Daten der Beerdigung. &bdquo;War im Briefkasten.&ldquo;<br />
Der russische Geschäftsmann versuchte beherrscht zu bleiben, doch begann seine Hand, in der er die Karte hielt, zu zittern.<br />
&bdquo;Mach alles zum Aufbruch fertig! Übermorgen sind wir in Jekaterinburg und damit in Sicherheit.&ldquo;<br />
Der junge Sekretär bestätigte die Anweisung und verließ eilig das Zimmer. Auch er schien die Gefahr zu spüren, in welcher sie sich befanden.<br />
Solokow trat an einen kleinen Spirituosentisch heran, nahm sich einen Tumbler und schenkte sich alten Scotch ein. Er würde sich beruhigen müssen, damit er nicht seiner Angst die Gewalt über sein Denken und Handeln gab.<br />
Wie lange saß er schon im Sessel? Draußen war es längst dunkel geworden und auch im Haus war es still geworden. Ein Blick zur Tür, es drang kein Licht durch den Türspalt herein.<br />
Er fühlte Kopfschmerzen, suchte sich aufzurichten, vermochte dies aber nur quälend langsam.<br />
&bdquo;Andrej! Bring mir Aspirin!&ldquo;<br />
Es blieb still.<br />
Unruhe kam in ihm auf. &bdquo;Andrej! Ich habe dir etwas gesagt!&ldquo;, brüllte er.<br />
Er sprang ungeachtet seiner Schmerzen auf und ging zum Nachttisch. Dort lag eine Pistole, welche ihm einer der Personenschützer besorgt hatte. Er konnte damit umgehen. Als Russe waren Waffen immer ein Thema für ihn gewesen.<br />
So lud er die halbautomatische österreichische Pistole durch, trat an die Zimmertür und lauschte. Niemals wäre sein Sekretär gegangen, ohne ihn vorher davon zu unterrichten.<br />
&bdquo;Oleg! Stephan?&ldquo; Seine Rufe verklangen, ohne dass sich in der Villa etwas regte. &bdquo;Andrej!&ldquo;<br />
Langsam öffnete er die Tür. Im ersten Gedanken wollte er das Flurlicht anschalten, verbat es sich aber. So trat er auf den Gang hinaus, ging langsam zum Treppengeländer und sah hinunter in den Eingangsbereich.<br />
Seine Männer hätten ihn hören müssen! Dass sie dies nicht taten, bedeutete nur eins. Sie waren nicht mehr am Leben. Rosalinda! Sie war da! Vielleicht war sie es sogar selbst, welche die Karte eingeworfen hatte.<br />
Bleib ruhig! Schritt für Schritt. Nur weil du nichts hörst, muss dich nicht jemand hören!, ermahnte er sich selbst. So trat er langsam an den Treppenabsatz heran.<br />
Klappern von Geschirr! Er hörte es ganz deutlich. Erleichterung! Vielleicht hatten sich die Männer etwas zum Essen gemacht? Sollten sie ruhig! Aber wenn, dann doch nicht alle auf einmal!<br />
&bdquo;Stephan! Oleg!&ldquo; Er ging hastig die Treppe hinunter, wurde dann aber an ihrem unteren Ende wieder langsamer. Er hörte deutlich die Kühlschranktür gehen, doch wollte ihm niemand antworten.<br />
Langsam drückte er die Schwingtür zur Küche auf. Er blieb gefasst, als er eine junge Frau sah, deren Gestalt er nur allzu gut kannte.<br />
&bdquo;Rosalinda!&ldquo;<br />
&bdquo;Machst du Licht an?&ldquo;, fragte sie ihn völlig gleichgültig.<br />
Tatsächlich zögerte Solokow nicht und betätigte den Lichtschalter neben der Tür.<br />
&bdquo;Ich habe mir was zu essen gemacht. Hat mich auf die Dauer genervt, dir beim Schlafen zuzugucken.&ldquo;<br />
Der Russe hob seine rechte Hand mit der Pistole und richtete sie auf die junge Latina.<br />
Die trug ein Tablett mit Brot, Butter, Aufschnitt und geschnittenem Gemüse zum Küchentisch, stellte es darauf ab, nahm sich einen Stuhl und ließ sich darauf nieder.<br />
&bdquo;Ich werde jetzt die Polizei rufen! Doch vorher sagst du mir, was du mit meinen Männern gemacht hast?&ldquo;<br />
Die junge Frau begann ein dunkles Brot mit Butter zu beschmieren und gab anschließend etwas Wurst darauf.<br />
&bdquo;Ich habe sie betäubt und lasse sie gerade im Wald lebendig begraben. Du brauchst dir keine Sorgen machen, sie werdens überleben. Aber ein paar Tage müssen sie dort unten eine ruhige Kugel schieben. Strafe muss sein, verstehst du das?&ldquo;<br />
&bdquo;Was hindert mich daran, dich jetzt und hier zu erschießen?&ldquo;<br />
Sie warf ihm einen flüchtigen Blick zu, deutete aber dann auf zwei Metallteile auf dem Tisch. Eines davon eine massive Feder.<br />
&bdquo;Das da! Mit irgendwas musste ich mich beschäftigen, während du geschlafen hast.&ldquo; Sie lächelte. &bdquo;Setz dich, Demjan! Wäre schade, wenn ich dir jetzt schon Gewalt antun müsste.&ldquo; Sie hob mit ihrer Linken das Brot an ihren Mund, biss hinein, mit ihrer Rechten auf den Stuhl deutend.<br />
&bdquo;Wie könntest du das? Du bist eine Frau!&ldquo;<br />
Sie kaute fertig, schluckte runter und spülte mit einem Schluck aus einem Glas Wasser nach. &bdquo;So klischeehaft? Warum stürzt du dich dann nicht auf mich? Wenn ich doch so zart und schwach bin. Immerhin könntest du mich dann noch einmal richtig dolle vergewaltigen.&ldquo;<br />
Sie deutete auf die Pistole, mit der er immer noch auf sie zielte. &bdquo;Jetzt setz dich zu mir und mach dich nicht lächerlich!&ldquo;<br />
Solokow war verzweifelt. Ihre Souveränität lähmte ihn. So ging er langsam zum Tisch, legte die Waffe auf die Tischplatte und setzte sich ihr gegenüber.<br />
Ihre braunen Augen richteten sich auf ihn. Ihr Blick wirkte nachdenklich in diesem Moment.<br />
&bdquo;Du hast meinen Vater umgebracht.&ldquo;<br />
Solokow suchte sich zusammenzureißen. &bdquo;Hör zu! Ich &#8230;&ldquo;<br />
Sie hob ihre Hand. &bdquo;Nein! Das ist nun mal Fakt! Demjan, das kann ich nicht durchgehen lassen. Zumal ich nie die Gewissheit hätte, dass wir fertig miteinander sind.&ldquo;<br />
Er wollte etwas sagen, doch schüttelte sie ihren Kopf. &bdquo;Ich rede jetzt und du hörst zu!&ldquo; Sie biss erneut von dem Brot ab, es schien ihr wirklich zu schmecken.<br />
&bdquo;Also mein Vater ist tot und ich habe mich von meinem Freund getrennt, um ihn vor solchen Menschen, wie wir es sind, zu schützen. Ich bin kein Deut besser als du, vielleicht der Grund, warum du noch lebst. Ich wäre es nämlich gerne, verstehst du mich? Nur muss ich vorher das zwischen uns geklärt wissen. Sonst kann ich nicht neu anfangen.&ldquo;<br />
Solokow blickte auf das Brotmesser herunter, welches zwischen ihnen lag. Es war nicht sonderlich groß und stumpf, würde aber schwere Verletzungen verursachen, wenn man es als Waffe benutzte.<br />
Sie folgte seinem Blick und lächelte.<br />
&bdquo;Ich habe meinem Vater geschworen, nie wieder Menschen zu töten. Ich habe die letzten Tage hin und her überlegt, ob ich nicht bei dir eine Ausnahme machen kann. Vielleicht würde er mich ja verstehen?&ldquo;<br />
&bdquo;Hör zu, Rosalinda. Wir müssen das nicht auf die &#8230;&ldquo;<br />
&bdquo;Ich wollte doch reden&ldquo;, unterbrach sie ihn. &bdquo;Du bist gleich dran, einverstanden?&ldquo; Sie nickte ihm zu.<br />
Solokow riss sich zusammen. &bdquo;Gut. Rede!&ldquo;<br />
&bdquo;Ich werde dich betäuben, im Anschluss vergewaltigen und dann zu Freunden mitnehmen. Die versorgen dich die nächsten Monate und pumpen dich mit Drogen voll. Du bekommst die ganz tollen Leckereien. Irgendwann hat dann aber meine Großzügigkeit ein Ende und du musst dir deine Süßigkeiten künftig selbst verdienen, Demjan. Natürlich immer im von mir überwachten Umfeld. Wer weiß? Vielleicht lasse ich dich ja eines Tages gehen?&ldquo; Sie lächelte. &bdquo;Dich mal gucken lassen, was deine Tochter so macht?&ldquo;<br />
Solokow griff nach der Pistole, richtete sie auf die Frau und drückte mit seinem rechten Zeigefinger den Abzug durch. Nichts! Sie hatte also wirklich die Waffe manipuliert. Für einen Moment zögerte er, dann warf er die Schusswaffe in ihre Richtung. Ihre linke Hand schnellte hoch, fing sie auf und legte sie andächtig neben sich auf die Tischplatte ab.<br />
Seine Augen weiteten sich. Er starrte sie an, dann richtete sich sein Blick auf das Brotmesser. Er wollte danach greifen, als sie ihm zuvorkam und das Wasserglas mit der Öffnung voran rasendschnell in sein Gesicht rammte. Das Glas splitterte, so heftig war der Impuls gewesen.<br />
Solokow schnellte zurück, fiel in den Stuhl und wäre beinahe nach hinten umgekippt. Er konnte den Sturz nur knapp verhindern, indem er sich an der Tischkante festhielt.<br />
Ober- und Unterlippe waren eingerissen und hingen als Halbrund am rechten Mundwinkel, während ein oberer Schneidezahn sich gelöst hatte. Das ganze Gesicht des Russen war durch die Abwehrreaktion der Frau völlig entstellt worden.<br />
Mit zittrigen Händen hob er die Rechte an sein Gesicht, um die Wunden abzutasten.<br />
&bdquo;Witche!&ldquo; Er brachte kein richtiges Wort mehr heraus. Es sollte wohl &bdquo;Bitte&ldquo; heißen.<br />
Rosalinda musterte ihn mit neutralem Gesichtsausdruck. Sie schob den Stuhl zurück, ging zur Anrichte, griff nach dem Knauf einer Vitrine und entnahm dieser ein neues Glas. Sie füllte es, ihm mit ihrem Rücken zugewandt, mit Wasser und setzte sich dann wieder zu ihm an den Tisch.<br />
Demonstrativ fingerte sie ein transparentes Tütchen aus der Bauchtasche ihres schwarzen Kapuzenpullovers, öffnete es und gab dessen Inhalt, ein weißes Pulver, in das Wasserglas.<br />
&bdquo;Trink! Tust du es nicht, wirst du alles, was jetzt gleich kommt, spüren müssen.&ldquo;<br />
Solokow starrte sie an. Sein Gesicht und der obere Teil seines Hemdes waren mit seinem Blut getränkt. Der zerstörte Mund ließ seine Züge zu einer Fratze werden, deren Anblick einen an die Grenze des Ertragbaren brachte.<br />
&bdquo;Was machst du mit mir?&ldquo;<br />
Rosalinda hob einen schwarzen Rucksack auf ihren Schoß und entnahm diesem ein metallenes schnabelförmiges Gerät.<br />
&bdquo;Trink! Dann erkläre ich es dir, während du müde wirst.&ldquo;<br />
Solokow starrte auf das Glas.<br />
&bdquo;Überleg nicht lang. Sonst wird meine Drohung für dich zur Tatsache&ldquo;, flüsterte sie.<br />
Der Russe hob seine zittrige Rechte auf den Tisch, schob sie langsam an das Glas heran, griff danach und zog sie mitsamt dem Gefäß wieder zurück.<br />
Er sah die junge Frau an, welche ihm jetzt aufmunternd zunickte. &bdquo;Komm! Trink! Tu dir diese Schmerzen nicht an!&ldquo;<br />
&bdquo;Bitte, Rosalinda!&ldquo;, wimmerte er, das Glas an sein schwerverletztes Gesicht hebend.<br />
Sie schüttelte ihren Kopf.<br />
&bdquo;Du bittest praktisch dich selbst um Gnade. Also kennst du meine Antwort bereits.&ldquo;<br />
Tränen liefen über die Wangen des Mannes, dann führte er das Glas an seine entstellte Mundöffnung. Er musste sich zurücklehnen, um sich die Flüssigkeit einflößen zu können.<br />
Rosalinda vergewisserte sich, dass er alles getrunken hatte, und wartete geduldig, dass er das Glas zurück auf den Tisch gestellt hatte. Sie zupfte dabei an der Spitze ihres Zopfes, abwartend, dass er wieder zu ihr herübersah.<br />
&bdquo;Gut! Das Gerät hier dient zum Aufspreizen von Rohrenden. Wenn du gleich schläfst, führe ich dir die drei Enden rektal ein, drehe hier unten am Griff und drücke sie damit auseinander. Dein Anus wird sich entsprechend weiten, an seine Dehnungsgrenze gelangen und schließlich reißen. Ab dann wirst du Inkontinenzmaterial benötigen, fürchte ich.&ldquo; Sie kaute nervös auf ihrer Unterlippe. Sie wartete in diesem Moment vergebens auf das Gefühl einer Genugtuung. &bdquo;Danach amputiere ich dir die Eichel, anschließend sind wir dann beide quitt, Demjan. Nur für meinen Vater zahlst du den Rest deines Lebens!&ldquo;<br />
&bdquo;Witche! Frosafin &#8230;&ldquo; Er versuchte, etwas zu sagen, doch vermochte er es nicht mehr. Sein Kopf fiel vornüber und krachte auf die Platte des Küchentisches.<br />
Rosalinda indessen aß in Ruhe auf, mit der Hoffnung, dass ihr Durst nach Rache dann gestillt sein würde, wenn sie ihn dauerhaft verletzt hatte. So schob sie schließlich den Stuhl zurück, räumte den Tisch ab, hob ihr Handy ans Ohr und bat ihre Freundinnen zu kommen.</p>
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		<title>Erwachen</title>
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		<pubDate>Tue, 14 Apr 2026 12:26:11 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Vorwort Vergessen Sie die blassen Schilderungen dessen, was man Ihnen bisher als Liebe verkauft hat. Wahre Liebe ist kein Kompromiss, den man aushandelt, um nachts ruhig schlafen zu können. Die&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vorwort</strong><br />
Vergessen Sie die blassen Schilderungen dessen, was man Ihnen bisher als Liebe verkauft hat. Wahre Liebe ist kein Kompromiss, den man aushandelt, um nachts ruhig schlafen zu können. Die meisten Menschen da draußen verwechseln echte Hingabe mit der bloßen Mechanik ihrer Biologie oder, was fast noch trauriger ist, mit einer kühlen Buchhaltung ihrer Gefühle. Sie tauschen das Feuer gegen die fade Sicherheit des Alltags und nennen dieses Arrangement dann Glück.<br />
Ich spreche nicht von jenem fahlen Abklatsch von Begehren, den eine Mandy ihren Freundinnen brühwarm erzählt, nachdem sie sich auf der billigen Kunstlederrückbank eines geleasten BMWs hat ficken lassen. Ein hastiger Austausch von Körperflüssigkeiten zwischen Fitnessstudio und Fast-Food-Kette.<br />
Und ganz sicher meine ich auch nicht die erbärmliche Transaktion, die ein Ingo für Liebe hält, wenn er seine Ersparnisse in die feuchten Nächte von Pattaya investiert. Er kauft ein neues Dach für das Haus einer Familie, die er nicht kennt, nur um zwei Abende lang die Haut deren 18 jährigenTochter Lia besudeln zu können, die seinen ekligen Geruch nie wieder vergessen wird.<br />
Ich bin nicht Mandy. Ich bin auch ganz sicher nicht Lia, die im Gästezimmer darauf wartet, den Preis der Familie an Ingo zu zahlen. Ich bin Sarah. Und ich habe das Absolute gefunden. Eine Liebe, die keine Bedingungen stellt, die das Fleisch verbrennt und den Geist bis zur Unkenntlichkeit verzerrt, um ihn dann neu zu erschaffen. Es ist die Art von Liebe, die einen verschlingt, bis man nicht mehr weiß, wo das eigene Ich endet und der Abgrund beginnt. Ein Abgrund, der für mich selbst das vollkommene Glück bedeutet.<br />
Es gibt nur ein kleines Problem: Wahre Liebe hat einen Preis. Am Ende dieser Geschichte werden entweder Mustafa oder Ingo nicht mehr am Leben sein. Vielleicht auch keiner von beiden. Aber bis dahin bleibt mir genug Zeit, um Ihnen zu zeigen, was es bedeutet, jemanden wirklich zu lieben.</p>
<p>
<strong>Kapitel 1 &ndash; Ich lebe wieder</strong><br />
Angefangen hat alles an meinem 26. Geburtstag. Hamburg zeigte sich von seiner besten Seite, ein warmer, klarer Sommertag, an dem die Sonne hoch über den Fleeten der Altstadt stand und die Backsteinfassaden in ein sattes, fast blutiges Rot tauchte. Mein Platz in einem jener kleinen, gediegenen Cafés bot mir die perfekte Zuflucht, während das Klappern des schweren Silbers und das gedämpfte Gemurmel der Gäste eine schützende Mauer gegen den Lärm der Außenwelt bildete.<br />
Das Aroma meines Latte Macchiato vermischte sich mit dem Duft von frisch gerösteten Bohnen und dunkler Schokolade, der schwer und verheißungsvoll in der Luft hing. Ich blätterte träge in einem Buch, doch meine Gedanken flossen so zäh wie das Wasser im Fleet vor dem Fenster, ohne dass eine einzige Zeile wirklich zu mir durchdrang. Ich hob den Blick und schaute mich in dem Café um. Es war gut besucht aber nicht überfüllt. Gerade als ich meinen Blick wieder senken wollte öffnete sich die Tür und er trat herein.<br />
Er war anders. Während die meisten Männer hier in ihren Anzügen von der Stange wirkten, als würden sie lediglich einen vorgegebenen Plan abarbeiten, sicher in ihren Rollen, aber ohne jede Spur von echtem Eigensinn, besaß er eine Präsenz, die den Raum ohne jede Anstrengung einnahm. Man sah den anderen an, dass sie in ihren eigenen kleinen Blasen funktionierten; sie hinterließen jedoch keinen Eindruck, sie füllten lediglich den Platz aus.<br />
Er hingegen schien seinen Platz in der Welt nicht mehr erst suchen zu müssen. Ich schätzte ihn auf Anfang vierzig; jenes Alter, in dem die Getriebenheit der Jugend einer ruhigen, fast greifbaren Autorität weicht. Sein Haar war an den Schläfen grau durchzogen. Eine Spur von gelebtem Leben, auf das er offensichtlich stolz war. Er bewegte sich ohne jede Eile zur Bar, und selbst die Art, wie sein dunkles Sakko bei jedem Schritt fiel, strahlte eine irritierende Sicherheit aus.<br />
Und dann seine Stimme. &bdquo;Den 2015er Talbot, bitte,&ldquo; sagte er zum Kellner. Die Wahl eines Kenners: exquisit, tiefgründig, aber ohne die laute Dekadenz der ganz großen Etikette. Seine Stimme war dunkel und besaß eine Resonanz, die ich nicht nur hörte, sondern als ein feines, tiefes Ziehen im unteren Rücken spürte. Unwillkürlich veränderte ich meine Sitzposition, als würde mein Körper auf einen Frequenzbereich reagieren, den ich längst vergessen hatte. Er bestellte Wein am Nachmittag, als wäre die Zeit für ihn lediglich eine Empfehlung, der er nicht zu folgen gedachte. Er lehnte sich an die Bar, das Glas in der Hand, und beobachtete den Raum mit einer Ruhe, die fast schon arrogant wirkte. Sein Blick glitt über die Gäste bis er auch mich erreichte. Und ich hatte das Gefühl als würde er für den Bruchteil einer Sekunde auf mir ruhen.<br />
In diesem Moment blieb die Welt stehen. Der dichte Nebel aus Schmerz und Einsamkeit, der mich seit dem Unfall meines zweiten Ehemannes wie ein Leichentuch eingehüllt hatte, riss auf. Ein Jahr lang hatte ich die trauernde Witwe gespielt. Ein Jahr lang hatte ich das Bild des Wagens verdrängt, der in jener regnerischen Hamburger Nacht von der Fahrbahn abgekommen war. Manchmal, in der Sekunde vor dem Einschlafen, spüre ich noch das kalte Leder des Lenkrads und das Zittern meiner eigenen Finger, bevor ich ihm ins Lenkrad griff und &#8230; aber nein. Das sind nur Schatten. Fragmente einer Wahrheit, die niemand außer mir kennt.<br />
Doch als ich ihn dort stehen sah, wie er den rubinroten Wein schwenkte, spürte ich es wieder: das Leben. Es war keine sanfte Neugier, es war ein heißes, forderndes Verlangen. Ich wollte nicht nur seinen Namen wissen. Ich wollte wissen, wie sich diese tiefen Falten um seinen Mund unter meinen Lippen anfühlen. Ich fragte mich, ob diese unerschütterliche Ruhe auch dann noch Bestand hätte, wenn ihm offenbart würde, dass ich bereit war, ihm alles von mir zu schenken. Jede Faser meines Seins, jede dunkle und helle Regung meiner Seele. In diesem Augenblick wusste ich, dass wir füreinander bestimmt waren, ganz gleich, was das Schicksal noch von uns verlangen mochte.<br />
Während er mit dem Kellner sprach, folgten ihm meine Blicke mit einer fast schmerzvollen Intensität. Er war nicht die Art Mann, die das Personal wie Inventar behandelte, um die eigene Bedeutung zu unterstreichen. Er lachte mit dem Kellner über eine flüchtige Bemerkung. Ein kurzes, ehrliches Lachen, das völlig frei von Überheblichkeit war.&nbsp;Ich achtete auf jedes Detail, die Art, wie er seine Hand leicht hob, um eine Geste zu unterstreichen, das feine Spiel seiner Gesichtszüge, das selbst aus der Distanz eine hypnotische Wirkung auf mich ausübte.<br />
Das hellgelbe Sommerkleid war kaum mehr als ein kühler Hauch von Seide auf meiner Haut. Bei jeder noch so kleinen Bewegung spürte ich den Stoff an meinen Beinen. Ein fast flüchtiger Reiz. Wie zur Vergewisserung suchten meine Finger unter der Tischkante nach dem Saum, wanderten höher und strichen über die bloße Haut meiner Schenkel. Es war kein unkontrollierter Impuls; es war die bewusste Gier danach, mich selbst wieder zu spüren, während mein Blick an ihm hängen blieb. Die Wärme unter meinen Fingerspitzen fühlte sich in diesem Moment weitaus realer an als das Buch, das noch immer aufgeschlagen vor mir lag.<br />
Mit geschlossenen Augen ließ ich mich vollkommen in die Fantasie fallen. Die Berührung war leicht, ein feines Flüstern, das meinen Körper durchzog, als ich mir vorstellte, wie seine kräftigen Hände meinen Platz einnehmen würden. Meine Atmung wurde tiefer, die Welt um mich herum verblasste zu einem fernen Rauschen. Jede Bewegung meiner Finger verstärkte das Bild in meinem Kopf. Er, der mir gehörte, der nur für mich existierte. Seine Nähe fühlte sich so real an, dass ich glaubte, seine Hitze auf meiner Haut zu spüren. Alles andere verschwand in einem Rausch aus Verlangen und absoluter Bestimmung.<br />
Die Umrisse der Realität lösten sich weiter auf, das Murmeln der Gespräche war nur noch ein bedeutungsloses Echo. Meine Finger wanderten an meinen Beinen höher, während ich mich immer tiefer in der Vorstellung verlor, dass er mir gehörte. Ganz und gar. Ohne Grenzen, ohne jeden Widerstand. Er war die Liebe, die ich verdient hatte, nach der ich mein ganzes Leben lang gesucht hatte. Die Gesichter meiner Exmänner verblassten wie alte Fotografien im Sonnenlicht. Nur noch er zählte.<br />
Meine Hand tastete sich weiter, während sich mein Atem zu einem stoßweisen Rhythmus vertiefte. Nach der langen Zeit, in der ich meinen Körper wie einen Fremden behandelt hatte, fühlte es sich ungewohnt und berauschend verboten an. Zuerst war es nur ein leichtes Streicheln, ein vorsichtiges Erkunden, so zart, dass es kaum eine Spur hinterließ. Doch mit jedem Atemzug wurde meine Berührung fester, fordernder, gieriger. Meine Fingerspitzen zeichneten Linien über die empfindliche Haut meiner Innenseiten, ließen mich unkontrolliert zittern, bis ich schließlich den dünnen Stoff meines Strings erreichte.<br />
Ein heißer Schauer durchlief mich, als meine Finger das zarte Material meines dünnen Strings zur Seite schoben und die nackten, bereits feuchten Schamlippen darunter freilegten. Als ich sie öffnete, fühlte es sich an wie ein elektrischer Impuls, ein Schlag, der mich erschreckte und mir gleichzeitig das Gefühl gab, endlich wieder lebendig zu sein. Ein Stromschlag, der mich zurück ins Dasein holte und mir Empfindungen schenkte, die ich viel zu lange unterdrückt hatte. Meine Lider blieben fest geschlossen, während mein Geist von den Bildern seiner Männlichkeit überflutet wurde.<br />
Ich stellte mir vor, wie seine Hände über meinen Körper glitten, stark und sanft zugleich. Seine Finger fanden zielsicher genau jene Stellen, die mich vor Verlangen beben ließen. In meiner Fantasie glitten seine Lippen über meine Haut, heiß und kompromisslos fordernd. Ich atmete schneller, meine Brust hob und senkte sich im Einklang dieser inneren Raserei, während meine Berührung immer intensiver wurde. Ich spürte, wie mich die Hitze vollkommen erfasste, wie sich eine Spannung in meinem Unterleib aufbaute, die sich unaufhaltsam und gewaltig an die Oberfläche drängte.<br />
Meine Finger arbeiteten sich in einem rhythmischen Spiel über meinen Kitzler, erst langsam kreisend, dann immer schneller und fester, bis sich mein Rücken am Tisch leicht durchbog. Die Welt um mich herum war vollkommen erloschen. Es gab nur noch ihn und mich. Diesen Mann, der mir allein durch seine bloße Existenz bewies, dass alles möglich war. Jeder Gedanke war erfüllt von ihm. In meinem Kopf hörte ich seine tiefe Stimme, spürte den imaginären, harten Druck seines Körpers auf meinem.<br />
Meine eigene Lust wurde fast unerträglich. Meine Finger arbeiteten zielstrebig weiter, bis der Moment kam, in dem meine Gedanken und mein Körper in einer gemeinsamen Explosion zusammenbrachen. Eine Welle aus ungezügelter Gier riss mich fort, während ich mich in Gedanken an diesem fremden Mann festhielt, um nicht den Verstand zu verlieren. Ein leises Stöhnen entwich meinen Lippen, so gepresst und doch so befreiend, dass ich mich nicht mehr zurückhalten konnte. Mein ganzer Körper bebte vor Lust, meine Beine zitterten gegen das Tischbein und ich ließ mich völlig von meinen Gefühlen für ihn überwältigen.<br />
Der Höhepunkt war ein Moment purer, schmerzloser Klarheit. Alles um mich herum stand still. Ich spürte nur noch die Nachklänge des Genusses, die wie sanfte Stromstöße durch meinen Körper flossen. Für einen kurzen Augenblick fühlte ich mich unantastbar, wie jemand, der die ganze Welt in seinen Händen hält. Ich atmete schwer, während ich langsam zurück in die Realität fand, die Augen noch immer geschlossen.<br />
Als ich die Lider schließlich hob, traf mich die Wirklichkeit mit unerwarteter Härte. Es war nicht der gutaussehende Fremde, der mich ansah. Nicht meine neue, große Liebe. Er hatte das Café verlassen. Stattdessen stand ein junger Kellner direkt neben meinem Tisch. Seine Augen waren geweitet, seine Wangen tief gerötet und er starrte mich an, als hätte er gerade ein Wunder oder ein Verbrechen gesehen.<br />
Ich fühlte nicht die geringste Scham. Warum auch? Dieser Moment gehörte mir und niemand auf dieser Welt hatte das Recht, ihn zu bewerten. Stattdessen setzte ich mich aufrecht hin, glättete mit einer ruhigen Bewegung mein Kleid und sah den jungen Mann direkt an. &bdquo;Der Mann, der eben hier war, und an der Bar stand,&quot; sagte ich mit einer Stimme, die so fest und klar war, als wäre nichts geschehen, &bdquo;kennen Sie ihn?&quot; Der Kellner blinzelte, sichtlich um Fassung ringend. Dann nickte er hastig, unsicher, wie er mit dieser unvermittelten Kühle umgehen sollte. &bdquo;Ja, das war Matthias Breitenbach,&quot; stotterte er schließlich, &bdquo;er kommt öfter hierher, ein Unternehmer, sehr bekannt in der Gegend.&quot;<br />
&bdquo;Interessant,&quot; antwortete ich und lehnte mich vor, wobei ich meine Ellbogen auf die Tischplatte stützte. Meine Augen bohrten sich in seine und ich bemerkte, wie seine Unsicherheit in etwas anderes umschlug. Etwas, das ich nur zu gut kannte: unverhohlene Begierde. Er musterte mich, erst verstohlen, dann immer offener. Seine Blicke glitten über mein Gesicht, meinen Hals und die kleinen Erhebungen meiner Brüste unter dem Stoff des Kleides. Meine harten Brustwarzen drückten sich nach der Erregung noch immer deutlich durch die Seide. Einer der Vorteile, wenn man zierlich gebaut ist. Männer reagierten immer nach demselben Muster und ich wusste genau, wie ich sie lenken konnte.<br />
Ich schenkte ihm ein Lächeln, gerade genug, um ihn an die Leine zu legen, während er mir bereitwillig alles erzählte, was er über Matthias wusste. Wie erfolgreich er war, welche Firma er führte, welche Orte er bevorzugte. Der Kellner war jung, vielleicht achtzehn oder neunzehn, mit einer schlaksigen Figur, die ihm etwas Unbeholfenes verlieh. Sein Gesicht war schmal, die Augen glänzten vor Naivität und einer neugierigen Lust, die ihn leicht steuerbar machte.<br />
Dabei sah ich genau, wie er mich betrachtete. Er sah nicht nur mein Gesicht, er sah Sarah. Mit meinen sechsundzwanzig Jahren wirkte ich jünger, als ich war, und ich wusste, dass mein schlanker Körper einen Reiz ausübte, dem er nichts entgegenzusetzen hatte. Meine Oberweite mochte klein sein, doch die Kombination aus Haltung und dieser speziellen Ausstrahlung reichte vollkommen aus. Es funktionierte bei ihm wie bei jedem anderen Mann.<br />
Als der Kellner seinen Bericht beendet hatte, lehnte ich mich zurück und erhob mich, ohne ein weiteres Wort zu verlieren. Er schaute mich überrascht und enttäuscht an, als hätte er auf eine Belohnung gewartet. Doch ich warf ihm nur ein flüchtiges Lächeln zu, drehte mich um und verließ das Café. Matthias Breitenbach war längst verschwunden, aber ich besaß nun alles, was ich für den Anfang benötigte. Draußen empfing mich die warme Hamburger Luft und ich blieb einen Moment am Fleet stehen. In mir kribbelte es. Es war keine Unruhe, sondern die reine Vorfreude. Er war nicht einfach irgendein Mann. Er war der Mann, der mein Leben vollenden würde. Ich wusste es mit jeder Faser meines Körpers. Ich lebte wieder.<br />
&nbsp;<br />
<strong>Kapitel 2 &ndash; Das Leben eines anderen</strong><br />
Die Hamburger Hitze stand noch immer bleiern über den Straßen, als das Taxi vor meinem Apartment hielt. Ich nahm die flirrende Schwere der Luft nur am Rande wahr; mein Verstand war bereits woanders, fixiert auf diesen einen Namen, der sich wie eine Verankerung in mein Bewusstsein gebohrt hatte. Matthias Breitenbach.<br />
Ich bezahlte den Fahrer mit einer fahrigen Geste und flüchtete in das Haus. Erst in der kühlen Stille meines Apartments ließ ich die Tür ins Schloss fallen und lehnte mich dagegen. Die Klimaanlage strich wie eine kalte Hand über meine erhitzte Haut. Ich atmete den vertrauten Duft von Bohnerwachs, schwerem Leder und jener kostbaren Seife ein, die ich extra aus Florenz bezog. Dieses Zuhause war mehr als eine Wohnung; es war ein perfekt kuratierter Rückzugsort, finanziert durch das Erbe meines ersten Ehemannes. Eine Kulisse, in der jedes Detail den Sieg der Ordnung über das Chaos feierte.<br />
Mein Blick wanderte durch den Raum. Alles war an seinem Platz. Die Wände in einem neutralen, fast abweisenden Grau bildeten den perfekten Hintergrund für meine Einrichtung. Vor dem deckenhohen Regal stand die cremefarbene Leder-Couch, ein Entwurf aus den Fünfzigern, dessen Linienführung keine Schwäche duldete. Die Bücher waren nicht nach Titeln sortiert, sondern bildeten einen exakten ästhetischen Farbverlauf. Ein Beweis dafür, dass ich die Kontrolle besaß. Über jedes Objekt, über jede Farbe &ndash; und bald auch über ihn.<br />
In der Küche glänzten die weißen Hochglanzfronten unter dem dunklen Marmor. Eine funktionale Ästhetik, die keinerlei Unordnung duldete. Es war die Art von Perfektion, die andere Menschen nervös machte, mir aber den nötigen Halt gab.<br />
Trotz der vertrauten Ordnung fühlte sich mein Rückzugsort heute fremd an. Er war nicht hier, aber er besetzte bereits jeden Winkel des Raums. Seine Stimme, die kontrollierte Energie seiner Bewegungen, die schiere Autorität, mit der er an der Bar gestanden hatte. All das hatte sich wie ein Abdruck in mein Bewusstsein gepresst. Wieder spürte ich dieses Ziehen in mir aufsteigen, eine körperliche Forderung, die mich beinahe zurück auf die Couch gezwungen hätte, um die Arbeit meiner Finger fortzusetzen. Doch ich unterdrückte den Impuls. Erregung war ein Luxus, den ich mir jetzt nicht leisten konnte. Es gab Schritte, die keinen Aufschub duldeten.<br />
Nachdem ich mir ein Glas Sauvignon Blanc eingeschenkt hatte, die Kühle des Glases tat gut gegen das leichte Zittern meiner Finger, ließ ich mich auf die Couch sinken und klappte den Laptop auf. Das trockene Klicken der Tasten beim Eintippen seines Namens war das einzige Geräusch in der Wohnung. Während sich auf dem Bildschirm ein Netz aus Informationen vor mir entfaltete, nippte ich immer wieder Gedankenverloren an meinem Wein.<br />
Matthias Breitenbach, dreiundvierzig Jahre alt. Gründer der Breitenbach Prozess GmbH. Sein Aufstieg innerhalb von nur zwei Jahren war bemerkenswert; er hatte eine Marktlücke für intelligente Softwarelösungen besetzt, bevor andere sie überhaupt erkannt hatten. Die Pressefotos zeigten einen Mann, der Macht nicht durch teure Uhren oder lautes Auftreten definierte. Es war die Art von Einfluss, die auf Wissen und einer fast schon beängstigenden intellektuellen Überlegenheit basierte. Ein Mann, der Systeme verstand. Und ich verstand sie auch.<br />
Ich vertiefte mich in die Details seiner Karriere, las Interviews über seine Visionen und betrachtete Fotos, die ihn in verschiedenen Situationen zeigten. Er wirkte greifbar, real, weit entfernt von der vulgären Zurschaustellung jener Männer, die sich über Yachten und Villen definierten. Doch inmitten meiner Recherche stieß ich auf eine Information, die mich nahezu entsetzte.&nbsp;Er war verheiratet. Clara Breitenbach, vierzig Jahre alt, eine Frau mit einem makellosen, aber für mich vollkommen ausdruckslosen Gesicht. Sie waren ein Paar seit der Schulzeit, Kindheitsfreunde, das sprichwörtliche Traumpaar ohne den geringsten Hauch eines Skandals.<br />
Ich lehnte mich zurück, meine Hände ballten sich unwillkürlich zu Fäusten. Kindheitsfreunde. Es klang in meinen Ohren wie eine Beleidigung für den Mann, der er heute war. Wie konnte jemand mit seiner Substanz, seiner fast greifbaren Kraft, ein halbes Leben lang an derselben statischen Version seiner selbst festhalten? War sie wirklich genug für ihn? Oder war sie nur eine bequem gewordene Gewohnheit? Ein Relikt aus einer Zeit, bevor er seine wahre Stärke überhaupt erkannt hatte?<br />
Diese Frau besaß ihn nicht durch Ebenbürtigkeit, sondern durch reine Anwesenheit. Sie war einfach zuerst da gewesen. Sie konnte unmöglich ahnen, welche Tiefe und welche Kompromisslosigkeit ein Mann wie Matthias unter seiner kontrollierten Oberfläche wirklich brauchte. Für mich war sie nichts weiter als eine archaische Altlast. Ein Klumpfuß aus einer Vergangenheit, die er längst hätte abstreifen müssen. Und doch war sie nicht der einzige Fehler in seinem ansonsten makellosen System.<br />
Weitere Recherchen offenbarten einen Sohn namens Maximilian. 22 Jahre alt. Wenigstens ein Erwachsener, stellte ich mit Erleichterung fest. Die unberechenbare Lautstärke von Kindern war mir schon immer zuwider gewesen. Für Matthias hingegen würde ich jede Rolle spielen. Ich wäre die verständnisvolle Vertraute, die kühle Beraterin oder, falls erforderlich, die perfekte Ergänzung seines Familienbildes. Aber eigentlich war es für einen jungen Mann wie Maximilian auch längst an der Zeit für ein Elitestudium in London oder den Staaten. Irgendwo, wo er seine eigene Zukunft schmieden konnte. Weit weg von seinem Vater.<br />
Die Stunden vergingen, während die Sonne schließlich hinter den Dächern der Speicherstadt versank und der Sommertag durch eine laue, samtene Nacht ausgetauscht wurde. Ein dumpfer Schmerz zog sich durch meinen Rücken und meine Augen brannten von der ununterbrochenen Fixierung auf das kalte Leuchten des Displays, doch ich sog jedes Detail auf wie ein Schwamm.<br />
Social Media Profile, Fotos von geschäftlichen Essen, flüchtige Schnappschüsse von Ausflügen, alles bildete Puzzlestücke eines Lebens, das bald auch meines sein würde. Ich kannte nun seine bevorzugten Restaurants, seine Leidenschaft für moderne Architektur und die Marke des Weins, die er schätzte. Ich sezierte seine Existenz mit der Präzision einer Chirurgin und bereitete den Boden für unser Schicksal vor. Ich würde einen Weg in sein Leben finden. Ich würde nicht nur an seiner Seite stehen. Ich würde alles für ihn werden.<br />
Als ich am nächsten Morgen die Augen öffnete, summte der Kühler meines Laptops noch immer leise vor sich hin. Das monotone Geräusch erinnerte mich daran, dass ich wohl in den frühen Morgenstunden bei meinen Recherchen vor Erschöpfung einfach weggetreten sein musste. Ich richtete mich mühsam auf, mein Rücken protestierte gegen die unnatürliche Haltung der letzten Nacht und ich strich mir die zerzausten Haare mit einer fahrigen Bewegung aus dem Gesicht.<br />
Wahre Liebe bedeutet die Bereitschaft zu Opfern. Und wenn eines dieser Opfer bedeutete bei Recherchearbeiten in einer unbequemen Position einzuschlafen, bin ich auch bereit dieses Opfer zu bringen. Denn ich hatte ein Ziel vor Augen und dieses Ziel trug den Namen Matthias. Und wenn diese Hingabe noch dazu verlangte, so hart wie nie zuvor in meinem Leben zu arbeiten, dann empfand ich dies als einen lachhaft kleinen Preis für die Erfüllung dieser alles verzehrenden Mission. Seine Firma und sein gesamtes bisheriges Leben lagen vor mir wie eine Landkarte, die ich nur noch besetzen musste. Die entscheidende Frage war nicht länger ob, sondern wie ich mich unumkehrbar in dieses Bild einschreiben würde.<br />
Ihn einfach auf der Straße abzufangen, wäre ein törichter Anfängerfehler gewesen. Clara würde jede plumpe Annäherung im Keim ersticken. Diese Frau bewachte ihn in einem Gefängnis aus bürgerlicher Routine und verstaubter Loyalität. Es blieb also nur ein Weg. Ich musste mich in sein Leben schleichen, leise und unaufhaltsam, bis er endlich begreifen würde, dass ich seine Bestimmung war, genauso wie er die meine ist.<br />
Der einzige Ort, an dem ich seine volle Aufmerksamkeit erhalten würde, ohne dass seine Frau sofort Verdacht schöpfte, war seine Firma. Ich aktivierte erneut den Bildschirm und durchforstete die Stellenausschreibungen der Breitenbach Prozess GmbH. Mein Blick glitt über die offenen Positionen, bis ich die perfekte Nische fand: Softwarevertrieb und Projektmanagement. Diese Rolle würde mich in seine unmittelbare Nähe bringen. Ich wusste jedoch, dass es ein Wettlauf gegen die Zeit sein würde. Solche Stellen bei einem Top Arbeitgeber waren begehrt. Heerscharen von ehrgeizigen Karrieristen würden ihre Unterlagen einreichen, Ich musste schneller sein als die Masse. Ich stellte mir vor, wie ich in seinen Strategiemeetings saß und wie er mich bemerken würde. Zuerst als kompetente neue Kollegin, dann als unverzichtbare Vertraute, bis er schließlich begriff, dass ich die einzige Frau war, die seinem Leben jemals Tiefe verliehen hatte.<br />
Und so verbrachte ich eine Woche lang jede wache Minute mit der Ausarbeitung meiner Strategie. Ich studierte die Bilanzen der Firma, analysierte die Konkurrenz und prägte mir die Namen der wichtigsten Geschäftspartner ein. Mein Plan musste absolut lückenlos sein. In dieser intensiven Phase eignete ich mir zudem den gesamten technischen Hintergrund meines angestrebten neuen Berufsfeldes an. Zum Glück fiel es mir schon immer leicht zu lernen, solange ich ein unerschütterliches Ziel vor Augen hatte. Solange mich ein Thema nicht langweilte, absorbierte mein Verstand die komplexen logischen Strukturen der Prozessoptimierung, als wären es lediglich triviale Randnotizen. Ich wollte Matthias nicht nur mit einer schönen Fassade, sondern mit echter Expertise beeindrucken, ihn dort abholen, wo er seinen Stolz als Gründer verankert hatte.<br />
Allerdings wusste ich auch, dass die lächerlichen Vorschriften des Bürgertums ein Hindernis darstellten, das ich nicht ignorieren konnte. Ohne die passenden Papiere würde man mir den Zugang zu ihm verwehren, ungeachtet meines Wissens. Bedenkenträger und Einfallspinsel, wie sie nur in den Personalabteilungen dieser Welt zu finden sind, würden meine Bewerbung schneller ablehnen, als ich Matthias noch amtierende Ehefrau von einer Klippe stoßen könnte. Ich brauchte eine makellose Biografie und Zeugnisse, die lautstark verkündeten, dass ich die einzig logische Wahl für diesen Posten war.<br />
Ich wusste genau, woher ich eben diese Papiere bekommen würde, doch noch zögerte ich, diesen Weg zu gehen. Ihn erneut zu gehen. Dieser Weg hatte einen Namen: Kofi. Wir hatten bereits einmal zusammengearbeitet, als ich jenen Totenschein benötigt hatte, der alle Zweifel an dem Ableben meines ersten Mannes im Keim ersticken sollte, nachdem dieser bei einem gemeinsamen Tauchgang plötzlich abgetrieben war und danach nie wieder auftauchte.<br />
Es war ein unkalkulierbares Risiko, sich auf die Verschwiegenheit eines anderen zu verlassen, doch in diesem Fall blieb mir keine andere Wahl. Der einzige Weg zu Matthias führte unweigerlich über seine Firma und somit direkt zu Kofi. Eigentlich widersprach es meiner Natur, mein Schicksal in die Hände eines Fremden zu legen. Ich erahnte bereits, dass meine finanziellen Mittel nicht mehr lange ausreichen würden. Mein luxuriöser Lebensstil hatte das Erbe meiner beiden verstorbenen Ehemänner weitgehend aufgezehrt.<br />
Und Qualität hatte ihren Preis. Matthias war zweifelsfrei jeden Cent wert, doch die nackten Zahlen auf meinem Konto zwangen mich zum Handeln. Normalerweise stellte das für mich kein Hindernis dar. Ich wusste nur zu gut, wie man Männer manipuliert und welche Knöpfe man drücken muss, um ans Ziel zu gelangen. Vielleicht rührte mein Zögern auch daher. Kofi war kein einfacher Mann und ich wusste, dass ich mich wirklich anstrengen müsste, um die Oberhand bei ihm zu gewinnen.<br />
Ein tiefer Atemzug beendete das letzte Zögern. Meine Hand griff nach dem Telefon. Die Bewegung war sicher und ohne jedes Zittern. Das Telefonat mit Kofi war kurz und sachlich gewesen. Der Treffpunkt stand fest. Ein modernes Hotel in der Hamburger HafenCity. Nach dem Gespräch legte ich mein Telefon wieder zur Seite und sah mich in meinem Apartment um und was ich sah, konnte so nicht bleiben.<br />
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<strong>Kapitel 3 &ndash; Kofi und das Hotel</strong><br />
In der Woche meiner Recherche und minutiösen Planung hatte nicht nur meine körperliche Verfassung, sondern auch meine unmittelbare Umgebung gelitten. Mein einst so makelloses Apartment wirkte wie die verwahrloste Zentrale einer Besessenen. Leere Weingläser trübten die gläsernen Oberflächen. Staubschleier legten sich über die dunkle Marmorplatte der Küche, die mit leeren Kartons übersät war. Die ungeöffnete Post stapelte sich neben meinem Laptop wie ein Zeichen meiner vorübergehenden Abwesenheit von der Realität.<br />
Auch mein Spiegelbild wirkte fremd. Die Züge waren gezeichnet von Schlafmangel und dem rücksichtslosen Fokus auf ein einziges Ziel. Doch heute war der Tag der Wende. Der Plan stand fest. Heute war es an der Zeit, die Perfektion und die Ordnung wiederherzustellen, die meine Welt und meinen Geist definierten.<br />
Ich erhob mich von der Couch und entledigte mich meiner Kleidung, die wie eine nutzlose Hülle auf den Boden glitt. Nackt begann ich mein Ritual. Mit kalter Präzision befreite ich meine Zuflucht von jedem Hinweis auf das Chaos der letzten Woche. Ich polierte das Glas, rückte jedes Buch im Regal exakt zurecht und brachte den dunklen Marmor der Küche wieder zum Glänzen. Die körperliche Anstrengung und das Gefühl der absoluten Kontrolle über mein Umfeld wirkten berauschend. Es war eine Reinigung meines inneren Selbst, ein rituelles Abstreifen der Erschöpfung, um bereit für das zu sein, was nun folgen musste.<br />
Nachdem mein Heim wieder in jenem klinisch perfekten Zustand war, den ich so sehr liebte, suchte ich das Badezimmer auf. Unter der Dusche wählte ich das Wasser so heiß, dass es fast auf der Haut brannte. Ich spürte, wie die letzte Anspannung von mir abfiel. Nach der Dusche fühlte sich auch mein Körper wieder so an, wie ich es gewohnt war. Ich trat vor den großen Spiegel im Umkleidezimmer und betrachtete mich eingehend.<br />
Was würde Kofi gefallen? Mein Blick glitt zum Schrank. Dort hing das gelbe Kleid von meinem ersten Zusammentreffen mit Matthias. Kofi hätte dieses zarte Material auf meiner Haut geliebt, doch ich schüttelte den Kopf. Dieses Kleid war heilig. Ich würde es niemals mit dem beschmutzen, was heute passieren könnte. Es gehörte zu einer Welt, die für Männer wie Kofi verschlossen bleiben musste.<br />
Sorgfältig wählte ich mein Outfit für das Treffen. Ich entschied mich für ein tiefrotes Oberteil aus schwerem Stoff, dass ich im Nacken und am Rücken kunstvoll verknotete. Es war schlicht, modern und dennoch ein unübersehbares Signal. Dazu kombinierte ich einen schmalen, schwarzen Rock. Er endete knapp über den Knien. Unter dem Stoff verbarg ich halterlose Strümpfe aus feinster Seide. Die Spitzenabschlüsse würden nur dann sichtbar werden, wenn ich es für nötig hielt.<br />
Ich schlüpfte in hohe Stilettos. Meine langen blonden Haare bändigte ich in einem strengen Knoten tief im Nacken, um die harten Linien meines Gesichts zu betonen. Es war eine Komposition aus kühler Distanz und kalkulierter Provokation. Ich war mir sicher, dass ich Kofi so beeindrucken konnte. Sein charmantes Lächeln tauchte vor meinem inneren Auge auf. Jener Blick, mit dem er Frauen für sich einnahm. Ich brauchte seine Fähigkeiten. Und dafür war ich bereit, ihm die Illusion zu schenken, dass er mich ebenfalls so leicht besitzen könnte.<br />
Während ich die letzten Vorbereitungen traf, regte sich, nur für einen flüchtigen Moment, ein Zweifel an den Mitteln, die ich bereit war einzusetzen. Mein Körper gehörte Matthias. Das war die schlichte Realität meiner Existenz, eine unumstößliche Tatsache, die keiner weiteren Erklärung bedurfte. Doch ich begriff instinktiv, dass ich für dieses Ziel alles einsetzen musste, was ich besaß. Wenn man wirklich liebt, muss man dafür kämpfen. Es gibt keine andere Wahl. Und ich war bereit zu kämpfen. Mit jeder Waffe, die mir zur Verfügung stand.<br />
Mein Puls beschleunigte sich leicht, als ich meine Tasche nahm und die Wohnung verließ. Alles würde exakt so verlaufen, wie ich es mir zurechtgelegt hatte. Ich würde einen Weg in sein Leben finden. Ich würde nicht nur an seiner Seite stehen. Ich würde alles für ihn werden.<br />
Schon beim Betreten der Lobby entdeckte ich ihn. Kofi saß in einem der tiefen Designersessel, das Handy locker in der Hand. Er besaß eine Ausstrahlung, die lässig und gleichzeitig absolut dominant wirkte, als wäre die gesamte Welt um ihn herum nur eine Kulisse, die nach seinem Willen funktionierte. Ich spürte seinen Blick auf mir, noch bevor sich unsere Augen trafen. Er musterte mich unverhohlen, seine Augen glitten über das dunkle Rot meines Oberteils und wanderten langsam zu dem kurzen Rock&ndash; und es schien ihm zu gefallen.<br />
&bdquo;Sarah,&quot; sagte er und erhob sich mit einer geschmeidigen Bewegung. Seine Stimme war tief und ruhig, ein dunkles Vibrato, dass man eher in einem Jazzclub als bei einem Fälscher vermutet hätte. &bdquo;Du wirst mit jedem Jahr schöner. Die Witwenschaft scheint dir ausgezeichnet zu bekommen&#8230;&quot; Dass Kofi meinen richtigen Vornamen kannte, war ein Fehler aus unserer gemeinsamen Vergangenheit, den ich längst bereute, aber nicht mehr korrigieren konnte. Es verlieh ihm einen kleinen, gefährlichen Vorteil, eine winzige Bresche in meiner Mauer, die mich innerlich nervös machte. Doch meine Fassade blieb unerschütterlich. Er war schlicht der Beste für das, was ich vorhatte. Niemand anderes verfügte über seine Kontakte und seine Skrupellosigkeit.<br />
&bdquo;Sollen wir?&quot; fragte ich nur und nickte in Richtung der Aufzüge. Mehr Worte waren für den Moment überflüssig. Im Zimmer angekommen, setzte ich mich auf die Kante des Betts, während er sich betont lässig gegen die Kommode lehnte. Die kühle, unpersönliche Einrichtung des Raumes stand im strengen Kontrast zu Kofis aufmerksamen Blick auf mir. Er musterte mich schon fast zu intensiv.<br />
&bdquo;Also,&quot; er verzog das Gesicht zu einem breiten Grinsen, &bdquo;einen Totenschein für Ehemann Nummer drei?&quot; Unmittelbar darauf entlud sich ein lautes, dröhnendes Lachen, das fast schon unpassend herzlich wirkte und die sterile Stille des Hotelzimmers förmlich zerfetzte. Er genoss die Provokation sichtlich, sogleich berauscht von der Frechheit, die er sich mir gegenüber herausnehmen konnte. Er wusste nur zu gut, dass ich irgendwas von ihm brauchte. Das ich abhängig von ihm war, und dieser Machtvorteil schien für ihn die beste Unterhaltung des Tages zu sein.<br />
Während er sich kaum beruhigen konnte, hielt ich seinem Blick stand. Meine Miene blieb unbewegt, eine Maske aus kühler Distanz. Für mich war dieses Gelächter nichts weiter als ein störendes Geräusch, das ich über mich ergehen lassen musste, bis er wieder zum Geschäftlichen zurückkehrte.<br />
&bdquo;Ich brauche einen Studienabschluss, der nicht nur gut aussieht, sondern unanfechtbar ist,&ldquo; begann ich frei raus, als er wieder ernst wurde. Ich lehnte mich ein wenig vor. Es war eine minimale Bewegung. Der Spitzenabschluss meiner Strümpfe blitzte für den Bruchteil einer Sekunde auf, bevor ich wieder vollkommen stillhielt. &bdquo;Es reicht nicht aus, ein Zeugnis in der Hand zu halten. Mein Name muss in den offiziellen Registern der Universität auftauchen. Alles muss jeder Überprüfung standhalten.&ldquo;<br />
Kofi zog überrascht die Augenbrauen hoch. &bdquo;Du willst also nicht nur Dokumente,&ldquo; stellte er fest. Sein Tonfall war nun frei von jedem Spott. &bdquo;Du willst ein richtiges falsches Leben?&ldquo;&nbsp;&nbsp;Ich hielt seinem Blick stand. &bdquo;Ich will die Realität korrigieren,&ldquo; antwortete ich kühl. Kofi lehnte sich zurück. Er schien die Tragweite meiner Forderung zu verdauen. Er wusste nun, dass dies kein kleiner Gefallen für eine reiche Witwe war. &bdquo;Das wird teuer, Sarah,&ldquo; sagte er schließlich. &bdquo;Und ich spreche nicht nur von Geld. Ein solches Leben zu erschaffen, erfordert Spuren in der Vergangenheit, die man nicht einfach so herbeizaubern kann.&ldquo;<br />
&bdquo;University of Edinburgh,&ldquo; sprach ich weiter, ohne zu zögern und ignorierte seine Bedenken vollkommen. &bdquo;Renommiert, angesehen, aber nicht so plakativ wie Harvard oder Oxford. Es wirkt solider.&ldquo; Einen Moment lang starte er mich schweigend an. Ich konnte jedoch sehen, wie er bereits plante und kalkulierte. Männer wie Kofi lieben Herausforderungen. Die Frage war nur, ob mein Wunsch eben diese Herausforderung war oder ob ich selbst die eigentliche Prüfung für ihn darstellte. Er grinste. &bdquo;Beeindruckend. Und der Abschluss?&ldquo;<br />
&bdquo;Master of Science in International Business. Ich brauche eine Historie von vier Jahren Studium. Inklusive einer Masterarbeit mit Bestnoten. Das Thema der Arbeit muss &#039;Algorithmische Prozessoptimierung in mittelständischen Softwarestrukturen&#039; lauten. Es muss digitaler Dreck vorhanden sein. Spuren in Foren. Erwähnungen in Studentenverzeichnissen. Eine vollständige digitale Identität, die &nbsp;Jahre zurückreicht.&ldquo;<br />
Ich beobachtete ihn genau, während er die Details verarbeitete. &bdquo;Die Arbeit selbst werde ich verfassen. Ich mail dir den Text, sobald ich fertig bin.&ldquo; Kofis Lächeln erlosch augenblicklich. Sein Blick wurde hart, fast schon bedrohlich. Er trat einen Schritt auf mich zu, bis er direkt vor mir stand. &bdquo;Keine Mails, Sarah. Niemals,&ldquo; sagte er mit einer Stimme, die keinen Widerspruch duldete. &bdquo;Wir machen das auf die alte Art. Alles, was ich wissen muss, besprechen wir hier. Von Angesicht zu Angesicht. Das Dokument bringst du auf einem Stick mit.&ldquo;<br />
Ich bemerkte den leicht hellen Streifen an seinem Ringfinger, während er seine Hand zur Untermauerung seiner Worte hob. Ein privates Problem? Eine Scheidung? Ein Verlust? Ich wusste fast nichts über sein Privatleben, aber diese kleine Information speicherte ich sofort ab. Jede Schwäche war ein Werkzeug, das ich gegen ihn einsetzen konnte, sollte er versuchen, den Bogen zu überspannen.<br />
&bdquo;Das wird teuer,&ldquo; sagte er schließlich und nannte eine Summe, die mir kurz den Atem raubte. &bdquo;Achtzigtausend Euro.&ldquo; &bdquo;Das ist zu viel, Kofi.&ldquo; Dabei zwang ich mich zu einem verführerischen Lächeln und neigte den Kopf leicht zur Seite. &bdquo;Eigentlich hatte ich eher auf einen Freundschaftspreis gehofft.&ldquo;<br />
&bdquo;Sarah,&ldquo; er lachte leise und trat einen Schritt näher. Er ließ sich neben mir auf das Bett nieder und legte seine Hand schwer auf meinen nackten Schenkel. Seine Finger fühlten sich warm an. Seine Präsenz war in der Enge des Zimmers beinahe erdrückend. &bdquo;Was du verlangst, ist kein Gefallen unter Freunden. Es ist ein Hochrisikogeschäft. Du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich diese Arbeit allein bewältige?&ldquo;<br />
Er verstärkte den Druck seiner Hand minimal. Sein Blick war nun vollkommen geschäftsmäßig und ohne jede Wärme. &bdquo;Ich verteile dieses Projekt auf viele Schultern. Ich brauche den Spezialisten für die Datenbanken in Edinburgh. Ich brauche jemanden, der deine Spuren in den Verzeichnissen vier Jahre in die Vergangenheit zurückdatiert, ohne dass die Prüfsummen Alarm schlagen. Ich brauche Informanten, die deine digitale Existenz glaubwürdig untermauern. Niemand darf vom anderen wissen. Das ist das Prinzip meiner Sicherheit. Aber jeder dieser Leute erwartet am Ende des Tages Geld. Niemand arbeitet umsonst.&ldquo;<br />
Er beugte sich näher zu mir, bis ich seinen Atem auf meiner Wange spürte. &bdquo;Du bist verdammt gut darin, Männer zu manipulieren. Das warst du schon immer. Aber glaubst du wirklich, dass ich mich so leicht im Preis drücken lasse? Achtzigtausend sind das Minimum. Allein um die Leute ruhigzustellen, die für dich ihre Freiheit riskieren.&ldquo;<br />
Ich spürte die Hitze seiner Hand auf meiner Haut. Er suchte nach einem Zeichen von Schwäche oder finanzieller Panik. Ich gab ihm nichts davon. Ich ließ meinen Blick langsam von seinen Augen zu seiner Hand gleiten und dann zurück. &bdquo;Ich weiß, wie du arbeitest, Kofi. Ich weiß, dass Qualität ihren Preis hat.&ldquo; Ich legte meine Hand über seine und spürte die Kraft in seinen Fingern.<br />
&bdquo;Aber ich weiß auch, dass ich keine achtzigtausend Euro habe. Zumindest jetzt nicht.&ldquo; Ich sah ihn direkt an. Meine Stimme blieb fest, während ich die Lüge über meine Zukunft wie eine unumstößliche Wahrheit formulierte. &bdquo;Du kannst dir vorstellen, dass ich mit diesem Abschluss sofort eine Position bekleiden werde, in der Geld nach kürzester Zeit keine Rolle mehr spielt. Betrachte es als Investition in die Zukunft, Kofi. Eine Partnerschaft, die weit über diesen einen Auftrag hinausgeht.&ldquo;<br />
&bdquo;Ach,&ldquo; sagte er leise und seine Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. &bdquo;Du willst also anders bezahlen.&ldquo; Er sprach es nicht als Frage aus. Es war eine Feststellung, die wie eine schwere Decke über dem Bett lag. Das charmante Lächeln kehrte zurück, doch es war nun kälter und besitzergreifender. Er strich mit dem Daumen über die feine Seide meiner Strümpfe, ein langsames, fast schon prüfendes Gleiten, das den Wert der Ware testete. &bdquo;Du verkaufst mir also eine Zukunft, die noch gar nicht existiert. Und bis dahin soll ich mich mit einer Anzahlung zufriedenstellen, die man nicht zur Bank bringen kann?&ldquo;<br />
Ich spürte die Verachtung in seinem Tonfall, aber unter der Oberfläche vibrierte die Gier. Er war ein Geschäftsmann durch und durch. Er begriff sofort, dass er mich in diesem Moment in der Hand hatte. Für ihn war ich keine Partnerin mehr auf Augenhöhe. Ich war eine Bittstellerin, die den Preis für ihre Ambitionen mit der einzigen Währung entrichten musste, die ihr geblieben war.<br />
Ich hielt seinem Blick stand, während seine Hand langsam über meine Haut strich, fast beiläufig, als wollte er testen, wie weit er gehen konnte. Unter der Oberfläche spannte sich mein ganzer Körper an, doch nach außen hin blieb ich vollkommen ruhig. &bdquo;Glaubst du ernsthaft, ich sei eine dieser billigen Hafennutten, die du unten an den Docks findest?&ldquo; fragte ich leise. Meine Stimme klang wie schneidendes Metall. &bdquo;Ich bin hier, weil ich weiß, wie gut deine Arbeit ist. Ich zahle für Perfektion, Kofi. Aber ich zahle mit Geld, nicht mit meinem Körper. Ich bin nicht hier, um dich zu bezirzen. Ich bin hier, um ein Geschäft abzuschließen.&ldquo;<br />
Ich machte eine kurze Pause, um die Wirkung meiner Worte zu beobachten. Er hielt inne. Die Gier in seinen Augen kämpfte mit dem verletzten Stolz eines Mannes, der es nicht gewohnt war, zurückgewiesen zu werden. &bdquo;Du wirst dein Geld bekommen,&ldquo; fuhr ich fort und meine Stimme gewann an Festigkeit. &bdquo;Fünfzigtausend, wenn der Job erledigt ist. Den Rest begleiche ich, sobald ich die Stelle angetreten habe und Geld keine Rolle mehr spielt.&ldquo;<br />
Er überlegte kurz. Seine Finger spielten mit dem Saum meines Rocks, wobei er die Spitze meiner Strümpfe nun ganz bewusst freilegte. &bdquo;Gut,&ldquo; sagte er schließlich mit einem dunklen Glühen in den Augen. &bdquo;Ich gehe das Risiko ein und komme dir entgegen.&ldquo; Er grinste zufrieden und streckte mir die Hand entgegen. Ich schlug ein. Er ließ meine Hand jedoch nicht sofort wieder los. Stattdessen glitt seine andere Hand erneut an meinen Schenkel. Diesmal fester. Fordernder.<br />
&bdquo;Deine Beine,&ldquo; murmelte er. &bdquo;Weiß wie Schnee. So wunderschön.&ldquo; Sein Daumen zog kleine, brennende Kreise auf meiner Haut, während er den Rock weiter nach oben schob. Ich spürte, wie seine Fingerspitzen den Rand der feinen Spitze berührten. Die Hitze seiner Haut brannte sich förmlich in meine eigene. Einen Moment lang fühlte ich mich gelähmt von der unvermittelten Reaktion meines eigenen Körpers. Es war ein verzweifelter Kampf gegen die Instinkte, die nichts von meiner Loyalität gegenüber Matthias wussten. Mein Verstand schrie nach Distanz, doch mein Fleisch antwortete auf die gezielte Dominanz eines Mannes, der genau wusste, welche Knöpfe er drücken musste.<br />
&bdquo;Kofi,&ldquo; sagte ich leise. Meine Stimme war weich, fast ein Flüstern, doch sie besaß eine unnachgiebige, schneidende Kälte. &bdquo;Du bekommst, was du willst. Aber erst nach getaner Arbeit. Keine Vorauszahlungen. In keiner Hinsicht.&ldquo; Seine Finger hielten inne, doch sie zogen sich nicht zurück. Stattdessen begannen sie, langsam und rhythmisch durch den hauchdünnen Stoff meines Strings über meine Scham zu reiben. Der Druck war bestimmt. Er war besitzergreifend. Er raubte mir für einen Moment die Fassung.<br />
&bdquo;Du hast deinen Kredit und deinen Rabatt, Sarah,&ldquo; sagte er, während er seinen Blick tief in meinen bohrte. Seine Stimme war nun rauer, aber erstaunlich ruhig. &bdquo;Ich bin niemand, den es erregt, sich Frauen zu kaufen. Ich respektiere dich. Du gehst deinen Weg. Du weißt, was du willst. Und trotzdem will ich dich.&ldquo; Er beugte sich näher, bis sein Gesicht nur noch Zentimeter von meinem entfernt war. &bdquo;Du kannst jetzt jederzeit aufstehen und gehen. Ich werde die Arbeit für dich trotzdem erledigen. Die Entscheidung liegt ganz bei dir.&ldquo;<br />
Ich war gefangen. In mir tobte ein erbitterter Kampf zwischen der aufkeimenden Lust und dem eisernen Willen, Matthias nicht fremdzugehen. Das Schlimmste an dieser Situation war jedoch, dass Kofi mir jede Ausrede nahm. Er hätte es mir so einfach machen können. Er hätte mich erpressen oder zwingen können. Dann wäre es ein Mittel zum Zweck gewesen. Ein notwendiges Opfer für Matthias. Ich hatte bereits widersprochen, um mein Seelenheil zu retten, obwohl ich ahnte, dass ich vielleicht anders handeln müsste. Doch dieser Bastard besaß das unerträgliche Selbstvertrauen, mir die Wahl zu lassen. Er legte meine Schwäche vor mir bloß.<br />
Während mein Verstand noch nach einem Fluchtweg suchte, traf mein Körper längst seine eigene Wahl. Wie ferngesteuert öffneten sich meine Schenkel. Jede Faser meines Seins schien sich ihm förmlich anzubieten. Ich war berauscht von der Gefahr und dieser demütigenden Erkenntnis meiner eigenen Begierde.<br />
Seine vollen Lippen legten sich an meinen Hals und liebkosten mich mit einer überraschenden Zärtlichkeit, die ich von ihm nicht erwartet hatte. Ein wohliger Schauer lief über meinen Rücken, während sein warmer Atem meine leicht erhitzte Haut streifte. Schließlich lachte er leise auf, ein dunkles, vibrierendes Geräusch direkt an meinem Ohr. &bdquo;Du bist wirklich außergewöhnlich, Sarah,&quot; murmelte er. &bdquo;Harte Verhandlungen, diese Beine und ein Selbstbewusstsein, das einen Mann umbringen kann. Und das ist vermutlich nicht mal nur metaphorisch richtig.&quot;<br />
Ich legte meine Hand in seinen dunklen, breiten Stiernacken und schaute ihm kurz in die Augen. &bdquo;Du bist ein Arschloch, Kofi,&quot; flüsterte ich, während das Adrenalin durch meine Adern rauschte, &bdquo;aber für heute hast du gewonnen.&quot; Dann presste ich meine Lippen auf seine. Es war ein gieriger, leidenschaftlicher Kuss, der jeden Rest von Vernunft wegwischte. Ich spürte, wie er mit seinen großen Händen flink den String zur Seite schob, während er mich fester an sich zog. Nur Sekunden später öffnete er meine Schamlippen. Ein unterdrückter Laut entwich meiner Kehle, als seine Finger begannen, langsam und rhythmisch durch meine bereits feuchte Spalte auf und abzustreichen.<br />
Meine Hände glitten unter den Saum seines Shirts und schoben den Stoff nach oben, bis ich seinen nackten Oberkörper vor mir sah. In jüngeren Jahren musste er extrem athletisch gewesen sein, und die Muskulatur unter der dunklen Haut war noch immer beeindruckend fest. Über seine Brust und die Flanken zogen sich helle Narben, stumme Belege für ein Leben, das sicher nicht immer legal oder friedlich verlaufen war. Während ich mit den Fingerspitzen die Linien seines Körpers erkundete, verlor ich beinahe den Halt. Sein Finger hatte den perfekten Rhythmus an meinem Kitzler gefunden. Ein tiefes, unkontrolliertes Stöhnen löste sich aus meiner Kehle, als er genau die richtige Stelle traf und den Druck beharrlich beibehielt.<br />
Mit einer Hand löste Kofi konzentriert die Knoten meines Oberteils an meinem Rücken. Als er mich schließlich ganz aus meinem Oberteil schälte, sah ich den bewundernden Glanz in seinen Augen. Seine großen, schwarzen Hände legten sich um meine kleinen, festen Brüste und er konnte sie mühelos komplett umgreifen. Es war sinnlos, in diesem Moment seinen Blick zu suchen; viel zu sehr war er auf meinen Körper fixiert. Ich beobachtete ihn und erlaubte mir grinsend einen kleinen Scherz: &bdquo;Ich hätte ja gar nicht gedacht, dass du so ein sinnlicher Mann bist.&ldquo;<br />
Meine Worte schienen ihn für einen Moment aus seiner Starre zu holen. Hatte ich erwartet, dass er mir schlagfertig einen Spruch zurückgeben würde, überraschte er mich erneut. Er sah mir tief in die Augen. &bdquo;Es gibt wohl so einiges aus meiner Vergangenheit, dass du nicht weißt, Sarah,&ldquo; erwiderte er mit einer beunruhigenden Ruhe. Kaum waren die Worte ausgesprochen, nahm er meine Brustwarzen zwischen die Finger. Er zwirbelte sie langsam hin und her, ein präziser, fester Druck, der einen stechenden Lustschmerz in mir entfachte und mich unwillkürlich den Rücken durchbiegen ließ.<br />
Mit einer fast beiläufigen Kraft zog er mich nach hinten auf das weiche Hotelbett. Das Bettlaken fühlte sich kühl unter meinem Rücken an. Die Lust jedoch, die von Kofis Körper ausging, wirkte in diesem winzigen Raum fast erdrückend. Er beugte sich über mich. Er stützte sein Gewicht auf die Ellbogen ab und sah mich einen Moment lang einfach nur an.<br />
&bdquo;Würdest du denn gerne mehr über mich und meine Vergangenheit erfahren?&ldquo; fragte er leise. Sein Blick schien in mich hineinsehen zu wollen. Meine Hände wanderten nach unten und tasteten nach dem Metall seiner Gürtelschnalle. Das leise Klicken beim Öffnen holte mich kurzzeitig aus meiner Trance. &bdquo;Kofi, das hier ist Sex, nichts weiter,&ldquo; begann ich. Ich wollte ihm unmissverständlich klarmachen, dass er für mich nur ein bezahlter Dienstleister war. Dass sein Körper lediglich ein Ventil für meine aufgestaute Anspannung darstellte.<br />
Doch als ich den Reißverschluss seiner Hose nach unten schob und schließlich seinen harten Schwanz befreite, versiegten meine Worte augenblicklich. Jede weitere Beleidigung oder kühle Zurechtweisung erstarb in meinem Hals. Die schiere Wucht und die dunkle Pracht seiner Männlichkeit überrumpelten meine Sinne vollkommen. Ich starrte ihn an und war für Sekunden unfähig, den geplanten Satz zu beenden. Die rationale Welt da draußen verschwand hinter der massiven Realität dessen, was ich da in den Händen hielt.<br />
Kofi bemerkte meine Fassungslosigkeit sofort. Er grinste mich überheblich an. &bdquo;Once you go black&hellip;,&ldquo; setzte er an. Er war sichtlich überzeugt von dem Klischee, das er gerade bedienen wollte. Noch bevor er den Satz beenden konnte, packte ich ihn mit einem so festen Griff an seinem Glied, dass er fast schmerzvoll zusammenzuckte. Der überlegene Glanz in seinen Augen erlosch schlagartig.<br />
Ich hielt seinem Blick stand. Meine Stimme war nun wieder eiskalt. &bdquo;Mit diesem rassistischen Dreck brauchst du mir gar nicht erst zu kommen, Kofi. Ich habe genug Erfahrung, um zu wissen, dass diese Größe rein gar nichts mit deiner Hautfarbe zu tun hat.&ldquo;<br />
Ich lockerte meinen Griff nur minimal, während ich weitersprach. &bdquo;Du hattest bei der Verteilung einfach nur ein wenig mehr Glück als andere, du kleines Arschloch.&ldquo; Trotz der harten Worte und der körperlichen Maßregelung konnte ich mir ein breites Grinsen nicht verkneifen. Meine Hand bewegte sich langsam auf und ab. Ich nahm die zweite Hand dazu und spürte, wie mich eine Mischung aus Erregung und Besorgnis durchflutete. Aber ich gab mir alle Mühe, ihn das nicht spüren zu lassen. Männern tat Überheblichkeit noch nie gut. &nbsp;<br />
&bdquo;Im Gegensatz zu dir ist mir die Hautfarbe meiner Sexpartner nicht wichtig,&ldquo; sagte ich und sah ihn fest an. &bdquo;Und ich habe schon bei unserer ersten Begegnung gemerkt, dass dich weiße Haut besonders anzieht.&ldquo;<br />
Kofi fixierte mich. Sein Blick veränderte sich. Die Provokation schien eine Seite zu treffen, die tiefer lag als sein bloßes Ego. &bdquo;Vielleicht liegt der Reiz gar nicht daran, dass du weiß bist,&ldquo; entgegnete er leise. Er klang plötzlich nachdenklich, fast schon distanziert. &bdquo;Sondern eher daran, dass du nicht schwarz bist. In meinem Leben gab es sonst nur eine einzige&#8230;&ldquo; Er hielt inne. Er schüttelte den Kopf, als wollte er ein Bild vertreiben, das nicht in dieses Hotelzimmer gehörte. Der Satz blieb unvollendet.<br />
Ich ließ seinen schwarzen Schwanz los und legte ihm sachte den Finger auf die Lippen. &bdquo;Pssssst. Ich will jetzt wirklich nicht mehr reden.&ldquo; Kofi nickte langsam. Für den Bruchteil einer Sekunde sah ich so etwas wie Enttäuschung in seinen Zügen. Das überraschte mich. Ich war eigentlich immer davon ausgegangen, dass Männer es bevorzugen, wenn die Dinge einfach und rein körperlich blieben. Kofi ließ mir jedoch keine Zeit, diesen Gedanken weiter zu verfolgen. Er schob meine Schenkel auseinander und streifte den schwarzen Rock hoch, bis er nur noch ein störendes Stück Stoff um meine Hüften war. Das Nächste, was ich fühlte, war die ausgeprägte Eichel an meinem Eingang.<br />
Als er sich langsam in mich schob, rissen mich die unterschiedlichen Empfindungen fast auseinander. Der enorme Druck, als er mich vollständig ausfüllte, wechselte sich mit einem so tiefen Lustempfinden ab. Ich konnte nicht anders. Ich stöhnte laut und unkontrolliert auf. Ich schlang meine Arme von unten um seinen massiven Körper und presste meine Hände fest gegen sein Kreuz. Ich wollte sicherstellen, dass er keinen Millimeter zurückwich.<br />
Mein Kopf lag weit hinten auf der Matratze. Den Nacken bog ich so stark durch, dass ich die Decke des Zimmers kaum noch fokussieren konnte. Ich wollte jeden einzelnen Stoß spüren. Ich wollte fühlen, wie er Besitz von meinem Körper ergriff, während mein Verstand längst kapituliert hatte. Kofi reagierte auf meine plötzliche Leidenschaft. Er stützte sich mit seinen schweren Armen links und rechts neben mir ab.<br />
Seine Sehnen traten unter der dunklen Haut hervor, während er seinen Rhythmus beibehielt. Kraftvoll. Methodisch. Ohne jede Eile. Er genoss die Art, wie ich unter ihm bebte. Er suchte mit seinen Augen immer wieder mein Gesicht, als wollte er den Moment einfrieren, in dem meine kühle Fassade endgültig zerbrach. Bei jedem Mal, wenn er tief in mich eindrang, krallten sich meine Finger in seinen Rücken. Das einzige Geräusch im Raum war das gleichmäßige Knarren des Bettes und mein schwerer, stoßweiser Atem. Gefangen in meiner Lust kam es mir wie eine Ewigkeit vor. Alles um mich herum verblasste zu einem Nebel aus Erregung und dem Geruch seiner Haut. Die Spannung in meinem Unterleib baute sich mit jeder seiner Bewegungen weiter auf. Es wurde zu einem unerträglichen Pochen, das nach Erlösung schrie.<br />
Kofi merkte, dass ich kurz vor dem Abgrund stand. Er veränderte seinen Winkel und beschleunigte seine Bewegungen. Seine Stöße wurden kürzer und heftiger. Ich krallte meine Zehen in das Laken. Meine Fingernägel gruben sich tief in das feste Fleisch seiner Schultern. Ein gellender Schrei löste sich aus meiner Kehle, als die erste Welle der Erlösung durch meinen Körper raste. Es fühlte sich an, als würde ich innerlich verglühen.<br />
Kofi spürte mein Beben, doch er dachte nicht daran, jetzt schon aufzuhören. Er genoss seinen Triumph über meine Selbstbeherrschung viel zu sehr. Er griff fest nach meiner Taille und zwang mich mit einer einzigen, kraftvollen Bewegung herum, bis ich auf allen Vieren vor ihm kniete. Die feuchte Hitze zwischen meinen Schenkeln pulsierte noch immer nach.<br />
&bdquo;Du dachtest, du hättest es hinter dir?&ldquo; raunte er gegen meinen Rücken. Seine Stimme war belegt und rau. Er wartete nicht auf eine Antwort. Er packte meine Hüften so fest, dass seine Finger tiefe Abdrücke im Fleisch hinterließen. Dann stieß er sich von hinten wieder in mich hinein.<br />
Der neue Winkel veränderte alles. Er drang tiefer in mich ein als zuvor. Jeder Stoß fühlte sich an wie eine Eroberung, gegen die ich mich nicht mehr wehren konnte. Ich vergrub mein Gesicht im Kissen, um meine Schreie zu ersticken, während mein Körper in einem völlig neuen Rhythmus erschüttert wurde. Ich fühlte, wie sich meine Muskeln unwillkürlich verkrampften, wie die erneuten Wellen der Lust immer höherschlugen und mich schließlich vollkommen überrollten.<br />
Ein weißes Licht flackerte vor meinen geschlossenen Augen auf, mein ganzer Körper bäumte sich auf und ein gellender Schrei, den ich nicht mehr unterdrücken konnte, hallte durch das sterile Hotelzimmer. Der Schrei kam als Zeichen meiner reinen, schmerzlosen Ekstase während Kofi ebenfalls in mir kam.<br />
&nbsp;<br />
<strong>Kapitel 4 &ndash; Das Erwachen der Vernunft</strong><br />
Die Stille, die dem Sturm folgte, war nicht unangenehm. Aber ich hatte Kofi auch nicht viel zu sagen. Ich lag noch einen Moment lang völlig unbeweglich da, während sich mein Herzschlag langsam wieder beruhigte. Kofi hatte sich neben mich sinken lassen. Seine große Hand strich zärtlich über meine Schulter.<br />
&bdquo;Lust auf eine gemeinsame Dusche?&ldquo; fragte er mit einer belegten Stimme, in der eine ungewohnte Sanftheit mitschwang. Er wollte die Nähe offenbar noch ein wenig ausdehnen. Doch der Zauber des Augenblicks war für mich bereits verflogen. Mein Verstand kehrte mit einer Geschwindigkeit zurück, die mich selbst fast erschreckte. Fast. &bdquo;Keine Zeit, Kofi,&ldquo; antwortete ich knapp und setzte mich auf. Meine Stimme klang bereits wieder so sachlich wie bei unseren Preisverhandlungen.<br />
Ich rutschte an die Bettkante und suchte nach meinen Sachen. Der Teppichboden des Hotels fühlte sich unter meinen nackten Fußsohlen fremd an. In der Luft hing noch immer der schwere Geruch von Schweiß und Sex. Eine Erinnerung an einen Kontrollverlust, den ich bereits jetzt begann, in eine tiefe Schublade meines Bewusstseins zu verbannen.<br />
Kofi stützte sich auf einen Ellbogen und beobachtete mich schweigend. Das spöttische Grinsen war verschwunden. &bdquo;Du bist wirklich eine Meisterin darin, die Mauern wieder hochzuziehen, Sarah,&ldquo; murmelte er. Er klang nicht einmal beleidigt. Eher fasziniert. &bdquo;Gerade warst du noch eine andere Frau. Und jetzt bist du wieder das unterkühlte hanseatische Miststück, das einen Auftrag abwickelt.&ldquo;<br />
Ich griff nach meinem roten Oberteil und zog es über den Kopf. Die Seide fühlte sich glatt und unpersönlich auf meiner Haut an. &bdquo;Es gibt keine andere Frau, Kofi. Es gibt nur das Ziel.&ldquo; Ich drehte mich zu ihm um, während ich mir die Haare aus dem Gesicht strich. &bdquo;Ich melde mich, sobald ich die Masterarbeit fertig habe. Die erste Anzahlung zahle ich über den üblichen Weg?&ldquo;<br />
&bdquo;Erste Anzahlung?&ldquo; Er richtete sich ruckartig auf. &bdquo;Holy Shit, Sarah, überspann den Bogen nicht. Du weißt, mein Entgegenkommen hat irgendwann irgendwo ein Ende. Wenn du nicht zahlst, wird es ungemütlich.&ldquo;<br />
Ich ignorierte seine Einwände. In mir regte sich eine ungeduldige Eile. Ich wollte weg von hier. Weg von diesem Geruch nach Sex und Hotelbetten. Während ich in meine Stilettos schlüpfte, analysierte ich mein Verhalten der letzten halben Stunde mit der gewohnten Distanz. Ich war schwach geworden. Das musste ich mir eingestehen. Aber es gab eine einfache Erklärung dafür. Mein letztes Mal lag über ein Jahr zurück. Ein Jahr, in dem ich mich ausschließlich auf meine Trauer konzentriert hatte. Mein Körper hatte sich einfach das geholt, was er brauchte.<br />
Der selbstzugefügte Höhepunkt im Café vor einer Woche war offenbar nur der Startschuss gewesen. Ein Ventil, das den Druck gelöst und mich für dieses neue, extrem intensive Erleben empfänglich gemacht hatte. Für das meine Gefühle zu Matthias verantwortlich sein mussten. Es war eine biologische Notwendigkeit gewesen. Nichts weiter.<br />
Er war der einzige Grund, warum ich überhaupt hier war. Er war das Ziel, für das ich bereit war, diese kleinen Umwege in Kauf zu nehmen. Als ich das Hotel schließlich verließ, spürte ich die kühle Luft der Hafencity auf meiner Haut. Ich stellte mir vor, wie Matthias und ich, irgendwann in der Zukunft, im Garten unseres gemeinsamen Hauses sitzen würden. Wir würden Wein trinken. Die Abendsonne genießen. Vielleicht würden wir sogar darüber lachen, welche Hürden ich auf dem Weg zu ihm überwunden hatte. Ich würde ihm von den Recherchen erzählen. Von den mutigen Schritten, die ich gewagt hatte.<br />
Aber diese Episode mit Kofi und die Art, wie er mich gefickt hatte, das würde ich geflissentlich verschweigen. Manche Wahrheiten sind nur dazu da, um in der Dunkelheit eines Hotelzimmers zu bleiben. Mich zog es mit jeder Faser meines Seins nach Hause. Dort holte ich die verpasste Dusche nach. Ich stand lange unter dem heißen Strahl und beobachtete, wie das Wasser die Spuren dieses Nachmittags wegschwemmte. Meine Wohnung war mein Reich. Der einzige Ort, an dem ich wirklich ungestört nachdenken konnte. Während ich mir später in einen flauschigen Bademantel gehüllt ein Glas Wein einschenkte, ging ich im Geiste noch einmal jedes Detail meines Plans durch.<br />
Kofi würde sich um meinen Hintergrund kümmern. Er würde dafür sorgen, dass meine neue Identität unanfechtbar war. Ich würde die kommenden zwei Wochen nutzen, um meinen Geist und meinen Körper systematisch vorzubereiten. Vieles von dem technischen Wissen, das ich für den Job an der Seite von Matthias benötigte, kannte ich bereits. Dennoch würde ich es noch weiter verfeinern, bis ich jede Nuance im Schlaf beherrschte. Ich wollte ihn nicht nur mit meiner Erscheinung, sondern auch mit meiner intellektuellen Brillanz fesseln. Und so machte ich mich daran, meine eigene Masterarbeit zu schreiben. Es fiel mir leicht. Ich kam gut voran. Jeder Algorithmus und jede Formel fühlte sich wie ein Baustein für mein neues Leben an.<br />
Doch ich musste auch meinen Körper wieder zu dem machen, was er immer gewesen war. Meine wertvollste Waffe. Jede Bewegung und jeder Blick musste sitzen. Clara, diese Schlampe, hatte sich nur deshalb nehmen können, was schicksalsbedingt schon immer mein gewesen war, weil sie als Erste da war. Sie hatte Matthias vor mir versteckt gehalten. Sie war eine durchaus attraktive Frau. Alles andere wäre für einen Mann wie Matthias auch gar nicht infrage gekommen.<br />
Sie verströmte auf den ersten Blick diese Aura einer Dame von Welt. Eine Frau, die ihren Platz kennt. Ihre weiblichen Rundungen waren deutlich ausgeprägt und dennoch nicht zu ausladend. Ich fand sie persönlich zwar ein bisschen fett, aber jeder hat seinen eigenen Geschmack. Sie war hübsch, das musste ich mir eingestehen. Zumindest oberflächlich betrachtet. Es wäre also völlig zwecklos, Matthias mit einer Kopie ihres weichlichen und zum Kotzen liebevollen Wesens zu ködern. Ich musste ihm etwas bieten, was sie nicht hatte. Etwas, was sie nie wieder haben könnte. Einen jungen, perfekt trainierten Körper, der ein Versprechen auf eine rauschhafte Ekstase darstellte.<br />
Doch für diesen Tag hatte ich genug getan. Die körperliche Anstrengung mit Kofi und diese explosiven Höhepunkte hatte ihren Tribut gefordert. Ich legte mich mit meinem Tablet ins Bett. Das gedämpfte Licht des Displays war die einzige helle Quelle im Raum. Ich begann durch die öffentlichen Profile von Matthias zu scrollen und suchte nach jedem neuen Detail.<br />
Dabei stolperte ich fast zufällig über einen zweiten Account von Maximilian. Sein erster Auftritt war viel zu glatt gewesen. Er wirkte wie ein künstliches Gebilde, das lediglich eine Vorzeigefamilie für die Außenwelt simulierte. Im Gegensatz zu seinem Vater war der Junge jedoch nachlässig. Sein echtes Profil war öffentlich. Es gab keinerlei Einschränkungen oder Sicherheitsvorkehrungen.<br />
Ich lächelte dünn. Es war fast schon beleidigend einfach. Und so verbrachte die nächste Stunde damit, seine Bilder und Storys zu analysieren. Ich katalogisierte seine Vorlieben, seinen Freundeskreis und die Orte, an denen er sich herumtrieb. Dann begann ich, mir ein Fakeprofil zu erstellen. Ich achtete penibel darauf, die Fotos und die Biografie so zu wählen, dass sie seine Interessen exakt trafen. Ich schuf ein digitales Spiegelbild seiner Wünsche. Einen Köder, dem er nicht widerstehen konnte.<br />
Nach getaner Arbeit legte ich das Tablet weg und schlief seelenruhig ein. Ich war in dem Wissen, dass ich auf dem Weg war, diese eine Liebe zu finden. Jene Liebe, die jeder Mensch zu erhalten hofft. Diese eine Liebe, bei der man weiß, endlich angekommen zu sein.<br />
Doch so friedlich mein Einschlafen auch war, meine Träume waren es nicht. In ihnen kehrte der Mann zurück, der mir einmal die ganze Welt bedeutet hatte. Er war der Erste, der mir das Gefühl von Sicherheit gab. Lange bevor ich wusste, wie zerbrechlich dieses Wort eigentlich ist. Mein Vater.<br />
Er roch immer nach einer Mischung aus scharfem Pfefferminz und schwerem Autoöl. Ein Geruch, der für mich Heimat bedeutete. Wenn er mich auf den Arm nahm, wusste ich, dass mir nichts geschehen konnte. In diesem Moment stand die Welt still. Sie war sicher und beständig. So wie er. Er war mein Halt.<br />
Meine Mutter hatte uns verlassen, als ich zwei Jahre alt war, aber ich brauchte sie nicht. Ich hatte ihn. Er war da. Immer. Er liebte mich und das war alles, was damals zählte. Mein Vater war Kfz-Mechaniker. Er war nicht irgendwo angestellt, sondern sein eigener Chef. Er hatte eine kleine Werkstatt am Stadtrand, in der er von morgens bis abends arbeitete. Ich liebte diesen Ort. Den beißenden Geruch von Benzin und Metall. Das tiefe Brummen der Motoren. Das rhythmische Quietschen der Hebebühnen.<br />
Wenn ich nach der Schule in die Werkstatt ging, lag er oft unter irgendeinem Auto. Dann waren nur die ölverschmierten Arme und die kräftigen Hände zu sehen. Oft machte ich mir einen Spaß daraus und versuchte ihn zu erschrecken. Doch er lächelte dann nur. Er wischte sich mit einem alten Lappen über die Stirn und zog mich fest an sich. Als ich sieben war, änderte er sich. Es geschah nicht plötzlich oder über Nacht. Es war ein schleichender Prozess. Langsam, aber unaufhaltsam. Ein Tumor in seinem Frontallappen fraß sich für uns alle unbemerkt durch sein Wesen. Er verwandelte sich in jemanden, den ich nicht mehr erkannte. Zuerst waren es nur Kleinigkeiten. Seine Ungeduld nahm zu. Seine Blicke wurden kälter. Seine Worte verloren ihre Wärme. Damals schoben es alle auf den Stress. Auf die harten Stunden in der Werkstatt und die Sorgen um die Aufträge.<br />
Es passte ja auch ins Bild eines Mannes, der sich für seine Tochter aufrieb. Aber die Wochen wurden zu Monaten. Aus Momenten der Kälte wurde meine neue Normalität. Ich tat alles, um ihn zurückzubekommen. Ich war brav, still und hilfsbereit. Ich lernte ihn und seine Launen zu lesen. Ich erkannte an der Art, wie er den Schlüssel ins Schloss steckte, ob es ein guter oder ein schlechter Tag war. Wann ich zu verschwinden hatte und wann ich mich bemühen sollte, ihn aufzuheitern.<br />
Aber egal, was ich tat, es reichte nicht. Manchmal ignorierte er mich, als wäre ich nicht mehr da. Manchmal schrie er mich an, als wäre ich der Grund für all das, was in ihm tobte. Mit zehn kam ich in die Pubertät. Ich verstand immer noch nicht, was mit ihm passierte, aber ich spürte, dass es schlimmer wurde. Lag es an mir? Hatte ich nicht genug getan oder nicht genug geliebt? Hatte ich nicht genug gehorcht? Ich versuchte es noch verzweifelter. Ich half ihm in der Werkstatt, auch wenn er mich oft wegschickte. Ich putzte das Haus. Ich kochte für ihn. Ich machte meine Schulaufgaben perfekt. Ich passte mich an. Ich wurde leise. Ich wurde unsichtbar, wenn es nötig war.<br />
Ich hoffte immer auf ein Lächeln oder eine Geste. Auf ein Zeichen, dass er mich noch liebte, wie er es früher getan hatte. Aber sein Blick blieb leer. Seine Worte hart. Mit jedem Tag bröckelte etwas in mir. Doch aufgeben konnte ich nicht. Ich musste ihn zurückholen. Ich musste. Denn wenn er mich nicht mehr liebte, wer dann? Doch irgendwann hatte ich keine Chance mehr, etwas besser zu machen. Irgendwann hatte ich den unsichtbaren Wettlauf gegen die Zeit verloren. Er war tot. Und ich war alleine.<br />
&nbsp;<br />
<strong>Kapitel 5 &ndash; Die Stählung der Waffe</strong><br />
Die Albträume der Nacht hingen mir noch in den Knochen. Sie waren eine Mahnung. Wer geliebt werden will, muss perfekt sein. Ich aß nur einen Apfel und holte meine Sporttasche. Mit schnellen Griffen verstaute ich meine Ausrüstung. Zuerst die schwarzen Leggings mit dem Scrunchbutt Effekt. Der Stoff war darauf ausgelegt, jede Kontur meines Hinterns gnadenlos zu betonen. Danach packte ich den festen Sport-BH ein. Ich warf mir die Tasche über die Schulter, steckte die Airpods ein und verließ die Wohnung. Der Weg zu Matthias führte heute über den Schmerz im Fitnessstudio.<br />
Ich wollte die beste Version von mir selbst sein. Nicht für mich, sondern für ihn. Matthias verdiente keine halben Sachen. Meine Liebe zu ihm verlangte Perfektion und ich war bereit, alles dafür zu geben. In der Frauenumkleide schlug mir die vertraute Mischung aus schwerem Parfüm und frischem Schweiß entgegen. Ich suchte mir einen freien Spind und ignorierte das Gequassel der anderen Frauen. Direkt neben mir blockierten zwei Freundinnen den Platz vor den großen Spiegeln.<br />
Die Blonde war kaum zu übersehen. Ihre Brüste waren offensichtlich gemacht, zwei pralle Silikonkugeln, die fast unnatürlich fest unter ihrem knappen Sporttop saßen. Sie unterhielt sich mit einer Brünetten, die zwar nicht hässlich war, aber neben dieser künstlichen Pracht fast verblasste.<br />
Sie plauderten über irgendeine Affäre der blonden Barbie. Belangloses Zeug. Solche Banalitäten waren mir schon immer zuwider gewesen. Sie vergeudeten ihre Zeit mit billigen Abenteuern und emotionalem Ballast, während ich an der perfekten Liebe arbeitete. Ich schälte mich aus meiner Alltagskleidung und zog die schwarzen Leggings hoch. Der elastische Stoff umschloss meine Haut und betonte jede Kontur. Ohne ein weiteres Wort oder einen flüchtigen Blick zu den beiden, verschloss ich meinen Spind mit einer entschlossenen Bewegung.<br />
Draußen im Trainingsbereich empfing mich die klimatisierte Kühle auf meiner erhitzten Haut. Die verstohlenen Blicke der Männer an den Freihanteln wurden geflissentlich ignoriert. Bewunderung war heute nicht mein Ziel. Es ging um reine, harte Arbeit. Jede einzelne Wiederholung war ein notwendiger Tribut an die Perfektion, die Matthias von mir erwartete.<br />
Während meine Beine und mein Rücken unter der Last arbeiteten, wich der Stress der vergangenen Nacht. Dieser Schmerz war ehrlich. Vor allem war er steuerbar. Und er überlagerte den Schmerz meiner Gedanken an meinen Vater. &nbsp;Mein Körper wurde zu jener Waffe geformt, die schlank und unbezwingbar sein musste. Nach zwei Stunden brannte meine Muskulatur und mein Atem ging stoßweise. Es war eine Erschöpfung, die mit einem tiefen Stolz einherging.<br />
Die körperlichen Grenzen waren erreicht, doch die Reinigung fehlte noch. Die Sauna bildete den perfekten Abschluss für dieses Vorhaben. Es war ein ritueller Moment für Geist und Körper gleichermaßen. In der trockenen Hitze breitete ich das weiche Tuch auf der obersten Bank aus und ließ mich vollkommen nackt darauf nieder. Meine Atmung beruhigte sich langsam. Die Stille im Raum war fast greifbar. Nur das rhythmische Knacken des Holzes unterbrach die Einsamkeit, in der ich mich endlich mit meinen Plänen im Einklang fühlte.<br />
Die Hitze trieb den Schweiß aus jeder Pore. Winzige, heiße Perlen sammelten sich auf meiner Haut und rannen in langsamen Bahnen über meine kleinen festen Brüste. Sie flossen über meinen flachen Bauch hinunter und suchten sich den Weg in den Schoß, bis sie die vollkommene Glätte meiner Pussy erreichten. Der Dampf umschlang mich wie eine körperlose Umarmung und löste die letzte Starrheit aus meinen Gliedern. Langsam folgten meine Finger der feuchten Spur am Hals. Ich schloss meine Augen und gab mich meinen Gedanken vollkommen hin.<br />
<em>In meiner Vorstellung betrat ich sein Büro. Er saß an seinem Schreibtisch. Die Ärmel des weißen Hemdes waren leicht hochgekrempelt und sein Blick blieb auf den Bildschirm fixiert. Als ich eintrat, hielt er inne. Er sah mich an. Nicht nur als neue Mitarbeiterin, sondern als eine Frau, die seinen Verstand und seine Sinne gleichermaßen herausforderte.</em><br />
Die Berührung meiner eigenen Finger war erst flüchtig, fast zärtlich. Dann glitten meine Fingerkuppen tiefer und umspielten erst die rechte Brustwarze, bevor sie sich mit der gleichen Hingabe der linken widmeten. Unter der extremen Hitze und der stetigen Reibung richteten sie sich augenblicklich auf. Ein tiefes Ziehen entstand im Unterleib. Es war ein Verlangen, das nach Erlösung schrie. Es war an der Zeit, meinen Körper zurückzufordern. Jede Welle der Lust sollte ab jetzt nur noch Matthias gehören.<br />
<em>&bdquo;Sarah, du scheinst genau die richtige Wahl für diese Position zu sein,&ldquo; flüstert er, während er meinen Hals liebkost.&nbsp;</em>Meine Fantasie wurde lebhafter<em>. Ich sehe uns allein in seinem Büro. Die schweren Holzmöbel. Das sanfte Licht der Schreibtischlampe. Das Klirren eines Glases, als er mir einen Drink anbietet. &bdquo;Nur unter uns,&ldquo; sagt er während er mir das Glas reicht. &bdquo;Ich sehe großes Potenzial in dir.&ldquo; Sein Blick verändert sich. Er wird intensiver, während ich das Glas abstelle und näher an ihn herantrete. Ich stehe direkt vor ihm und fordere ihn heraus. Ich teste seine Kontrolle. &bdquo;Potenzial? Das klingt fast, als würdest du mich unterschätzen, Matthias.&ldquo;</em><br />
Meine Hand wanderte weiter hinunter, über den nassen Bauch bis tief zwischen meine Schenkel. Ich spürte das heftige Pochen in meiner Pussy. Es war ein rhythmisches Schlagen, das den Takt meiner Hingabe vorgab. Die Finger drangen langsam in die feuchte Hitze ein und suchten den direkten Kontakt zu meiner Lust.<br />
<em>Ein Lächeln umspielt seine Züge. Dieses selbstbewusste, überlegene Lächeln, das mir den Atem raubt. &bdquo;Unterschätzen? Ganz im Gegenteil. Du faszinierst mich, Sarah.&ldquo; In meiner Vorstellung ist das der Moment, in dem er die Distanz überbrückt. Seine Hand umfasst sanft aber bestimmt meine Taille und zieht mich näher zu sich. Seine Lippen sind warm und begehrlich, während seine Hände meinen Körper erkunden. Matthias packt mich. Es gibt kein langes Zögern mehr und keine Schlampe von Ehefrau namens Clara. Seine Zunge drückt in meinem Mund. Sie schmeckt nach dem schweren Rotwein und nach Verlangen. Er wirbelt mich herum. Seine kräftigen Hände greifen nach meiner Hüfte und schieben mich mit einer fast schon groben Entschlossenheit über seinen massiven Mahagoni Schreibtisch. Ich spüre das kühle, glatte Holz an meinen Unterarmen, während er gierig meinen Rock nach oben schiebt. Er nimmt sich, was er begehrt, weil er in diesem Moment endlich erkennt, dass ich die einzige Antwort auf all seine Wünsche bin.</em><br />
Mein eigener Rhythmus wurde schneller. Die Bewegungen meiner Hand wurden gieriger, während die Grenze zwischen der realen Hitze der Sauna und dem Feuer meiner Gedanken endgültig verschwamm.<br />
<em>Sein prächtiger Schwanz dringt von hinten in mich ein. Die Wucht ist gewaltig. Er füllt mich so vollkommen aus und dehnt mich mit einer Intensität, die mich vor Lustschmerz tief aufstöhnen lässt.&nbsp;</em>Kurz verliere ich den Fokus. Meine Gedanken drohen abzuweichen. Ein anderes Bild drängt sich auf. Jemand anderes, der mich ebenso massiv ausfüllte. Das dunkle Gewicht von Kofis Körper schiebt sich für einen Wimpernschlag vor Matthias, doch ich fange mich. Ich dränge den Verrat meines Fleisches gewaltsam zurück.<br />
<em>Ich bleibe unbeweglich. Ich bleibe nach vorne gebeugt und biete mich ihm bedingungslos an. Nur für ihn. Es fühlt sich unbeschreiblich perfekt an. Ich drehe den Kopf nach hinten und suche sein Gesicht. Ich sehe die wilde Leidenschaft in seinen Augen. &bdquo;Fick mich,&ldquo; höre ich mich stöhnen. Meine Stimme ist rau und bricht fast. &bdquo;Du kannst mich ficken, wie immer du willst.&ldquo;</em><br />
In genau diesem Augenblick zerriss die Realität die Stille. Das quietschende Klicken des Türgriffs der Sauna holte mich gewaltsam von Matthias weg. Ein Schwall kühler Luft drang durch den dichten Dampf und ließ meine feuchte Haut augenblicklich erschaudern. &bdquo;Verdammt noch mal&ldquo;, grollte ich innerlich. Die Wut über die jähe Unterbrechung vermengte sich mit einer unerträglichen Spannung, die nun ziellos in meinem Körper kreiste. Ein leises, fast schon hasserfülltes Seufzen entwich mir, während die filigrane Welt meiner Fantasie wie Glas unter einem Hammerschlag zerbrach.<br />
Mein ganzer Körper prickelte immer noch heftig. Doch das Zittern der Lust wurde von einem Schock der Ernüchterung überlagert. Ich drehte den Kopf zur Seite, um die Störung zu fixieren. Es war die Blonde mit den Plastiktitten aus der Umkleide. Ihre Bewegungen wirkten aufdringlich und bar jeder Eleganz. Mit einem flüchtigen Nicken ließ sie sich auf einer der unteren Bänke nieder und ignorierte die heilige Stille dieses Raumes. Ich zwang mich zu einem ruhigen Atemzug, doch die Bilder in meinem Kopf waren noch viel zu präsent. Sie hielten mich in ihren heißen Fängen und ließen mich mit dem schalen Geschmack des Abbruchs zurück. Es war ein unerträglicher Zustand der Unvollständigkeit.<br />
Mühsam bändigte ich die aufkeimende Wut darüber, so kurz vor der Erfüllung aus der Welt mit Matthias gerissen worden zu sein. Mein Blick streifte die Fremde mit einer Mischung aus Abscheu und Kälte. Alles an dieser Frau schrie mir ein einziges Wort entgegen: billig.<br />
Was soll&rsquo;s. Ein leicht angewinkeltes Bein diente als notdürftiger Sichtschutz, auch wenn mir die Blöße in diesem Augenblick eigentlich gleichgültig war. Meine Finger nahmen ihren zärtlichen Tanz in der Leistengegend wieder auf. Ich schloss die Augen und kämpfte verbissen darum, den Weg zurück in Matthias&rsquo; Büro zu finden. Ich brauchte seine Arme. Ich brauche seinen Schwanz.<br />
Es erforderte eine enorme Willensanstrengung, die störende Präsenz der blonden Frau auszublenden. Ich schloss die Augen und zwang meine Gedanken mit aller Gewalt zurück in die kühle Eleganz jenes Büros, das mein wahres Ziel war.<br />
<em>Matthias steht nun direkt vor mir und die Überlegenheit in seinem Blick raubt mir den Atem. Seine Hand gleitet unter meinen Rock und seine Finger suchen den direkten Weg zu meiner Sehnsucht. &bdquo;Du gehörst mir&ldquo;, raunt er gegen meine Lippen und sein Atem schmeckt nach Macht und Stärke.</em><br />
Die Hitze der Sauna erfasste mich erneut und das Pochen in meinem Schoß übernahm wieder den Takt. Meine Finger bewegten sich wieder&nbsp;schneller auf der nassen Haut.<br />
<em>Er hebt mich hoch und setzt mich auf die Kante des massiven Schreibtisches. Die glatte Oberfläche brennt fast auf meiner nackten Haut, während er meine Beine auseinanderschiebt und zwischen meine Schenkel tritt. Ich sehe die wilde Entschlossenheit in seinem Gesicht, bevor sein Schwanz erneut in mich eindringt. Dieses Mal fühlt es sich noch tiefer und noch gewaltiger an als zuvor. Jedes Mal, wenn er zustößt, fühle ich mich ein Stück vollkommener.</em><br />
Ich war wieder kurz vor der Erfüllung und die Umgebung verblasste erneut vollkommen hinter dem Schleier meiner Erregung.<br />
<em>Seine Bewegungen werden nun unkontrolliert und gierig. Ich kralle meine Finger in den Stoff seines Hemdes und suche seinen Blick, während die Spannung in meiner Fotze unerträglich wird. Die Lawine ist kurz davor, sich in einer gewaltigen Welle der Lust über uns zu ergießen.</em><br />
Doch genau in diesem Moment zerriss ein bekanntes Geräusch die mühsam aufgebaute Illusion. Schon wieder quietschte diese alte, verdammte scheiß Saunatür.<br />
Ich sog die heiße Luft tief in meine Lungen und zwang meine Lider nach oben. Wer wagte es, mich ein zweites Mal aus meiner Welt zu reißen? Es war die einfältige Freundin jener wasserstoffblondierten Barbie mir gegenüber, die nun die Sauna betrat. Mein Blick glitt prüfend über ihren nackten Körper. Ihre Brüste waren ein ästhetisches Mittelding zwischen der blonden Plastikwelt und meiner eigenen Form. Sie besaßen eine ideale Größe, eine sanfte Tropfenform und liefen spitz zu. Eigentlich war es ein Anblick, den ich hätte genießen können. Auch als Frau. Doch in dem Moment, als sie den Mund öffnete schlug mein Interesse in blanken Ekel um.<br />
Dieses banale überschwängliche Geschnatter vergiftete die Stille. Mein Blick fixierte den hölzernen Saunalöffel, der griffbereit neben dem Aufgusskübel lag. Für einen mörderischen Augenblick stellte ich mir vor, wie ich das schwere Holz packte und mit einem Ruck über meinem Knie zerbrach. Ich sah vor meinem inneren Auge, wie ich das gesplitterte, messerscharfe Ende nahm und es mit aller Kraft in die weiche Kehle dieser neuen infernalen Störung rammte. Ich wollte hören, wie ihr wertloses Geplapper in einem Schwall aus Blut und Entsetzen erstickte.<br />
Doch ich beherrschte mich. Die mörderische Kälte in mir blieb verborgen hinter einer Maske aus Gleichgültigkeit. Ich wandte den Blick ab und starrte wieder in die Leere der heißen Luft. Diese Kreaturen waren es nicht wert, auch nur eine Sekunde meiner Freiheit oder meiner Pläne zu gefährden. Sie waren keine echten Hindernisse auf dem Weg zu Matthias. Dachte ich.<br />
Die Unterhaltung der beiden machte jeden weiteren Versuch einer Versenkung zunichte. Das Geplänkel war nicht mehr zu ignorieren. Die Blonde, Mandy, &nbsp;lehnte sich zurück und ihr Flüstern war gerade laut genug, um sie zu verstehen. Sie sprach über einen gewissen Mustafa. Er sei ein echter Macher, kein Vergleich zu ihrem Ex. Kevin.<br />
&bdquo;Sein Onkel regelt das jetzt endlich,&ldquo; sagte die Blonde und ein triumphales Lächeln huschte über ihr Gesicht. &bdquo;Irgendwas mit Prozessoptimierung in diesem riesigen Glaskasten am Hafen. Er hat nächste Woche das Gespräch. Der Onkel arbeitet da wohl schon ewig. Und jetzt holt er seinen Lieblingsneffen dazu.&ldquo;<br />
Mein Herzschlag veränderte seinen Rhythmus. Das Pochen in meinem Schoß wich einer eiskalten Wachsamkeit. Es gab nur einen Glaskasten am Hafen, der in dieser Branche von Bedeutung war. &bdquo;Du meinst dieses Ding da beim Zollamt?&ldquo; hakte die Dunkelhaarige nach. Ihr Tonfall war jedoch eine Spur desinteressiert. &bdquo;Breitenbach oder so ähnlich? Da kommt man doch ohne Masterabschluss gar nicht rein.&ldquo;<br />
&bdquo;Genau der Laden. Aber wenn die Familie schon drin ist, läuft das eben anders. Im Vertrieb wird er richtig absahnen.&ldquo; Das triumphale Quieken der Blonden ließ mich fast auf den Saunaboden übergeben. Ich hielt die Augen geschlossen und verharrte in vollkommener Reglosigkeit. Mein Verstand raste und sezierte die Fragmente dieser Informationen. Mustafa. Ein Name, der nun ganz oben auf meiner Liste stand. Ein Mann der es auf meine Stelle angesehen hatte. Der sich zwischen Matthias und mich stellen wollte.<br />
Die Hitze der Sauna war plötzlich nicht mehr wohltuend. Sie wirkte drückend und feindselig. Doch die Wut in meinem Kopf brannte mittlerweile um ein Vielfaches heißer als der glühende Steinofen vor mir. Dieser Mustafa war nicht nur ein Kontrahent. Er war ein Störfaktor, ein Feind. Ein Fehler im System, der korrigiert werden musste.<br />
Ich öffnete die Augen und starrte ins Leere, während sich der Schweiß in meine Sicht brannte. Mein Entschluss stand fest, noch bevor der nächste Wassertropfen von meiner Haut auf das Holz klatschte. Mustafa ahnte nicht, dass er bereits verloren hatte. Ich würde diesen Mann nicht einfach nur beobachten. Ich würde mich um ihn kümmern. Gründlich und ohne jede Spur zu hinterlassen. Er war ab sofort ein Projekt, das nach einer endgültigen Lösung verlangte&hellip;Matthias würde mir gehören. Mir allein.<br />
&nbsp;<br />
Ende Teil 1<br />
&nbsp;<br />
<em><u>Wenn du es bis hierhin geschafft hast, dann nimm dir doch bitte einen Moment Zeit, die Geschichte zu bewerten. Über einen Kommentar freue ich mich natürlich auch. Jede Rückmeldung bedeutet mir viel. Hinter diesem Text steckt eine Menge Arbeit und Herzblut, und deine Wertschätzung macht den Unterschied.</u></em><br />
&nbsp;<br />
&nbsp;</p>
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		<title>La pulga que mata Teil 18</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Japakl75]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Apr 2026 07:52:02 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>
Geschwisterliebe<br />
Franziska war gerade damit fertig geworden, ihre Tochter zu wickeln, hob sie vorsichtig vom Tisch herunter, küsste sie auf die Stirn und legte sie dann behutsam ins Bettchen. Sie war erschöpft und fühlte sich dennoch völlig überdreht. Sie wusste aus Erzählungen, wie schwer das erste Jahr einer Mutter war und wie oft sich Verzweiflung, Wut, aber auch Freude dabei im Kopf ablösten. Manchmal innerhalb weniger Minuten.<br />
Sollte sie gleich noch mal das Babyfon nehmen und sich ins Wohnzimmer setzen? Mit ihrem Bruder und Ros noch einmal sprechen, bevor diese dann morgen nach Berlin zurückfuhren, um übermorgen nach Irland zu fliegen? Sie war so neidisch auf die beiden. Sie lebten genau das Leben, welches sie sich zusammen mit Holger erhofft hatte. Für einen Moment unschlüssig, wollte sie dann doch lieber ins Bett gehen. Wahrscheinlich würde Emilia ohnehin gleich wieder zu weinen anfangen.<br />
Es klopfte. War es Mutter? Sie wandte sich zu der Tür um. &bdquo;Ja?&ldquo;<br />
&bdquo;Ich bin es, Willy!&ldquo;<br />
Franziska horchte auf. Was konnte ihr Bruder wollen?<br />
&bdquo;Komm schon rein, Schwabbel!&ldquo;<br />
Der große, dickliche junge Mann öffnete vorsichtig die Tür, trat ins Zimmer und schloss sie dann wieder umsichtig. Er kam um das Bett herum, setzte sich auf die freie Seite, zog sich die Hausschuhe aus und legte sich dann zu ihr.<br />
Er sagte nichts! Sie wartete, doch blieb es zwischen ihnen völlig still.<br />
&bdquo;Es tut mir leid&ldquo;, meinte Franziska schließlich leise. &bdquo;Ich war immer Scheiße zu dir.&ldquo;<br />
&bdquo;Nicht immer. Ab und an hast du auch zu mir gehalten&ldquo;, stellte ihr Bruder fest.<br />
&bdquo;Warum hassen und lieben Geschwister sich so? Ich habe das nie verstanden&ldquo;, meinte Franzi leise.<br />
&bdquo;Ich glaube, die Natur schafft bei ihnen starke Gegensätze, damit sich die Wahrscheinlichkeit für sie erhöht, dass zumindest eins von ihnen überleben kann.&ldquo; Er lachte. &bdquo;Du hast dich schon fortgepflanzt, von daher bist du mir einen Schritt voraus.&ldquo;<br />
&bdquo;Rosalinda will Kinder, von daher wirst du irgendwann aufholen.&ldquo;<br />
&bdquo;Dann wird sie deine Hilfe brauchen&ldquo;, meinte Willy leise.<br />
&bdquo;Als ob. Du siehst doch, wie sie mit Emilia umgeht. Sie fasst etwas an und kann es dann. Es frustriert mich einfach nur noch.&ldquo;<br />
&bdquo;Du hast ihr vorhin nicht richtig zugehört, kann das sein?&ldquo;<br />
Franziska drehte ihren Kopf zur Seite und sah ihren Bruder an. &bdquo;Wie meinst du das?&ldquo;<br />
Auch er blickte jetzt zu ihr hinüber und griff nach ihrer Hand.<br />
&bdquo;Teufelchen und Engelchen. Bei ihr kannst du beim Teufel das CHEN streichen. Sie muss jeden Tag gegen ihn kämpfen. Und auch ich habe Angst vor ihm.&ldquo;<br />
&bdquo;Und trotzdem bleibst du mit ihr zusammen?&ldquo;, fragte Franziska verstört.<br />
&bdquo;Ja. Solange sie kämpft, bin ich auf ihrer Seite.&ldquo;<br />
&bdquo;Ist sie es wert?&ldquo;, fragte Franziska.<br />
&bdquo;Ich hoffe es, Sis. So wie Georg auch.&ldquo;<br />
&bdquo;Wie zeigt sich denn ihr Teufel?&ldquo;, fragte sie ihn weiter.<br />
&bdquo;Es gibt eine Kommilitonin, welche mich sehr mag. Rosalinda ist völlig ausgestiegen. Auch weil ich selbst dumm reagiert habe. Ich hätte niemals geglaubt, dass es jemals zu solch einer Konstellation kommen könnte.&ldquo;<br />
Franziska lachte. &bdquo;Ich raff es nicht. Mir geht es genauso. Scheiße. Zwei Frauen streiten um meinen Bruder. Die Welt steht Kopf.&ldquo; Sie lächelte und wandte sich ihm wieder zu. &bdquo;Und was war jetzt das Problem?&ldquo;<br />
&bdquo;Wenn Ros hasst, traue ich ihr alles zu. Ich habe keine Vorstellung davon, wie weit sie gehen würde.&ldquo;<br />
&bdquo;Meinst du, sie würde die &#8230;&ldquo;, Franziska traute sich nicht, ihren Gedanken zu beenden.<br />
&bdquo;Nein! Das nicht. Aber es würde trotzdem schlimm werden. Zumal sie glaubt, im Recht zu sein.&ldquo;<br />
&bdquo;Und jetzt?&ldquo;<br />
Willys Stimme klang frustriert. &bdquo;Ich habe von ihr verlangt, dass sie aufhört und mir vertraut.&ldquo;<br />
Franziska streckte ihre Hand nach ihrem Bruder aus und strich ihm durch das Haar. &bdquo;Dir kann man vertrauen. Hab ich immer.&ldquo; Sie lächelte. &bdquo;Das war das, was sie vorhin meinte, oder?&ldquo;<br />
Ihr Bruder nickte. &bdquo;Eine Sache unter vielen, Franzi. Es ist nicht einfach mit ihr. Ihre Schattenseite ist immer aktiv. Und ich weiß nicht, was passieren wird. Das ist meine Angst. Irgendwann wache ich auf und es wird etwas Schreckliches sein.&ldquo;<br />
&bdquo;Dann mach Schluss!&ldquo;, riet die Schwester. &bdquo;Ich habe Rosalinda lieb, keine Frage, aber dich noch viel mehr. Lass dich nicht von ihr kaputt machen, Willy. Bitte!&ldquo;<br />
&bdquo;Das tut sie nicht. Zumindest nicht direkt. Ich stelle mir das vor wie bei einem Suchtkranken. Rosalinda versucht durchzuhalten, doch dann bricht das Verlangen durch und sie macht irgendetwas. Nur habe ich keine Ahnung, was das sein könnte.&ldquo;<br />
&bdquo;Sag mal ein anderes Beispiel!&ldquo;<br />
Willy erzählte seiner Schwester vom Ausflug im Park und die Begegnung mit den sechs Schlägern. Er offenbarte ihr, wie viel Angst er gehabt hatte und seine Freundin indessen zu keiner Zeit die Kontrolle über die Situation verloren hatte. &bdquo;Sie hat gewusst, dass sie kommen. Verstehst du? Woher? Der eine Typ meinte, seine Spielhalle wäre angezündet worden. Er hat Ros dafür verantwortlich gemacht.&ldquo;<br />
Franziska wurde blass. &bdquo;Und war sie es?&ldquo;<br />
Willy schüttelte seinen Kopf. &bdquo;Sie meinte, sie hätte jemandem dazu geraten, es zu tun. Es ging darum, eine gemeinsame Freundin zu schützen. Esme, weißt noch?&ldquo;<br />
&bdquo;Die Hübsche von der Feier. Krasses Weib. Aber ihr Freund ist auch niedlich gewesen.&ldquo; Franzi folgte kurz ihrer Erinnerung, dann war sie wieder bei ihm. &bdquo;Und trotzdem willst du bei ihr bleiben? Willy! Das ist nicht deine Welt.&ldquo;<br />
Ihr Bruder richtete seinen Blick zur Decke. &bdquo;Sie kann mir alles erklären. Immer. Ich habe keine Chance, ihr zu widersprechen. Es ist so krass. Aber dass wir immer wieder in solche Situationen geraten, kann doch auch kein Zufall sein. Oder?&ldquo;<br />
&bdquo;Irgendwie klingt das auch spannend. Aber ich habe Angst um dich, Brüderchen. Sie ist schon ziemlich irre drauf, unsere Chilischote.&ldquo;<br />
&bdquo;Erzähl bitte niemandem davon, Franzi. Ich weiß, es fällt dir schwer. Du hast uns schon wegen Holger in eine beschissene Lage gebracht.&ldquo;<br />
&bdquo;Ja, ich weiß. Früher dachte ich immer, du kippst um.&ldquo; Sie seufzte. &bdquo;Muss ja die Klappe halten, sonst erzählst du mir nie wieder was.&ldquo;<br />
Willy lächelte. &bdquo;Das stimmt. Aber du verstehst jetzt, dass es mit ihr nicht einfach ist, oder? Kein Grund, mich oder sie zu beneiden. Unser Leben ist genauso ein Krampf, nur aus anderen Gründen.&ldquo;<br />
&bdquo;Und trotzdem ist sie dir der Krampf wert. Ist hoffentlich nicht nur das Ficken oder?&ldquo;<br />
Willy grinste. &bdquo;Nicht nur.&ldquo; Er lachte und sah wieder zu ihr hinüber. &bdquo;Dass sie mich zu dir geschickt hat, ist auch ein Grund.&ldquo;<br />
Abschied<br />
&bdquo;Du bringst mich nach Hause?&ldquo;, stellte Georg überrascht fest, als Rosalinda ebenfalls nach ihrer Jacke griff. Der Pfarrer hatte sich von der Familie bereits verabschiedet und fühlte sich jetzt von seinem langen Tag überanstrengt und müde.<br />
&bdquo;Klar. Morgen werde ich es nicht zu dir hinüberschaffen, bevor du zur Arbeit fährst. Außerdem will ich Fritz kuscheln. Ich vermisse ihn.&ldquo;<br />
Georg verstand, nahm ihr die Jacke ab und half ihr hinein. &bdquo;Über ihn wollte ich mit dir sprechen, Ros. Du wirst ihn irgendwann zu dir nehmen müssen. Ich habe Beckmanns gefragt, aber Heidrun hat eine schwache Allergie.&ldquo;<br />
Rosalinda zog ihre Brauen zusammen. Sie und Willy waren selbst nicht oft zu Hause, von daher keine günstige Konstellation.<br />
&bdquo;Fragen wir Events. Auf dem Stützpunkt müssen wir uns auch keine so großen Sorgen machen, dass er von einem Auto überfahren wird. Dann können wir beide ihn sehen.&ldquo;<br />
Georg öffnete die Tür und ließ seine Adoptivtochter an sich vorbeitreten. Wie immer wirkte sie beherrscht und souverän, unergründlich und trotz ihres engen Verhältnisses distanziert. Früher hatte er darunter gelitten, irgendwann hatte er es dann für sich akzeptiert.<br />
Sie traten gemeinsam auf die Straße hinaus, richteten ihren Blick auf den wolkenverhangenen Himmel, nur ein kleiner Streifen ließ die Sicht auf die Sterne zu. Es war kalt, aber wenigstens windstill in diesem Moment.<br />
Rosalinda griff nach seiner Hand. Die ihre wirkte klein und zierlich im Vergleich zu seiner eigenen. Dass sie jetzt nichts sagen wollte, war nicht untypisch. Es musste nicht unbedingt etwas besprochen werden zwischen ihnen beiden. Das war früher bei Franzi anders gewesen. Die hatte immer Redebedarf gehabt, während er bei Rosalinda Neuigkeiten regelrecht aus deren Nase ziehen musste.<br />
Er warf einen Blick auf seine Uhr. Es war schon eins vorbei. Der morgige Tag würde anstrengend für ihn werden. Gerade wenn er nicht genügend Schlaf bekam.<br />
&bdquo;Bedrückt dich etwas?&ldquo;<br />
Sie sah zu ihm auf, schien über seine Frage nachzudenken, dann verneinte sie.<br />
&bdquo;Du denkst aber viel nach?&ldquo;<br />
&bdquo;Schon. Passierte viel in den letzten Wochen.&ldquo;<br />
Der Pfarrer öffnete die Pforte zum Garten. Im Fenster saß der Kater, welcher sie beide längst bemerkt hatte.<br />
&bdquo;Dann wird es Zeit, dass ihr etwas Ruhe hineinbringt. Da ist Irland sicher ein guter Anfang für euch.&ldquo;<br />
Rosalinda antwortete nicht. Zog ihren Schlüssel aus der Tasche und öffnete die Haustür. Fritz war schon bei ihr, mauzte klagend und schmiegte sich gegen ihr Hosenbein. Die junge Frau nahm das Tier auf, kuschelte dessen Kopf mit ihrer Wange und trug es hinüber in das Wohnzimmer, ohne sich ihrer Schuhe und der Jacke entledigen zu wollen.<br />
Georg legte ab, dann kam er den beiden nach. &bdquo;Sei nicht böse, Schatz, aber allzu lange halte ich heute Abend nicht mehr durch.&ldquo;<br />
&bdquo;Ich würde mir mehr Ruhe wünschen, Georg. Aber gleichzeitig habe ich vor ihr Angst. Ich halte sie nicht lange aus&ldquo;, überging sie seinen Hinweis.<br />
Georg verstand nicht. &bdquo;Aber das hast du doch die letzten Jahre auch?&ldquo;<br />
Seine Tochter schüttelte ihren Kopf. &bdquo;Nicht wirklich. Los war eigentlich immer etwas.&ldquo;<br />
&bdquo;Du meinst die Schule?&ldquo; Sie warf ihm einen flüchtigen Blick zu, dann verneinte sie.<br />
&bdquo;Nein, unter anderem vielleicht auch sie.&ldquo;<br />
Der Pfarrer ahnte, dass seine Tochter hier nicht ins Detail gehen mochte, sie deutete ja auch immer wieder an, dass es da etwas gab. Genaue Kenntnis darüber wollte er nicht erlangen, zu groß schien ihm die Gefahr, schlecht von ihr zu denken.<br />
Rosalinda behielt den Kater auf dem Arm und kam zu Georg hinüber. Sie beugte sich über ihn, küsste ihn auf die Wange und drückte die Seite ihres Gesichts gegen seine Wange. &bdquo;Hab dich lieb.&ldquo;<br />
&bdquo;Ich dich auch, Schatz. Pass auf euch auf und melde dich, wenn es dir angebracht scheint.&ldquo;<br />
Sie versprach es ihm. &bdquo;Dann geh mal schlafen. Ich nehme Fritz mit rüber, dann kann er die Nacht bei uns verbringen. Muss nur achtgeben, dass er nicht alles vollhaart.&ldquo;<br />
Noch einmal trafen sich ihre Blicke, er spürte ihre warme Hand auf seiner Wange, Sekunden später hörte er die Tür. Ein seltsamer Abschied, einer, der ihm in Erinnerung bleiben würde. Er schien ihm unvollkommen und irgendwie gezwungen gewesen zu sein.<br />
Abflug<br />
Esme hatte es sich nicht nehmen lassen, ihre Freunde zum Flughafen zu bringen. So fuhren sie um 6 Uhr früh in Richtung Schönefeld, müde, doch erfüllt von einer tiefen Aufregung. Die Freundin verabschiedete sich äußerst herzlich von den beiden, und von dem anfänglichen Eindruck einer arroganten und distanzierten Frau war nichts mehr übrig geblieben. So gab die Beauty Willy noch Hinweise, wie man am schnellsten eincheckt, und bat Rosalinda darum, ihr von jedem Ort, den sie besuchten, Ansichtsmagnete für den Kühlschrank zu kaufen.<br />
Die Hallen des Flughafens waren schon erfüllt von Hunderten von Reisenden. Allesamt hatten müde Gesichter, standen an Bäckereien und Cafeterien an, schauten zu den Flugtafeln auf oder saßen auf Bänken oder ihren Rollkoffern, um auf ihren Check-in zu warten.<br />
Willy war bisher dreimal in seinem Leben auf einer Flugreise gewesen. Italien, einmal Frankreich und Zypern. Seine Eltern waren sonst mit Franzi und ihm in den Anrainerstaaten unterwegs gewesen, in denen man nicht darauf angewiesen war, teure Mietwagen zu buchen. Für die Kinder nicht unbedingt eine erholsame Zeit, waren doch die Eltern über die Planung, Vorbereitung, im Urlaub und auch in der Zeit danach fast durchgängig in ihren Konflikten verfangen geblieben. So war der Urlaub vielleicht nicht als Flug eine Premiere für ihn, aber als eine Zeit frei von Sorge und Streit. Er hoffte es zumindest.<br />
Rosalinda schien in Gedanken. Hinzu kam, dass sie völlig übermüdet war, hatte sie doch vor Aufregung schlecht schlafen können. So beherrscht sie im normalen Alltag war, so sehr war sie mit dieser neuen Freiheit, welche für sie zum ersten Mal fühlbar geworden war, überfordert. Reisen, wann und wohin man wollte. Diese neue Möglichkeit schien seine Freundin sehr zu beschäftigen.<br />
Sie waren gestern erst am Nachmittag losgefahren, hatten sich herzlich von seiner Familie verabschiedet und viele gute Wünsche mit auf ihren Weg bekommen. Kurz noch Fritz zurück zu Georgs Haus gebracht, dann waren sie nach Berlin zurückgefahren, froh darüber, dass sie das meiste schon gepackt und vorbereitet hatten. So gab es noch ein Abendessen mit den Freunden in der WG, dann wurde früh schlafen gegangen.<br />
Sie fanden vor dem Check-in eine Bank. Sie hatten noch Zeit und wollten abwarten, dass sich der Bereich hinter der Barriere leerte. So setzten sie sich und hingen beide ihren Gedanken nach, dabei gegen ihre bleierne Müdigkeit ankämpfend.<br />
Was Willy auffiel: Rosalinda hatte bisher kein einziges Mal nach ihrem Handy gegriffen, um sich Social-Media-Beiträge anzusehen. Es schien ihm so, als ob sie auch in dieser Hinsicht Urlaub machen wollte. &bdquo;Ich hole uns Kaffee, bin gleich wieder da&ldquo;, gab er ihr seine Absicht kund.<br />
Rosalinda stimmte wortlos zu, gähnte und rieb sich mit ihren Händen über die Augen. Sie sah ihm nach, bis er in der Menge der vorbeieilenden Touristen untergetaucht und nicht mehr zu sehen war.<br />
Freute sie sich auf den Urlaub? Sie fühlte hier eine seltsame Leere in sich. Auf der einen Seite war sie aufgeregt und voller Spannung, auf der anderen aber ohne Aufgaben, Pläne oder Ziele. Eine seltsame Konstellation, welche sie in dieser Form nicht kannte. Würde es so lange in Berlin laufen?<br />
Mit Romina hatte sie noch telefoniert. Die Freundin konnte Erich ertragen, mehr aber war da bei ihr nicht. Er folgte ihr wie ein Hund, zeigte ihr dabei aber so gut wie keine Persönlichkeit oder sonst einen Reiz. Auch die Sprachbarriere war ein Problem, welches sie nur langsam überwanden. Wenigstens schienen die Betreuer und Mitbewohner mit dem Rechten auszukommen. Auf ihre Frage hin, wie es mit der Ausbildung des Exnazis lief, zeigte Romina sich zufrieden. Er tat alles, was sie ihm abverlangte und schien ehrgeizig darauf hinzuarbeiten, die von ihr gesetzten Ziele zu erreichen.<br />
Rosalinda riet der Freundin, hier einen Fokus für die Beziehung zu dem Deutschen zu setzen. Vielleicht verband sie der Sport und später die Aufträge miteinander. Auch würde sie den Mann nach ihren Wünschen formen können. Sollte Romina Erich ruhig verändern, bis er ihr gefiel oder sie ihn wenigstens akzeptieren konnte. Deutsche Männer tickten völlig anders als Mexikaner. Sie waren Frauen gegenüber aufgeschlossener, zeigten mehr Respekt und waren nicht in der alten Rollenverteilung gefangen, in welcher ein starker Mann über eine schwache Frau gebieten sollte.<br />
Intimität hatte es bei den beiden bisher nicht gegeben. Romina hatte diese Grenze noch nicht überschreiten wollen. Erich nahm es hin und schien auch das für die gemeinsame Sache zu ertragen. Er wollte funktionieren, so wie es die Jefa von ihm verlangt hatte.<br />
Rosalinda wusste dabei, dass sie Romina den Befehl dazu geben könnte, doch hätte das für Spannungen gesorgt, die vielleicht das Verhältnis zwischen ihnen massiv störten. Gerade wenn es um enge Beziehungen zwischen Menschen ging, musste man maßvoll mit äußerem Einfluss umgehen. Sie hatte viel zum Thema Führung gelesen und etliches von dem erworbenen Wissen für eigene Zwecke umgemünzt.<br />
Vic würde noch vermittelt werden, und auch Holger musste sie noch an eine Kette legen. Das war ein Problem. Erstere würde sie für ein halbes Jahr nach Mexiko schicken, wo sie sich entsprechend verlieben würde, und für Holger musste sie jemanden finden, der nützlich für die Gruppe war, aber keinen Bezug zu ihr hatte bzw. zu ihrem Herkunftsland.<br />
Sie musste unbedingt lernen loszulassen. Auch zur eigenen Sicherheit. Für den Moment war alles geregelt, Jochen würde den Laden schmeißen können, die Geschäfte liefen und die neuen Strukturen wurden nach und nach umgesetzt. Ruhe! Sie wünschte sie sich wirklich und fürchtete sich dennoch davor.<br />
&bdquo;Hier, mein Schatz! Zucker ist schon drin.&ldquo; Willy reichte ihr einen der beiden Becher, beugte sich über sie und gab ihr einen Kuss. Für den Moment versank er in den Anblick ihrer tiefbraunen Augen, sah in den Ausschnitt ihres Tops, fühlte sich von Stolz erfüllt, dass diese hübsche wie besondere Frau ihm gehören sollte.<br />
&bdquo;Danke dir, Süßkeks. Ich freue mich auf unser Hotel, dann können wir das erste Mal im Ausland bumsen&ldquo;, sie grinste und streichelte über seine Wange.<br />
Willy schien sich über diese Vorstellung zu freuen. Er setzte sich neben sie, rief die Internetseite ihres Dubliner Hotels auf, suchte die Zimmerbeschreibung und las laut vor. &bdquo;Ein gediegener Raum mit großem Doppelbett und einem geräumigen Badezimmer lädt zum Verweilen ein, vervollkommnet mit Klimaanlage, Satellitenfernsehen&#8230;&ldquo;, es folgten weitere Ausstattungsmerkmale, welche ihnen einen komfortablen Aufenthalt garantieren sollten. Rosalinda hatte darauf bestanden, dass sie nicht die billigsten Unterkünfte nahmen. Geld durfte bei ihrem ersten gemeinsamen Urlaub keine Rolle spielen.<br />
Er nahm es hin, wenn er auch nach wie vor mit dieser Konstellation zu kämpfen hatte. Gerade jetzt, wo Rosalindas Pfründe noch einmal deutlich gestiegen waren und in Sphären lagen, welche er wohl erst nach ein paar Jahren der Berufstätigkeit erreichen würde. Wie es dazu gekommen war, lag dabei in einer Grauzone. Seine Freundin beriet Kriminelle! Und das schon seit Langem. Er konnte sich noch gut an eine Situation erinnern, in welcher Mark um Rosalindas Hilfe gebeten hatte. Dass dies nicht die einzige gewesen war, hatte sie dabei immer wieder angedeutet.<br />
&bdquo;Woran denkst du?&ldquo;, hörte er ihre Stimme. Willy sah zu ihr hinüber und lächelte. Auch er brauchte Urlaub. Nicht nur von den Anstrengungen seines Studiums, sondern auch von den Ängsten, welche er mit Rosalinda verband.<br />
&bdquo;Ach, an nichts und alles. Ich bin froh, wenn wir da sind und mal etwas Neues erleben.&ldquo; Er deutete auf die Anzeigetafel. &bdquo;Komm, es wird Zeit. Lass uns einchecken.&ldquo;<br />
Rosalinda war einverstanden, griff nach ihrem Rucksack und Rollkoffer und folgte ihm zu der Barriere. Die Schlange hatte sich mittlerweile deutlich verkürzt. Die ersten Flüge in die großen Hauptstädte waren jetzt gestartet und damit deutlich weniger Stau an den Checkpoints. So waren sie schon eine halbe Stunde später im Wartebereich, betrachteten die vielen Reisenden und ernteten, wie so oft, neugierige Blicke aus der Gegenrichtung.<br />
Ein alter Ire war es schließlich, der sich zu ihnen setzte, grüßte und das Gespräch mit ihnen suchte. Dabei hob er den schweren Rucksack von seinem Rücken, zog seinen Armeeparka und die Stiefel aus und rieb sich seine mit derben grünen Socken bedeckten Füße. So fragte er sie aus, woher sie kamen, wohin sie wollten, erzählte ihnen von seiner Heimatstadt Limerick, seinem Bruder, welcher in Berlin ein Lokal unterhielt, und seinem Wirtschaftsverein, für den er einen Großhändler in Deutschland beauftragen wollte.<br />
Ab und an durften Willy und Rosalinda auf Fragen antworten, ansonsten erfuhren sie, dass ihr Gesprächspartner Eoin hieß, dreißig Jahre mit seiner Frau Ellis zusammen war, welche fantastisch singen konnte und vier Söhne hatte. Er zeigte ihnen Fotos von der Familie, seinem Haus und fand erst ein Ende, als sie zum Boarding aufgerufen wurden. Doch selbst in der Schlange blieb Eoin bei ihnen, und während Rosalinda sichtlich genervt auf den Iren reagierte, unterhielt sich Willy mit Begeisterung. Politik und Geschichte, zwei Themengebiete, welche Rosalindas Freund seit jeher interessierten, sie selbst aber maximal langweilten.<br />
So stand sie neben Willy in der Schlange, den Blick auf die beiden Abfertigungsschalter gerichtet. In Gedanken war sie bei dem ersten Flug in ihrem Leben, welcher sie nach Deutschland gebracht hatte. Gefesselt, geknebelt, mit Windelhosen jeglicher Würde beraubt, hatte sie nur Wut und Hass in sich gespürt, dem Flug an sich aber keinen ihrer Gedanken gewidmet. Es war damals kein Platz dafür gewesen. Es fiel ihr schwer, sich einzugestehen, dass sie damals Angst gehabt hatte. In einem Ausmaß, das sie nur mit allergrößter Anstrengung nach außen hin hatte verbergen können. Wehrlos und ohnmächtig, Attribute, welche sie bis dahin nicht in ihrem Leben gekannt hatte.<br />
Ein Mann vom Flughafenpersonal schob sich rücksichtslos durch die Menge, stieß mit seiner Schulter gegen die einer neben Rosalinda stehenden Frau, sparte sich aber dabei eine Entschuldigung und tauchte dann unter einer Absperrung durch.<br />
Etwas fiel zu Boden, worauf die Frau panisch den Bereich zu ihren Füßen abzusuchen begann. &bdquo;My phone? Where is it?&ldquo;<br />
Rosalinda hatte es gefangen und hielt es ihr hin. &bdquo;Here! Please!&ldquo; Sie hatte einfach reagiert in diesem Moment.<br />
&bdquo;Wow! Quick reflexes.&ldquo; Die Frau zeigte deutlich ihre Erleichterung. Sie besaß ein rundes, pausbäckiges Gesicht, muntere graue Augen und hellblonde Haare. Gekleidet in einen olivgrünen Mantel, weiße Bluse und Hose, erweckte sie einen sehr aparten Eindruck bei Rosalinda.<br />
Die Mexikanerin nickte ihr zu und wollte sich abwenden, doch die junge Frau suchte hektisch in ihrer Handtasche und bot ihr nun einen Kaugummi als Dankeschön an. Rosalinda lächelte und griff zu, froh darüber, ihren Gedanken an die Vergangenheit für diesen Moment entkommen zu können.<br />
&bdquo;Orlaith! Freut mich!&ldquo;, stellte sich die Fremde Rosalinda in der englischen Sprache vor. Die griff das angebotene Gespräch auf, machte sich ebenfalls bekannt und deutete auf Willy, dabei auch seine Rolle in ihrem Leben erklärend. So kamen die beiden Frauen ins Gespräch.<br />
Was Rosalinda an dem Dialog mit der Fremden gefiel, war, dass weder über ihren Freund Verwunderung gezeigt wurde noch ihre Herkunft eine vordergründige Rolle spielte. Überhaupt schien Orlaith ein ausgewogenes Gespräch als wichtig zu erachten, und so gab sie immer im Wechsel etwas von sich und ihrem Leben preis, um im nächsten Zug Rosalinda über das ihre zu befragen. So fanden die Frauen schnell zueinander. Orlaith arbeitete für die Exportabteilung einer Dubliner Brauerei und tingelte zu diesem Zweck durch ganz Europa. Sie war neu in diesem Job und schien noch in vielen Belangen unsicher. Sie war ganz froh, für vier Wochen zu Hause bleiben zu dürfen, wie sie erzählte, um dann wieder in die nächste Rundreise zu gehen.<br />
&bdquo;Ist das eure erste Tour?&ldquo;, fragte sie Rosalinda, dabei auf Willy deutend, der immer noch mit Eoin sprach und eine lebendige Diskussion unterhielt. Zwar hatte er das Gespräch kurz unterbrochen, um die Gesprächspartnerin seiner Freundin zu grüßen, setzte aber dann seine lebhafte Unterhaltung fort.<br />
&bdquo;Ja, die Erste von vielen, wie ich hoffe. Einfach mal alles hinter sich lassen dürfen, wäre schon cool.&ldquo;<br />
&bdquo;Ich kann dich vom Alter her schwer einordnen, Rosalinda. Bist du schon mit deinem Studium fertig?&ldquo;<br />
Die Mexikanerin lächelte. &bdquo;Nein, mit der Schule, zumindest fast. Aber ich habe zwei Nebenjobs und mehrere Optionen offen.&ldquo;<br />
Die Irin zeigte sich beeindruckt. &bdquo;Wow, erzähl!&ldquo;<br />
So fand auch Rosalinda eine Gesprächspartnerin und war enttäuscht, als sie im Flugzeug von Orlaith getrennt wurde. Willy schien ganz froh zu sein, trotz des spannenden Gesprächs. Er fühlte sich von der Flut an Informationen, welche der Ire über ihn vergossen hatte, überfordert.<br />
Rosalinda hatte extra einen Fensterplatz buchen lassen und folgte interessiert den Ausführungen des Flugbegleiters, welcher die Sicherheitseinweisung für die Fluggäste gab. Auch Willy hörte zu, schnallte sich an und griff dann nach der Bordzeitung. Seine Partnerin griff jetzt nach seiner Hand, und so konnte er eine tiefe Unsicherheit bei ihr spüren, welche sie offensichtlich nicht beherrschen konnte.<br />
Willy zeigte ihr einen besorgten Blick, hob seine linke Hand an ihr Gesicht und streichelte sanft über ihre Wange. Er beugte sich zu ihr hinüber, küsste sie auf den Mund, dann zeigte er ein Lächeln. &bdquo;Du hast Schiss!&ldquo;<br />
Im ersten Moment sich über seine Worte ärgernd, nickte sie schließlich. Selbst das konnte sie gegenüber ihrem Freund: Sich eine Schwäche eingestehen. Für sie selbst eine überraschende Erkenntnis. Hier schien sich wirklich etwas bei ihr zu normalisieren.<br />
&bdquo;Am Anfang fühlt es sich komisch an, dann aber ist es einfach nur noch interessant. Wenn wir ein wenig Glück haben, reißt immer mal wieder die Wolkendecke auf und wir können runter aufs Land und später aufs Wasser blicken&ldquo;, erklärte Willy ihr, damit versuchend ihre Unruhe zu lindern.<br />
Der Blick aus dem Fenster zeigte ihr, dass sich nun das Flugzeug zu bewegen begann. Langsam rollte es den Zubringer zur Startbahn entlang und drehte dann ein, um für einen Moment stehen zu bleiben. Kurze Zeit später hörte man das dumpfe Dröhnen der Düsentriebwerke, welche sich in ein infernalisches Heulen auswuchsen, ein Beben ging durch die Kabine, während die Radreifen des Fahrwerks polterten und dröhnten.<br />
Ein nervöses Kribbeln legte sich über Rosalindas Magen, die enorme Beschleunigung des Flugzeugs spürend. Dann wurde die Bewegung sanfter, der Winkel des Aufstiegs nahm zu, während die ersten Wolken durchbrochen wurden. Ab diesem Moment war nichts mehr von der Metropole Berlin zu sehen.<br />
Rosalinda grinste, als die belastende Aufregung langsam schwand und ihr Zustand sich zusehends normalisierte. Dass ein Linienflug sie in solch eine Unruhe versetzte, kam ihr völlig irre vor, war sie doch schon viele Male im Helikopter zum Stützpunkt geflogen. Doch ihre Stimmung war jetzt eine andere, sie hatte ein Leben losgelöst von fremdbestimmten Abhängigkeiten.<br />
Ankunft in Dublin<br />
Der internationale Flughafen lag nördlich von der Millionenstadt Dublin, umrandet von einer zersiedelten Landschaft der Metropolregion. Quadratische Felder, Waldinseln, graue Stadtteile lösten den imposanten Anblick des Meeres ab. Mittelengland hatte unter einer dichten Wolkendecke gelegen, genauso wie weite Teile Norddeutschlands. Rosalinda zeigte sich deshalb enttäuscht, doch war über dem Westen Nordenglands die Sicht aufgeklart und damit ein faszinierender Blick über die Irische See frei geworden.<br />
So konnte man Liverpool etwas nördlich unter ihnen vorbeiziehen sehen, weiter entfernt auch die Isle of Man, bevor dann die Küstenlinie von Irland auftauchte, nachdem das Flugzeug in den Sinkflug übergegangen war.<br />
Noch einmal zeigte Rosalinda vor der Landung Aufregung, griff nach Willys Hand, beruhigte sich aber sofort wieder, nachdem der Jet aufgesetzt und ausgerollt war. Der Freund erklärte sich ihr Verhalten damit, dass sie diese Art der Aufregung einfach noch nicht kannte.<br />
Zehn Minuten mussten sie noch warten, dann durften sie die Maschine über das Terminal verlassen.<br />
Am Gepäckband verabschiedete sich Eoin von den beiden Reisenden, wünschte ihnen alles erdenklich Gute und gab ihnen seine Telefonnummer, falls sie es dann doch noch nach Limerick schaffen sollten. Orlaith dagegen war sofort wieder an Rosalindas Seite getreten, um die zuvor abrupt geendete Unterhaltung wieder aufzunehmen. So bezog sie dieses Mal Willy ein, der beiläufig nach ihrem Gepäck Ausschau hielt, welches er mit blauem Geschenkband markiert hatte.<br />
&bdquo;Habt ihr schon konkrete Pläne für eure Tage in Dublin?&ldquo;, fragte Orlaith den jungen Deutschen, ahnend, dass er es war, welcher die Reise organisiert hatte.<br />
&bdquo;Du! Erst einmal ins Hotel, ein paar Stunden chillen und dann werden wir uns ein hübsches Lokal suchen. Vielleicht hast du einen Tipp für uns? Morgen und übermorgen werden wir dann sehen, ich habe halt eine Liste mit Sehenswürdigkeiten, welche wir uns anschauen wollen.&ldquo;<br />
Orlaith lächelte die beiden bedeutungsschwanger an, nahm das Handy zur Hand und wählte darauf einen Kontakt.<br />
&bdquo;Hey Schwester! Ich bin jetzt da, holst du mich ab? Ich hab auch noch zwei deutsche Freunde dabei, die können wir bei ihrem Hotel absetzen und später zum Dinnéar wieder abholen. Sag auch noch Declan, Brigit und Conor Bescheid, dann können wir mit ihnen ein wenig Party machen. Die sind niedlich, wirst sehen.&ldquo;<br />
Willy und Rosalinda tauschten fragende Blicke aus, nahmen es aber letzten Endes hin, dass so über ihren ersten Tag in Irland so konsequent entschieden wurde. Sie dankten Orlaith und freuten sich darüber, so unkompliziert in ihr Hotel zu gelangen.<br />
Orlaith fragte nach ihrem Hotel, schaute anschließend auf ihrem Handy nach und nickte den beiden zu. &bdquo;Das ist im Zentrum, von dort aus kommt ihr überall gut hin.&ldquo; Sie fragte Willy nach seiner Liste. So kam jetzt Willy mit Orlaith ins Gespräch und ging mit ihr die einzelnen Ziele durch. Er wusste viel von den einzelnen Orten und konnte so die Irin mit seinem Detailwissen beeindrucken.<br />
&bdquo;Du, dann komm ich mit und du zeigst mir die Innenstadt. Unglaublich, was du alles weißt.&ldquo; Sofort bekam Willy einen roten Kopf, stammelte etwas von ein paar Büchern, welche er in seiner Freizeit gelesen hatte, während Rosalinda sich diebisch über seine Verlegenheit freute. Es würde ein super Urlaub werden, sie hatte jetzt keinen Zweifel mehr daran.<br />
&bdquo;Pfarrer? Wir sind jetzt da. Haben super Leute kennengelernt, die nehmen uns gleich mit in die City und laden uns im Hotel ab. Fürs Abendessen sorgen sie auch. Wenn das so weitergeht, wird es ein sehr billiger Urlaub für meinen Mops und mich.&ldquo;<br />
Georg zeigte sich begeistert, ließ sich von seiner Tochter den Flug beschreiben und brachte sie kurz auf den Stand, was die Arbeit mit den Kindern betraf. Rosalinda ertappte sich dabei, wie sie in diesem Moment echtes Interesse zeigte. So hörte sie zu, freute sich, dass ihr Vater zufrieden mit seiner Arbeit war und auch, dass er sie vermisste. Sie versprach, ihn auf dem Laufenden zu halten und wählte als nächste Nummer die von Franzi. Angerufen wollte Willys Schwester schon werden, nur Bilder von ihrem Reiseglück hatte sie sich immer wieder für ihre Abwesenheit verbeten.<br />
&bdquo;Hey Missi. Wie geht&rsquo;s der Kleinen?&ldquo;<br />
&bdquo;Ihr seid da?&ldquo;, fragte Willys Schwester sofort. &bdquo;Geil! Wie ich euch beneide. Seid gerade gelandet, oder? Hab euren Flug auf &sbquo;ner App verfolgt.&ldquo; Sie redete ohne Pause. &bdquo;Der Kleinen geht es gut. Hab sie gerade gestillt, hat mich ein paar Stunden am Stück schlafen lassen und scheint etwas ruhiger zu werden. Wenn sich dieser Trend hält, gehe ich zur Kirche und zünde ein paar Kerzen an. Endlich ein Lichtblick.&ldquo;<br />
Heidrun und Frank wollten auch noch mit ihr sprechen, baten auch Willy ans Telefon, sahen aber ein, dass dieser im Gespräch war und sie ihn später noch einmal sprechen würden. Im Hotel gab es WLAN, dann könnte man auch miteinander videotelefonieren. &bdquo;Schickt uns wenigstens ein paar Bilder, ihr habt ja unsere Nummern&ldquo;, bat Heidrun. &bdquo;Und ruft jeden Tag mal kurz durch, ja? Ich mach mir sonst Sorgen um euch.&ldquo; Auch Frank sprach kurz mit Rosalinda, doch musste sie das Gespräch abbrechen, da die Koffer nun da waren und auch Orlaiths Schwester zwischenzeitlich den Flughafen erreicht hatte.<br />
So eilten sie durch die Hallen des Flughafens, wollte doch die Schwester sofort wieder los, um kein Parkticket ziehen zu müssen. Sie trafen in dem Moment in der von Taxis und Bussen belegten Zufahrt ein, in welchem sich ein kleiner Kompaktwagen mit lautem Hupen bemerkbar machte.<br />
&bdquo;Das ist Fionnuala, meine jüngste Schwester. Ihr könnt euch im Auto mit ihr bekannt machen, aber jetzt muss es erst einmal schnell gehen. Wie bei einem Boxenstopp!&ldquo;, erklärte Orlaith.<br />
Und so war es dann auch: Eine junge Frau mit dunkelblonden Haaren stieg aus dem kleinen Pkw aus, riss die Heckklappe auf, nahm Willys und Rosalindas Koffer entgegen und meinte, dass sie Orlaiths Koffer zwischen sich nehmen sollten. So wurde der Beifahrersitz umgeklappt und Willy quetschte sich auf die Rückbank, nahm den Rollkoffer ihrer irischen Bekannten entgegen, dann war Rosalinda an der Reihe. Die Rucksäcke auf dem Schoß, war nicht mehr viel Platz im hinteren Bereich des Autos.<br />
&bdquo;Geht&rsquo;s?&ldquo;, fragte Orlaith besorgt, während ihre Schwester bereits wieder anfuhr.<br />
&bdquo;Ja, alles gut&ldquo;, meinte Rosalinda, während Willy sich der Schwester vorstellte. Die hob ihre Hand, sah in den Rückspiegel und schenkte den beiden ein Lächeln.<br />
&bdquo;Du kommst mir bekannt vor, Rosalinda&ldquo;, meinte Fionnuala erstaunt. &bdquo;Doch wie kann das sein? Ihr seid das erste Mal hier, oder?&ldquo;<br />
&bdquo;Keine Ahnung, da wird mir jemand ähnlich sehen&ldquo;, vermutete die junge Latina.<br />
Die junge Irin nickte in die Richtung des Rückspiegels, setzte ihre Sonnenbrille auf und lenkte das Auto auf die Schnellstraße.<br />
Orlaith wandte sich wieder zu Rosalinda und Willy um, lächelte und deutete auf ihre Schwester.<br />
&bdquo;Wenn ihr wollt, können wir euch die nächsten Tage die Stadt zeigen. Fionnuala hat sich extra für mich frei genommen, damit ich nicht Gefahr laufe, in meiner Freizeit zu arbeiten. Von daher wäre es uns ein Vergnügen. Es würde uns Spaß machen, aber wenn ihr lieber allein losziehen wollt, verstehen wir das natürlich.&ldquo;<br />
Rosalinda war es, die antworten wollte. Willy hätte sofort &bdquo;ja&ldquo; gesagt. Er war nicht gut darin, gut Gemeintes abzulehnen.<br />
&bdquo;Lasst uns erst einmal ankommen, okay? Wir sagen euch dann Bescheid. Danke für das super Angebot.&ldquo;<br />
Orlaith schien kein Problem mit dem Hinhalten zu haben. Wahrscheinlich konnte sie das deutsche Paar gut verstehen. So sprach sie mit ihrer Schwester, welche immer wieder in den Rückspiegel sah und noch versuchte, Rosalindas Gesicht einzuordnen.<br />
&bdquo;Wie viele Geschwister hast du noch, Orlaith?&ldquo;, fragte Willy, dabei vergebens nach genügend Platz für seinen fülligen Körper suchend.<br />
&bdquo;Sechs. Aber in Dublin gibt es nur noch meinen älteren Bruder Connor und unsere zweitjüngste Schwester Brigit. Das Haus meiner Familie liegt im Westen, in der Nähe von Ennis. Wenn ihr wollt, könnt ihr dort übernachten, wenn ihr in der Nähe seid. Meine beiden Alten würden sich freuen.&ldquo;<br />
Die Gastfreundschaft in diesem Land schien enorm zu sein und kam den beiden jungen Deutschen fast schon penetrant vor. Es schien ihnen so, als ob man sie als willkommene Kurzweil sah, so als ob sie ein Fenster hinaus in die Welt sein würden, dessen man sich bedienen konnte.<br />
Rosalinda wurde warm und so nahm sie ihr Halstuch ab und öffnete ihre dicke Wattejacke. Fionnuala wurde sofort darauf aufmerksam. &bdquo;Du kommst aus Mexiko, oder?&ldquo;<br />
&bdquo;Ursprünglich, ja. Woher weißt du das?&ldquo;<br />
Die Irin antwortete nicht, sah zu ihrer Schwester hinüber und sprach mit ihr ein paar Worte in einer ihr fremd klingenden Mundart. Orlaith schien erstaunt und sah jetzt ebenfalls Rosalinda genauer an und betrachtete deren Halszeichnungen eingehender.<br />
Willy schien verwirrt und auch Rosalinda fühlte sich in diesem Moment unwohl. So als ob Fionnuala sie wirklich kennen könnte.<br />
&bdquo;Mexiko ist geil. Irgendwann will ich dort auch mal hin. Wo bist du denn geboren?&ldquo;, fragte Orlaiths jüngere Schwester neugierig.<br />
&bdquo;Im Norden, Ciudad Juárez. Wurde aber mit zwölf adoptiert und kam dann nach Deutschland.&ldquo;<br />
Fionnuala schien in diesem Moment wie erschlagen und auch Orlaith schüttelte ungläubig ihren Kopf.<br />
&bdquo;Ist irgendwas?&ldquo;, fragte Rosalinda gereizt. Auch Willy kam diese Szene jetzt merkwürdig vor.<br />
&bdquo;Du, entschuldige&ldquo;, beeilte sich Fionnuala jetzt zu sagen. &bdquo;Ich freue mich einfach, dass ich recht hatte. Orlaith hat geglaubt, dass du in Deutschland geboren wurdest. Aber das kam mir unwahrscheinlich vor. Ich kenne selbst einen Mexikaner, er arbeitet in einem Pub bei mir in der Nähe. Er hat ähnliche Tätowierungen wie du, stammt aber aus Hermosillo. Cooler Typ, hat immer &sbquo;ne düstere Geschichte auf Lager, wenn er von seiner Heimat spricht. Sein Chef schimpft dann immer mit ihm, in der Befürchtung, dass er seinen Gästen damit Angst machen könnte.&ldquo;<br />
Willy zeigte sich nun erleichtert und auch Rosalinda wurde mit dieser Erklärung wohler. Dennoch war es erstaunlich, dass sie so schnell von der jungen Frau verortet werden konnte. Sie musste dabei an Olivia denken, dem Mädchen, welches sie auf dem Ausflug in Dresden kennengelernt hatte. Beschäftigte man sich ein wenig mit Tätowierungen oder hatte man schon einmal ähnliche gesehen, war es anscheinend leicht, Schlüsse auf ihre Herkunft zu ziehen.<br />
Die beiden Schwestern thematisierten Rosalindas Herkunft nicht weiter, erzählten vom Dubliner Nachtleben und nannten ein paar Cafés und Clubs, welche die beiden unbedingt aufsuchen sollten. Vier Tage? Viel zu wenig, um alles sehen zu können, wie Fionnuala feststellte. Sie riet dazu, unbedingt noch ein paar Tage dranzuhängen.<br />
Eine Stunde später waren Willy und Rosalinda endlich allein. So lieb und nett die beiden Schwestern auch gewesen waren, so überfordert hatte das junge Paar auf sie reagiert. Sie waren zwar durchaus froh darüber, so schnell in einem fremden Land Anschluss gefunden zu haben, bangten dabei aber auch um Zeit, welche sie allein verbringen wollten.<br />
&bdquo;Irgendwie hab ich das Gefühl, dass mich hier jeder Zweite blöd anstarrt&ldquo;, stellte Rosalinda fest. &bdquo;Hast du den Typen an der Rezeption mitbekommen? Ich meine, den vom anderen Schalter? Der hat mich angesehen, als ob ich vom Mars stammen würde.&ldquo;<br />
Willy lächelte. &bdquo;Du bist halt hübsch. Das ist dir in Berlin doch genauso passiert. Warum wundert dich das auf einmal?&ldquo;<br />
Sie hob ihre Schultern. Vielleicht hatte er ja recht und sie bildete sich das nur ein. &bdquo;Wollen wir gleich oder packen wir erst einmal aus?&ldquo; Sie sah fordernd zu ihrem Freund hinüber, der sich in dem Doppelzimmer neugierig umsah.<br />
Er grinste, deutete auf das Bett und schlug vor, es erst einmal zu testen. So sprangen sie beide hinein und freuten sich über dessen straffe Federung. &bdquo;Ich pack dich erst einmal aus und verräum dich dorthin, wo du hingehörst&ldquo;, meinte Willy ungewohnt machohaft.<br />
Rosalinda lachte heiser auf, rutschte an ihn heran und schenkte ihm ein laszives Lächeln. &bdquo;Na dann mal los, Gringo!&ldquo;<br />
Willy half ihr aus der Jacke heraus, zog ihr vorsichtig das Oberteil aus und griff dann in den Bund ihrer Jeanshose. Es dauerte keine Minute und Rosalinda fühlte seine warmen Lippen auf ihrer Scham. Ein sanfter Kuss, da richtete er sich schon wieder auf und ließ sich von ihr aus seiner Kleidung heraushelfen.<br />
Rosalinda feierte diese Momente. Sie liebte ihren Willy mit Haut und Haar. Es war ihr völlig egal, dass er einen Bauch hatte oder keine großen Muskeln besaß. Alles, was sie brauchte, war in seinem Kopf, seinen Händen und zwischen seinen Oberschenkeln. Er war auf seine Weise schön und hatte es mit ihrer Hilfe geschafft, es jetzt ähnlich zu sehen. So war wenig von dem unsicheren jungen Mann übrig geblieben, welchen sie damals vor sechs Jahren kennengelernt hatte.<br />
Es ging so schnell. Ein- oder zweimal rieb sie mit ihrer Innenhand über sein Glied, nachdem sie ihre Hand unter den Stoff seiner Unterhose geschoben hatte, da reckte es sich ihr auch schon entgegen. Sie kannte jeden Millimeter daran, hatte es hunderte Male gestreichelt und liebkost und freute sich auf jenen Moment, in welchem sie es spüren durfte.<br />
So schob sie ihren Oberkörper über seinen Schoß, beugte sich hinunter und umschloss die Spitze seines Schwanzes mit ihren Lippen. Für einen kurzen Moment schmeckte sie etwas Salziges, doch neutralisierte sich dieser Eindruck für sie sehr schnell. Schmeckte sie Reste seines Urins? Es war ihr völlig egal. So fuhr sie mit ihrer Zunge den Rand seiner Eichel entlang, umkreiste deren Spitze und fühlte nach seinem Harnröhrenausgang.<br />
Sie vernahm zufrieden sein Stöhnen, spürte den Druck seiner Hände auf ihrem Hinterkopf und nahm nun sein Teil so tief in ihrem Mund auf, wie sie konnte. Sie würde es nie ganz aufnehmen können, ihr Würgereflex hinderte sie daran, so sehr sie sich auch dagegen stellte.<br />
Hart wie Stein! Er war bereit und sie war es auch. Längst hatte sie sich mit den Fingern ihrer linken Hand selbst Erregung verschafft, drängte mit ihnen in ihre Spalte und rieb sich dabei immer wieder über den oberen Rand ihrer Vulva. Widerwillig löste sie sich von ihrem Freund, richtete sich auf und wandte sich dann zum Bettrand um.<br />
Auch wenn sie es sehr mochte, wenn er auf ihr lag, wollte sie es jetzt von ihm im Löffelchen. So legte sie sich auf ihre linke Seite, klopfte mit ihrer rechten Hand hinter sich und spürte, wie die Matratze dem Gewicht ihres Partners nachgab. Kurz darauf rieb seine Hand fordernd über ihre rechte Pobacke, hob diese an, da spürte sie auch schon den Druck seiner Penisspitze an ihrem feuchten Scheideneingang. Er würde nicht zögern, das Verlangen war für sie beide zu intensiv in diesem Augenblick.<br />
Es war wie immer. Anfangs fühlte sie nichts als Schmerz, anschließend das sich aufbauende Lustgefühl. Es war so extrem! Ein Empfinden, das kein Platz für etwas anderes in ihrem Kopf übrig ließ. Zuverlässig! Ging es ihr schlecht, fühlte sie sich belastet, reichte der Sex mit ihrem Freund aus, um sie zumindest für den Moment daraus zu lösen.<br />
So öffnete sie ihren Mund, stöhnte vor Schmerz auf, dann weil das elektrisierende Gefühl ihrer Scheide direkt in ihren Kopf zu explodieren schien, nachdem es wie ein Schlag durch ihren gesamten Körper gefahren war.<br />
Dinnéar mit Überraschung<br />
Es war kurz nach sechzehn Uhr, als es an ihrer Zimmertür klopfte. Rosalinda hatte sich gerade geduscht, während Willy an dem kleinen Schreibtisch saß und auf seinem Laptop das Reisetagebuch begann, welches er zu führen beabsichtigte.<br />
&bdquo;Jetzt schon? Wir hatten doch fünf Uhr ausgemacht?&ldquo;, wunderte sich Rosalinda. Sie sah fragend zu Willy hinüber, zog sich hastig ihren BH an und stieg in einen Slip, welchen sie sich bereitgelegt hatte.<br />
&bdquo;Ich schau mal!&ldquo; Willy drückte den Stuhl nach hinten, stand auf und querte das Zimmer. Er öffnete die Tür einen Spalt weit, da sah er auch schon die beiden Schwestern und vernahm ihre munteren Stimmen.<br />
&bdquo;Hey! Wir sind ein bisschen zu früh. Seid ihr vielleicht schon fertig?&ldquo; Es klang Ungeduld bei den beiden mit. Sie schienen aufgeregter zu sein als Willy und sie selbst. Irgendwie irre die Iren, fand Rosalinda. Sie waren doch die Fremden in diesem Land.<br />
Willy sah sie fragend an, doch hob sie nur ihre Schultern. Sollte er die beiden ruhig ins Zimmer lassen. Sie hatte kein Problem damit, nur in Unterwäsche zu sein, und wollte auch gegenüber den beiden nicht prüde herüberkommen.<br />
So betraten die irischen Frauen das Zimmer, sahen sich für einen kurzen Moment neugierig darin um, da galt ihre ganze Aufmerksamkeit der jungen Mexikanerin.<br />
&bdquo;Wow! Dein Körper ist unglaublich. So etwas habe ich noch nie gesehen&ldquo;, staunte Orlaith. Fionnuala indessen brachte kein Wort heraus und sah Rosalinda entgeistert an.<br />
&bdquo;Irgendwie wirkt ihr ein wenig verrückt auf mich. Sorry, wenn ich das so sage&ldquo;, meinte die Latina schließlich. Sie konnte sich die Reaktion der beiden Frauen einfach nicht erklären. Sie war sich darüber bewusst, dass sie Aufmerksamkeit erregte, weidete sich auch gerne an den staunenden Blicken ihres Umfeldes, was ihre Äußerlichkeiten betraf, doch fühlte sie sich hier und jetzt merkwürdig beklommen. Es fühlte sich in diesem Moment anders für sie an, als sie es gewohnt war. Sonst sah man sie für einige Sekunden an, dann war das Interesse auch schon wieder weitergewandert oder verflogen, während die beiden Irinnen sie angafften, als ob die Königin von England vor ihnen stehen würde. Zumal sie sich selber auch ziemlich aufgebrezelt hatten. Vor allem Fionnuala war kaum wiederzuerkennen mit ihrem apart geschminkten Gesicht, den sorgsam frisierten Haaren und dem schwarzen Cocktailkleid, welches sie unter einem schwarzen Lackmantel trug. Orlaith wirkte da in ihrem rotorangenen Hosenrock und dem beigen Oberteil deutlich legerer, wobei ihre helle Jacke ziemlich schick aussah. Seltsame Garderobe für ein entspanntes Abendessen unter Freunden.<br />
Orlaith entschuldigte sich und wies ihre Schwester zurecht, die ihren Blick vom Körper der Mexikanerin nicht zu lösen vermochte. Willy indessen zeigte sich für den Moment völlig überfordert. Egal wie der Abend werden sollte. Er hatte keine Lust, die nächsten Tage mit den beiden zu verbringen. Er spürte ganz deutlich eine Absicht, auch wenn er diese noch nicht ergründen konnte.<br />
So blieb es Willys Höflichkeit geschuldet, das Gespräch mit den beiden Frauen zu suchen. Die erklärten ihnen bereitwillig, dass sie gleich nach Rathmines fahren würden, wo die Geschwister ihre Wohnung hatten. Dieser Stadtteil lag in Richtung Süden und war schnell zu erreichen. Neben ihren Geschwistern würden auch noch ein paar Freunde mit zu Abend essen, allesamt neugierig auf ihre deutschen Gäste.<br />
&bdquo;Eure Gastfreundschaft ist wirklich bemerkenswert. So etwas gibt es bei uns leider in dieser Form nicht&ldquo;, erklärte Willy. &bdquo;Ganz ehrlich sind wir sogar ein wenig überfordert.&ldquo;<br />
Die beiden Frauen lachten. &bdquo;Wir Iren sind bekannt dafür, Willy. Wir unterhalten uns gerne, machen es uns und unseren Freunden schön, reden und lachen viel&#8230;, das gehört zu unserer Kultur.&ldquo;<br />
&bdquo;Okay. Das ist einfach krass. Ich habe darüber gelesen, aber es mir nicht so offen vorgestellt. Von daher vielen Dank für alles.&ldquo;<br />
Fionnuala kam zu Willy hinüber und umarmte ihn. &bdquo;Hey, ihr Deutschen seid zurückhaltender, das kann auch wohltuend sein, glaub mir. Ich mag euer Land sehr, auch wenn es ziemlich lange her ist, seit ich das letzte Mal bei euch gewesen bin.&ldquo;<br />
Die Unterhaltung entspannte sich wieder und nach zwanzig Minuten war dann auch Rosalinda fertig. Ihr Gesicht mit Make-up aufwendig in Szene gesetzt, trug sie ihre Haare wie immer zu einem Zopf gebunden und hatte sich für ihr geliebtes Schwarz entschieden. Rolli und Jeanshose, die schweren Boots, dazu eine Lederjacke, welche sie sehr schätzte. Es war relativ warm, sie konnte die Winterjacke im Hotel lassen.<br />
&bdquo;Du siehst super aus!&ldquo;, meinte Fionnuala begeistert. &bdquo;Seid ihr dann soweit? Wir können nach dem Essen noch in ein Pub gehen. Ihr werdet begeistert sein!&ldquo;<br />
Die Fahrt durch die Dubliner Innenstadt war kurzweilig. So sahen Rosalinda und Willy aus den Seitenfenstern, machten sich gegenseitig auf besonders aussehende Geschäfte oder Gebäude aufmerksam und begleiteten die Fahrt auf ihren Smartphones. Dabei schickte Rosalinda ihren endgültigen Standort an Esme weiter, nur zur Sicherheit, wie sie der Freundin schrieb. Sie würde sich dann in vier Stunden noch einmal melden und ein Okay senden. Traute Rosalinda den beiden Frauen wirklich eine kriminelle Handlung zu? Nein, sie fand kein ihr bekanntes Anzeichen dafür. Dennoch wollte sie nicht blauäugig oder unvorsichtig sein, nur weil Dublin als sicher galt.<br />
Die Häuser am Straßenrand schienen immer zierlicher zu werden, je weiter sie sich von der Stadtmitte entfernten, wie Willy verwundert feststellte. Einfache kleine Häuser, meist mit Flachdächern, lösten das Bild einer europäischen Großstadt ab. So parkte Fionnuala schließlich ihr Wägelchen vor einem Fastfoodrestaurant, stieg aus, klappte den Sitz um und ließ Willy aussteigen, welcher sich interessiert umsah. Orlaith tat es ihr gleich, half Rosalinda beim Verlassen des Fahrzeugs, anschließend einen jungen Mann grüßend, welcher neugierig aus einem Fenster im ersten Stock auf sie herunterblickte. Rosalinda folgte seinem Blick, worauf der Fenstergaffer aufgeregt reagierte, sich halb umdrehte, etwas in die Wohnung rief und drei weitere Köpfe auftauchten und zu ihr hinuntersahen.<br />
&bdquo;Hab ich Scheiße im Gesicht vom Kacken vorhin, oder was ist hier los? Ich bin doch nicht die einzige Dunkle hier. Hab genügend auf dem Herweg gesehen&ldquo;, stellte sie genervt fest. Orlaith lächelte, winkte aber ab. &bdquo;Mach dir nichts draus. Connor ist trotz seiner dreißig Jahre immer noch ein Kind geblieben. Er hat es als Einziger von uns noch nie von der Insel herunter geschafft.&ldquo;<br />
Rosalinda wartete darauf, dass Willy um den Wagen herumkam. Auch er sah zu dem Fenster auf, was ein erstauntes Raunen zur Folge hatte. Was stimmte mit den Leuten nicht? Fionnuala zeigte den Zaungästen am Fenster in aller Deutlichkeit, wie sehr sie von deren infantilen Gebärden genervt wurde, da bat Orlaith die beiden Gäste darum, ihr in das Haus nachzufolgen.<br />
Die Wohnung lag im ersten Stock und so fanden Rosalinda und Willy schnell die Gewissheit, dass sie bereits erwartet wurden. Die Wohnungstür stand offen und fast ein Dutzend junger Leute zeigten ihre Begeisterung, nachdem sie auf der Treppe für sie sichtbar wurden. Klatschen wurde laut, Pfiffe und aufgeregtes Rufen.<br />
Rosalinda wurde es jetzt zu viel. Sie zog ihre Brauen zusammen und wollte sofort von Orlaith wissen, was hier gespielt wurde. Das hier hatte nichts mehr mit Gastfreundschaft zu tun, das konnte sie mit jeder Faser ihres Körpers spüren.<br />
Die Irin wirkte verlegen und wollte nicht so recht mit der Sprache herausrücken, und als Rosalinda jetzt Anzeichen zeigte, die Treppe wieder hinunterzugehen, war es schließlich Fionnuala, welche sich erklärte.<br />
&bdquo;Warte Rosalinda! Bitte! Ich zeige es dir, okay?&ldquo;<br />
Die Irin nahm ihr Handy zur Hand, während ihre vielen Freunde betroffene Gesichter zeigten. Sie schienen zu ahnen, dass sich die Besucherin an ihrer Gegenwart störte. Zumal jetzt weitere Frauen und Männer ins Haus hineindrängten und so ihren Fluchtweg abschnitten.<br />
Fionnuala reichte Rosalinda ihr Handy. Die las den Titel einer Fernsehserie, dann wanderte ihr Blick weiter auf eine Vierergruppe Menschen. In der Mitte stand sie bzw. eine Frau, welche ihr täuschend ähnlich sah. Fuck! Leicht verfremdet entdeckte sie auch Georg darauf und Willy. Selbst er hatte einen hohen Wiedererkennungswert. Der Schauspieler hatte ähnliche Züge und war von der Figur groß und mollig wie ihr Freund.<br />
&bdquo;Was ist los?&ldquo;, fragte Willy besorgt. Rosalinda sah ihn ungläubig an, dann reichte sie ihm das Gerät. &bdquo;Es ist völlig strange, Süßer! Musst mich gleich mal kneifen, sonst glaub ich es nicht.&ldquo;<br />
Willy wich das Blut aus dem Gesicht. Rosalinda und er selbst, aber auch der Pfarrer und Agent Cromwell waren deutlich auf diesem Titelbild erkennbar, und dies gehörte zu einer amerikanischen Serie, welche augenscheinlich nur im englischsprachigen Raum und Lateinamerika zum Stream angeboten worden war. So dauerte es nicht lange und aus einer flüchtigen Vermutung wurde Gewissheit. Velasquez und ihr Manager hatten Ernst gemacht und aus der Geschichte Rosalindas eine Serie produziert, welche schon in der zweiten Staffel stand.<br />
&bdquo;Du bist Juanita! Ich wollte es nicht glauben, als mir meine Schwester davon erzählt hat. Aber sie hat Recht, oder? Es passt einfach alles. Carlos, unser Freund, hat es bestätigt. Auch er hatte von La pulga que mata gehört und wusste, dass das Mädchen dahinter eigentlich Rosalinda heißt. Kannst du dir vorstellen, wie dumm ich geguckt habe? Eine Berühmtheit hat mir mein Handy gerettet. Es ist einfach nur geil.&ldquo; Orlaith klatschte in ihre Hände und so fielen die übrigen jungen Leute mit ein. Pfiffe übertönten das Klatschen, dann wurde in stark akzentuierter Form Juanita gerufen.<br />
Rosalinda und Willy indessen tauschten ratlose Blicke aus. Sie waren völlig paralysiert von dem, was ihnen hier geboten wurde.<br />
&bdquo;Und alle kennen die Serie?&ldquo;, wollte Willy schließlich von Fionnuala wissen. Die schüttelte den Kopf. &bdquo;Nein, natürlich nicht. Aber sie ist auf Platz zwei auf Flexvideo. Seltsam, dass ihr sie nicht in Deutschland zu sehen bekommt.&ldquo;<br />
&bdquo;Hi, ich bin Connor. Kommt rein, dann gibt es Essen. Wir müssen unbedingt Fotos machen, das ist einfach nur geil, dass ihr hier seid. Ich wollte es nicht glauben, aber meine Schwestern hatten recht. Ihr seid es. Daran gibt es keinen Zweifel.&ldquo;<br />
Um die zwanzig junge Leute drängten auf Willy und Rosalinda ein, suchten ihre Nähe, schüttelten ihre Hände und machten Selfies. Sie hatten keine Chance, dieser Aufmerksamkeit zu entkommen, und so blieb ihnen nichts anderes übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Ab diesem Moment schien ihnen der ganze Urlaub in Gefahr zu sein.<br />
Rosalinda zog schließlich Orlaith energisch zur Seite und schien sich mit aller Macht beherrschen zu müssen. &bdquo;Wenn das weiter bekannt wird, haben Willy und ich keine ruhige Minute mehr, ist euch das klar? Diese Scheiße wurde ohne unser Wissen gedreht. Warum glaubst du, wird es in Resteuropa nicht ausgestrahlt?&ldquo;<br />
Orlaith hatte Mühe, die Latina im Tumult zu verstehen, und bat sie darum, sich zu wiederholen. Rosalinda fühlte die Wut in sich immer stärker werden und schrie die Erklärung regelrecht in den Raum hinaus.<br />
Abrupt wurde es leise. Die Geschwister zeigten betroffene Gesichter und Fionnuala bat um Verständnis. &bdquo;Sorry, ihr beiden! Aber wann hat man schon mal die Gelegenheit dazu, jemanden wie euch kennenzulernen? Das könnt ihr doch verstehen, oder? Es ist nicht böse gemeint. Ganz im Gegenteil, wir wollen es euch so schön wie möglich machen.&ldquo;<br />
Die Mexikanerin schloss ihre Augen und atmete tief durch. &bdquo;Ihr wisst, was ich bin?&ldquo;<br />
Wieder war es Orlaiths jüngere Schwester, die ahnte, worauf sie hinauswollte. &bdquo;Ja, aber jetzt bist du ein Engel. Du bist zu einem anderen Menschen geworden. Dank deinem Freund und dem Priester!&ldquo;<br />
&bdquo;Meinen und Georgs Vornamen haben sie nicht geändert. Das ist krass. Und mein Nachname wurde von Beckmann zu Hartmann geändert und Georgs zu Weydlitz. Das ist schon mehr als dreist.&ldquo; Willy hatte sich inzwischen von Connor einen Abspann der Serie zeigen lassen.<br />
&bdquo;Wenn der Pfarrer davon erfährt, ist die Hölle los&ldquo;, stellte Rosalinda fest. &bdquo;Das ist einfach nur kranke Scheiße. Cromwell hatte mir davon erzählt gehabt, aber ich dachte, das wäre nur in Mexiko gesendet worden.&ldquo;<br />
Eine junge Frau stellte sich zu Willy und machte ein Selfie. Zumindest glaubte er das. &bdquo;That&rsquo;s the best Lover of them all!&ldquo; Er bekam einen Kuss auf die Wange, was sofort einen roten Kopf zur Folge hatte. Rosalinda aber drängte sich dazwischen, stieß die junge Frau brutal zur Seite und sah sie wütend an. &bdquo;Keiner rührt ihn außer mir an! Verstanden? Komm Willy! Hauen wir ab. Diese Bekloppten gehen mir total auf den Piss&ldquo;, drang es in der deutschen Sprache aus ihrem Mund heraus.<br />
Orlaith und Fionnuala wollten sie aufhalten, doch führte Rosalinda ihren Freund energisch durch die Menge. Auch Willy war es zu viel geworden und so drängten sie die Treppe hinunter in Richtung Haustür. Immer wieder wurden sie von Händen berührt, Willy spürte sogar, wie jemand ihm in die Pobacke kniff.<br />
&bdquo;Wartet! Bitte!&ldquo;, flehte Orlaith, doch wollten die beiden deutschen Touristen jetzt unbedingt gehen. So war es schließlich ein Südländer am Eingang, der sie darum bat, noch einen Moment zu warten. &bdquo;&iexcl;Espera por favor, Rosalinda! Solo unas pocas palabras.&ldquo;<br />
Rosalinda erkannte sofort die Mundart Nordmexikos im Spanisch des Mannes, hielt inne und überblickte dessen viele Tätowierungen, die sein Gesicht, Hals und sogar Handrücken bedeckten. Sie wirkten authentisch und gaben ihr kurze Einblicke in seine Geschichte, ohne dass er ein weiteres Wort an sie richten musste.<br />
&bdquo;Was willst du noch? Wir wollen einfach nur weg von hier. Das ist zu viel&ldquo;, war es Willy, der sich dem Fremden im einwandfreien Spanisch erklärte.<br />
&bdquo;Wenn ihr jetzt geht, weiß morgen die ganze Stadt, dass ihr im Land seid. Lasst mich mit ihnen reden, dann bleibt das Ganze auf das hier und jetzt beschränkt, versprochen. Nur wirst du deine Haare anders tragen müssen und vielleicht verzichtest du vorerst darauf, dich zu schminken? Sie schaut wirklich aus wie du, Jefa.&ldquo;<br />
Rosalinda wich das Blut aus dem Gesicht. Sie ahnte, dass ihr Freund sofort hellhörig wurde.<br />
&bdquo;Wieso nennt er dich so? Was soll das? Er kennt dich doch gar nicht.&ldquo;<br />
Der Mann ahnte sofort, was er angerichtet hatte, zumal ihn der wütende Blick der jungen Frau traf. &bdquo;Entschuldige Willy. Aber deine Frau ist nun mal eine Größe in unserem Land gewesen. Viele kennen ihren Namen noch heute.&ldquo;<br />
Willy fand das einleuchtend. Dennoch konnte er diesem Umstand nichts abgewinnen. Er hatte sich auf die Zeit mit Rosalinda gefreut und jetzt wurde alles kaputt gemacht. Selbst hier in Irland, wo sie ihren Dämon nicht nachgeben wollte, holte sie die Vergangenheit zuverlässig ein. Wäre das nicht so ärgerlich für sie gewesen, hätte er lachen müssen.<br />
&bdquo;Also wartet bitte! Ich rede mit ihnen!&ldquo;, flehte der alte Mexikaner. Dann rief er auch schon in den Hausflur hinein. &bdquo;Keiner schreibt etwas ins Internet! Juanita und Willy sind nicht hier, versteht ihr? Ihr könnt Fotos machen und Autogramme bekommen, nur zeigt ihr sie erst, wenn sie wieder zurück in Deutschland sind.&ldquo;<br />
&bdquo;Wir versprechen es, Carlos. Niemand erfährt etwas. Sie sollen nur wieder hochkommen!&ldquo;, schwor Connor. &bdquo;Ich haue jedem Einzelnen aufs Maul, der sich nicht daran hält.&ldquo;<br />
Weitere Beteuerungen wurden laut, dann kam Fionnuala die Treppe herunter, griff nach Rosalindas Hand und führte sie wieder hinauf in den ersten Stock in die Wohnung hinein. Willy folgte ihr widerwillig, wäre er doch lieber vor dieser unsäglichen Aufmerksamkeit geflohen.<br />
Noch sieben weitere junge Männer und Frauen mussten ins Haus eingelassen werden, dann war der Kreis der Wissenden geschlossen. So wurden Willy und Rosalinda dazu genötigt, sich zwischen Connor und Orlaith an den Esstisch zu setzen, während Birgit und Fionnuala ihnen gegenübersaßen.<br />
Irish Stew, Colcannon, Boxty und Irish Soda Bread mit irischer Butter wurden gereicht, dazu viele verschiedene Käsesorten. Sowohl Rosalinda als auch Willy langten zu, probierten von allem, bestaunt und bewundert von den umstehenden Serienfans. Es war schon verrückt. Trotz dessen sie nicht die Schauspieler waren, bekamen sie doch die gleiche Aufmerksamkeit. Eigentlich sogar noch mehr, denn dass einem der Protagonist einer Geschichte im realen Leben begegnete, schien den meisten noch unwahrscheinlicher. Zumal es sich bei ihr um eine zigfache Mörderin und Gangkönigin der mexikanischen Crimeszene handelte.<br />
Willy ging es nicht besser. Fionnuala erklärte ihm und Rosalinda, dass seine Rolle dem Idealmann entsprach. Sanft, liebevoll, entschlossen, wenn es darauf ankam, und ein perfekter Liebhaber.<br />
&bdquo;Ist was dran?&ldquo;, wollte schließlich Birgit von Rosalinda wissen. Die seufzte und hob einfach nur ihre Schultern. &bdquo;Sorry, aber das geht niemanden etwas an.&ldquo; Sie ahnte dabei, dass die Frauen das als Bestätigung nahmen.<br />
&bdquo;Wollt ihr eine Folge sehen?&ldquo;, fragte Connor schließlich und deutete auf einen großen Fernseher. &bdquo;Es muss euch doch interessieren.&ldquo;<br />
Rosalinda und Willy überlegten, dann stimmten sie schließlich zu. So wählte Orlaiths Bruder eine Folge aus der ersten Staffel aus, welche noch in Mexiko spielte.<br />
Grauenvolle Szenen, welche da gezeigt wurden. Die Fernseh-Rosalinda wurde als Monster in Kindergestalt gezeigt, welche mit und ohne ihr Gefolge eine Schneise aus Blut und Elend durch die Menschen schlug. Frei von Reue, geplant, sorgsam darauf bedacht, die Macht ihrer Gang zu mehren. Es war die Folge, in welcher sie dem bisherigen Leader die Kehle aufschnitt und dessen Macht an sich riss.<br />
Willy reagierte verstört, während Rosalinda schweigend dieser Szene folgte. Sie war gut recherchiert worden, wie sie zugeben musste. Wahrscheinlich hatte jemand aus ihrer Gang den Filmemachern bereitwillig Detailwissen präsentiert. Wer, das würde sie herausfinden.<br />
&bdquo;Das ist ziemlich übertrieben, oder? Ich meine, das ist total krank, wie du dargestellt wirst&ldquo;, meinte Orlaith schließlich erschrocken. Sie kannte diese Serie noch nicht.<br />
&bdquo;Schon ziemlich, ja&ldquo;, beeilte sich Rosalinda zu versichern. Erleichtert, dass der Bruder der drei Schwestern schließlich eine Szene aus der zweiten Staffel zeigte. Sie war jetzt in Deutschland angekommen und wurde in der Schule gezeigt. Ab hier schien die Serie immer mehr Fiktives zu beinhalten und sich nur noch grob an ihrem Leben zu orientieren. Immerhin gab es eine Franzi und auch das Olympiadorf wurde gezeigt, in welchem sie jetzt irgendein Abenteuer erleben sollte. Dabei zeigte die Schauspielerin einige Parkourfähigkeiten, welche jedoch nicht annähernd an die ihren heranreichten. Diese Kuh dort konnte ihre Oberschenkel vielleicht mit Steroiden aufblasen und von Stuntdoubles ein paar Kunststücke aufführen lassen, doch das war es dann auch schon gewesen. Sie verband in diesem Moment nur Verachtung für diese Darstellerin, aber auch gegenüber diesem Lighthouse und der Velasquez. Das waren Arschlöcher, welche auf ihre Kosten den großen Reibach machten.<br />
&bdquo;Du sagst niemandem etwas davon, Willy. Sonst haben wir keine Ruhe mehr&ldquo;, forderte sie von ihrem Freund.<br />
Der versprach es ihr bereitwillig. &bdquo;Klar, Süße, sehe ich doch genauso.&ldquo;<br />
Rosalinda nickte ihm zu, in ihren Gedanken schon einen Plan schmiedend, wie sie die Amerikaner zur Rechenschaft ziehen konnte. Für sie hatte damit ein neues Spiel angefangen, kaum dass sie endlich Ruhe in ihr Leben hineingebracht hatte.<br />
Eine junge Irin schlug vor, Rosalindas Aussehen für den weiteren Urlaub zu verändern. Wenn man ein wenig ihre Haare machte, würde man sie kaum noch erkennen können. So war Rosalinda schließlich einverstanden und verschwand mit ihr im Bad der Wohnung, während Willy unter den Männern saß und vielerlei Fragen zu beantworten hatte. Dabei stellte sich heraus, dass vor allem die DEA ihr Handeln gegenüber seiner Freundin stark idealisiert und geschönt hatte, so als ob sie die treibende Kraft gewesen wäre, welche ihr die Resozialisierung ermöglicht hatte.</p>
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		<title>La pulga que mata Teil 17</title>
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		<pubDate>Tue, 31 Mar 2026 06:08:15 +0000</pubDate>
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Verbandelt im Grunewald<br />
Eigentlich war es enttäuschend für Rosalinda, wie wenig sich ihr Leben seit ihrem achtzehnten Geburtstag verändert hatte. Die Menschen behandelten sie genauso wie vorher. Einzig, dass sie nun nicht mehr ihren Adoptivvater um Erlaubnis bitten musste, was Entscheidungen ihres Lebens anbelangte, stellte eine spürbare Änderung für sie dar. Doch hatte sie ihn auch vor ihrer Volljährigkeit selten fragen müssen und eine abschlägige Antwort nie erhalten. Ihm war es wichtig gewesen, Bescheid zu wissen über ihre Aktivitäten und ihren Aufenthaltsort.<br />
Jochen und Susanne hatten darauf bestanden, dass sie an einem Abend zu ihnen kam, um auch dort ihren Geburtstag zu feiern. Für Rosalinda war es Irrsinn &#8211; sie aß, trank und lachte mit sieben Rechtsradikalen und deren Freundinnen. Diese waren nach wie vor fremdenfeindlich, hingen kruden Verschwörungstheorien nach, schienen aber mit der Maria kein größeres Problem zu haben. Letzten Endes ging es ihnen eher um das eigene Wohl als um das Nachhetzen der politischen Gesinnung und Weltanschauung. Auch hatte es sich unter ihnen herumgesprochen, dass dieses Mädchen keinen von ihnen im Stich lassen würde, wenn es hart auf hart käme. Keiner wusste etwas Konkretes über sie, doch jeder ahnte, dass sie die Strippen zog und das erfolgreicher, als es ihr Anführer Jochen jemals vermocht hätte.<br />
Einige von ihnen waren dabei gewesen, als es gegen die Libanesen ging. Zwei von ihnen hatten, zusammen mit Esme, den Männern den kleinen Finger der linken Hand abgeschnitten. Es wäre eine ziemliche Sauerei geworden, wenn Rosalinda nicht Jochen haarklein beschrieben hätte, wie man diese Art der Amputation durchführte und die Blutung im Anschluss stoppte. Wichtig war es, den Opfern die Gliedmaßen nicht zu überlassen. Der Verlust sollte endgültig sein.<br />
Dabei war jeder ihrer Gangsoldaten von den Männern unentdeckt geblieben. Für Rosalinda bedeutete es Sicherheit, dass ihre Opfer mutmaßten, sie sei nur ein kleines Licht und jemand mit viel Macht stünde über ihr. Sonst hätten sie vielleicht Widerstand geleistet und einen Konflikt gewagt, der für sie und ihre Freunde Ärger bedeutet hätte.<br />
Für Rosalinda war es in dieser Aufbauphase entscheidend, ihre Reihen zu schließen und zu vernetzen. Dazu hatte sie Maria mit René verkuppelt, was sich als echter Segen für die beiden herausgestellt hatte. Sie passten zueinander und hatten sich lieben gelernt. So zeigte der Straßenmusikant seiner Freundin alles, was er vom Musikbusiness wusste, stellte sie seinen Kontakten in der Szene vor, während sie ihm beibrachte, was sie von der taktischen und strategischen Aufklärung an Wissen besaß. Und das war einiges.<br />
Fehlte noch Romina. Sie war das, was man eine Sicaria nannte. Ein Begriff, den man als Auftragsmörderin übersetzen konnte. Aber es steckte mehr dahinter. Sie war eine Gangsoldatin, die schützte, Ordnung in den besetzten Gebieten hielt, Strafaktionen durchführte und Feinde ausschaltete. In Mexiko ganz offen auf der Straße operierend, würde sie hier in Deutschland aus dem Verborgenen heraus handeln und eine Zelle bilden. So würde sie es sein, die Romina Einsätze zuwies oder in Kooperation mit anderen Einheiten brachte. Niemand wusste von jemand anderem den Namen, wo er wohnte und wie sein Lebenshintergrund war.<br />
Dort vorne war die Zitadelle, an deren Zufahrtsstraße Erich auf sie warten würde. Dieser Typ war dumm wie Stroh, aber loyal und tapfer. Das reichte, um ihn an Rominas Seite zu stellen. Sie würde ihn ausbilden und mit ihm Papiere machen. Dabei war es nicht wichtig, ob die beiden sich wie Maria und René lieben lernten. Die Hauptsache für Rosalinda war, dass ihre Zelle funktionierte und die ihr gestellten Aufgaben erfüllte.<br />
Rosalinda hatte sich Ritas Auto geborgt. Sie wollte nicht, dass ihr eigenes Auto außerhalb ihres direkten Freundeskreises bekannt wurde. Bedeckt halten, so wenig wie möglich von sich nach außen tragen. Je weniger man von ihr wusste, desto größer der Schutz.<br />
Sie ließ die Seitenscheibe der Beifahrerseite herunter, hielt den Wagen an der Zufahrtsstraße der Festung an und fand den schlanken blonden Nazi an der Ecke stehend. Schwarze Kampfhose, Bomberjacke, Kapuzenpulli und Springerstiefel &#8211; er verkörperte das perfekte Klischee. Mit Glatze und bösem Blick stand er da und rauchte eine Zigarette.<br />
&bdquo;Hey du Affe! Steig schon ein!&ldquo;, rief Rosalinda ihm zu.<br />
Erich sah sich überrascht um, bemerkte sie, dann warf er die Zigarette weg und kam zu ihr gelaufen. Er öffnete die Wagentür, nahm neben ihr Platz und umarmte sie. &bdquo;Hey Boss!&ldquo; Er lachte. Wahrscheinlich hätte er sich selbst solch eine Konstellation niemals träumen lassen.<br />
&bdquo;Wir fahren in den Grunewald. Dort werden wir beide einen Spaziergang machen&ldquo;, erklärte Rosalinda beiläufig.<br />
Seine Gesichtsfarbe wandelte sich sofort. &bdquo;Grunewald? Was wollen wir dort?&ldquo;<br />
Rosalinda fuhr den Wagen an, sah zu ihm hinüber und befahl ihm, sich anzuschnallen.<br />
&bdquo;Das erfährst du, wenn wir da sind. Und jetzt laber mich nicht voll!&ldquo;<br />
Erich versprach es ihr, blickte aus dem Fenster und schien sich Sorgen zu machen. Er hatte Angst vor ihr. Seit dem Geschenk von ihr noch mehr als zuvor. Er hatte jetzt eine Ahnung davon, was sie einem Menschen bereit war anzutun.<br />
Rosalinda konzentrierte sich auf den Verkehr. Die Dämmerung setzte ein, bald würde es dunkel werden. Erich sollte bald einen Geschmack davon bekommen, wozu eine Sicaria imstande war.<br />
Die Fahrt dauerte zwanzig Minuten, dann hatten sie das große Waldgebiet im Westen Berlins erreicht. Rosalinda brachte den Wagen auf einem großen Touristenparkplatz zum Halten, stieg aus und hielt auf einen der Hauptwege zu, welcher tiefer in den Wald hineinführte. Erich folgte ihr, blieb schweigend an ihrer Seite und versuchte mit ihren weit ausholenden Schritten mitzuhalten.<br />
Passanten kamen entgegen, die Rosalinda besorgte Blicke zuwarfen. Zwei junge Männer blieben vor ihnen stehen und fragten sie sogar ganz direkt, ob sie Schutz benötigte und man sie begleiten sollte. Für sie sah es wahrscheinlich aus, als ob Erich sie verfolgte und bei der erstbesten Gelegenheit angreifen wollte.<br />
&bdquo;Passt schon, ist ein Kumpel von mir. Der ist so rechts, dass er schon wieder links reinkommt&ldquo;, spottete sie.<br />
Die Männer stutzten, dann lachten sie und gingen weiter. Zwei Hundehalter folgten, dann schienen sie allein zu sein. So verließ sie den Weg und drang tiefer in den Forst vor. Erich blieb bei ihr, sich darum sorgend, was sie mit ihm anstellen wollte. Er blieb stehen, als sie abrupt anhielt und sich zu ihm umdrehte. Ihre Gestalt verlor sich schon in der immer schneller voranschreitenden Dämmerung, obwohl sie gerade zwei Meter vor ihm stand.<br />
&bdquo;So! Du lernst heute Romina kennen. Sie ist eine Sicaria aus meiner Gang in Mexiko. Sie wird dich ausbilden.&ldquo;<br />
&bdquo;Was ist eine Sicaria?&ldquo;, fragte er verstört.<br />
&bdquo;Wörtlich übersetzt eine Killerin. Sehe sie aber eher als Security. An ihrer Seite wirst du die Interessen unserer Gruppe schützen und verteidigen. Taucht eine Bedrohung auf, werdet ihr sie eliminieren. Dabei entscheidet Romina, wie weit ihr gehen werdet.&ldquo;<br />
Er verarbeitete die Nachricht, sah sich suchend um, horchte und wandte sich ihr wieder zu.<br />
&bdquo;Und wo ist nun deine Freundin?&ldquo;, fragte er, sichtlich verwirrt.<br />
Rosalinda grinste. &bdquo;Wir spielen jetzt ein Spiel. Du kennst den Grunewaldturm?&ldquo;<br />
Erich nickte.<br />
&bdquo;Gut! Versuche ihn zu erreichen. Wenn es dir gelingt, hast du mich beeindruckt.&ldquo;<br />
Der junge Mann sah sie verstört an. &bdquo;Was soll daran so schwer sein?&ldquo;<br />
Die Latina lachte gehässig auf. &bdquo;Romina wird dich daran hindern. Sie ist bereits hier, lässt dir aber zwei Minuten Vorsprung.&ldquo;<br />
Verwirrt sah sich Erich um. Er konnte niemanden außer Rosalinda entdecken, so sehr er auch seine Augen bemühte.<br />
&bdquo;Wo?&ldquo;, fragte er sie.<br />
Die Mexikanerin hob ihren rechten Arm und deutete Richtung Westen. &bdquo;Da! Bist du blind?&ldquo;<br />
Erich folgte ihrem Blick und suchte jemanden zu erkennen. Doch so sehr er sich auch anstrengte, da war niemand.<br />
&bdquo;Da ist keiner! Verarsch mich bitte nicht.&ldquo; Er drehte sich zu seiner Chefin um, doch stellte er verwirrt fest, dass er nun allein war.<br />
&bdquo;Maria?&ldquo; Er drehte sich auf der Stelle. Aus weiter Entfernung hörte er ihre Stimme. &bdquo;Die Zeit läuft, du Depp!&ldquo;<br />
Erich war schon oft in diesem Wald gewesen. Er wohnte in der Nähe und hatte früher als Kind hier gespielt, später gekifft und gesoffen oder mit seinen Kameraden Wehrübungen abgehalten. Er konnte sich gut orientieren. Er würde es schaffen, dessen war er sich sicher.<br />
Seine erlittenen Verletzungen hinderten ihn noch ein wenig. Doch konnte er mit Schmerz und Anstrengung umgehen. Er wirkte nicht so, dennoch war er zäh und ausdauernd. Trotz dessen er gerne und auch nicht wenig rauchte.<br />
Seine schwarze Kleidung bot ihm in der Dunkelheit Schutz. Er wusste, dass man ihn jetzt nur aus nächster Nähe erkennen konnte. Er fiel in einen lockeren Laufschritt, versuchte möglichst leise zu sein, doch blieb dies ein für ihn unmögliches Unterfangen, trotz dessen sich seine Augen langsam an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Immer wieder trat er auf Äste, pflügte mit seinen schweren Stiefeln durch Laubanhäufungen und konnte auch nicht verhindern, dass seine Kleidung Laufgeräusche verursachte.<br />
Erich konzentrierte sich auf seine Atmung, suchte ein Tempo zu halten, welches er über die Strecke durchhalten konnte, und fühlte sich der Herausforderung gewachsen.<br />
Fünf Minuten hastete er durch das Gehölz, hörte den Verkehr auf der Havelchaussee und nahm seinen Weg parallel zu der Trasse, welche von Nord nach Süd durch den Park führte.<br />
Er nahm sich vor, die Hauptstraße etwas weiter südlich zu queren und sich dem Turm von der Westseite zu nähern. Das würde diese Sicaria oder wie auch immer bestimmt überraschen.<br />
Er hatte schon ein paar hundert Meter geschafft. Folgte ihm jemand? Seine Neugierde obsiegte in diesem Moment. Also verlangsamte er seine Schritte, suchte Schutz hinter einem breiten Eichenbaum und horchte. Man konnte im Westen noch etwas Dämmerlicht durch die Wipfel der Bäume sehen, doch sonst herrschte Finsternis.<br />
Wenn diese Tusse ihm gefolgt war, dann müsste er ihre Schritte irgendwo hinter sich hören. Was, wenn er sie an sich vorbeiließe? Er könnte sich Zeit lassen, einen Haken schlagen und sich vielleicht sogar ihr ganz entziehen. Rosalinda würde ihm dann das erste Mal ihren Respekt zeigen müssen. Wie würde er solch einen Augenblick zwischen ihnen feiern. Ein einziges Mal keinen Spott von ihr, sondern echte Anerkennung.<br />
Stille! Es war nichts zu hören außer seiner eigenen Atmung. Er versuchte sich zu beruhigen, schloss seine Augen, sich darauf konzentrierend, was um ihn herum vor sich ging. Immer wieder war das Knacken von Fallholz zu hören, aber ohne für ihn erkennbaren Zusammenhang. War diese Killerin wirklich noch hinter ihm her? Er wartete ab, doch es regte sich nichts. Also würde er weiterlaufen. Rosalinda hatte von keiner Zeit gesprochen, also konnte er vorsichtig bleiben und brauchte sich nicht zu hetzen.<br />
Er löste sich vom Baumstamm, hinter welchem er Deckung gesucht hatte, drehte sich auf der Stelle, dann sah er einen Schatten direkt vor sich. Eine heftige Ohrfeige schlug in sein Gesicht, dann drückte etwas unter sein Kinn. Ihm wurde auf einmal leicht, und erst als er brutal auf den Boden schlug, verstand er, dass er zu Boden geworfen worden war.<br />
&bdquo;&iexcl;Ya basta!&ldquo;, hörte er Rosalindas Stimme in einiger Entfernung. Es war also nicht nur die Fremde in seiner Nähe, auch die Chefin hatte ihm mühelos folgen können. Was waren das nur für Wahnsinnsweiber?<br />
&bdquo;Sei froh, dass du noch nicht voll auskuriert bist. Sonst hätte sie dich richtig leiden lassen&ldquo;, hörte Erich nun direkt über sich. Ein zweiter Schatten beugte sich über ihn, dann fühlte er erneut eine Hand in sein Gesicht klatschen. Es war kein fester Streich gewesen.<br />
&bdquo;&iexcl;Ayúdale a levantarse!&ldquo;, hörte Erich wieder die Stimme Rosalindas. Dann griff der Schatten über ihm nach seiner Hand und stützend unter seinen Unterarm. Erleichtert stellte er fest, dass man ihm aufhelfen wollte.<br />
&bdquo;Du warst nicht schlecht, Doofmann!&ldquo; Rosalinda lachte. &bdquo;Da haben wir schon ärmere Opfer gesehen.&ldquo;<br />
Erich fühlte einen Arm über seinen Schultern und spürte Stolz in diesem Moment.<br />
&bdquo;Romina ist an dir vorbeigelaufen und hat erst nach zweihundert Metern kapiert, was los war. Hättest du dich nicht so lange am Baum aufgehalten, hätte sie dich vielleicht verloren.&ldquo;<br />
&bdquo;Scheiße!&ldquo;, gab Erich von sich, dabei Einzelheiten von der ganz in schwarz gekleideten Frau vor sich zu erkennen suchend. Doch sie blieb nur eine undefinierbare Gestalt, ohne jegliches erkennbare Detail.<br />
&bdquo;Wir gehen jetzt in irgendeine Kaschemme essen, dann lernt ihr euch kennen.&ldquo; Wieder fühlte Erich eine Erschütterung in seinem Gesicht. &bdquo;Du trennst dich von der Vorstellung, dass die nächsten Jahre ein Zuckerschlecken für dich werden. Ganz im Gegenteil, wenn sie mit dir fertig ist, wird dich niemand wiedererkennen, das verspreche ich dir.&ldquo;<br />
Erich schluckte. Rosalinda war niemand, der falsche Versprechungen machte. Aber war es nicht krass, dass sie ihn ausgesucht hatte? Dass er von einer echten mexikanischen Killerin ausgebildet wurde? Es würde diese Anstrengungen wert sein, hundert Prozent.<br />
Zu dritt gingen sie wieder zum Auto zurück. Auf dem Weg dorthin sprachen die beiden Frauen in der spanischen Sprache miteinander, sodass Erich kein Wort verstehen konnte, welches zwischen den beiden gewechselt wurde. Er ahnte aber, dass er der Inhalt ihres Gesprächs war.<br />
Am Auto angekommen, hatte er sich auf die Rücksitzbank zu setzen. Rosalinda zeigte ihm jetzt wieder das gewohnte geringschätzige und abfällige Verhalten, während die in schwarzer Lederjacke und Lederstretchhose gekleidete Begleiterin ihre schwarze Skimaske vom Kopf zog und ihre zum Dutt geflochtenen Haare freigab. Er blickte in eines der schönsten Kanakinnengesichter, welches er je gesehen hatte.<br />
&bdquo;Ah, da gefällt jemandem, was er sieht&ldquo;, lachte Rosalinda. &bdquo;Schade, Erich. Romina geht es nicht so. Aber sie wird sich an dich gewöhnen, hat sie von mir doch klare Anweisung bekommen. Ihr spielt das nächste Jahr Liebespaar, heiratet, anschließend fünf Jahre Eheglück. Sind ihre Papiere fertig, lasst ihr euch scheiden. Es sei denn, bis dahin könnt ihr gut miteinander. Wer weiß? Die Liebe geht manchmal seltsame Wege.&ldquo;<br />
Erichs Blick wandte sich Rosalinda zu, welche gerade im Begriff war, sich anzuschnallen. &bdquo;Wir spielen ein Paar? Wie meinst du das?&ldquo;<br />
&bdquo;Du wohnst ab heute bei ihr, schläfst mit ihr in einem Bett und lernst sie kennen. Nach außen hin muss alles plausibel wirken. Kapierst das? Von daher wirst du dich auch von deinem Nazischeiß verabschieden. Sonst glaubt dir keiner, dass du eine lateinamerikanische Frau an deiner Seite duldest.&ldquo;<br />
Erich begann zu stottern. &bdquo;Aber wenn sie das nicht will&#8230;&ldquo;<br />
Rosalinda wandte sich zu ihm um, dann sah sie Romina an, welche ihrem Blick prompt begegnete. &bdquo;Sie tut das, was ich sage. Genauso wie du auch. Sie weiß, dass sich das für sie auszahlt.&ldquo; Sie grinste. &bdquo;So wie du auch!&ldquo;<br />
Sie sah wieder nach vorne, fuhr an und lenkte das Auto wieder Richtung Stadtmitte. In Schmargendorf fanden sie einen türkischen Imbiss, wo sich die anwesenden Gäste sofort an dem Rechten zu stören begannen. &bdquo;Der geht schon klar. Spielt als Statist bei einer Serie mit. Kam noch nicht dazu, sich umzuziehen&ldquo;, erklärte Rosalinda den anderen Besuchern. &bdquo;Das hier ist seine Freundin.&ldquo;<br />
&bdquo;Küsst euch!&ldquo;, forderte sie leise. Sie wandte sich an Romina, welche sich an einen der Tische setzen wollte. &bdquo;&iexcl;Besaos!&ldquo; Die Angesprochene zögerte keine Sekunde, trat an den Glatzenträger heran, nahm sein Gesicht zwischen ihre feingliedrigen Hände und drückte ihm ihre vollen Lippen auf den Mund. Es wurde sofort ein intensiver Kuss daraus, und Erich erstarrte unter diesen Liebkosungen zu einer Salzsäule.<br />
Einen langen Moment später löste sich die hübsche Latina von dem Rechten und wandte sich an Rosalinda. &bdquo;&iexcl;Tiene una erección!&ldquo;<br />
Die Mexikanerin lachte amüsiert auf. &bdquo;Das bringt sie dir auch noch bei. Keine Sorge, Erich. Sie übernimmt überhaupt die Führung. Du gehorchst ihr. Muss sie dir etwas zweimal sagen oder erklären, schlägt sie dich. Nur dass du dich nicht wunderst. Meine Mädels sind keine Netten.&ldquo;<br />
Erich sah Rosalinda schockiert an, doch die blickte jetzt zur Speisekarte auf. Wie selbstverständlich bestellte sie für alle drei und bestimmte dann einen Ecktisch als Essplatz.<br />
&bdquo;Ihr beide sprecht nur deutsch miteinander. Später wirst du dann von Romina Spanisch und Englisch lernen. Du zeigst ihr alles in Berlin. Du meidest deinen alten Bekanntenkreis und baust mit ihr einen neuen auf! Ab und an schaue ich nach euch.&ldquo;<br />
Ein Mann vom Service brachte kurz darauf Dönerteller und stellte sie vor den drei jungen Leuten auf den Tisch, dabei die ungleichen Drei interessiert musternd. Romina sah immer wieder zu dem jungen Rechten hinüber, welcher seinerseits ihren Blicken auswich. Er schien ihr gegenüber voller Unsicherheit zu sein.<br />
&bdquo;Esst!&ldquo;, befahl die Jefa schließlich in einem energischen Ton.<br />
Die beiden sahen sich flüchtig an, fingen aber an, sich den Speisen zu widmen, welche vor ihnen standen. Beide blickten schweigend auf ihren Teller herunter und schoben Fleisch und Reis auf ihre Gabeln.<br />
&bdquo;Zwei Rassisten treffen aufeinander. Da möchte ich fast Mäuschen spielen, wenn ihr dann erst einmal allein seid.&ldquo; Rosalinda lachte. &bdquo;Na ja. Solange ihr funktioniert, ist es mir egal.&ldquo;<br />
&bdquo;Wie kann sie Rassistin sein?&ldquo;, fragte Erich verstört. Es widersprach jeglicher Weltvorstellung von ihm, dass auch dunkelhäutige Menschen Andersrassigen mit Feindschaft begegnen könnten.<br />
&bdquo;In meinem Land stehen Blancos wie du für alles Schlechte. Ausbeutung, Demütigungen, anmaßende Touristen, Freier, welche Menschen misshandeln, manchmal sogar töten, Kinderschänder, Tierquäler und so weiter.&ldquo; Rosalinda lächelte. &bdquo;In Mexiko kann man für Geld alles kaufen. Das nutzen reiche Weiße aus und kaufen sich die Möglichkeiten, um ihre abartigen Gelüste zu befriedigen. Egal, was das Gesetz dazu sagt oder die Menschen darunter leiden.&ldquo;<br />
Erich sah sie erschrocken an. &bdquo;Scheiße!&ldquo;<br />
&bdquo;Ach! Sie wird sich schon an dich gewöhnen. Sie hat mehr Angst davor, mich zu enttäuschen, als dir ins Gesicht zu kotzen.&ldquo;<br />
&bdquo;Ros?&ldquo; Rosalinda richtete fragend ihren Blick auf ihn, hob aber eine weitere Gabel an ihren Mund.<br />
&bdquo;Ich habe noch nie&#8230;&ldquo;<br />
Die Latina verschluckte sich, spuckte den Reis zurück auf den Teller und fing schließlich heiser zu lachen an. Sie musste sich abwenden und hielt ihre linke Armbeuge vor ihren Mund. Der Mann vom Service eilte heran und schlug ihr beherzt auf den Rücken.<br />
&bdquo;Danke! Geht schon.&ldquo;<br />
Romina sah sie fragend an. Sie hatte nicht begriffen, was der Weiße der Chefin gesagt hatte.<br />
&bdquo;Es virgen!&ldquo;<br />
Nun fing, zur Scham Erichs, auch die zweite Latina zu lachen an.<br />
&bdquo;&iquest;Cuántos años tiene?&ldquo;<br />
&bdquo;Veintisiete años.&ldquo;<br />
Romina lachte und schüttelte ihren Kopf. &bdquo;&iexcl;Un niño, no un hombre!&ldquo;<br />
&bdquo;Sie hat mich beleidigt, oder?&ldquo;, fragte Erich jetzt. Es klang nicht wütend.<br />
Rosalinda hob ihre Schultern. &bdquo;Nicht wirklich. Sie findet es lustig.&ldquo; Sie schob den Teller von sich weg und wandte sich ihm zu. &bdquo;Ich habe dich auch deshalb ausgesucht, weil du es verträgst, verarscht zu werden. Romina wird es dir nicht einfach machen. In jeder Hinsicht nicht. Aber wenn ein Mann sie aushalten kann, ich meine hier in Deutschland, dann ein Erich.&ldquo; Sie nickte ihm zu. &bdquo;Verstehen wir uns?&ldquo;<br />
Er nickte ihr zu. &bdquo;Ja, Maria!&ldquo;<br />
Sie schüttelte ihren Kopf. &bdquo;Nenne mich Ros! Aber du wirst nie jemandem von mir erzählen, hörst du? Wir haben uns mal gesehen, mehr nicht.&ldquo;<br />
Wieder nickte er.<br />
&bdquo;Hier!&ldquo; Sie zog einen Umschlag aus ihrer Bomberjacke. &bdquo;Das reicht für die nächsten Wochen. Du arbeitest weiterhin und verhältst dich vorsichtig. Löse dich langsam von deinen Freunden, von Romina erzählst du ihnen kein Wort. Sie würden versuchen, dich von ihr zu lösen. Sucht euch eine Wohnung und freunde dich mit Rominas Betreuern an. Du bist ein bekehrter Rechter und möchtest dein Leben verbessern und der Gesellschaft etwas zurückgeben. Irgendein Schwachsinn, welchen solche Leute hören wollen. Bist du unsicher, bitte Romina darum, dass sie mir Bescheid sagt. Dann sehen wir uns. Aber nur im Ausnahmefall, ich werde dann nämlich wütend auf dich sein. Sieh zu, dass es sich lohnt.&ldquo;<br />
Ihr Mobiltelefon begann zu vibrieren. Sie griff danach, warf einen Blick auf das Display, dann befahl sie den beiden, dass sie sitzen bleiben sollten. &bdquo;Louisa! Schön, dass du dich meldest!&ldquo;, flötete lieblich ihre Stimme. &bdquo;Wir sehen uns morgen um 16 Uhr am Alex, einverstanden? Ich stell dir jemanden vor, der dein Ärgernis aus der Welt schaffen möchte. Du tust, was er sagt, dann bist du in ein paar Jahren mit dem Thema durch.&ldquo; Rosalinda schob den Stuhl zurück, trat an die Tür und verschwand schließlich auf der Straße.<br />
Romina indessen hob ihren Kopf, sah zu Erich hinüber, welcher sie nun ebenfalls ansah und lächelte. Die Latina nahm es zur Kenntnis, reagierte aber nicht weiter auf ihn.<br />
Fünf Minuten später kehrte Rosalinda zurück, trat an die Theke und bezahlte. Anschließend winkte sie den beiden zu. &bdquo;Also ihr beiden. Viel Spaß noch! Hat mich gefreut. Bis irgendwann dann mal.&ldquo;<br />
Erich sah Rosalinda nach, wollte aufstehen, doch hörte er die harsche Stimme seiner neuen Partnerin. &bdquo;&iexcl;Siéntate! &iexcl;Come! Setz! Esse!&ldquo;, befahl sie ihm in einem leisen, aber umso bestimmteren Ton.<br />
Unsicher sah er zu ihr hinüber, dann aber setzte er sich langsam wieder hin.<br />
Louisas Problem<br />
Rosalinda war gerade vom Krankenhaus gekommen, zu dem sie der Hubschrauber gebracht hatte. Der Tag war anstrengend gewesen, die Kinder, welche man ihr anvertraute, wurden immer verwahrloster und verstörter. Doch ihr harter und entschiedener Umgang mit ihnen zahlte sich aus. So wurde sie immer wieder angefeindet, sogar angegriffen, doch brach sie mühelos diesen Widerstand, zwang die jungen Menschen, ihren Anordnungen Folge zu leisten, und zeigte ihnen dann in wohldosierten Mengen, dass sich dies für sie auszahlte.<br />
Georg mied es mittlerweile, sie in dieser Phase zu begleiten. Er war nicht einverstanden mit ihrem Handeln, musste aber einsehen, dass sie in kurzer Zeit souverän das zustande brachte, wozu er Wochen, wenn nicht sogar Monate brauchte. Dabei hatte er sich anfangs gegen diese Einsicht zu wehren versucht, doch die Kinder kannten nur autoritären Umgang und suchten instinktiv nach einer Leitfigur, welche ihnen diesen versprach.<br />
Irgendwann taute dann dieses Verhältnis auf. Rosalinda zog sich langsam zurück, während Jane und Georg immer mehr Zeit mit ihren Schützlingen verbrachten. So wuchsen sie als Team zusammen, und vor allem für die Zeit mit ihrem Adoptivvater war Rosalinda dankbar. Sie hasste das Umfeld und den Ort, aber in Verbindung mit diesem Mann fühlte sie sich an das erinnert, was er für sie einst erreicht hatte.<br />
Irre! Georg und Willy. Die Lieben ihres Lebens. Nie hätte sie geglaubt, solch eine Bindung fühlen und leben zu können. Zwar hatte sie auch zuvor schon Menschen gehabt, welche sie gemocht hatte, aber Liebe? Man wollte dieses Gefühl nicht zulassen, wenn diese Menschen jederzeit getötet werden konnten, das war in diesem Land zum Glück anders.<br />
Sie musste sich beeilen. Drei Minuten blieben ihr noch, dann wollte sie bei der Weltzeituhr stehen. Dort sollte Antons Freundin schon auf sie warten. Fotze!, dachte sie sich in diesem Moment. Sie verachtete Frauen, die sich an ihre Männer hängten, um sie für ihre Wünsche und Ziele zu missbrauchen, anstatt sich selbst um ihr Leben zu bemühen. Es war ja auch einfach. Ab und an die Beine breit, hin und wieder der Schwanz gelutscht, und die Deppen blieben in der Spur.<br />
Sie hetzte die Treppen des U-Bahnhofs hinauf, drängte durch die Menschenmassen und lief, kaum dass sie die Oberfläche erreicht hatte, zur Mitte des Platzes. Dort sah sie die Frau schon bei der Touristenattraktion stehen. Blond, dürr, mit diesen ewig langen Haaren. Gekleidet in einen dicken roten Wattemantel, entsprach sie dem derzeitigen Erscheinungsbild der Jugend. Ihr rundes Gesicht wandte sich ihr jetzt zu, dann kam sie ihr unsicheren Schrittes entgegen.<br />
&bdquo;Hallo Ros! Ich freu mich, dich wiederzusehen.&ldquo; Louisa lächelte, während Rosalinda an sie herantrat und sie umarmte.<br />
&bdquo;Ach laber nicht. Wir wissen beide, dass das nicht stimmt. Lass uns da einander nichts vormachen, einverstanden? Ich finde, Anton hat so eine wie dich als Partnerin nicht verdient, und du glaubst, er hat so eine Freundin wie mich nicht verdient. Wahrscheinlich haben wir sogar beide recht.&ldquo; Sie lachte und deutete nach Norden.<br />
&bdquo;Ich bringe dich jetzt zu einem Anwalt. Der wird alles für dich regeln. Es ist alles bezahlt. Du folgst seinen Anweisungen, dann bist du in drei Jahren schuldenfrei.&ldquo; Sie sah das blonde Mädchen eindringlich an. &bdquo;Alles klar soweit?&ldquo;<br />
Louisa blickte erschrocken zu ihr hinüber. &bdquo;Du meinst Privatinsolvenz?&ldquo;<br />
Rosalinda nickte. &bdquo;Ja. Toll, du hast selbst schon daran gedacht.&ldquo;<br />
&bdquo;Meine Eltern meinten, ich würde mich damit aus meiner Verantwortung stehlen.&ldquo;<br />
Die Mexikanerin sah die Frau erstaunt an. &bdquo;Gegenüber dem Typen oder Anton?&ldquo;<br />
Louisa stiegen die Tränen in die Augen.<br />
&bdquo;Jetzt heul nicht rum und komm! Willst du ein Leben mit ihm, wirst du bereit sein, ihn vor den Konsequenzen deiner Dummheit zu schützen. Tust du es nicht&#8230;&ldquo;, sie blieb stehen und blickte Louisa mit bedrohlichem Gesichtsausdruck an, &bdquo;&#8230; sind wir keine Freunde mehr.&ldquo;<br />
Die junge Frau schien zu begreifen. Anton hatte nie schlecht über Rosalinda gesprochen, doch hatte sie deutlich gefühlt, wie sehr er sich vor ihr fürchtete. Auch in der Schule hatte die Latina einen derben Ruf gehabt. Besser meiden und in Ruhe lassen. Sonst würden schlimme Dinge mit einem passieren. Vieles davon war sicher übertrieben, aber eine Restunsicherheit gegenüber der Schulkameradin blieb.<br />
&bdquo;Ja gut. Du hast ja recht. Ich muss es tun. Mir bleibt keine andere Wahl.&ldquo;<br />
Rosalinda schien zufrieden. &bdquo;Na also! Dann komm jetzt auch. Wir gehen zu dem Advokaten, er wird mir dann später durch den Rechnungsbetrag mitteilen, ob du umgekippt bist oder es durchgezogen hast.&ldquo;<br />
&bdquo;Werden meine Eltern davon erfahren?&ldquo;, fragte Louisa leise.<br />
Rosalinda hob ihre Schultern. &bdquo;Du bist volljährig, oder? Wenn du es ihnen nicht sagst, woher sollten sie? Außerdem wirst du die Jahre arbeiten. So wird der arme Hund nicht völlig leer ausgehen.&ldquo;<br />
Louisa sah sie verblüfft an.<br />
Rosalinda begegnete ihrem Blick mit einer steinernen Miene. &bdquo;Ich besorge dir einen gut bezahlten Job. Dafür wirst du genau das tun, was ich dir sage.&ldquo; Sie blieb stehen. &bdquo;Wir verstehen uns, oder?&ldquo;<br />
&bdquo;Was für einen Job, Ros? Bitte! Ich will keinen Ärger bekommen.&ldquo;<br />
&bdquo;Das wirst du nicht, wenn du funktionierst. Lass dich einfach überraschen. Wenn du nicht blöd bist, haben du und Anton ausgesorgt. Dann kannst zur Abwechslung du für euren Unterhalt sorgen und musst ihn nicht vorschieben. Mit Kindern wirst du dann aber warten. Sag ihm, du willst erst Karriere machen.&ldquo;<br />
&bdquo;Werde ich etwas Kriminelles tun?&ldquo;, fragte die Klassenkameradin leise.<br />
Die Mexikanerin deutete an, dass sie weitergehen wollte. &bdquo;Das ist immer eine Frage der Sicht. Es kommt niemand direkt dabei zu Schaden, wenn es dich beruhigt. Für dich wird es sich wie ein ganz normaler Job anfühlen.&ldquo;<br />
&bdquo;Wann fange ich damit an?&ldquo;, wollte Louisa wissen.<br />
&bdquo;Man wird dich anrufen und einweisen. Anton würde ich nichts davon erzählen, dass ich dir da etwas geholfen habe. Keine Ahnung, warum er dir meinen Schutz verwehren will. Er selbst hat davon immer profitiert.&ldquo; Sie lächelte. &bdquo;Du hast einen Onkel bei der Kriminalpolizei, oder? Erzähl mal ein wenig von ihm. Solche Typen sind interessant.&ldquo;<br />
Louisa sah Rosalinda erschrocken an. Woher wusste sie das?<br />
&bdquo;Was guckst du so doof drein? War doch eine einfache Frage.&ldquo;<br />
&bdquo;Wie kannst du von ihm wissen?&ldquo; Louisa fühlte sich dieser Frau ausgeliefert.<br />
&bdquo;Ach, über Leute, auf die ich mich einlassen möchte, weiß ich eigentlich immer alles. Nur so hält man sie unter Kontrolle, verstehst du? Man möchte selbst nicht enttäuscht werden und irgendwann als Idiotin dastehen, da zeigt man dann lieber, dass alles eine Konsequenz mit sich bringt. Dort vorn in den Hackeschen Höfen, da ist die Kanzlei. Ich bring dich noch an die Tür, dann sind wir hier erst einmal fertig. Über deinen Onkel sprechen wir dann ein anderes Mal. Ich weiß, dass du ihn nicht leiden kannst. Anton hatte hier mal eine Andeutung gemacht.&ldquo;<br />
Louisa wurde blass. Es schien ihr äußerst unangenehm zu sein, dass Rosalinda davon wusste.<br />
&bdquo;Hey! Alles gut. Ich wusste damals nicht, wie eng ihr miteinander seid. Von daher kommt es einem Wunder gleich, dass ich es überhaupt behalten habe.&ldquo; Sie sah die junge Frau nachdenklich an, dabei mit beiden Händen an der Spitze ihres Zopfes spielend. &bdquo;Muss sich scheiße anfühlen, ein Kind zu verlieren. Wie weit warst du?&ldquo;<br />
&bdquo;Anton hat dir auch davon&#8230;&ldquo; Die Klassenkameradin sah Rosalinda bestürzt an. Sie schüttelte ihren Kopf und wandte ihren Blick ab. In diesem Moment schien sie nichts Gutes über ihren Freund zu denken. &bdquo;Sechster Monat.&ldquo;<br />
&bdquo;Da spürt man es schon, oder?&ldquo;, fragte Rosalinda nachdenklich.<br />
&bdquo;Ja. Ein paar Wochen. Dann, von einem Tag auf den anderen gar nicht mehr.&ldquo;<br />
&bdquo;Das muss Horror sein. Ich bin nicht so empfänglich für das Leid anderer, aber das kann ich mir irgendwie vorstellen&ldquo;, stellte die Mexikanerin fest. Sie trat an Louisa heran und umarmte sie. &bdquo;Vielleicht bist du gar nicht so scheiße, wie ich glaube. Beweise es mir, indem du Anton schützt. Dann will ich dafür sorgen, dass ihr ein gutes Leben bekommt.&ldquo;<br />
Louisas Körper blieb steif, ihre Tränen liefen über ihre Wangen. Diese Frau hatte etwas Böses an sich und gleichzeitig strahlte sie eine Faszination aus, welcher man sich nicht entziehen konnte. Es war schwer zu erklären. Vielleicht spürte man, wie gnadenlos sie alles an Hindernissen beiseite räumte, was sie daran hinderte, ihre Vorhaben umzusetzen.<br />
Die Mexikanerin löste sich von ihr und wollte zum Fußgängerüberweg gehen, als Louisa ihr nachrief. &bdquo;Wenn ich mitmache, lässt du Anton in Ruhe?&ldquo;<br />
Rosalinda wandte sich noch einmal zu ihr um, sah sie an, dann deutete sie ein Nicken an. &bdquo;Geh jetzt hoch! Sonst bist du zu spät.&ldquo;<br />
Und wieder ein Menschenkind mehr unter ihrer Obhut. Es fühlte sich gut an. Louisa war in der Schule mit guten Noten aufgefallen und machte gerade Abitur. Rosalinda überlegte, ob sie Antons Freundin internationale Wirtschaft studieren lassen wollte, dann könnte man auch hier Wege finden, Gelder zwischen den Ländern zu transferieren und damit weiß werden zu lassen. Es war sicher nicht falsch, so weit zu denken. Arbeiten würde sie erst einmal zusammen mit Rita in der Koordination. Dort würde sie Geld- und Warenströme von den beiden Frauen lenken und vor allem verschlüsseln lassen.<br />
Rosalinda wollte einen Marktplatz auf Provisionsbasis gründen. Kriminelle sollten bald nur noch über ihre Schnittstelle handeln können, wobei sie die Berechtigungen dazu vergab. Niemand sollte von außen Zugriff bekommen, ohne Absicherung und Referenz. Dabei würde sie nur Koordinaten vermitteln. Partner A vergrub zum Beispiel eine genau abgewogene Menge Drogen mit einem zuvor festgesetzten Reinheitsgrad an einem von ihm festgelegten Punkt. Dann chattete er die Koordination an, welche ihm eine Videoempfehlung zurückschickte mit einer Zahl dahinter. Im Anschluss wurde bei diesem Beitrag als Kommentar nach so und so vielen Minuten eine Emojifolge gepostet, welche für eine Zahl stand, die wiederum Koordinaten festlegte. Dabei bekam jeder Partner eine eigene Karte mit eigenen Koordinaten von der Koordination. So konnte A mit den Daten von B nichts anfangen. Einzig die Koordination stellte die richtige Verbindung her und trug auf der Hauptkarte die Waren ein. Über ein Computerspiel konnte man dann zu einer bestimmten Zeit seine Ware handeln. Wollte jemand eine neue Ware verkaufen, teilte er dies den Entwicklern mit, damit diese die Ressource dem Spiel hinzufügen konnten. So konnten sie ihre Waren an der Crimebörse senden und über sie Geschäfte machen.<br />
Wollte jemand kaufen, ging es den umgekehrten Weg. Zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Datum wählte er seine Ware. Die Koordination stellte fest, dass dies ein Reallifekauf war, und schickte ihm nun Beitrag und Zeit sowie die Koordinaten, an denen er die Ware bergen konnte. Von außen ein nicht zu durchschauendes System. Und selbst wenn jemand verriet, wo er die Ware vergraben hatte, dann schickte der andere Leute vor. Freunde und Bekannte, welche nicht vorbestraft waren und nur mit einer Bewährungsstrafe zu rechnen hatten. Zumal es noch weitere Möglichkeiten gab, sie abzusichern.<br />
Rosalinda schwelgte in Möglichkeiten. Sie würde ein Imperium schaffen! Einen riesigen Dienstleister des organisierten Verbrechens. Ein Imperium, in welchem tausende Menschen von ihr abhängig leben würden.<br />
Dass sie dabei ihren offiziellen Reichtum nur langsam mehren durfte, war ihr klar. Aber auch hier hatte sie schon eine Idee mit Jochen abgesprochen. Sie würden eine Lotterie gründen, in der die Gewinner von vornherein feststanden. Zumindest dann, wenn jemand das Glück einer größeren Auszahlung verdient hatte. Sie würden Lose unter ihren Schützlingen verkaufen, die auf diese Weise wiederum an der Lotterie beteiligt wurden. Gewann jemand, kaufte er von dem Gewinn neue Lose und beließ dabei das Geld somit, wo es war, und machte sich selbst damit noch reicher.<br />
Wollte er sein Geld ausbezahlt bekommen, meldete er das der Koordination. Diese würde dann dafür sorgen, dass er über eine bestimmte Zeit und eine Anzahl X an Personen das Geld über Gewinnausschüttungen ausbezahlt bekam.<br />
Wie lange hatte sie in der Bibliothek gesessen und über all diese Pläne gebrütet. Rita wusste schon Bescheid und war Feuer und Flamme, ihr zu helfen. Auch sie glaubte an den Erfolg und die Sicherheit. Niemand würde ihnen etwas können. Es gab da kein Reinkommen, wenn sich nicht irgendeine Schwachstelle bildete. Und diese würde einzig dumme und korrumpierbare Menschen sein.<br />
Überraschende Versöhnung<br />
Was hatte sich Rosalinda auf diesen Urlaub gefreut. Zusammen mit Rita und Esme war sie einkaufen gewesen, hatte sich eine extra Garderobe zusammengestellt und dabei natürlich auch ihren Willy nicht vergessen. Der hatte ziemlich erschrocken reagiert, als er nach Hause kam und erst einmal zwei Stunden lang alle möglichen Jacken, Pullover, Hosen und Schuhe anziehen sollte. Sogar einen neuen Koffer hatte er bekommen, besaß er doch bis jetzt keinen eigenen.<br />
&bdquo;Wie viel hast du für diesen Krempel ausgegeben?&ldquo;, fragte Willy verstört. Rosalinda hielt einen blauen Norwegerpullover vor die Deckenlampe, drehte diesen auf die Rückseite und hielt ihn dann schließlich ihrem sichtlich strapazierten Freund zum Anprobieren hin.<br />
&bdquo;Was du nicht weißt, regt dich nicht auf&ldquo;, stellte sie lachend fest. &bdquo;Du weißt doch, dass wir genügend Asche haben. Brauchst dir keine Sorgen machen.&ldquo;<br />
Willy blies die Wangen auf. &bdquo;Ich bete zu Gott, dass es legal verdientes Geld ist.&ldquo;<br />
Rosalinda spielte die Empörte. &bdquo;Natürlich ist es legal verdient. Jochen bezahlt mich jetzt für meine Vermittlerrolle aus, die Amis für meine Arbeit auf dem Stützpunkt, von Georg kriege ich 100 Euro Taschengeld im Monat, damit ich zurechtkomme, ich habe noch das Geld von Hochhinaus &#8230;&ldquo;<br />
Ihr Freund hörte ihr gefrustet zu. Rosalinda flogen die Gelder nur so zu, während er selbst gerade nur so über die Runden kam. Franzi ging es ähnlich, gerade jetzt, wo sie nicht mehr arbeiten konnte. Wenigstens zahlte Holger pünktlich seine Alimente. Das letzte Mal hatte er ihr sogar einen Umschlag mit einer zusätzlichen Zahlung geschickt.<br />
Willy zog ein neues Poloshirt aus und reichte es ihr, damit sie es wieder zusammenlegen konnte, und nahm dann den Pullover entgegen. Dieser war aus echter Wolle und war sicher nicht günstig gewesen.<br />
&bdquo;Meine Eltern haben uns heute eingeladen.&ldquo; Er betonte das Wort uns.<br />
Rosalinda hielt inne. Sie sah zu ihm auf, während sich ihre zuvor lockeren Züge zu einer steinernen Miene verhärteten. &bdquo;Sie wollen ihren Sohn sehen, schon klar. Anscheinend haben sie gemerkt, dass du erst bei ihnen auftauchst, wenn du mich mitschleifen darfst.&ldquo; Ihre Stimmung schlug sofort um.<br />
&bdquo;Das glaube ich eher nicht. Sie hatten nämlich vor zwei Tagen Besuch. Agent Cromwell war mit Dr. Events bei ihnen und hat sich für dich stark gemacht. Wer hätte dir eine bessere Referenz aussprechen können als deine erklärte Feindin?&ldquo;<br />
&bdquo;Warum sollte sie so etwas für mich tun?&ldquo;, fragte Rosalinda sichtlich skeptisch. Sie zog ihr schwarzes Top aus und zog eine cremefarbene Bluse über.<br />
&bdquo;Die wollen dich halten. Georg hat darum gebeten, dass man bei meinen Eltern ein gutes Wort einlegt. Schließlich war es Mac Leans Feier zu verdanken, dass diese Konstellation überhaupt aufgetreten ist. Die Soldaten haben einen entsprechenden Verweis wegen Bruchs des Dienstgeheimnisses bekommen. Die haben alle einen Riesenschiss, dass du hinschmeißt und das ganze Projekt damit stirbt. Gerade die DEA steht unter einem riesigen Druck, weist sie doch in Ciudad Juarez zum ersten Mal kontinuierliche Erfolge auf.&ldquo;<br />
&bdquo;Was interessiert das deine Alten? Deine Mutter verabscheut mich. Wie sollten ein paar Worte Cromwells das Bild der Mörderin aus ihrem Kopf tilgen können?&ldquo; Sie zog das Top wieder aus und warf es in eine Papiertüte, welche für die Sachen bestimmt war, die wieder zurück in die Läden gehen sollten. &bdquo;Ganz ehrlich? Würde mein Sohn mit einer wie mir rumhängen, ginge es mir nicht anders.&ldquo;<br />
Willy seufzte. &bdquo;Also sag ich ab?&ldquo;<br />
&bdquo;Fahr hin! Ich bleib hier und packe unsere Sachen. Dann ist übermorgen alles fertig.&ldquo;<br />
Sie warf ihm eine Hose hin, welche er anprobieren sollte. Er wollte sie fangen, ließ sie aber fallen. Rosalinda grinste. Willy war der unsportlichste Mensch, den sie kannte.<br />
&bdquo;Ich rufe an und sage, dass ich allein komme.&ldquo; Er resignierte in diesem Moment. Natürlich wollte er seine Eltern, vor allem aber auch Franzi und das Kleine sehen.<br />
Er hielt das Handy an sein Ohr, während Rosalinda ihn vom Spiegel wegschob, um sich neue Unterwäsche anzusehen. Es war lachsfarbene Spitzenunterwäsche. So zog sie ihre Hose aus, entledigte sich ihres Slips und löste dann auch den BH von ihrer Brust.<br />
&bdquo;Hey Mam!&ldquo;, hörte sie Willys Stimme, während sie in das Höschen stieg. Sie gewann schnell Gefallen daran, es saß perfekt. Auch der BH war sehr schön, und so legte sie ihn an und schloss den Verschluss. &bdquo;Ich komm allein. Rosalinda möchte packen.&ldquo;<br />
Rosalinda versuchte für sich, Willys Telefonat auszuklammern. Sie konzentrierte sich einzig auf ihr Ebenbild im Spiegel, spannte ihre Bauchmuskeln an, sich an dem Abbild ihrer definierten Muskulatur berauschend. Was das betraf, war sie schon eine Granate. Nur ihre Brüste wünschte sie sich noch eine Idee größer. Sie hatte mit Willy darüber gesprochen, doch er hatte ihr klar zu verstehen gegeben, wie wenig er mit solch einer Änderung einverstanden war. Eigentlich hatte er es ihr regelrecht verboten. Sie lächelte. Er war so süß, ihr Schnucki.<br />
&bdquo;Sie will mit dir sprechen!&ldquo;, hörte sie seine Stimme.<br />
Rosalinda wandte sich ihm erstaunt zu. &bdquo;Deine Mutter?&ldquo;<br />
Er nickte und hielt ihr das Handy hin.<br />
Sie starrte auf das Gerät und suchte vergebens, sich dazu zu überwinden, danach zu greifen.<br />
&bdquo;Tu es für mich!&ldquo; Er nickte ihr zu.<br />
Sie seufzte demonstrativ auf. Er wusste genau, wie er sie zu nehmen hatte. In jeder Hinsicht. &bdquo;Ich weiß nicht, was das bringen soll, ihre Meinung über mich ist fertig, Willy. Ich will nicht, dass sie mir gegenüber heucheln muss.&ldquo;<br />
&bdquo;Das Mikrofon ist an, Schatz.&ldquo;<br />
Erschrocken blickte Rosalinda auf das Gerät herunter. Sonst in allem kontrolliert, konnte sie sich gegenüber ihrem Freund gehen lassen. Das rächte sich in solch einem Moment. So nahm sie das Gerät und hielt es an ihre Wange.<br />
&bdquo;Hallo Heidrun!&ldquo; Ihre Stimme klang ungewohnt tonlos.<br />
&bdquo;Geht es dir gut, Schatz?&ldquo; Rosalindas Herz zog sich zusammen. Willys Mutter klang wie früher.<br />
&bdquo;Ja. Ich packe gerade mit Willy unsere Sachen.&ldquo;<br />
&bdquo;Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie ihr euch beide auf die Reise freut. Wenn ich mir vorstelle, wie ich mit Frank das erste Mal zur Mecklenburger Seenplatte paddeln gefahren bin&#8230;, schon das kam damals einer Weltreise gleich. Gab ja sonst kaum Möglichkeiten für uns.&ldquo;<br />
Rosalinda ahnte, dass Willys Mutter auf ihre DDR-Vergangenheit anspielte.<br />
&bdquo;Du, Willy kommt. Musst dir keine Sorgen machen. Ich tue ihn da nicht bremsen.&ldquo;<br />
Heidrun schwieg für einen langen Moment.<br />
&bdquo;Ros! Ich tue mich schwer damit, das Gesagte zu verarbeiten. Kannst du das irgendwie verstehen? Ich hab dich lieb, glaub mir das bitte, und meine Kinder stehen wie eine Wand vor dir, um dich zu schützen. Aber du hast Menschen getötet, schon der Gedanke daran ist für mich so schwer vorstellbar&#8230;, gerade weil ich dich doch lieb habe.&ldquo;<br />
&bdquo;Ich bin euch nicht böse. Ich verstehe das. Glaubst du, ich kann mich gut leiden deshalb? Das ist doch ein Stigma, was ich nie wieder los werde. Und ich selbst sehe es ja auch.&ldquo;<br />
&bdquo;Die ganzen Kreuze auf deinem Rücken, Kind. Sie stehen für all die Menschen&#8230;&ldquo;<br />
Rosalinda bestätigte es ihr. &bdquo;Ja. In Mexiko durfte ich stolz darauf sein. Hier schäme ich mich dafür.&ldquo;<br />
&bdquo;Die Agentin hat uns von dieser Stadt erzählt, aus der du stammst. Dass es dort wenige Kinder gibt, die ohne Verluste innerhalb ihrer Familie aufwachsen dürfen. Dass oft die Zugehörigkeit zu einer Gang den einzigen verlässlichen Schutz verspricht. Und dass du praktisch in diese Verhältnisse hineingeboren wurdest. Du hattest keine Wahl gehabt, Ros, und heute ist das zum Glück anders. Das ist natürlich ein Unterschied. Es gibt Menschen, die entscheiden sich ohne Not dafür, Böses zu tun, und es gibt Menschen, denen diese Wahl nicht gelassen wurde. Solch ein Mensch bist du, Kind. Das verstehe ich jetzt. Und Frank war da noch schneller. Er hat viel über diesen Ort gelesen und im Internet recherchiert. Wir hatten ja keine Ahnung. In unseren Köpfen hast du in Supermärkten und Geschäften gestohlen.&ldquo;<br />
Franks Stimme klang aus dem Hintergrund. &bdquo;Jetzt sag ihr, sie soll herkommen! Die macht sich umsonst einen Kopf.&ldquo;<br />
&bdquo;Du hast ihn gehört, Rosalinda. Komm her, Schatz! Bitte! Wir wollen dich bei uns haben.&ldquo;<br />
Rosalinda zögerte noch immer. &bdquo;Ich bin kein Engel, Heidrun. Ich werde auch nie einer sein. Das weiß Willy, das weiß auch Franzi. Ich werde immer versucht sein, gewisse Dinge auf meine Weise zu lösen. Von daher &#8230;&ldquo;<br />
&bdquo;Georg hat mir von eurer Abmachung erzählt und Franzi, was du mit dem Mann gemacht hast, der meinem Jungen nach dem Leben trachtete, um ihn zu bestehlen&#8230;&ldquo;<br />
Rosalinda sah erschrocken zu Willy hinüber, der ebenfalls bleich wurde.<br />
&bdquo;Am ersten Tag, an dem sie dich kennenlernen durften, hast du sie schon beschützt. Als zwölfjähriges Mädchen! Frank und ich wollten es kaum glauben.&ldquo;<br />
&bdquo;Erzählt Georg nichts davon. Bitte!&ldquo;<br />
&bdquo;Werden wir nicht. Wir versprechen es dir. Willy hatte immer Ärger angezogen, aber mit dir an seiner Seite hat er jemanden, der ihn schützen wird. Das ist uns beiden klar geworden.&ldquo;<br />
Der jungen Mexikanerin standen die Tränen in den Augen. Dass Georg jemals von dieser Tat erfahren könnte, schreckte sie sehr.<br />
&bdquo;Ich zieh mich mal um, okay? Sonst lohnt es sich nicht mehr.&ldquo;<br />
Heidruns Stimme klang erleichtert. &bdquo;Schlaft hier bei uns. Dann haben wir noch morgen was von euch.&ldquo;<br />
&bdquo;Gut, okay. Kann Georg auch zum Essen kommen? Dann sag ich ihm Bescheid.&ldquo;<br />
Willys Mutter lachte. &bdquo;Haben wir schon gemacht. Da bist du zu spät. Bis später, ihr beiden.&ldquo;<br />
Schweigend gab sie Willy das Handy zurück. In diesem Moment vermochte sie es nicht, ihre eigene Stimmung für sich zu ergründen. Unbeschreibbare Erleichterung, gepaart mit der Gewissheit, dass sich zwischen ihr und Willy nichts mehr ändern durfte.<br />
Rosalinda zog die teure Unterwäsche wieder aus. Die wollte sie auf jeden Fall behalten. Auch Willy hatte sich begeistert gezeigt und würde sicherlich gerne während eines Vorspiels ihr daraus heraushelfen. Wie gerne hätte sie sich jetzt von ihm nehmen lassen. Es hätte ihre Emotionen auf solch zuverlässige Weise wieder gerade gerückt.<br />
Dörtes Stimme! Sie fasste es nicht. Trotz dessen kein Mann der WG mehr ungebunden war, tauchte die Alte immer wieder auf. Mal wollte sie Willy besuchen, dann Maik oder eben Esme. Sie schien sich zu ärgern, dass ihre Freundin und Mitstudentin sich für den Mann entschieden hatte, den sie sich über Wochen und Monate erfolgreich warm gehalten hatte. Dass dieser nun überhaupt kein Interesse mehr an ihr zeigte, setzte ihr sichtbar zu, sehr zur Freude Rosalindas.<br />
So klopfte es an die Tür, und die Stimme von Willys Kommilitonin fragte, ob sie mitessen wollten. Sie würde für alle kochen, stellte sie fest.<br />
&bdquo;Man könnte meinen, die Möse wohnt hier&ldquo;, ätzte Rosalinda. Ehe Willy sie daran hindern konnte, ging sie zur Zimmertür, öffnete und zeigte sich der fülligen Frau in ihrer ganzen Natürlichkeit. Sie ahnte, wie sehr ihr Bild diese beschäftigen würde.<br />
&bdquo;Hey! Du, das ist total lieb von dir.&ldquo; Nackt, wie sie war, umarmte sie die verstört dreinblickende Bekannte. &bdquo;Aber wir fahren zu Willys Eltern, wenn ich es denn geschafft habe, was zum Anziehen zu finden.&ldquo;<br />
Dörte löste sich vorsichtig von der muskulösen Frau, sah irritiert auf deren formschöne Brüste herunter und überblickte dann auch den Rest ihres Körpers. Rosalinda sah im Blickwinkel René und Mike, die erstaunt in ihre Richtung sahen. Mit ihnen hatte sie nicht gerechnet.<br />
&bdquo;Hey! Alles gut? Sorry, wenn wir dieses Essen auslassen müssen.&ldquo;<br />
Mike starrte die Mexikanerin an und schüttelte seinen Kopf. &bdquo;Fuck, hast du einen Body. Aber steckt neben Willy auch viel Arbeit drin, was?&ldquo;<br />
Rosalinda konnte nicht anders, sie musste lachen. Sie winkte den beiden zu, schenkte Dörte ein Lächeln und schloss die Zimmertür hinter sich. Willy sah zornig zu ihr hinüber und schaffte es nicht, den Vorwurf zu schlucken. &bdquo;Warum disst du sie so? Ich bin auch dick, vergessen?&ldquo;<br />
&bdquo;Macht sie es denn anders? Immer wieder betont sie vor mir, wie schwer euer Studium ist und wie hoch die Abbruchquote. Und dass Klugheit nicht altert, ganz gegensätzlich zum Aussehen.&ldquo; Sie suchte sich Sportunterwäsche aus der Schublade und schlüpfte hinein. Die trug sie am liebsten. &bdquo;Wer disst hier also wen?&ldquo;<br />
&bdquo;Kannst du nicht drüber stehen? Sie hat Komplexe vor dir. Denkst du allen Ernstes, sie hält dich für doof? Ganz im Gegenteil. Dir kann kaum jemand das Wasser reichen, von daher bemüht sie sich darum, irgendwie mitzuhalten.&ldquo;<br />
&bdquo;Vici ist auch dick, und die hab ich lieb. Warum ist das so? Ganz einfach, sie ist kein Arschloch. Das ist der Unterschied. Diese Möse da wollte dich mir wegnehmen, und daran hat sich bis heute nichts geändert. Gut, sie mag auf Esme sauer sein, weil die sich jetzt von Maik bürsten lässt, aber der war nur ein Notnagel für sie. Besorgen lassen wollte sie es sich die ganze Zeit über nur von dir.&ldquo;<br />
Willy hob seine beiden Hände in die Luft. Er war diesen Konflikt so ohne Ende leid. Früher hatte sich gar keine Frau für ihn interessiert, und jetzt warfen ihm Studentinnen an der Uni begehrliche Blicke zu. Wenn man es genau nahm, hatte sich Rosalinda das selbst eingebrockt. Sie war das Fragezeichen über den Köpfen dieser Frauen. &bdquo;Konzentrieren wir uns auf die Reise. Wenn wir erst morgen fertig packen, bleibt wenig Zeit. Der Flieger startet kurz nach sechs Uhr.&ldquo;<br />
Rosalinda war einverstanden, stieg in eine enge schwarze Jeans und hatte wie immer Mühe damit, diese über ihre mächtigen Oberschenkel zu ziehen. Schon das Anziehen einer Hose kam so einer Trainingseinheit für sie gleich.<br />
Familienabend<br />
Das, was sie bei der Geburtstagsfeier vermisst hatte, fand Rosalinda bei der Familie ihres Freundes. Ein Gefühl von Vertrautheit und Geborgenheit. Menschen, welche sie vorbehaltlos mochten und akzeptierten. Sie spürte immer noch eine gewisse Unsicherheit bei Heidrun, aber auch, wie sehr sie sich darum bemühte, sich mit dem neu erlangten Wissen um ihre Vergangenheit zu arrangieren.<br />
&bdquo;Ich glaube, die Kleine hat Hunger, sie will mir ständig an die Brust&ldquo;, meinte Rosalinda, Emilia auf ihren Armen haltend.<br />
Heidrun lächelte, gab der jungen Frau einen Kuss auf die Wange und strich ihr sanft über den Kopf. &bdquo;Du machst das gut! Warte! Ich mach eine Flasche warm. Franzi hat vorhin abgepumpt. Die ist froh, wenn sie mal ein paar Stunden schlafen kann.&ldquo;<br />
Rosalinda setzte sich mit dem Baby an den Küchentisch, während Willy bei seinem Vater auf der Couch im Wohnzimmer saß und ihren Reiseplan für Irland aufstellte.<br />
&bdquo;Die Kleine lächelt dich an&ldquo;, freute sich Heidrun. &bdquo;Sie mag dich sehr. Sie fühlt das Gute in dir.&ldquo;<br />
Rosalinda sah zu der schlanken Frau auf, schüttelte aber ihren Kopf. &bdquo;Sie spürt, dass ich ruhig bin. Deshalb ist sie es auch. Das hat nichts damit zu tun, dass sie glaubt, ich wäre eine Gute.&ldquo;<br />
Heidrun schien verwirrt. Dass Rosalinda hier das Bild störte, welches sie aufzubauen suchte, überraschte sie. &bdquo;Wie kommst du darauf?&ldquo;<br />
&bdquo;Ich weiß das von früher. Kinder spüren die Ruhe desjenigen, der sie hält. Herzschlag, Atmung, wie er spricht, das alles spielt eine Rolle.&ldquo;<br />
Willys Mutter schien sich zu erinnern. &bdquo;Da hast du wahrscheinlich recht. Frank und ich streiten sehr viel und sind selten einer Meinung. Franzi und Willy haben deshalb viel geweint, besonders als sie noch klein waren. Die spürten, dass da um sie herum Krach herrschte.&ldquo;<br />
&bdquo;Ist es jetzt besser geworden?&ldquo;, fragte Rosalinda interessiert, während Heidrun die Flasche aus dem Warmhalter nahm und ihr reichte.<br />
&bdquo;Nein. Wir streiten immer noch sehr oft. Du hast es ja schon des Öfteren mitbekommen. Aber wir haben jetzt mehr Platz, wo Willy aus dem Haus ist, und irgendwann in den nächsten Jahren wird sicher auch Franzi flügge werden. Dann brauchen wir keine Rücksicht mehr nehmen.&ldquo;<br />
&bdquo;Warum trennt ihr euch nicht? Das habe ich nie verstanden.&ldquo;<br />
Heidrun blickte durch die Durchreiche hindurch zu ihrem Mann hinüber. &bdquo;Wir haben uns aneinander gewöhnt und wahrscheinlich beide nicht die Energie für solch einen Schritt. Außerdem gibt es immer ein Auf und Ab innerhalb einer Beziehung. Das wird bei dir und Willy nicht anders sein, habe ich recht?&ldquo;<br />
Rosalinda wirkte nachdenklich. &bdquo;Weiß ich nicht. Wir streiten eigentlich nur sehr selten. Wenn, dann nur, wenn er glaubt, dass ich Scheiße baue.&ldquo; Sie führte die Spitze der Babyflasche an Emilias Lippen, welche ihre Händchen danach ausstreckte und schon ihre Lippen spitzte.<br />
&bdquo;Und das tust du?&ldquo;<br />
&bdquo;Ich will einfach ein schönes Leben mit ihm haben, Heidrun. Er glaubt immer daran, dass man alles gütlich lösen kann, dass man Geduld haben muss oder auf eine Gelegenheit zu warten hat, bis sich einem eine bietet.&ldquo;<br />
&bdquo;Und was ist dein Ansatz?&ldquo;<br />
&bdquo;Dass einem nichts geschenkt wird. Man muss sich durchsetzen und Respekt verschaffen. Gerade, wenn dieser einem vorenthalten wird.&ldquo; Sie setzte die Flasche ab, wischte sanft über die Lippen des Mädchens und brachte erneut die Spitze des Trinkgefäßes an ihr Mündlein. &bdquo;Dazu noch ein Ziel, welches man erreichen möchte.&ldquo;<br />
&bdquo;Ihr habt dieselben Voraussetzungen wie ich und Frank. Sehr große Wesensunterschiede. Das bedeutet Bindung, in manchen Situationen aber auch Entfremdung, Ros. Das muss dir klar sein. Leb dein Leben, geh deinen Weg, sieh aber zu, dass du Willy nicht zu sehr dabei vor den Kopf stößt. Er ist wie Georg. Er geht Konflikten aus dem Weg, sucht sich anzupassen und will die Menschen überzeugen, dass sein Weg der richtige ist.&ldquo;<br />
&bdquo;Hast ihn oft heulen sehen, oder?&ldquo;, fragte Rosalinda nicht frei von Gehässigkeit.<br />
&bdquo;Ja, da hast du recht. Er wurde oft an seine Grenzen getrieben, aber schwach ist er nicht. Gerade wenn es um seine Werte geht, ist er sehr stur.&ldquo;<br />
Rosalinda lächelte. &bdquo;Davon kann ich ein Lied singen. Alter Schwede!&ldquo;<br />
Die beiden unterhielten sich noch eine Weile und nahmen sich dann vor, das Essen zu bereiten. Franzi sollte nicht mehr allzu lange schlafen, und gleich würde der Pfarrer kommen. So legte Rosalinda schließlich Emilia in ihre Transportschale und stellte diese auf den großen Küchentisch.<br />
&bdquo;Wage es nicht, ihr davon zu erzählen! Die jagt mich dann da hoch, glaub mal. Dann brauche ich den Rest des Urlaubs, um mich zu erholen&ldquo;, protestierte Willy.<br />
Willys Vater war schlank, großgewachsen und hatte ein sehr markantes, aber auch oft energisch wirkendes Gesicht. Schmale Schultern, sehnige Gliedmaßen, war er vom Typ her anders geartet als sein Sohn. Überhaupt schien Willy wenig mit seinen Eltern, dafür aber vieles mit den Großeltern gemein zu haben. Vor allem mit seinem Großvater mütterlicherseits.<br />
&bdquo;Die Aussicht vom Carrauntoohil muss atemberaubend sein. Von daher solltest du es dir überlegen. Außerdem wäre deine Maus sicher stolz auf dich, wenn du mit ihr da hochkraxelst.&ldquo;<br />
Willy zeigte verhaltene Begeisterung. &bdquo;Eher nicht, Pa. Die wird mich auch so durchs Land jagen, glaub mal.&ldquo;<br />
Sein Vater ließ es gut sein, sah auf das Tablet und glich die darauf geschriebene Liste mit der Karte des Reiseführers ab. &bdquo;Gut, dann lass uns noch einmal schauen. Dublin vier Tage, ein Tag Newgrange, dann weiter nach Blarney Castle im Südwesten. Ist ein Stück, aber mit dem Auto alles schnell erreichbar. Killarney National Park, von den Bildern her ein Traum, Ring of Kerry, ähnlich imposant, anschließend der Berg. Tu es dir an, Willy, auch wenn&rsquo;s nicht deins ist. Du wirst dich ein Leben daran erinnern. Glaub mir. Gerade weil du es mit ihr zusammen gemacht hast. Dann wären da noch Burren, Cliffs of Moher, die Stadt Galway und der Wild Atlantic Way. Also wenn ihr euch für jedes einen Tag Zeit nehmt, für Galway vielleicht drei Tage, müsstet ihr die Zeit ordentlich genutzt haben. Wenn du sie überraschen willst, dann schaut ihr euch noch Glencolumbkille an. Ein Schmugglerdorf, das wird sie sicher interessieren.&ldquo;<br />
Willy wurde sofort ernst. &bdquo;Sag so etwas nicht in ihrer Gegenwart! Sie hat von ihrem Geburtstag her echt einen Schaden weg, was euch betrifft. Sie versucht wirklich ihr Bestes, jede Äußerung in die Richtung, dass ihr sie für fragwürdig haltet, stößt sie wieder in diese Richtung.&ldquo;<br />
&bdquo;Lass gut sein, Sohn! Wir wissen es doch. Du hast dir da wirklich eine erstaunliche Frau geangelt. Mit der du es aber sicher nicht leicht haben wirst. Das steht fest.&ldquo; Frank sah seinen Sohn eindringlich an. &bdquo;Ich hoffe, ihr findet einen gemeinsamen Weg, Junge. Aber zieh eine Grenze, wenn du fühlst, dass es nur noch in ihre Richtung geht.&ldquo;<br />
Willy wollte etwas sagen, doch unterbrach ihn sein Vater mit einer Geste seiner Hand. &bdquo;Das meine ich nicht unbedingt negativ. Zeig ihr, dass du eine eigene Vorstellung hast und sie sich auch nach dieser zu richten hat.&ldquo;<br />
&bdquo;Das tue ich schon, und sie lässt das zu. Ich glaube sogar, dass ihr das gefällt, wenn ich Entscheidungen für uns treffe. Sie ist das nicht gewohnt.&ldquo;<br />
Frank lächelte und nickte ihm zu.<br />
&bdquo;Eine Frage, Junge. Als du damals von den Amerikanern erfahren hast, was Rosalinda&#8230;&ldquo;, er wollte den Satz nicht beenden. &bdquo;Warum hast du sie nicht gemieden? Du hattest nie etwas mit Menschen zu tun haben wollen, die gewalttätig sind.&ldquo;<br />
&bdquo;Sie hat mich von Anfang an akzeptiert. Das allein ist schon selten für mich gewesen. Und als sie dann noch wegen mir den Nazi so zugerichtet hatte, da wollte ich unbedingt, dass sie eine Chance bekommt.&ldquo;<br />
&bdquo;Ich kenne sie schon nun so lange, aber so etwas hätte ich ihr nie zugetraut&ldquo;, gestand Frank ein. &bdquo;Aber eben auch keine Morde. Ich muss mich so zusammenreißen, dass ich auf unseren Fotos von den letzten Jahren nicht anfange, die Kreuze auf ihrem Rücken zu zählen. Es ist so schwer vorstellbar.&ldquo;<br />
Willy sah seinen Vater nachdenklich an. &bdquo;Wenn du einmal mit ansehen würdest, wie sie ausrastet, dann kannst du das. Ich habe nur noch Angst vor ihr in solch einem Moment.&ldquo;<br />
&bdquo;Niemals dir gegenüber, Willy. Das könnte sie nicht. Und das ist für mich das Wichtigste. Außerdem gab es Gründe dafür. Lieber so, als dass sie sich einen Spaß daraus macht.&ldquo;<br />
Willy richtete seinen Blick jetzt auf den Flur, wo Rosalinda zielstrebig auf sie zukam. Sie trug einen kleinen Teller mit klein geschnittenem Gemüse darauf.<br />
&bdquo;Hier, Männers! Zur Stärkung.&ldquo;<br />
Frank lächelte und nahm ihr den Teller ab. &bdquo;Komm! Setz dich zu uns.&ldquo;<br />
Rosalinda zeigte eine entschuldigende Geste. &bdquo;Sorry, aber Madre braucht Hilfe.&ldquo; Sie sah auf das Tablet herunter. &bdquo;Und? Seid ihr weitergekommen?&ldquo;<br />
Willy sah zu ihr auf und nickte. &bdquo;Wir werden eine geile Zeit haben, Süße. Übermorgen sind wir schon um diese Zeit in Dublin.&ldquo; Er merkte auf, als es an der Tür klingelte. Das musste Georg sein. &bdquo;Ich mache ihm auf!&ldquo;<br />
Für Georg war es ein vertrautes Gefühl, wenn er bei Beckmanns zu Besuch kam. Er war mit dem Paar schon befreundet gewesen, als seine Hedi noch gelebt hatte. Liebe Menschen. Nur leider sehr konfliktbehaftet. Zwar lagen ein paar Häuser zwischen seinem und ihrem, aber von den direkten Nachbarn wusste er, dass es hier immer mal wieder sehr laut zuging.<br />
Für seine Tochter war dies zu einem zweiten Zuhause geworden. Ein Zufluchtsort, in welchem sie viel Zeit verbracht hatte. Meist bei Franziska im Zimmer, aber eben oft auch bei Heidrun. Vieles, was man im Haushalt zu bewerkstelligen hatte, war Rosalinda von der Mutter beigebracht worden. Man könnte klischeehaft Frauensachen sagen, aber für seine Kleine eine Bereicherung, von welcher sie zeit ihres Lebens profitieren würde. So wie jetzt auch der Umgang mit Emilia. Eine lebensbejahende Erfahrung, welche ihr nur guttun konnte.<br />
Die Tür öffnete sich und Willy trat hinaus auf die Veranda. Eine kurze Umarmung, dann wurde er von dem blonden jungen Mann ins Haus hinein gebeten. Rosalindas Freund sah aus wie eh und je. Auch so ein Punkt, welchen er an seiner Tochter besonders fand. Sie hatte ihren Freund nicht zu ändern versucht. Ganz im Gegenteil, sie bestand regelrecht darauf, dass er so blieb, wie er war.<br />
&bdquo;Macht deine Mutter ihre Rouladen?&ldquo;, fragte Seydlitz, seine Nase in die Höhe hebend. &bdquo;Es riecht fantastisch.&ldquo;<br />
Willy nahm ihm den Mantel ab und hing diesen mit Hilfe eines Bügels an der Garderobe auf. &bdquo;Nur für dich, Georg. Sie will über deinen Kopf hinweg beim Herrgott ein gutes Wort für sich einlegen.&ldquo;<br />
&bdquo;Das schafft sie souverän, die Gute.&ldquo;<br />
Der Junge ging voraus ins Wohnzimmer, wo Frank gerade dabei war, den Tisch zu decken. Der Geistliche sah sich um, doch von seiner Tochter war nichts zu sehen.<br />
Willy deutete auf die Küche, wo das Klappern von Geschirr zu hören war. Anscheinend wurden größere Teile abgespült. &bdquo;Ros hilft Ma. Müsste auch gleich da sein.&ldquo;<br />
&bdquo;Wie geht es der Kleinen?&ldquo;, fragte Seydlitz, im Raum stehen bleibend. Er reichte Frank die Hand und klopfte ihm auf die Schulter.<br />
&bdquo;Die hilft den beiden, indem sie weder schreit noch anderweitig Rabatz macht.&ldquo; Er wandte sich zum hinteren Teil des Hauses um. &bdquo;FRANZI! ESSEN!&ldquo;<br />
Die junge Mutter trat ein paar Minuten später, gekleidet in einem roten Jogginganzug, ins Wohnzimmer. Sie war erschöpft, man konnte es ihr in aller Deutlichkeit ansehen. Die Sorge um die Kleine verlangte ihr in den letzten Tagen einiges ab.<br />
&bdquo;Hallo Georg!&ldquo; Eine flüchtige Umarmung, dann setzte sie sich auch schon an den Esstisch. Sie schien noch nicht so recht aus ihrem Schlaf herausgefunden zu haben. &bdquo;War die Kleine ruhig? Ich habe nichts gehört.&ldquo;<br />
Frank legte seiner Tochter die Hand auf die Schulter. &bdquo;Mutter und Ros haben sich um sie gekümmert. War die ganze Zeit über mucksmäuschenstill.&ldquo;<br />
Franziska schloss die Augen, schüttelte ihren Kopf und warf einen flüchtigen Blick auf ihr Handy, um es anschließend zur Seite zu legen. Sie sah hinüber zu ihrem Bruder, welcher ihr gegenüber Platz genommen hatte. &bdquo;Ich beneide euch so. Scheiße! Wenn ihr erst einmal weg seid, wird das hier doch noch schlimmer.&ldquo;<br />
&bdquo;Tut mir leid. Das nächste Mal seid ihr dabei, okay?&ldquo;<br />
&bdquo;Versprichst es mir? Ich bräuchte so dringend mal was anderes.&ldquo;<br />
Rosalinda trat in diesem Moment aus der Küche heraus, einen großen Schmortopf in den Händen haltend. Heidrun folgte ihr und stellte die Töpfe mit den Kartoffeln und dem Gemüse auf den Tisch. &bdquo;Den Salat können wir später holen. Jetzt essen wir erst mal.&ldquo;<br />
Die Mexikanerin kehrte in die Küche zurück und holte die Trageschale mit dem Säugling. Ein Blick zu Franzi, gefolgt von einem Lächeln. Die junge Mutter hatte nichts dagegen, dass Rosalinda das Mädchen an ihre Seite stellte.<br />
&bdquo;Irgendetwas, was du nicht auf die Kette kriegst. Das würde mich wirklich beruhigen. Du bist mir unheimlich&ldquo;, stellte Willys Schwester fest.<br />
Rosalinda überblickte den Tisch, während Frank es übernahm, die Teller zu füllen. Sie hatte Hunger. So klang ihre Antwort beiläufig in Franziskas Richtung. &bdquo;Da gibt es einiges. Nur willst du das nicht sehen.&ldquo;<br />
Willys Schwester winkte ab. &bdquo;Ach, ist auch egal. Bin ja froh, dass du da bist und hilfst.&ldquo; Sie beobachtete ihren Vater dabei, wie er ihr auftat. &bdquo;Tut ihr mir einen Gefallen? Schickt mir keine Fotos! Könnt ihr mir alles zeigen, wenn ihr wieder da seid. Okay?&ldquo;<br />
Die Mexikanerin sah zu ihrer Freundin hinüber. Ihr Gesicht blieb dabei frei von jedem Ausdruck. Empfand sie so etwas wie Mitgefühl? Man sah es ihr einfach nicht an. Georg ärgerte es, dass er in Momenten wie diesem seine Tochter nicht einzuschätzen vermochte.<br />
Es waren solche Stimmungen wie diese gewesen, welche Rosalinda ein Stück weit von den Erlebnissen und Erfahrungen ihres mexikanischen Lebens hatten gesunden lassen. In dem Kreis solcher Menschen musste sie sich keine Gedanken machen, ob ihr jemand schaden wollte. Nicht jedes Wort, welches sie hörte, abwiegen, ob es einen versteckten Sinn haben könnte. Gab es hier jemanden, der sich gegen sie verschwören oder ihr den Rang streitig zu machen suchte? In dieser Runde wirkten solche Befürchtungen lächerlich auf sie.<br />
Ein jeder war mit seinen Sorgen, Wünschen und auch Nöten beschäftigt, doch galt es hier nicht als Schwäche, über sie zu sprechen. Man zeigte Anteilnahme, bot Hilfe an, gab ein wenig körperliche Nähe und sah sich als eine Gemeinschaft, welche ohne Gewalt und dem Wunsch, das eigene Wohl über das eines anderen zu stellen, auskam.<br />
Rosalinda fühlte ihren Wert. Sie sah sie mittlerweile sogar als festen Bestandteil ihres Lebens an. Doch stellte sie immer wieder fest, dass ihr die eigene Bedeutung innerhalb einer solchen nicht reichte. Auch brauchte sie jemanden, mit dem sie sich messen konnte. Sie spürte in sich den Drang, etwas Besonderes zu leisten und von den Menschen nicht nur geachtet, sondern auch gefürchtet zu werden. Für ihr neues Gefolge wollte sie wieder Entscheiderin, Klägerin, Richterin und Generälin sein. Doch wollte sie dabei mit den Mündern anderer sprechen und sich maximal bedeckt halten. Jeder sollte wissen oder zumindest ahnen, dass sie die Leaderin war, aber keiner, abgesehen von ihrem engsten Kreis, sollte die abschließende Gewissheit erhalten.<br />
So sehr sie auch ihre Familie hier liebte. Dieses tägliche Einerlei erdrückte sie schon nach kurzer Zeit. Das Leben sollte ihr Abwechslung bieten, Aufgaben und Gefahren, welche sie, Rätseln gleich, zu lösen hatte. Georg würde das niemals verstehen oder akzeptieren können. Willy ebenso wenig. Das war ihre Schattenseite, welche die beiden erahnten, aber zu ignorieren suchten. Schon zu ihrem Schutz würde sie sich den Menschen gegenüber, welche sie am meisten liebte, nicht öffnen können. Franzi würde sie wahrscheinlich verstehen und auch Frank, der biedere Familienvater, klagte ständig über die Tristesse seines kleinbürgerlichen Lebens. Doch wäre es absurd, einen von ihnen in die geplanten Strukturen, welche sie in Berlin schaffen wollte, einzubeziehen. Käme es raus, wäre in solch einem Fall Willy Geschichte für sie, diese Gewissheit hatte sie.<br />
Franzi erzählte gerade von dem Amerikaner, mit welchem sie sich auf dem Stützpunkt während der Geburtstagsfeier angefreundet hatte. Zwanzig Jahre alt, aus New York stammend, schien er ein munteres Wesen zu haben, wirkte sportlich und energievoll und hatte ein offenes, manchmal kindliches Wesen. &bdquo;Typisch Ami halt&ldquo;, meinte Willys Schwester noch. Sie suchte nach Gründen, welche gegen eine Beziehung sprachen, selbst ahnend, dass sie sich bereits verliebte.<br />
&bdquo;Erzähl von ihr!&ldquo;, riet der Bruder. &bdquo;Es würde ihm wahrscheinlich wie ein Betrug vorkommen, baust du zu ihm eine Bindung auf und hältst ihm diesen wesentlichen Teil deines Lebens vor.&ldquo;<br />
Rosalinda empfand Stolz gegenüber ihrem Freund. Er sah die Dinge meist sehr klar und fühlte sich in jeden Menschen souverän hinein. Wie könnte sich dieser fühlen, welche Richtung nahmen seine Gedanken, wo lagen dessen Interessen, welche Ziele könnte er verfolgen.<br />
&bdquo;Und dann verpisst er sich?&ldquo;, fragte Franziska.<br />
Willy blickte sie nachdenklich an. &bdquo;Wenn es der Falsche ist, wahrscheinlich.&ldquo;<br />
&bdquo;Und wenn ich ihm sage, dass ich mich einfach nur mal von ihm bumsen lassen möchte?&ldquo;<br />
Georg sah erschrocken zu der Freundin hinüber, aber auch deren Eltern hatten mit diesem Ausdruck ihres Verlangens zu kämpfen.<br />
&bdquo;Wie wäre es, wenn du wieder um das kämpfst, was du haben willst? Hat doch bei Emilia auch geklappt&ldquo;, schlug Rosalinda vor. Sie hatte inzwischen aufgegessen und lud sich eine zweite Portion auf ihren Teller. Es störte niemanden. Durch den vielen Sport hatte sie einen höheren Energiebedarf als andere Menschen.<br />
Willys Schwester sah fragend zu ihr hinüber. &bdquo;Wie meinst du das?&ldquo;<br />
&bdquo;Na, wenn du ihn wirklich haben willst und alles dafür tust, bekommst du ihn auch. Musst dich halt ins Zeug legen.&ldquo; Sie wollte schon die erste Gabel zu ihrem Mund führen, als sie ihren Rat komplettierte. &bdquo;Du hast die Kleine bekommen, weil du sie wolltest und Holger klargemacht, dass er sich von ihr fernzuhalten hat. Du musst doch selbst sehen, dass du viel erreichen kannst, wenn du dich reinhängst.&ldquo;<br />
&bdquo;So wie du es immer machst, schon klar. Ich bin anders als du, Ros. Du weißt das genau.&ldquo;<br />
Die Mexikanerin aß weiter, hob ihre Schultern und schien schon wieder in Gedanken woanders. So war es Heidrun, welche ihren Gedanken aufnahm und weiterführte.<br />
&bdquo;Mag sein, Schatz. Aber Ros hat irgendwo recht. Wenn du etwas wirklich wolltest, hast du es eigentlich auch immer bekommen. Dein Bruder ist auch so. Erinnere dich, wie er sich abgerackert hat, um sich das Handy kaufen zu können, welches er unbedingt haben wollte. Er hat sämtliche Rasen unserer Nachbarn mit unserem Mäher getrimmt.&ldquo;<br />
&bdquo;Der seitdem kaputt ist. Ich muss mir jetzt immer Georgs leihen&ldquo;, gab der Vater zu bedenken.<br />
&bdquo;Du könntest ihn natürlich auch reparieren lassen oder einen neuen kaufen&ldquo;, schlug Heidrun vor.<br />
&bdquo;Das mache ich selbst. Hab nur bisher keine Zeit gehabt&ldquo;, stellte Frank fest.<br />
In diesem Moment fühlte der ganze Tisch, dass ein neuer Sturm aufzog.<br />
&bdquo;Ich wollte Willy und habe mich um ihn bemüht. Dann schaffst du es mit deinem Ami auch.&ldquo;<br />
Franziska lachte auf. &bdquo;Willy? Bemüht? Ros, du träumst. Mein Bruder war schon immer verknallt in dich gewesen. Und dass du dich zu ihm herunterlässt, kam ihm wahrscheinlich wie ein Wunder vor. Ging uns ja nicht anders.&ldquo;<br />
Die Miene der Mexikanerin hatte sich mit jedem Wort Franziskas weiter verfinstert. Georg bemerkte es, aber auch Willy. Beide hofften, dass sich Rosalinda jetzt beherrschen würde.<br />
&bdquo;Im Gegensatz zu dir weiß dein Bruder ganz genau, was ich für ein Mensch bin. Seine Parameter sind völlig anders als deine. Glaubst du, er kann ignorieren, dass ich eine Mörderin bin? Glaubst du, er hat nicht jeden Tag davor Angst, dass ich rückfällig werden könnte? Jemand Gewalt antue, weil es für mich der einfachste Weg ist, ein Problem zu lösen, und es mir Spaß macht? Meine Möglichkeiten nutze, um an das zu kommen, was euch verwehrt bleibt?&ldquo; Sie schüttelte ihren Kopf. &bdquo;Dein Bruder ist der einzige Mann, der mir meine Grenzen aufzeigt. Das kann niemand, der schwach ist. Und er wird für sich genau entschieden haben, ob er mich bei sich haben möchte oder nicht. Also hör auf, ihn immer nur als Deppen zu sehen.&ldquo;<br />
Franziska schwieg. Sie war beleidigt. Rosalinda hatte Recht, das machte es noch schlimmer. Ihr Bruder hatte je her seine eigene Stärke gehabt. Sie stand nur völlig konträr zu der gängigen Norm. Auf seine Weise hatte er Chili ja wirklich erobert. Hätte er sich ihr gegenüber anders verhalten, wären die beiden jetzt nicht zusammen. Und dass sie ihn so energisch verteidigte, zeigte jedem auf, wie sehr sie ihn liebte. Es fiel ihr so schwer, den beiden ihr Glück zu gönnen.<br />
Sie selbst war immer die Hübsche gewesen. Die Coole. Ihr Bruder war dagegen der Depp, über den gelacht wurde. Für sie war immer die Gewissheit da gewesen, dass sich dies nicht ändern würde. Und jetzt? Sie war die Bekloppte, und er checkte das Leben.<br />
&bdquo;Nimm das nächste Mal Emilia mit!&ldquo;, schlug Willy schließlich vor. &bdquo;Dann brauchst du ihm gar nicht weiter von ihr zu erzählen. Mutti kann sie dann holen kommen, damit ihr auch Zeit für euch habt.&ldquo;<br />
Franziska sah zu ihrer Mutter hinüber, welche ihr zunickte. Sie war also einverstanden.<br />
&bdquo;Ich hab einfach Schiss, dass es nicht klappt&ldquo;, flüsterte Franziska schließlich.<br />
Rosalinda schien kein Interesse mehr an dem Gespräch zu haben, beugte sich über den Tisch und blickte in die Pfanne und Töpfe. &bdquo;Will jemand noch etwas davon?&ldquo;<br />
Frank lachte. &bdquo;Nee, mach fertig, Kleine!&ldquo;</p>
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		<title>La pulga que mata Teil 16</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Japakl75]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Mar 2026 07:43:44 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Liebesnacht Rosalinda öffnete schon im Hausflur ihren Gürtel und drückte die Knöpfe ihrer Hose auf. Willy folgte ihrem Handeln, stöhnte und fingerte schon sein Glied aus der Unterhose heraus. Hektisch&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Liebesnacht<br />
Rosalinda öffnete schon im Hausflur ihren Gürtel und drückte die Knöpfe ihrer Hose auf. Willy folgte ihrem Handeln, stöhnte und fingerte schon sein Glied aus der Unterhose heraus. Hektisch schloss Rosalinda die Wohnungstür auf, drückte mit ihrer Schulter dagegen und verschwand sogleich im Badezimmer, Willy dabei hinter sich herziehend.<br />
&bdquo;Die Wohnungstür! Sie ist nicht zu!&ldquo;<br />
Rosalinda war es egal. Sie schloss hinter ihrem Freund die Badtür ab, dann beugte sie sich auch schon über das Waschbecken.<br />
&bdquo;Los, steck ihn rein! Ich bin klitschnass!&ldquo; Ihr ganzer Körper zitterte in diesem Moment vor Erregung. Sie fühlte, wie sich Willys linke Hand über ihre linke Hüfte legte, dann einen intensiven Druck an ihrer Scheide, welcher aber sofort wieder nachließ. Stattdessen glitt sein kräftiger Schwanz in ihr Innerstes und füllte sie auf prägnante Weise aus. &bdquo;AUAAAHHHHAAA!&ldquo;, hechelte sie, doch wandelte sich ihre Schmerzlust immer mehr zum Wohlgefallen. Dennoch war dieses anfängliche Gefühl extrem gewesen und hatte all ihre Sinne konzentriert.<br />
&bdquo;Scheiße, Schatz!&ldquo;, stöhnte Willy. Er entzog sich ihr abrupt und entlud seinen Samen über ihren Rücken. &bdquo;Das tut mir leid. Aber ich war so geil auf dich.&ldquo;<br />
Rosalinda ließ ihren Kopf sinken. &bdquo;Ach Scheiße! Steck ihn noch mal rein! Bitte, Willy!&ldquo;<br />
&bdquo;Ich brauch ne Pause. Bitte, Baby!&ldquo; Seine Stimme klang entschuldigend. &bdquo;Komm! Dreh dich um, ja?&ldquo;<br />
Sie tat ihm den Gefallen, blickte zu ihm auf, sah, wie sein Gesicht sich dem ihren näherte. Ihre Lippen trafen sich, dann spielten ihre Zungen miteinander. Rosalinda aber zuckte zusammen, als zwei seiner Finger in ihre Spalte hineinfuhren und über deren oberen Rand rieben.<br />
&bdquo;Mike!&ldquo; Esmes Stimme drang wie aus weiter Ferne in das Ohr des Handwerkers.<br />
&bdquo;Du, ich schlafe gerade. Reden wir morgen?&ldquo;<br />
Esme lächelte und legte ihre rechte Hand auf die Brust des neben ihr liegenden Zimmergenossen. Sie wohnten jetzt beide seit Wochen in dem mittelgroßen Wohnraum und hatten trotz aller Unterschiede ein harmonisches Verhältnis zueinander aufgebaut. Sie liebten beide eine gewisse Ordnung und rückten sich nicht gegenseitig auf die Pelle. Und Mike hatte bisher nicht ein einziges Mal versucht, ihr näherzukommen. Er schien sich unter Kontrolle zu haben, was ihr sehr gefiel.<br />
Eine für Esme ungewohnte Konstellation. Sie sog normalerweise die Aufmerksamkeit der Männer auf wie ein Schwamm. Sie war schon häufig gestalkt worden, und selbst kurze, nett gemeinte Floskeln in die Richtung des anderen Geschlechts lösten heiße Liebesstürme aus, welche sich dann mit ihrer Ablehnung in Hass und Anfeindung wandelten.<br />
Mike war völlig anders gestrickt. Er war zwar ein Frauenheld, wie sie von Dörte wusste, hatte sich aber, seit er sich in die mollige Kommilitonin verguckt hatte, nicht mehr auf eine andere Frau eingelassen. Und Dörte? Sie fand den Mann primitiv und unwürdig, hielt ihn aber hin und damit für sich in Reserve. Ein ziemlicher Arsch, wie Esme fand.<br />
Esme schüttelte ihren Kopf, hörte das deutliche Stöhnen der Mexikanerin und fühlte dadurch die eigenen Gelüste immer deutlicher in sich. Was sollte sie sagen? Seitdem die Sache mit Georges in aller Deutlichkeit geklärt worden war, fühlte sie sich frei und offen. Auch wieder für Sex.<br />
Vorsichtig tastete sie mit ihrer linken Hand unter die gemeinsame Decke in Richtung Mike, fühlte mit ihren Fingern den Stoff seines Slips, dann die von ihr gesuchte Ausbuchtung, welche sein Glied und seine Hoden dort verursachten.<br />
&bdquo;Mike!&ldquo; Ganz sachte strich sie mit ihren Fingern über den Penis des Mannes. Sie hatte leichtes Spiel, er begann sich ohne Umschweife mit Blut zu füllen. Wahrscheinlich hatte Mike in der letzten Zeit nicht oft die Gelegenheit gehabt, sich Erleichterung zu verschaffen.<br />
&bdquo;Ist was passiert?&ldquo;, knurrte er verschlafen.<br />
&bdquo;Hörst du sie nicht?&ldquo;, flüsterte Esme.<br />
&bdquo;Die Ros-Willy-Show?&ldquo; Er schmatzte. Es wollte nicht zur Situation passen. Zumal er noch immer nicht verstand, dass ihre Hand mit seinem Schwanz spielte. &bdquo;Hören wir die nicht jeden Abend?&ldquo;<br />
Esme kicherte. &bdquo;Wie wäre es denn, wenn sie heute Nacht uns hören würden?&ldquo; Demonstrativ rieb sie nun mit ihrer ganzen Handinnenfläche über sein mittlerweile erigiertes Glied.<br />
&bdquo;Du willst ficken?&ldquo;, fragte er erstaunt. Erst jetzt begriff er, was sie da mit ihm anstellte.<br />
Esme nickte. &bdquo;Ja, und wie. Ich habe seit Wochen nicht mehr.&ldquo; Sie griff mit ihrer freien Hand nach dem Lichtschalter der Nachttischlampe.<br />
Mike rollte sich auf die Seite, stützte seinen Kopf auf der rechten Hand ab und streckte seine Linke nach ihr aus, um sie vorsichtig an der Schulter zu berühren. &bdquo;Bist du dir sicher? Macht das nicht alles zwischen uns kaputt?&ldquo;<br />
Sie staunte. &bdquo;Was meinst du?&ldquo; Sie wusste es in diesem Moment wirklich nicht.<br />
Er sah sie an und schien mit seiner Antwort zu zögern.<br />
&bdquo;Jetzt sag schon!&ldquo;, forderte sie von ihm.<br />
&bdquo;Ich habe dich gerne hier. Als du gestern gemeint hattest, die Sache mit dem Arschloch hätte sich geklärt, da habe ich mich nicht für dich freuen können.&ldquo;<br />
Jetzt begriff sie. &bdquo;Du willst mich hier behalten?&ldquo;<br />
&bdquo;Ja. Es macht Spaß mit dir. Solch ein Verhältnis kenne ich sonst nicht gegenüber Frauen. Für so &sbquo;ne Schickse bist du erstaunlich unkompliziert.&ldquo;<br />
Sie lachte. &bdquo;Du bist auch weit weniger Kerl als anfangs angenommen. Ich hatte fest geglaubt, du würdest früher oder später deine Miete einfordern.&ldquo;<br />
Er sah sie bestürzt an. &bdquo;Ich hatte schon oft &sbquo;nen Steifen wegen dir. Aber deshalb würd ich dich nicht nötigen. Schon krass, dass du so von mir denkst.&ldquo; Er war für den Moment beleidigt. Spürte ihre Hand weiter an seinem Glied, ließ es aber trotz seiner Enttäuschung weiter zu.<br />
&bdquo;Darf ich dich auch&#8230;?&ldquo;, fragte er schüchtern. Vorsichtig schob er seine Hand über ihren Brustansatz.<br />
&bdquo;Na, ich habe dich nicht gefragt, oder?&ldquo; Demonstrativ wichste sie seinen Schwanz weiter, dessen Spitze schon eine klebrige Feuchte bekommen hatte. &bdquo;Hast du keine Lust?&ldquo;, fragte sie ihn eindringlich.<br />
Scheiße! Er zögerte ihr gegenüber wirklich. Trotz dessen er längst in Fahrt war. Kein Wunder, die Frau war Weltklasse. Er beschloss, ihr gegenüber Klartext zu reden. &bdquo;Ganz ehrlich? Willy ist &sbquo;ne große Nummer im Bumsen. Da fragt man sich zwangsläufig, ob man da mithalten kann. Und seit Dörte mich nur als Notnagel sieht und insgeheim gerne selbst vom Dicken verwöhnt werden möchte&#8230;&ldquo;<br />
&bdquo;Ja, ich weiß. Sie kann Rosis Liebesspeck mega gut leiden. Und ganz ehrlich. Wir alle haben uns mittlerweile gefragt, wie sich Willy anfühlt.&ldquo;<br />
&bdquo;Du würdest dich von ihm vögeln lassen, wenn Ros nicht wäre?&ldquo;<br />
Esme wollte ehrlich sein. &bdquo;Bei seinem Potenzial? Klar, warum nicht?&ldquo;<br />
&bdquo;Krass. Der Mann hat echt &sbquo;ne Sahne.&ldquo;<br />
&bdquo;Du doch auch. Ich verstehe dein Problem nicht. Er fühlt sich doch gut an.&ldquo; Sie intensivierte ihr Handeln in seinem Schritt noch.<br />
&bdquo;Nicht so hart, sonst bin ich fertig, bevor wir angefangen haben.&ldquo;<br />
Sie lachte. &bdquo;Ja, okay. Aber dann mach jetzt auch! Hast du ein Gummi?&ldquo;<br />
Mike ließ sich nicht zweimal bitten, kletterte aus dem Bett, fischte seine Börse aus der blauen Arbeitshose und entnahm ihr ein Tütchen. Er beeilte sich, kam an ihre Seite und griff, sich auf sie besinnend, vorsichtig nach ihrer vollen Brust und massierte sie ehrfürchtig in seiner Hand. Esme schloss ihre Augen, während sich eine intensive Wärme in ihrem ganzen Körper ausbreitete. Sie fühlte, wie er ihr näher kam, spürte seine Lippen an der linken Seite ihres Halses und das unangenehme Piksen seiner Bartstoppeln auf ihrer Haut. Sie musste sich in diesem Moment zusammenreißen, um die Berührung zuzulassen. Er hob jetzt seinen Kopf, blickte auf sie herunter, küsste sie auf die Nippel ihrer Brust, dann auf den sportlichen Bauch. Seine Hand legte sich auf der Außenseite ihres Oberschenkels, worauf sie ihn anwinkelte, um ihren Schoß für ihn zu öffnen.<br />
Sie stöhnte auf, als nun auch seine Finger sich unter den Stoff ihres Höschens schoben. Mit einem sanften Reiben über ihre Scheide verteilte Mike vorsichtig ihre Feuchte, anschließend wurden seine Handlungen immer fordernder. Tief versenkte er seine Finger in ihrem Geschlecht, rieb mit ihnen über ihre empfindlichste Stelle, dann entzog er ihr seine Hand, rutschte zur Mitte des Bettes und kam mit seinem Kopf über ihre Scham.<br />
Esme verlor sich in der unglaublich gefühlvollen Stimulation seiner Zunge. Der Mann wusste, was er tat, ließ mal sanft, dann wieder grob sein Organ durch ihre Scham streichen, um dann mit dessen Spitze ihre Perle zu umschmeicheln.<br />
Die junge Blondine schloss ihre Augen, legte ihre beiden Hände über seinen Hinterkopf, zog die Beine zu sich heran und spreizte sie so weit, wie es ihr nur möglich war. Langsam aber stetig baute Mike an ihrem Lustgefühl, bis sie kurz vor ihrem Höhepunkt stand.<br />
&bdquo;Komm! Hör jetzt auf! Steck ihn rein, ich bin soweit.&ldquo;<br />
Er lächelte, küsste sich über ihren Bauch hinweg, schob seinen Oberkörper über den ihren und führte mit seiner rechten Hand seinen Penis an ihre Vulva.<br />
Es war schön, als er widerstandslos in sie hineinfuhr. Kein hartes Ficken, kein mega intensives Gefühl, aber eben unglaublich schön. Esme keuchte auf, als Mike nun härter vorging und mit kräftigen Stößen ihr Geschlecht massierte.<br />
Rosalinda hatte gerade fertig geduscht und ließ ihren nackten Willy an sich vorbeitreten, als sie das Liebesgeräusch im Nachbarzimmer hörte.<br />
&bdquo;Esme und Mike haben sich endlich gefunden. Geil! Dann ist die bekloppte Dörte endlich Geschichte. Wie ich das diesem Aas gönne!&ldquo;<br />
Willy lauschte ebenfalls für einen Moment, sah sie aber dann verständnislos an. &bdquo;Dass du sie immer noch so hasst&#8230;&ldquo;<br />
Sie sah ihn entnervt an. &bdquo;Sie ist falsch und böse. Jeden Moment, den ich mit ihr verbringen muss, würge ich innerlich.&ldquo;<br />
Er stellte demonstrativ das Wasser an. Sie verstand. Ihr Diss wurde ihm zu viel. Er wollte einfach mit jedem Menschen auskommen. Und meistens schaffte er das auch, ganz im Gegensatz zu ihr selbst. Sie glaubte, ziemlich schnell klar zu sehen, und wenn es da jemanden gab, der ihren Wertvorstellungen nicht gerecht werden konnte, hatte er es meist dauerhaft bei ihr verkackt.<br />
&bdquo;Ooohhh Mike!&ldquo;, äffte Rosalinda ihre Freundin nach und lachte. &bdquo;Das, was er bei Dörte nicht hinbekommen hat, gelingt ihm beim Blondi souverän. Wieder hat deine Sis Recht behalten. Ist das Gefühl füreinander da, klappt es auch beim Ficken.&ldquo; Sie öffnete die Kabinentür, ließ ihre Rechte auf sein Gesäß herunterklatschen und grinste breit, als er entrüstet protestierte. &bdquo;Bis gleich, mein Baby. Bei all dem Gebumse in dieser Wohnung möchte ich gleich noch einmal.&ldquo;<br />
Treffen in der Nacht<br />
Esme sah auf ihre Armbanduhr. Sie war glücklich in diesem Moment. Befreit von einer extremen Last, beschwingt durch ein Gefühl von Macht, welches sie noch nie in ihrem Leben gefühlt hatte, und einem Liebesakt, der ihr etwas gab, was einfach besonders für sie gewesen war. Mike gab ihr das Gefühl, als Mensch gemocht zu werden und nicht nur als Püppchen, an dessen Seite man sich zeigen wollte.<br />
Das war einer der Dinge, welche sie von Anfang an bei Rosalinda beneidet hatte. Sicher, die Latina war attraktiv, aber sie strahlte auch etwas Respektgebietendes aus, und das vom ersten Augenblick an. Auch ein Grund, warum sie von Rosalinda lernen wollte. Sie wollte kein langweiliges Leben mehr, als Frau respektiert und wahrgenommen werden und ein Umfeld haben, welches sie trug und schützte. Und dass Rosalinda für ihre Freunde Verbrechen beging, wenn es notwendig wurde, hatte sie ja schon live erleben dürfen.<br />
Ein Glas Wasser in der Hand hing sie ihren Gedanken nach. Rosalinda würde gleich in die Küche kommen, sie hatten sich geschrieben. Es war so unwirklich gewesen. Sie hatte sich völlig blind mit fünf weiteren ihr unbekannten Personen getroffen. Männer, welche nur wenige Worte mit ihr wechselten. Sie waren mit Pistolen bewaffnet gewesen, wie sie erschrocken festgestellt hatte. Rosalinda gebot über ein Arsenal an Überraschungen, welches sich kaum überblicken ließ. Sie rechnete mittlerweile mit allem.<br />
Sie hörte leise eine der Zimmertüren gehen, dann tauchte die verschlafen dreinblickende Freundin auf. Sie blinzelte hinauf ins Deckenlicht, schloss unhörbar die Tür und trat dann an Esme heran, um sie zu umarmen. &bdquo;Du hast es getan! Ich bin stolz auf dich.&ldquo;<br />
Die blonde Frau sah zu der Mexikanerin auf und nickte, das ganze Ausmaß ihrer Handlungen noch nicht überschauend.<br />
&bdquo;Ja, bei Georges. Ich hätte nie geglaubt, dass ich zu so etwas in der Lage wäre. Aber ich hab nur in sein verheultes Gesicht sehen müssen, sein Wüten, dann sein Flehen, plötzlich war es mir ein Leichtes. Er war der Letzte. Ich habe bei den anderen zugesehen, wie man es macht. Einmal mit der Schere angesetzt, kräftig gedrückt und der Finger war ab.&ldquo;<br />
Rosalinda trat an den Kühlschrank, öffnete dessen Tür und nahm sich einen Joghurtbecher. &bdquo;Magst auch einen?&ldquo;<br />
Esme war einverstanden.<br />
&bdquo;Ihr habt sie verarztet?&ldquo;<br />
&bdquo;Ja, keine Sorge. Sie waren auch mit allem einverstanden. Sie werden künftig zahlen und ihr Schwarzgeld über uns waschen.&ldquo;<br />
&bdquo;Maria, René und Holger werden sie die nächste Zeit dennoch im Auge behalten müssen. Ich traue dem Braten noch nicht. Trotzdem würde ich es schade finden, wenn das nächste Mal ihre Gesichter dran glauben müssten.&ldquo;<br />
&bdquo;Gesichter?&ldquo; Esme sah erschrocken zu Rosalinda auf.<br />
&bdquo;Ja. Wir schneiden ihre Mundwinkel ein und treten sie dann zusammen. Sie werden dann ihr restliches Leben lang im Spiegel sehen, mit wem sie sich angelegt haben.&ldquo;<br />
&bdquo;Geht das nicht zu weit, Ros?&ldquo;<br />
&bdquo;Solche Affen respektieren einen nicht anders. Vergiss nicht, dass wir in ihren Augen schwache Frauen sind. Also zeigst du ihnen gegenüber Härte und Entschlossenheit. Zögerst du, zeigst du Mitleid, tanzen dir die Leute auf der Nase herum. Meistens diejenigen, welche von dir abhängen.&ldquo;<br />
&bdquo;Bringst du mir auch irgendwann das Schießen bei?&ldquo;, fragte die Informatikstudentin, sich an die Pistolen der Männer erinnernd.<br />
Rosalinda sah die Deutsche nachdenklich an, dann verneinte sie. &bdquo;Nee. Ich nicht. Das wird Romina machen. Sie wird dann auch ein Depot anlegen, auf welches du zugreifen kannst.&ldquo;<br />
&bdquo;Depot?&ldquo; Esme sah sie mit großen Augen an.<br />
Die Latina nahm sich einen Löffel, dann setzte sie sich zu ihr. &bdquo;Schusswaffen und Sprengstoffe sind das letzte Mittel. Wenn wir alles richtig machen, wirst du sie nur ab und an reinigen müssen oder mit Romina nach Polen fahren, um dort Schießen zu üben. Zumindest solange, bis wir im Berliner Umkreis eine vertrauenswürdige Anlage gefunden haben.&ldquo;<br />
Esme fühlte ein prägnantes Kribbeln in ihrem Bauch. Eine ähnliche Aufregung wie damals bei der ersten Liebe.<br />
&bdquo;Es hat sich geil angefühlt, dieses Schwein vor mir auf den Knien zu sehen. Ich habe es ihm gegönnt. Er hat geschrien wie ein kleines Kind!&ldquo;<br />
&bdquo;Er hat dich nicht erkannt?&ldquo;<br />
Esme verneinte. &bdquo;Ich habe kein Wort gesagt. Auch die anderen nicht. Wir haben ihnen auf dem Tablet den Text gezeigt, welchen du verfasst hast, sie waren einverstanden.&ldquo;<br />
&bdquo;Sehr gut. In spätestens einem Jahr stehen unsere Strukturen, und ab dann gilt es nur noch, ein sorgenfreies Leben zu führen. Du wirst sehen, es wird einfach nur geil werden.&ldquo;<br />
&bdquo;Üben wir morgen wieder?&ldquo;<br />
Rosalinda zeigte einen gequälten Gesichtsausdruck, war aber schließlich einverstanden. &bdquo;Musst du mich jagen. Sonst komme ich nicht aus dem Knick. Mir tut unten rum alles weh.&ldquo;<br />
Esme lachte. &bdquo;Willy?&ldquo;<br />
Die Mexikanerin grinste und nickte. &bdquo;Wie war es bei dir und Mike? Ich habe mich diebisch gefreut, als ich euch gehört habe.&ldquo;<br />
&bdquo;Superschön. Wenn du es mir erlaubst, würde ich es gerne mit ihm versuchen.&ldquo;<br />
&bdquo;Mach! Sorge aber dafür, dass sich Dörte nur noch wenig hier blicken lässt. Ich habe es satt, mit ihr ständig den Frieden wahren zu müssen.&ldquo; Sie dachte nach. &bdquo;Mike weiß nichts von unseren Geschäften. Sorge dafür, dass es so bleibt! Es wird der Tag kommen, wo wir ihn einweihen müssen, aber lass uns versuchen, diesen möglichst weit hinauszuzögern.&ldquo;<br />
&bdquo;Meinst du, sie erwischen uns?&ldquo;, fragte Esme.<br />
Rosalinda verneinte. &bdquo;Ich sorge dafür, dass man sich nicht traut, uns zu erwischen. Und genau dafür brauche ich deine und Ritas Hilfe.&ldquo;<br />
&bdquo;Wie meinst du das?&ldquo;, wollte Esme wissen.<br />
&bdquo;Mit einem Internetdienst im Darknet. Ich erkläre euch alles. Wir werden auf der einen Seite unsere Services vermitteln, auf der anderen Seite unsere Unternehmungen absichern. Das wird total geil. Wir müssen uns nur beeilen. Spätestens in einem Jahr muss alles bereit sein.&ldquo;<br />
Esme versuchte vergebens, gegen ihre Unsicherheit anzukämpfen. &bdquo;Warum hab ich nur solchen Schiss vor den Konsequenzen?&ldquo;<br />
Rosalinda sah Esme eindringlich an, schüttelte aber ihren Kopf. &bdquo;Bleib ruhig! Es wird hier keine geben, wenn wir als Ganzes funktionieren, und dafür werde ich zu sorgen wissen. Außerdem wird man schnell spüren, dass wir das Übel in geregelten Bahnen halten, letzten Endes sogar ein Dienst für die Allgemeinheit.&ldquo; Sie grinste breit.<br />
Achtzehnte Geburtstag &#8211; Festvorbereitungen<br />
Das Verhältnis zwischen Rosalinda und den amerikanischen Behörden hatte sich deutlich entspannt. Selbst jetzt, wo sie aus schulischen Gründen noch einmal ihren Dienst auf dem Stützpunkt einschränken musste, wurde ihre und Georgs Arbeit mit viel Energie und Unterstützung gefördert. Dabei half Rosalinda, die Kinder und Jugendlichen vorsichtig für die Bemühungen der Helfer zu öffnen &#8211; für alle Möglichkeiten, welche ihnen in Deutschland geboten wurden, aber auch gegenüber ihren Familien und Gangs in Mexiko.<br />
So hatte es in der jüngeren Vergangenheit etliche Hinweise aus den Gangzellen in Richtung der Kartelle gegeben. Diese schienen verunsichert von dem damit einhergehenden Erfolg der mexikanischen Armee und amerikanischen Drogenbehörde zu sein und zogen sich aus dem Umkreis von Ciudad Juarez langsam, aber stetig zurück.<br />
Zwar handelten die Banden weiter mit Drogen und Waffen, begingen Straftaten und brachten Menschen um, doch waren die Zahlen rückläufig, und das Leben in der Stadt entspannte sich allmählich.<br />
Jane hatte sich mit der jungen Mexikanerin angefreundet und sie immer wieder dazu gedrängt, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Sie selbst hatte ihr viel Wissen vermittelt, alles über sanfte Verhörmethoden, Vertrauensgewinnung, Manipulation und Lügenerkennung beigebracht und sich immer wieder erstaunt gezeigt, wie emsig Rosalinda das Wissen für sich aufnahm und verarbeitete.<br />
Auch ihr Freund unterstützte die Arbeit mit den kriminellen Kindern auf dem Stützpunkt, spielte mit ihnen, lehrte Deutsch und zeigte ihnen, wie man bastelte und zeichnete. Er wurde geliebt und respektiert, schon allein deshalb, weil er Rosalindas Partner war.<br />
Pastor Seydlitz kümmerte sich vor allem um den Dialog mit den deutschen Behörden und Institutionen. Dabei spielten auch die Kirchen eine Rolle, welche das Programm mittlerweile finanziell und personell unterstützten. Selbst die Politik interessierte sich immer stärker für das Projekt, dessen Erfolge sich immer deutlicher zeigten. Sinkende Kriminalitätsstatistiken im Umkreis von Ciudad Juarez und El Paso, potenzielle gut ausgebildete Fachkräfte für den deutschen Arbeitsmarkt, bezahlt zum Großteil von den Amerikanern.<br />
Jane sah auf die Uhr. Es wurde Zeit, die letzten Tagesberichte zu tippen und sich dann der Fiesta zu widmen. Es sollte eine Überraschung für Rosalinda werden. Ein schwieriges Unterfangen, gerade wegen der vielen Freunde und Bekannten der Mexikanerin, welche hierzu eingeweiht worden waren.<br />
Cromwell indessen blickte von ihrem Büro aus hinunter in den Hof, wo von Soldaten des Stützpunktes Stände aufgebaut wurden, eine kleine Bühne und drei Dutzend Biertische. Zwei Feldküchen waren aufgefahren worden, an denen Köche Chili kochten und Würste sowie Grillfleisch brieten, während die ersten PKW sich die schlecht gepflasterte Zufahrtsstraße hinaufquälten. Heizstrahler wurden auf dem Gelände verteilt und angezündet, der Blick in den Himmel versprach, genauso wie der Wetterbericht, ein kühles, aber trockenes Wetter.<br />
Rosalinda! Der Name war ihr viele tausend Male durch den Kopf gegangen. Oft in Hass und Zorn, in letzter Zeit aber ersetzt von Akzeptanz und Anerkennung des von der jungen Mexikanerin generierten Informationsgewinns. Die Kleine machte einen grandiosen Job. Die Erfolge sprachen für sich. Und dort unten wurde ihr entsprechend gedankt.<br />
Ihr Blick fiel auf Pfarrer Seydlitz, der mit einer jungen Soldatin sprach und ihr dann dabei half, einen der Heizpilze aufzurichten. Dieser Mann war der Schlüssel gewesen. Es hätte keinen anderen geben dürfen. Er und dieser seltsame junge Mann, mit dem die Mexikanerin zusammen war. Liebe! Wie wenige Menschen erfuhren sie in der Reinform. Dass es ausgerechnet diese Schwerstkriminelle und Serienmörderin traf, passte ins Gesamtbild. Diese kleine Bitch hatte das Glück für sich gepachtet. Alles lief für sie am Schnürchen, sie war der Star.<br />
Neid! Ein gefährliches Gefühl, welches sich bei ihr, trotz aller Gegenwehr, immer wieder aufs Neue einstellte. Sie war selbst befördert worden, leitete eine ganze Abteilung und wurde als Spezialistin gesehen, doch würde nichts davon übrig bleiben, wenn Rosalinda aufhörte zu funktionieren. Gerade diese Abhängigkeit von dieser Anmaßung von Frau ärgerte sie besonders.<br />
Sie wandte sich zum Schreibtisch um. Dort lag ein weißer Ausdruck mit einem Antrag Rosalindas. Trotz dessen sie mittlerweile die deutsche Staatsbürgerschaft hatte, unterrichtete sie akribisch die Amerikaner über ihre Reisepläne. So war sie bisher in Dresden gewesen, Polen und jetzt sollte es nach Irland gehen. Sollte sie die dortigen Behörden verständigen?<br />
Würde eine Überwachung nötig sein? Cromwell führte einen Kampf mit sich selbst. Die alte Antipathie gegenüber dem Mädchen, es gab sie noch immer. Tiefer in ihrem Fühlen und Denken verborgen, nicht mehr vordergründig, war sie dennoch da und in aller Deutlichkeit zu spüren. Das Gefühl, dass die Kleine die gesamte DEA und auch die deutschen Behörden betrog, schwoll in ihrem Hinterkopf. Doch ohne Beweis würde ihr niemand aufgrund eines Gefühls Glauben schenken. Und wem würde es letzten Endes auch nutzen? Sie alle profitierten von Rosalindas Arbeit! In Mexiko gab es eine positive Entwicklung, was hätte es also für einen Grund dafür geben sollen?<br />
Cromwell brauchte darüber nicht lange nachzudenken. Die Genugtuung, Recht zu behalten, wäre für sie in diesem Fall ein ausreichender Lohn gewesen.<br />
Die Reise! Sollte sie Jane um Rat fragen? Nein! Sinnlos. Rosalinda hatte die junge Frau längst um ihren Finger gewickelt. Neben Mac Lean war sie zur größten Fürsprecherin für die junge Mexikanerin in Washington geworden.<br />
Sie machte sich lächerlich, wenn sie der impertinenten Göre jetzt Steine in den Weg legte. Also beugte sie sich über den Tisch, überflog noch einmal den Antrag und unterzeichnete ihn. Sollte die kleine Teufelin ihren verdienten Urlaub machen. Sie funktionierte. Besser als sie es sich je hatte träumen lassen. Auch wenn ein jahrelanger Invest dafür nötig gewesen war.<br />
Es klopfte an der Zimmertür, worauf Cromwell um Einlass bat. Sie würde später runtergehen, der kleinen Bitch gratulieren, Mac Lean und den anderen Affen ihre Reden abnehmen und dann nach Hause fahren. Auch auf die Gefahr hin, von den Aufgaben einer Ehefrau und Mutter gelangweilt zu werden.<br />
&bdquo;Was ist los, Jane? Habt ihr keinen goldenen Thron für unsere Rosalinda gefunden, auf welchen ihr sie setzen könnt?&ldquo;<br />
Jane überging den Spott und brachte völlig ungerührt ihr Anliegen vor.<br />
&bdquo;Wir würden Sie bitten, Rosalinda anzurufen. Bei jedem anderen würde sie sofort begreifen, dass wir sie überraschen wollen, aber bei Ihnen rechnet sie nicht damit. Ganz im Gegenteil, sie wird glauben, dass Sie ihr den Ehrentag vermiesen möchten.&ldquo;<br />
&bdquo;Die kleine Psychologin spricht. Herzallerliebst. Welch diebische Freude, bei diesem kleinen Komplott zu helfen. Doch nein. Belassen wir es bei dieser Farce, ich durchleide sie mit Würde und werde mich dann zu Hause mit einer Flasche Wein zum Schlaf zwingen. Suchen Sie jemand anderen, es wird sich sicher jemand finden lassen.&ldquo;<br />
&bdquo;Es war Mac Leans Idee!&ldquo;<br />
Cromwell schloss ihre Augen. &bdquo;Es darf nicht wahr sein. Dass er extra wegen ihr herge&#8230;&ldquo; Sie winkte ab. &bdquo;Egal. Was soll ich denn unserer mexikanischen Killer-Ros mitteilen? Haben Sie sich dazu Gedanken gemacht, Liebes? Oder soll ich improvisieren, auf die Gefahr hin, das so vortrefflich ausgeklügelte Vorhaben scheitern zu lassen?&ldquo;<br />
&bdquo;Ein komplizierter Neuzugang, welcher für die Reise ruhiggestellt werden musste, sich jetzt aber versucht selbst zu verletzen. Tritt jemand an ihn heran, schreit und brüllt er. Immer darauf aus, jemanden anzugreifen und zu schädigen.&ldquo; Jane sah Cromwell eindringlich an.<br />
&bdquo;Also ein Gleichnis zu ihrer eigenen Ankunft ins gelobte Land? Du bist solch ein Luder, liebe Jane. Wenn Rosalinda da anbeißt, wird sie sich ärgern, so vorgeführt worden zu sein. Sie hält sich doch immer für besonders schlau. Da haben Sie mir jetzt sogar eine kleine Freude gemacht. Blöde Gesichter sehe ich gerne, wenn mich auch ihre Überpräsenz an diesem Ort manchmal erschlägt.&ldquo;<br />
Kurz entschlossen griff sie nach dem Funktelefon auf dem Schreibtisch. Rosalindas Handynummer war in der Kontaktliste. Sie konnte sich noch gut daran erinnern, wie sie diese dort hinzugefügt hatte. Selbst erstaunt darüber, dass man ihr in dieser Richtung vertrauen wollte.<br />
&bdquo;Hallo Rosalinda. Es tut mir so schrecklich leid, dich an deinem Ehrentag zu stören, aber wir haben hier einen kleinen Satansbraten, welcher frisch reingekommen ist. Er kratzt, beißt und brüllt. Ein ganz energischer Kakerlak. Vielleicht magst du uns unterstützen? Es dauert auch nicht lange, versprochen.&ldquo;<br />
&bdquo;Cromwell. Ich hab Geburtstag. Ziehen Sie doch Ihr Ding durch! Hat doch bei mir auch funktioniert.&ldquo;<br />
Die Agentin ließ ein heiteres Lachen hören. &bdquo;Hab ich es dir nicht gesagt, Jane? Der kleine Bastard ist unserem Röslein scheißegal. Also werden wir es doch auf meine Art und Weise machen, hat sie selbst vorgeschlagen.&ldquo;<br />
&bdquo;Gib mir Jane!&ldquo;, drang Rosalindas Stimme aus dem Lautsprecher.<br />
&bdquo;Aber gerne doch. Vielleicht kannst du unsere kleine Psychotante aufheitern? Ihr scheint meine Absicht nicht zu behagen.&ldquo;<br />
&bdquo;Ros!&ldquo;, gab sich Jane kurz angebunden.<br />
&bdquo;Was ist mit dem Balg?&ldquo;<br />
&bdquo;Er macht uns fertig. Ich glaube, mir fangen bald die Ohren zu bluten an, so laut brüllt und heult er. Cromwell will ihn neben der Fixierung jetzt auch knebeln lassen.&ldquo;<br />
&bdquo;Soll sie. Hat sie bei mir auch. Falsch war es damals nicht, will ich ehrlich zu dir sein.&ldquo;<br />
&bdquo;Ist gut, Ros. Sie hatte Recht. Ich verlange da zu viel von dir.&ldquo;<br />
Die Mexikanerin schwieg. Jane ahnte, dass es in ihrem Kopf arbeitete.<br />
&bdquo;Du, ich habe hier Freunde. Wir wollten Willy von der Uni abholen und dann zu Georg. Das passt jetzt gerade wirklich nicht.&ldquo;<br />
&bdquo;Der Agent schickt den Chopper zum Krankenhaus. Von hier aus kann er dich dann auch mit deinen Freunden zusammen nach Wustermark bringen.&ldquo;<br />
Rosalinda klang genervt. &bdquo;Max &sbquo;ne halbe Stunde. Wenn er dann immer noch zickt, verpiss ich mich wieder und Cromwell ist dran.&ldquo;<br />
Jane klang ernst. &bdquo;Gut. Ich veranlasse alles. Danke, Ros. Hast etwas gut bei mir.&ldquo;<br />
&bdquo;Ja, ja. Ich werde ja nur einmal im Leben volljährig. Da ist das nicht weiter tragisch&ldquo;, ätzte die Mexikanerin.<br />
Die Feier<br />
Esme sah Rosalinda gespannt von der Beifahrerseite aus an. Ihre Freundin schien aufgrund des Anrufs aufgebracht zu sein. &bdquo;Ist was passiert?&ldquo;, fragte sie voller Sorge. Sie dachte in diesem Moment an den Pfarrer.<br />
Die Mexikanerin blickte böse in ihre Richtung, lenkte ihren Mini auf die linke Spur und hielt vor einer Ampel. &bdquo;Wir müssen zuvor noch woanders hin. Ihr könnt aber mitkommen.&ldquo;<br />
&bdquo;Ich rufe die Drei hinter uns an. Dann wissen sie Bescheid. Soll ich ihnen eine Adresse sagen?&ldquo;, fragte Mike von der Rücksitzbank aus.<br />
&bdquo;Sie sollen einfach nachkommen. Schreib du Willy, dass er runterkommen muss. Sonst haben wir kaum noch Zeit heute Abend. Mein Gott, ätzt mich das gerade an.&ldquo;<br />
&bdquo;Willst du uns nicht sagen, was los ist?&ldquo;, fragte Esme noch einmal. Rosalinda warf ihr einen frustrierten Blick zu, dann verneinte sie. &bdquo;Das ändert ja nichts.&ldquo;<br />
Willy hatte sich für seine Verhältnisse schick angezogen. Gekleidet in einem grauen Anzug sah er wirklich besonders aus. Rosalinda lächelte. Er war einfach nur ihrer. Von Kopf bis Fuß.<br />
&bdquo;Steig ein, Süßer. Wir müssen noch einen kurzen Umweg machen.&ldquo;<br />
Willy hastete um den Wagen herum und ließ sich neben Mike auf der Rücksitzbank nieder. Der ließ seine Hand in die des blonden Studenten klatschen. &bdquo;Deine Ische hat gerade einen Nervanruf bekommen. Hat sich genauso angehört wie bei mir der Meister, wenn ich zum Notdienst soll.&ldquo;<br />
&bdquo;Wer war es denn?&ldquo;, fragte Willy, den Blick zwischen den Vordersitzen hindurch nach vorne gerichtet.<br />
&bdquo;Cromwell. Wir müssen zum Krankenhaus. Dafür werden wir den Rest des Abends chauffiert. Wird lustig für unsere Liebchen hier, von daher verrate nichts.&ldquo;<br />
Esme wandte sich zu Willy um, dann sah sie ihren Freund an. Der hob seine Schultern. &bdquo;Keine Ahnung, was hier los ist.&ldquo;<br />
Die Fahrt ging weiter zum Krankenhaus. René grinste über das ganze Gesicht und hielt ebenfalls dicht. Dörte und Rita fragten Rosalinda, was passiert sei, doch bekamen sie nur eine ausweichende Antwort von der Mexikanerin. So hetzten sie dem Geburtstagskind durch die Krankenhausflure nach, fuhren mit dem Fahrstuhl in das oberste Stockwerk und traten durch eine Notaufnahme hindurch. Dort wurden Rosalinda, René und Willy vom Personal gegrüßt, doch hatte niemand Zeit für ein Gespräch.<br />
Dörte riss ihre Augen auf, als sich die Außentür einer Schleuse öffnete und ein kräftiger Wind in ihr Haar griff. Sie standen auf dem Dach! &bdquo;Das schaut mir nicht wie ein mexikanisches Restaurant aus, Chili!&ldquo;, spottete Mike. &bdquo;Eher wie ein Helipad.&ldquo;<br />
Ein schwarzer Punkt näherte sich aus der Dämmerung, man sah deutlich ein Blinklicht unter ihm blitzen. Er wurde stetig größer und wuchs sich schließlich zu einem großen Militärhubschrauber aus.<br />
Die Freunde sahen sich gegenseitig an und glaubten ihren Augen nicht zu trauen. Das Ding landete wirklich vor ihnen!<br />
&bdquo;Jetzt kommt schon! Wir müssen uns beeilen, sonst ist der ganze Abend für&rsquo;n Arsch.&ldquo; Rosalinda trieb ihre Freunde wie eine Schäferin ihre Schafe in die Richtung des Fluggeräts.<br />
&bdquo;Kneif mich in meinen Po, ich träume!&ldquo;, rief Mike. Auch Esme hatte mit dem Anblick zu kämpfen, während Dörte zögerte. Sie hatte extreme Flugangst.<br />
&bdquo;Bleib hier, wenn du Schiss hast&ldquo;, meinte Rosalinda ungerührt zu der molligen Frau, während sie selbst schon auf der Sitzbank Platz genommen hatte und sich anschnallte. Die verstand sie nicht akustisch, ahnte aber, worauf sie hinaus wollte. So überwand sie sich und stieg mit der Hilfe Renés doch noch zu.<br />
&bdquo;Alter! Wie geil das ist. Wir kriegen alle einen Hubschrauberflug geschenkt. Was du nur für eine hammer Alte hast, Willy. Das ist einfach der Wahnsinn.&ldquo; Mike konnte sein Glück kaum fassen. Er hatte einen Fensterplatz ergattert, ließ sich vom Copiloten zeigen, wie man die Bordverständigung benutzte, und hob seinen Daumen, als er angeschnallt war. Wenig später stieg der Helikopter auf, und das Krankenhausdach verschwand hinterrücks aus ihrem Sichtfeld.<br />
&bdquo;Wohin geht es jetzt, Ros?&ldquo;, fragte Willy. &bdquo;Müssen wir wirklich zum Truppenübungsplatz?&ldquo;<br />
Rosalinda erzählte ihm von Cromwells Anruf. Es schien dringend zu sein. Sie tat es für Jane. Sie mochte die junge Psychologin gut leiden. &bdquo;Ihr müsst euch keine Sorgen machen, wir fliegen direkt im Anschluss weiter Richtung Wustermark. Die bringen uns dann später auch zurück nach Berlin. Das kriegen wir alles gemanagt.&ldquo;<br />
Die Freunde wechselten vielsagende Blicke. Sie hatten alle schnell begriffen, dass mit Rosalinda etwas Besonderes lief, aber in welchem Ausmaß, das war ihnen immer noch nicht vollständig klar geworden.<br />
&bdquo;Warum landen die auf der Außenseite?&ldquo;, zeigte sich Rosalinda erstaunt. Auch die Richtung des Anflugs war heute eine völlig andere gewesen. Zwei Soldaten kamen herbeigelaufen, öffneten die Türen und halfen den Insassen beim Aussteigen. Rosalinda hastete voraus, lief auf ein zweistöckiges Gebäude zu und verschwand in dessen Haupteingangstür.<br />
Kurz darauf ertönte Musik und ein Chor sang &bdquo;Estas son las mañanitas que cantaba el Rey David. Hoy por ser día de tu santo&#8230;&ldquo;<br />
&bdquo;Scheiße. Da haben sie meine Maus aber verarscht.&ldquo; Willy beeilte sich jetzt ebenfalls, ging zu einem Laufschritt über, worauf auch seine Freunde sich mühten, Anschluss zu halten. Zusammen hetzten sie durch das Erdgeschoss des seltsamen Baus hindurch, traten auf der gegenüberliegenden Seite durch eine Doppeltür und standen im Innenhof, wo eine riesige Feier inszeniert worden war.<br />
&bdquo;Heißen wir heute unseren Ehrengast Rosalinda willkommen!&ldquo;, rief ein Amerikaner auf Englisch ins Mikrofon. Er stand auf der Bühne und winkte die junge Mexikanerin zu sich herauf. &bdquo;Komm, Rosalinda! Lass dich heute von uns feiern! Du, die dem allen hier Leben und Energie gegeben hat. Die Frau, ohne welche das alles hier niemals Realität geworden wäre.&ldquo; Er legte eine bedeutungsschwangere Pause ein. &bdquo;Du hast jungen Menschen ohne Zukunft Hoffnung gegeben, indem du, trotz aller Strapazen und Hindernisse&#8230;&ldquo; Mac Lean winkte die vor die Bühne tretende junge Frau energisch zu sich herauf. &bdquo;Komm rauf zu uns, Rosalinda! Bitte! Keine Scheu!&ldquo;<br />
Georg sah seine Tochter beschwörend an. So ließ sie sich schließlich erweichen, trat an der klatschenden Menge vorbei und nahm schweigend die Treppe hinauf zur Tribüne. Das Ganze war für sie die Hölle, und als Cromwell ihr auch noch dreist ins Gesicht grinste, wäre sie dieser Frau am liebsten ins Gesicht gesprungen. &bdquo;&#8230; hast du dir hier eine Zukunft aufgebaut, Freunde gefunden, eine erste und hoffentlich letzte Liebe sowie eine Arbeit, welche bedeutungsvoller nicht sein könnte. Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg, liebe Rosalinda, einen Haufen Glück und Gesundheit sowie, dass du alle Ziele erreichen wirst, welche du dir vorgenommen hast.&ldquo;<br />
René wurde blass. Konnte Ros all diese Menschen wirklich derartig getäuscht haben? Auch Esme und Rita schienen mit der Rede des Amerikaners zu kämpfen, erst recht in dem Moment, in welchem für ihre Freundin von 21 Soldaten ein Geburtstagsaufmarsch abgehalten wurde. Ihr Vater umarmte seine Tochter, wog sie in seinen Armen und küsste sie auf beide Wangen. Für ihn war am heutigen Tag ein Traum in Erfüllung gegangen. Hier und jetzt war das Maximum an erfolgreicher Resozialisierung erreicht worden, und ein junger Mensch, für den es keinerlei Hoffnung mehr gegeben hatte, vermochte die Stärke aufzubringen, sich zu einem Besseren bekehren zu lassen.<br />
&bdquo;Sogar die mexikanische Botschaft hat es sich nicht nehmen lassen, heute auf dich zuzugehen, Rosalinda. Mit Fürsprache der amerikanischen und deutschen Regierung wurde dein Einreiseverbot nach Mexiko mit sofortiger Wirkung aufgehoben.&ldquo;<br />
Willys Blick traf sich mit dem Rosalindas. Er klatschte und strahlte über das ganze Gesicht, während sie ihn ungläubig ansah. Ein Nicken Mac Leans, dann wurde Musik zu einem Tusch aufgespielt, worauf der Redner wechselte. Georg war nun an der Reihe, versprach es aber kurz zu machen. Mit seinen sensiblen Antennen hatte er längst gefühlt, wie seine Tochter mit dieser Überraschungsfeier zu kämpfen hatte.<br />
&bdquo;Meine Rosalinda hasst es derartig, im Mittelpunkt zu stehen. Zumindest dann, wenn sie nicht selbst für den Grund gesorgt hat.&ldquo; Ein Lachen ging durch die Menge. &bdquo;Auch von mir bekommt meine Tochter heute ein fettes Dankeschön. Ohne sie würden wir uns heute nicht über die grandiosen Erfolge der letzten Monate freuen dürfen, ohne sie hätten nicht ein Dutzend Kinder in ein neues Leben gefunden. Sie hat gekämpft, sich gegenüber einer für sie völlig anderen Welt geöffnet und sich dabei jeden Tag aufs Neue infrage stellen müssen, um dieser gerecht zu werden. Sie weiß, wie viel in ihrem alten Leben schief gelaufen ist, wie vielen Menschen sie Unglück gebracht hatte, und vielleicht war das auch der Preis für diesen Wandel. So zeigt sie uns, dass das Gute immer über das Böse triumphiert und ein jeder denselben Kampf zu führen hat wie sie. Mögen wir uns alle zu guten Menschen wandeln! Mögen wir alle der Welt Hoffnung und Licht geben! Mögen wir alle Spaß und Freude in unseren Herzen tragen und sie mit unseren Mitmenschen teilen! Rosalinda! Ich habe dich lieb, Tochter. Du bist mir zum Liebsten auf dieser Welt geworden. Ich danke dem Herrgott, dass du ein Teil meines Lebens geworden bist.&ldquo;<br />
Für Cromwell war es ein Fest, Rosalinda leiden zu sehen. Ihr war der ganze Scheiß zuwider und all die Laudatio ein einziges Brechmittel. Wie sehr sie da die Reaktion der kleinen Bitch freute. Wie sehr sie sich an dem entnervten Gesicht dieser Verbrecherin gütlich tat. Man wollte ihr eine Freude machen und fistete sie damit so richtig. Haha, du kleine gewiefte Ratte. Du wärst jetzt viel lieber in irgendeiner Suhle und würdest dich gehen lassen, und stattdessen musst du Hände schütteln und artig danke sagen.<br />
In diesem Moment wandte sich Rosalinda zu ihr um. Es war fast so, als ob die junge Frau ihre Gedanken gelesen hätte. Ihre beider Blicke trafen sich, dann formten sich die Lippen der Latina zu einem hämischen Grinsen. Irritiert sah Cromwell, wie das Geburtstagskind sich ihrem Vater zuwandte, ihn küsste, dann selbst an das Mikrofon trat und auf die Menge hinuntersah. Klatschen wurde laut, durchsetzt von schrillen Pfiffen.<br />
&bdquo;Hey Leute! Danke für diese geile Show! Mac Lean, Doc, Papa!&ldquo; Sie grinste den verdutzt dreinblickenden Pfarrer an. So hatte sie ihn noch nie genannt. &bdquo;Es gibt hier einen Menschen, der ganz bescheiden im Hintergrund steht, ohne den ich aber gar nicht hierhergekommen wäre, und das gleich im doppelten Sinn. So bitte ich euch um einen Applaus für Agent Cromwell.&ldquo; Sie wandte sich zu der Agentin um und deutete mit ihrer ausgestreckten rechten Hand auf die perplexe Frau im Businessdress. &bdquo;Ohne dich wäre ich damals nicht nach Deutschland gekommen, ohne deine Verarsche vorhin würde ich jetzt nicht hier auf der Bühne stehen und mich in Grund und Boden schämen. Danke für all deine Mühe! Danke dafür, dass du nie den Glauben an mich verloren hast. Danke auch dafür, dass du mir Kraft und Zuversicht geschenkt hast. Komm! Sag auch ein paar Worte! Dieser Tag heute sollte auch deiner sein.&ldquo;<br />
Cromwell blickte verlegen in die Runde, räusperte sich, reagierte sichtlich verwirrt auf die Umarmung der Mexikanerin und trat dann selbst an das Mikrofon heran. &bdquo;Wow!&ldquo; Sie räusperte sich ein weiteres Mal und sah irritiert in die Menge hinunter. &bdquo;Da muss ich wohl artig thank you sagen zur jetzt groß gewordenen Rosalinda. Früher wäre eine Umarmung zwischen uns undenkbar gewesen, ich hätte um mein Leben fürchten müssen.&ldquo; Die Menge lachte. &bdquo;Aber heute? Ich sehe diese junge Frau und ihre Entwicklung. Der gleiche kluge Kopf auf den Schultern wie einst, doch so viele Möglichkeiten mehr durch eine weitere neue Sprache, viele Pfründe eines reichen Landes, aus denen sie sich bedienen kann.&ldquo; Die Menschen unter Cromwell tauschten irritierte Blicke aus, sahen dann aber wieder erwartungsvoll zu der Agentin auf. &bdquo;Wer Rosalinda kennenlernen durfte, weiß, dass Respekt nicht von einem Geschlecht, Alter oder Größe abhängt, sondern einzig von dem Willen, etwas zu erreichen. Und was Rosalinda für sich verwirklichen möchte, das ist mir vollkommen klar, und hier wird sie uns sicher irgendwann überraschen. Dann erinnere ich mich an den heutigen Tag und darf sagen&#8230;&ldquo;, sie lachte, &bdquo;ich hab es gewusst.&ldquo;<br />
Erst leises, dann schnell lauter werdendes Klatschen wurde hörbar. Mac Lean und Seydlitz zeigten sich über die Worte der Agentin verwundert, während Ros in die Richtung der Agentin sah und ihren rechten Daumen hob. &bdquo;Das war die geilste Rede ever. Danke, Cromwell!&ldquo;, rief sie dabei.<br />
Doch Rosalindas Marter hatte damit noch kein Ende gefunden. So wurde sie von Dr. Events von der Tribüne heruntergeführt, durch die Menge geleitet und bekam schließlich von Georg ihre Augen verbunden. &bdquo;Was denn jetzt? Krieg ich ein Pony?&ldquo;, scherzte sie.<br />
Seydlitz kontrollierte, dass sie nichts mehr sehen konnte, trat an sie heran und drückte ihr einen Besenstiel in die rechte Hand. Rosalinda erstarrte für einen Moment, dann wusste sie Bescheid. &bdquo;Eine Piñata? Ehrlich jetzt? Ohne Scheiß? Ihr wollt mich heute wirklich fertig machen, Leute.&ldquo;<br />
&bdquo;Tu ihnen die Freude. Die Kinder haben für dich gebastelt, aber auch die Soldaten und Leute vom Stützpunkt haben was hineingepackt.&ldquo;<br />
Er begann, Rosalinda auf der Stelle zu drehen, und trat dann von ihr zurück. Dieses Spiel hier kostete sie alle Beherrschung. Sie hasste so etwas. So ging sie ein paar Schritte in eine Richtung, hielt den Stock ausgestreckt leicht angehoben, wusste sie doch, dass die meist in Tiergestalt geformten Behältnisse etwas über den Suchenden hingen.<br />
&bdquo;Frío, Ros!&ldquo;, rief Willy, worauf einige der Umstehenden mit einfielen. So drehte sich Rosalinda auf der Stelle und hörte sogleich das &bdquo;Caliente&ldquo;. Erst wenige, dann immer mehr riefen die Tipps in ihre Richtung. Die wenigsten sprachen Spanisch und hatten sich die Wörter erst einmal anhören müssen. Es dauerte weniger als eine Minute, da hatte das Geburtstagskind die Figur gefunden, tastete mit dem Stock nach ihr und sprang dann mit einem riesigen Satz davor hoch und trat sie mit einem Tritt ihres rechten Fußes in tausend Teile. Dabei schienen sie weder ihre engen Jeans noch die schweren Stiefel behindert zu haben. Der ganze untere Bereich des bunten Pappmaultiers war implodiert, und ein Haufen kleiner Geschenke ergoss sich aus seinem Inneren. Irritiertes Schweigen, dann dröhnte lauthalses Jubeln über den Platz. Wieder ertönte ein Tusch, dann setzte lateinamerikanische Musik ein. Rosalinda aber riss sich die Binde von den Augen, ging in die Hocke, öffnete jedes Geschenk, sah es sich genau an und bat dann um ein Behältnis.<br />
Eine halbe Stunde später ließ man sie dann endlich feiern. Freunde, Schulkameraden, Nachbarn und Bekannte traten an das Geburtstagskind heran und gratulierten. Sie alle hatten den Weg auf sich genommen, um die junge Mexikanerin zu überraschen. Die wenigsten hatten dabei etwas von Rosalindas Vergangenheit geahnt. Vor allem Franziskas und Willys Eltern hatten verstört reagiert, als ein neben ihnen stehender Soldat seiner Kameradin von der Killerin berichtet hatte, welche sich nach vielen Dutzenden Morden zu einem Engel gewandelt hatte. Die Sätze waren zwar in einem akzentuierten Englisch gesprochen worden, doch waren sie dennoch von den beiden Deutschen verstanden worden.<br />
Sie sprachen Georg an, der ihnen die Geschichte schließlich widerwillig bestätigte. &bdquo;Auch dank euch hatte sie eine Chance bekommen, und die hat sie genutzt.&ldquo;<br />
&bdquo;Franzi hat uns gesagt, dass Ros eine Kriminelle gewesen ist. Aber nicht eine solche, Georg! Unsere Kinder waren vielleicht in Gefahr.&ldquo;<br />
Der Pfarrer suchte die beiden zu beruhigen. &bdquo;Nein! Ganz im Gegenteil. Menschen, die meine Kleine in ihr Herz geschlossen hat, würde sie mit ihrem Leben beschützen. Willy hat euch doch von der Universität erzählt. Die Frau, welche Ros dort vor einer Entführung gerettet hat, steht dort drüben bei ihr. Fragt sie!&ldquo;<br />
Die beiden Alten fingen sich nur langsam. Erst als Franzi den Eltern ihre kleine Emilia überließ und dann selbst zu Rosalinda wollte, fand ihre Aufmerksamkeit eine neue Richtung.<br />
Vici war zusammen mit Mandy und Nadja gekommen, und auch Mark war Franzis Einladung gefolgt, der sofort bei ein paar amerikanischen GIs Anschluss gefunden hatte und mit ihnen lebhaft diskutierte. Sie gingen wenig später zusammen tiefer in den Wald hinein. Weshalb, ahnten seine Freunde sofort.<br />
Rosalindas Freude war echt. Ein jeder dieser Menschen hatte ihr auf dem deutschen Weg geholfen, wenn auch ihr Ziel ein gänzlich anderes war, als man es sich für sie erhofft hatte.<br />
Rosalinda stellte die Freunde aus Wustermark denen aus Berlin vor. Lustigerweise schien jede Frau sofort ein Äquivalent zu sich selbst zu finden, worauf sich Mandy und Esme vom Typ her ähnelten, Rita und Nadja eher die Frechen waren und Dörte und Vici aufgrund ihrer Körperproportionen einander glichen. Souverän fanden die Frauen in ein lebendiges Gespräch, während René und Mike sich Essen und Bier holen gingen.<br />
&bdquo;Mein Gott, haben die einen Aufriss gemacht. Kannst du dir nur halbwegs vorstellen, wie affig ich mir vorkomme?&ldquo; Rosalinda sah sich um. Die Soldaten und Kinder hatten Spaß, ihre Freunde fanden Anschluss und die Politik netzwerkte. &bdquo;Zum Glück scheint das Schlimmste für mich jetzt vorbei zu sein.&ldquo;<br />
Jane zeigte eine entschuldigende Geste. &bdquo;Du, man hat darauf bestanden. Du bist der Grund für dieses Projekt, und seine Wirkung ist mittlerweile einfach nur immens. Das hatte niemand so zu hoffen gewagt. Von daher gönn ihnen die Freude über diesen Erfolg.&ldquo;<br />
&bdquo;Jetzt, wo ich volljährig bin, weiß ich nicht, wie lange ich noch bei diesem Firlefanz mitmachen möchte.&ldquo;<br />
&bdquo;Firlefanz?&ldquo;, fragte Jane. Sie kannte dieses Wort nicht.<br />
&bdquo;Frippery ungefähr. Willy sagt das immer, wenn er sich mit etwas beschäftigen muss, in dem er für sich selbst keinen Sinn sieht.&ldquo;<br />
&bdquo;Und dass du anderen Menschen einen Lebenssinn vermittelst, motiviert dich nicht?&ldquo;, fragte die junge amerikanische Psychologin.<br />
&bdquo;Ganz ehrlich? Ich will endlich mit allem hier abschließen. Kannst du das ein Stück weit verstehen? Du kennst meine Zelle. Du kennst das Geschirr, in welches man mich gesperrt hat. Das Zimmer mit dem Lügendetektor&#8230;&ldquo; Sie sah sich um. &bdquo;Dieser Ort ist für mich belastend. Auch jetzt noch.&ldquo; Sie deutete auf die Agentin, welche mit einem jungen Soldaten zusammenstand und Bier trank. Sie schien ihre Fühler schon wieder ausgestreckt zu haben, trotz dessen ihr Mann und ein kleines Kind zu Hause auf sie als Partnerin und Mutter warteten.<br />
&bdquo;Gib uns wenigstens ein oder zwei Jahre Zeit für einen Übergang. Vielleicht finden wir ja auch Ersatz? Schon was du allein damit erreichst, indem du uns bei den Jungen und Mädchen Respekt verschaffst, ist für uns Gold wert. Das kann nicht jeder x-Beliebige. Und wir helfen dir bei der Ausbildung zur Sozialpädagogin. Das wolltest du doch?&ldquo;<br />
Rosalinda seufzte. Sie sah schon eine Befähigung in dieser Richtung, wollte sich aber auch nicht von den Amerikanern weiter binden lassen. Einzig Jane und Georg hielten sie, während die Feindschaft zu Cromwell gerade wieder neue Nahrung gefunden hatte.<br />
&bdquo;Wir schauen mal. Lass mich jetzt mal rumgehen und ein paar Leuten Hallo sagen. Ich fasse es nicht, sogar meine alte Klassenlehrerin ist hier.&ldquo;<br />
Jane zeigte Verständnis, ging auf Abstand und mischte sich unter das Publikum. Wenig später stellte sie sich mit einer Schale Eintopf an die Tanzfläche. Der DJ spielte Dakiti, und die Band unterstützte gekonnt dabei.<br />
&bdquo;Frau Meran?&ldquo; Rosalinda drängte sich durch die Menge und trat ihrer Klassenlehrerin entgegen, welche von einem attraktiven schlanken Mann begleitet wurde.<br />
&bdquo;Ros! Wie schön ist es, dich zu sehen. Danke, dass wir zu deiner Feier kommen durften. Als man uns sagte, dass du eingeflogen wirst, glaubte ich meinen Ohren und kurz darauf meinen Augen nicht zu trauen.&ldquo;<br />
&bdquo;Die machen viel mehr Bohei drum, als angebracht ist. Mich nervt es. Aber jetzt bin ich einfach froh, dass Sie gekommen sind. Hat der Pfarrer angeleiert, richtig?&ldquo;<br />
Die Lehrerin betrachtete die junge Frau vor sich eingehend. Sie hatte sich nun endgültig zu der Frau entwickelt, welche man schon früher sehr deutlich erahnt hatte. Sie hatte damals wie eine Außerirdische unter ihren Klassenkameraden gewirkt, und einzig Anton hatte mit ihrer Entwicklung Schritt halten können. Kunststück, sie hatte ihn ja auch mitgerissen.<br />
&bdquo;Ja, das hat er. Wir freuen uns auch, Rosalinda.&ldquo; Sie deutete auf ihren Mann, welcher ihr ein apartes Lächeln zeigte. &bdquo;Das ist mein Mann Peter. Ich habe ihm damals viel von dir erzählt.&ldquo;<br />
Der Mann gab sich freundlich, reichte der jungen Frau seine Hand und lobte sie für den Werdegang, den sie gemacht hatte. &bdquo;Ich glaube, das gelingt nur wenigen.&ldquo;<br />
&bdquo;Danke! Aber bitte seien Sie mir nicht böse, wenn ich sage, dass ich das schon ein wenig zu oft gehört habe. Irgendwann reicht es dann auch. Haben Sie viel Spaß! Ich komme später noch einmal, wenn Sie einen ordentlich im Tee haben.&ldquo;<br />
Frau Meran und ihr Mann lachten und sahen der jungen Frau dabei zu, wie sie sich weiter durch die Menge schob.<br />
Rosalinda nahm sich vor, Willy zu suchen, als sich Mac Lean an ihre Seite begab und ihr ein Gespräch aufdrängte. &bdquo;Ich hoffe, du hast uns den Streich nicht übelgenommen. Wir wollten dir einfach einen schönen Tag bereiten, Rosalinda. Du gibst so vielen Menschen Hoffnung. Das ist einfach toll&#8230;&ldquo;<br />
Er sah ihren müden Gesichtsausdruck. Sie hatte nie einen Hehl daraus gemacht, wie wenig sie ihn mochte. &bdquo;Ich wollte dir noch eine frohe Kunde bringen. Romina und Maria werden am Wochenende entlassen. Über eine deutsche Jugendhilfe haben sie Plätze in einer betreuten Wohngruppe bekommen. Sie müssen sich zwar einmal die Woche bei ihren Betreuern melden, können sich aber sonst frei bewegen. Sie werden im nächsten Jahr ein paar Maßnahmen besuchen und danach hoffentlich ihren Abschluss machen. Die beiden haben mir erzählt, wie wichtig ihnen der Umgang mit dir war und wie sehr du sie angeleitet hast.&ldquo;<br />
Rosalinda blieb stehen. Der Amerikaner fühlte sehr deutlich, wie gerne die junge Frau seiner Gesellschaft jetzt entkommen wollte. &bdquo;Bevor du wieder feiern gehst, Rosalinda&ldquo;, er sah sie eindringlich an, &bdquo;&#8230;hilf uns bitte weiterhin. Du bist zum Gesicht des Programms geworden, was auch Mrs. Velasquez zu verdanken ist. Sie hat versucht, den angerichteten Schaden zu lindern und uns in den letzten Monaten sehr aktiv und unentgeltlich unterstützt. Wir haben so viele Mittel erhalten&#8230;&ldquo;<br />
&bdquo;Ich geh mal, Mr. Mac Lean. Und richten Sie bitte Jane aus, dass ich es schade finde, dass sie gleich petzen geht, nachdem ich mich ihr anvertraut habe. Ich werde schon allein wegen Georg noch ein wenig hier arbeiten müssen. Aber Sie können sich darauf einstellen, dass es nicht für die Ewigkeit ist. Ich bin jetzt frei und will mein eigenes Leben aufbauen, anstatt das anderer.&ldquo;<br />
Der Amerikaner zeigte Verständnis. Es war aber offensichtlich, dass er Zeit schinden wollte. &bdquo;Nachvollziehbar, Rosalinda. Wirklich, ich würde es in deinem Alter nicht anders handhaben. Sag mir wenigstens ein Jahr zu, einverstanden? Es soll dein Schaden nicht sein. Wenn wir dich in irgendeiner Weise unterstützen können, werden wir das tun.&ldquo;<br />
&bdquo;Nicht jetzt und nicht hier.&ldquo; Rosalinda nickte ihm zu. &bdquo;Ich gehe dann mal. Möchte noch ein wenig Party machen, bevor die ersten schon wieder gehen.&ldquo;<br />
Sie tauchte wieder in der Menge unter, fand ihre Freunde und entdeckte auch Willy unter ihnen. Sie trat von hinten an ihn heran, umklammerte ihn und freute sich über seine Nähe. Frei! Endlich! Sie konnte es spüren. Vielleicht zum ersten Mal in ihrem bisherigen Leben wirklich.<br />
Die Augen geschlossen haltend, stellte sie sich vor, wie sie das Leben früher in Mexiko empfunden hatte. Ständig war da ein Gefühl von Gefahr, welches ihr allerorts folgte. Egal, wo sie sich befand. Doch hier und jetzt? Es schien alles geregelt. Solokow, Georges Khoury, die Tschechen. Die Schule hatte sie abgeschlossen, bis Mitte nächsten Jahres würde sie für sich überlegen, ob sie einen Abikurs belegen wollte oder nicht.<br />
Sie drückte die Seite ihres Gesichts gegen Willys Schulter. Der unterhielt sich mit einem amerikanischen Leutnant, welcher ganz offensichtlich vorhatte, sein Deutsch aufzufrischen. Allerdings nicht nur sprachlich, er schien es auch auf Mandy abgesehen zu haben, welche seine begehrlichen Blicke längst bemerkt hatte.<br />
&bdquo;Entschuldige, Jamie! Ich habe das Geburtstagskind im Kreuz. Wir sehen uns später, ja? Ich gehe erst mal &sbquo;ne Runde mit meiner Liebsten tanzen.&ldquo;<br />
Rosalinda freute sich. Willy hasste es, sich vor anderen Leuten aus seiner Komfortzone herauszubewegen. Dass er es dennoch für sie tat, zeigte ihr, wie wichtig er sie nahm.<br />
&bdquo;Kein Problem, Willy! Ik dann sehen, ob german Mädche wollen Dancing with me auch&ldquo;, antwortete der Offizier in einem Kauderwelsch aus Deutsch und Englisch.<br />
&bdquo;Good luck and have fun!&ldquo;, wünschte Willy dem GI und drehte sich dann zu Rosalinda um.<br />
&bdquo;Na? Haben sie dir schon einen Tempel errichtet oder kommt das erst im nächsten Jahr?&ldquo;, neckte er sie.<br />
Sie wirkte müde in diesem Moment. &bdquo;Mir geht das alles so auf den Sack. Klar freue ich mich, dass so viele gekommen sind, aber einfach mit euch chillen wäre mir lieber gewesen.&ldquo;<br />
Willy umarmte sie und gab ihr einen Kuss. &bdquo;Meine Alten haben heute von den GIs die Aufklärung bekommen, warum du zuerst hier gewesen bist. Im Gegensatz zu mir und Franzi wussten sie ja nicht, was du früher alles verbrochen hast.&ldquo;<br />
Rosalinda blickte erschrocken zu ihm auf. &bdquo;Frank und Heidrun? Scheiße!&ldquo; Sie sah sich um, entdeckte aber die Eltern ihres Freundes nicht. &bdquo;Sind sie gegangen?&ldquo;<br />
Er verneinte. &bdquo;Wirst ihnen aber dennoch ein wenig Zeit lassen müssen. Die sind erst einmal bedient. Sie waren weniger auf dich sauer als auf den Pfarrer. Sie glauben gerade fest daran, dass du uns früher hättest umbringen können.&ldquo;<br />
Die Mexikanerin hatte mit dieser Nachricht zu kämpfen. &bdquo;Wie, verdammt noch mal, soll ich nun reagieren? Die werden mich jetzt scheiße finden.&ldquo; Rosalinda machte sich Sorgen. Es kamen ihr sogar die Tränen. &bdquo;Diese verdammten Idioten! Es war doch alles gut.&ldquo;<br />
Willy behielt sie in seinen Armen und drückte ihren Körper fest gegen den seinen. &bdquo;Hör mal auf! Du an ihrer Stelle hättest solch eine Nachricht auch erst einmal verdauen müssen.&ldquo;<br />
Sie nickte, schien aber in ihren Gedanken bei Willys Eltern zu bleiben. Heidrun war ihr fast zur Ersatzmutter geworden. Sie hatten sehr viel Zeit miteinander verbracht. Wenn sie jetzt von den beiden gemieden werden würde &#8230;<br />
&bdquo;Komm! Ich mache mich auch gerne für dich zum Deppen. Sie werden alle über mich lachen, versprochen!&ldquo;<br />
Ein Lächeln huschte über ihre sonst ernsten Züge, dann nickte sie. &bdquo;Ja, komm! Lass uns. Deine Eltern sollten mich mittlerweile gut genug kennen, oder? Ich werde mir umsonst Sorgen machen.&ldquo;<br />
René tanzte mit Nadja, Mike mit Esme und Mandy mit dem Leutnant. Bestimmt zwanzig Paare und zahlreiche Einzelpersonen bewegten sich zur Musik, lächelten in die Richtung des hinzugekommenen Paares und machten ihm Platz. Willys Bewegungen waren steif und ungelenk, wider jeglichem Rhythmusgefühl und sahen im Ganzen komisch aus. Doch im Gegensatz zu früher lachte ihn niemand aus.<br />
Seine lateinamerikanische Freundin war das Gegenteil. Fließend in ihren Bewegungen schien sie die Musik zu verinnerlichen und in geschmeidige Schritte umzumünzen. Es war einfach schön anzusehen, wenn auch ihre Miene starr und unnahbar dabei wirkte.<br />
&bdquo;&iexcl;Te quiero más que a nada! &iexcl;Eres mi vida!&ldquo;, sprach sie ihm zu, die Musik gerade so übertönend.<br />
&bdquo;A mí también. Nunca volveremos a dejarnos solos&ldquo;, erwiderte er.<br />
Sie sah ihn jetzt mit ihrem stechenden Blick in die Augen.<br />
&bdquo;Auch wenn es schwer mit mir werden wird?&ldquo;, fragte sie ihn, in ihren Bewegungen innehaltend.<br />
Er ahnte, worauf sie hinauswollte. Sie kämpfte gegen ihre dunklen Triebe. Diese waren da, auch jetzt, in diesem Augenblick.<br />
&bdquo;Immer! Weil auch du mittlerweile weißt, was mir im Leben wichtig ist.&ldquo;<br />
Rosalinda wirkte nachdenklich in diesem Moment. René sah in diesem Moment zu ihnen herüber. Ihre Blicke trafen sich dabei.<br />
&bdquo;Ja. Ich habe nur Angst, dass ich es versaue. Es ist so schwer, Willy.&ldquo;<br />
Es war vielleicht das erste Mal, dass sie sich ihm gegenüber wirklich öffnete.<br />
&bdquo;Warum ist es so schwer für dich?&ldquo;<br />
Rosalinda schloss ihre Augen, trat an ihn heran und umarmte ihn, sodass sie langsam auf der Stelle tanzten. &bdquo;Sie machen es mir so leicht.&ldquo;<br />
&bdquo;Hey, ihr beiden! Das ist ein Freudentag!&ldquo;, Mike kam mit Esme herangewirbelt. &bdquo;Jetzt mal los hier! Ihr müsst euch nicht von Willys Tanzkünsten runterziehen lassen. Das wird schon besser mit der Zeit und Übung.&ldquo;<br />
Esme lachte, dann waren sie auch schon wieder vorbei. Willy indessen wurde wütend, blickte den beiden nach und beruhigte sich erst, als Rosalinda sich wieder langsam zu bewegen begann. Sie war in diesem Moment erleichtert, dass sie unterbrochen worden waren.<br />
Sie tanzten weiter, vergaßen die trübe Stimmung zwischen sich und hörten erst auf, als der Schweiß von Willys Stirn tropfte. &bdquo;Das kann nicht sein. Bei dir sieht man keinen Tropfen.&ldquo;<br />
Rosalinda lächelte. &bdquo;Wegen was auch? Wir bewegen uns ja kaum.&ldquo;<br />
Er lächelte und gab ihr einen Kuss. &bdquo;Komm! Lass uns was essen gehen, ich habe Kohldampf.&ldquo;<br />
Franzi kam zu ihnen, einen Soldaten im Schlepptau. Er war jünger als sie und stammte aus Georgia, wie sie berichtete. &bdquo;Er heißt William, ist das nicht geil? Noch ein Willy!&ldquo;<br />
Sie aßen gemeinsam, weitere Freunde kamen hinzu und so setzten sie sich alle zusammen an eine der Bänke. Lachen wurde laut, Witze gerissen, ein bunter Mix aus neuen und alten Bekanntschaften. Der Abend war weit fortgeschritten, da verabschiedeten sich Willys Eltern von ihren Kindern. Auch Rosalinda wurde von ihnen gedrückt, doch spürte sie sofort den Unterschied. Es hatte sich etwas geändert.<br />
&bdquo;Kommst du am Wochenende?&ldquo;, fragte Heidrun ihren Sohn.<br />
Der sah sie erstaunt an. Hatte Rosalinda recht? &bdquo;Ne, Mutter. Wenn du so fragst, nicht.&ldquo;<br />
Er wandte sich ab, während Rosalinda so tat, als ob sie nichts mitbekommen hätte.<br />
&bdquo;Was geht denn?&ldquo;, fragte Franziska erstaunt. &bdquo;Du hast doch gesagt, dass ihr kommen wolltet.&ldquo;<br />
Willy sah verächtlich auf seine Mutter herunter. &bdquo;Ich glaube nicht. Zumindest solange nicht, wie Rosalinda von jetzt auf gleich zur Persona non grata erklärt worden ist.&ldquo;<br />
&bdquo;Hä? Was hat Chili ausgefressen?&ldquo;, Franziska verstand nicht.<br />
Ihr Bruder wandte sich ab. Er sah Rosalinda durch die Menge drängen, er erkannte auf der anderen Seite des Hofes Anton. Er hatte sich schon gewundert, wo Rosalindas Jugendfreund abgeblieben war.<br />
&bdquo;Frag sie!&ldquo; Er deutete auf Vater und Mutter.<br />
Rosalindas Verhältnis zu Anton war im Wandel begriffen. Sie fühlte das deutlich. Er wirkte noch immer stattlich, aber er war nicht mehr derselbe. Wie lange war es her, seitdem sie sich beide das letzte Mal gesehen oder zusammen Sport gemacht hatten? Eine Ewigkeit! Gehört hatten sie sich immer mal wieder, ja, aber auch hier herrschte nur noch ein loser Kontakt. So umarmte sie ihn, betrachtete ihn eingehend, dann waren ihre Gedanken schon wieder bei Willys Eltern.<br />
&bdquo;Ist alles okay? Du wirkst anders&ldquo;, fragte er sie. Er schien ihre veränderte Stimmungslage sofort bemerkt zu haben.<br />
Sie kehrte mit ihrer Aufmerksamkeit nur widerwillig zu ihm zurück. &bdquo;Du willst mir was sagen. Rück raus damit! Der Tag ist eh für&rsquo;n Arsch. Toll, oder? Gestern hatte ich mich noch darauf gefreut.&ldquo;<br />
&bdquo;Das hier ist von Louisa und mir!&ldquo; Er reichte ihr einen Umschlag. &bdquo;Sie lässt dich lieb grüßen.&ldquo;<br />
Rosalinda sah auf den weinroten Umschlag herunter und nahm ihn schließlich entgegen.<br />
&bdquo;Warum ist sie nicht gekommen? Ist sie sich zu fein?&ldquo;<br />
Er sah sie betreten an, dann verneinte er. &bdquo;Louisa hat im letzten Monat ein Mann mit dem Auto angefahren. Sie war schuld. Es fällt ihr schwer, darüber hinwegzukommen.&ldquo;<br />
&bdquo;Ist der Typ abgekratzt?&ldquo;, fragte Rosalinda völlig gleichgültig.<br />
&bdquo;Nein. Aber er wird nie mehr der Alte sein. Er ist jetzt gelähmt, ohne Aussicht auf Heilung.&ldquo;<br />
Anton bemerkte, wie Rosalindas Mundwinkel zuckten. Sie wünschte Louisa nichts Gutes. Die Gründe hierfür waren ihm klar. Seine Freundin hatte dafür gesorgt, dass sich sein Fokus von Rosalinda weg auf sie verlagert hatte.<br />
Seine frühere Schulkameradin schien mit sich zu kämpfen. Im ersten Moment war sie voller Schadenfreude, darüber machte er sich keine Illusion. Jetzt aber bekam sie sich im Griff. &bdquo;Wie viel?&ldquo;<br />
&bdquo;Dreihundertachtzigtausend Euro. Sie wird ein Leben lang für den Typen zahlen müssen. Im Grunde genommen arbeitet sie nur noch für ihn.&ldquo;<br />
&bdquo;Haftpflicht zahlt doch, oder nicht?&ldquo;, fragte die Mexikanerin verwundert.<br />
&bdquo;Sie hätte mit dem Auto nicht fahren dürfen. Die Versicherung war nur auf den Halter beschränkt&ldquo;, erklärte Anton.<br />
Rosalinda schloss ihre Augen und atmete tief durch. &bdquo;Du willst ihr helfen, richtig?&ldquo;<br />
Er nickte. &bdquo;Ja. Ich würde gerne mein Geld von Jochen holen. Bitte gib mir die Erlaubnis.&ldquo;<br />
Die Mexikanerin sah ihn an, überlegte kurz, dann verneinte sie. &bdquo;Das Geld bleibt im Geschäft. Im Moment wird es gebraucht.&ldquo;<br />
Anton ballte seine Fäuste. Sie bekam es mit. Staunen zeigte sich in ihrem Gesicht.<br />
&bdquo;Du bist wütend auf mich? Was geht mit dir denn ab?&ldquo;, ätzte sie.<br />
&bdquo;Ros! Bitte! Es ist dringend!&ldquo;, flehte er.<br />
&bdquo;Dringend, dass du ihre Schulden bezahlst?&ldquo;, fragte sie zynisch.<br />
&bdquo;Würdest du für Willy&#8230;&ldquo;<br />
&bdquo;Vergleich sie nicht mit&#8230;&ldquo;<br />
Er unterbrach sie. &bdquo;Warum nicht? Ros! Ich spüre, dass du dich gewandelt hast. Er hat dich verändert.&ldquo; Anton stockte. &bdquo;Sie hat mich verändert.&ldquo;<br />
&bdquo;Du bekommst es trotzdem nicht.&ldquo; Rosalinda grinste. &bdquo;Du wirst mir da vertrauen müssen. Hast du früher nämlich auch mal getan.&ldquo;<br />
Anton stiegen die Tränen in die Augen. Er fühlte sich dieser Frau gegenüber hilflos und ohnmächtig. Trotz seiner Wut, welche sie in ihm freisetzte.<br />
&bdquo;Wir sind verlobt&ldquo;, erklärte er ihr.<br />
&bdquo;Echt? Damit du dann in eurem Eheglück ihre Schulden zahlst?&ldquo; Sie lachte heiser auf.<br />
&bdquo;Schon seit letztem Jahr. Sie hatte einen Abgang.&ldquo;<br />
Abrupt hielt sie inne, so dass Anton für einen Moment Hoffnung hegte.<br />
Rosalinda schüttelte ihren Kopf. &bdquo;Du bekommst trotzdem keinen Cent. Sieh das Geld als Invest. Du hast hart dafür gearbeitet, ich werde nicht zusehen, wie es in Rauch aufgeht.&ldquo;<br />
&bdquo;Wir müssen von etwas leben, Ros. Bitte! Gib mir etwas zu tun. Wenigstens das.&ldquo;<br />
Die Latina spielte mit ihrem Zopf. Dann schüttelte sie ihren Kopf. &bdquo;Nein! Wenn es dir mit ihr so ernst ist, dass ihr zusammen Kinder haben wollt, lass ich dich draußen. Du kannst dir ein paar Kröten verdienen, wenn ich dich für Alibianrufe benötige.&ldquo;<br />
Anton musste alle Kraft aufwenden, um ihr gegenüber nicht handgreiflich zu werden. Sie spürte es. Dessen durfte er sich sicher sein.<br />
&bdquo;Warum tust du mir das an? Warum bestrafst du mich jetzt?&ldquo;, fragte er sie schließlich leise.<br />
&bdquo;Warum bestrafst du mich?&ldquo;, entgegnete sie. &bdquo;Warum hast du mir das alles nicht erzählt? Warum nicht um Rat gefragt? Hast du schon jemals erlebt, dass ich keinen Ausweg gefunden hätte?&ldquo;<br />
In seinem Gesicht breitete sich Verwunderung aus. Sie hatte Recht! Hatte es je ein Problem oder einen Konflikt gegeben, welchen sie nicht souverän gelöst hätte?<br />
&bdquo;Hilf uns, Ros! Bitte!&ldquo;, bat er sie schließlich, getrieben von seiner Verzweiflung.<br />
In diesem Moment sah die Mexikanerin Willy und Franzis Eltern zu ihrem Auto gehen. Ihre Brust zog sich zusammen in diesem Augenblick. Warum ging ihr das so nahe? Warum fühlte sie hier solch einen extremen Verlust?<br />
&bdquo;Louisa soll mich in zwei Tagen anrufen, bis dahin habe ich eine Antwort auf euer kleines Problemchen gefunden. Nur von einer Vorstellung trennst du dich! Das Geld, welches du bei mir verdient hast, ist für dich, nicht für sie. Du bist nicht ihr Affe, der für sie tanzt.&ldquo; Sie blickte entschlossen zu ihm auf. &bdquo;Damit tust du ihr kein Gefallen und dir selbst erst recht nicht.&ldquo;<br />
Sie umarmte ihn flüchtig, dann ging sie zu den Grill- und Essenwagen. Für Anton hatte es solche Momente der Enttäuschung schon früher gegeben. Sie zeigte ihm ihre Macht, aber auch gleichzeitig, wie sehr er sie brauchte. So sah er ihr nach, blieb unschlüssig, ob er den Kontakt zu ihr noch einmal zu einem späteren Zeitpunkt suchen sollte, und ging dann schließlich zum Auto seines Vaters zurück, welches er sich geborgt hatte. Er hatte geahnt, dass er nicht lange bleiben würde. Dazu war sein Verhältnis zu seiner Mentorin mittlerweile zu gestört.<br />
Georg machte sich Sorgen. Der Tag hätte für seine Tochter ein besonderer werden sollen, doch war ihnen das nicht gelungen. Ganz im Gegenteil. Dass die Soldaten ihren Mund nicht gehalten und Willys Eltern das ganze Ausmaß von Rosalindas früheren Verbrechen verstanden hatten, schien ihr sehr nahe zu gehen. Kein Wunder. Gerade zu Heidrun hatte sie ein enges Verhältnis über die Jahre aufgebaut. Auch ein Grund, weshalb er fest an eine Heilung ihrer Seele geglaubt hatte, suchte sie doch instinktiv den Bezug zu einer Frau. Dass dies die Mutter ihrer beiden besten Freunde geworden war, hatte dafür gesorgt, dass seine kleine Mexikanerin diese Bindung zulassen konnte.<br />
Sollte er mit den beiden reden? Nein! Nicht heute. Wahrscheinlich mussten sie die Vorstellung, dass die Freundin ihres Sohnes als Kind Dutzende Menschen umgebracht hatte, erst einmal verarbeiten.<br />
Rosalinda stand neben Willy, löffelte lustlos Chili und sah an ihren Freunden vorbei ins Leere. Jane suchte das Gespräch mit seiner Tochter, doch winkte diese ab und hing weiter ihren Gedanken nach. Es tat ihm weh, sie so zu sehen.<br />
So ging er zu ihr, drängte an ein paar Soldaten vorbei, nickte ihnen zu, spürte ihre Hände auf seinen Schultern, dann stand er neben ihr. Die Menschen um sie herum bewegten sich im Takt der Musik, sie aber blieb reglos und starrte weiter auf einen Punkt in der Menge, welcher ohne Bezug zu einer Person oder einem Objekt blieb.<br />
&bdquo;Dort, wo du jetzt ungefähr hinsiehst, bin ich umgedreht. Es war einer der Tage, an welchem ich dich aufgeben wollte.&ldquo;<br />
Sie starrte weiter auf den Punkt, obwohl sie ihn gehört haben musste. &bdquo;Und was war besonders an diesem Tag?&ldquo;<br />
&bdquo;Du hast einen Schritt auf mich zugemacht, erinnerst du dich? In einem Moment, wo ich geglaubt hatte, ich hätte dich sicher verloren.&ldquo;<br />
&bdquo;Ich habe Angst, dass es zwischen uns irgendwann genauso sein könnte wie bei Heidrun und Frank. Dass du gehst und kein Verlangen hast, mich jemals wiederzusehen.&ldquo;<br />
&bdquo;Halte ihnen die Tür offen, Schatz. Schließ sie nicht zu. Das würde nicht nur dir wehtun, sondern auch Willy. Du hast ihn, du hast Franzi, du hast Emilia. Heidrun und Frank werden bald einsehen, dass du aus der Familie nicht mehr wegzudenken bist.&ldquo;<br />
&bdquo;Heidrun sieht jetzt die Mörderin in mir. Und ich selbst sehe sie auch noch oft. Wie oft wäre es so einfach, ein Problem aus der Welt zu schaffen, wenn&#8230;&ldquo; Sie sah ihn an. &bdquo;Ich bin nicht mehr so, Georg. Aber ich bin auch kein Engel, und mir fehlt die Kraft dazu, einer zu werden. Verstehst du das? Vielleicht war es doch zu spät für mich? Für euch ist es so einfach, ein normales Leben zu führen, doch für mich&#8230;&ldquo;<br />
Der Pfarrer sah sie nachdenklich an. &bdquo;Du hast mir zwei Sachen versprochen. Du wolltest niemanden mehr töten und dich an die halten, die es verdienen. Hast du das bisher geschafft?&ldquo;<br />
Sie sah ihn an und nickte.<br />
&bdquo;Schaffst du es weiterhin?&ldquo;<br />
Auch hier schien sie sich sicher. Sie griff mit beiden Händen nach seiner rechten Hand und drückte sie. &bdquo;Der Hund damals&#8230;&ldquo;<br />
Georg schloss seine Augen. Das Komplettieren ihrer Aussage in seinem Kopf vollzog er im Bruchteil einer Sekunde. Etwas darauf zu entgegnen deutlich länger. &bdquo;Es ist sehr viel ruhiger geworden ohne ihn&ldquo;, meinte er schließlich.<br />
Sie lehnte sich an ihn an, drückte ihre Stirn gegen seine Brust. &bdquo;Ich lieb dich, Pfarrer. Ohne dich wäre ich jetzt tot.&ldquo;<br />
Er legte seine große Hand über ihren Hinterkopf. &bdquo;Versuche, stark zu bleiben, Rosalinda! Für uns alle, vor allem aber für dich selbst und Willy. Er würde dich niemals aufgeben. Das weißt du. Gib du ihn auch nicht auf, komme da, was wolle. Dann kannst du alles schaffen.&ldquo;<br />
Sie nickte. &bdquo;Ja, das weiß ich. Er tut mir leid deshalb.&ldquo; Ein leises Lachen drang aus ihrem Mund. &bdquo;Komm, Pfarrer. Lass uns tanzen!&ldquo;</p>
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		<title>La pulga que mata Teil 15</title>
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		<pubDate>Tue, 17 Mar 2026 09:27:17 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Neuer Ärger Willy, Dörte, Mike und auch René nahmen die drei Heimkehrer mit einem Abendessen in Empfang. Braten mit Knödel und Blaukraut! Rosalinda liebte deutsches Essen. So erzählten die drei&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
Neuer Ärger<br />
Willy, Dörte, Mike und auch René nahmen die drei Heimkehrer mit einem Abendessen in Empfang. Braten mit Knödel und Blaukraut! Rosalinda liebte deutsches Essen. So erzählten die drei von ihrem Kurztrip, beschrieben die schöne Wohnung, deren schrullige, aber sehr freundliche Besitzerin und ihre vielen Unternehmungen. Dann war René an der Reihe, der von seinen Wochen in Tschechien berichten sollte, vor allem aber von seiner Musik in den Straßen Prags, Pilsens und Brnos. Auch er hatte viele Menschen kennengelernt, mit vielen Musikern aus ganz Europa Freundschaften geschlossen, sich aber nach seiner Mexikanerin verzehrt, welche er morgen besuchen wollte. Es sollte nun nicht mehr lange dauern, bis sie ihre Freiheit erlangte, führte sie sich doch ohne Fehl und Tadel.<br />
&bdquo;Dann könnt ihr endlich wieder ficken&ldquo;, stellte Rosalinda fest. Räumte ihren Teller und das Glas in die Geschirrspülmaschine und schnappte sich ihren Freund. &bdquo;Und das will ich jetzt auch mit meiner Willymaus machen. Komm Süßer! Dein Käse nimmt dich mit.&ldquo;<br />
Die jungen Leute lachten, dann waren die beiden auch schon im Flur verschwunden. Vielsagende Blicke wurden ausgetauscht, als die Musik im Nachbarzimmer tönte und anschließend, kurz darauf, das heisere Stöhnen der Mexikanerin in aller Deutlichkeit zu vernehmen war.<br />
&bdquo;Die kennen da nix. Das sind wirklich die Bumsweltmeister. Muss man ihnen neidlos zugestehen. Da passt kein Blatt Papier zwischen die beiden. Na ja. Kann nicht jeder dieses Schwein haben.&ldquo; Mikes Anspielung in Richtung Dörte klang wehleidig, wie armselig. Die aber ignorierte ihn und blieb unbeeindruckt. Stattdessen ließ sie Rita weitererzählen, sich insgeheim fragend, warum Esme so passiv dabei blieb. Das war nicht deren Art. Im Grunde genommen war es ihr aber auch egal. Zwar hatte sie dieses Wochenende keine Zeit gehabt, aber natürlich fand sie es bezeichnend, dass sie von den drei Frauen nicht gefragt worden war, ob sie hatte mitkommen wollen.<br />
Auch René schien in Gedanken. So musste Dörte ihre Frage erneuern, mit der sie von ihm wissen wollte, ob er froh war, wieder zu Hause zu sein.<br />
&bdquo;Ja, sehr. Ist schon cool, mal was anderes zu sehen. Aber hier ist es mir doch lieber. Die Tschechen geben nicht viel, ich hatte echt Probleme damit, über die Runden zu kommen.&ldquo;<br />
&bdquo;Wo hast du denn gepennt?&ldquo;, fragte die mollige Studentin weiter.<br />
&bdquo;Hab mir meist für die Nacht ein Zimmer genommen. Oft konnte ich aber auch bei den Kollegen übernachten. Straßenmusikanten halten zusammen. Das war schon eine super Erfahrung.&ldquo;<br />
&bdquo;Apropos. Du musst mir noch die Kohle von der Miete überweisen. Hast nicht dran gedacht, oder?&ldquo;, warf Mike ein.<br />
&bdquo;Sorry, Alter! Ich habe es in bar. Kann es dir aber auch überweisen, muss ich nur halt dann morgen einzahlen.&ldquo;<br />
&bdquo;Lieber auf der Bank&ldquo;, bat Mike.<br />
Esme bat darum, sich einen Kaffee machen zu dürfen, womit Mike und René kein Problem hatten.<br />
&bdquo;Mach mir auch einen!&ldquo;, forderte Rita, kramte Nagellack aus ihrer Handtasche und griff sich die rechte Hand von Dörte, um da mal Ordnung zu machen.<br />
&bdquo;Meint ihr, die kommen heute noch mal wieder?&ldquo;, fragte die mollige Studentin und lauschte. &bdquo;Hören tue ich sie nicht mehr.&ldquo;<br />
&bdquo;Keine Ahnung. Meist gehen sie nach einer kurzen Pause in die Folgerunde. Und da sie sich immerhin zwei Tage nicht gesehen haben&#8230;&ldquo; Mike lachte schallend.<br />
Das Vibrieren eines Handys dröhnte auf der Anrichte, dann fragte Esme, wer dran war. Sie hatte die Handynummer, welche auf dem Display erschien, nicht im Speicher.<br />
&bdquo;Ja?&ldquo;, fragte sie, während das Gespräch am Tisch weiterplätscherte. Mike ließ ein Lachen hören, während Rita erzählte.<br />
&bdquo;Ah, Georges. Wieder draußen aus dem Knast?&ldquo;<br />
Dörte hatte ihre Freundin gehört und bat die Anwesenden, ruhig zu sein.<br />
&bdquo;Nein, warum? Du wolltest mich aus dem Lesesaal schleifen und kidnappen.&ldquo;<br />
Esme blickte zum Tisch hinüber, lehnte sich gegen die Küchenplatte und zog ihre Brauen zusammen. Sie hob das Handy vom Ohr, drückte auf das aufleuchtende Display, worauf eine harte Männerstimme hörbar wurde.<br />
&bdquo;Ich bin nicht fertig mit dir, du Hure. Und mit dieser Irren auch nicht. Freut euch auf mich und meine Familie, dann zeigen wir euch mal richtig orientalische Gastfreundschaft. Dann schieb ich dir einen neuen Braten in deinen Ofen und den lässt du dann dieses Mal nicht wegmachen!&ldquo;<br />
Die Blondine atmete tief durch, übersah die schockierten Blicke ihrer Freunde und wollte sich nicht von dem Mann unterkriegen lassen. &bdquo;Ist das nicht ein wenig klischeehaft? Selbst für dich? Lass es gut sein, sonst bekommst du noch mehr Stress und fährst sicher ein. Dein dämlicher Cousin genauso.&ldquo;<br />
&bdquo;Nee, du Bitch. Ganz sicher nicht. Bevor die mich haben, sind wir beiden Hübschen über alle Berge. Kannst schon mal dein Beautycase packen. Du wirst den Rest deines Lebens damit verbringen, zu bereuen, dass du mich um meine Ehre und mein Kind um sein Leben betrogen hast.&ldquo;<br />
&bdquo;Pass mal auf, mein Held. Hier haben jetzt vier Leute mitbekommen, was du mir angedroht hast. Da gehen wir natürlich gleich zur Polizei und zeigen dich noch einmal an. Lauf schon mal los, hörst du? Nimm deinen anderen Affen gleich mit.&ldquo;<br />
&bdquo;Ich ficke dich, du Fotze. Ich werde der Einzige sein, der dich fic&#8230;!&ldquo;<br />
Esme hatte aufgelegt und sah entgeistert auf ihr Handy hinunter. Erst nach Sekunden wechselte ihr Blick zu den Freunden.<br />
&bdquo;Das Schwein meint es ernst. Daran besteht nach dem letzten Mal kein Zweifel. Er geht jetzt an einer Krücke, hat man mir bei der Zeugenvernahme erzählt, weil ein Teil seines Gleichgewichtssinns nachhaltig von Rosalinda geschädigt wurde.&ldquo;<br />
Die Freunde zeigten sich besorgt. René schlug vor, Esme zur Polizeiwache zu bringen. &bdquo;Mike kann mitkommen, dann sind wir schon zu zweit.&ldquo;<br />
Der große Blonde verzog sein Gesicht. &bdquo;Wollen wir nicht lieber Ros fragen? Die könnte diesen Jochen holen gehen, oder wie der heißt. Kümmern sich die Nazischweine um die Kanaken, passt doch.&ldquo;<br />
&bdquo;Esme!&ldquo;<br />
Die Aufmerksamkeit der Gruppe richtete sich auf die Tür, wo Rosalinda in schwarzer Sportunterwäsche stand und fordernd zu der Blondine hinübersah.<br />
&bdquo;Du pennst die Tage bei Mike! Wir klären das selbst. Ich habe keine Lust, mich die nächste Zeit ständig auf der Straße umdrehen zu müssen.&ldquo;<br />
&bdquo;Wie klären?&ldquo;, fragte Rita. &bdquo;Das ist ein ganzer Clan, Ros. Die sind euch über.&ldquo;<br />
Die Mexikanerin warf der Rothaarigen einen müden Blick zu. &bdquo;Über sind sie dir nur dann, wenn du das zulässt. Wir nehmen die Initiative in die Hand. Dann bleibt bei den Spinnern kein Auge trocken.&ldquo;<br />
Rosalinda sah in die Runde. &bdquo;Zu Willy kein Wort! Von niemandem. Auch von dir nicht, Dörte! Ich will nicht, dass er noch mehr Stress beim Lernen hat als ohnehin schon, oder der Pfarrer davon erfährt. Diese Pisser werden keine Ruhe geben und wenn die nicht halbwegs blöd sind, werden die Bullen gegen sie nichts ausrichten können. Die beiden brauchen sich nur bedeckt zu halten und ein paar andere Schläger aus ihrem Umfeld schicken. Das kann ich gerade nicht brauchen.&ldquo;<br />
&bdquo;Und was machen wir dann jetzt?&ldquo;<br />
&bdquo;Ich hole mit Rita und René von Esme Klamotten. Dann pennt sie erst einmal bei uns. Alles andere werde ich dann die Tage sehen.&ldquo;<br />
Dörte blickte entgeistert in die Runde. &bdquo;Sie schläft bei Mike?&ldquo;<br />
Der große Blonde lächelte. &bdquo;Warum nicht? Eine Bettseite ist doch frei.&ldquo; Er blickte zu der hübschen Frau hinüber, welche nach wie vor an der Anrichte stand. &bdquo;Schnarchst nicht, oder?&ldquo;<br />
Schutzgeld?<br />
&bdquo;Was heckt ihr da aus, ihr Satansbraten? Reicht es euch nicht, dass man im ganzen Viertel diesen Schmutz über euch an die Wände geklebt hat?&ldquo; Die große schlanke Frau im schwarzen Kleid blickte zu der Gruppe junger Männer hinüber, welche an einem der Sitztische der Spielhalle saßen.<br />
&bdquo;Beruhig dich, Mutter, das vergeht wieder&ldquo;, meinte ein bulliger vollbärtiger Hüne mit Glatze.<br />
&bdquo;Was vergeht wieder? Dass man dich einen Vergewaltiger schimpft, Georges? Dass auf hunderten Plakaten dein Gesicht zu sehen ist?&ldquo;<br />
&bdquo;Ich weiß, wer das war, und er wird dafür zahlen.&ldquo;<br />
Die Frau trat an den stämmigen Mann heran, welcher ihrem Blick auswich und auf sein Bierglas hinuntersah.<br />
&bdquo;Und danach? Gehst du in den Knast wie dein Bruder?&ldquo; Sie stieß ihn mit ihrer rechten Hand gegen die Schulter. &bdquo;Oder wie dein Vater, Georges?&ldquo;<br />
&bdquo;Diese Frau hat mir meine Ehre genommen, Mutter, und die andere Schlampe mich zu einem Krüppel werden lassen. Kannst du mich denn gar nicht verstehen? Das darf es für die beiden doch nicht gewesen sein.&ldquo;<br />
&bdquo;Deine Ehre geht verloren, weil sie nein zu dir sagt? Weil eine Freundin von ihr dich und Samir verprügelt, nachdem ihr sie angegriffen habt?&ldquo;<br />
Die Mutter blickte auf den kleinen stämmigen Kerl herab, welcher schweigend neben ihrem Sohn saß. &bdquo;Dein Kopf ist gerade erst wieder verheilt. Willst du, dass er gleich wieder kaputt geht?&ldquo;<br />
&bdquo;Lass uns allein, Mama! Bitte!&ldquo; Georges hob demonstrativ die Bierflasche an den Mund, sich mit seiner Linken dabei kurz an seine Stirn fassend.<br />
Die Frau sah entgeistert in die Runde der Männer.<br />
&bdquo;Wir sind Christen! Keine Barbaren. Du bringst unserer Heimat keine Ehre, Georges.&ldquo;<br />
&bdquo;Geh jetzt! Margot hat gleich Schulaus.&ldquo;<br />
Die Frau schüttelte ihren Kopf, dann ging sie wortlos in das Hinterzimmer. Sie nahm dort den Ausgang, welcher hinaus auf den Hof führte.<br />
&bdquo;Endlich! Die Alte macht mich wahnsinnig.&ldquo; Der stämmige Südländer strich durch seinen Vollbart. &bdquo;Die scheiß Schlampe ist nicht mehr nach Hause gekommen die Tage. Dennoch ist es für mich klar, dass sie oder Freunde von ihr hinter dieser Aktion stecken.&ldquo; Er sah in die Runde seiner Freunde und Verwandten. &bdquo;Wir müssen sie finden! Sie und diese andere.&ldquo;<br />
Ein langer schlanker Mann mittleren Alters, schulterlange Haare und Sonnenbrille auf der Nase, blickte Georges nachdenklich an. &bdquo;Die Alte ist über alle Berge. Vielleicht läuft sie dir irgendwann über den Weg, mag sein. Aber ihr hinterherlaufen bringt auch nichts. Deine Mutter hat Recht. Kostet nur Zeit, welche wir in andere Richtungen besser investieren könnten.&ldquo;<br />
Statt einer Antwort griff Georges in die Seitentasche seiner schwarzen Lederjacke. Er zog sein Handy heraus und blickte auf das Display. &bdquo;Die ficken mich richtig, diese Wichser!&ldquo; Er wischte über das Display, legte das Gerät auf den Tisch, doch fing es gleich wieder an zu vibrieren.<br />
&bdquo;Das geht seit Tagen so! Das kann doch kein Zufall sein! Mein Akku ist ständig alle und mich erreicht keiner mehr.&ldquo; Entnervt sah er in die Runde seiner Freunde. &bdquo;Esme hat mein Kind wegmachen lassen! Sie wolle nichts in sich tragen, was mit einem wie mir zu tun hat. Das ist der Grund! Sie spuckte mir nicht nur ins Gesicht, sie tötet auch noch mein Fleisch und Blut. Könntet ihr darüber hinweggehen? Dass sie mir eiskalt ins Gesicht sagt, auf eine Beziehung mit so einem wie mir hat sie keine Lust und auf ein gemeinsames Kind noch weniger? Dass ich wegen dieser anderen Dose jetzt ein Krüppel bin und für mein restliches Leben bleiben werde?&ldquo;<br />
&bdquo;Krüppel sein ist immer fürs ganze Leben, Georges. Das sagt das Wort aus&ldquo;, meinte ein bärtiger Brillenträger erklärend.<br />
&bdquo;Halt deine Fresse, du Pisser!&ldquo;, brüllte Georges wütend.<br />
&bdquo;Entschuldigt, ich muss noch mal an den Verteiler!&ldquo; Ein Handwerker im Blaumann stand in der Tür der Spielhalle und grüßte mit erhobenem rechtem Arm zu der Gruppe hinüber.<br />
&bdquo;Warum das?&ldquo;, fragte Georges. &bdquo;Warst doch erst gestern da.&ldquo;<br />
&bdquo;Es gibt immer noch Schwankungen im Netz. Ich muss noch mal nachmessen.&ldquo;<br />
&bdquo;Ja gut, weißt ja jetzt, wo alles ist, Kartoffel&ldquo;, meinte der bullige Besitzer, um sich anschließend wieder seinen Freunden zuzuwenden. &bdquo;Also ihr helft mir, wenn ich weiß, wo die Alte steckt?&ldquo;<br />
Die Männer tauschten Blicke aus, dann nickten sie sich gegenseitig zu.<br />
&bdquo;Na also. Danke für das, was in einer Familie selbstverständlich sein sollte! Ihr kümmert euch bis dahin einfach weiter um das Geschäft, ich sehe zu, dass ich Esme auftreibe.&ldquo;<br />
Georges schob seinen Stuhl zurück, griff nach seiner Krücke und stakste mit ihrer Hilfe zur Theke hinüber. Der ständige Schwindel war zu seinem ewigen Begleiter geworden. Die Ärzte hatten wenig Hoffnung, dass sich sein Zustand jemals wieder bessern würde. Einzig eine leichte Linderung durch verschiedene Therapieansätze sei vorstellbar.<br />
&bdquo;Gibst mir noch eine Unterschrift?&ldquo;, bat wenig später der aus dem Keller zurückgekehrte Handwerker und hielt Georges ein Abnahmeprotokoll entgegen, den abgehenden Männern nachblickend.<br />
&bdquo;Klar!&ldquo; Georges nickte dem rundlichen Arbeiter zu und deutete auf die Bar. &bdquo;Magst was trinken, bevor du wieder ran musst?&ldquo;<br />
Der Handwerker stimmte freudig zu. &bdquo;Hast ein Alkoholfreies?&ldquo;<br />
Der massige Südländer sah ihn entgeistert an. &bdquo;Das war ja wohl jetzt ein Spaß, oder? Hier gibt es nur Männerbier. Wirst eins mit Schleifen trinken müssen.&ldquo;<br />
Georges wankte um die Theke herum, griff umständlich nach einem der Gläser und fühlte dabei den Blick des Handwerkers in seinem Rücken.<br />
&bdquo;Kaum noch Gleichgewichtssinn übrig. Haben sie mir bei einer Schlägerei kaputt gemacht. Ist spaßig, sag ich dir. So als ob man den ganzen Tag besoffen wäre, nur ohne dass man dafür trinken muss.&ldquo;<br />
&bdquo;Tut mir leid&ldquo;, ließ der Handwerker hören.<br />
Der Inhaber der Spielhalle stellte ein Bierglas auf den Tresen und eine Bierflasche dazu. &bdquo;Schenkst dir selber ein! Nicht einmal das bekomme ich hin, ohne dass es mir schlecht wird.&ldquo;<br />
&bdquo;Keine Sorge, da hat jemand einen kräftigen Negativbetrag in sein Karmakonto eingezahlt.&ldquo;<br />
Georges hob langsam eine Bierflasche an seinen Mund und nahm einen kräftigen Schluck daraus. Er setzte ab und nickte dem Handwerker zu, welcher sich geschickt und ohne viel Schaumbildung sein Bier einschenkte. &bdquo;Machst das nicht schlecht, kannst bei mir anfangen, wenn du einen Job brauchst.&ldquo;<br />
Der Handwerker dankte.<br />
&bdquo;Georges!&ldquo; Der kräftige Mann hob seinen tätowierten rechten Arm über die Theke und hielt ihm die offene Hand hin.<br />
&bdquo;Holger. Freut mich.&ldquo; Erwiderte der Handwerker die Geste.<br />
&bdquo;Musst noch lange malochen heute?&ldquo;, fragte der Deutschlibanese interessiert.<br />
Der Mann im Blaumann nahm einen beherzten Schluck, bevor er antwortete. &bdquo;Nee, bist der Letzte heute. Fahre dann zurück nach Brandenburg.&ldquo;<br />
&bdquo;Da warst du auch eine ziemliche Strecke unterwegs. Und das für einen Verteiler? Wahnsinn.&ldquo;<br />
&bdquo;Es sind mehrere in der Gegend. Haben aber immer noch keinen Dunst, warum es Schwankungen gibt. Na ja. Für euch erst einmal kein Problem. Alles noch in der Toleranz.&ldquo;<br />
Der Mann an der Bar war erleichtert. &bdquo;Ein Glück. Könnte mir im Moment keine großen Ausfälle erlauben. Die Branche ist eh rückläufig. Die zocken jetzt alle über das Internet.&ldquo;<br />
Sie unterhielten sich noch eine Weile, der Elektriker trank aus, dann war Georges mit sich und seiner Wut wieder allein. Es ärgerte ihn selbst, dass er die Frau nicht mehr aus seinem Kopf bekam. Sie hatte sein Kind in sich getragen! Und das, nachdem sie ihn nach nur zwei Nächten in den Wind geschossen hatte. Wie hatte sie sich ausgedrückt? &bdquo;Wollte wissen, ob es beim zweiten Mal besser wird.&ldquo; Mit anderen Worten, er fickte scheiße. Und als dann eine gemeinsame Freundin ihm erzählt hatte, dass er sie in andere Umstände gebracht haben musste&#8230;<br />
Er ließ seine große Faust auf die Thekenplatte herunter krachen. &bdquo;AHHHHHH!&ldquo; Er sah zu dem Tisch hinüber, an welchem er kurz zuvor noch mit seinen Freunden gesessen hatte und suchte sich wieder zu beruhigen. Nach einem langen Moment gelang es ihm, wieder einen klaren Gedanken zu fassen.<br />
Ein Griff nach Glas und Flasche, um diese wegzuräumen, dann wollte er sich auf den Weg machen. Er hatte noch keine Vorstellung, wie er am Campus unbemerkt bleiben konnte. Leider war seine äußere Erscheinung alles andere als unauffällig. Vielleicht fand er jemanden, der für ihn Esme ausfindig machen würde?<br />
Er hörte eine Tür gehen, dann trat eine Frau in einem schwarzen Sportanzug in die Spielhalle. Von mittlerer Größe schien sie von ihren Proportionen ziemlich besonders zu sein. Ihr Gesicht blieb im Schatten des Lichtscheins, welcher durch die Fenster fiel, und erst als sie in das Licht der Theke trat, konnte er ihre Züge erkennen.<br />
&bdquo;Du?&ldquo; Georges&lsquo; Augen weiteten sich, während seine buschigen Augenbrauen sich vor Staunen hoben, um sich sogleich wieder im Zorn abzusenken.<br />
&bdquo;Ja, ich. Freust dich nicht, mich zu sehen, Behindi? Wollte dich fragen, ob ich meinen Tabletstift zurückbekomme. Du brauchst ihn ja anscheinend nicht mehr. Sind gar nicht so billig, die Dinger.&ldquo;<br />
Georges brüllte auf, wollte um die Theke herum stürzen, doch sein Schwindel griff sofort und bremste nicht nur seine Bewegungen, nein, er ließ sie auch noch unbeholfen und plump wirken. Fast wäre er hingeschlagen.<br />
&bdquo;Hast du &sbquo;ne Gehhilfe, die ich dir reichen kann? Vielleicht geht es dann besser?&ldquo;, fragte die hübsche Südländerin.<br />
&bdquo;Verschwinde lieber so schnell du kannst. Erwische ich dich, bist du tot.&ldquo;<br />
&bdquo;Wow, eine richtige Morddrohung, welche du da jetzt ausgesprochen hast. Keine Sorge, ist nicht meine erste. Ich kann damit umgehen.&ldquo; Sie sah sich beiläufig um. &bdquo;Was für eine Scheißbude.&ldquo;<br />
&bdquo;Was willst du, Fotze?&ldquo;<br />
Die sportliche Frau zog den Barhocker zurück, auf welchem gerade noch der Handwerker gesessen hatte, und ließ sich lässig darauf nieder.<br />
&bdquo;Krieg ich &sbquo;ne Cola oder so?&ldquo;, fragte sie den Spielhallenbesitzer völlig ruhig.<br />
&bdquo;Ich kann dir in ein Glas spucken, das kannst du dann auch gerne umsonst haben&ldquo;, brüllte er. &bdquo;Also? Was willst du?&ldquo;<br />
Das hübsche Gesicht der Latina wirkte nachdenklich. &bdquo;Dir einen Frieden und meinen Schutz anbieten? Du gibst mir einen Teil deiner Einnahmen und du erhältst eine starke Verbündete. Mache aus Feinden Freunde, war schon immer meine Devise.&ldquo;<br />
&bdquo;Willst du mich verarschen? Du willst mich beschützen? Nimmst mir mein Gleichgewicht und jetzt machst auch noch einen auf Schutzgeld? Bist du blöd, frech, beides? Du wirst bald um Gnade schnattern, du Gans, und deine blonde Schlampe genauso.&ldquo;<br />
Die junge Frau schien völlig unbeeindruckt zu bleiben.<br />
&bdquo;Okay. Ist deine Entscheidung. Stell einfach ein rotes Licht in dein Schlafzimmer, dann treffen wir uns, solltest du es dir anders überlegen.&ldquo;<br />
&bdquo;Woher willst du wissen, wo mein Schlafzimmer ist, du Kuh?&ldquo;<br />
&bdquo;Ach, ich hab es mir angesehen, als niemand bei euch zu Hause war. Man sollte immer über die Leute Bescheid wissen, die man so kennt. Meinst du nicht? Ich finde deine Bettwäsche porno. Bordeauxrot? Ehrlich jetzt? Vielleicht hättest damit Blondi bei dir behalten können? Hättest ihr die vielleicht mal zeigen sollen.&ldquo; Sie lächelte und zeigte immer noch keinerlei Anstalten zu gehen.<br />
&bdquo;Hau jetzt ab! Ich mag deine Fratze nicht mehr ertragen müssen. Wir sehen uns dann wieder, wenn es besser passt&ldquo;, knurrte Georges.<br />
Sie zeigte ihm einen enttäuschten Gesichtsausdruck. &bdquo;Schade. Aber da kann man nichts machen. Da hilft dann nur noch steter Tropfen. Aber wie gesagt, rotes Licht und wir handeln die Konditionen aus. Einverstanden?&ldquo;<br />
Sie lächelte und stand auf. &bdquo;Ist es eigentlich bei euch normal, dass ihr alle Franzosennamen tragt? Georges, Antoine, Joseph, Elias&#8230;&ldquo;, sie trat an dem Tisch vorbei, an welchem der Besitzer vor kurzem noch mit seinen Freunden gesessen hatte. Sie strich mit ihrer Hand über dessen Tischplatte hinweg. &bdquo;Charbel, er wirkt ein wenig schwul auf mich. Da hat sein Bruder recht. Na ja, bestell den Jungs schöne Grüße unbekannterweise. Es kommen schwierige Zeiten auf uns zu. Besser wir sehen da völlig klar, was?&ldquo;<br />
&bdquo;Verpiss dich endlich, du Bitch!&ldquo;, schrie Georges.<br />
&bdquo;Hey, kein Thema. Deine Mama kommt ja auch gerade die Straße runter. Seltsam, dass oft die Frauen in solchen Familien die Einzigen sind, welche ein Hirn in ihrem Kopf tragen. Schade, dass sie mit solch dämlichen Bälgern gestraft worden ist. Muss am Vater liegen.&ldquo; Sie trat an die Tür. &bdquo;Das mit deinem Auto tut mir übrigens leid. Der Benz ist dein ganzer Stolz, oder? Hättest dich da mehr absichern müssen. In solchen Vierteln weiß man schließlich nie.&ldquo; Sie sah vergnügt in sein erschrockenes Gesicht. &bdquo;Kannst du überhaupt noch fahren?&ldquo;<br />
Georges hörte, wie sie lachend aus dem Lokal trat, da wankte er auch schon um die Theke herum. Er griff nach der Krücke, querte vorsichtig den Raum, riss die Tür auf und trat hinaus auf die Straße. Trotz der geschlossenen Häuserzeile war nichts mehr von der Frau zu sehen. Dafür bemerkte er jetzt seine Sportlimousine, deren Niederquerschnittsreifen aufgeschnitten worden waren. Dazu tiefe Riefen in den Seitentüren und Kotflügeln. Sie waren so breit, dass sie nur von einem Schraubenzieher oder ähnlichem Werkzeug herrühren konnten.<br />
&bdquo;UAAAAAAHHHH!&ldquo; Er drehte sich nach links, dann wieder nach rechts. Wo war diese Schlampe nur abgeblieben?<br />
Seltener Besuch<br />
Seit dem Überfall war Erich das erste Mal wieder bei Jochen in der Wohnung zu Besuch. Es war nach Mitternacht, ein ungewöhnlicher Zeitpunkt für ein Stelldichein. Auch Thomas war da, welcher mitleidig zu ihm hinüberblickte. Wahrscheinlich sah man ihm an, dass er immer noch starke Schmerzen hatte.<br />
Trotz der vergangenen Wochen Schonung und Therapie war Erich kaum in der Lage, sich länger als zehn Minuten anzustrengen. Hinzu kamen starke Schmerzen im gesamten Oberkörper. Es würde sich bessern, meinten die Ärzte, und mit entsprechender Therapie auch wieder ganz hergestellt werden können. Selbst mit seinem Nierenverlust konnte er ein normales Leben führen, die zweite arbeitete mit voller Leistung.<br />
Während sie warteten, war Jochen zur Tür gegangen, um Maria aufzumachen. Sie hatte gefordert, dass auch er bei der heutigen Besprechung dabei war. Trotz seines niederen Ranges in der Hierarchie der Gruppe.<br />
Er hatte sich darüber viele Gedanken gemacht. Die Mexikanerin hatte mehr als einmal zum Ausdruck gebracht, dass sie ihn als Schwachpunkt sah und wenig zutraute. Gut, er war wirklich nie der Klügste gewesen, aber dafür immer loyal. Zu Jochen und in den letzten Jahren auch zu ihr. Trotz dessen sie eine Ausländerin und Latina war. Sie verdankten dieser Frau alles. Diese Erkenntnis war mittlerweile sogar in Thomas gereift.<br />
Ihre Blicke trafen sich. Thomas nickte ihm zu. Auch er schien verwundert, dass er um diese Zeit hatte herkommen sollen.<br />
Stimmen wurden auf dem Gang laut. Susanne begrüßte freudig die Besucherin, dann trat die Mexikanerin ins Wohnzimmer. Ein flüchtiger Blick auf Thomas, ein Nicken in Erichs Richtung, dann ließ sie sich in einem der Sessel nieder. Sie hob einen schwarzen Rucksack auf ihren Schoß, öffnete dessen Reißverschluss und entnahm ihm eine mittelgroße Geschenkschachtel. &bdquo;Hier für dich!&ldquo; Mit diesen Worten warf sie das Behältnis Erich zu, welcher es geschickt auffing.<br />
&bdquo;Was ist da drin?&ldquo; Er blickte fragend zu ihr hinüber.<br />
&bdquo;Ein Mitbringsel aus einer Nachbarrepublik. War das letzte Wochenende für ein paar Stunden dort&ldquo;, erklärte ihm Rosalinda.<br />
Erich und Thomas sahen sich verwundert an, dann öffnete der so überraschend von der Mexikanerin Beschenkte die Schachtel. Jochen kam herein und zeigte sich gleichfalls verwundert über Rosalindas Großzügigkeit. Bisher hatte sie nie einen Hehl daraus gemacht, wie sehr sie den blonden Mitläufer verachtete. &bdquo;Sind das seine Oblaten?&ldquo;, erinnerte er sich an das geführte Telefonat zurück.<br />
Aufgeregt riss Erich das Geschenkpapier auf, hob den Deckel von der Schachtel und entnahm dieser anschließend eine Plastiktüte. Seine Augen weiteten sich, als er sechzehn abgetrennte Finger erkannte und vier seltsame Knorpelkugeln mit einer Art Schwanz daran.<br />
&bdquo;Laut meinen Informationen haben diese Teile den beiden Kerlen gehört, welche dich niedergeschossen haben. Ich habe sie geblendet, ihnen die Finger abgetrennt und anschließend kastriert. Keine Sorge, sie haben fast alles mitbekommen.&ldquo; Die Mexikanerin berichtete völlig gleichgültig von diesen Handlungen, dabei in seine Augen blickend.<br />
Thomas und Jochen wich das Blut aus dem Gesicht. Erich indessen reagierte mit Freude. &bdquo;Diese Schweine! Diese verdammten Schweine! Sie haben genau das bekommen, was sie verdient haben. Danke Maria! Das werde ich dir nie vergessen. Verlange, was du willst, ich mache alles für dich.&ldquo;<br />
Maria ignorierte seinen Freudentaumel schon wieder und blickte zu Jochen auf.<br />
&bdquo;Die Tschechen werden, sollten sie überhaupt noch mal bei uns aufkreuzen, verhandeln. Sie wähnen sich im Krieg mit Landsleuten aus Prag und werden nun hier in Berlin keine weitere Front aufmachen wollen. Es handelt sich bei ihnen um eine Gruppe in der Nähe des Erzgebirges, nicht allzu weit von der Grenze. Wir haben über Meth-Dealer aus Pilsen Kenntnis von ihnen erhalten. Meine Scouts haben sie ausgespäht und ich habe sie zusammen mit einer Freundin besucht. Tauchen sie noch einmal auf, werdet ihr für sie bereit sein. Thomas übernimmt dann die Verhandlungen.&ldquo;<br />
Der kahlköpfige Rechte mit dem stark beeinträchtigten linken Arm sah erschrocken zu ihr hinüber. &bdquo;Ich soll mit diesen Mördern verhandeln?&ldquo;<br />
&bdquo;Das habe ich gerade gesagt. Zumindest dann, wenn sie sich hier noch mal zeigen sollten, was ich zumindest zu diesem Zeitpunkt nicht für wahrscheinlich halte. Ihr müsst euch jetzt schützen, wie, das werde ich euch erklären. Mein Ziel ist es, dass wir unsere Plätze hier im Berliner Westen an unsere besten Verteiler vermieten, welche heute noch für uns arbeiten. Sollen andere für uns die Waren verticken und sich dabei von uns schützen lassen. Zusätzlich können wir noch das Geld für sie waschen. So bleiben wir in einem weißen Bereich und lassen sie für uns die Drecksarbeit erledigen.&ldquo; Rosalinda blickte in die Runde. &bdquo;Zehn Prozent von allen Verkäufen, welche auf unserem Gebiet getätigt werden. Wir werden weniger verdienen als jetzt, aber als kontrollierende Instanz geachtet und akzeptiert werden. Unter unserer Obhut lässt sich gutes Geld verdienen, das wird unsere Marke sein. Und wir machen Schwarzgeld blütenweiß, indem wir die Einnahmen durch die Kleingeschäfte unserer Viertel jagen. Im Großen und Ganzen werden wir die Einnahmen konsolidieren können, akzeptieren aber dabei die Grenzen der benachbarten Clans und Banden. Wenn sie ihre Konflikte miteinander austragen, wir aber den Frieden wahren, werden wir in unserer Bedeutung von alleine steigen, bis wir in der gesamten Stadt das Sagen haben werden.&ldquo;<br />
Sie sah die drei Männer der Reihe nach an. &bdquo;Jedes Mitglied unserer Organisation bekommt das gleiche Grundgehalt. Dies errechnet sich aus unseren Einnahmen. Besondere Verdienste bringen Prämien mit sich. Schafft es zum Beispiel Thomas, mit den Tschechen einen Deal zu schließen, erhält er dafür einen Bonus. Wichtig ist, dass jeder von uns nach außen hin Arbeit hat und keine Aufmerksamkeit erregt, indem er Böcke schießt. So von wegen Kohle verprassen oder ähnliche Blödheiten. Für das organisierte Verbrechen ist das Finanzamt der größte und ernstzunehmendste Gegner.&ldquo;<br />
&bdquo;Wie viel werden wir im Monat bekommen?&ldquo;, wollte Erich wissen.<br />
Rosalinda seufzte. &bdquo;Auf jeden Fall mehr, als du mit ehrlicher Arbeit verdienen könntest. Wir müssen Scheinarbeitsplätze schaffen, in denen ihr Zeit für die Organisation habt, nach außen hin aber als berufstätig geltet.&ldquo; Sie blickte zu Jochen hinüber. &bdquo;So, wie es bei dir bereits der Fall ist.&ldquo;<br />
&bdquo;Was ist mit deiner Liste, Maria?&ldquo;, fragte Thomas. &bdquo;Wann wird mein Name darauf gelöscht?&ldquo;<br />
Die Mexikanerin sah ihn nachdenklich an und blickte anschließend zu Jochen hinüber. &bdquo;Hoffe einfach, dass du vor mir stirbst.&ldquo;<br />
Susanne klopfte an und steckte ihren Kopf zur Tür herein. &bdquo;Willst etwas essen, Süße? Ich kann dir was machen.&ldquo;<br />
Die Mexikanerin war einverstanden. &bdquo;Klar, gerne.&ldquo; Sie wartete, bis Jochens Frau wieder im Flur verschwunden war, dann setzte sie die Erläuterung ihrer Pläne fort. &bdquo;Wenn jemand von uns erwischt wird, bekommt er die besten Anwälte. Auch sonst wird alles versucht, um ihn auf legalem Weg freizubekommen oder zumindest sein Urteil abzuschwächen. Wird er verknackt, wird er seine Strafe absitzen. Unter fünf Jahre, muss er keine schwarzen, aber dafür graue Geschäfte für uns machen. Sitzt er länger, bekommt er von der Organisation einen weißen Job. Sprich, er ist aus der illegalen Nummer draußen.&ldquo;<br />
Die Männer waren einverstanden. &bdquo;Krass, was du da alles ausbrütest. Aber es hört sich gut an.&ldquo;<br />
&bdquo;Wir brauchen Offizielle. Sprich Polizisten, Beamte, mächtige Entscheider&#8230; alle, welche uns nützen können. Für sie schaffen wir einen Fonds, aus welchem sie bezahlt werden. Stellt euch auch hier darauf ein, dass diese Leute zum Teil mehr verdienen werden als wir selbst. Das sichert uns ihre Loyalität und wird unsere Rollen und deren Bedeutung verschleiern. Wir brauchen dazu hübsche Frauen, die kein Problem damit haben, sich zu verkaufen. Diese Weiber müssen uns gehören! Alle Informationen, alle Bindungen laufen über uns. Sie bekommen ihr Auskommen von uns, ihre Kleidung und dürfen sich auf unsere Kosten verschönern lassen. Diese Misses setzen wir dann gezielt auf schwache Männer an. Dicke, Hässliche, Geschiedene, allgemein Unzufriedene. Haben wir hier den Fuß erst einmal in der Tür, bauen wir unseren Einfluss immer weiter aus. Kleine Gefallen hier, ein paar Informationen dort, nichts, was große Gewissenskonflikte auslöst oder Fragen aufwirft. Selbst Infos über konkrete Gefahren für uns werden durch indirekte Hinweise verschleiert. Unsere Informanten sollen sich zu jeder Zeit sicher fühlen.&ldquo;<br />
&bdquo;Baust jetzt ein mexikanisches Kartell auf, Maria? Mitten in Deutschland?&ldquo;, lachte Thomas.<br />
&bdquo;Nein! Ich baue ein deutsches Kartell auf. Mit mehr Zurückhaltung und Verstand als üblich. Weder ihr noch ich selbst wollen das Schicksal eines Escobars, Gallardos oder Chapos teilen.&ldquo;<br />
Jochen hätte bei jedem anderen Menschen dieses Vorhaben als Wahnwitz bezeichnet, doch bei dieser Frau hielt er eine Umsetzung für möglich. Jedes ihrer Worte war lange überlegt und geplant worden. &bdquo;Was macht dir dabei am meisten Angst?&ldquo;, wollte er von ihr wissen.<br />
&bdquo;Dummheit, Feigheit, Liebe, Habgier und ein Versprechen, welches ich gegeben habe&ldquo;, erwiderte die junge Frau prompt und ohne nachdenken zu müssen.<br />
&bdquo;Was für ein Versprechen, Maria?&ldquo;, wollte Erich wissen, dabei auf die Finger und Hoden herabblickend, welche er in der geschlossenen Plastiktüte vor seinen Augen hielt.<br />
&bdquo;Ich habe geschworen, niemanden mehr zu töten. Gegenüber solch zwangsläufig aufkommenden Ärgernissen kompliziert das alles.&ldquo;<br />
Thomas schluckte, ebenfalls einen Blick auf die Gliedmaßen und Organe werfend. &bdquo;Du bist wirklich gruselig.&ldquo;<br />
&bdquo;Ich traue dir keinen Zentimeter, Thomas. Sollte ich nur eine Sekunde glauben, dass du mich oder Jochen hintergehst&#8230;&ldquo;<br />
&bdquo;Mach halblang, okay? Ich hab jetzt ein geiles Leben, das werde ich für nichts auf der Welt riskieren.&ldquo;<br />
Sie nickte ihm zu. &bdquo;Gut. Ich werde dich dennoch im Auge behalten.&ldquo; Sie wandte sich wieder Jochen zu, welcher ihr in diesem Moment ein geöffnetes Bier reichte. Sie griff danach und dankte. &bdquo;Wir werden uns nur selten sehen und privat den Umgang meiden. Je weniger wir voneinander wissen, desto besser. Jochen! Du lernst von mir verschlüsselt zu kommunizieren, das bringst du dann auch deinen anderen Flöten bei. Jeder einen Kanal! Was das bedeutet, erkläre ich dir noch.&ldquo;<br />
&bdquo;Erich!&ldquo; Sie sah den schmalen blonden Rechten eindringlich an. &bdquo;Du verabschiedest dich von deinen Freunden! Ich organisiere deinen Umzug, dann lernst du eine Freundin von mir kennen. Du wirst mit ihr künftig zusammen sein. Sie wird dich ausbilden. Für die Straße bist du mir zu blöde, aber als Soldat, der wenig nachdenkt und infrage stellt&#8230;&ldquo;<br />
Jochen wollte etwas entgegnen, doch hob Rosalinda ihre Hand. &bdquo;Er will alles für mich tun? Dann soll er das künftig auch dürfen.&ldquo;<br />
Sie zog aus ihrem Rucksack ein Tablet und legte es auf den Tisch. &bdquo;Ich werde euch jetzt zeigen, wie ihr künftig unsere Straßen kontrollieren werdet und die Einnahmen entgegennehmt. Alles indirekt. Ihr legt Depots fest, in welchen die Gelder abgelegt werden, und nutzt niemals einen Platz zweimal. Ein Depot bedeutet 10.000 Euro, als feste Größe. Ein Dealer legt seine Abgabe also an Punkt A ab, bekommt aber an Punkt B Infos zu seinem gewaschenen Geld. Die Beschreibung bekommt er ganz beiläufig. Sicherheit! Versteht ihr?&ldquo;<br />
&bdquo;Und wenn uns jemand bescheißt?&ldquo;, fragte Thomas. &bdquo;Behauptet, dass etwas gefunden wurde?&ldquo;<br />
&bdquo;Einmal darf so etwas passieren, ein zweites Mal dann nicht mehr. Häufen sich solche Vorkommnisse, werden wir Exempel statuieren. Auch darüber habe ich mir Gedanken gemacht. Mir sind geläuterte Verbrecher lieber als Tote oder ins Abseits Gedrängte. Sprich! Sie bekommen eine Strafe, dürfen aber weitermachen. Bauen sie weiter Mist, potenziert sich das Strafmaß. Mehr als zwei Vorfälle wird es dabei nicht geben dürfen. Dann lernen sie es nicht mehr.&ldquo;<br />
&bdquo;Und dann? Du wolltest niemanden mehr töten.&ldquo;<br />
Rosalinda nickte Jochen zu. &bdquo;Das stimmt. Es liegt dann an euch, Recht zu sprechen.&ldquo;<br />
&bdquo;Du wirst dann also unsere Kartellchefin sein?&ldquo;, fragte Thomas spöttisch.<br />
Die Mexikanerin sah den Mann mit stechendem Blick an. &bdquo;Ihr werdet wissen, dass es so ist und froh darüber sein.&ldquo;<br />
Zusammenstoß im Park<br />
Semesterferien! Wie sehr sich Willy darauf freute. In zwei Monaten hatte Rosalinda Geburtstag, dann würden sie beide den lang ersehnten Urlaub machen. Dass seine Freundin dabei das Geld beisteuerte, störte ihn, doch wollte er sich davon seine Vorfreude nicht trüben lassen. In drei Jahren würde sich mit seinem Uniabschluss auch diese Konstellation zwischen ihnen ändern.<br />
Wie schön es mit Rosalinda die letzten Wochen gewesen war. Trotz ihrer Arbeit bei den Amerikanern hatte sie fast jeden Abend mit ihm im Lesesaal am Campus gesessen, beim Lernen geholfen und in Frustmomenten immer wieder Mut gemacht. Konnte er sich ein Leben ohne seine Mexikanerin noch vorstellen? Nein! Es entwickelte sich zwischen ihnen alles so, wie er es sich immer erträumt hatte.<br />
Dass Esme bei Mike eingezogen war, hatte er überrascht zur Kenntnis genommen. Irgendetwas schien seiner Kommilitonin Sorgen zu bereiten, doch wollte sie nicht darüber reden. Ros war es schließlich, die angedeutet hatte, dass es um diesen Schläger ging, welcher damals im Lesesaal aufgetaucht war.<br />
Dörte störte diese neue Wohnsituation in der WG sehr. Nicht nur, dass Rosalinda, Rita und Esme noch mehr Zeit miteinander verbrachten als ohnehin schon, nein, auch Mike schien sich souverän mit der Gesellschaft dieser hübschen Frau von ihr zu distanzieren. Trotz der asexuellen Beziehung, welche die beiden zueinander unterhielten.<br />
Trotz seines triebhaften Wesens wollte Mike der hübschen Blondine gegenüber Kavalier spielen, und Esme hatte im Moment zu viele Sorgen, um sich ihrem sexuellen Verlangen zu widmen. So verbrachten sie schon seit mehreren Wochen ein merkwürdig unkompliziertes Miteinander, und fast bekam man von den beiden den Eindruck vermittelt, dass eine echte Freundschaft daraus erwachsen könnte.<br />
&bdquo;Kinderschokolade und Mandel, Hase!&ldquo;, rief ihm Rosalinda zu, sich auf einer Bank fläzend. Sie blickte durch ihre verspiegelte Pilotenbrille in den blauen Herbsthimmel hinauf und erfreute sich der entspannten Atmosphäre des Tiergartens. Familien bevölkerten die Wege um den Eiswagen herum und Mütter, Väter, aber auch etliche Pärchen standen dort nach einer willkommenen Erfrischung an. Wahrscheinlich einer der letzten warmen Tage des Jahres.<br />
Es dauerte lange, bis Willy endlich mit den beiden Eistüten zu ihr zurückkehrte. Bereits an der seinen leckend, reichte er ihr erst eine Serviette, bevor er das Eis an sie weitergab.<br />
&bdquo;Ganz der Gentleman. Komm, lass uns weitergehen. Vielleicht finden wir ein ungestörteres Fleckchen? Dann kannst du danach an einer anderen Süßigkeit lecken.&ldquo;<br />
Willy schoss sofort wieder die Schamesröte ins Gesicht. Er zeigte sich einverstanden, warf aber einen sehnsüchtigen Blick in Richtung Bank, welche sogleich von drei Mädchen in Beschlag genommen wurde, kaum dass Rosalinda von dieser aufgestanden war. Er hätte gerne erst einmal in Ruhe das Eis genossen.<br />
&bdquo;Wollten wir nicht in Richtung Siegessäule?&ldquo;, fragte er erstaunt, als Rosalinda links abbog statt rechts. Sie hielt ihr Handy in der Hand, blickte kurz zu ihm auf, dann las sie in ihrem Messenger und steckte es anschließend in die Gesäßtasche ihrer Hose.<br />
&bdquo;Ach lass uns tiefer ins Grün. Ist mir lieber als Horden von Touris um uns herum. Du wolltest doch mit mir das Wochenende genießen, also brauche ich auch nur dich und keine Menschenaufläufe.&ldquo;<br />
So gingen sie weiter den Hauptweg Richtung Süden, bogen in einen Seitenweg ein und hatten bald das Eis aufgegessen. Erst an der Luiseninsel bogen sie Richtung Westen ein und ließen sich, zu Willys Freude, an einer Lichtung auf einer hölzernen Sitzbank nieder.<br />
&bdquo;Es wird nicht mehr lange hell bleiben, Maus. Wenn wir nicht im Dunkeln durch den Park laufen wollen, müssen wir spätestens in einer Stunde los.&ldquo;<br />
Rosalinda lehnte sich gegen ihn und seufzte.<br />
&bdquo;Die Stille tut gut. Einfach mal Ruhe im Kopf.&ldquo; Sie lachte. &bdquo;Das geht mir sonst nur so, wenn du in mir bist, mein Süßer.&ldquo;<br />
Willy legte seinen linken Arm über ihre Schultern und schloss seine Augen. Auch er war froh, einfach nur die vorherrschende Stille um sie beide herum genießen zu dürfen. Fünf Minuten später hatte sie ihren Hinterkopf auf seinen Schoß gebettet und die Beine auf der Sitzfläche der Bank ausgestreckt. Vögel zwitscherten über ihnen im Geäst, während ein sanfter Wind in die Baumkronen hineingriff und damit ein verhaltenes Rauschen erzeugte.<br />
Wieder hob Rosalinda ihr Handy an, entsperrte das Display und sah sich das Video eines mexikanischen Puppenspielers an. Sie lachte, dann legte sie das Gerät wieder beiseite.<br />
Willy hörte auf, sich zu wundern. Das passierte häufig am Tag. Ganz spontan sah sie sich auf irgendwelchen Social-Media-Plattformen Beiträge an, um dann sofort wieder damit aufzuhören. Er fand das seltsam. Er selbst konnte sich, erst einmal mit diesem Scheiß angefangen, kaum noch davon lösen. Er hatte sie immer mal wieder deshalb gefragt, aber sie meinte nur, dass sie es unter Kontrolle halten wollte.<br />
&bdquo;Gestern hat Emilia wieder die ganze Zeit meinen Daumen umklammert und gelächelt. Ich glaube, sie hält mich für ihren Papa. Meinst du, ich bilde mir das ein?&ldquo;<br />
&bdquo;Warum nicht? Sie wird die Bindung zu einem Mann instinktiv suchen. Und da du mit Abstand am häufigsten Franzi besuchst, kann ich mir das schon vorstellen.&ldquo;<br />
&bdquo;Du hältst dich in den letzten Wochen wieder ziemlich bedeckt. Meine Sis hat schon gefragt, ob sie etwas ausgefressen hat.&ldquo;<br />
Rosalinda seufzte. Wie so oft, wenn sie mit den Erwartungen anderer an ihre Person konfrontiert wurde. So zog sie genervt von diesem Gedanken ihr Handy heraus, sah sich einen Videoclip an, tippte einen Kommentar, dann erst war sie wieder bei ihm.<br />
&bdquo;Ich hab halt mit allem viel Stress. Und wenn ich dann mal Zeit habe, möchte ich nicht zwei Stunden damit verschwenden müssen, nach Wustermark und zurück zu fahren. Ich komme nächstes Wochenende mit, versprochen. Will doch auch gucken, wie groß die Maus inzwischen geworden ist.&ldquo;<br />
&bdquo;Du bist die Einzige, bei der sie bisher nie geheult hat, wenn sie auf dem Arm war. Das ist jedem aufgefallen. Das ist unglaublich. Du kannst gut mit Kindern und das, obwohl du immer sagst, dass sie dir auf den Sack gehen.&ldquo;<br />
&bdquo;Ach, auch Jane meint, ich hätte das Potential zur Sozialpädagogin. Vielleicht mache ich doch noch mein Abi? Über die Amis kann ich da bestimmt wieder etwas beschleunigen.&ldquo;<br />
&bdquo;Du nutzt die Leute vom Stützpunkt nur aus, kann das sein?&ldquo;, fragte Willy besorgt.<br />
&bdquo;Solange sie sich nicht daran stören, kann es uns doch egal sein. Irgendetwas scheine ich ihnen ja zu bringen, sonst würden sie sich mit mir nicht so viel Mühe geben.&ldquo;<br />
Rosalinda richtete sich abrupt auf, streckte sich, dann blickte sie nach links den Weg hinunter.<br />
&bdquo;So, Willymaus. Wir haben unliebsamen Besuch, welchem wir uns erst einmal widmen müssen, danach gehen wir aber essen. Einverstanden? Hast recht, dauert nicht mehr lang, bis die Sonne untergegangen ist.&ldquo;<br />
Willy folgte ihrem Blick und erkannte sechs stämmige Männer, welche zielstrebig auf sie zuhielten. Einer von ihnen humpelte und musste sich von einem seiner Begleiter stützen lassen.<br />
Rosalinda gähnte, streckte sich, zog sich dann aber wieder ihre Schuhe an und schien sich um die aufziehende Bedrohung nicht weiter zu sorgen.<br />
&bdquo;Na du Fotze? Überrascht?&ldquo;, dröhnte eine herbe Männerstimme schon aus der Ferne.<br />
Rosalinda sah vergnügt zu dem breitschultrigen Kerl hinüber, in welchem Willy jetzt den Schläger aus dem Unilesesaal erkannte. Er hatte Angst und sah in diesem Augenblick keinen Ausweg, um dieser Situation unbeschadet entkommen zu können. Er traute seiner Freundin viel zu, aber mit sechs solcher Kolosse würde selbst sie es nicht aufnehmen können.<br />
&bdquo;Du hast meine Spielhalle abgebrannt! Und Pierre den Laden schließen lassen. Du willst es richtig wissen, hab ich recht?&ldquo;<br />
Rosalinda lachte. &bdquo;Aber das habe ich dir doch gesagt, dass ich es wissen will. Mich erstaunt, dass du dich darüber wunderst. Ich habe dir ein Angebot gemacht, um des Friedens Willen, und du hast es ausgeschlagen. Ich musste doch annehmen, dass du mich nicht ernst nehmen möchtest.&ldquo;<br />
&bdquo;Wir machen dich jetzt fertig, Bitch, und deine dicke Qualle gleich mit. Dann sagst du uns, wo die Hure ist, und dann lassen wir vielleicht ein Fünkchen Leben in euch beide. Na? Wie hört sich das für euch an?&ldquo;<br />
Rosalinda verschränkte ihre Arme vor der Brust. &bdquo;Tut mir leid, aber mit deinem Vorhaben bin ich nicht einverstanden. Wenn du uns bedrohst, setzen wir uns zur Wehr, habe ich nicht recht, Willyschatz?&ldquo; Ihre Stimme klang übertrieben ernst in diesem Moment und höhnte die Männer.<br />
Willy sah sie entgeistert an. &bdquo;Die sind zu sechst, Ros. Das schaffst du nicht, und ich bin dir keine Hilfe.&ldquo;<br />
Die Mexikanerin hob ihre Hand rücklings an sein Gesicht, um ihn zu beschwichtigen, ihre Gegner nach wie vor im Auge behaltend. &bdquo;Du musst dir keine Sorgen machen, mein Baby.&ldquo; Sie hob ihr Handy an und drehte es so, dass sie den Männern das Display zeigen konnte. &bdquo;Schaut nicht so doof drein! Die Polizei ist im Videochat. Lustig, oder?&ldquo; Sie lachte. &bdquo;Die Damen und Herren von der Exekutive wollen sicher wissen, wer uns hier bedroht, was Willy? Nun, da haben wir Georges und Samir Khoury, dann wären da noch Antoine, Joseph und Elias Gemayel und&#8230;&ldquo; Sie blickte zu dem schlanken Mann mit den schulterlangen, nach hinten gegelten Haaren und der Sonnenbrille auf. &bdquo;Wie hieß der Schwule noch mal?&ldquo;<br />
&bdquo;Was laberst du da?&ldquo;, schrie der Mann, welcher sich beleidigt fühlte, auf und wollte sich in diesem Augenblick auf sie stürzen. Doch in diesem Moment hielt die junge Frau einen Faustdolch in ihrer rechten Hand und in der Linken eine Dose Pfefferspray, nachdem sie das Handy ihrem Freund zugeworfen hatte. Der hätte es beinahe beim Fangen fallengelassen und musste zweimal nachgreifen, bevor er es sicher hatte. &bdquo;Probiere es ruhig! Kannst ja deinen Kumpel Georges fragen, wie es dir dann in ein paar Sekunden gehen wird.&ldquo;<br />
&bdquo;Lasst uns abhauen! Bevor wirklich die Bullen kommen&ldquo;, bat einer der Männer, sich dabei nervös umblickend.<br />
&bdquo;Solltet auf ihn hören. Ihr habt sicher alle eure Handys dabei, richtig? Dann weiß die Polizei jetzt, dass ich nicht gelogen habe. Und du, Georges, wanderst jetzt in den Knast, es sei denn, du verpisst dich, so schnell es dein Watschelgang zulässt, gelle?&ldquo;<br />
&bdquo;Du bist eine Ausgeburt des Satans! Du bist kein Mensch. Du bist ein Scheusal, ein Monster.&ldquo;<br />
Die Mexikanerin grinste. &bdquo;Hab ich alles schon gehört, von daher könnte etwas dran sein.&ldquo; Sie hob den Zeigefinger ihrer linken Hand, in welcher sie die Reizgasdose hielt. &bdquo;Lauscht! Vernehmt ihr es auch? Sirenen! Gleich sind die Freunde und Helfer da.&ldquo; Sie lachte schallend auf. &bdquo;Passt auf eurem Rückweg auf, einverstanden? Blöd für euch, Alibi ist jetzt nicht mehr.&ldquo;<br />
Die Männer wandten sich zum Gehen, nur Georges blieb unschlüssig stehen. Es kam ihm wie eine neue Hölle vor, sein so nahes Ziel nicht erreichen zu können.<br />
&bdquo;Beeile dich, Georges. Denn wenn dich jetzt nicht die Bullen schnappen, kriegen euch meine Freunde. Und die tun euch dann mal so richtig weh.&ldquo; Sie nickte dem Deutschlibanesen zu, welcher sie entgeistert ansah. &bdquo;Rote Lampe und alle deine Probleme verschwinden. Buenas noches, mi querido!&ldquo;<br />
&bdquo;Was bist du nur?&ldquo;, flüsterte der kräftige Mann ungläubig. Dann wandte er sich ab und stelzte mit seiner Krücke hastig den Weg zurück. Die Sirenen der Polizei waren jetzt nur allzu deutlich zu vernehmen.<br />
Willy blickte den sechs Männern nach, während seine Freundin wieder mit ihrem Handy hantierte. Was passierte denn hier nur? &bdquo;Wusstest du etwa, dass die kommen?&ldquo;<br />
Sie hob ihren Kopf, sah ihn an, dann nickte sie. &bdquo;Ich bin gleich bei dir, Süßer! Ich muss noch was regeln, damit diese Scheiße endlich ein Ende findet.&ldquo;<br />
&bdquo;Was regeln? Was meinte er mit Spielhalle anzünden?&ldquo; Er wurde laut. &bdquo;Was tust du hier nur, Ros? Du bringst uns in Gefahr!&ldquo;<br />
Er kannte das. Sie würde ihn gleich mit einer Erklärung konfrontieren, der er sich nicht entziehen konnte. Es klang bei ihr alles logisch und es gab kein Grau zwischen ihrem Weiß und Schwarz.<br />
&bdquo;Ich habe seine Spielhalle nicht angezündet. Das war jemand anderes. Ich habe nur dazu geraten, da will ich ehrlich zu dir sein.&ldquo;<br />
Willy starrte sie fassungslos an. &bdquo;Du machst dort weiter, wo du vor Jahren aufgehört hast.&ldquo;<br />
Rosalinda spürte seinen Kampf. In diesem Moment überlegte er zu gehen, ahnte sie.<br />
&bdquo;Ich bin wegen dir in diese Situation gekommen, ist dir das eigentlich klar?&ldquo;, meinte sie schließlich gereizt.<br />
&bdquo;Wegen mir?&ldquo; Willy sah sie fassungslos an.<br />
&bdquo;Hättest du Esme versucht zu helfen?&ldquo;<br />
Er wusste sofort, worauf sie hinauswollte. &bdquo;Du hättest zur Polizei gehen können, wenn er dich bedroht. Die hätten geholfen.&ldquo;<br />
&bdquo;Das ist eine Großfamilie, Willy. Die gibt es in meiner Heimat auch. Hat einer ein Problem, haben alle ein Problem. Es wäre nicht Georges gewesen, der mich und Esme angegriffen hätte. Oder auch dich, Willy. Es wären Freunde, Verwandte oder Bekannte gewesen, während er ein Alibi gehabt hätte. Das ist ganz einfach, und die Polizei kann dann gar nichts mehr machen.&ldquo;<br />
Sie blickte sich um, doch von den Männern war nichts mehr zu sehen. Stattdessen kamen drei Streifenwagen im raschen Tempo den Gehweg hochgefahren. Besorgt dreinblickende Beamte in blauen Uniformen stiegen aus und kamen zu ihnen herangelaufen.<br />
&bdquo;Sind Sie verletzt?&ldquo;, fragte eine junge Beamtin schon von Weitem.<br />
&bdquo;Nein. Alles gut. Sie sind weg.&ldquo; Rosalinda griff nach der Hand ihres Freundes. &bdquo;Ich bin froh, dass er bei mir war.&ldquo;<br />
&bdquo;Uns wurde von der Zentrale mitgeteilt, dass Sie die Männer kennen?&ldquo;, fragte einer der Polizisten.<br />
&bdquo;Nur zwei von ihnen. Von den anderen hatte ich nur die Namen. Eine Bekannte hatte mir von den Männern erzählt. Die beiden, die ich kenne, haben eine Freundin an der Uni angegriffen. Ich habe ihr versucht zu helfen.&ldquo;<br />
&bdquo;Erfolgreich, wie wir gehört haben. Das hätte jetzt deren Racheaktion werden sollen?&ldquo;, mutmaßte der Polizist.<br />
Rosalinda hob ihre Schultern. &bdquo;Ich weiß es nicht. Wäre schön, wenn wir keine Angst mehr haben müssten.&ldquo;<br />
&bdquo;Sie erstatten Anzeige?&ldquo;, fragte die Beamtin. Rosalinda zögerte, doch war es Willy, der ihr diese Entscheidung abnahm. &bdquo;Ja, das werden wir. Müssen wir dazu mitkommen?&ldquo;<br />
Die Polizisten berieten kurz. Dann wurde den beiden jungen Leuten vorgeschlagen, sie mit aufs Präsidium zu nehmen. Rosalinda wollte nicht bei der Polizei mitfahren, doch Willy bestand darauf. Er wollte nicht das Risiko eingehen, noch einmal auf diese Leute zu stoßen.<br />
So stieg Rosalinda das erste Mal in ihrem Leben in einen deutschen Polizeiwagen ein, sich insgeheim fragend, ob es dabei bleiben würde. Den Blick aus dem Wagenfenster heraus auf die Bäume gerichtet, spürte sie Willys Blick. Sie würden streiten und sie sorgte sich über das Ausmaß. Irgendwo dort draußen würde man sich in diesem Moment um die Libanesen kümmern. Kartellfinger, die sechs Männer würden heute wissen, was es damit auf sich hat.<br />
&bdquo;Wird es einen Tag geben, an welchem du mir nicht mehr die Schuld geben kannst für das, was passiert ist?&ldquo;<br />
Sie sah zu ihm hinüber. &bdquo;Ich habe das verteidigt, was dir wichtig war. Du bestrafst mich jetzt dafür? Weil ich weiß, wie solche Dinge laufen und du nicht? Du liest nur das, was in den Nachrichten steht. Aber frag diese Polizisten, wie viele Menschen in Berlin verschwinden, ohne jemals wieder aufzutauchen! Wie viele in Deutschland?&ldquo; Sie sah ihn eindringlich an. &bdquo;Was denkst du, wäre mit Esme passiert, wenn dieser Nette sie noch einmal in die Finger bekommen hätte? In seinen Augen hat sie seinen Thronfolger getötet und ihn um seinen Männerstolz gebracht.&ldquo;<br />
Willy erwiderte ihren Blick. Sie konnte in seinen Zügen lesen, dass er mit ihrer Einschätzung kämpfte. &bdquo;Gut. Du magst recht haben. Mit allem. Aber fällt dir nicht selbst auf, dass das, was andere Menschen in zehn Leben erfahren, du in wenigen Monaten zusammenbekommst? Und es ist kein Ende in Sicht. Kannst du nicht verstehen, dass ich Angst um dich habe? Um uns beide? Auf jede deiner Aktionen wird es eine Reaktion geben, bis du eines Tages feststellen musst, dass du sie nicht mehr kontrollieren kannst.&ldquo;<br />
&bdquo;Doch. Kann und werde ich. Aber ich habe jetzt auch keinen Bock, mit dir in einer Bullenkarre zu rechten. Fakt ist, dass alle in mir immer die crazy Alte sehen und sich gerne ihrer bedienen, wenn es passt. Aber wehe, es wird komisch, dann bin ich auf einmal die Blöde und Täter werden zu meinen Opfern.&ldquo;<br />
&bdquo;Es sollte einfach ein schöner Tag zwischen uns werden&ldquo;, stellte Willy resignierend fest.<br />
&bdquo;Und? Wir gehen zur Wache, unterschreiben einen Wisch, und dann können wir immer noch schick essen gehen und danach poppen. Wo ist das Problem? Die Typen tun uns nichts mehr, versprochen.&ldquo;<br />
&bdquo;Wie kannst du dir da so sicher sein?&ldquo;, fragte er misstrauisch.<br />
&bdquo;Weil ich das alles schon zigfach erlebt habe, Süßer. Können wir wieder gut miteinander sein? Bitte!&ldquo;<br />
Die Polizistin am Steuer und ihr Kollege auf dem Beifahrersitz tauschten vielsagende Blicke aus. Rosalinda störte es, dass die Beamten ihre Unterhaltung mitverfolgt hatten. So lehnte sie sich zurück, wartete nicht weiter auf eine Reaktion Willys und zog ihr Handy hervor. Sie öffnete den Beitrag zweier Sambatänzerinnen und fand in den Kommentaren eine rote Sonne. Ein rotes Licht! Es verschaffte ihr in diesem Moment keine Genugtuung.<br />
Im Eingangsbereich der Wache war viel los. Sie wurden von den Beamten gebeten, im Wartebereich Platz zu nehmen. Sie würden dann aufgerufen werden. So setzte sich Rosalinda auf die Sitzfläche einer freien Wartebank und war erleichtert, dass Willy neben ihr Platz nahm. Er konnte ziemlich übellaunig werden, wenn ihm etwas gegen den Strich ging oder ihm Sorge bereitete. Auch oder gerade ihr gegenüber.<br />
Sie nahm ihr Handy zur Hand, ging ihre Nachrichten durch und fand eine von Rita. &bdquo;Uns geht es jetzt wieder gut. Danke!&ldquo;<br />
Rosalinda lächelte. Es schien alles erfolgreich geklärt worden zu sein. Und weiter als Sach- und vernachlässigbare Personenschäden hatte das Ganze nicht zur Folge gehabt. Ganz im Gegenteil. Sie hatte ihren Einflussbereich erfolgreich erweitert und schon bald würden die Deutschlibanesen erkennen, wie unbeschwert es sich unter ihrem Schutz Geld verdienen ließ.<br />
Mit ihrer Anzeige würde sie Georges sicher für einige Jahre in den Knast sperren, aber sie würde dafür Sorge tragen, dass er das mildeste Urteil bekam, was nur möglich war. Sie konnte Feinde nicht brauchen. Nicht in einer Zeit, in welcher sich ihre deutsche Organisation noch im Aufbau befand.<br />
Eine junge schlanke Frau, begleitet von zwei weiteren Frauen, schien völlig aufgelöst zu sein. Sie trat an den Tresen heran und wollte augenscheinlich eine Anzeige erstatten. Was mochte ihr passiert sein? Rosalinda bemerkte Hämatome in ihrem Gesicht und zählte eins und eins zusammen. Opfer! In ihrem Kopf klang das Wort herablassend.<br />
Willy sprang natürlich sofort auf dieses Bild an. Und vielleicht war es diesem geschuldet, dass er den Frieden zu ihr suchte. &bdquo;Das hätten auch wir sein können.&ldquo;<br />
Rosalinda warf ihm einen nichtssagenden Blick zu. Sie schien keine Lust zu haben, auf seinen Kommentar etwas zu entgegnen. Er kannte das. Jetzt, wo er sich langsam beruhigte, war sie es, die zu zicken begann. Gut, sollte sie. Sie würden sich früher oder später beide wieder einbekommen.<br />
Die drei Frauen nahmen Platz, wahrscheinlich mussten auch sie warten, bis die Staatsgewalt Zeit für sie hatte. Willy nahm sein Handy zur Hand und las. Wie lange war es her, dass er mal etwas anderes konsumiert hatte als seinen Lernstoff?<br />
Auch Rosalinda schien zu lesen. Nur ab und an sah sie sich einen Social-Media-Beitrag an. Willy wollte sich nicht mehr daran stören, doch kreisten auch jetzt wieder seine Gedanken darum. Er kannte niemanden außer seiner Freundin, der auf ähnliche Weise solche Dienste nutzte. Sie sah sich immer nur einen Beitrag an und schien auch direkt danach zu suchen, wobei ihre Favoriten leer waren. Sie hatte die Namen der Konten im Kopf. Er hatte es gesehen, als er sich ihr Handy für eine Internetrecherche geborgt hatte.<br />
Rosalinda war keine normale Frau. Was wunderte er sich eigentlich noch über sie? Er seufzte und bemerkte jetzt einen Mann mittleren Alters, der, gekleidet in einem grünen Herrenhemd und Jeanshosen, zielstrebig auf sie zukam. Im Gegensatz zu den anderen Beamten auf der Wache wirkte dieser Polizist dynamisch und freundlich auf ihn.<br />
&bdquo;Frau Seydlitz, Herr Beckmann?&ldquo; Der Mann trat an sie heran, während sie aufstanden, und bot ihnen seine Hand. &bdquo;Mein Name ist Ludens. Wenn Sie mir dann bitte auf mein Dienstzimmer folgen möchten?&ldquo;<br />
Die beiden jungen Menschen folgten dem Mann durch lange Gänge hindurch, nahmen eine Treppe bis in den zweiten Stock und traten dann an ihm vorbei in ein kleines Dienstzimmer mit zwei Arbeitsplätzen.<br />
&bdquo;Wenn Sie sich auf die beiden Stühle verteilen würden? Es tut mir leid, aber mehr gibt dieser Raum nicht her.&ldquo; Er lächelte und ließ sich auf seinen Bürostuhl nieder, während Rosalinda an dem zweiten Arbeitsplatz Platz nahm und Willy sich auf einen einfachen Besucherstuhl niederließ.<br />
&bdquo;Würden Sie mir in kurzen Worten schildern, was passiert ist?&ldquo; Ludens sah an den Bildschirmen vorbei zu der Lateinamerikanerin hinüber, welche sich auf dem Bürostuhl sitzend hin und her drehte.<br />
Die junge Frau schien völlig angstfrei zu sein, schilderte in einer nüchternen Betrachtung das Zusammentreffen mit den sechs Männern und auch, in welchem Verhältnis sie zu diesen stand. Auch dass sie bereits bei einem von ihnen vorgesprochen hatte, um dem Konflikt eine friedliche Richtung zu geben, verschwieg sie ihm nicht.<br />
&bdquo;Als ich die Akte gelesen habe, wollte ich meinen Augen nicht trauen, Frau Seydlitz. Sie sind noch nicht einmal volljährig und haben zwei bereits wegen diverser Gewaltdelikte auffällig gewordene Männer überwältigt. Beeindruckend.&ldquo;<br />
Rosalinda lächelte. &bdquo;Ach, ich fand da jetzt nichts weiter dran.&ldquo;<br />
Ludens tippte auf der Tastatur herum, dabei immer wieder zu der jungen Frau hinüberblickend. &bdquo;Kollegin Keim hat Sie als Tatverdächtige eines Gewaltdeliktes vernommen, in welchem die Aussage getätigt worden ist, dass Sie in Ihrer früheren Heimat eine ziemlich besondere Lebensführung nachgegangen sein sollen. Es war sogar von mehrfachem Mord die Rede. Möchten Sie hier nähere Angaben dazu machen?&ldquo;<br />
Rosalinda sah den Beamten an. &bdquo;Und was soll das Ihnen in Verbindung mit dem, was heute passiert ist, helfen?&ldquo;<br />
&bdquo;Je offener Sie mit Ihrer Vergangenheit umgehen, desto plausibler ist es für uns, dass Sie diese auch wirklich hinter sich gelassen haben, Frau Seydlitz. Sie scheinen Gewalt nicht aus dem Weg zu gehen, wenn Sie auf diese stoßen. Von daher könnte es weitere Vorfälle dieser Art geben.&ldquo; Sein Blick wechselte zu Willy hinüber, der aufmerksam dem Dialog der beiden folgte. &bdquo;Und wenn ich Ihren Partner betrachte, scheint ihm das ebenfalls wahrscheinlich.&ldquo;<br />
&bdquo;Und ich schließe mir damit nicht selbst ins Knie?&ldquo;, fragte die junge Frau mit heiserer Stimme.<br />
&bdquo;Sie haben eine Studentin verteidigt, daran gibt es nichts Verwerfliches. Und selbst wenn es gestimmt hätte, was man sich über diesen Rechtsradikalen im Olympiadorf erzählt, dann haben Sie auch hier nur auf eine zuvor stattgefundene Aggression reagiert. So scheinen Sie nur das zu verteidigen, was Ihnen wichtig scheint, nicht aber gezielt solche Konflikte zu suchen.&ldquo; Er lächelte. &bdquo;Frau Keim hatte sich eindringlich um Informationen zu Ihnen bemüht, doch die Amerikaner geben keine an uns weiter. Von daher sind Sie in den Augen der deutschen Justiz völlig unbelastet.&ldquo;<br />
&bdquo;Ich bin in keinem strafmündigen Alter gewesen, von daher sollte auch meine Vergangenheit nichts daran ändern, oder irre ich?&ldquo;<br />
Der Polizeibeamte nickte ihr zu. &bdquo;Absolut. Also wollen Sie etwas davon preisgeben?&ldquo;<br />
&bdquo;Ich sehe keinen Sinn darin. Ich würde mir doch selber schaden&ldquo;, tat Rosalinda erneut ihre Bedenken kund.<br />
Willy war es, der anderer Meinung war.<br />
&bdquo;Warum denn nicht? Du hast doch nichts zu verbergen, Ros. Erzähle es ihm! Das alles liegt hinter dir und hat nichts mehr mit deinem jetzigen Leben zu tun.&ldquo; Seine Stimme klang jetzt wieder gereizt. Er wollte endlich einen Schlussstrich unter diese Scheiße ziehen.<br />
Der Polizist blickte zwischen den beiden jungen Leuten hin und her. Er fühlte deutlich eine Spannung zwischen ihnen.<br />
Die Latina hob ihre Schultern. &bdquo;Gut, einverstanden. Wenn der Vater Staat über seine Tochter Bescheid wissen möchte&#8230;&ldquo;, sie deutete auf den Bildschirm. &bdquo;Sie vermerken aber, dass ich ohne Not kooperiert habe!&ldquo;<br />
Ludens versprach es ihr. &bdquo;Selbstverständlich, Frau Seydlitz.&ldquo;<br />
&bdquo;Ich habe eine Gang geführt. Wir waren in Ciudad Juarez aktiv und haben dort&#8230;&ldquo;, sie atmete tief durch, &bdquo;&#8230; illegalen Handel getrieben.&ldquo;<br />
&bdquo;Welche Art von Handel?&ldquo;, wollte der Polizist wissen.<br />
&bdquo;Drogen, Waffen, Menschen, Dienstleistungen&#8230;&ldquo;, antwortete die junge Frau, dabei mit ihrem Zopf spielend.<br />
&bdquo;Was für Dienstleistungen?&ldquo;, fragte der Polizist interessiert nach.<br />
&bdquo;Erpressung, Entführung, Auftragsmord, Einschüchterungen, Verhöre&#8230;&ldquo;<br />
Der deutsche Polizist wurde bleich. Dennoch fragte er weiter. &bdquo;Wie viele Mitglieder hatte diese Gang, von der Sie da sprechen?&ldquo;<br />
&bdquo;Damals? Zweihundertsiebzehn. Heute dürften es noch ein paar mehr sein.&ldquo;<br />
Der Polizist sah sie mit großen Augen an. &bdquo;Um Gotteswillen!&ldquo; Er schüttelte seinen Kopf.<br />
&bdquo;Stehen Sie mit Mitgliedern Ihrer Gang noch in Kontakt?&ldquo;<br />
Rosalinda nickte zu Willys Überraschung. &bdquo;Ja, über die DEA. Ich helfe bei einem Resozialisierungsprogramm mit.&ldquo;<br />
&bdquo;Danke für Ihre Offenheit. Das spricht für Sie und Ihre Entwicklung.&ldquo; Ludens nickte den beiden zu, dann schob er seinen Bürostuhl zurück. &bdquo;Ihre Anzeige habe ich aufgenommen. Ich hole nur noch die Ausdrucke und bekomme eine Unterschrift von Ihnen beiden, dann sind wir fertig.&ldquo;<br />
Die beiden jungen Leute standen auf, traten an den Platz des Polizisten, nachdem er die Dokumente geholt hatte, und unterschrieben die Aussagen. Dabei lasen sie beide genau, was sie hier unterzeichnen sollten.<br />
&bdquo;Es steht nichts von dem drin, was ich Ihnen erzählt habe&ldquo;, zeigte sich Rosalinda erstaunt. Sie sah fragend zu Ludens auf.<br />
&bdquo;Das muss nicht im offiziellen Bericht stehen, Frau Seydlitz. Die Amerikaner wollten uns doof sterben lassen, das heißt, würden wir offiziell nachfragen, würden wir wahrscheinlich nur eins von oben auf den Deckel bekommen. Wir können davon ausgehen, dass es damals mächtige Entscheider gegeben hatte, welche bereit waren, Ihnen diese Chance zu geben. Von daher hoffen wir jetzt einfach das Beste.&ldquo;<br />
&bdquo;Sie scheinen ja äußerst zuversichtlich&ldquo;, zeigte sich Willy zynisch.<br />
Der Polizist hob seine Brauen und winkte ab. &bdquo;Nein, Herr Beckmann! Sie missverstehen mich. Ich glaube schon an Veränderung im Menschen. Aber man sollte auch nicht zu viel verlangen, richtig? Ihre Partnerin wird immer ein gewisses Potenzial haben, uns zu beschäftigen, wenn sie in besondere Situationen gerät. Was das betrifft, sehe ich völlig klar. Und ich denke, Sie beide auch. Man kommt nur zu einem gewissen Maße aus der eigenen Haut heraus.&ldquo; Er öffnete für die beiden jungen Leute die Tür, trat mit ihnen zusammen auf den Flur heraus und geleitete sie zurück in die Eingangshalle. Ein kurzer Abschied, dann ging er auf die drei jungen Frauen zu und begrüßte sie ähnlich umsichtig und rücksichtsvoll wie zuvor Rosalinda und Willy.<br />
Gemeinsames Essen<br />
&bdquo;Es ist ganz nice hier. Haste gut ausgesucht. Vietnamese hatten wir noch nicht.&ldquo; Rosalinda sah sich in dem gediegenen Restaurant um, nahm von einer freundlichen Asiatin die Karte entgegen und schlug sie neugierig auf. &bdquo;Ich habe einen Wahnsinnshunger.&ldquo;<br />
Willy dankte der Servicekraft, legte das Menü vor sich auf die Tischplatte und sah zu ihr hinüber, bis sie ihren Blick vom Karteninhalt löste und ihn ansah.<br />
&bdquo;Was?&ldquo; Sie stöhnte gefrustet auf. &bdquo;Nicht schon wieder! Bitte! Lass es uns doch einfach jetzt schön haben.&ldquo;<br />
&bdquo;Hat er Recht?&ldquo;, wollte Willy wissen. &bdquo;Ich meine, dass du dich nur bis zu einem gewissen Grad ändern kannst.&ldquo;<br />
Sie reagierte genervt. &bdquo;Wahrscheinlich gilt das für jeden Menschen. Ich ändere mich dann, wenn es mir notwendig erscheint. Und für dich und Georg habe ich da schon viel hinter mir gelassen. Und das weißt du auch.&ldquo;<br />
Er sah sie nachdenklich an, dann stimmte er ihr zu, griff nach der Karte und begann jetzt ebenfalls die Gerichte durchzugehen. &bdquo;Es nervt mich selbst. Wann ist das nächste Mal? Wird es dann wieder Menschen geben, die ein Leben lang die Folgen ertragen müssen, weil sie dir begegnet sind? Das beschäftigt mich. Egal ob sie es letzten Endes selbst verschuldet haben oder nicht.&ldquo;<br />
&bdquo;Beruhig mich einfach, du weißt doch wie.&ldquo;<br />
&bdquo;Zu Hause, ja? Lass uns in Ruhe essen und dann ein Taxi nehmen.&ldquo;<br />
Die Mexikanerin spielte die Enttäuschte. &bdquo;Wollen wir nicht schon unterwegs? Es war so geil auf dem Parkplatz.&ldquo;<br />
Er wurde sofort wieder rot im Gesicht bei dieser Erinnerung. &bdquo;Lass uns nach Hause! Gerne auch im Badezimmer.&ldquo; Er legte die Karte beiseite.<br />
Sie schob ihre rechte Hand über den Tisch und hielt ihm deren offene Innenseite hin. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, als er seine in die ihre hineinlegte. &bdquo;Es wird jetzt ruhiger, Süßer. Passen wir einfach auf, dass ich nicht wieder in Situationen gerate, welche der Bulle besonders nennt. Kümmern wir uns erst einmal nur um uns.&ldquo;<br />
&bdquo;Einverstanden! Hört sich nach einem Plan an.&ldquo; Er blätterte durch die Speisekarte und blieb bei den Tagesgerichten hängen.<br />
&bdquo;Was nimmst du? Ich habe keine Idee, was ich bestellen soll&ldquo;, fragte sie ihn. Sie mochte es, wenn er für sie beide entschied.<br />
&bdquo;Pho Bo. Das liest sich ganz gut.&ldquo;<br />
Rosalinda war einverstanden. &bdquo;Nehme ich auch, nur mit Huhn.&ldquo; Sie sah ihn fragend an. &bdquo;Ist Vietnam schön? Was glaubst du?&ldquo;<br />
Willy hob seine Schultern. &bdquo;Keine Ahnung. Weiß nur vom Krieg und dass es halt noch immer ein sozialistisches Land ist. Ähnlich wie China. Die machen halt jetzt auf freien Markt und so.&ldquo; Er sah sie fragend an. &bdquo;Warum fragst du?&ldquo;<br />
&bdquo;Ach&#8230;, ich überlege, wo wir hin könnten. Im Februar, wenn ich volljährig bin und du Ferien hast. Lass uns richtig auf die Kacke hauen. Ich hab gespart und kann es danach wieder tun.&ldquo;<br />
&bdquo;So weit? Das ist jetzt auch nicht gerade das typische Touristenland.&ldquo;<br />
&bdquo;Dann sag du. Wo wolltest du schon immer einmal hin? Und bitte jetzt nicht so ein intellektuelles Ding, sondern irgendwas, wo wir chillen können und es schön ist.&ldquo;<br />
&bdquo;Ich würde gerne nach Mexiko.&ldquo;<br />
Sie sah ihn überrascht an, unfähig zu einer Entgegnung. Sie brauchte einen langen Moment, um etwas erwidern zu können. &bdquo;Das wird nicht gehen, Willy. Das ist eine Reise, welche man mich nicht machen lässt.&ldquo; Ihr Gesicht wirkte ernst. &bdquo;Und eine, die ich nicht machen möchte.&ldquo;<br />
&bdquo;Willst du nie zurück?&ldquo;, fragte er interessiert. Mexiko war ein Thema, welches Rosalinda mit aller Gewalt vermied. Nach dem heutigen Tag wollte er sie aber nicht einfach so davonkommen lassen.<br />
&bdquo;Nein! Will ich nicht. Ich bin jetzt Deutsche! Mit Mexiko verbinde ich nur Schlechtes.&ldquo;<br />
&bdquo;Wann wolltest du mir erzählen, dass du noch immer Kontakt zu deiner Gang hast?&ldquo;<br />
&bdquo;Ich habe zwischen ihr und der DEA vermittelt. Maria und Romina waren hier ein Anfang. Solange es nicht direkt um meine Leute geht, helfe ich, wenn ich kann. Wenn auch nur passiv.&ldquo;<br />
&bdquo;Sie wissen also jetzt, wo du lebst und dass es dir gut geht?&ldquo;<br />
&bdquo;Ja. Und sie haben wieder eine Chefa. Sie scheinen jetzt lieber auf Frauen zu setzen als auf Kerle.&ldquo;<br />
&bdquo;Könnte es sein, dass sie herkommen? Sie haben Geld und Möglichkeiten.&ldquo;<br />
Rosalinda sah ihn überrascht an. &bdquo;Und woher sollten sie wissen, wo ich zu finden bin? Musst dir keine Gedanken machen. Wir waren beim Urlaubsland, richtig?&ldquo;<br />
Willy überlegte, ob er wieder zurück auf das Thema wechseln wollte. &bdquo;Ich würde dennoch gerne mit dir nach Mexiko. Irgendwann einmal. Sehen, wo und wie du gelebt hast. Vielleicht mit unseren Kindern?&ldquo;<br />
&bdquo;Warum ist dir das so wichtig?&ldquo; Sie dankte der Kellnerin, welche eine Kanne Tee auf den Tisch stellte.<br />
&bdquo;Wenn wir zusammen dorthin reisen können, weiß ich, dass du es wirklich geschafft hast.&ldquo;<br />
Sie atmete tief durch. &bdquo;Vielleicht wirklich irgendwann. Aber Ciudad Juarez ist keine Urlaubsstadt, in die man einfach mal so hinfährt. Und mit unseren Kindern? Du träumst! Dort haben schon Mexikaner genug damit zu tun, sich aus Ärger herauszuhalten, wie glaubst du würde es da ein paar blonden Gringos gehen?&ldquo;<br />
&bdquo;Wie kommst du darauf, dass unsere Kinder nach mir kommen?&ldquo;<br />
Rosalinda grinste. &bdquo;Ich stelle sie mir so vor. Blond und mopsig.&ldquo;<br />
Er schüttelte seinen Kopf, seufzte und legte die Karte beiseite. &bdquo;Irland! Da wollte ich schon immer mal hin. Da soll es zu jeder Jahreszeit schön sein. Wir können beide gut Englisch, von daher würde uns auch die Verständigung nicht schwerfallen.&ldquo;<br />
Sie sah ihn nachdenklich an. &bdquo;Was gibt es denn da? Ist &sbquo;ne Insel, oder?&ldquo;<br />
Willy nickte. Begeistert erzählte er ihr von der &bdquo;Grünen Insel&ldquo;, den Pubs, dem Bier, den Wiesen, Klippen, der Hauptstadt Dublin und dem typisch irischen Gesang. &bdquo;Es wird dir dort gefallen&ldquo;, schloss er seine Erzählung ab.<br />
&bdquo;Ich hatte eigentlich an Strand und Palmen gedacht.&ldquo; Sie sah ihn an, wie sehr er sich für dieses Land begeisterte. &bdquo;Also gut. Machen wir das nächste Woche klar.&ldquo;<br />
Willy jubelte! &bdquo;Das wird so geil. Ich freue mich so drauf, Maus.&ldquo;<br />
Zwei männliche Servicekräfte brachten die Gerichte an den Tisch und wünschten dem Paar einen guten Appetit.<br />
Sie aßen beide mit Lust und Hunger und freuten sich auf die gemeinsame Reise.<br />
Willy zeigte ihr auf der Handykarte die Orte, welche sie unbedingt besuchen sollten, und Rosalinda folgte dabei interessiert seinen Ausführungen. Dass die Iren teilweise mächtige Mafiaorganisationen in den USA aufgebaut hatten und diese teilweise bis heute eine Rolle spielten, suchte sie dabei zu überhören. Es ärgerte sie sogar, dass er von sich aus dieses Thema angeschnitten hatte.<br />
Eineinhalb Stunden später saßen sie im Taxi, welches man für sie bestellt hatte. Rosalinda hätte sich am liebsten gleich über ihren Willy hergemacht, fühlte sie doch ein tiefes Verlangen nach dem Gefühl, welches der Sex mit ihm ihr vermittelte. Freiheit im Kopf! Sich für einen Moment lösen können von den vielen Trieben, welche in ihrem Gehirn einen immerwährenden Reigen vollführten.<br />
Ihre rechte Hand in seinen Schoß legend, strich sie über die riesige Beule, welche sich dort prompt unter ihrem Reiben gebildet hatte. Innerlich zählte sie die Minuten, bis sie endlich seine Lanze in sich fühlen würde. Ihre obere Zahnreihe rieb über ihre Unterlippe, während ihr Schoß unruhig auf der Sitzfläche des Wagens kreiste.<br />
Der Taxifahrer warf immer wieder ungläubige Blicke in den Rückspiegel, schien er doch genau zu wissen, was da hinter ihm passierte. Wahrscheinlich waren solche Konstellationen im Berliner Nachtleben nichts Besonderes für ihn.<br />
Kaum dass der Taxifahrer seinen Wagen vor der angegebenen Adresse zum Halten gebracht hatte, warf die Südländerin, welche hinter ihm saß, ihm auch schon zwei Geldscheine hin. Er konnte gerade noch eine gute Nacht wünschen, da war das Pärchen schon an der Haustür. Ein leidenschaftlicher Kuss, das Fallen der Schlüssel, heiteres Lachen, dann waren sie im Inneren des Mietshauses verschwunden.</p>
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		<title>La pulga que mata Teil 14</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Mar 2026 13:36:52 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Zum Wochenendausflug &#8222;Worum geht es dieses Mal, Ros?&#8220; Rita drehte sich zu der auf der Rücksitzbank sitzenden Freundin um. &#8222;Glaub mir. Nach der Überraschung vom letzten Mal lass ich mich&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>
Zum Wochenendausflug<br />
&bdquo;Worum geht es dieses Mal, Ros?&ldquo; Rita drehte sich zu der auf der Rücksitzbank sitzenden Freundin um. &bdquo;Glaub mir. Nach der Überraschung vom letzten Mal lass ich mich vom Erstbesten bumsen, auf den du zeigst.&ldquo;<br />
Ros deutete mit ihrer rechten Hand nach vorne. &bdquo;Konzentriere dich auf den Verkehr! Wenn alles gut geht, bekommt ihr beide das Zehnfache. Auch wenn es ein wenig dauert.&ldquo;<br />
Esme wandte sich staunend zu Rosalinda um, dann sah sie zu Rita hinüber, welche unverhohlen ihre Begeisterung zeigte.<br />
&bdquo;Was heißt das?&ldquo;<br />
&bdquo;Esme und ich fahren heute Nacht in die Tschechei weiter. Du behältst unsere Telefone und sprichst über Messenger abends die Kontakte an, die ich dir genannt habe. Auch für Esme verschickst du ein paar Nachrichten.&ldquo;<br />
&bdquo;Wollt ihr mir nicht sagen, was ihr da unten anstellt? Ich kann euch doch sicher auch noch anderweitig helfen.&ldquo;<br />
Die Mexikanerin verneinte. &bdquo;Je weniger du weißt, desto weniger kannst du sagen, wenn es schief gehen sollte. Ist besser für dich, ist besser für uns.&ldquo;<br />
Rosalinda sah zu Esme hinüber, die für einen Moment unsicher schien. &bdquo;Es wird dir nichts passieren, das ist ein Versprechen. Wir haben dich gut darauf vorbereitet. Anfangs hätte ich nicht glauben wollen, dass du das Training bei mir durchhältst.&ldquo;<br />
Die hübsche Studentin freute sich über das Lob. Rosalinda war ihre Mentorin geworden. Nie zuvor in ihrem Leben hatte sie sich so energievoll und selbstbewusst gefühlt. Sie fühlte sich Männern gegenüber nicht mehr als potenzielles Opfer. Derjenige, der es probieren würde, täte es bitter bereuen. Dafür hatte die mexikanische Freundin gesorgt.<br />
&bdquo;Scheiße, macht ihr das spannend.&ldquo; Rita wollte keinesfalls das Gespräch an dieser Stelle enden lassen. &bdquo;Was meinst du, Ros? Gibt es weitere Gefallen, bei denen wir helfen können? Ich würde gerne noch ein paar Gutscheine mehr bekommen.&ldquo;<br />
&bdquo;Gutscheine sind passé für euch, ab jetzt gibt es Cash. Aber anders als ihr denkt. Ich erkläre es euch, wenn es soweit ist.&ldquo;<br />
Die beiden jungen Frauen auf den Vordersitzen warfen sich vielsagende Blicke zu.<br />
&bdquo;Wenn wir in Dresden sind, müssen wir Fotos machen. Vor allem von Sehenswürdigkeiten, Cafés und Clubs. Es muss so aussehen, als ob wir in den Tagen zusammen viel Spaß hatten. Esme und ich sind nur ein paar Stunden in der Nacht über der Grenze. Von daher wird das reichen, alles zu dokumentieren.&ldquo;<br />
&bdquo;Warum das Ganze?&ldquo;, fragte Rita. &bdquo;Das hört sich schon richtig schwerkriminell an.&ldquo; Die Tonlage ihrer Stimme schien eher für Aufregung denn Besorgnis zu stehen.<br />
Rosalinda sah ihr direkt in die Augen. &bdquo;Ich weiß nicht, ob ich immer noch kontrolliert werde. Ich habe den Amerikanern gesagt, dass ich verreise. Das könnte Verdacht erregen. Von daher gehe ich nur auf Nummer sicher.&ldquo;<br />
&bdquo;Erzählt ihr mir wenigstens, wenn ihr wiedergekommen seid, was ihr in der Tschechei gemacht habt?&ldquo;<br />
Rosalinda verneinte. &bdquo;Ich nicht und Esme auch nicht. Das ist das Erste, was ihr beide lernen werdet. Je weniger ihr wisst, desto besser ist das für euch. Brecht niemals mit diesem Vorsatz. Ist das Vertrauen weg, bleibt es weg. Versteht ihr das? Seid nie neugierig! Hört weg, es sei denn, ihr werdet von mir dazu aufgefordert hinzuhören. Habt ihr mich verstanden?&ldquo;<br />
Die beiden Frauen bestätigten es ihrer jungen Freundin, nachdem sie vielsagende Blicke ausgetauscht hatten.<br />
&bdquo;Gut. Dann werdet ihr schon bald merken, wie sehr sich euer Engagement auszahlt. Esme! Ich habe dir viel beigebracht. Siehe dieses Wochenende als deine Prüfung an!&ldquo;<br />
&bdquo;Jetzt bin ich aufgeregt, na danke&ldquo;, lachte die Beauty.<br />
Rosalinda war noch nie außerhalb der näheren Umgebung Berlins gewesen. Dresden sollte schön sein. Das hatte sie schon öfter gehört. Von der Geschichte wusste sie wenig. Willy hatte ihr erzählt, dass im Zweiten Weltkrieg der Großteil der Stadt zerstört worden war. Viel mehr Wissen war da auch bei ihm nicht vorhanden gewesen.<br />
Sie hatten die A15 verlassen und tauchten nun in den Stadtverkehr ein. Rosalinda sah die Häuser- und Industriekulissen an sich vorbeiziehen, beobachtete die Passanten, fand wenig, was sie als besonders empfand. Nur der breite Fluss hatte etwas. Sie hatte dessen Namen früher einmal in der Schule lernen müssen. Elbe.<br />
&bdquo;Du, es gibt hier viel zu gucken. Zwinger, Frauenkirche, Pfunds Molkerei, Schokoladenmuseum &#8230;&ldquo;, Ritas Stimme klang aufgeregt. &bdquo;Eigentlich finde ich es Scheiße, dass wir nicht wirklich zusammen hier abfeiern. Hoffentlich seid ihr morgen nicht zu fertig, sonst geht der ganze Tag verloren.&ldquo;<br />
Esme verhielt sich jetzt auffällig ruhiger. Rosalinda konnte sich gut in sie hineinversetzen. Sie hatte Schiss. Nicht vor dem, was sie von ihr verlangen würde, sondern davor zu versagen. Es war ihr damals in der Gang nicht anders ergangen.<br />
&bdquo;Wenn wir aus der Tschechei anrufen, machst du auf Lautsprecher. So kann ich mich über mein Handy hinweg mit Willy und Georg unterhalten. Esme! Du machst es auch so. Jeder wird bezeugen, dass wir hier gewesen sind. Hören sie uns nicht gut, war halt die Verbindung schlecht.&ldquo; Rosalinda dachte angestrengt nach. Alles musste von vorne bis hinten durchgeplant sein.<br />
&bdquo;Wir fahren über die Landstraßen. Dort gibt es keine LKW-Maut-Brücken. Keine Ahnung, was die alles aufzeichnen und tracken können. Esmes Auto ist alt. Es hat keine große Elektronik an Bord, welche irgendetwas nachhalten könnte.&ldquo;<br />
&bdquo;Gut! Lasst uns in unsere Bude einchecken und dann geht es los. Wenn wir Fotos machen, stellt eure Uhren so, wie ich es gesagt habe. Esme! Du stellst deine immer fünf Minuten vor. Das wird plausibel wirken. Was den Einsatz betrifft, weise ich dich auf dem Weg ein.&ldquo;<br />
Die Wohnung in der Stadtmitte war nicht billig gewesen. Drei Schlafzimmer, zwei Bäder und einen großen Balkon hatte sich Rosalinda hier nicht lumpen lassen. Sie war sonst sparsam mit ihrem Geld, wollte sich aber bei solchen Gelegenheiten nicht zurückhalten müssen. Es war wichtig, bei ihren beiden Begleiterinnen einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Sie sollten sich an solche besonderen Ausflüge gewöhnen und sich auf das Drumherum freuen.<br />
So wurden sie von einer kleinen älteren Frau herzlich begrüßt und durch die Wohnung geführt. Um die Einhaltung von ein paar Regeln wurden die jungen Frauen gebeten, jedoch nichts, was sie in ihrem Freiheitsdrang groß eingeschränkt hätte.<br />
Ein Kaffee war für sie als Willkommensgruß bereits auf den Tisch gestellt worden und auf die Bitte der Mädchen hin ließ sich die Gastgeberin dazu hinreißen, mit ihnen eine Tasse zu trinken. Dabei erzählte sie, dass sie das Haus mit ihrem Mann nach der Wende finanziert und fast dreißig Jahre dafür gezahlt hatten. Sie wollten es als ihre Altersvorsorge sehen, doch bekam ihr Gatte zwei Jahre, nachdem sie es endlich geschafft hatten, Krebs und verstarb ein weiteres Jahr später. In ihrer markanten sächsischen Mundart erzählte sie den Dreien, wie sehr sie es bereute, nicht zuvor die Zeit mit ihrem Mann genutzt zu haben.<br />
&bdquo;Kinder haben wir nie bekommen. Probiert haben wir es fleißig, aber es hat nicht sollen sein. Keine Ahnung, ob es an ihm oder mir lag. Wir wollten es nicht wissen und haben uns damit abgefunden.&ldquo;<br />
Fast eine Stunde saßen die Vier zusammen, dann verabschiedete sich die alte Dame von den Dreien.<br />
&bdquo;Die hat kaum ein Wort mit mir gewechselt. Was hatte die denn für ein Problem?&ldquo; Rosalinda zeigte deutlich ihren Ärger.<br />
&bdquo;Du, Menschen, welche sich mit der abweichenden Norm schwer tun, gibt es überall&ldquo;, suchte Esme die Mexikanerin zu beruhigen.<br />
&bdquo;Warum hält mich jeder sofort für eine Türkin? Schublade auf, Rosalinda rein. Das kotzt echt.&ldquo;<br />
&bdquo;Mach da kein Aufhebens drum, Ros. Kann genauso an deinen Tattoos gelegen haben. Lass uns einfach die nächsten Stunden Spaß haben. Wir gehen jetzt was Leckeres essen, dann schauen wir uns die Stadt an. Ich denke, ihr werdet euch kurz hinlegen, bevor ihr los müsst, oder?&ldquo;<br />
Rosalinda verneinte. &bdquo;Nein, wir machen durch. Ist besser. Sorgen wir dafür, dass unser Aufenthalt hier plausibel ist.&ldquo; Sie zog ihr Handy aus der Hosentasche und öffnete eine Social-Media-Plattform. &bdquo;René und Holger werden uns fünfzig Kilometer vor unserem Ziel einweisen, dann fahren die beiden direkt zurück nach Hause.&ldquo; Sie schrieb ein paar Kommentare in einen Account, wartete auf ein paar Folgeantworten, dann schien sie zufrieden. &bdquo;Gut. Was haltet ihr von Sushi?&ldquo;<br />
Esme und Rita waren begeistert. So umarmten sich die Freundinnen, räumten gemeinsam den Kaffeetisch auf und machten sich kurz frisch, bevor es dann losging.<br />
Die drei attraktiven Frauen zogen viele Blicke auf sich. Esme als Superblondine, Rita als charismatische hochgewachsene Rothaarige und Rosalinda als südländische wie extrem wirkende Femme fatale stellten einen abwechslungsreichen Anblick dar. Eine jede von ihnen war dabei ganz eigenwillig gekleidet. Esme mit rosafarbener Lederjacke, weißer Bluse und Bluejeans sowie hochhackigen Pumps, Rita mit einem hautfarbenen Sommerkleid und Sneakern, Rosalinda in Jeansjacke, dunkelblauen Jumpsuit und eleganten Sandalen.<br />
Sie hatten Spaß. Genossen das Essen eines trendigen japanischen Restaurants, gingen anschließend die Promenade auf der linken Elbuferseite Richtung stromaufwärts und von dort weiter zum Zwinger und dem Residenzschloss.<br />
Rosalinda fühlte sich durch die prunkvollen Häuser an Villen von Kartellbossen erinnert, welche sie ab und an als junges Mädchen besucht hatte. Auch wenn diese Gebäude aus einer vergangenen Zeit stammten, so war doch jedes noch so kleine Accessoire an ihnen darauf ausgerichtet worden, einen Betrachter zu beeindrucken.<br />
Sie selbst fühlte sich zu solch einem Luxus hingezogen, doch würde es Zeit brauchen, diesen so zu erwerben, dass er für sie nachhaltig blieb. Es war alles eine Frage der Plausibilität. Wurde sie zu schnell wohlhabend, würde das die Aufmerksamkeit der Behörden zwangsläufig in ihre Richtung lenken. Ein Fehler, welcher von aufsteigenden Kriminellen vielfach begangen wurde. Unvorsichtig durch die eigene Gier oder getrieben von Verpflichtungen gegenüber Dritter.<br />
Rosalinda meldete sich immer wieder bei Willy und schickte ihm Fotos und Videos. Er freute sich darüber, dass sie Spaß hatte, zeigte ihr dabei aber auch deutlich, wie sehr er damit haderte, sie nicht begleitet zu haben.<br />
&bdquo;Nächstes Wochenende Franzi, das darauffolgende dann wir beide. Lass uns an die Ostsee fahren. Da war ich doch auch noch nicht.&ldquo;<br />
Willy freute sich über diesen Vorschlag. Er fühlte sich in seinen Alltag und Lernstress gefangen. Es fiel ihm immer schwerer, sich daraus zu lösen, und ärgerte sich, wenn er ihr gegenüber aus diesem Grund gereizt auftrat.<br />
Esme hatte mit ihrem Bruder telefoniert, welcher irgendeinen Stress mit seinem Freund hatte, Rita dagegen widmete sich ganz sich selbst. Sie hätte ihre Eltern anrufen können, aber das wäre untypisch für sie gewesen. Sie hatte nur ein oberflächliches Verhältnis zu ihnen. Typisch Lehrerfamilie, wie sie meinte.<br />
Es war dunkel, als die drei sich auf einem Clubparkplatz vorbereiteten. Rita würde die nächsten Stunden bis zum Morgen in der Disco verbringen, Esme und Rosalinda in die Tschechei fahren. In wenigen Stunden würde alles erledigt sein.<br />
&bdquo;Du weißt Bescheid?&ldquo;, fragte Rosalinda die rothaarige Freundin.<br />
&bdquo;Klar, Schatz. Mach dir keinen Kopf. Ich schicke Willy immer mal wieder Fotos. Und auch meinen und Esmes Freunden. Wird schon alles gut gehen. Passt nur auf euch auf. Fuck! Dass ihr mir nicht sagt, was ihr da unten anstellt, ärgert mich.&ldquo;<br />
Rosalinda zeigte ihr einen finsteren Gesichtsausdruck, worauf sie erschrocken verstummte. &bdquo;Halt jetzt endlich die Klappe! Ich erkläre es dir nicht noch einmal.&ldquo; Ihre Stimme klang bedrohlich.<br />
Rita wurde blass, dann entschuldigte sie sich. &bdquo;Hey, tut mir leid. Sorry.&ldquo;<br />
Rosalinda öffnete den Kofferraum und ging dessen Inhalt durch. Rita hatte gesehen, wie sie eine schwere Tasche hineingehoben hatte, wusste aber nicht, was es mit ihr auf sich hatte.<br />
&bdquo;Gut! Lass uns los, Esme. Ich sag dir dann, wie es weitergeht.&ldquo;<br />
Der Überfall<br />
Ab der Grenze hatte Esme das Steuer übernehmen müssen. Rosalinda wollte hier kein Risiko eingehen und der Polizei nicht erklären müssen, warum sie schon mit 17 Jahren einen Führerschein hatte. Es war ihr zu riskant, dass es hier Komplikationen gab.<br />
&bdquo;Fahr ein wenig schneller als normal. Immer fünf bis maximal 10 km/h. Hältst du dich genau an die Geschwindigkeit, denken die Bullen, du bist betrunken.&ldquo;<br />
Esme nickte.<br />
Rosalinda lächelte. &bdquo;Du machst das super. Die ganze Sache dauert für dich zehn Minuten. Ich selbst werde länger brauchen. Wichtig ist, dass wir unsere Zeiten abstimmen. Grob weiß ich schon Bescheid, alles Genauere werden uns Holger und René auf dem Parkplatz sagen. Die observieren unsere Ziele schon seit einigen Wochen.&ldquo;<br />
&bdquo;Sag mir bitte wenigstens grob, worum es geht!&ldquo;, bat Esme, sich noch gut an Rosalindas Anpfiff gegenüber Rita erinnernd.<br />
&bdquo;Wir bestrafen jemanden. Ein paar Arschlöcher, welche es nicht anders verdient haben.&ldquo;<br />
Die Blondine sah sie schockiert an. Der Wagen verlangsamte sich deutlich in diesem Moment. &bdquo;Ros! Das ist doch eine Nummer zu groß für mich&#8230;&ldquo;<br />
Rosalinda zeigte kein erkennbares Gefühl. Stattdessen überging sie einfach den Einwand ihrer Partnerin. &bdquo;Die Jungs haben nach meiner Anweisung Brandsätze gebaut, welche du einsetzen wirst. Deshalb unsere Wurfübungen letzte Woche. Du wirfst sie auf das Dach der Häuser, genau auf die Weise, die ich dir gezeigt habe.&ldquo;<br />
&bdquo;Du fängst um 1 Uhr 30 an. Ich starte eine Viertelstunde vorher und schaffe die Hunde aus der Welt.&ldquo; Sie nickte Esme zu. &bdquo;Immer ein Brandsatz auf das Haus, einen weiteren auf die PKW. Bei den Häusern immer nur auf die Dachfenster zielen. Wir wollen keine Menschen töten, den materiellen Schaden aber in die Höhe treiben. Ich breche derweil in zwei weitere Häuser ein, um mich um zwei ganz besonders nette Typen zu kümmern.&ldquo;<br />
&bdquo;Was hast du vor?&ldquo;<br />
&bdquo;Ein Zeichen setzen? Es muss diesen Wichsern von vornherein klar werden, dass sie sich mit den Falschen angelegt haben.&ldquo;<br />
&bdquo;Bitte, Ros. Nachher bringen die jemanden von uns um. Ich hab jetzt richtig Panik.&ldquo;<br />
Esme kamen die Tränen.<br />
&bdquo;Das legt sich. Es gibt jetzt kein Zurück mehr, Esme. Allein schaffe ich es nicht. Du tust, was ich dir sage, oder ich bring dir gleich mal bei, vor wem du Angst haben musst. Das willst du nicht, glaub mir das bitte! Du hast mich darum gebeten, dir das alles zu zeigen. Also funktionierst du jetzt auch!&ldquo;<br />
Sie fuhren weiter. Esme weinte immer noch, riss sich aber zusammen. Es würde ihr besser gehen, wenn der Job erst einmal durchgezogen worden war, hoffte sie.<br />
&bdquo;Dort vorne ist der Parkplatz. Dort hältst du an!&ldquo;<br />
Esme nickte und lenkte den Kleinwagen auf den verwaisten Haltebereich hinter dem Seitenstreifen der Schnellstraße. Ein blauer VW Golf 2 stand an dessen Ende, wo zwei Männer bereits auf sie warteten.<br />
Rosalinda stieg aus und hieß Esme, im Wagen sitzen zu bleiben. Sie wollte sich kurz von René und Holger die Gegebenheiten des Dorfes zeigen lassen und die möglichen Fluchtrouten, um ihnen anschließend ein Gestell mit Glasflaschen sowie einen Rucksack abzunehmen. Sie umarmte die beiden flüchtig, dann kehrte sie zu Esme zurück.<br />
&bdquo;Gut! Es funktioniert bisher alles wie am Schnürchen. Die Flaschen sind für dich. Du trägst ab jetzt, genauso wie ich, Handschuhe und Schuhe, welche ich vorbereitet habe. Schwarze Overalls und Masken sind im Kofferraum. Du ziehst dich bis auf die Unterwäsche aus. Alles, was dich behindern kann, legst du ab. So, wie wir es in Berlin besprochen haben.&ldquo;<br />
&bdquo;Das Dorf liegt abseits und besteht aus rund achtzig Häusern. Unsere Ziele wohnen in zwei parallel zueinander verlaufenden Straßen.&ldquo; Rosalinda zog ein Handy hervor, welches sie von den Jungen entgegengenommen haben musste, und öffnete die Kartenansicht. &bdquo;Um diese hier geht es bei dir. Du fängst bei der Nummer vierzehn an, dann die acht und zum Schluss die vier. Zünde die Cocktails mit einem der beiden Brenner an. Geht der eine nicht, nimmst du den anderen. Die sind Piezo, das heißt, Wind sollte keine Rolle spielen.&ldquo;<br />
&bdquo;Du brauchst für die Aktion ungefähr 150 Sekunden. Die Reaktionszeit unserer Gegner ist entsprechend. Die Jungs meinen, in den letzten zwei Wochen war keines der Ziele um diese Zeit noch wach gewesen. Nur die beiden Hunde in der acht und vierzehn sind ein Problem für dich, und um die habe ich mich zuvor gekümmert.&ldquo;<br />
Sie zeigte auf ein großes Maisfeld, welches schon hochgewachsen, aber noch nicht die Reife erreicht hatte.<br />
&bdquo;Du läufst durch das Feld zurück. Den Kompass habe ich dir gegeben. Halte dich immer Richtung Südsüdost. Verstanden? Dann gelangst du direkt zurück zum Auto.&ldquo;<br />
Esme schien jetzt tatsächlich ruhiger. Rosalinda schien wirklich alles bis ins letzte Detail geplant zu haben.<br />
&bdquo;Und du?&ldquo;, fragte sie leise.<br />
Rosalinda lächelte. &bdquo;Du weißt, was ich zu Rita gemeint habe. Für dich gilt das Gleiche.&ldquo; Sie küsste die Deutsche auf beide Wangen und drückte sie fest an sich. Dann deutete sie an, weiterfahren zu wollen.<br />
Eine Dreiviertelstunde später waren sie in der Nähe des Ortes. Sie fuhren den Wagen einen Feldweg hinein, von dort aus liefen sie durch das Feld, von dem Rosalinda zuvor gesprochen hatte. Esme sollte sie dabei führen, Rosalinda wollte sichergehen, dass sie nicht vor Aufregung Fehler machte. Aber die Blondine riss sich nicht nur zusammen, nein, sie stand so unter Adrenalin, dass sie jetzt euphorisch wirkte. So drängte sie zwischen den riesigen Maispflanzen hindurch und hielt souverän die korrekte Richtung.<br />
Mit den schwarzen Anzügen waren sie in der mondlosen Dunkelheit der Nacht kaum zu erkennen. Sie beide hatten ballistisches Reizgas dabei, um für das Unwägbare gewappnet zu sein. &bdquo;Warte hier! Ich schlachte jetzt die Köter.&ldquo; Rosalinda teilte sich so gelassen mit, als ob sie meinte, gleich zum Bäcker Brötchen holen gehen zu wollen.<br />
&bdquo;Ist das nötig?&ldquo;, fragte Esme erschrocken.<br />
&bdquo;Ja. Geht nicht anders. Ich werde es schnell machen.&ldquo; Die Mexikanerin deutete auf Esmes linkes Handgelenk. &bdquo;Schau auf die Uhr! Auf die Sekunde! Hörst du mich?&ldquo; Rosalinda sah Esme eindringlich an, dann griff sie hart unter deren Kinn. &bdquo;Enttäusch mich nicht! Du musst unbedingt daran glauben, dass es klappt! Comprende?&ldquo;<br />
&bdquo;Klar, Ros! Es wird alles so passieren, wie du es gesagt hast.&ldquo;<br />
Die Mexikanerin nickte ihr noch einmal zu, zog die Gurte ihres schwarzen Rucksacks enger, dann lief sie los. Sie war dabei nicht zu hören. Unwirklich, wie Esme immer wieder bewundernd feststellte.<br />
Sie sah auf die Uhr, dann hörte sie kurz darauf ein helles, qualvolles Jaulen. Rosalinda musste den ersten Hund getötet haben. Esme kamen wieder die Tränen. Dass sie etwas oder jemanden verletzen oder töten würden, widerstrebte ihr.<br />
Ein weiterer heller Tierschrei, dann herrschte gespenstische Ruhe. Wie die Mexikanerin die Hunde überraschen konnte, war ihr ein Rätsel.<br />
Fünf Minuten verstrichen, dann lief Esme los. Sie trat an den Rand des Feldes, blickte sich um, dann querte sie die Straße. Sie hob den Drahtkorb mit den Brandflaschen über den Gartenzaun, sprang gewandt darüber hinweg, dann nahm sie eine der Flaschen aus dem Korb heraus, zündete den seltsam steif wirkenden Stofffetzen an der Mündung mit Hilfe des Brenners an und warf die Flasche dann in hohem Bogen gegen eines der Dachfenster. Sieben Sekunden, länger dauerte das nicht. Ein Klirren wurde laut, dann flog auch schon die zweite Flasche in die Richtung der abgestellten Limousine, während die Brennflüssigkeit der ersten Flasche sich über ihr auf dem Fensterrahmen des Dacherkers zu verteilen begann.<br />
Esme hob den Flaschenkorb an, lief zum Zaun, stellte den Behälter auf die andere Seite und sprang rüber. Das Rauschen des Brandes war hinter ihr zu hören, dann tönten auch schon die ersten fremdländisch klingenden Stimmen.<br />
Das zweite Haus. Esme bemerkte den stark blutenden Körper eines toten Schäferhundes. Sie zwang sich dazu, über dessen Anblick hinwegzusehen, dann stand sie auch schon vor dem Gebäude. Fünfundvierzig Sekunden. Hausnummer acht, zwei Fenster im Dachgeschoss. Brandflaschen anzünden, werfen. Schon stellte sich bei ihr ein Automatismus ein. Sie lernte sehr schnell, wenn es darauf ankam.<br />
Wieder lief sie los, verließ das unbefriedete Grundstück und befand sich einen Augenblick später wieder auf der Straße. Schreie und Brüllen klangen in ihrem Rücken, da war sie beim dritten Haus. Hier war noch alles ruhig. Vierzig Sekunden verblieben noch, dann musste sie im Feld eingetaucht sein.<br />
In steilem Bogen flogen die Brandflaschen. Die erste schlug durch die Fensterscheibe, der zweite Brandsatz knallte in den Dachboden. Sekunden verstrichen, da bildete sich auch schon ein heller Schein und Rauch stieg aus den Fensteröffnungen.<br />
Sie nahm den Drahtbehälter auf. Rosalinda hatte ihr klargemacht, dass sie nichts zurücklassen durfte. Die beiden Brenner hatte sie in der Tasche, der Reißverschluss war zu, jetzt hieß es sprinten. Sie musste jetzt auf die Flaschen keine Rücksicht nehmen, hetzte in weiten Schritten über die Straße, dann wurde sie von den hohen Maispflanzen verschluckt.<br />
Sie verzichtete darauf, sich noch einmal umzudrehen. Sie wollte die Konsequenzen ihres Handelns unbedingt ausblenden. Hatte sie jemanden verletzt? Sie konnte nur hoffen, dass Rosalinda Recht behielt und zumindest sie selbst niemanden körperlich geschädigt hatte.<br />
Rosalinda blickte auf die Uhr herunter. Zehn Minuten, dann würde Esme loslegen. Die Köter waren erledigt, nun war es an ihr, die beiden Ziele für die Taten ihrer Bande zu strafen. Beide waren Einzelpersonen ohne direkte Angehörige und lebten allein in ihren Häusern. Perfekte Ziele! Sie setzte das Brecheisen am Fenster an, hebelte an drei Stellen, dann war es auch schon offen. Sechs Sekunden. Mehr hatte sie dafür nicht gebraucht. Das Brecheisen war vom Flohmarkt. Es würde ihr hoffentlich Glück bringen. Festnetztelefon rausziehen, dann hoch ins Schlafzimmer. Selbst das hatten René und Holger herausbekommen. Die beiden hatten sich als echte Schätze erwiesen.<br />
Rosalinda öffnete vorsichtig die Schlafzimmertür. Sie würde noch nicht sofort mit der Operation anfangen können. So trat sie vorsichtig ans Bett, schob Kabelbinder unter die Handgelenke ihres schlafenden Opfers und schloss diese genau so locker, dass sie nicht auf dessen Haut drückten, aber auch nicht gewaltsam über die Hände abgestreift werden konnten. Der stämmige Glatzkopf schnarchte ruhig vor sich hin. Der Typ würde nichts mitbekommen. Erst, wenn sie ihm die Tüte überstülpte. Sie zog nun einen zweiten Kabelbinder durch den Bettfuß, dann verband sie diese mit einem dritten besonders langen Binder. Das wiederholte sie auch auf der anderen Seite des Gestells, band die Fußgelenke auf die gleiche Seite und musste kurz innehalten, als der Mann sich zu bewegen begann. Wachte er auf? Rosalinda hielt die Brechstange bereit. Notfalls würde sie ihm diese über seinen Schädel ziehen.<br />
Nein! Sie hatte Glück. Er schlief fest. Trotz der gebundenen Hände. So kümmerte sie sich jetzt auch um seine Füße, verband diese ebenfalls mit dem Pfosten und zog die Fesseln anschließend immer enger.<br />
Da! Er wachte auf. Rosalinda sprang auf den gefesselten Körper des Mannes, setzte sich auf dessen Brustkorb und zog ihm eine Plastiktüte über den Kopf. Diese war mit einem weiteren Binder präpariert worden, welchen sie nun fest um seinen Hals zusammenzog.<br />
Dem Mann wurde sofort die Luft knapp. Er bekam nur noch aus zwei kleinen Löchern Luft, welche seinen Bedarf nur über einen kurzen Zeitraum lindern konnten. Maximal zehn Minuten, dann war der Typ tot, wenn sie ihm nicht zwischenzeitlich mehr Atemluft zukommen ließe.<br />
Sie sah auf das fleischige Gesicht herunter, welches deutlich von Todesangst gekennzeichnet wurde. Sie hob ihre rechte Hand zum Abschied und machte sich wieder auf den Weg. Die Zeit wurde jetzt knapp. Esme würde ihr jetzt nur noch fünf Minuten lassen.<br />
Rosalinda ging wieder in das Erdgeschoss. Sie kletterte aus dem Wohnzimmerfenster heraus, sprang in den Garten und eilte zum Nachbargebäude. Dort lebte der Partner des ersten Gangsoldaten, wie sie wusste. Ein sehniger Kerl, der von René und Holger als ziemlich umtriebig geschildert worden war.<br />
Sie nahm Anlauf, tat einen gewaltigen Satz über den Zaun, dann war sie auch hier an einem der Fenster, nachdem sie ein großes Rasenstück gequert hatte. Dieses war hoch gelegen und für sie nur umständlich zu erreichen. Sie würde zum Fensterbrett hinaufsteigen müssen, um es von dort aus aufzuhebeln.<br />
Sie besaß Routine. Nicht nur aus ihrer kriminellen Kindheit heraus, sondern auch wegen der Einschüchterungseinsätze, welche sie mit Anton unternommen hatte. Ging man abgebrüht vor und mit guter Vorbereitung, hielt sich das Risiko in Grenzen. Und selbst auf das Unkalkulierbare war sie immer vorbereitet. Wenn sie versagen würde, sollte sie wenigstens entkommen können.<br />
Das Schlafzimmer war im Erdgeschoss. Der Mann wachte öfter in der Nacht auf. Von daher war die Gefahr hoch, dass sie sich begegnen könnten. So nahm sie das Brecheisen in die Hand, bereit, sofort zuzuschlagen.<br />
Auch dieser Kerl schlief fest, als sie vorsichtig die Tür seines Schlafzimmers aufgedrückt und an das einfache Bett herangetreten war. Dadurch, dass es direkt an der Wand stand und keine Streben hatte, würde es schwer werden, den Typen zu fixieren.<br />
Sie stellte den Rucksack auf den Boden, nahm eine Rolle Panzertape in die Hand und riss ein großes Stück davon herunter. Sie schlug dieses Stück Klebeband mit der flachen Hand regelrecht auf die Lippen ihres Opfers, dann knallte das Brecheisen auf das Gesicht des drahtigen Kerls herunter. Er schrie auf und verstummte erst, als ihn ein weiterer Schlag an seinem Kopf traf. Hatte sein Schädel nachgegeben? Für einen kurzen Moment überkam sie diese Sorge, doch dann fühlte sie noch seine Atmung. So band sie auch ihn mit Kabelbindern, sorgte sich um deren einwandfreien Sitz und eilte sich damit, zurück zu dem ersten Kerl zu gelangen, welchen sie besucht hatte.<br />
Kaum war sie aus dem Fenster herausgestiegen, sah sie schon den Schein in den Dachfenstern eines benachbarten Gebäudes. Esme hatte gehandelt und würde jetzt wahrscheinlich auf dem Weg zum zweiten Haus sein. Bald würde sich alles nur noch um die brennenden Häuser drehen, während sie sich in Ruhe ihren beiden Opfern widmen konnte. Sie war aufgeregt. Eine solch komplexe Operation hatte sie das letzte Mal mit zwölf Jahren durchgeführt.<br />
So stieg sie wieder in das erste Haus ein, nahm die Treppe nach oben und schnitt ein paar weitere kleine Löcher in die Plastiktüte, welche den Kopf ihres Opfers umhüllte. Genau so viele, dass der Mann nicht kollabierte. Anschließend hob sie ihren Backpack auf das Bett und fing damit an, Messer, Skalpell und Knochensäge auf der Matratze auszubreiten.<br />
Rosalinda war keine Sadistin. Es bereitete ihr keine Freude oder Lust, jemanden zu töten oder zu foltern bzw. zu verstümmeln. Für sie stellten solche Praktiken nur in Situationen wie dieser eine Notwendigkeit dar. Ein Überzeugungsmittel, um ihre Feinde in die Spur zu bringen. Je brutaler sie dabei vorging, desto schneller würden die Kerle einknicken und verhandlungsbereit sein. Zumal sie den Ursprung der Handlung nur vage würden herleiten können. Lieber ließ sie die Konkurrenz sich gegenseitig fressen, als dass sie oder ihre Organisation in den Fokus rückten.<br />
So hob sie die Messerspitze an das rechte Auge ihres Opfers, suchte sich zu konzentrieren und dessen panische Schreie für sich auszuklammern. Sie hatte sich vorbereitet und war immer wieder jeden Handlungsschritt mehrfach durchgegangen. Die Tage in der Bibliothek hatten hier ihre Skills noch einmal deutlich erweitert.<br />
Rückkehr<br />
Esme war krank vor Sorge. Sie hörte die Sirenen der Einsatzkräfte, vernahm Schreie und Rufe sowie das Tosen der Brände und das Brechen der Häuserstrukturen, welche den wütenden Flammen nicht mehr standzuhalten vermochten.<br />
Ein Blick auf die Uhr, es würden noch drei Minuten bleiben. Dann sollte sie zurück nach Dresden fahren, egal ob Rosalinda nun da war oder nicht. Keine Minute durfte sie zögern. Das war ihr immer wieder von der Mexikanerin eingetrichtert worden.<br />
&bdquo;Ros! Wo bleibst du?&ldquo; Sie weinte. Es schien alles schiefgelaufen zu sein. Sollte sie wirklich zurückfahren? Rosalinda hatte hier keine Zweifel aufkommen lassen und sie entsprechend instruiert.<br />
Zwei Minuten noch. Verdammt. Was, wenn Chili geschnappt worden war? Sie würde für Jahre im tschechischen Knast hocken. Vielleicht war ihr sogar etwas Schlimmeres zugestoßen?<br />
Sie sah den Schein von Blaulichtern im Rauch der Brände. LKW-Motoren dröhnten in der Ferne, dann wurden Kommandos gebrüllt.<br />
Esme atmete tief durch. Ein Blick auf die Uhr, es war so weit. Rosalinda hatte gesagt, sie soll fahren, also würde sie das jetzt tun. Sie wartete trotzdem noch eine Minute länger, sah sich aus dem Fahrzeug heraus um, dann startete sie den Motor. Ein letzter Blick Richtung Dorf, dann fuhr sie langsam an.<br />
Vorsichtig nahm sie den Feldweg in Richtung Straße. Sie würde sich erst links halten, um in einen weiteren Weg einzubiegen, dann nach rechts. Auf diesem würde es dann nach ein paar hundert Metern zur Landstraße gehen.<br />
Sie näherte sich der Abzweigung, da bemerkte sie einen schwarzen Schatten. &bdquo;ROS!&ldquo; Ein extremer Druck wich in diesem Moment von ihrem Körper. Sie konnte nicht anders und lachte hysterisch auf, als sie die Freundin auf sich zulaufen sah.<br />
Sofort hielt sie den Wagen an. Die Mexikanerin trat an das Heck des Kleinwagens heran, riss dessen Klappe auf, warf ihren Rucksack in den Kofferraum und stieg auf der Beifahrerseite ein. Esmes Gesichtsausdruck zeigte eine von Herzen kommende Erleichterung, Ros dagegen eine tiefe Zufriedenheit.<br />
&bdquo;Hat doch super geklappt. Du funktionierst gut, Esme. Besser als erwartet!&ldquo;, wurde die Deutsche von der Mexikanerin gelobt.<br />
Der Komplizin liefen wieder die Tränen über die Wange. Überfordert von den ganzen Erlebnissen der letzten Stunde. Langsam fuhr sie an, unfähig ein Wort zu erwidern. Erst als sie die Landstraße nach zehn Minuten erreicht hatten, war ihr wohler geworden.<br />
&bdquo;Halte wieder auf dem Parkplatz! Dort ziehen wir uns um. Die Klamotten und das Werkzeug müssen wir loswerden. Im Auto ist ein Klappspaten, mit dem können wir die Sachen vergraben. Tiere gehen nicht ran, ist kein Fleisch und auch der Boden wird sich nicht verändern. Vielleicht finden wir aber doch noch ein paar Steine, welche wir drauflegen können, nur zur Sicherheit. Lass uns lieber zwei oder drei Löcher an verschiedenen Stellen buddeln, dann findet man nicht alles auf einmal.&ldquo;<br />
&bdquo;Ros! Was hast du mit den Typen gemacht?&ldquo; Esme sah ihre Begleiterin eindringlich an. &bdquo;Bitte! Sag es mir.&ldquo;<br />
&bdquo;Ein letztes Mal! Was du nicht weißt, kannst du auch niemandem sagen.&ldquo; Rosalinda griff mit ihrer Linken nach ihrer rechten Hand und drückte sie fast liebevoll. &bdquo;Sei dir nur sicher, dass, sollte dir jemand irgendwann einmal schaden, ich ihm dann Ähnliches antun werde.&ldquo; Sie lächelte. &bdquo;Glückwunsch. Du gehörst jetzt dazu. Ein paar Jahre noch, dann gehst du richtig ab, Missi.&ldquo;<br />
&bdquo;Waren es böse Menschen?&ldquo;, fragte Esme dennoch, während sie den Wagen auf dem Parkplatz hielt.<br />
&bdquo;Die übelste Sorte. Musst dir keinen Kopf machen. Die Welt ist jetzt ein Stück besser geworden.&ldquo;<br />
&bdquo;Komm! Lass uns die Klamotten ausziehen. Ich muss auch gleich noch gucken, ob ich Ritas Wagen mit dem Blut der beiden besudelt habe. Dann müssen wir an der Tanke noch mal was holen und genau ran.&ldquo;<br />
Esme sah zu, wie Rosalinda den Reißverschluss ihres Overalls öffnete und ihn auszog. Der Körper der Mexikanerin schien perfekt. Sie hatte deren Figur immer nachgestrebt und auch die damit verbundene Leistungskraft. Dass diese mittelgroße Frau sich gegen ihren riesigen Liebhaber hatte durchsetzen können, hatte ihr mehr als nur imponiert. Ab diesem Moment wollte sie eine ähnliche Befähigung erlernen wie Rosalinda und hatte dank deren Trainings in dieser Richtung gewaltige Fortschritte gemacht.<br />
Wie lange hatten sie jeden Morgen zusammen trainiert? Zweieinhalb Stunden? Über Monate hinweg! Wie hart und böse war die Mexikanerin zu ihr gewesen? Wie beleidigend und anmaßend? Doch mit dem Ende des Trainings wurde auch die Freundin wieder weicher, machte Scherze und freute sich darauf, wenn sie Zeit miteinander verbrachten. Als Gegenleistung hatte sie Rosalinda viel über Aussehen, Auftreten, Mode und Social-Media-Kanäle gezeigt und auch etwas über die ganzen Mechaniken im Hintergrund erklärt, die Accounts auf diesen Plattformen erfolgreich werden ließen. Die Mexikanerin war nicht nur cool, wehrhaft und skrupellos, sondern auch intelligent, wie Rita und sie selbst feststellen durften.<br />
&bdquo;Steh nicht rum! Beeile dich! Wir müssen gleich noch über Rita unsere Schätze zu Hause anrufen, dann haben wir auch schon für unser Alibi gesorgt. Ich habe ihr eine Nachricht über den Musikkanal geschrieben, sie wartet dann gleich auf dem Parkplatz vor der Disko auf unsere Anrufe.&ldquo;<br />
Eine halbe Stunde später war es so weit. Die Kleidung war verscharrt, sie beide umgezogen und geschminkt. Beide hatten sich gegenseitig in Augenschein genommen, um jede noch so kleine Auffälligkeit zu entdecken. Nein! Sie hatten ganze Arbeit geleistet.<br />
Rosalinda sah ein letztes Mal auf ihre Armbanduhr, dann wählte sie die Nummer Ritas.<br />
&bdquo;Hey! Hast du Spaß?&ldquo;, fragte die junge Mexikanerin.<br />
&bdquo;Die beschissenen Idioten hier rücken mir den ganzen Abend auf die Pelle. Aber es geht. Einen von den Türstehern finde ich niedlich. Da muss ich mich richtig bremsen, um ihn mir nicht zwischen meine Schenkel zu holen. Wie läuft es bei euch?&ldquo;<br />
&bdquo;Gut soweit. Sind in zwei Stunden wieder da. Früh genug, um noch ein wenig abzuhotten. Der Tag morgen wird für uns eine Tortur, bekommen wir aber mit einem Mittagsschläfchen auch noch rum.&ldquo;<br />
Rita lachte. &bdquo;Glaub ich, dass ihr fertig seid. Ich wähle dann mal die Nummer von der Willymaus. Hab mich extra so gestellt, dass man noch was von der Musik mitbekommt.&ldquo;<br />
Rosalinda dankte. &bdquo;Halte aber die Geräte nicht zu dicht beisammen. Sonst hallen sie.&ldquo;<br />
Statt einer Antwort kam schon das Freizeichen.<br />
&bdquo;Ros? Ist was passiert? Hab geschlafen.&ldquo;<br />
&bdquo;Hey Schatz. Ich lieb dich so, mein Süßkeks. Wie gerne würde ich jetzt von dir naschen.&ldquo; Sie lachte heiser auf. &bdquo;Aber ich bin ein wenig dun, verstehst? Phuuu, da hab ich einen kleinen Trunk zu viel genommen.&ldquo;<br />
&bdquo;Pass ja auf dich auf! Ihr seid in einer fremden Stadt. Da bin ich nicht mal eben da, um dich holen zu kommen.&ldquo; Willy schien jetzt hellwach.<br />
&bdquo;Hey! Hey!&ldquo; Rosalinda machte eine lange Pause. &bdquo;Hey! Bin selbst müde, okay? Wenn Esme mit solch einem Trottel genug abgespasstet hat, fährt uns Ritarot nach Hause. Hab ich dir erzählt, dass wir eine ganz liebe Mutti haben? Hab ich oder?&ldquo; Sie lallte kunstvoll in das Mikrofon des Handys. &bdquo;Nur ein wenig fremdenfeindlich. Ich glaube, die würde mich lieber in einem Konzentrationslager sehen. Nichts für ungut.&ldquo; Sie lachte.<br />
&bdquo;Du hörst dich blechern an. Stimmt etwas mit der Verbindung nicht?&ldquo;, fragte Willy.<br />
&bdquo;Warum? Red ich blech?&ldquo; Rosalinda prustete. &bdquo;Schatzi! Ich lutsch dir einen, wenn ich wieder da bin. Einverstanden? Jetzt will ich nur noch ins Bett.&ldquo; Sie gähnte. Es war nicht gestellt.<br />
&bdquo;Seid vorsichtig! Mein Gott, bin ich froh, dass ihr bald wieder da seid. Kannst du noch auf euch aufpassen, wenn du betrunken bist?&ldquo;<br />
Rosalinda überhörte seine Frage. &bdquo;Willy? Ich lieb dich, mein Mopsi. Ich leg mal auf. Bis gleich.&ldquo;<br />
Rita und Esme waren sprachlos. Rosalinda hatte sich so kunstvoll verstellt, dass ihr Verstand sich selbst darauf hatte einlassen wollen.<br />
&bdquo;Das war eine Nummer. Der hat nichts gerafft. Irre!&ldquo; Rita lachte. &bdquo;Das musst du mir beibringen. Unbedingt.&ldquo;<br />
Esme schüttelte ihren Kopf. Sie hatte über dieses Gespräch schon einiges von ihrer Anspannung verloren. &bdquo;Okay. Ich jetzt Dörte, dann sind wir safe.&ldquo;<br />
Rita war sofort dabei. &bdquo;Gut! Ein Moment. Ich muss das Gerät wechseln.&ldquo;<br />
&bdquo;Ros?&ldquo; Esme blickte vom Fahrersitz zu ihr hinüber. &bdquo;Ist es schwer, einen Menschen zu töten?&ldquo; Die Mexikanerin sah zu ihr hinüber, schien sich aber nicht weiter an ihrer Frage zu stören. Sie bekam sogar eine Antwort.<br />
&bdquo;Ich kann mich nicht mehr an genaue Details erinnern. Es war eine Frau, glaub ich.&ldquo; Sie überlegte. Es schien sie selbst in diesem Moment zu interessieren. &bdquo;Ich war noch sehr jung gewesen. Ich erinnere mich nicht genau, wie es mir währenddessen und danach ging. Gestorben wurde oft um mich herum, vielleicht war mir der Tod deshalb nicht so wichtig damals?&ldquo;<br />
&bdquo;Ist das jetzt anders?&ldquo;, fragte die blonde Freundin weiter.<br />
Rosalinda sah zu ihr hinüber. &bdquo;Die Frage stellt sich mir nicht mehr. Ich bringe niemanden mehr um, weder direkt noch indirekt. Deshalb leben die beiden Schweine auch noch. Früher hätten sie über Stunden gelitten, bevor ich sie hätte sterben lassen.&ldquo;<br />
Esme schien mit sich zu kämpfen. Am liebsten hätte sie Rosalinda noch einmal gefragt, was sie mit den beiden Männern angestellt hatte. So konzentrierte sie sich eine Weile auf den Verkehr, wechselte die Spur, um einen LKW zu überholen, dann blickte sie wieder flüchtig zur Freundin hinüber, welche ihre Sneaker ausgezogen hatte, um ihre Füße auf der Armatur abzulegen.<br />
&bdquo;Ging es gerade nur um Respekt?&ldquo;, fragte Esme weiter. Solange sie nicht ins Detail ging, schien Rosalinda mit ihrem Gespräch kein Problem zu haben.<br />
&bdquo;Ja. Wenn man nicht ernst genommen wird, erreicht man nicht viel. Ich habe Ziele, und bei diesen geht es nicht nur um mich, sondern auch noch um viele andere Menschen, die mir wichtig geworden sind. Sie sollen es gut haben.&ldquo;<br />
&bdquo;Gehöre ich auch zu ihnen?&ldquo;, fragte Esme vorsichtig.<br />
Rosalinda lächelte. &bdquo;Ja. Mittlerweile schon. Du wirst zu der Mauer gehören, welche diese Menschen schützt. Und du wirst Kameraden haben, die für dich da sein werden. Eine von ihnen wirst du schon bald kennenlernen. Du wirst mit ihr und einem Freund fürs Erste eine Zelle gründen.&ldquo;<br />
&bdquo;Was bedeutet das?&ldquo;, fragte Esme angespannt. Dass Rosalinda solch weitreichende Pläne mit ihr hatte, verwunderte und ängstigte sie in diesem Moment zu gleichen Teilen.<br />
&bdquo;Ihr erhaltet zusammen von mir eure Aufträge. Arbeitet mit Spotterteams zusammen und sorgt dafür, dass wir in Frieden gelassen werden.&ldquo;<br />
&bdquo;Werde ich dann&#8230;&ldquo;, Esme hatte Schwierigkeiten, ihre Gedanken in Worte zu fassen.<br />
&bdquo;Du meinst dasselbe machen wie ich gerade?&ldquo;, half ihr Rosalinda.<br />
Esme nickte ihr zu.<br />
&bdquo;Wenn es nötig ist, schon. Aber es fällt einem nicht allzu schwer, wenn man die Sicherheit hat, dass es nicht den Falschen trifft. Schwierig wird es erst, wenn man Terror verbreiten muss. Dann trifft es auch Menschen, welche gar nichts mit einem zu tun haben. Aber ich werde alles daransetzen, damit es nicht dazu kommt.&ldquo;<br />
&bdquo;Ich möchte niemanden Unschuldigen verletzen, Ros.&ldquo;<br />
Rosalinda seufzte. &bdquo;Es gibt, glaube ich, keine unschuldigen Menschen. Von daher&#8230;&ldquo; Sie grinste. &bdquo;Aber mal im Ernst, wie viele Bitches kennst du, denen du gerne mal die Fresse poliert hättest? Einfach nur zum Spaß?&ldquo;<br />
Die Blondine sah sie an, dann grinste sie. &bdquo;Da gibt es eine Menge, stimmt.&ldquo;<br />
Für einen Moment herrschte Schweigen zwischen ihnen, dann war es Rosalinda, welche das Gespräch zwischen ihnen wieder aufnahm.<br />
&bdquo;Wenn es einen von uns erwischt, musst du zu allem bereit sein. Dann geht es nur noch um diesen einen Menschen. Und darum, ihn am Leben zu erhalten oder zu befreien. Es muss dann alles getan werden, was nötig ist, ohne Wenn und Aber.&ldquo;<br />
Esme blickte zu ihr hinüber, dann nickte sie Rosalinda schweigend zu. Hatte sie denn überhaupt noch eine Wahl? Sie konnte sich noch gut an den ersten Morgen erinnern, an dem sich Rosalinda dazu bereit erklärt hatte, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Sie hatte Angst gehabt und wollte gegenüber Männern kein Opfer mehr sein.<br />
&bdquo;Wenn du das wirklich willst, gehörst du mir&ldquo;, hatte ihr die Mexikanerin klar zu verstehen gegeben. &bdquo;Jedes meiner Worte kommt einem Befehl für dich gleich. Ich sorge für dich und beschütze dich. Verrätst du mich, bin ich diejenige, welche dich bestraft.&ldquo;<br />
Sie konnte sich noch gut erinnern, wie sie die Jugendliche früher gesehen hatte. Sie, die Studentin der Informatik, intelligent, hübsch und angesehen, suchte die Bindung zu einer ehemaligen Schwerverbrecherin? Noch dazu einer, welche keinen Hehl daraus machte, in die alten Muster der Vergangenheit zurückfallen zu wollen? Deutschland war das Paradies, wie es ihr die Mexikanerin erklärte. Es gab Geld im Überfluss und laxe Gesetze. Das Land lud dazu ein, sich an ihm und seinen Einwohnern zu vergehen. Zumindest an denjenigen, welche selbst ein Schattendasein führten.<br />
Dass Ros ihren Schwur gegenüber dem Pfarrer wirklich durchzusetzen suchte, erstaunte sie dabei immer wieder. Es ging ihr wohl auch um Willy, den sie zu verlieren fürchtete, wenn sie es übertrieb. Krass, dass Chili ausgerechnet diesen Mann über alles liebte. Unansehnlich, unsportlich und introvertiert.<br />
&bdquo;Hör jetzt auf zu grübeln! Dort vorne ist die Grenze. Sind wir zurück, wechseln wir, dann fahre ich weiter und du schläfst eine Runde. In Dresden wecke ich dich dann.&ldquo;<br />
&bdquo;Ja, Ros.&ldquo;<br />
Sightseeing<br />
Müdigkeit! Der Wunsch nach Schlaf schien übermächtig. Wie oft hatte sie an diesem Morgen schon gegähnt? Esme ging es ähnlich. Erschöpft starrte die hübsche Blondine auf die Tasse herunter, darauf wartend, dass Rita endlich die Dusche freigab.<br />
&bdquo;Wie viele Eier?&ldquo;, fragte Rosalinda.<br />
&bdquo;Drei? Ich habe krassen Hunger.&ldquo;<br />
&bdquo;Kein Wunder, haben uns ja auch viel bewegt.&ldquo;<br />
&bdquo;Schalten wir das Radio an?&ldquo;, fragte Esme.<br />
&bdquo;Nein. Lass es aus! Je weniger wir wissen, desto unauffälliger verhalten wir uns. Du warst gestern hier, hast die Stadt angeschaut und im Club abgefeiert. Auslandsberichte haben eine kurze Halbwertszeit. Morgen spricht bei uns kein Mensch mehr darüber.&ldquo;<br />
Rosalinda briet Schinkenstreifen an und gab schließlich Eier hinzu. Zusammen mit frischem Weißbrot und Bananen ein typisches Katerfrühstück für ihre Mädels. Esme hatte viel zu verarbeiten, daher war es gut, dass sie gestern noch einiges an Alkohol getrunken hatte.<br />
Rita war total überdreht. Auch sie hatte etwas Alkohol konsumiert und dabei während ihres Klubaufenthalts intensiv mit einem der Türsteher geflirtet. Am liebsten hätte sie ihn mit in die Wohnung genommen, doch war sie sich sicher gewesen, dass Rosalinda etwas dagegen gehabt hätte. Wäre auch unfair gewesen sich vögeln zu lassen, während die beiden Abenteurerinnen sich von ihren Anstrengungen erholen wollten.<br />
Ihr Gesang schallte aus dem Bad heraus, während sie duschte, doch erstarb dieser abrupt von einer Sekunde auf die andere.<br />
Die Sinne von Rosalinda waren sofort hellwach. Es musste etwas passiert sein! Sie schob die Pfanne vom Kochfeld herunter, trat an die Badtür und horchte. Eine Nachrichtenstimme war zu hören, laut genug, um eins und eins zusammenzählen zu können.<br />
&bdquo;Alles gut?&ldquo;, fragte Rosalinda durch die geschlossene Tür. Sie hörte, wie hinter ihr ein Stuhl am Küchentisch verrückt wurde. Kurz darauf stand Esme neben ihr.<br />
&bdquo;Rita? Was ist los?&ldquo; Die beiden Frauen wechselten besorgte Blicke.<br />
&bdquo;Alles gut.&ldquo; Drang es durch die Tür. &bdquo;Hab mir einen Splitter eingerissen.&ldquo;<br />
Erleichterung. Nicht nur bei Rosalinda. Für einen kurzen Moment hatten die beiden das Schlimmste angenommen. Sie konnten sich nicht sicher sein, wie die Rothaarige auf besondere Nachrichten aus dem Nachbarland reagiert hätte.<br />
&bdquo;Brauchst Hilfe?&ldquo;, fragte die Mexikanerin.<br />
Statt einer Antwort wurde die Tür geöffnet. &bdquo;Ja. Du bist geschickt. Vielleicht bekommst du ihn raus?&ldquo; Rita humpelte zum Badhocker und ließ sich darauf nieder. Sie reichte Rosalinda eine Nähnadel aus ihrem Reiseetui und deutete auf eine Stelle an ihrer großen Zehe. Diese schaltete das Radio aus, mit der Begründung, sich mit mehr Ruhe besser konzentrieren zu können.<br />
Zwei Stunden später standen die drei jungen Frauen an einem Anleger an der Elbe und warteten darauf, dass ein großer Ausflugsdampfer anlegte. Das Schiff glitt mit bemerkenswerter Geschwindigkeit stromabwärts heran, während eine lange Schlange an Fahrgästen darauf wartete, zusteigen zu können.<br />
Esme trug ein blaues knielanges Kleid, ihre blonden Haare offen über den Schultern und eine verspiegelte Pilotenbrille auf der Nase. Rita hatte sich für ein schwarzes ärmelloses Top und einen roten Minirock entschieden, während Rosalinda kurze Jeanshosen und eine weiße Bluse trug. Dabei zeigte sie ihre ungewöhnlich muskulösen Beine, deren Muskeln bei jeder noch so kleinen Bewegung emsig zu arbeiten begannen. Auch ihre düsteren Tätowierungen erregten Aufmerksamkeit und wurden von den Wartenden verstohlen bestaunt.<br />
&bdquo;Die Sächsische Schweiz ist wunderschön, Ros. Sie wird dir gefallen. Schade, wirklich viel von ihr werden wir vom Schiff aus nicht sehen können. Aber vielleicht kommen wir ja noch mal her?&ldquo;, hoffte Rita. &bdquo;Es gibt nichts Geileres als auf den Felsen zu kiffen. Die Aussicht kommt dann besonders fein.&ldquo;<br />
Eine halbe Stunde später waren sie an Bord. Sie gingen hinauf aufs Sonnendeck, suchten unter einem überdachten Bereich Schutz vor der Hitze und ließen es sich gut gehen. Die Müdigkeit war zum großen Teil verflogen und die Freude auf das vor ihnen Liegende erhellte ihre Stimmung.<br />
Wie schön dieses Land mit all seinem Grün war. Sicher, es gab auch in Mexiko solche Gegenden, doch hatte Rosalinda diese nicht allzu oft zu Gesicht bekommen. Ihr Leben hatte sich vor allem in den Straßen einer Millionenstadt abgespielt. Getrieben und ohne Momente der Ruhe. Sie löste sich von diesem Gedanken wieder und besann sich auf das Hier und Jetzt. &bdquo;Endlich geht es los. Wir müssen noch ein paar Fotos für unsere Liebsten machen, Mädels.&ldquo;<br />
Hatten sie zuerst die Befürchtung gehabt, dass nur Rentner auf dem Schiff mitfuhren, drängten nun noch Jugendliche und junge Erwachsene eines Vereins an Bord und verteilten sich auf den freien Plätzen des Sonnendecks. So setzten sich vier Mädchen und drei Jungs in die Nachbarbänke und warfen neugierige Blicke auf die drei jungen Frauen.<br />
Esme dachte immer noch an die Brände, welche sie an Fahrzeuge und Häuser gelegt hatte. Sie musste sich extrem zusammenreißen, um nicht in den Nachrichten danach zu suchen. Würde man in Deutschland überhaupt darüber berichten? Je mehr sie darüber grübelte, umso unwahrscheinlicher kam es ihr vor. Vor allem wie lange würde so etwas dauern, bis es überhaupt publiziert wurde?<br />
Ein Blick auf Rosalinda &ndash; die Mexikanerin zeigte keinerlei Anspannung. In die Bank gefläzt, hatte sie ihre Sneaker ausgezogen und die Füße auf die Rückenlehne der Vorderbank abgelegt. Was hatte sie mit den Männern gemacht? Würde sie es jemals erfahren? Es musste etwas Schlimmes gewesen sein, wenn sie selbst ein paar Worte der Rechtfertigung verwendet hatte. Diese Frau, noch nicht einmal volljährig, war der härteste Mensch, den sie zu kennen glaubte. Wenn man etwas erreichen wollte, ließ man sich von ihr treiben. Das hatte sie schnell für sich klar gehabt. Erst beim Sport, jetzt auch bei allem anderen. Es lag der Reiz der Gefahr in der Luft, wenn sie mit Rosalinda zusammen war, eine Art von Würze, die es bisher in ihrem Leben nicht gegeben hatte. Aber es gab auch die Angst vor der Konsequenz. Würde Chili sie wirklich schützen können? Esme blies ihre Wangen auf. Sie konnte es nur hoffen.<br />
Sie schloss die Augen. Dass es jetzt kein Zurück mehr für sie geben sollte, war ihr zum ersten Mal klar geworden. Sie selbst war in dieser Nacht zu einer Verbrecherin geworden. Die Stufe zur Kriminellen hatte sie dabei gekonnt übersprungen.<br />
&bdquo;Hey! Wo seid ihr her?&ldquo;, fragte eine große, etwas korpulentere junge Frau in ihre Richtung. Esme hatte keine Lust zu antworten, doch Rita griff freudig den Kontaktversuch auf.<br />
&bdquo;Berlin. Ihr?&ldquo;<br />
&bdquo;Wir kommen aus Bonn. Ein kleiner Lohn vom THW. Haben erst gekotzt, als es hieß, dass es nach Dresden gehen würde, aber jetzt wo wir hier sind, ist es ganz schick.&ldquo;<br />
Ein Junge gesellte sich dazu und warf einen neugierigen Blick auf die Blondine, welche sich bisher nicht für das Gespräch interessiert hatte. Gelangweilt sah sie zum Ufer hinüber, wo träge die Häuser hinter der Uferpromenade entlangzogen.<br />
&bdquo;Die ist sich wohl zu fein für uns&ldquo;, lachte er, sich dabei mit seiner Hand durch die schulterlangen braunen Haare streichend.<br />
&bdquo;Nee, die ist noch müde von der Nacht. Waren ziemlich abfeiern.&ldquo;<br />
Der Junge zeigte Verständnis. &bdquo;Und sie?&ldquo; Er deutete auf Rosalinda. &bdquo;Auch noch kaputt von der Orgie?&ldquo;<br />
&bdquo;Nee. Die findet jeden, den sie nicht kennt, erst einmal scheiße. Musst dir nichts draus machen.&ldquo;<br />
Mit dieser Erklärung wandte sich Rosalinda der Gruppe zu, spielte wie immer mit ihrer Zopfspitze und lächelte. &bdquo;Macht euch nichts draus&ldquo;, bestätigte sie die Erklärung ihrer Freundin.<br />
&bdquo;Alles gut. Besser als jeden anlabern wie Oli.&ldquo; Der Junge sah demonstrativ zu der Großen auf.<br />
&bdquo;Ohne mich würdet ihr nie Leute kennenlernen&ldquo;, rechtfertigte sich diese und wandte sich wieder den drei jungen Frauen zu. &bdquo;Er hat wegen mir sogar seine Schickse geangelt. Aber ja keinen Dank, muss nich.&ldquo;<br />
Die Gruppe lachte.<br />
&bdquo;Oli? Ziemlich bekloppter Name für ein Mädel&ldquo;, stellte Esme verwundert fest. Mit der eigenen Zurückhaltung schließlich doch noch brechend.<br />
&bdquo;Olivia. Meinen Freunden ist der Name zu lang.&ldquo;<br />
Die Blonde gab sich verständnisvoll. &bdquo;Nachvollziehbar. Verstehe ich gut.&ldquo;<br />
Die jungen Menschen lachten erneut.<br />
&bdquo;Du bist aus Mexiko, oder?&ldquo;, fragte Olivia in Rosalindas Richtung. &bdquo;Sieht man an deinen Tätowierungen. La pulga que mata kenne ich nicht. Aber dafür Los hijos del diablo. Das sind Gangtatoos aus dem Norden Mexikos.&ldquo;<br />
Rosalinda vermochte es nicht über die Erkenntnisse der jungen Frau hinwegzugehen. &bdquo;Woher kennst du dich aus? Du trägst selbst keine Tattoos&ldquo;, fragte sie verwundert.<br />
&bdquo;Werde damit warten müssen, bis ich zuhause ausgezogen bin. Ich möchte Tätowiererin werden. Ein schwieriger Markt. Du musst nicht nur gut zeichnen können, sondern auch die Motive kennen, welche besonders sind und sich gut verkaufen lassen. Je mehr man da über die Zeichen weiß, desto leichter wird es, sie an Mann und Frau zu bringen.&ldquo;<br />
Die Mexikanerin betrachtete Olivia nachdenklich, ohne ein weiteres Wort zu sagen.<br />
Die Jugendlichen des THW begannen sich jetzt alle für die Körperzeichnungen der jungen Frau zu interessieren und kamen näher, um Details auf deren Armen und Schultern erkennen zu können.<br />
&bdquo;Was bedeuten diese Zeichen?&ldquo;, fragte der Junge mit den langen braunen Haaren interessiert.<br />
Rosalinda ignorierte ihn und so war es wieder Olivia, die seine Frage beantwortete. &bdquo;Das ist praktisch ihr Lebenslauf. Alles, was sie für die Gang erreicht hat, wird in ihre Haut gestochen. Und diese Haut, alter Schwede, ist sehr alt.&ldquo; Staunen war aus ihren Worten herauszuhören.<br />
&bdquo;Wie kann das sein? Sie ist doch noch jung?&ldquo;, wollte eine von Olivias Begleiterinnen wissen.<br />
&bdquo;Sie hat viel für ihre Gruppe getan. Sie war sogar ihre Anführerin.&ldquo; Das füllige Mädchen deutete auf das in schwungvollen Lettern geschriebene Lidr, schien aber zu merken, dass es Rosalinda zu viel wurde.<br />
&bdquo;Abgefahrene Scheiße. Auf ihrer Schulter sieht man ein paar Grabkreuze. Welche Bedeutung haben die?&ldquo;, wollte der Junge wissen.<br />
Olivia fühlte den Blick der Mexikanerin in aller Deutlichkeit. Hier war ihre Grenze.<br />
&bdquo;Die Kreuze stehen für etwas Besonderes, das sie erlebt hat.&ldquo;<br />
&bdquo;Aber ganz ehrlich, wenn ich in Mexiko leben würde, täte ich mir einfach ein paar solcher Bildchen auf die Haut stechen lassen und schon bekäme ich überall Respekt. Wäre doch ein Leichtes&ldquo;, meinte der Junge frech.<br />
Olivia sah zu ihm auf und schüttelte ihren Kopf. &bdquo;In jeder Tätowierung gibt es Zeichen des Gangtätowierers. Unscheinbar und kaum zu bemerken. Würdest du Bilder fälschen, würdest du dafür schwer bestraft werden.&ldquo;<br />
Der Junge und auch die Gruppe um ihn herum hatten genug vom Thema. Mit einem &bdquo;kranke Scheiße!&ldquo; wandten sie sich lieber wieder Rita und Esme zu, die wesentlich gesprächsbereiter schienen als die Exotin mit den düsteren Tätowierungen.<br />
&bdquo;Setz dich zu mir!&ldquo;, forderte indessen Rosalinda Olivia auf. &bdquo;Dann können wir reden.&ldquo;<br />
Die Fahrt flussaufwärts wechselte vom Stadtgebiet Dresdens und seinen Vororten langsam zu einer imposanten Gebirgslandschaft. Steile Hänge wuchsen an den Ufern empor und nahmen den Fluss zwischen sich.<br />
Die jungen Leute unterhielten ein lebhaftes Gespräch, eine Boombox wurde besorgt, dann dröhnten die Beats. Es dauerte nicht lange und ein Besatzungsmitglied erschien in Begleitung einer Aufsichtsperson des Vereins, um den Frieden an Bord wiederherzustellen. Immerhin mussten sie nicht ganz ausmachen.<br />
Olivia und Rosalinda verstanden sich gut miteinander. Das Interesse der Mexikanerin war nicht geheuchelt. Wenn die Dicke wirklich stechen konnte, würde sie Verwendung für die Frau haben. Erst siebzehn Jahre alt, würde sie noch ein paar Monate brauchen, bis sie Gebieterin ihres eigenen Lebens war.<br />
Rosalinda fühlte, wie ihr Handy in der Hosentasche vibrierte. Sie sah Olivia eindringlich an, dann wechselte ihr Blick zu den anderen. Das füllige Mädchen verstand, erhob sich und schloss sich wieder der Gruppe an.<br />
&bdquo;Hey!&ldquo; Rosalinda drehte sich seitlich zum Boot hin, darauf achtend, dass niemand sie hören konnte. Es war Jochen, er rief über die Freundin seiner Frau an.<br />
&bdquo;Wie ist es gelaufen?&ldquo;, fragte er ohne Umschweife.<br />
&bdquo;Gut! Ich hoffe, dass die Nachricht angekommen ist. Sag Erich, dass ich ihm etwas mitgebracht habe.&ldquo;<br />
&bdquo;Aus der Tschechei? Oblaten oder was?&ldquo; Jochen war nicht zum Scherzen aufgelegt. &bdquo;Bitte Maria! Die Lage ist ernst und die Leute beginnen zu murren.&ldquo;<br />
&bdquo;Lass sie wieder verkaufen. Nur überwache die Plätze. Tauchen die Tschechen wieder auf und verhalten sich weiterhin aggressiv, müssen wir es dieses Mal anders machen.&ldquo;<br />
&bdquo;Wie meinst du das?&ldquo;<br />
&bdquo;Wir werden Waffen brauchen. Ich denke, in deinen Kreisen wird es nicht schwer sein, welche zu bekommen.&ldquo;<br />
&bdquo;Fuck! Ist das dein Ernst?&ldquo;<br />
&bdquo;Ja. Wenn sie ihre Lektion nicht gelernt haben, müssen welche da sein. Wir werden es die nächsten Tage erfahren. Überwache die Zitadelle! Wenn sich etwas Verdächtiges tut, gib mir Bescheid.&ldquo;<br />
&bdquo;Maria! Meinst du nicht, dass das alles gerade ein wenig eskaliert?&ldquo;, fragte die heisere Stimme des früheren Nazis.<br />
&bdquo;Nein, Jochen. Es entwickelt sich alles völlig normal. Wir haben uns ein Gebiet erobert, nun müssen wir es verteidigen. Es werden weitere hinzukommen, nur sollten wir aufpassen, dass unser Wachstum gesund bleibt&ldquo;, erklärte sie mit ruhiger Stimme.<br />
&bdquo;Gut. Was für Waffen?&ldquo;, fragte Jochen schließlich.<br />
&bdquo;Nichts Westliches! Alles, was man so in Polen an der Grenze zu Belarus und Russland besorgen kann. Lasst euch keinen Schrott andrehen! Immer auf die Möglichkeit weiterer Käufe hinweisen! Müssen wir die Teile einsetzen, sorgen wir dafür, dass unsere Einsätze in Richtungen zeigen, welche uns zusätzlichen Nutzen bringen.&ldquo;<br />
&bdquo;Du bist so eine abgewichste Alte. Sogar Thomas scheint seinen Hass dir gegenüber überwunden zu haben. Der hat richtig Zukunftsangst bekommen, nachdem es hier nicht mehr weiterging. Als er dann hörte, dass du dich kümmerst, war er richtig erleichtert.&ldquo;<br />
Ros dachte an das Schwein, welches damals Willy die Messerklinge an den Hals gedrückt hatte. Es gab nichts Positives in ihrem Empfinden diesem Mann gegenüber. &bdquo;Behalte ihn dennoch im Auge. Die Gefahr ist hoch, dass er uns verraten wird. Vielleicht müssen wir ihn hier testen.&ldquo;<br />
&bdquo;Du siehst Gespenster, Maria. Der Typ hat begriffen, dass sein Wohl von deinem abhängt. Mach dir keinen Kopf.&ldquo;<br />
Rosalinda schwieg. Dass Jochen ihre Einschätzung nicht ernst nehmen wollte, ärgerte sie sehr. Er hatte kaum Erfahrung als Leader, und das Wenige, was er wusste, hatte er von ihr vermittelt bekommen.<br />
&bdquo;Sei nicht sauer, Chiquita! Komm erst einmal zurück, dann sehen wir weiter. Wenn du meinst, da ist eine Gefahr, dann kümmern wir uns darum. Nur wenn du recht hast, scheiße, ich kenne den Mann mein ganzes Leben.&ldquo;<br />
&bdquo;Dadurch wird er mich nicht weniger hassen, Jochen. Hüte dich vor solchen, vor allem aber dummen Menschen! Sie sind etwas, das kaum einzuschätzen ist. Die, welche du um dich herum hast, betraue nur mit Scheiße. Opfere sie, wenn du sie nicht mehr brauchst, entledige dich ihrer! Nur so bleibst du sicher.&ldquo;<br />
&bdquo;Für dich ist alles so einfach. Das sind Menschen, mit denen ich zeit meines Lebens zusammen bin. Die kann ich nicht einfach wegwerfen, wenn ich sie nicht mehr benötige.&ldquo; Jochens Verbitterung über Rosalindas Sicht auf sein Leben trat deutlich zutage.<br />
&bdquo;Baust du Scheiße, weil du Affen auf unserer Spielwiese tanzen lässt, sind wir fertig miteinander. Halte das in deinem Hinterkopf! Ich denke, das schaffst du&ldquo;, ätzte Rosalinda. &bdquo;Wir sehen uns die Tage.&ldquo;<br />
Sie beendete das Gespräch. Die nächsten Tage würden zeigen, wie sich das Verhältnis zu den Tschechen entwickelte. René und Holger hatten Verbindung mit einer Gruppe in Pilsen aufgenommen, doch die waren friedlich und hatten kein Interesse an Konflikten. Ganz im Gegensatz zu den Dörflern. Die waren berühmt-berüchtigt für ihre umtriebigen Gewalttaten. Zweimal schon hatte das Militär zusammen mit der Polizei das Dorf durchsucht und dabei etliche Personen festgenommen.<br />
Der Clan würde nur Mutmaßungen darüber anstellen können, wer sie angegriffen hatte. &bdquo;Reden wir!&ldquo;, hatte sie auf eine russische Grußkarte in kyrillischen Lettern geschrieben. Auch hier hatte sie darauf geachtet, dass der Verdacht in eine andere Richtung fiel. Ihre Gegner würden sich massiv bedroht fühlen, zumal sie mit ihrer linken Hand geschrieben hatte und so für noch mehr Unklarheit sorgen wollte. Holger hatte ihr erklärt, dass es einen einflussreichen Bulgaren in der Prager Szene gab, der Linkshänder war und gerne seine Feinde auf diese Weise Warnungen schickte.<br />
Sie würden also erst einmal weitermachen können, wenn die Gefahr auch hoch war, dass die Tschechen zurückkehren würden. Doch sie wussten jetzt, woran sie waren, und wenn Jochen weiter in ihrer Spur lief, würde sich alles regeln. Zumal nicht mehr allzu viel Zeit vergehen sollte, bis Romina und Maria aktiv werden konnten, wenn auch mit besonderer Vorsicht.<br />
Weitere Zöglinge ihrer mexikanischen Gang würden sich nach Deutschland aufmachen, zusätzlich zu denen aus den vergangenen Jahren. Sie allein hatte Kenntnis über deren Verbleib in diesem Land und würde somit alle Macht in ihren Händen halten. Gut verteilt in den Städten Mitteldeutschlands, von wo aus sie operieren konnten. Spezialisten, auf lange Hand vorbereitet für den hiesigen Einsatz. Studenten, Handwerker, Künstler, immer eine Handvoll, welche sie jedes Jahr ins Land holen und mit ihrer Hilfe für die Art von Schutz sorgen würde, den sie für ihren Handel brauchten. Ihre Lebensversicherung, gegenüber Freund, Feind und Offiziellen. Sie würde diese Männer und Frauen anleiten, sonst aber niemand in ihre direkte Koordination mit einbeziehen, von kurzzeitigen Kontaktzuweisungen über Social Media einmal abgesehen. So gingen ihre Landsleute ganz normaler Arbeit nach, blieben unauffällig und traten nur dann in Aktion, wenn sie dies für notwendig hielt. Erwirtschaftete die Organisation Geld, bekamen sie ihren monatlichen Anteil und Bonuszahlungen für jeden erfolgreichen Einsatz.<br />
Sie sah zu Esme und Rita hinüber, welche sich immer noch mit den Jugendlichen des THW unterhielten. Sie lachten in diesem Moment auf. Die beiden Frauen würden bald als Informatikerinnen über das nötige Wissen verfügen, um die Macht ihrer Gruppe zu konsolidieren. Sie musste etwas aufbauen, das sie schützte, auf das sie selbst aber nur indirekt Einfluss nehmen konnte. So würden ihre Feinde selbst dann mit ernsten Konsequenzen rechnen müssen, wenn sie ihrer habhaft wurden und unter Druck setzen konnten.<br />
Sie trug die entsprechenden Ideen schon in ihrem Kopf herum, sie musste diese nur noch konkretisieren. Ihre jetzige Lista de muertes y desgracias (Todes- und Unglücksliste) befand sich in Mexiko, bald sollte sich diese aber noch zusätzlich, von außen unkontrollierbar, im Internet befinden.<br />
Sie hing weiter ihren Gedanken nach, während sie auf das Wasser hinunterblickte. Rasch zog es vorbei, während sich das Schiff in gegensätzlicher Richtung den Strom hinauf quälte. Sie hatte in den letzten Stunden kaum an Georg oder Willy gedacht, ein Umstand, welcher ihr Sorgen bereitete. Die beiden waren wichtig! Sie durfte sie unter keinen Umständen verlieren. Würden diese für sie wichtigen Bremsen nicht mehr funktionieren, lief sie Gefahr, heiß zu laufen und es mit ihren Geschäften zu übertreiben. Irgendwann war dann die Gesellschaft dazu gezwungen, auf sie zu reagieren, und ein Rad setzte sich in Bewegung, welches sich nicht mehr stoppen ließ. Sie hatte von diesem Point of no Return gelesen, und er ängstigte sie sehr.<br />
&bdquo;Bueno, mi bebé, &iquest;qué estás haciendo?&ldquo; Rosalinda freute sich sehr, Willys Stimme zu hören. Ihr Freund klang müde. Wahrscheinlich hatte er selbst wenig geschlafen.<br />
&bdquo;Estoy bien. &iquest;Y vosotros?&ldquo;<br />
&bdquo;Wir chillen gerade auf der Elbe. Fahren in Richtung irgendeiner Festung. Irgendwas mit Gold, Rita hat&rsquo;s erzählt und ich hab&rsquo;s im gleichen Moment wieder vergessen.&ldquo;<br />
Willy wusste sofort, was gemeint war.<br />
&bdquo;Du meinst die Festung Königstein. Da saß der olle Böttger drauf, der anstatt Gold das Porzellan für Europa entdeckt hatte.&ldquo;<br />
Rosalinda interessierte sich nicht sonderlich für vergangene Geschichten, war aber froh, seine Stimme zu hören. Seine Begeisterung freute sie. &bdquo;Warst schon mal hier?&ldquo;<br />
&bdquo;Ja, zweimal. Kann man geil spazieren gehen dort oben.&ldquo;<br />
&bdquo;Rita hatte vorhin vom Kiffen auf den Felsen gesprochen.&ldquo;<br />
Natürlich machte sich ihr Freund sofort Sorgen. &bdquo;Seid bloß vorsichtig! Da geht es echt tief runter und wenn ihr dann noch benebelt seid&#8230;&ldquo;<br />
&bdquo;Ich freu mich auf dich. Es nervt mich, dass du nicht dabei bist.&ldquo;<br />
Auch er fühlte sich ohne sie einsam. Zumindest sagte er ihr das.<br />
&bdquo;Freu mich aufs Ficken. Du musst sofort ran, wenn ich wieder bei dir bin. Ohne dich bekomme ich meinen Kopf nicht frei. Das ist so irre.&ldquo;<br />
&bdquo;Dann bin ich nur dafür gut?&ldquo;, protestierte er.<br />
Rosalinda lachte. &bdquo;Nicht nur. Du kannst auch gut aufräumen und kochen und mir sonst zu Diensten sein.&ldquo;<br />
&bdquo;Verstehe. Always in your service, Mrs!&ldquo;<br />
Sie lachten beide.<br />
&bdquo;Ich werde gleich zu Franzi fahren. Die ist stocksauer, dass du jetzt ohne sie das erste Mal abgewackelt bist. Wenn ich von Rita und Esme erzähle, meint sie nur &sbquo;Chilis neue Bitches&lsquo;.&ldquo;<br />
&bdquo;Geil, dann wäre sie ja die alte Bitch. Musst du ihr mal sagen.&ldquo;<br />
&bdquo;Lieber nicht. Im Moment ist sie gut mit mir. Sie hat sich ziemlich verändert, seit die Kleine da ist. Keine Ahnung, was sich da in ihrem Kopf geschaltet hat, aber sie ist auf einmal viel reifer und überlegter. Das fällt auch meinen Alten auf. Selten, dass sie sich mal einig sind.&ldquo;<br />
&bdquo;Meinst du, wir sind auch mal so zueinander?&ldquo; Rosalinda bereitete diese Möglichkeit Sorgen. Franzi und Willy hatten immer die Vorstellung in sich getragen, dass ihre Alten nur noch wegen ihnen zusammenblieben, aber nun, da beide volljährig waren, trennten sich Frank und Heidrun noch immer nicht.<br />
&bdquo;Ich glaube nicht. Dafür sind wir beide zu harmoniebedürftig&ldquo;, meinte er, ohne groß nachdenken zu müssen.<br />
&bdquo;Ich hoffe, du hast recht.&ldquo;<br />
&bdquo;Was hast du denn bisher erlebt?&ldquo;, wollte er wissen.<br />
Rosalinda fasste den ersten Tag und die Nacht in der Disko in kurzen Sätzen zusammen. Dass sie durchgemacht hatten, sich ziemlich verkatert durch den Morgen quälten und nun auf diesem Dampfer abhingen.<br />
&bdquo;Hier lief &sbquo;ne Alte rum, die konnte meine Gangtattoos deuten. War ziemlich gruselig. Aber sonst eine coole Socke.&ldquo;<br />
&bdquo;Echt? Scheiße! Was hat sie zu den Kreuzen gesagt?&ldquo;<br />
&bdquo;Nichts. Sie ist darüber hinweggegangen. Hat mich selbst gewundert. Dabei bleibt da nicht viel Interpretationsspielraum. Ich habe ihre Nummer. Die möchte gerne als Tätowiererin &sbquo;ne Ausbildung machen. Vielleicht kann ich ihr ja helfen.&ldquo;<br />
Willy zeigte sich verwundert. &bdquo;Seit wann kennst du denn welche?&ldquo;<br />
&bdquo;Ich kenne mittlerweile schon ein paar Leute und die kennen dann auch wieder welche&#8230;, die Möglichkeiten sind sicher in Berlin größer als in Bonn, wo sie herkommt.&ldquo;<br />
&bdquo;Krass, dass du schon nach solch einem kurzen Kennenlernen bereit bist, sie zu unterstützen. Muss dich ja schwer beeindruckt haben.&ldquo;<br />
&bdquo;Hat sie. Definitiv. Ich mag Menschen, die unscheinbar anfangen und dann Tiefgang zeigen.&ldquo;<br />
&bdquo;Rita und Esme sind nicht gerade unscheinbar und du fährst mit ihnen in den Urlaub.&ldquo;<br />
&bdquo;Na und?&ldquo; Sprach sie so laut, dass sie von der Gruppe gehört werden konnte. &bdquo;Hat ja auch ziemlich gedauert, dass ich mit den beiden Kühen warm geworden bin.&ldquo; Sie lachte. &bdquo;Jetzt gucken sie doof rüber. Warte, ich winke ihnen kurz zu. Ja, von euch war die Rede.&ldquo;<br />
Heiteres Lachen wurde in der Gruppe laut, dann war der kurze Moment auch schon wieder vorbei. &bdquo;So mein Willykeks. Ich freu mich drauf, &sbquo;ne Ecke von dir zu knabbern. Bei dir vergesse ich immer wieder souverän, worum es beim Vögeln eigentlich geht. Ist schon krass. Mein Eros!&ldquo;<br />
&bdquo;An mir liegt es nicht. Musst nur herkommen.&ldquo;<br />
&bdquo;Morgen mein Schatz, dann ist deine kleine Chilischote wieder bei dir.&ldquo;<br />
Sie tauschten noch weitere Zärtlichkeiten aus, dann schafften sie es, sich voneinander zu lösen. Kaum hatte sie jedoch aufgelegt, war Georg an der Reihe.<br />
&bdquo;Na Pfarrer, hast du deine zarte Tochter vermisst?&ldquo;<br />
&bdquo;Wenn ich denn noch eine habe. Außer in der Arbeit bekomme ich dich kaum noch zu sehen. Wäre schön, wenn ihr beiden Turteltauben dann mal die Tage bei mir vorbeiflattern würdet. Dann könnte ich uns was kochen und wir ein wenig unser Vater-Tochter-Verhältnis auffrischen. Was sagst du dazu?&ldquo;<br />
Rosalinda lachte.<br />
&bdquo;Hört sich unwiderstehlich an, Georg. Freu mich echt auf dich. Dresden ist geil, aber es zieht mich dann doch wieder zu meinen Männern.&ldquo;<br />
&bdquo;Ist was passiert?&ldquo;, fragte der Pfarrer sogleich besorgt. &bdquo;Gab es Streit mit jemandem?&ldquo;<br />
&bdquo;Jetzt hör doch mal auf, gleich das Schlimmste anzunehmen. Ich habe niemanden umgebracht, versprochen. Ich gucke hier nur unschuldig Wasser, Felsen, Bäume und Häuser. Ach ja, ein paar doofe Gesichter sind auch noch dabei.&ldquo;<br />
Georg lachte.<br />
&bdquo;Du lässt die meisten Menschen dämlich aussehen, Schatz. Meld dich, wenn du wieder in Berlin bist! Dann machen wir einen Tag aus.&ldquo;<br />
&bdquo;Deal, Georg!&ldquo;, antwortete sie. Küsste das Mikrofon und beendete das Gespräch. Sie liebte diesen Mann! Dieses Gefühl war echt. Er und Willy &#8230;, ihre Gedanken blieben jetzt wieder bei den beiden, sie konnte sich gar nicht dagegen wehren.<br />
Bis zum Sonntagmorgen verbrachten die drei ihre Zeit mit den jungen Leuten vom THW. Auch Rosalinda fand nach der üblichen anfänglichen Distanz zu den gleichaltrigen Jungen und Mädchen. Dabei wurde Olivia aber zu einer echten Freundin für sie. Die Gleichaltrige schien sich sehr für Mexiko und ihr früheres Leben dort zu interessieren, fragte sie aus, ohne dabei jedoch aufdringlich zu werden. So tauschten sie Nummern aus und schworen sich, in Kontakt zu bleiben und sich gegenseitig zu besuchen.<br />
Wie viel sie in der kurzen Zeit erlebt hatten. Der Marsch auf den Königstein war ein Traum gewesen. Mühelos hatten Rosalinda und Esme den Aufstieg vollzogen, während Rita und der Rest der Gruppe ziemlich ins Schwitzen gerieten. Dafür wurden sie von einer grandiosen Kulisse belohnt, gepaart mit einer hochinteressanten Führung durch die alten Mauern der Felsenburg. Eis, Essen im Restaurant, dann ging es am späten Nachmittag zurück zur Anlegestelle. Mit dem letzten Dampfer waren sie dann nach Dresden zurückgefahren, hatten dort an einer Strandbar direkt an der Elbe Cocktails getrunken und in Liegestühlen entspannt auf den Sonnenuntergang gewartet. Das Leben war toll, wenn man bereit war, sich das zu nehmen, was einem zustand.<br />
Esme hatte sich zusehends beruhigt. Wahrscheinlich hatte sie verstanden, dass kein Überfallkommando anstürmen würde, um sie gefangen zu nehmen. Sicher fühlen würde sie sich dennoch erst in Berlin, ahnte Rosalinda. Das Verhalten der Freundin war völlig normal. Bald würde wieder die Routine zwischen ihnen greifen, morgens der gemeinsame Sport anstehen und Esme die nächsten Lektionen lernen, welche sie weiter zu ihrer Sicaria reifen ließ.<br />
Der Schlaf tat so gut, das reiche Frühstück im Stadtcafé ebenso. Am frühen Nachmittag hieß es Abschied nehmen, nicht nur von der Elbmetropole, sondern auch von den neu gewonnenen Freunden. Noch einmal erneuerten Rosalinda und Olivia ihr Kontaktversprechen, dann waren die drei auch schon mit dem Wagen von Rita auf dem Rückweg nach Berlin.</p>
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		<title>Frühlingssturm: Geschichten die das Eis schmelzen lassen</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Mar 2026 14:54:02 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der 21.3.2024 war der schlimmste Tag meines Lebens. Rückblickend begann mit dem Frühlingsbeginn mein Niedergang. Ich, Clemens Matthiesen, besuchte mit 17 Jahren das örtliche Gymnasium und hatte bis zu diesem Tag eine normale, eher sogar eine sehr schöne Kindheit. Meine Eltern, Wolfgang und Renate Matthiesen, ermöglichten mir ein sorgenfreies Leben zu führen. Soweit ich das überblicken konnte, ging es unserer Familie wirklich gut. Über Geld wurde nie geklagt, denn das Unternehmen meines Vaters lief ausgezeichnet, wie er mich immer glauben ließ.<br />
Mein Vater war ein Selfmade-Unternehmer ohne Studium. Nur durch sein logisches Denkvermögen und sein handwerkliches Geschick hatte er ein Unternehmen aufgebaut, welches auf mehreren Beinen stand. Durch seine gewinnende Art vertrauten ihm die Menschen einfach. Seine Urängste, dass er mittellos werden würde, waren wohl der Grund, warum er sich nicht allein auf den feinmechanischen Teil der Herstellung von Produkten für die Abwasserbeseitigung verließ. Nein, nebenbei hatte er auch im Bankenwesen Fuß gefasst.<br />
&bdquo;Zwangsläufig&rdquo;, wie er mir einmal erklärte. Als er seiner Kundschaft Ratenzahlungen anbot, hatte er wohl formell etwas falsch gemacht. Daraufhin erhielt er ein Schreiben von den Anwälten seiner Konkurrenz, da es den Anschein hatte, als würde er mit seinem Angebot illegale Bankgeschäfte tätigen. Er zahlte die Gebühren für die Abmahnung, vermied eine Auseinandersetzung vor Gericht und versicherte, dass er keine bankähnlichen Geschäfte mehr anbieten würde. Damit schien alles erledigt.<br />
Es wäre allerdings nicht mein Vater gewesen, wenn er den Kopf in den Sand gesteckt oder wie er es ausdrückte, den Schwanz eingezogen hätte. Er gründete eine Aktiengesellschaft, die eine rumänische Privatbank mit einer europäischen Banklizenz erwarb. Nach zwei Jahren hatten sich alle Risiken der Übernahme erledigt und mein Vater eröffnete eine Filiale in Deutschland. Da er auf das Tagesgeschäft verzichtete, war seine Bank in kürzester Zeit ein kleines, feines Kreditinstitut geworden. Damit konnte er Kredite vergeben. Mit seiner Bank war er kurz darauf genauso erfolgreich wie mit seiner Feinmechanik-Firma. Doch die Arbeit wuchs ihm über den Kopf, weshalb er sich für sein Bankgeschäft einen Fachmann ins Haus holte.<br />
Ein studierter Jurist, der zuvor zehn Jahre in einem Bankhaus gearbeitet hatte, erledigte fortan die Geschäfte im Alleingang. Damit mein Vater einen gewissen Überblick behielt, stellte er meine Mutter als dessen Assistentin ein. Er selbst hatte nur noch überwachende Tätigkeiten.<br />
Dann kam der 21. März 2024!!<br />
In der Schule hatte ich heute nur Ärger. Die neue Sportlehrerin, eine fesche, aber sehr strenge Frau, putzte mich regelrecht vor der gesamten Klasse runter. Sie erwarte von mir eine bessere Leistung, denn das, was ich heute abgeliefert hatte, war unterirdisch.<br />
Das sagte sie vor der gesamten kichernden Klasse und hatte damit natürlich recht, aber ich wollte ihr ja nicht gestehen, dass ich mit Freunden bis 3 Uhr morgens auf einer Geburtstagsfeier gewesen war. Milli hatte ihren 18. Geburtstag gefeiert und ich Depp hatte natürlich zu viel gesoffen. Um die Lehrerin zufriedenzustellen, gelobte ich, mich zu bessern.<br />
Für heute hatte ich genug und ich beschloss, zu Hause meinen Restalkohol auszuschlafen.<br />
Von weitem sah ich schon eine Menge Autos in unserem Hof stehen. Polizei mit Blaulicht, ein paar Busse und Zivilfahrzeuge. Ich erschrak furchtbar und war mit einem Schlag nüchtern. Ich stellte mein Rad ab und ging unsicher zum Haus. Ein Mann hielt mich auf und fragte, wer ich sei und was ich hier wolle.<br />
Als ich ihm erklärte, dass ich der Sohn sei, ließ er mich hinein.<br />
Mein Vater saß auf einem Stuhl. Er hatte Handschellen angelegt bekommen und schaute auf den Fußboden. Unser Hausanwalt saß ebenfalls am Tisch und meine Mutter weinte. Dann nahmen sie meinen Vater und auch kistenweise Unterlagen mit.<br />
Ich blieb mit meiner Mutter allein zurück. Tatsächlich wussten wir nicht, wie es weitergehen sollte. Doch mein Vater hatte vorgesorgt und zu unserem Glück wirklich gute Führungskräfte eingestellt. Sein technischer Stellvertreter führte den laufenden Betrieb fort. Auch Allegra Barbarella, die 23-jährige Leiterin des Rechnungswesens, wuchs über sich hinaus und kümmerte sich um den kaufmännischen Teil. Mit dem Bankdirektor hatten wir ebenfalls einen Fachmann an Bord. Außerdem hatte ich die Hoffnung, dass sich alles in Luft auflösen würde.<br />
Mein Vater kam in Untersuchungshaft und ein paar Monate später erklärte uns sein Anwalt die Anklage.<br />
Schwerer Betrug und Steuerhinterziehung in Millionenhöhe. Erschwerend kamen noch Erpressung und Körperverletzung hinzu. Er soll handgreiflich geworden sein, als einer seiner Kunden nicht pünktlich zahlte. Ich konnte es nicht glauben, doch die Beweiskette war schlüssig. Im Tresor meines Vaters wurden Goldbarren und Münzen im Wert von über einer Million Euro gefunden, deren Herkunft nicht nachgewiesen werden konnte.<br />
Außerdem wurden Scheinkonten in der Bank nachgewiesen, auf denen erhebliche Beträge lagen, die von bezahlten Rechnungen seiner Kunden stammten. Diese wurden in der Firma als uneinbringlich ausgebucht. Unser Bankdirektor, Herr Roland Kern, war sprachlos, denn diese Kontoverbindungen wurden gegründet, als er bereits angestellt war.<br />
Glücklicherweise konnte er nachweisen, dass die Konten in der Zeit angelegt wurden, als er in Urlaub war. Sonst wäre er wegen Mittäterschaft angeklagt worden. Als ich das alles erfuhr, wurde mir klar, dass ich meinen Vater nie wirklich gekannt und ihn vollkommen falsch eingeschätzt hatte.<br />
Vor Gericht leugnete mein Vater alles, obwohl ihm bei einem Geständnis eine Strafmilderung zugesagt worden war. Er wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt.<br />
Ab diesem Zeitpunkt hatte ich es auch nicht mehr leicht im Leben. Nur wenige Freunde blieben mir und in der Schule wurde ich zum Außenseiter. Ich wurde immer ruhiger. Als ich meine Mutter einmal fragte, ob ich meinen Vater im Gefängnis besuchen solle, fauchte sie mich an:<br />
&bdquo;Untersteh dich! Das hat er uns das alles eingebrockt. Ich überlege, ob ich mich nicht scheiden lassen soll.&ldquo;<br />
Das war mir noch nie in den Sinn gekommen und war von der Aussage meiner Mutter geschockt. Er war und blieb doch mein geliebter Vater, auch wenn ich für sein Vergehen kein Verständnis hatte.<br />
Dann stand mein 18. Geburtstag vor der Tür und ich wollte ihn nicht feiern, doch meine drei übriggebliebenen Freunde luden mich am Vortag einfach in eine Kneipe ein. Obwohl sie sich sehr viel Mühe gaben, meine trüben Gedanken gingen mir nicht aus dem Kopf. Am Morgen gratulierte mir meine Mutter und übergab mir einen neuen Laptop als Geschenk.<br />
Die größte Überraschung bereitete mir jedoch Allegra Barbarella. Sie hatte wohl meinen traurigen Gesichtsausdruck gesehen, als ich das Haus verließ. Sie lief aus ihrem Büro und rief mir nach:<br />
&bdquo;Clemens, bitte warte! Ich muss dir noch gratulieren.&ldquo;<br />
&bdquo;Danke, Allegra. Es freut mich besonders, dass du an mich denkst.&ldquo;<br />
&bdquo;Bist du immer noch traurig wegen deinem Vater?&ldquo;<br />
Ich nickte nur und schon kamen mir die Tränen. Sie drückte mich und sagte dann zu mir:<br />
&bdquo;Wir zwei gehen heute feiern. Deine Mutter hat ja keine Zeit. Sie hat sicher Besseres zu tun.&ldquo;<br />
Dieser Satz schreckte mich auf und ich fragte sie: &bdquo;Wie meinst du das?&ldquo;<br />
Sie lachte mich mit ihrem feuerroten Mund an und sagte:<br />
&bdquo;Das verrate ich dir heute Abend. Ich hoffe, du bist neugierig, denn dann kannst du unsere kleine Feier nicht absagen.&ldquo;<br />
&bdquo;Hast du schon Zeit? Was sagt dein Freund?&ldquo;<br />
&bdquo;Den habe ich vor vier Monaten rausgeschmissen. Er hat auch meiner Nachbarin gefallen. Damit du es weißt: Eine italienische Frau braucht Ehrlichkeit, sonst nichts.&ldquo;<br />
Ungläubig schaute ich sie an.<br />
&bdquo;Na gut, sie braucht noch mehr, aber dazu bist du noch zu jung&ldquo;, grinste sie mich an.<br />
&bdquo;Wann sehen wir uns?&ldquo;<br />
&bdquo;Um 19:00 Uhr im &sbquo;La Gustino&lsquo;, sei bitte pünktlich, ich reserviere.&ldquo;<br />
Sie gab mir noch ein Küsschen auf die Wange und verschwand dann wieder in ihrem Büro. Ich schaute ihr nach und obwohl ich momentan Sorgen hatte, bewunderte ich ihren Arsch in der Jeans.<br />
In der Schule lobte mich diesmal meine Sportlehrerin. Ich hatte so viel Elan, weil ich mich auf den Abend freute. Als ich heimkam, traf ich meine Mutter, die nur meinte:<br />
&bdquo;Deine Geburtstagsfeier müssen wir aufs Wochenende verschieben. Heute muss ich mich um die Bank kümmern. Das Finanzamt möchte nächste Woche die Steuernachzahlung und die Hinterziehungszinsen haben.&ldquo;<br />
&bdquo;Wie viel müssen wir zahlen?&ldquo;<br />
&bdquo;Über zwei Millionen. Das geht an die Substanz. Hoffentlich müssen wir nicht die Firma verkaufen.&ldquo;<br />
Mit diesem Satz ließ sie mich allein und ich grübelte. Zwei Millionen erschienen mir jetzt nicht so viel. Ich dachte an die Anklage: 1 Million Gold im Tresor, dann noch Gelder auf den Konten. War es im letzten Jahr schlecht gelaufen? Ich nahm mir vor, Allegra heute Abend hierzu zu fragen.<br />
Um 18 Uhr machte ich mich ausgehfein, zog eine Chino und ein Hemd an. Lässig hängte ich mir einen Pullover über und fuhr mit dem Bus in die Innenstadt. Fünf Minuten vor der Zeit wartete ich am Eingang. Dann stieg sie aus dem Taxi aus &ndash; ich hätte sie fast nicht erkannt.<br />
Sie war eine Schönheit, für die ich bisher nie Augen gehabt hatte. Allerdings hatte ich sie auch nicht so oft gesehen, denn sie saß immer im Büro. Ich ging auf sie zu und sie lachte mich an.<br />
&bdquo;Schön, dass du gekommen bist. Ich hatte schon Angst, du lässt mich sitzen.&ldquo;<br />
Ich wurde rot, als ich den nächsten Satz sagte:<br />
&bdquo;Dann wäre ich wirklich dumm gewesen, der Einladung der schönsten Frau nicht zu folgen.&ldquo;<br />
Auch Allegra wechselte nun die Gesichtsfarbe. &bdquo;Ich habe gar nicht geahnt, dass du so ein Charmeur bist. Komm, gehen wir rein.&ldquo;<br />
Wir bekamen einen Zweiertisch und saßen uns gegenüber. Ich erkannte mich nicht wieder. Mit Allegra konnte ich vertrauensvoll reden, als würden wir uns schon lange kennen. Ich vertraute ihr Sorgen an, die ich nicht einmal meiner Mutter verraten hatte. Dabei ergriff ich unbeabsichtigt ihre Hand.<br />
Als ich das bemerkte, wollte ich sie schuldbewusst zurückziehen.<br />
&bdquo;Darf ich deine Hand weiter halten? Du gibst mir viel Kraft, und ich fühle mich bei dir sehr wohl&ldquo;, flüsterte Allegra über den Tisch.<br />
&bdquo;Allegra, ich weiß nicht, was mit mir los ist. Seit wir uns verabredet haben, denke ich nur an dich. Kannst du es mir erklären?&ldquo;<br />
Sie lächelte mich an. &bdquo;Ich bin doch nicht dein Beuteschema. Ich bin fünf Jahre älter als du.&ldquo;<br />
&bdquo;Stört dich das? Also ich hätte damit kein Problem.&ldquo;<br />
Wortlos beugte sie sich über den Tisch und gab mir einen kurzen Kuss.<br />
&bdquo;Alles Gute zum Geburtstag! Ich kann dir jetzt schon verraten: Ich genieße den heutigen Abend.&ldquo;<br />
Und der Abend war wirklich gelungen. Ich habe seit Monaten nicht mehr so viel gelacht und noch nie mit einem Menschen so gut harmoniert. Unser Essen trat dabei fast in den Hintergrund, obwohl sich die Küche viel Mühe gab. Als Kavalier übernahm ich die Rechnung. Allegra schimpfte mich dafür, doch ich lachte nur, denn obwohl sie sehr temperamentvoll argumentierte, blieben ihre Augen immer liebevoll auf mich gerichtet. Dann gingen wir raus.<br />
&bdquo;Lass uns noch etwas spazieren gehen&ldquo;, schlug ich vor. Sie hakte sich bei mir ein und wir spazierten durch einen nahegelegenen Park. Plötzlich zog sie mich zu sich, näherte sich mit ihrem Mund und küsste mich.<br />
&bdquo;Noch einmal alles Gute. Der Kuss im Restaurant hat nicht gezeigt, was ich für dich empfinde&ldquo;, verriet sie mir.<br />
Daraufhin nahm ich ihren Kopf in meine Hände und unser nächster Kuss wollte nicht enden. Unsere Zungen fanden sich und sie drückte sich fest an mich. Sofort schoss mir das Blut in die unteren Regionen. Sie schaute mich an.<br />
&bdquo;Ich mag dich schon sehr.&ldquo;<br />
Jetzt gestand ich ihr: &bdquo;Ich glaube, ich habe mich in dich verliebt.&ldquo;<br />
&bdquo;Weißt du überhaupt, was das heißt?&ldquo;<br />
&bdquo;Seit heute weiß ich es. Ich möchte immer bei dir sein.&ldquo;<br />
Ich hob sie hoch und wir drehten uns im Kreis.<br />
&bdquo;Du weißt schon, was du mit meinen Gefühlen machst. Ich bin zwar älter als du, aber ich bin auch Italienerin. Ich nehme solche Aussagen ernst.&ldquo;<br />
&bdquo;Ich meine es sehr ernst und hoffe, dass ich dir nicht gleichgültig bin.&ldquo;<br />
Mehr sagte ich nicht. Automatisch reichten wir uns die Hände und wir rannten zum Taxistand.<br />
Zehn Minuten später standen wir vor einem Reihenhaus.<br />
&bdquo;Das gehört mir. Meine Eltern haben es mir gekauft&ldquo;, verriet sie mir gleich.<br />
Ich drückte sie zu mir her und küsste sie einfach.<br />
&bdquo;Komm rein und zeige mir, dass du es mit der Liebe ernst meinst.&ldquo;<br />
Wir begannen uns bereits im Flur zu küssen und schafften es nur noch bis zum Esszimmer. Sie riss mir die Hose samt Boxer runter und ehe ich mich versah, hatte sie meinen Riemen in ihrem Mund versenkt. Knieend vor mir lutschte sie an meinem Teil und ich hatte wirklich Mühe, ihr in dieser Position die Jacke und das T-Shirt auszuziehen. Als ich ihr den BH auszog, kamen kleine, stramme Brüste zum Vorschein. Es waren die ersten Brüste, die ich in meinen Händen hielt. Vorsichtig streichelte ich die empfindlichen Dinger, während sie mich wie eine Weltmeisterin blies.<br />
Jetzt war es so weit, ich konnte sie nur noch warnen. Sie nahm meinen Schwanz aus dem Mund, woraufhin ich ihr auf die Brüste und ins Gesicht ejakulierte. Dabei hielt sie meinen Schwanz in der Hand und lenkte ihn. Sie strahlte mich an.<br />
&bdquo;Hat es dir gefallen?&ldquo;<br />
&bdquo;Komm, ich will mich revanchieren.&ldquo;<br />
Ich hob sie hoch, öffnete ihren Rock und schob ihn nach unten. Ich zog ihr den String runter und ich konnte es kaum erwarten. Dann sah ich das Paradies. Es war rasiert, mit einem Landestreifen und bereits sehr nass. Ich setzte sie auf den Tisch und widmete mich ihrer Mumu. Mit viel Zungenarbeit und noch mehr Streicheleinheiten mit den Händen hörte ich sie keuchen und stöhnen. Die große Menge an Flüssigkeit, die produziert wurde, überzeugte mich, dass ich auf dem richtigen Weg war. Ich sah, wie ihre Klitoris anschwoll und klopfte rhythmisch mit meiner Zunge dagegen. Ihr erster Orgasmus kam mit Düsenjet-Lautstärke und ich war glücklich, dass ich Allegra solche Freuden bereiten konnte. Wir schauten uns verliebt in die Augen, dann flüsterte sie:<br />
&bdquo;Komm mit, wir müssen jetzt ins Schlafzimmer.&ldquo;<br />
Dort ging es weiter. Als ich zum ersten Mal meinen Schwanz in ihre dampfende Möse versenkte, hatte ich das Gefühl, eine Jungfrau zu ficken. Sie war so eng und gleichzeitig so feucht, dass ich ahnte, dass ich auch beim zweiten Mal nicht lange durchhalten würde. Ich fickte sie in einem vertrauten Rhythmus und als sie auf einen Orgasmus zusteuerte, konnte auch ich mich nicht mehr zurückhalten. Gleichzeitig kam es uns mit einer Vehemenz, die die Wände des Reihenhauses erschüttern ließ.<br />
Sie umklammerte mich und begann dann zu weinen.<br />
&bdquo;Entschuldige bitte, aber das war jetzt so schön. So etwas habe ich noch nie erlebt.&ldquo;<br />
Mehr als &bdquo;Ich liebe dich&ldquo; konnte ich nicht sagen. Daraufhin strahlte sie mich an. &bdquo;Ich dich auch. Meinst du, dass du heute Nacht bei mir bleiben kannst oder musst du nach Hause?&ldquo;<br />
&bdquo;Nichts auf der Welt könnte mich daran hindern, bei dir zu bleiben.&ldquo;<br />
Dann schliefen wir ein. Zum Glück war es ein Freitag, sodass ich nicht in die Schule musste. Wir frühstückten am nächsten Tag und waren ab diesem Zeitpunkt ein Paar.<br />
Mitten unter dem Frühstück wurde sie etwas unsicher und flüsterte dann folgenden Satz:<br />
&bdquo;Clemens, wir müssen aufpassen, dass deine Mutter und Herr Kern nichts von unserer Beziehung erfahren.&ldquo;<br />
Ich schaute sie fragend an. &bdquo;Warum soll ich mein Glück nicht verraten?&ldquo;<br />
Jetzt wurde sie ernst. &bdquo;Ich habe einen Verdacht, aber ich kann ihn noch nicht beweisen.&ldquo;<br />
&bdquo;Verrate ihn mir bitte, vielleicht kann ich dir helfen.&ldquo;<br />
Dann begann sie: &bdquo;Ich war von Anfang an misstrauisch, als dein Vater verhaftet wurde. Ich kenne ihn ja nur als äußerst anständigen Mann, der immer alles nach Recht und Gesetz gemacht hat. Doch ich wusste nicht, was hier geschehen ist.<br />
Letzte Woche ist mir jedoch aufgefallen, dass Roland Kern und deine Mutter sehr vertraut miteinander sind. Ich habe mitbekommen, dass sie die Feinmechanik verkaufen wollen. Sie müssen nur noch deinen Vater überzeugen, dass das Geschäft ohne ihn schlecht läuft, damit er deiner Mutter die Vollmacht gibt.&ldquo;<br />
Während ich das erzählte, muss ich kalkweiß geworden sein. Dann fragte ich Allegra:<br />
&bdquo;Haben Roland Kern und meine Mutter ein Verhältnis?&ldquo;<br />
&bdquo;Ich weiß es nicht. Wenn ja, dann stellen sie es geschickt an.&ldquo;<br />
&bdquo;Ich werde mir etwas einfallen lassen. Damit du es weißt: Du hast mir mit dieser Auskunft mein Leben zurückgegeben. Ich habe immer an meinen Vater geglaubt, doch meine Mutter hat mir diesen Glauben genommen.&ldquo;<br />
&bdquo;Mach bitte nichts Unüberlegtes.&ldquo;<br />
&bdquo;Doch, und zwar sofort.&ldquo;<br />
Ich nahm sie in den Arm, küsste sie und zog ihr den Bademantel aus. Dann legte ich sie mit dem Bauch auf den Tisch und bewunderte ihren schönen, runden Po. Mit der Zunge glitt ich durch ihre Furche und spürte, wie sie wieder geil wurde. Als ich in meiner Geilheit ihren Anus berührte, zuckte sie kurz zusammen.<br />
&bdquo;Bitte nicht da.&ldquo; Ich respektierte ihren Wunsch und schob meinen Schwanz in ihre Mumu. Sie bockte mir entgegen, und kurz darauf schrien wir unseren Orgasmus durchs Haus.<br />
&bdquo;So etwas Unüberlegtes darfst du immer machen&ldquo;, grinste sie mich an.<br />
Wir dachten bereits darüber nach, wie wir unsere Zeit zukünftig verbringen würden und ich ging nach Hause. Auf meine Nachfrage verriet mit Allegra noch die Adresse von Roland Kern. Mit dem Fahrrad fuhr ich hin und las am Klingelschild:<br />
&bdquo;Roland und Beatrice Kern&ldquo;. Der Kerl war also verheiratet. Daher hatte ich jetzt doch Zweifel, ob er etwas mit meiner Mutter hatte. Dann radelte ich wieder nach Hause. Mittags kam meine Mutter heim und fragte mich, wann ich heimgekommen sei.<br />
&bdquo;Es war spät. Ich habe gar nicht gesehen, dass du zu Hause bist.&ldquo;<br />
Sie wurde etwas verlegen und verriet mir, dass sie bei einer Freundin übernachtet hatte.<br />
&bdquo;Ich werde mit ihr eine Woche wegfahren. Kommst du eine Woche alleine klar?&ldquo;<br />
&bdquo;Ich denke schon.&ldquo;<br />
&bdquo;Das ist gut. Damit du Bescheid weißt: Morgen muss ich ins Büro, es ist viel liegengeblieben.&ldquo;<br />
Ich grübelte, morgen war Sonntag, was macht meine Mutter am Sonntag in der Bank, aber was sollte ich mit ihr diskutieren. Stattdessen sagte ich zu Ihr:<br />
&bdquo;Ich bin heute Nachmittag beim Fußballtraining.&ldquo;<br />
Denn ich hatte einen Verdacht.<br />
In der nächsten Stunde suchte ich in den Unterlagen, die die Polizei zurückgebracht hatte, nach dem Schlüssel für die Bank. Mein Vater hatte mir einmal voller Stolz die Räumlichkeiten gezeigt, darunter auch einen Sozialraum. Dieser war mit einem Bett ausgestattet und mein Vater hatte dort immer seinen Mittagsschlaf gehalten, bevor er Herr Kern einstellte. Das fiel mir jetzt ein und ich wollte Gewissheit.<br />
Ich holte meine kleine Kamera aus meinem Zimmer und radelte los. Ohne Probleme kam ich in die Bankräume und fand auch den Sozialraum.<br />
Ich war überrascht: Das Bett sah aus, als hätte es jemand benutzt &ndash; und zwar intensiv. An einem barocken Bilderrahmen, der ein Bild einer nackten Frau umgab, befestigte ich die Kamera und prüfte sie von allen Seiten. Selbst wenn man wusste, dass hier eine Kamera versteckt sein musste, würde man sie erst nach langem Suchen finden. Danach suchte ich nach dem Passwort für das Gäste-WLAN. Unter der Schreibtischunterlage im Büro meiner Mutter wurde ich fündig.<br />
Ich prüfte die Verbindung mit meinem Handy und es klappte wie geschmiert.<br />
Vorsichtig verließ ich das Büro und fuhr zum Fußballtraining.<br />
Nach dem Training radelte ich noch kurz bei Allegra vorbei und versprach ihr, den morgigen Tag mit ihr zu verbringen.<br />
Meine Mutter hatte gekocht und wir unterhielten uns wie Mutter und Sohn. Sie fragte nach meinen schulischen Leistungen und ich sagte ihr, dass alles im grünen Bereich sei. Als ich sie nach der Situation im Betrieb fragte, meinte sie nur:<br />
&bdquo;Momentan nicht so rosig. Wenn es so weitergeht, wird es auf einen Verkauf hinauslaufen.&ldquo;<br />
&bdquo;Gehört das Geschäft eigentlich noch meinem Vater?&ldquo;<br />
&bdquo;Ja, aber er kann es nicht mehr retten, bald ist er mürbe.&ldquo;<br />
Das gab mir einen Stich ins Herz.<br />
&bdquo;Hast du ihn eigentlich schon einmal im Gefängnis besucht?&ldquo;<br />
&bdquo;Nein, und das werde ich auch nicht und du auch nicht.&ldquo;<br />
Das klang sehr bestimmend und überhaupt nicht nach einer liebenden Ehefrau.<br />
Am nächsten Tag fuhr meine Mutter um 9 Uhr los und kurz darauf traf ich mich mit Allegra. Wir hatten einen herrlichen Tag, radelten in den Englischen Garten und anschließend an die Isar. Zum Mittagessen lud mich Allegra in den Augustiner Biergarten ein. Den Nachmittag verbrachten wir im Bett. Allegra gestand mir, warum sie mich zurückgewiesen hatte, als ich mit der Zunge ihr hinteres Loch berührte.<br />
&bdquo;Mein Freund wollte mich immer in den Arsch ficken, doch ich hatte solche Angst vor Schmerzen, dass ich immer verkrampfte. Er war auch kein so begnadeter und rücksichtsvoller Liebhaber wie du. Dich liebe ich und genieße jede Minute mit dir. Und ich glaube sogar, dass es mit dir auch anal ein Genuss wäre.&ldquo;<br />
&bdquo;Da lassen wir uns Zeit, denn ich möchte nicht, dass meine Geliebte mich fürchtet.&ldquo;<br />
Wir lagen gerade so gemütlich im Bett, als mein Handy einen Piepston von sich gab. Ich wusste es sofort. &bdquo;Die Kamera hatte etwas erfasst.&ldquo;<br />
Allegra schaute mich neugierig an: &bdquo;Komm, das sehen wir uns jetzt an.&ldquo;<br />
Ich nahm mein Handy und der Bildausschnitt lieferte gestochen scharfe Bilder vom Bett. Meine Mutter und Roland Kern hatten das Zimmer betreten.<br />
Beide zogen sich sofort aus und ich sah meine Mutter zum ersten Mal nackt. Mit ihren 1,75 m und 65 kg war sie eine Schönheit. Ihr Busen war groß und nicht mehr so stramm. Doch irgendwie war alles stimmig an ihr. Sie drehte sich um und ich sah ihren wohlgeformten Po. Ich konnte gar nicht hinschauen, als meine Mutter seinen Penis in den Mund nahm. Dann gab Allegra noch einen Kommentar ab:<br />
&bdquo;Sein Teil ist ja nicht der größte. Wegen dem Schwanz macht sie das bestimmt nicht, es muss das Geld sein.&ldquo; Sie griff mir an den Penis und murmelte: &bdquo;Da habe ich eindeutig das bessere Los gezogen.&ldquo;<br />
Obwohl ich sah, wie meine Mutter mit einem fremden Mann rummachte, musste ich über ihren Kommentar lachen.<br />
Meine Mutter blies ihn jetzt und kurz darauf feuerte er seine Ladung in ihren Mund. Ohne zu murren schluckte sie. Dann lagen sie nebeneinander im Bett. Da er Erholung benötigte, kam jetzt der interessante Teil.<br />
&bdquo;Nach unserem Urlaub bringe ich dem Anwalt die betrieblichen Auswertungen der letzten Monate. Er soll sie ihm dann ins Gefängnis bringen. Ich habe den Anwalt schon instruiert, das zu erledigen. Ich musste wirkliche Überzeugungsarbeit leisten, dass es notwendig ist, damit ich wenigstens die Zukunft für meinen Sohn rette. Der Anwalt hat zwar gemeint, der Spaß wird bei ihm schon etwas kosten, aber das haben wir gewusst. Du hast Recht behalten, für Geld macht der Kerl alles. Du musst mir die Unterlagen halt noch zur Verfügung stellen. Aber du weißt, mein Mann ist ein Fuchs und erkennt jeden Fehler.&ldquo;<br />
Jetzt grinste Roland Kern falsch.<br />
&bdquo;Er konnte bei unseren Tricks bei seiner Verhaftung auch nichts beweisen. Du wirst sehen, wenn alles vorbei ist, dann hauen wir beiden auf die Kanaren ab. Für deinen Sohn lassen wir so viel zurück, dass er die Schule abschließen und anschließend studieren kann. Irgendwann muss er auf eigenen Beinen stehen. Und dann werde ich mich sofort scheiden lassen. Vielleicht bekomme ich ja noch etwas vom Zugewinn. Meine Frau hat genügend eigenes Vermögen. Sie hat mich bisher kurzgehalten und lässt sich nicht mehr vögeln. Ich bin froh, dass ich dich gefunden habe.&ldquo;<br />
Meine Mutter legte sich auf ihn und küsste ihn so fest, dass er Atembeschwerden bekam.<br />
&bdquo;Lass mich am Leben.&ldquo;<br />
&bdquo;Aber du musst es mir jetzt noch besorgen. Ich habe mich gespült. Du kannst dir das Loch aussuchen.&ldquo;<br />
Allegra schaute mit offenem Mund auf den Bildschirm und sah, wie meine Mutter in den Arsch gevögelt wurde.<br />
&bdquo;Sie genießt das wirklich. Keine Spur von Schmerzen.&ldquo; Jetzt spritzte Roland schon wieder ab und ich sah die Enttäuschung in dem Gesicht meiner Mutter.<br />
Allegra lachte schmutzig.<br />
&bdquo;Das gönne ich der Schlampe. Sie hat keinen Orgasmus bekommen und er hat in seiner Arroganz nicht einmal mitbekommen, was für ein miserabler Liebhaber er ist.&ldquo;<br />
Ich blieb noch bis 23 Uhr bei Allegra und fuhr dann nach Hause. Wir hatten uns einen Plan zurechtgelegt.<br />
In nächster Zeit wollte ich meinen Vater besuchen und mit ihm die Vorgehensweise besprechen. Meine Mutter wollte und konnte ich nicht fragen und so googelte ich im Internet nach einem Rechtsanwalt. Ich fand einen Namen &sbquo;Dr. Dirk Noethken, Fachanwalt für Strafrecht&lsquo; Ich sah bei seinem Fachgebiet auch Wirtschaftsrecht. Das war der gleiche Name, wie der meiner Sportlehrerin.<br />
Vorsichtig fragte ich zu Beginn der Sportstunde meine Lehrerin: &bdquo;Kennen Sie einen Anwalt Noethken?&ldquo;<br />
Sie grinste mich an: &bdquo;Willst du mich verklagen, weil ich zu streng mit dir bin? Da bist du chancenlos, der vertritt schon mich, es ist mein Mann.&ldquo;<br />
Zum ersten Mal registrierte ich, dass sie eigentlich einen guten Humor hatte und nett war.<br />
&bdquo;Sie machen alles richtig. Es geht um meinen Vater. Sie kennen das Problem, es stand ja auch breit in der Zeitung.&ldquo;<br />
Sie nickte.<br />
&bdquo;Meinen Sie, dass ich ihn was fragen darf?&ldquo;<br />
&bdquo;Da bist du bei meinem Mann an der richtigen Stelle. Er ist Strafverteidiger und Wirtschaftsanwalt. Ich frage ihn gleich, denn ich weiß, dass er immer in großer Terminnot ist.&ldquo;<br />
Während ihres Telefonats musste ich schmunzeln, denn ich erkannte meine Sportlehrerin nicht wieder. Sie flötete liebevoll ins Telefon und sofort wusste ich, dass er dieser Frau keinen Wunsch abschlagen konnte.<br />
Nach fünf Minuten sagte sie zu mir: &bdquo;Heute Abend um 18 Uhr in unserer Wohnung. Sei pünktlich!&ldquo; Dann gab sie mir die Adresse.<br />
Diesen Termin nahm ich nur allzu gerne wahr und um 18 Uhr klingelte ich. Ihr Mann öffnete die Tür und bat mich herein. Er begann mit &bdquo;Herr Matthiesen&ldquo;, doch ich sagte ihm, dass ich mich wohler fühle, wenn er mich mit &bdquo;Clemens&ldquo; anspricht. In seinem Arbeitszimmer schilderte ich meine Erkenntnisse. Dabei ließ ich auch die Filmaufnahmen nicht aus.<br />
&bdquo;Auf wen hört dein Vater und zu wem hat er Vertrauen?&ldquo;<br />
&bdquo;Ich denke, auf mich. Meine Mutter scheidet ja seit neuesten aus.&ldquo;<br />
Dann schilderte er mir seine Vorgehensweise &ndash; er war genial.<br />
&bdquo;Wir müssen sie in dem Glauben lassen, dass der Plan funktioniert. Dann schlagen wir zu.&ldquo;<br />
Ich fragte noch nach dem Honorar. Da lachte er.<br />
&bdquo;Wenn ich die Firma zurückhole und dein Vater freikommt, kann er mich bezahlen. Ansonsten musst du bei deiner Sportlehrerin der Beste sein.&ldquo;<br />
Meine Lehrerin schaute mich schief an. Ich grinste und versprach sofort, dass ich das sowieso anstrebe.<br />
Eine Woche später hatte ich eine Besuchserlaubnis. Es war der letzte Urlaubstag meiner Mutter. Mir zitterten schon etwas die Knie, als ich das Gefängnis betrat. Nach einer körperlichen Durchsuchung und der Abgabe meiner persönlichen Dinge wurde ich in den Besuchsraum geführt. Dann kam mein Vater durch die Tür. Ein Beamter begleitete ihn.<br />
Als ich ihn mit seinen Augenringen sah, heulte ich wie ein kleines Kind. Auch mein Vater hatte Tränen in den Augen. Doch dann riss ich mich zusammen, denn wir hatten nur eine Stunde Zeit. Ich erzählte ihm, dass Mama mir den Besuch verboten hatte.<br />
&bdquo;Sie war auch noch nicht da. Wahrscheinlich ist sie zu sensibel dafür&ldquo;, meinte er gutgläubig. Doch dann rückte ich mit meinen Kenntnissen heraus.<br />
&bdquo;Papa, ich weiß, dass du unschuldig bist. Du bist hereingelegt worden.&ldquo;<br />
&bdquo;Dass ich unschuldig bin, weiß ich selbst, aber wie kommst du darauf, dass ich reingelegt wurde? Kennst du denn der Nutznießer meines Gefängnisaufenthalts? Ich rätsle schon die ganze Zeit und finde keine Lösung.&ldquo;<br />
&bdquo;Herr Kern und Mama haben ein Verhältnis und wollen dich um deine Firma bringen. Sie planen, dich mit schlechten Zahlen so weit zu zwingen, dass du Mama die Firma überträgst und sie eine Generalvollmacht auch für die Grundstücke bekommt.&ldquo;<br />
&bdquo;Das kann ich nicht glauben.&ldquo;<br />
&bdquo;Warte einfach ab. Nächste Woche kommt dein Anwalt mit den gefälschten Zahlen.&ldquo;<br />
&bdquo;Hängt der auch mit drin?&ldquo;<br />
&bdquo;Zumindest macht er für Geld alles.&ldquo;<br />
Jetzt lachte er mich an. &bdquo;Ich wusste ja immer, dass du ein kluges Bürschchen bist.&ldquo;<br />
Ich sagte ihm auch, dass ich einen neuen Anwalt habe. Er ist der Ehemann meiner Sportlehrerin.<br />
&bdquo;Kann man ihm trauen?&ldquo; &bdquo;Voll und ganz.&ldquo;<br />
&bdquo;Ich warte die nächste Woche ab und melde mich dann bei deinem Anwalt. Hast du eine Visitenkarte?&ldquo;<br />
Ich gab sie ihm und ab diesem Augenblick sah ich, dass mein Vater wieder Hoffnung schöpfte. Die Verabschiedung war tränenreich und er drückte mich fest.<br />
Selbst der Justizbeamte sagte zu mir: &bdquo;Es war sehr anständig von dir, deinen Vater zu besuchen. Er ist ein feiner Kerl und gehört nicht hierher.&ldquo;<br />
Ich berichtete Herrn Noethken alles und er bereitete die entsprechenden Schritte vor. Als ich Allegra wieder besuchte und wir gerade wild unserer Lieblingsbeschäftigung nachgingen, meldete sich mein Telefon. Meine Mutter war wieder in der Bank und als wir die App öffneten, waren sie mitten in ihrer Tätigkeit. Er fickte sie schon wieder in den Hintern.<br />
Allegra lachte dazu.<br />
&bdquo;Der Schnellspritzer wird es nie lernen und was ist mit deiner Mutter los. Warum fällt die auf einen so üblen Typen herein. Ich weiß zwar nicht wie dein Vater im Bett ist, aber von irgendjemand musst du ja deine Qualitäten haben.&ldquo;<br />
Für dieses Lob musste ich sie einfach küssen und gestand ihr, dass ich meine Mutter nicht verstehe. Sie hatte doch bei meinem Vater den Himmel auf Erden. Und was ich ab und zu aus dem Schlafzimmer gehört habe, waren da schon andere Töne, als mit dem Kern.<br />
Allegra grinste: &bdquo;Du weißt aber schon, dass ich so etwas auch einmal ausprobieren möchte, schon alleine aus Neugier. Und wenn es uns gefällt, dann drehen wir ein Video und schicken es den Beiden.&ldquo;<br />
Sie konnte über ihren Scherz so herzhaft lachen und schob sich einfach auf mich. Von ganz allein glitt mein Schwanz ihre Muschi und es dauerte nicht lange, da hatte sie ihren nächsten Abgang.<br />
Unser geiler Akt hatte 30 Minuten gedauert, aber die Übertragung lief immer noch. Mittlerweile waren die beiden Kontrahenten auch schon mit ihrer Tätigkeit fertig, denn Roland Kern zog sich seine Unterhose an und meine Mutter reinigte ihren Hintern von der Gleitcreme und seinem Sperma. Ich musste die Augen schließen, denn mich ekelte der Anblick meiner doch so geliebten Mutter einfach an. Mit regnungslosem Blick, hier war keine Liebe vorhanden, sahen wir noch, wie Roland Kern die getürkten Unterlagen überreichte. Diese Gaunerei zauberte dann doch ein Grinsen ins sein Gesicht. Und voller Stolz erzählte er ihr:<br />
&bdquo;Ich habe sogar das Siegel des Wirtschaftsprüfers gefälscht.&ldquo;<br />
Er bekam von meiner Mutter dafür einen Kuss. Aber wenn ich ehrlich war, waren sie mir mittlerweile egal, denn ich hatte meine große Liebe neben mir liegen. Ich hatte mir meiner Mutter abgeschlossen. Dann standen wir auf, bezogen das Bett neu und schliefen dann eng umschlungen ein.<br />
Eine Woche später kam die Sportlehrerin in der Schule auf mich zu und sagte: &bdquo;Ich soll dir Grüße von meinem Mann ausrichten. Dein Vater hat sich gemeldet. Schau doch bitte heute Abend wieder bei uns vorbei.&ldquo;<br />
Am Abend zeigte mir der Anwalt die BWA. Tatsächlich schauten die Zahlen grauenvoll aus. Er sagte zu mir:<br />
&bdquo;Es sind wahrscheinlich Komplettfälschungen. Wir bräuchten jetzt noch die echten Zahlen. Hast du eine Möglichkeit, an die Zahlen zu kommen?&rdquo;<br />
&bdquo;Das ist kein Problem, ich habe eine Vertraute in der Firma. Morgen früh haben Sie die Zahlen auf dem PC.&ldquo;<br />
Den Abend verbrachte ich mit Allegra und stellte fest, dass ich sie jeden Tag mehr liebte. Wir harmonierten wie ein vertrautes Paar. Nicht nur im Bett, sondern auch in Fragen des Alltags waren wir uns einig und konnten über alles reden. Sie besorgte mir am nächsten Tag auch die Auswertungen und eine digitale Bilanz des letzten Jahres. Ich leitete sie sofort an den Anwalt weiter.<br />
Einige Monate später besuchte ich wieder meinen Vater. Dieses Mal war der Besuch weniger emotional und mein Vater hatte große Hoffnung. Ich erkannte diesen Willen in seinen Augen, den ich immer bewundert hatte.<br />
&bdquo;Mein Junge, wir werden es auf meine Art regeln. Du bist mein Sohn und der Einzige auf dieser Welt, dem ich vollkommen vertraue. Ich habe mit dem Anwalt einen Plan gefasst. Der Anwalt wird dich kontaktieren und dann wirst du mit ihm einen Termin vereinbaren. Der Anwalt, den du empfohlen hast, ist wirklich gut und hat die besten Ideen.&ldquo;<br />
Da war ich aber gespannt, was sich die beiden ausgedacht hatten. Doch dann war die Besuchszeit schon wieder vorbei und mein Vater drückte mir erneut sehr fest die Hand. Zum Schluss gab er mir noch den Tipp:<br />
&bdquo;Sei gut zu deiner Mutter. Sie kann wahrscheinlich nichts dafür. Sie war schon immer etwas naiv.&ldquo;<br />
Was hatte dieser Mann für eine Größe, ich an seiner Stelle hätte bestimmt anders gehandelt.<br />
Ich fuhr nach Hause, denn ich war ja in der Abiturklasse und musste noch viel lernen. Allegra unterstützte mich dabei und trieb mich zum Lernen an.<br />
&bdquo;Ich möchte einen klugen Partner, zu dem ich aufschauen kann&ldquo;, verriet sie mir. Das Wort &bdquo;Partner&ldquo; ging mir runter wie Öl.<br />
Beim Zusammenleben mit meiner Mutter musste ich mich schwer zusammennehmen. Ich dachte dabei an die Worte meines Vaters. Ich sagte dann eines Abends zu ihr:<br />
&bdquo;Ich bin so froh, dass ich eine so liebe Mutter habe.&ldquo;<br />
Ich konnte ihren Blick nicht deuten, denn sie schaute mich nachdenklich an. Hier hätte sie nach meiner Auffassung noch etwas retten können.<br />
Zwei Tage später rief mich der Anwalt an und nannte mir den Termin für den Gefängnisbesuch.<br />
Schon als ich aufstand, war ich nervös und aufgeregt. Meine Mutter merkte es und fragte, was mit mir los sei.<br />
&bdquo;Heute habe ich wirklich einen schweren Tag vor mir.&ldquo;<br />
Mehr sagte ich nicht und sie dachte an die Schule. Bei ihrer Verabschiedung meinte sie noch:<br />
&bdquo;Ich drücke dir die Daumen, dass alles gut läuft.&ldquo; Dann war meine Aufregung weg, denn ich musste schnell aus dem Haus, sonst hätte ich losgeprustet.<br />
Ich traf mich mit Herrn Noethken vor dem Eingang. Nach dem Sicherheitscheck gingen wir dieses Mal nicht in die Besucherräume, sondern in ein Besprechungszimmer des Direktors. Dabei stellte ich fest, dass der Direktor und mein Anwalt sich gut kannten.<br />
Kurz darauf wurde mein Vater hereingeführt, dann kam noch ein Herr im Anzug hinzu. Er stellte sich als Notar vor. Er hatte eine Menge Verträge dabei.<br />
Er las sie vor und ich konnte es kaum glauben. Mein Vater übertrug mir die Firma und sämtliche Immobilien. Der Notar warnte ihn, dass ihm nach der Unterschrift nichts mehr gehören würde. Doch mein Vater grinste nur und sagte:<br />
&bdquo;Das ist gut so und ich weiß, wem ich alles übertrage.&ldquo;<br />
Wir unterschrieben und alles gehörte mir. Danach durfte ich noch zwei Minuten mit meinem Vater allein sein. Ich erwartete Sentimentalitäten, doch er zog einen Zettel hervor. Darauf standen drei lange Kennwörter.<br />
&bdquo;Mit diesen Kennwörtern kommst du in das System der Bank. Sie werden mit allen Tricks alles leugnen und damit können wir alles beweisen. Es ist ein Sicherheitssystem, das ich zu Beginn eingebaut habe. Ich habe sie bei meiner Verhaftung nicht der Polizei gegeben, denn ich dachte, ich gebe sie bei einem Besuch einfach meiner Frau. Heute bin ich froh, dass sie nicht gekommen ist. Kopiere alles und schicke es der Staatsanwaltschaft.&ldquo;<br />
Jetzt ging ich voller Zuversicht aus dem Gefängnis und mit einem Schlag wusste ich, dass ich es in der Hand hatte, die Wende einzuleiten.<br />
Nach dem Besuch fuhr ich zu Allegra und sie berichtete mir, dass immer mehr Besucher ins Haus kämen. Sie verlangten alle Unterlagen und ein Gutachter für das Gebäude sei auch vor Ort. Als ich nach Hause kam, saß ein mir unbekannter Mann am Esszimmertisch und unterhielt sich mit meiner Mutter über die Möglichkeit, unser Einfamilienhaus zu verkaufen. Ich hörte ihm zu. Als er einen möglichen Erlös von 2.000.000 &euro; erwähnte, sah ich ein Leuchten in den Augen meiner Mutter.<br />
&bdquo;Was soll das?&ldquo;, mischte ich mich in das Gespräch ein.<br />
&bdquo;Uns wird nichts anderes übrigbleiben, bevor der Konkursverwalter uns alles wegnimmt. Morgen habe ich einen Termin bei deinem Vater in der JVA. Ich werde ihm ein Ultimatum stellen. Er muss mir eine Generalvollmacht geben.&ldquo;<br />
Ich wollte ihr eine Eselsbrücke bauen und fragte: &bdquo;Sollen wir das nicht gemeinsam entscheiden?&ldquo;<br />
&bdquo;Nein, spinnst du? Dazu bist du zu jung.&ldquo;<br />
Am Nachmittag des nächsten Tages kam sie mit einer notariellen Generalvollmacht zurück.<br />
Sie lachte: &bdquo;Es war einfacher als gedacht. Er ist mürbe und hat alles unterschrieben. Ach ja, wenn er sich weiterhin gut führt, dann ist er in fünf Jahren wieder draußen.&ldquo;<br />
Scheinheilig fragte ich sie: &bdquo;Und wie geht es ihm? Hast du erwähnt, dass du dich eventuell scheiden lassen willst?&ldquo;<br />
&bdquo;Natürlich nicht, ich wollte ihn nicht über Gebühr belasten, schon alleine die Vollmacht war schwer genug für ihn.&ldquo;<br />
Ich hörte sie noch telefonieren, wartete das Ende des Gesprächs jedoch nicht ab, sondern fuhr zu Allegra. Meinen neuen Laptop hatte ich dabei. Jetzt loggte ich mich mit den Kennwörtern meines Vaters in das System ein. Es dauerte eine Weile, bis ich hier durchblickte. Doch dann wurde mir die Genialität meines Vaters bewusst. Man konnte minutiös nachverfolgen, wer die Konten angelegt hatte. Meine Kopien mit entsprechenden Hinweisen gingen an den Anwalt, der sie mit dem Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens an die Staatsanwaltschaft weiterleitete.<br />
Dann ging alles sehr schnell. Meine Mutter erschien in einem Notariat und wollte mit Hilfe ihrer Generalvollmacht alles auf sich übertragen lassen. Sie traf fast der Schlag, als sie erfuhr, dass mein Vater mittellos war und sein Vermögen nicht mehr ihm gehörte.<br />
Den neuen Eigentümer erfuhr sie bei diesem Termin nicht. Als sie nach Hause kam, hörte ich nur noch, wie sie mit Kern telefonierte.<br />
&bdquo;Wir müssen uns sofort treffen.&ldquo;<br />
Es war der 21. März 2025, wieder der Frühlingsbeginn. Genau ein Jahr nach der Katastrophe. Ich rief sofort Allegra an.<br />
&bdquo;Komm bitte nach Hause, wir müssen uns das anschauen.&ldquo;<br />
Zeitgleich kamen wir bei ihrer Wohnung an. Im berühmten Zimmer diskutierten sie. Beide waren diesmal angezogen.<br />
Kern schimpfte mit ihr, nein, er schrie mit ihr, nannte sie eine blöde Kuh und beschuldigte meine Mutter, dass sie für alles zu blöd sei.<br />
Als er sie in seiner Wut dann noch eine alte ausgeleierte Schlampe nannte, bei der sogar das Arschloch zu weit war, sah ich am Gesichtsausdruck meiner Mutter, wie ihr der nackte Zorn aufstieg.<br />
Mit einem hochroten Kopf brüllte sie ihn an, dass er mit seinem Kümmerling nicht in der Lage sei sie ausreichend zu befriedigen und nannte ihn den größten Versager im Bett. Er zuckte zusammen als sie ihn anfuhr:<br />
&bdquo;Mein Mann hat mich immer zu fulminanten Orgasmen gevögelt. Ihm musste ich nie meinen Arsch hinhalten, aber selbst dazu warst du nicht in der Lage. Ich war die dümmste Kuh, als ich mich von dir blenden haben lasse.&ldquo;<br />
Sein Blick wurde zornig und er schlug meine Mutter mit der Faust ins Gesicht. Sie wehrte sich und trat ihm mit voller Wucht in die Eier. Dann ging sie mit einer blutenden Nase aus dem Zimmer. Sie öffnete die Tür und zwei Polizisten erwarteten sie.<br />
Da ich Kern am Boden sehen wollte, schickte ich seiner Frau ein Video. Doch damit erzielte ich nicht den Erfolg, den ich erwartet hatte. Später erfuhr ich, dass meine Mutter eigentlich ein Betrugsopfer von Herrn und Frau Kern geworden war. Das Ehepaar hatte geplant, meiner Mutter nach dem Verkauf das Geld abzunehmen, ihr den ganzen Betrug in die Schuhe zu schieben und sie mittellos zurückzulassen. Doch einen Sinn hatte das Video doch. Die Eheleute Kern zerstritten sich vor Gericht. Sie hat das Video verwendet, um den Beweis zu führen, dass er sie hintergangen hat. Die Kamera hatte ich in einer Nacht- und Nebelaktion längst wieder abgebaut.<br />
Ein paar Tage darauf, als mein Vater aus dem Gefängnis entlassen wurde, stand ich bereits seit 30 Minuten vor dem Tor. Ich strahlte, als ich ihn sah. Wir umarmten uns und mit seinem Auto fuhr ich ihn nach Hause. Meine Mutter kam zwar nicht in U-Haft, hatte aber vorgezogen, vorsichtshalber zu ihren Eltern zu ziehen. Für mich dachte ich, dass der März 2025 immer der schönste Monat in meinem Leben bleiben wird.<br />
Die Feier nach seiner Entlassung war legendär und ich gestand meinem Vater, dass mich Allegra immer unterstützt hatte und dass wir ein Paar waren. Er gab uns seinen Segen.<br />
Meine Mutter wollte zurück, doch mein Vater konnte ihr nicht verzeihen. Natürlich zeigte ich ihnen nie das Video.<br />
Sie schlug eine Paartherapie vor und bettelte meinen Vater, sie zurückzunehmen. Eine gute Ehe müsse auch solche Krisen aushalten. Mein Vater lachte nur, als er den Unsinn hörte und reichte die Scheidung ein.<br />
Sie musste ausziehen, aber sie war und blieb meine Mutter. Ich sprach lange mit ihr und deutete auch an, dass ich wusste, was sie mit Herrn Kern getrieben hatte. Mit glühenden Kopf, sie konnte mich dabei nicht anschauen, sah sie es ein, dass eine Trennung doch besser wäre. Meine Mutter nahm einen Job an und mein Vater zahlte ihr Unterhalt, denn er war kein Unmensch.<br />
Natürlich wollte ich alles meinem Vater zurückgeben, aber er bestand darauf, dass ich der neue Eigentümer bleibe. Sein grenzenlosen Vertrauen ging mir wie Öl runter und ich enttäuschte ihn nie.<br />
&bdquo;Jetzt schreib ein gutes Abitur, studiere etwas Anständiges und nach dem Studium heiratest du Allegra. Und vor allen Dingen, mache es besser als deine Eltern. Ich habe immer zu wenig Zeit für deine Mutter gehabt.&ldquo;<br />
Mit Allegra hatte er sich geirrt, denn ich heiratete sie nicht erst nach dem Studium, sondern es war eine Blitzhochzeit im März 2026.<br />
Kurz nach dem Standesamt, hier lernte ich auch ihre Eltern aus Livorno kennen, platzte die Fruchtblase und ich fuhr mit Allegra ins Krankenhaus. Drei Stunden später waren wir glückliche Eltern eines gesunden Buben.<br />
Ich überlegte und musste mir eingestehen, als ich meine Frau und meinen Sohn in den Armen hielt, dass doch der März 2026 der schönste Monat in meinem Leben war.<br />
Alle kamen, selbst meine Eltern &#8211; obwohl in Scheidung lebend &#8211; umarmten sich, als sie ihr Enkelkind sahen. Mir kamen die Tränen. In einem Jahr planten wir die kirchliche Hochzeit, sie war Italienerin und das musste so sein. Allegra schaute mich am Wochenbett verliebt an und flüsterte mir ins Ohr:<br />
&bdquo;Hoffentlich kommt bei der kirchlichen Hochzeit nicht schon das nächste Bambini.&ldquo;<br />
Ich grinste sie an und ahnte, dass ihre Vermutung nicht von der Hand zu weisen war.<br />
Mein Vater blieb Geschäftsführer und lernte eine neue Partnerin kennen. Er hatte sie bei einer Tagung für Führungskräfte für Banken kennengelernt.<br />
Endlich kam mein Vater wieder in die Spur.<br />
Ich hatte nur noch eine Aufgabe zu erledigen. An einem Abend klingelte ich an einem Haus und meine Sportlehrerin öffnete mir die Türe. Ich übergab ihr einen Blumenstrauß und einen Briefumschlag. Als Überraschung habe ich mir einen Gutschein eines Reisebüros ausgedacht, als ich erfahren habe, dass die beiden Eheleute begeisterte Individualreisen in exotische Länder unternahmen.<br />
So verlief also mein Leben und wenn ich zwei Jahre zurückdenke, hätte ich niemals gedacht, dass der Eispanzer, der mein eingefrorenes Herz umgab, jemals wieder schmelzen würde.</p>
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		<title>La pulga que mata Teil 13</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Mar 2026 07:42:30 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Clubabend &#8222;Warum gehst du nicht allein, Ros? Disko ist nicht meins.&#8220; Willy sah müde zu Ros hinüber. Die Klausur war nur mäßig gelaufen, wie er fand. Daher schob er einen&#8230;]]></description>
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Clubabend<br />
&bdquo;Warum gehst du nicht allein, Ros? Disko ist nicht meins.&ldquo; Willy sah müde zu Ros hinüber. Die Klausur war nur mäßig gelaufen, wie er fand. Daher schob er einen Haufen schlechter Laune vor sich her.<br />
&bdquo;Ich treffe mich mit Sigi, danach sagen mir die Mädels Bescheid, wo sie hingehen. Komm einfach nach! Dann wackeln wir zusammen ab und sehen mal was anderes als unsere vier Wände, okay? Ab und an muss mich mein Kavalier auch mal ausführen.&ldquo;<br />
Rosalinda stand vor dem Schminkspiegel und machte sich für ihre Verhältnisse aufwendig zurecht. Wie immer trug sie ihr schwarzes Haar streng nach hinten gekämmt zu einem derben Zopf gebunden, doch ihr Gesicht war eindrucksvoll geschminkt und ihre Züge stark betont. Ihre schwarze Bluse zeigte Dekolleté, der derbe Ledergürtel passte zu der schwarzen Lederstretchhose und den Bikerstiefeln.<br />
&bdquo;Du schaust brandgefährlich aus&ldquo;, lächelte Willy, trat an seine Freundin heran und drückte seinen Schoß gegen ihre prallen Backen. Nicht nur seine Lust wurde sofort wach, sondern auch ihre.<br />
&bdquo;Mach mich jetzt ja nicht geil, du Teufel! Weißt du, wie lange ich gebraucht habe, um mich so schick zu machen?&ldquo; Sie löste sich von ihm, drehte sich zu ihm um und gab ihm einen Kuss. &bdquo;Keine Sorge, der ist kussecht. Hat ein Heidengeld gekostet, aber so können wir wild auf der Tanzfläche rubeln, fummeln und uns ablecken, bevor wir zu Hause ernst machen.&ldquo;<br />
Willy lächelte. Er war stolz auf seine Freundin. Sie war wunderschön und sah mit ihrem Make-up und den figurbetonten Klamotten einfach nur extrem aus.<br />
&bdquo;Und was soll ich anziehen? Ich stinke doch total neben dir ab. Ich meine sonst auch, aber heute wäre es dann besonders schlimm.&ldquo;<br />
&bdquo;Geh einfach nackt, dann hält jeder in der Disko seine Klappe&ldquo;, lachte sie.<br />
Er seufzte. &bdquo;Ich mach dir gerne die Freude. Aber bitte hilf mir dabei, mich nicht völlig zum Deppen zu machen. Leg mir was raus, okay?&ldquo; Sein Blick zeigte ihr deutlich, wie ernst es ihm damit war.<br />
Sie sah nachdenklich zu ihm auf. &bdquo;Mir ist es egal, was du anziehst. Ich liebe dich, völlig wurscht was du trägst.&ldquo;<br />
Willy lächelte, hob seine Hand an ihr Gesicht, berührte sie jedoch nicht aus Sorge um ihr Arrangement. &bdquo;Tue mir trotzdem den Gefallen.&ldquo;<br />
Sie lächelte, dann schien sie einverstanden. &bdquo;Alles klar, mein bonito oso.&ldquo; Die beiden tauschten einen letzten Kuss aus, dann wandte sich Rosalinda zum Gehen. &bdquo;Gut, ich muss los. Sonst denkt Sigi noch, ich versetze ihn schon wieder. Ich hab ihn echt vermisst. Das Klettern bei ihm hat mir sehr viel Spaß gemacht.&ldquo; Für einen Moment schien sie in Gedanken. &bdquo;Das einzig Beschissene an dem Laden ist sein Chef.&ldquo;<br />
Sie küsste ihren Freund noch einmal, dann trat sie aus dem Bad heraus. Mikes Stimme wurde hörbar, der so etwas wie Chica von sich gab. Er machte weitere Komplimente, welche aber nur mit einem lachenden Idiota begegnet wurden.<br />
Willy hörte noch die Tür, dann war seine umtriebige Freundin auch schon unterwegs. Die Zeit war in den letzten Wochen zwischen ihnen rar geworden. Bei ihm, weil er viel lernen musste, bei ihr, weil sie immer mehr in ihren Job bei den Amerikanern und den neuen Freundeskreis hineinwuchs.<br />
Gab es noch etwas im Hintergrund? Ja, das glaubte er fest. Aber sie hatte ihm ein Versprechen gegeben und daran würde sie sich halten. Sonst gefährdete sie die gemeinsame Zukunft. Und diese war ihr wichtig, das hatte sie ihm immer wieder zu verstehen gegeben.<br />
Draußen im Flur hörte er Mike. Ob er vielleicht später mit in den Club gehen wollte? Auch sein Mitbewohner schien Scheiße drauf zu sein. Dörte machte ihn kaputt, wie er immer wieder zum Besten gab. Er schien sich schwer in seine Kommilitonin verknallt zu haben.<br />
Eineinhalb Stunden hatte Rosalinda mit Sigi im Brauhaus verbracht. Es war eine schöne Zeit für sie gewesen. Sie mochte diesen Mann sehr. Er war vom Schlag Georgs. Aufrichtig, geradlinig und für sie leicht einzuschätzen. Ein unkomplizierter Mensch.<br />
Während sie bei Cola geblieben war, hatte Sigi zwei Weizenbier getrunken. Auch er schien ihre Gesellschaft genossen zu haben. Von daher nahmen sie sich beide vor, in Kontakt zu bleiben und einmal privat in einem Kletterpark die Wände hochzugehen.<br />
Rosalinda bereute es, als das Handy klingelte und Rita sich meldete, dass Solokow nun unterwegs war.<br />
&bdquo;Entschuldige Sigi. Die Freundin, von der ich dir erzählt habe. Ich muss leider los.&ldquo; Rosalinda stand auf, zeigte eine entschuldigende Miene und ließ sich von ihrem ehemaligen Ausbilder zum Abschied umarmen.<br />
&bdquo;War kurz, aber schön Linda.&ldquo; Der um die fünfzig Jahre alte Mann mit dem schütteren Haar lächelte. &bdquo;Das sagt man bei euch so, richtig?&ldquo; Er lächelte. &bdquo;Mi hija kann ich auch noch.&ldquo;<br />
Die junge Frau lachte schallend, drückte ihm einen Kuss auf die Wange und versprach ihm ein baldiges Wiedersehen. &bdquo;Du wirst noch zum Mexikaner, wenn du so weitermachst.&ldquo;<br />
&bdquo;Ros!&ldquo; Sie hatte sich schon von ihm gelöst und wollte gerade aus der Seitentasche ihrer Bomberjacke das Portemonnaie ziehen.<br />
&bdquo;Lass gut sein! Ich lade dich ein. Wenn wir uns das nächste Mal treffen, möchte ich dir einen Job anbieten.&ldquo;<br />
Rosalinda schaute ihn überrascht an. &bdquo;Wie das?&ldquo;<br />
Sigi lächelte. &bdquo;Ich habe die Schnauze voll, die Taschen von anderen Leuten zu füllen. Mal probieren, ob ich es auch mit der eigenen schaffe. Vielleicht magst du mich unterstützen? Und wenn es nur Teilzeit ist, Rosalinda, es würde mir die Welt bedeuten.&ldquo;<br />
Sie sah nachdenklich zu ihm auf, dann lächelte sie. &bdquo;Lass uns das nächste Mal drüber sprechen, Sigi. Aber der Gedanke ist schon mindfuck, ehrlich jetzt. Nur&#8230;&ldquo;<br />
Der Handwerker lächelte. &bdquo;Ich weiß, du hast einen Job. Und er ist auch wichtiger als der, den ich dir biete.&ldquo; Er drückte ihre Hand mit der Börse wieder nach unten. &bdquo;Aber meine Tür steht dir offen. Jederzeit.&ldquo;<br />
Die Mexikanerin fühlte, wie das Handy in ihrer Tasche vibrierte. Sie musste los, sonst gefährdete sie das ganze Vorhaben.<br />
&bdquo;Du siehst mein Symbol?&ldquo;, hörte Rosalinda Renés Stimme. Rosalinda warf einen flüchtigen Blick an dem Lenkrad vorbei auf die Mittelkonsole, an der ihr Smartphone hing.<br />
&bdquo;Ja! Bin nicht mehr weit weg. Was für ein Auto?&ldquo;<br />
&bdquo;Ein schwarzer Audi A8. Für eine Protzkarre gar nicht mal so auffällig. Ist dezent der Knabe, muss man ihm lassen.&ldquo;<br />
&bdquo;Wie viele seiner Knäblein hat er dabei?&ldquo;, fragte sie weiter.<br />
&bdquo;Nur den Fahrer. Scheinen ziemliche Buddys zu sein.&ldquo;<br />
Rosalinda nahm die Schnellstraße, sie war nicht mehr weit entfernt.<br />
&bdquo;Lass an der nächsten Kreuzung Rita übernehmen, danach dann ich.&ldquo;<br />
René bestätigte. &bdquo;Gut, ich nehme die nächste Querstraße und versuche wieder aufzuschließen. Spannend das Ganze! Macht Spaß!&ldquo;<br />
&bdquo;Plappere nicht rum! Rita! Bist du dran?&ldquo;, fragte Rosalinda gereizt.<br />
Die Freundin bestätigte.<br />
&bdquo;Ja, bin an Pädobär dran. Das Schwein ist jetzt im Westen. Weit kann die Fahrt nicht mehr gehen.&ldquo;<br />
Rosalinda warf einen flüchtigen Blick auf das Handy. Das Tracking des Messengers zeigte Ritas Symbol direkt vor ihr.<br />
&bdquo;Bin jetzt auf der Siemens und fahre weiter Richtung Westen. Er ist zwei Autos vor mir&ldquo;, tönte Ritas Stimme aus der Freisprechanlage.<br />
&bdquo;Okay.&ldquo; Rosalinda war zufrieden. Ihre drei Kartoffeln stellten sich nicht dumm an. &bdquo;Ihr macht das super. Viele Clubs kann es hier nicht mehr geben.&ldquo;<br />
Tatsächlich bog die Limousine jetzt ab. &bdquo;Rechts, Königsberger!&ldquo;, kommentierte Rita die Richtungsänderung.<br />
&bdquo;Die fahren zum Montserrat in Lichtenfelde. Was anderes kann ich in der Richtung nicht finden&ldquo;, hörte Rosalinda Esmes Stimme.<br />
&bdquo;Gut. Geht dennoch auf Nummer sicher. Ich bin gleich bei euch und übernehme.&ldquo;<br />
Rosalinda sah erst die Limousine, dann Ritas Kleinwagen von links kommend an sich vorbeifahren. Solokow! Das Schwein war ihr wieder ganz nahe. Hoffentlich klappte alles so, wie sie es sich vorgestellt und geplant hatte.<br />
Ritas Wagen bog nach links ab, während Rosalindas Mini zu der Limousine aufschloss. Sie würde jetzt wahrscheinlich bis zum Ziel dranbleiben können, stellte aber erleichtert fest, dass auch Renés Carsharingwagen wieder hinter ihr war.<br />
Sollten sie noch einmal wechseln? Ja. Sie wies René an, sie zu überholen und ließ sich weiter zurückfallen. So fuhren sie die Hauptstraße weiter Richtung Westen, bogen in eine Seitenstraße ab und hielten auf einem großen Parkplatz vor einer früheren Markthalle, welche jetzt zu einer Großraumdisco umfunktioniert worden war.<br />
Lichtfinger von Scheinwerfern strahlten in den Himmel hinauf, während die Bässe hämmerten und Elektromusik nach draußen drang. Junge Menschen fluteten Richtung Eingang, während die beiden in Anzügen gekleideten Russen an deren Schlange vorbeigingen und an einen der Doormen herantraten.<br />
Rosalinda fuhr langsam an ihnen vorbei, doch nahmen die Männer keine Notiz von ihr. Sie sprachen mit dem Personal, ließen ein paar Scheine den Besitzer wechseln und wurden sofort reingelassen. Geld bahnte den Weg, wie so oft.<br />
&bdquo;Esme hat Recht gehabt. Supergemacht Maus. Kommt jetzt her! Wir treffen uns drinnen.&ldquo;<br />
Sie parkte ihr Auto in der Nähe von Solokows Limousine. René würde draußen warten und dem Russen folgen, sobald er den Club wieder verließ. So stieg sie aus ihrem Wagen aus mit der Gewissheit, dass bisher alles nach Plan verlaufen war.<br />
&bdquo;Willymaus? Wir sind im Montserrat gelandet. Kommst du?&ldquo; Rosalinda hörte sich die Bedenken ihres Freundes geduldig an, während sie mit lässigem Schritt auf den Eingang der Disko zuhielt. Auch sie zeigte keine Anstalten, sich anzustellen.<br />
&bdquo;Nimm ein Taxi! Bitte Willy. Gönn mir die Party mit dir. Ohne dich würde es mir keinen Spaß machen.&ldquo; Rosalinda log nicht. Willy war zu einem Teil ihrer selbst geworden, ohne den sie nun nicht mehr auskam.<br />
Natürlich würde er kommen. Gerade weil er ahnte, dass es ihr wirklich wichtig war. &bdquo;&iexcl;Nos vemos en un minuto, cariño!&ldquo;<br />
&bdquo;Hey! Was drängelst du dich vor! Stell dich hinten an!&ldquo; Aufgeregte Rufe wurden laut, als die Latina an den Türsteher herantrat, der sie neugierig betrachtete.<br />
&bdquo;Demjan. Ist er schon da?&ldquo; Rosalinda gab sich selbstbewusst und sah den glatzköpfigen Hünen mit arroganter Miene an. Der musterte sie von Kopf bis Fuß, dann fragte er nach. &bdquo;Du meinst einen von den Russen?&ldquo;<br />
&bdquo;Ja. Sie müssen gerade gekommen sein.&ldquo;<br />
Der stämmige Türsteher nickte einem Kollegen zu, der für sie die Absperrung öffnete. &bdquo;Okay, geh rein.&ldquo;<br />
Rosalinda wandte sich grinsend zu der wartenden Menge um, dann trat sie in das Innere der Disko. An der Kasse am Eingang stehenbleibend, blickte sie zurück zu dem Türsteher, der ihr mit seinem Blick gefolgt war.<br />
&bdquo;Lass sie so rein! Sandy!&ldquo;<br />
&bdquo;Danke!&ldquo; Rosalinda hauchte dem Mann einen Handkuss zu, dann zwinkerte sie in die Richtung der stark geschminkten Rothaarigen an der Kasse.<br />
Sie lief mit vielen weiteren Besuchern den Gang Richtung Haupthalle, dort, wo sie auch die VIP-Lounges vermutete. Solokow würde dort irgendwo sein. Sie musste nur warten, bis Esme ihn angelockt hatte. Von Renés Fotos her wussten sie genau, welche Art von Mädchen er bevorzugte.<br />
Eine halbe Stunde später fand sie Esme und Rita auf der Tanzfläche. Während Rita die Beauty zur Schau stellte, zeigte sich Esme in einfachen Bluejeans, Sneakern und weißem Hemd. Sie war auffällig geschminkt und blickte immer wieder unsicher zu Jungen auf, die sie mit ihren begehrlichen Blicken bedachten. Sie trug ihre blonden Haare offen und stellte sich jetzt neben eine kleine Bar, die sich direkt neben dem VIP-Bereich der Disko befand. Dort hatten zwei gut betuchte Herren gerade eine große Flasche Wodka bestellt, neben zahlreichen Beigetränken.<br />
Rosalinda sah jetzt Solokow dabei zu, wie dieser auf die Blondine zeigte und mit seinem Begleiter sprach. Der nickte und ging aus dem VIP-Bereich heraus und betrat die stark besuchte Tanzfläche.<br />
Rosalinda grinste. Es lief wie am Schnürchen. Esme blickte unsicher in die Richtung des Russen, sah schüchtern auf den Boden, als der stämmige Mann sich ihr näherte. Rücksichtsvoll drängte er sich zwischen den Tanzenden durch, entschuldigte sich, nickte einem Jungen beschwichtigend zu, als dieser sich von ihm gestört fühlte. Als er aber auf Höhe Esmes war, trat er an der jungen Frau vorbei und wandte sich einer schmächtigen Brünetten zu, die mit Brille und Pferdezopf sehr kindlich wirkte. Deren ältere Freundin wirkte irritiert, doch als der große und attraktive Mann auf die VIP-Lounge deutete, schien sie aufgeregt und redete auf ihre Freundin ein.<br />
Die zeigte sich gehemmt, schüttelte ihren Kopf und blickte unsicher zu dem in der Lounge sitzenden Mann hinüber, der ihr zunickte. Er deutete auf die Sitzfläche des schwarzen Ledersofas, die sich rechts von ihm befand.<br />
Eine Weile zögerte das Mädchen noch, doch dann griff ihre schwarzhaarige Freundin nach ihrer Hand und zog sie einfach mit sich. Rosalinda beobachtete Solokow dabei, wie er sich den beiden Mädchen vorstellte und dann den Kellner darum bat, den beiden das zu bringen, was sie sich wünschten.<br />
Esme und Rita wirkten ratlos, sahen zu Rosalinda hinüber, doch die hob nur ihre Schultern. Würden die beiden aufgeben? Vielleicht war es ganz gut zu sehen, wie weit sie gehen würden. Sie wussten, wie viel ihr daran lag, diesem Mann zu schaden.<br />
Sie spürte einen Schatten neben sich, roch ein markantes Herrenparfüm und vernahm eine kernige Männerstimme. &bdquo;Hey! Du schaust super aus und kannst richtig gut tanzen.&ldquo;<br />
Der Typ hatte ein hübsches Gesicht, schwarze kurze Haare, breite Schultern und einen massigen, aber nicht sonderlich muskulösen Körper.<br />
&bdquo;Mein Freund kommt gleich. Von daher&#8230;, aber danke für die Komplimente.&ldquo;<br />
Er lächelte auf sie herunter und ging wieder auf Abstand. Hatte Anstand, schön, dass es auch solche gab.<br />
Sie wollte sich wieder zur VIP-Lounge umdrehen, als sie auf die blaue Knopfleiste eines Hemdes blickte.<br />
&bdquo;Mein Chef will dich sprechen. Jetzt sofort!&ldquo;<br />
Rosalinda blickte zu dem markanten Gesicht auf.<br />
&bdquo;Andrej, richtig? Wir kennen uns ja schon. Wenn dein Chef etwas von mir will, soll er zu mir kommen.&ldquo;<br />
Das Gesicht des großen Mannes spiegelte deutlich wider, wie wenig einverstanden er mit ihrer Einstellung war.<br />
&bdquo;Pass auf! Mein Boss ist wegen dir eh schon sehr gereizt, ich würde es an deiner Stelle nicht auf die Spitze treiben.&ldquo;<br />
Die Mexikanerin hob ihre Augenbrauen. &bdquo;Ach! Er ist wegen mir schlecht drauf? Da hätte ich eher gedacht, dass ich in dieser Position wäre, bezüglich seiner kleinen Übergriffigkeit.&ldquo;<br />
&bdquo;Stell dich nicht blöd und komm jetzt mit!&ldquo;, knurrte der Kerl.<br />
Rosalinda indessen grinste nur.<br />
&bdquo;Fass mich an und du erlebst ein blaues Wunder, Büblein!&ldquo;<br />
Der junge Mann, der zuvor Interesse gezeigt hatte, näherte sich Rosalinda aufs Neue. Hinter ihm standen drei weitere junge Männer, die entschlossen wirkten einzugreifen.<br />
Der Russe bemerkte sie und schien es nicht eskalieren lassen zu wollen.<br />
&bdquo;Du wartest hier!&ldquo;, befahl er Rosalinda, mit seinem rechten Zeigefinger auf sie deutend.<br />
&bdquo;Wie kommst du darauf, du Depp? Ich gehe, wohin ich will.&ldquo; Sie lachte und schüttelte ihren Kopf.<br />
Sie nickte den Jungs zu, die ihr helfen wollten, und drängte dann durch die Menge hindurch zu einer Barinsel. Sie musste sich ein wenig gedulden, bis der Keeper auf sie aufmerksam wurde.<br />
&bdquo;Ein Cuba Libre!&ldquo;<br />
Der schmale Mann mit knochigem Gesicht nickte ihr zu, schaufelte Rohrzucker und Limetten in ein Glas, drückte diese mit einem Stößel zusammen und gab Crushed Ice darauf. Rosalinda beobachtete ihn dabei, als sie erneut angesprochen wurde.<br />
Sie drehte sich um und sah Solokow vor sich stehen, der mit steinerner Miene auf sie herabblickte.<br />
&bdquo;Weißt du, wie lange ich dich schon suche?&ldquo;, beugte er sich über ihre Schulter, um ihr direkt ins Ohr zu sprechen.<br />
&bdquo;Weißt du, wie sehr ich dich Schwein verabscheue?&ldquo;, erwiderte sie.<br />
&bdquo;Die Grube! Was hast du darin gefunden?&ldquo;<br />
Rosalindas Gesicht wurde auf einmal müde.<br />
&bdquo;Geht es dir darum? Ich hatte geglaubt, du würdest dich bei mir entschuldigen wollen. Wäre wenigstens etwas gewesen.&ldquo;<br />
&bdquo;Es war mehr in den Stollen, hab ich recht?&ldquo;, Solokow stieg Zornesröte ins Gesicht.<br />
&bdquo;Ich habe die Bereiche durchsucht, welche ihr mir genannt habt. Für das ganze Bergwerk hätte ich Tage gebraucht. Das, was ich gesehen habe, haben deine Lakeien auch zu Gesicht bekommen.&ldquo;<br />
Sie nahm den Cocktail entgegen, dankte dem Barkeeper und schob einen Geldschein über den Tresen.<br />
&bdquo;Und warum sind dann Deutsche am Stollen? Ein paar Wochen, nachdem wir abgebaut haben? Seltsamer Zufall, richtig? Wir haben einen ihrer Leute bestochen und der hat mir erzählt, es soll da unten Nazizeug geben. Und weißt du, was das Beste ist? Sie bohren den Schacht aus. Sie scheinen sich also ihrer Sache sehr sicher zu sein, wenn sie so viel Geld und Zeit investieren.&ldquo;<br />
&bdquo;Und du glaubst wirklich, dass wenn die Burschen so viel Aufsehen erregen, du keins geweckt hast?&ldquo; Sie sah ihn fragend an und spürte für eine Sekunde seine Unsicherheit.<br />
&bdquo;Rosalinda! Sollte ich eines Tages erfahren, dass du mich hintergangen hast&#8230;&ldquo;, er sah drohend auf sie herunter. &bdquo;&#8230;dann wird dir Schlimmeres widerfahren, als du dir vorstellen kannst.&ldquo;<br />
Sie lachte schallend auf. &bdquo;Das Schlimmste, was ich mir vorstellen kann?&ldquo; Ihre Augen wurden feucht, so sehr amüsierte sie sich über seine Worte. &bdquo;Du hast nicht einmal eine vage Vorstellung davon, was ich mir alles vorstellen kann. Solokow! Hör auf, mir drohen zu wollen oder mir Angst zu machen. Das haben schon andere vor dir versucht, und die hatten mehr im Kreuz und waren weit weniger feige als du.&ldquo;<br />
&bdquo;Du wirst das bereuen. Jedes einzelne Wort.&ldquo; Er sah sie mit seinen grauen Augen an, als ob er sie auf der Stelle töten wollte.<br />
&bdquo;Vielleicht ja, vielleicht nein. Wir werden es beide bald herausfinden. Hab viel Spaß heute.&ldquo; Sie erwiderte seinen Blick. &bdquo;Und ganz ehrlich? Mir ist dein Scheißstollen völlig egal.&ldquo;<br />
&bdquo;Wehe dir, wenn du lügst. Dann wird dir niemand mehr helfen können.&ldquo; Der Russe sah sie noch einmal an, dann drängte er sich durch die Menge zurück in den VIP-Bereich.<br />
Rosalinda sah ihm nach und musste dem Mann zugestehen, dass dieser schnell wieder seine Beherrschung zurückgewann. So beobachtete sie ihn dabei, wie er sich wieder in die Sitzgruppe setzte, ein Glas aufnahm und den beiden Mädchen zuprostete. Dabei schien die Jüngere der beiden nach wie vor schüchtern zu sein. Sie war bei Weitem noch nicht volljährig. Wie man das Mädchen in den Club lassen konnte, war Rosalinda ein Rätsel. Sie erinnerte sich an ihr Vorhaben, sie beim Türsteher anzuzeigen unterließ es aber. Ihre Mädels sollten hier eine Lösung finden.<br />
Ein Schluck aus einem Glas würde das Leben dieses Mädchen verändern. Rosalinda spürte in diesem Moment, dass es der erste Schritt von vielen war, der dieses bedauernswerte Wesen ins Bett des Russen führen würde.<br />
Rita und Esme standen jetzt hinter der VIP-Lounge. Die Absperrung war nicht sonderlich hoch, man konnte sich darüberbeugen. Ein Blick nach rechts, der zuständige Security hatte ihre Freundinnen auf dem Schirm. Rosalinda war gespannt, ob die beiden aufgaben oder ihre Aufgabe trotz der veränderten Umstände zu lösen suchten.<br />
Esme hob ein Cocktailglas auf die Rückenlehne, legte es darauf ab und versuchte den Blick von Solokow zu erregen, doch hatte dieser nur das junge Mädchen im Sinn, egal wie sehr sie seine Aufmerksamkeit zu wecken suchte. Rita war es schließlich, die zumindest das Interesse seines Begleiters fand. Es verstrichen nur wenige Minuten, dann wurden die beiden Frauen von dem Mann eingeladen und saßen kurz darauf neben Solokow in der Lounge. Auch er unterhielt sich jetzt mit den beiden, reichte ihnen Gläser, fokussierte sich aber weiterhin auf die Jüngste seiner vier Gäste.<br />
Rosalinda ahnte, dass er sich nun nicht mehr von seinem Ziel würde abbringen lassen. Egal wie sehr ihre Freundinnen auch versuchten, ihn abzulenken.<br />
Ihr Handy vibrierte in ihrer Hosentasche. Sie zog es heraus, wischte über das Display und las die eingegangene Nachricht. &bdquo;Sind da.&ldquo; Sie war von Willy.<br />
Ihre Fingerspitzen flitzten über das Display, dann ging sie erneut zur Bar, wo sie sich mit ihrem Freund treffen wollte.<br />
Ihr Willy! Wie schick er sich für sie gemacht hatte. Die Haare sorgsam gekämmt, ein graues Hemd in einer dunkelblauen Buntfaltenhose sowie braune Halbschuhe &#8211; er sah exakt genauso aus wie bei der Kommunion seiner Cousine.<br />
Sein seltsamer Scheitel, der etwas über den Gürtel hinausragende Bauch, die im Verhältnis zu den Schultern breit wirkenden Hüften &#8211; er war für sie dennoch der schönste Mann der Welt. Ihr Zuhause, ihre Heimat, das Zentrum jeglichen Gefühls von Zufriedenheit. Er war das Wasser, welches zuverlässig jeden Brand, der in ihrem Inneren loderte, zu löschen vermochte.<br />
&bdquo;Hey!&ldquo; Sie hob ihre beiden Hände an sein Gesicht, zog es zu sich herunter und gab ihm einen leidenschaftlichen Kuss. Die umstehenden Leute gafften, während die beiden ihre Bindung aufrecht hielten und sich ihrer Liebe widmeten. Musik dröhnte, Bässe vibrierten, Kunstnebel stieg zwischen ihnen auf, die Stroboskope blitzten und dennoch hatte nichts von all dem eine Bedeutung für sie. Die Augen geschlossen, schmeckten sie die Feuchte ihrer Lippen, fühlten das sanfte Reiben ihrer Zungen und den Druck zwischen ihren Körpern.<br />
&bdquo;Jetzt hört doch wenigstens hier mal mit eurer Ros- und Willy-Show auf, das ist ja fast schon eklig. Schaut mal, wie die Leute herstarren.&ldquo;<br />
Die beiden lösten sich widerwillig voneinander und wandten sich Mike zu, der sich nur zu gerne von der Mexikanerin umarmen ließ. &bdquo;Mein Gott! Du bist so scharf, Chili!&ldquo; Er schüttelte seinen Kopf. &bdquo;Dass René jetzt auch so eine hat, fickt meine Birne erst mal richtig.&ldquo;<br />
Er seufzte, suchte eine Lücke an der Bar und wartete darauf, dass der Keeper auf ihn aufmerksam wurde. Ros und Willy unterdessen umarmten sich, drückten erneut ihre Münder aufeinander und gaben sich dem Gefühl hin, das sich sofort zwischen ihnen erneuerte.<br />
&bdquo;Willst du tanzen?&ldquo;, fragte Willy unsicher und freute sich, als sie begeistert zustimmte.<br />
Rosalinda genoss jede Sekunde, jede Minute, jedes Lied. Willy bewegte sich steif und unbeholfen, fand selten den richtigen Takt und wirkte verkrampft und angestrengt. Sie jedoch lachte, zeigte ihm die Schritte und freute sich, als er langsam in den Rhythmus fand.<br />
Auch Mike fand Anschluss und tanzte mit einer großen Schwarzhaarigen. Er hielt immer noch seine Bierflasche in der Hand, prostete ihnen zu und dachte wahrscheinlich an seine Dörte, während er seiner Tanzpartnerin zublinzelte. Unglücklich verliebt nannte man das.<br />
Der blonde Handwerker wurde von einem Mann im Anzug beiseitegeschoben. Er schien es eilig zu haben und drängte rücksichtslos durch die Menge. &bdquo;Mach mal langsam, mein Bester, sonst rüttelst du kräftig am Ohrfeigenbaum.&ldquo;<br />
Verärgert sah Mike dem Unbekannten nach, dann wandte er sich wieder seiner Tanzpartnerin zu, die ihn anlächelte und ihm näher kam. Er fühlte ihre Hand an seinem Po, womit das gerade erlebte Ärgernis auch schon wieder jegliche Bedeutung für ihn verloren hatte. Ein Blick in ihren tiefen Ausschnitt, anschließend in ihr markantes Gesicht. Sie beide würden heute noch miteinander schlafen, das konnte, nein durfte gar nicht anders sein.<br />
Nur für einen kurzen Moment richtete Rosalinda ihre Aufmerksamkeit auf die Lounge, wo Esme unter wüsten Beschimpfungen und Beleidigungen von der Security und Solokows Begleiter rausgeschmissen wurde. Rita folgte der Freundin nach, sah kurz zu Rosalinda hinüber, nickte, dann war sie auch schon an ihr vorbei. Die Mexikanerin aber richtete noch einmal ihren Blick auf den Tisch von Solokow und sah seine braune Handtasche darauf. Die beiden Freundinnen hatten ihren Job erledigt, wie es aussah. Nun musste nur noch die kleine Maus von Solokow flachgelegt werden und der erste Schritt war erreicht.<br />
Ihr Handy brummte. So löste sie sich für einen Moment von Willy, sah zu ihm auf und deutete auf die Bar. Er war einverstanden, dass sie eine Pause einlegten, schwitzte er doch ziemlich stark.<br />
Sie bestellten zwei Cocktails, dann trat Rita an Rosalinda heran. &bdquo;Kannst du mir mit Esme helfen, Ros? Ihr geht es beschissen. Ich würde sie gerne nach Hause bringen. Sie hat sich vollgekotzt und allein bekomme ich sie nicht zu ihrer Wohnung rauf.&ldquo;<br />
Willys Gesicht wurde bleich. Natürlich dachte er in diesem Moment nicht an sich, sondern an die gemeinsame Freundin. &bdquo;Was ist mit ihr? Kann ich helfen? Vielleicht sollte mal ein Arzt nach ihr schauen?&ldquo;<br />
&bdquo;Na, jetzt übertreib mal nicht. Die ist besoffen, nicht verletzt. Ich glaube auch nicht, dass sie einverstanden wäre, wenn du sie ausziehst und abduschst&ldquo;, meinte Rita, die betrunkene Freundin stützend.<br />
&bdquo;Willy kann sie zumindest mit zum Auto bringen&ldquo;, meinte Ros. &bdquo;Ich muss vorher noch mal aufs Klo, sonst muss ich gleich mit duschen.&ldquo;<br />
Ihr Freund ließ sich nicht zweimal bitten, griff bei Esme unter die Schultern und stützte sie, so gut es ging. Auch Mike wollte helfen, doch kamen er und Rita zurecht.<br />
&bdquo;Mir ist kotzübel&ldquo;, meinte Esme, mit glasigen Augen zu Willy aufblickend. Sie sah ihn verständnislos an, dann aber hellte sich ihr Gesicht auf. &bdquo;Stimmt es, dass du nen dicken &#8230;&ldquo; Sie brachte das letzte Wort nicht heraus, aber es reichte, damit Willy einen roten Kopf bekam. Zumal Rita jetzt auch noch vielsagend zu ihm hinübergrinste.<br />
Zehn Minuten später hatten sie es geschafft. Esme streckte ihren Kopf zum Seitenfenster des Beifahrerplatzes heraus, während Rita auf Ros wartete. Willy zögerte noch, ob er die beiden Frauen jetzt alleinlassen durfte, doch trat in diesem Moment Rosalinda aus der Doppeltür der Disko, gab den Türstehern Bescheid, dass sie wiederkam und gab Willy einen flüchtigen Kuss. &bdquo;Ich stoße gleich wieder zu dir, mein Süßer!&ldquo;, versprach sie ihm. &bdquo;Dann darfst du mich weiter über die Tanzfläche wirbeln.&ldquo; Sie lachte, winkte ihm zu und stieg in Ritas Auto ein.<br />
Willy schien in diesem Moment etwas orientierungslos, sah den Kleinwagen anfahren, dann waren auch schon die drei Mädels unterwegs. Nachdenklich blickte er den roten Rücklichtern nach, Sekunden später waren sie auch schon auf die Hauptstraße eingebogen. Komischer Abend. Ihm hatte es nie in Clubs oder Diskos gefallen und jetzt, wo er mit Ros das erste Mal tanzte, war es richtig cool gewesen. Und was passiert? Jetzt hing er allein im Tanzschuppen ab. Er schüttelte seinen Kopf, ging zurück zum Eingang und dachte an Mike, der ihm aber als ein nicht besonders unterhaltsamer Umgang erschien. Egal, er würde einfach das Beste aus der Nacht machen und darauf warten, dass seine Süße wiederkam. Sie sah so geil aus! Es hatte kaum einen Typen auf der Tanzfläche gegeben, der ihn nicht um sie beneidet hatte.<br />
Das war schon irre. Er durfte mit Ros schlafen, wann er wollte. Sie hielt in jeder Situation zu ihm und wenn er es schaffte, ihre dunkle Seite auszublenden, führten sie ein richtig gutes Leben. Und hatte sie nicht in der letzten Zeit deutliche Fortschritte gemacht? Sie arbeitete mit dem Pfarrer zusammen und kam auf dem Stützpunkt sogar mit der Agentin zurecht, die sie einst so furchtbar gequält hatte.<br />
Zurück an der Bar suchte er vergebens nach den beiden Gläsern, die sie gerade noch bestellt hatten. So blickte er erst verwirrt, dann enttäuscht drein, hatten die beiden Caipirinhas doch ein Heidengeld gekostet.<br />
&bdquo;Warte! Ich mach dir einen neuen. Ist deine Braut abgedampft?&ldquo;, fragte der Keeper interessiert.<br />
Willy ahnte den Hintergrund. Es gab viele Mitmenschen, die sich an der Beziehungskonstellation zwischen ihm und Rosalinda störten. &bdquo;Nein, sie kommt gleich wieder.&ldquo;<br />
Der Keeper lächelte. &bdquo;Lass dir nicht von ihr dein Geld aus der Tasche ziehen. Solche Bräute sind zu allem fähig.&ldquo;<br />
Willy lächelte, nahm dankbar das Glas entgegen und nickte dem Keeper zu. &bdquo;Du, wir machen alles fiftyfifty, brauchst dir keine Sorgen zu machen.&ldquo;<br />
&bdquo;Dann seid ihr zusammen?&ldquo;, fragte der Keeper erstaunt.<br />
&bdquo;Ja. Wir haben bald unser Einjähriges&ldquo;, erzählte Willy, anschließend am Strohhalm seines Cocktails saugend.<br />
&bdquo;Krass. Dann bist du ein Glückspilz. Deine Frau ist nicht nur hübsch, sondern auch charismatisch. Wirst auf sie aufpassen müssen.&ldquo; Er nahm die Bestellung eines jungen Paares auf, gab ein paar Bier heraus und widmete sich Willy aufs Neue. Er hatte mäßig zu tun im Moment und schien Kurzweil im Gespräch mit dem Gast zu suchen.<br />
&bdquo;Wenn ich ehrlich bin, passt sie eher auf mich auf.&ldquo;<br />
Der Keeper grinste und hob seinen Daumen. &bdquo;Ich bin Fabian. Wenn du öfters kommst, mach ich dir die Cocktails günstiger.&ldquo;<br />
&bdquo;Willy! Freut mich.&ldquo;<br />
Wenn Fabian die Gelegenheit hatte, unterhielten sie sich weiter und fanden so immer tiefer ins Gespräch. So erfuhr er, dass sein Gesprächspartner halber Franzose war und in der Stadt Chemie studierte.<br />
Rache erster Akt<br />
Esme war sofort wieder bei sich. Es war ihr nicht leicht gefallen, in der Lounge die Betrunkene zu spielen und sich dann noch über Solokows Schoß zu erbrechen. Dieser reagierte wie erwartet. Er war außer sich vor Wut gewesen und, nachdem er seinen Begleiter dazu aufgefordert hatte, sie rauszuschmeißen, sofort zur Toilette gestürmt.<br />
Rosalinda war nach ein paar hundert Metern Fahrt wieder ausgestiegen. Sie hatte sich vergewissert, dass Willy wieder im Club war und hatte dann ihren eigenen Wagen genommen. So konnten sie sich wieder mit drei Fahrzeugen auf die Lauer legen, wenn der Russe sich auf den Weg machen sollte.<br />
Das Handy neben sich, hörte Rosalinda Rita und Esme dabei zu, wie sie sich miteinander unterhielten. Es ging um Urlaubswünsche, natürlich auch Jungs und welche Designer jede von ihnen favorisierte. Die beiden deutschen Frauen würden leicht zu manipulieren sein und bald feste Bestandteile ihres Teams werden. Esme schien dabei besonderes Gefallen an der Rolle einer bösen Frau zu finden. Vielleicht hatte sie das Potenzial zur Soldatin? Sie würde die Grenzen dieser Frau vorsichtig ausloten müssen, was das betraf.<br />
Rita würde sich eher dazu eignen, Verbindungen aufzubauen und zu unterhalten. Vielleicht konnte man sie auch in irgendeine Behörde einschleusen, wo sie Zugang zu sensiblen Daten bekam? Rosalinda freute sich auf all die Möglichkeiten, die sich ihr in diesem Land boten, musste aber dabei unbedingt wachsam bleiben. Die beiden Frauen sollten sie nicht nur respektieren, nein, sie mussten sie fürchten. Sie sollten Angst vor der Konsequenz eines Verrats haben, mussten finanziell abhängig gehalten werden und mit Privilegien ausgestattet sein, die ihnen im normalen Leben vorenthalten blieben. Hinzu kam der Schutz der Gang, die sich zuverlässig darum sorgen würde, dass sich all ihre Probleme in Luft auflösten.<br />
Maria und Romina waren in den nächsten Monaten kaum einsetzbar. Die beiden würden aber den Neuzugängen mit Rat und Tat zur Seite stehen und sie auf ihre künftigen Rollen vorbereiten. Maria bei Rita und René, Romina bei Esme.<br />
&bdquo;Ros! Sie kommen raus.&ldquo;<br />
&bdquo;Verstanden! Lasst sie erst einmal bei mir vorbeifahren. Dann nehme ich die ersten drei Minuten, dann könnt ihr aufschließen und überholen. René! Du bleibst in Bereitschaft.&ldquo;<br />
&bdquo;Okay, mach ich&ldquo;, hörte sie die Stimme ihres Mitbewohners. Sie klang wieder ziemlich aufgeregt.<br />
&bdquo;Gut! Dann los! Die beiden haben getrunken und werden mehr mit sich selbst zu tun haben, als groß auf die Straße zu achten.&ldquo;<br />
Rosalinda sah kurz darauf die Limousine der Russen an sich vorbeifahren. Sie legte den Gang ein, rollte an und beschleunigte, sich im Rückspiegel vergewissernd, dass ihr die beiden Freundinnen folgten.<br />
&bdquo;Das ist so spannend! Ich hätte nie geglaubt, dass ich mal einen Pädophilen zur Strecke bringen würde&ldquo;, meinte Rita.<br />
&bdquo;Man wächst mit seinen Erfahrungen&ldquo;, antwortete Esme. &bdquo;Du hast sicher auch nicht geglaubt, dass du mit 14 schon keine Jungfrau mehr sein würdest.&ldquo;<br />
&bdquo;Du bist so eine bescheuerte Kuh&ldquo;, ärgerte sich Rita, lachte aber sogleich heiter auf. &bdquo;Dafür werde ich nicht der Berliner Ring auf dem Campus genannt. Das ist dein Titel.&ldquo;<br />
Rosalinda grinste, dann forderte sie die Aufmerksamkeit der beiden ein.<br />
&bdquo;Konzentriert euch! Wenn das hier schief geht, war alles umsonst.&ldquo;<br />
&bdquo;Sorry, Ros!&ldquo;, kam Esmes Antwort.<br />
Die Verfolgung lief ohne besondere Vorkommnisse. Nur einmal kam ihnen ein Streifenwagen entgegen, der aber zu ihrem Glück nicht weiter von ihnen Notiz nahm. So fuhren sie zurück ins Zentrum, wo Solokow schließlich vor einem einfachen Hotel hielt, wie René über den Sprachchat mitteilte. &bdquo;Reisinger-Hotel! Ist kein großer Laden. Wird schwer sein, dort nicht aufzufallen.&ldquo;<br />
&bdquo;Warte kurz! Ich muss nachsehen.&ldquo; Rosalinda hielt den Wagen auf der gegenüberliegenden Straßenseite, ging auf die Webseite des Hotels &#8211; es waren noch vier Zimmer frei.<br />
&bdquo;Geh rein, nimm dir ein Zimmer und setz dich anschließend an die Bar. Leg demonstrativ die Karte neben dich. Dann sehen sie sofort, dass du dort hingehörst.&ldquo;<br />
&bdquo;Das wird teuer&#8230;&ldquo;, erwiderte René sichtlich nervös.<br />
&bdquo;Laber keinen Scheiß. Du kriegst es wieder.&ldquo; Ihre Stimme klang gereizt, was nicht zu Renés Beruhigung beitrug.<br />
&bdquo;Sorry. Ich meinte nur&#8230;&ldquo;<br />
&bdquo;Such einen Parkplatz, wo du die Karre abstellen kannst! Dann geh rein. Beeile dich! Vielleicht bekommst du dann noch ihren Check-In mit.&ldquo; Sie suchte jetzt selbst eine Parklücke, in die sie ihren Wagen abstellen konnte.<br />
&bdquo;Was ist mit der anderen Braut?&ldquo;, fragte Rita schließlich.<br />
&bdquo;Die wird von Solokows Kumpel zur Hure gemacht, könnte ich mir vorstellen. Die war älter und ziemlich scharf auf den Typen, wird nichts dagegen haben.&ldquo;<br />
&bdquo;Sie sind jetzt drin, Ros. Wir gucken dann auch mal, wo wir parken können, okay?&ldquo;<br />
Rosalinda war einverstanden. &bdquo;Fahrt auch weiter die Straße runter. In der nächsten Querstraße ist noch was frei. René! An dir hängt jetzt alles. Wenn du merkst, die Kleine sackt auf einmal zusammen und wird von dem Schwein aufs Zimmer geschleift, ist es so weit. Achte auf irgendwelche Ampullen oder so. Vielleicht kannst du auch Fotos machen? Geh nur kein Risiko ein!&ldquo;<br />
Rosalinda stieg aus ihrem Mini aus und lief die Straße zurück. Esme und Rita bogen gerade ein, hielten in einer der Parklücken und verließen nun ebenfalls ihren Wagen. An der Straßenecke trafen sich die drei Frauen und eilten zurück zum Hotel.<br />
&bdquo;Ist kein schlechter Ort. Wir können durch die Glastüren direkt in die Lobby sehen. Leider nicht in die Bar. René ist anscheinend auch schon weiter, ich kann ihn nicht mehr sehen.&ldquo;<br />
Die Frauen blieben hinter den parkenden Autos verborgen. Trotz der modernen Mehrfamilienwohnhäuser um sie herum schien niemand mehr auf der Straße unterwegs zu sein.<br />
Die drei Frauen mummelten sich gut in ihre Jacken ein. Es war kühl und ein leichter Wind ging.<br />
&bdquo;Hoffentlich müssen wir nicht lange warten&ldquo;, drückte Rita ihre Hoffnung aus. &bdquo;Ich frier mir sonst meinen Poppes ab.&ldquo;<br />
Esme lehnte sich gegen einen SUV und rieb sich die Stirn. &bdquo;Hab echt zu schnell getrunken. Hoffentlich wird das keine Migräne.&ldquo;<br />
Es brauchte nur einen Blick von Rosalinda und sie war wieder ganz bei der Sache. &bdquo;Geht schon wieder.&ldquo;<br />
Ungeduldig zog die Mexikanerin das Handy aus ihrer Tasche. René rief über Videomessenger an! Sie wollte ihn schon dazu auffordern, das zu unterlassen, als sie neben dem Körper ihres Mitbewohners im Hintergrund Solokow und das Mädchen sitzen sah.<br />
&bdquo;Du bist gerissen, Fetti!&ldquo;, lachte Rosalinda. René hatte seine Kopfhörer im Ohr, sodass man von ihrem Gespräch nichts mitbekam. Sie selbst stand im Dunkeln, also würde man nur Umrisse ihres Gesichts erkennen können, selbst wenn ein Blick in seine Richtung fiel. Sie aber konnte mit der Selfiekamera Renés genau verfolgen, was Solokow mit dem Mädchen anstellte.<br />
Rosalinda zeigte den Bildschirm ihres Handys auch Esme und Rita, die beide mit Spannung die Szene an der Bar verfolgten. Das Letzte, was sie mitbekamen, war, dass der Russe neue Getränke bestellte und dabei darauf zu achten schien, dass seine Begleiterin etwas Alkoholfreies zum Trinken bekam.<br />
&bdquo;Da! Er hat&rsquo;s getan&ldquo;, stellte Esme mit heiserer Stimme fest. Solokows Freund lenkte die Jugendliche ab, während sein Boss ihr aus einem Fläschchen heraus eine Flüssigkeit ins Getränk gab. Die Frau an der Bar sah auf das Display ihres Handys und bekam von den Gästen nicht viel mit. Sie schien müde zu sein und reagierte nur noch auf Anruf.<br />
Solokows Freund schleppte die Begleiterin des Mädchens ab, die sich keine großen Sorgen um ihre Freundin zu machen schien. Mit ein paar beruhigenden Floskeln wurde dem besorgten Blick der Jugendlichen begegnet, die sich ab diesem Moment sichtlich unwohl fühlte. Sie stand auf, wurde aber von dem Russen eindringlich darum gebeten zu bleiben. So zögerte sie, sah dem abgehenden Pärchen nach, ließ sich aber zu ihrem Unglück dazu bewegen zu bleiben.<br />
Der Russe stieß mit ihr an, während er weiter auf sie einredete, schien etwas Lustiges erzählt zu haben und lachte in dem Moment, als das Mädchen vornüber direkt in seine Arme sank.<br />
Die Kellnerin warf einen Blick in die Richtung der beiden, fragte wahrscheinlich, ob sie helfen könnte, nahm dann aber schweigend den Geldschein entgegen, der ihr von Solokow gereicht wurde. Er musste ihn nicht erst aus seinem Geldbeutel nehmen und so war folglich auch das von ihm eingeplant worden. Er hatte Erfahrung, was den Missbrauch von jungen Frauen betraf.<br />
Er nahm den zierlichen Körper seiner Begleiterin auf seine Arme, nickte den Gästen entschuldigend zu und verließ die Bar.<br />
&bdquo;Seine Zimmernummer ist 214. Ich gehe ihm gleich nach. Vielleicht höre ich etwas? Oder soll ich sofort die Polizei rufen?&ldquo;<br />
&bdquo;Nimm das Glas irgendwie an dich. Nur nicht anfassen.&ldquo;<br />
Tatsächlich wollte in diesem Moment die Bedienung die Gläser abräumen.<br />
René wurde sichtlich nervös, eilte die Bar entlang und bat in dem Augenblick, während dem die Bedienung das Glas nehmen wollte, darum, dass man es doch stehen lassen möge. &bdquo;Dieser Mann hat der jungen Frau etwas hineingetan. Ich mach mir Sorgen.&ldquo;<br />
&bdquo;Er hat aber gesagt, ich solle die Gläser gleich spülen&ldquo;, wandte die Bedienung verwirrt ein.<br />
René wurde jetzt bestimmt. &bdquo;Wenn dem Mädchen etwas passiert und dieser Kerl deshalb nicht belangt werden kann, machen Sie sich mitschuldig.&ldquo;<br />
Die Frau zögerte noch immer, schien aber seinen Worten Gewicht zu geben.<br />
&bdquo;Wie heißen Sie?&ldquo;, fragte jetzt René.<br />
Das war der letzte Anstoß. Die Frau wollte nun helfen und meinte, dass es auch ihr komisch vorkam, dass die Frau derart schnell müde geworden sein sollte.<br />
&bdquo;Dann rufen Sie die Polizei! Es ist Ihre Pflicht!&ldquo;, forderte er von ihr.<br />
&bdquo;Und wenn wir uns irren? Ich verliere meinen Job!&ldquo;<br />
&bdquo;Sie verlieren vielleicht Ihren Job, überlegen Sie aber, was dem Mädchen gleich passiert, wenn wir ihr jetzt nicht helfen.&ldquo;<br />
Rosalinda war zufrieden. René funktionierte prächtig. Sie selbst hätte gerne noch ein wenig gewartet, aber wenn jetzt die Bedienung Solokow anzeigte und nicht ihr Mitbewohner, würde das Ganze noch leichter zu verschleiern sein.<br />
Die Frau wurde weiter von René bearbeitet, sodass sie nun endlich zu ihrem Handy griff und sich mit der Polizei verbinden ließ. Ein Moment, der Rosalinda tiefste Genugtuung verschaffte.<br />
Keine zehn Minuten später waren zwei Streifenwagen unter Blaulicht zur Stelle. Sechs Beamte stiegen aus, eilten in das Hotel und liefen nach links in die Bar. René hatte sein Handy angelassen und so konnten die drei Frauen mithören, wie er die Aussagen der Servicekraft des Hotels bestätigte.<br />
Ein Funkspruch wurde abgegeben, es war vom dringenden Tatverdacht des Missbrauchs die Rede. Die Zentrale antwortete und so eilten die Beamten zurück zur Rezeption, wo zwei ihrer Kollegen sich bereits nach dem Zimmer des Russen erkundigt hatten.<br />
Eine halbe Stunde später wurde Solokow in Handschellen abgeführt. Sein Kopf nach unten gedrückt, wurde er in einen der Streifenwagen hineingedrängt, während ein Notarzt sowie ein Krankenwagen eintrafen. Es war offensichtlich, dass der Mann auf frischer Tat ertappt worden war.<br />
&bdquo;So, das war es&ldquo;, freute sich Rosalinda. &bdquo;Komm raus, René. Da hast du heute richtig Großes geleistet. Du kannst stolz sein. Das soll sich richtig für dich rentieren, das ist ein Versprechen.&ldquo;<br />
Esme und Rita zeigten bedrückte Gesichter. &bdquo;Wir hätten früher Hilfe schicken müssen. So wie es aussieht, wurde sie schon von ihm vergewaltigt.&ldquo;<br />
Rosalinda sah die beiden mit einem nichtssagenden Blick an. &bdquo;So ist es besser. Jetzt kann er sich nicht mehr mit guten Beziehungen oder Geld rausretten. Er ist straffällig geworden.&ldquo; Sie grinste. &bdquo;Jetzt müssen wir nur noch dafür sorgen, dass die Presse davon erfährt.&ldquo;<br />
Rosalinda versprach die beiden zu belohnen, wollte nun aber zu Willy zurück. So lange wie sie den ersten Akt der Rache an Solokow geplant hatte, so schnell ging sie wieder in ihren Alltag über. Sie umarmte Esme und Rita zum Abschied, küsste die Frauen auf ihre Wangen und meinte, dass sie richtig abgebrühte Luder seien. Auch mit René war sie zufrieden und so durfte der Straßenmusiker wieder auf einen Obolus hoffen, der ihn finanziell besser stellte.<br />
Bis zum Morgengrauen<br />
&bdquo;Hey! Hast mich vermisst?&ldquo;<br />
Willy erschrak, als Rosalinda sich an seine Seite stellte, dabei eine neben ihm stehende junge Frau rücksichtslos zur Seite schiebend. Sie küsste ihn, dann griff sie nach seinem Cocktail und nahm einen Zug am Strohhalm.<br />
&bdquo;Endlich. Ich habe mir schon Sorgen gemacht. Warum hat das so lange gedauert, ist mit Esme alles in Ordnung?&ldquo;, fragte ihr Freund besorgt.<br />
Ros nickte. &bdquo;Ja, soweit. Hab noch mit Rita gequatscht. Sorry, wenn es jetzt länger dauerte. Ist dir sehr langweilig geworden ohne mich?&ldquo;, fragte sie ihn, während ihr Blick auf Fabian überwechselte, der sie interessiert musterte.<br />
&bdquo;Hat er also Recht behalten. Ich habe es Willy ja nicht glauben wollen, dass ihr zusammen seid.&ldquo;<br />
Die Miene der Mexikanerin wurde sofort eiskalt. Sie zog ihre Brauen zusammen, öffnete ihren Mund, da wurde sie von Willy umarmt.<br />
&bdquo;Du brauchst jetzt nicht ausrasten. Der Mann ist super in Ordnung. Das wird uns immer wieder passieren. Müssen uns halt dran gewöhnen.&ldquo;<br />
Sie kämpfte mit sich und sah immer noch wütend zu dem Barkeeper hinüber. Der schien jetzt zu begreifen, worum es ihr ging und beeilte sich damit, eine Entschuldigung zu äußern.<br />
&bdquo;Sorry, Rosalinda. Wollte jetzt nicht beleidigend rüberkommen. Ich finde dich sehr hübsch. Hätte nicht angenommen, dass da ein Normalo wie Willy eine Chance bei einer Frau wie dir hat. Krass! So wie du mich ansiehst, könnte ich es glatt mit der Angst bekommen.&ldquo;<br />
Noch einmal wanderte ihr Blick geringschätzig über den Mann hinweg, dann wandte sie sich mit ihrem Rücken zu ihm und beobachtete die Tanzenden. Kurze Zeit später lehnte sie sich gegen Willys Körper und schien mit ihren Gedanken beschäftigt.<br />
Willy unterhielt sich unterdessen mit Fabian weiter, der langsam aber sicher damit begann, seine Bar aufzuräumen. Zweieinhalb Stunden noch, dann würde die Clubnacht vorbei sein.<br />
&bdquo;Bist froh, oder?&ldquo;, fragte Willy ihn.<br />
Fabian bestätigte es ihm nur allzu gerne. &bdquo;Ist schon anstrengend. Studium unter der Woche, zwei Nächte am Wochenende hier, bleibt nicht mehr viel Zeit für einen selbst. &sbquo;Ne Freundin? Mein Gott, ich täte sie gar nicht in meinem Alltag unterbringen können. Dabei habe ich ja auch Bedürfnisse. Mädchen kennenlernen tue ich hier genug, aber am Morgen bin ich dann so fertig, dass ich nur noch froh bin, nach Hause zu kommen.&ldquo;<br />
Willy nickte ihm zu. &bdquo;Kann dich gut verstehen. Kommst nicht zurecht, wenn du einen Tag weniger malochen gehst?&ldquo;<br />
Der Keeper verneinte. &bdquo;Geht leider nicht bei den Berliner Mieten. Aber wenn ich meinen Bachelor habe, wird das besser. Hab schon meine Fühler ausgestreckt, werde aber dann aus Berlin wegmüssen. Ist schade, mag die City sehr. Bin hier auch geboren und aufgewachsen.&ldquo;<br />
&bdquo;Da kann ich von Glück sagen. Ros hat einen Sonderstatus bei den Amerikanern, arbeitet bei ihnen, wird unterrichtet und hat dabei auch noch ein richtig gutes Auskommen. Wenn sie mich nicht bei der Miete und allem anderen unterstützen würde, täte ich mich über kurz oder lang auch umsehen müssen. So kann ich mich aufs Studium konzentrieren, ist eh schon hart genug.&ldquo;<br />
&bdquo;Hört sich gut an. Scheinst wirklich ne Gute erwischt zu haben. Bei ihren Tätowierungen hätte ich das nicht für möglich gehalten. Die schauen richtig finster aus, wenn sie ihr auch stehen.&ldquo; Fabian spülte ein paar Gläser, dann fragte er weiter. &bdquo;Was studierst du? Hab noch gar nicht gefragt.&ldquo;<br />
&bdquo;Informatik. Bin aber erst im zweiten Semester.&ldquo;<br />
Fabian hob seine Brauen. &bdquo;Echt? Kennst dich mit Excel aus? Ich würde mir gerne ein paar Tabellen aufbauen, bekomme aber die S-Verweise nicht richtig hin.&ldquo;<br />
Natürlich war das kein Problem. Willy half gerne.<br />
&bdquo;Was war eigentlich in eurer Bib los? Hab gehört, es soll dort &sbquo;ne blutige Schlägerei mit zwei Arabern gegeben haben. Irgendeine Frauengeschichte, wie man erzählt. Ist jetzt schon ein bisschen her.&ldquo;<br />
Willy nickte. &bdquo;Ja, war dabei. Aber ganz so ist es nicht gelaufen. Die beiden wollten eine Kommilitonin von mir entführen. War schon eine abgefahrene Scheiße.&ldquo;<br />
&bdquo;Ja, und ihr habt sie ins Krankenhaus geschickt. Geile Nummer! Wäre gerne dabei gewesen&ldquo;, äußerte Fabian seine Begeisterung. &bdquo;Schäme mich schon oft genug für das, was hier bei uns im Laden abgeht. Auch wenn manche Frauen nicht viel besser sind als die Kerle.&ldquo;<br />
Willy wollte hier das Gespräch enden lassen, doch stand Mike hinter ihm und musste natürlich seinen Senf zur Unterhaltung beitragen.<br />
&bdquo;Tja. Die beiden haben sich mit unserem Chili angelegt. Dabei ist die &sbquo;ne richtige Killerin. Die macht solche Wichser schneller alle, als du gucken kannst.&ldquo; Mike sah den Keeper mit glasigen Augen an, welcher ihn offensichtlich nicht sonderlich ernst nehmen wollte.<br />
Fabian sah Willy fragend an, doch der suchte seinen Mitbewohner zu ignorieren. Rosalinda schien es egal zu sein, die hatte nur Augen für die Tanzfläche und ging den Takt mit einer kurzen Wippbewegung mit.<br />
&bdquo;Wen meint er jetzt?&ldquo;, fragte Fabian, irritiert zwischen den beiden Männern hin und her sehend.<br />
&bdquo;Na sie. Seine heiße Schote.&ldquo; Mike grinste. &bdquo;Die hat die beiden volley genommen. So brutal, dass sie sich wahrscheinlich nicht mehr davon erholen werden. Bin ja richtig froh, dass sie mich so innig lieb hat.&ldquo;<br />
&bdquo;Halt jetzt den Rand, Mike, und labere keine Scheiße! Bin froh, wenn mal Ruhe ist. Ros würde auch mal gerne wieder zur Uni kommen und jetzt nervt sie dort jeder. Dabei hat sie einfach nur geholfen.&ldquo;<br />
&bdquo;Einfach nur geholfen? Esme hat mir alles erzählt. Das waren Schläger! Ros hat denen einfach nur mal gezeigt, dass ein Schläger gegen einen Killer keine Chance hat. Hab ich nicht recht?&ldquo; Seine Stimme klang triumphierend.<br />
&bdquo;Komm! Wir gehen tanzen&ldquo;, meinte Ros leise. Sah zu Willy auf, griff nach seiner Hand und zog ihn hinter sich her.<br />
Fabian blickte den beiden nach, während Mike weiter auf ihn einredete. &bdquo;Sie kommt aus Mexiko. Dort war sie als Kind eine Schwerverbrecherin. Die hat dort Sachen angestellt, das glaubst du nicht.&ldquo; Mike schüttelte nachdenklich seinen Kopf. &bdquo;Jetzt ist sie ja lieb. Aber in solchen Situationen bricht es halt dann aus ihr raus. Wenn jemand ihrem Willyboy blöde kommen würde&#8230;, die Hölle täte sich auf. Glaub mir das.&ldquo;<br />
Der Keeper dachte an die Worte, welche vorhin der dickliche Blonde von sich gegeben hatte. Eigentlich passt sie auf mich auf. Es schien also etwas dran zu sein.<br />
&bdquo;Krass! Würde es nicht glauben wollen, aber Willy scheint es ja indirekt zu bestätigen. Warum ist er nicht stolz auf sie? Ist doch der Hammer, dass seine Alte so viel Courage hat.&ldquo;<br />
&bdquo;Der hat Schiss, dass sie rückfällig wird. Glaube ich zumindest. Er hat mal &sbquo;ne Andeutung in diese Richtung gemacht.&ldquo; Mike fragte nach einem weiteren Bier und nahm kurz darauf eine neue Flasche entgegen. &bdquo;Danke, Meister. Eigentlich hatte ich auch gerade noch &sbquo;ne Muschi am Start, aber ich habe keine Ahnung, wo die abgeblieben ist. Mir auch egal. Wichs ich mir später einen, nicht weiter schlimm.&ldquo;<br />
Fabian schüttelte den Kopf und blickte zu den Tanzenden hinüber. Es waren nicht mehr allzu viele. Die Reihen der Besucher lichteten sich jetzt langsam aber stetig. Dabei entdeckte er auch Willy mit seiner Freundin. Die beiden bewegten sich eng umschlungen zu einer Musik, die gar nicht zu ihrem Tanz passen wollte. Die Bässe dröhnten, begleitet von einem schnellen Beat.<br />
&bdquo;Komm, wir gehen raus auf den Parkplatz&ldquo;, forderte Rosalinda Willy auf.<br />
Der blickte verdutzt drein. &bdquo;Warum? Willst du frische Luft schnappen?&ldquo;<br />
Sie blickte zu ihm auf und grinste. &bdquo;Ja. Das vielleicht auch.&ldquo;<br />
Willy ahnte jetzt, was das werden sollte, und bekam einen roten Kopf.<br />
&bdquo;Ros! Lass uns bitte warten, bis wir zu Hause sind.&ldquo;<br />
&bdquo;Warum? Unter freiem Himmel haben wir es noch nie gemacht. Das ist doch mehr als schade, findest du nicht? Es gibt so vieles, was wir noch ausprobieren müssen, da wäre das doch mal ein Anfang.&ldquo;<br />
&bdquo;Und da stellst du dir ausgerechnet den Parkplatz einer Disko vor?&ldquo;, fragte Willy, sichtlich nervös geworden.<br />
Rosalinda nickte inbrünstig, griff wieder nach seiner Hand und zog ihn rücksichtslos hinter sich her.<br />
&bdquo;Ist mir völlig egal, wo der freie Himmel ist. Hauptsache, wir bumsen jetzt.&ldquo; Sie wandte sich zu ihm um. &bdquo;Und sei ruhig weiter so aufgeregt, dann kommst du gleich nicht so schnell.&ldquo;<br />
Willy sah entgeistert zur Bar hinüber, wo Mike den Keeper zutextete. Der hob kurz seine Hand, wahrscheinlich mit der Vorstellung, dass sie nun gehen wollten.<br />
&bdquo;Ros! Bitte! Die werden uns sehen.&ldquo;<br />
Rosalinda nahm auf seine Befürchtungen keinerlei Rücksicht. &bdquo;Mir völlig egal. Lerne endlich, dem Wesentlichen eine Bedeutung zu geben. Und das sind sicher keine Gaffer oder Betrunkenen.&ldquo;<br />
War der Hauptgang zuvor noch voller Besucher gewesen, standen nur noch vereinzelte Grüppchen und Besucher hier. Auch die Security schien schon im Geiste Feierabend gemacht zu haben und widmete ihnen nur noch müde Blicke.<br />
So zog Rosalinda Willy weiter hinter sich her, raus auf den Vorplatz und von dort aus weiter durch die Parkreihen, auf denen noch etliche Autos standen.<br />
&bdquo;Da hinten!&ldquo; Sie deutete auf ihren Wagen.<br />
Willy folgte ihr, und so erreichten sie kurz darauf ihren schwarzen Mini.<br />
Rosalinda sah sich nicht weiter um, öffnete die Schnalle ihres Gürtels und drückte dann die Knöpfe ihrer Knopfleiste auf. Sie begann zu stöhnen, als sie ihren schwarzen Slip nach unten zog und ihrem Freund ihr Hinterteil präsentierte.<br />
&bdquo;Jetzt mach!&ldquo;<br />
Er sah sich verlegen um, zögerte, dann öffnete auch er seinen Gürtel und die Hose. Er streifte sie nach unten, doch wollte sein Glied genauso wenig wie er selbst.<br />
&bdquo;Was ist los?&ldquo;, fragte sie ihn ungeduldig.<br />
&bdquo;Ich krieg ihn nicht steif.&ldquo;<br />
Sie drehte sich um und sah auf seinen schlaffen Schwanz herunter. &bdquo;Kein Problem. Mein Liebesstück braucht ein wenig von meiner Aufmerksamkeit.&ldquo; Mit diesen Worten ging sie in die Hocke, feuchtete sich ihre Lippen an und griff mit ihrer Rechten nach seinem Glied. Sie streifte dessen Vorhaut nach hinten und nahm die Eichel in den Mund.<br />
Willy zuckte elektrisiert zusammen, als ihre Zunge über diese empfindliche Stelle seines Körpers rieb. Dann aber wandelte sich das Gefühl für ihn, und die von Rosalinda so herbeigesehnte Erregung begann sich unter ihrem Handeln zuverlässig bei ihm einzustellen. Minuten später war sein Penis steif und bereit für seinen Dienst an ihr.<br />
&bdquo;Steck ihn nicht gleich ganz rein! Sonst tut er mir zu sehr weh&ldquo;, forderte sie, nachdem sie seinen Freudenspender aus ihrem Mund entlassen hatte. Sie drehte sich um, stützte sich mit beiden Händen auf dem Rand der Motorhaube ihres Autos ab und wackelte nervös mit ihrem Hinterteil.<br />
Willy konnte erkennen, wie erregt sie war. Ihre Schamlippen waren geschwollen, und die Feuchte trat aus ihrer Scheide aus, die im Schein der Parkplatzlaternen glänzte.<br />
Vorsichtig setzte er seinen steifen Schwanz an ihrer Scham an, ließ dessen Spitze über ihre Spalte hinwegreiben, versenkte sie ein wenig, um das Handeln anschließend zu wiederholen. So feucht, wie sie war, würde es ihm nicht schwerfallen, in sie einzudringen.<br />
Langsam versenkte er sein Glied in ihr. Er wollte ihr auf keinen Fall Schmerz bereiten. So zog er ihn vorsichtig wieder ein Stück weit aus ihr heraus, als sie auch schon heiser zu stöhnen begann.<br />
&bdquo;Fuck! Das ist so geil.&ldquo; Sie wimmerte und bettelte um mehr Intensität. So drückte Willy ihn tiefer in ihren Leib hinein, beschleunigte seinen Takt und wurde sichtlich gelöster in seinem Kopf. Die Befürchtung, entdeckt zu werden, wanderte in den Hintergrund; was blieb, war der Reiz, der ihm von der Enge ihrer Scheide vermittelt wurde.<br />
Minuten später hörte er ein Geräusch hinter sich. Sofort hielt er inne, was wiederum einen Protest Rosalindas nach sich zog. &bdquo;Warum hörst du jetzt auf?&ldquo;<br />
&bdquo;Ich hab hinter uns was gehört&ldquo;, erwiderte er besorgt, seine Brille auf der Nase zurechtschiebend.<br />
&bdquo;Mach jetzt ja weiter, oder ich bin sauer auf dich!&ldquo;, entgegnete sie, sich langsam vor- und zurückbewegend. &bdquo;Willy! Hörst du! Ich brauche nicht mehr lange.&ldquo;<br />
Willy wollte sich umblicken, doch konnte er nicht alles hinter sich erkennen, hätte er sich doch dazu aus ihrem Körper zurückziehen müssen. Schon kam erneut ihr Protest, und so suchte auch er zurück in den Akt zu finden.<br />
Rosalinda stöhnte und wimmerte. Sie hielt sich nicht zurück und durchlebte lautstark einen Höhepunkt. Willy aber mühte sich darum, möglichst schnell fertig zu werden, fühlte er sich doch in der Öffentlichkeit unsicher. Wie gerne wäre er zu Hause und würde dort jetzt seine Ruhe finden.<br />
Statt den Höhepunkt zu erreichen, bremste er sich. So behielt er den schnellen Takt bei und suchte für sich mühsam den finalen Reiz. Endlich, weitere zehn Minuten waren verstrichen, da pulste sein Glied und er ergoss sich im Inneren seiner Liebsten.<br />
Völlig ermattet streckte sich die Latina über die Motorhaube ihres Wagens aus. Es war einfach nur der Wahnsinn gewesen. Hatte Willy sie jemals so intensiv gefickt wie gerade eben? Sie schloss ihre Augen und versuchte vergeblich, ihren Gefühlen Herr zu werden.<br />
&bdquo;Das war der krasseste Fick ever&ldquo;, flüsterte sie leise. &bdquo;Richtig gut, Süßkeks!&ldquo;<br />
&bdquo;Bitte, Ros! Zieh dich an und lass uns fahren&ldquo;, ging er über den Ausbruch ihrer Begeisterung hinweg, zog hastig seine Hose hoch und schob die Gurtspitze durch die Schnalle seines Gürtels.<br />
Sie wandte sich zu ihm um, blickte zu ihm auf und zog mit ihren Händen sein Gesicht zu sich herunter, um ihn zu küssen. Doch Willy berührte nur flüchtig ihre Lippen und wollte dem Ort ihrer Liebestat schnellstmöglich entkommen.<br />
&bdquo;Zieh dich an, Maus, bitte!&ldquo;, flehte er.<br />
&bdquo;Versprich mir erst, dass wir das öfter machen&ldquo;, forderte sie, mit erhobenen Brauen zu ihm aufsehend.<br />
Willy schien ganz gegenteiliger Absicht zu sein und wollte nun selbst ihr die Hose hinaufziehen.<br />
&bdquo;Vielleicht dann mal ohne Publikum?&ldquo;, stellte sie beiläufig fest.<br />
Willy war gerade vor ihr in die Hocke gegangen, um in den Bund ihrer schwarzen Lederstretchhose zu greifen. Schockiert blickte er zu ihr auf. &bdquo;Was?&ldquo;<br />
In diesem Moment klatschte es hinter ihnen, und gellende Pfiffe durchschnitten die Stille. Willy stand hastig auf und blickte in die Richtung des Diskoeingangs, wo ungefähr zehn junge Männer und Frauen hinter zwei Wagen hervorkamen, hinter denen sie sich versteckt gehalten hatten.<br />
&bdquo;Ey! Missi!&ldquo; Tönte eine herbe Frauenstimme. &bdquo;Leihst du mir deinen Freund? Meiner bringt es nicht mal im Ansatz so wie deiner.&ldquo; Eine Jungenstimme protestierte, wurde aber sogleich vom Gelächter der Gruppe übertönt.<br />
&bdquo;Sorry, aber den geb ich nicht mehr her. Wirst dich mit dem wenigen zufriedengeben müssen, was du hast&ldquo;, rief Rosalinda zurück. Sie stand nach wie vor ohne bedeckten Unterleib neben Willy, der völlig entgeistert zu der Gruppe hinübersah. &bdquo;Jetzt zieh mich an! Hattest du doch gerade noch vor!&ldquo;<br />
Zurück im Alltag<br />
Rosalinda spürte eine selten gewordene Genugtuung in sich. Sie erinnerte sich an die Zeit in Mexiko, als sie dieses Gefühl oft verspürt hatte, wenn sie eine Gefahr für die Gang beseitigt oder einen Kampf erfolgreich ausgefochten hatte. Ein Moment des Besonderen, der Sieg über einen Gegner, der Triumph, wenn der eigene Plan aufgegangen war. Sie musste sich immer wieder Georgs Worte in Erinnerung rufen. Sie würde nie wieder jemanden töten, und wenn sie den Weg der Gewalt gehen müsste, dafür sorgen, dass es jene traf, die es verdienten.<br />
&bdquo;Magst einen Kaffee, Maus?&ldquo;, fragte Willy.<br />
Sie blickte von ihrem Tablet auf und nickte ihm zu. Es war seit Wochen das erste Mal, dass sie ihn wieder in den Lesesaal begleitet hatte. Sehr zur Freude seiner Kommilitonen, welche stets den Kontakt zu ihr suchten. Das nervte Rosalinda. Doch bewies sie Geduld, irgendwann würde es aufhören.<br />
Untersuchungshaft! Die Presse sprach von vier Jahren Gefängnis bei ähnlichen Taten. Rosalinda dachte an die Jugendliche. Solokow hatte sich an deren Körper vergangen, als die Polizei sich Zugang zu seinem Zimmer verschafft hatte. Betäubt, völlig des eigenen Willens beraubt, war sie von ihm missbraucht worden. Rosalinda sah sich selbst an deren Stelle, als sie den Artikel las. Hoffentlich stimmte es, was man sich erzählte, und Solokows Mitgefangene würden ihm das Leben im Knast zur Hölle machen.<br />
&bdquo;Ich bin noch nicht fertig mit dir&ldquo;, flüsterte sie, während sie den Artikel in ihrem Tabletbrowser schloss.<br />
&bdquo;Was hast du gesagt?&ldquo; Willy stellte den Papierbecher vor ihr hin.<br />
&bdquo;Hab nur laut gedacht. Kommst voran?&ldquo;, fragte sie ihn, wissend, dass er nie mit seiner Lernleistung zufrieden sein wollte.<br />
&bdquo;Es klappt einigermaßen. Aber Sicherheit habe ich erst, wenn ich das Klausurergebnis habe.&ldquo;<br />
&bdquo;Du bist doch schon durch, warum setzt du dich so unter Druck?&ldquo;<br />
Willy setzte sich neben sie und klappte sein Laptop wieder auf. &bdquo;Das, was ich jetzt nicht verstehe, müsste ich dann im nächsten Semester begreifen. Von daher lieber gleich vernünftig.&ldquo;<br />
&bdquo;Und du? Lernst für deine Prüfung?&ldquo; Er sah zu ihr hinüber.<br />
Rosalinda warf einen Blick auf den Bildschirm, wo die interaktive Weltkarte Teile Tschechiens zeigte, dann nickte sie. &bdquo;Vor allem Mathe. Kann sein, dass du mir da helfen musst. Dieser Typ, der mich unterrichten soll, ist Scheiße. Ab nächste Woche muss ich zwei Tage zur Schule, sonst werde ich wegen der Schulpflicht nicht zur Prüfung zugelassen. Deutsche Bürokratie, da kommen selbst die Amis mit ihrem Einfluss nicht gegen an.&ldquo;<br />
&bdquo;Ganz ehrlich? Ich mag die ganzen Sonderlocken nicht, die wir bekommen. Das Auto, die Flüge zum Stützpunkt, das Geld, das du von den Amis kriegst&#8230;&ldquo;<br />
&bdquo;Ich verdiene es doch, oder nicht?&ldquo; Es gefiel ihr überhaupt nicht, was er da von sich gab.<br />
&bdquo;Du bist der Schlüssel zu dem Wissen, das die Kinder in ihren Köpfen tragen. Sergio und Linda mögen eher Opfer als Täter sein, aber es werden andere kommen. Schwerstkriminelle, wie du selbst eine gewesen bist. Die Amis nutzen dich und Georg aus, um die Kinder geht es ihnen nicht.&ldquo;<br />
&bdquo;Mag sein. Es ist auch nicht für die Ewigkeit. Lass mich noch ein wenig für uns sparen, ja? Wenn die Schule Geschichte ist und ich volljährig geworden bin, suche ich mir etwas anderes.&ldquo;<br />
&bdquo;Und was? Hast du da schon eine Vorstellung?&ldquo;<br />
Sie nickte. &bdquo;Ich habe dir doch von Sigi erzählt. Wenn er ernst macht, kann ich bei ihm wieder klettern. Das hat mir Spaß gemacht und ich bin die Gören von den Amis los.&ldquo;<br />
&bdquo;Rede nicht so abfällig von ihnen! Sie verdienen dieselbe Chance, die du gehabt hast.&ldquo;<br />
&bdquo;Verdienen?&ldquo; Rosalinda lachte auf. &bdquo;Darüber würde so mancher mit dir streiten, Süßkeks.&ldquo; Sie zeigte ihm sogleich eine besänftigende Geste, seine Reaktion damit vorwegnehmend. &bdquo;Sergio und Linda sind nicht verkehrt. Wenn die beiden ihren Kopf zurechtgerückt bekommen und gute Pflegeeltern finden, hast du vielleicht sogar recht. Aber die Vorstellung, dass jedes Kind oder jeder Jugendliche, die diesen Weg nehmen, in Deutschland gesetzestreu ihre Wurzeln schlagen werden, wage ich zu bezweifeln. Es wird viele Soziopathen unter ihnen geben. Und ganz ehrlich, wenn ich die Definition eines solchen lese, finde ich da auch einiges bei mir selbst wieder.&ldquo;<br />
Ihr Freund schüttelte den Kopf und blickte auf sie herab. &bdquo;Wahrscheinlich hat jeder Mensch Facetten eines solchen.&ldquo;<br />
Sie wartete, bis Willy sich hingesetzt hatte, und schob dann ihren Stuhl an seinen heran. &bdquo;Ja, vor allem du.&ldquo; Sie lachte schallend auf.<br />
Sie beruhigte sich mit der Gewissheit, dass er sich über ihre Reaktion ärgerte. So legte sie ihm ihre rechte Hand über seinen Nacken und krabbelte durch sein dunkelblondes Haar.<br />
&bdquo;Ich wollte noch etwas wegen diesem Wochenende mit dir besprechen. Esme und Rita wollen mit mir nach Dresden fahren. Ein Mädelswochenende. Wäre das okay für dich?&ldquo;<br />
Willy zog seine Brauen zusammen. &bdquo;Kommt richtig früh, die Info. Ich dachte, wir fahren Franzi und das Kleine besuchen.&ldquo; Es stimmte ihn versöhnlich, dass sie ein bedauerndes Gesicht zeigte. Sie hatte gerne mit Emilia Zeit verbracht und auch wieder die Nähe zu seiner Schwester gefunden.<br />
&bdquo;Bin beim nächsten Mal wieder mit von der Partie, okay? Ich würde endlich mal etwas anderes sehen, zumal es so schnell mit Franzi und mir nicht mehr mit einem Urlaub klappen wird.&ldquo;<br />
&bdquo;Und warum fahre ich nicht einfach mit? Mir geht es doch auch nicht anders. Mal was anderes sehen, wie geil das wäre.&ldquo;<br />
&bdquo;Sie haben mich gefragt, Willy. Das ist ein Frauending. Mach mir jetzt kein schlechtes Gewissen, ja?&ldquo;<br />
Er lächelte. &bdquo;Warum nicht? Ein weiteres Anzeichen, dass du doch nicht zum Soziopathen taugst.&ldquo; Er lachte, während sie nicht so recht auf seinen Spaß reagieren wollte. Es schien etwas, was diesen Punkt betraf, in ihr vorzugehen.<br />
&bdquo;Willst über was reden? Ich sehe dir doch an, dass was mit dir ist.&ldquo;<br />
Sie schüttelte den Kopf. &bdquo;Lass mal. Ich werde nie die gute Rosalinda werden, die du in mir suchst. Würde ich sie sein, wärst du wahrscheinlich gar nicht mit mir zusammen. Du liebst nämlich auch die Böse. Seit dem ersten Moment, in dem wir uns begegnet sind.&ldquo;<br />
Ihre Blicke trafen sich in diesem Moment. &bdquo;Du kannst es nicht leugnen, Willy.&ldquo; Sie lächelte. &bdquo;Ich bin froh, dass ich dich habe und dass es so ist. Ohne dich würde ich das Leben hier nicht schaffen. Weder die gute noch die schlechte Ros.&ldquo;<br />
Er blickte nachdenklich zu ihr hinüber. &bdquo;Du hast recht. Ich liebe dich als Ganzes. Aber Angst habe ich dennoch vor dem, was in deinem Kopf so vorgeht. Halt mich nicht für blöd, Ros. Bitte! Nur weil ich nichts sage, heißt es nicht, dass ich blind bin.&ldquo;<br />
&bdquo;Was meinst du?&ldquo;, fragte sie vorsichtig.<br />
&bdquo;Dörte hat mir erzählt, dass du Rita und Esme Kaufhaus-Feingold-Gutscheine geschenkt hast. Beide wollten ihr nicht sagen, wie hoch diese ausgefallen sind. Aber gerade das gibt mir zu denken. Was sollten sie auch mit einem 20-Euro-Gutschein im teuersten Warenhaus Berlins?&ldquo;<br />
&bdquo;Sie haben mir bei etwas Wichtigem geholfen.&ldquo;<br />
Willy blickte sie kritisch an. &bdquo;So wichtig, dass ich davon nichts wissen darf?&ldquo;<br />
&bdquo;So wichtig, dass ich nicht möchte, dass du etwas davon weißt.&ldquo;<br />
&bdquo;Wie meinst du das?&ldquo;<br />
&bdquo;Wenn ich dir davon erzählen würde, ginge es dir genauso schlecht damit wie mir die letzten Wochen. Deshalb. Aber jetzt ist wieder alles gut. Von daher bin ich den beiden einfach nur dankbar.&ldquo;<br />
&bdquo;Muss ich um dich Angst haben?&ldquo; Er sah sie eindringlich an.<br />
&bdquo;Nein! Es hat den Richtigen getroffen. Ich mag dir nicht mehr erzählen müssen. Bitte, Willy. Zwing mich nicht dazu.&ldquo;<br />
&bdquo;Würde ich darauf bestehen, würdest du es tun?&ldquo;<br />
Sie sah ihn an und nickte. &bdquo;Ja. Aber es würde alles wieder schlimm für mich machen. Jetzt kann ich damit umgehen.&ldquo;<br />
Er nickte. &bdquo;Gut. Ich hoffe einfach darauf, dass du dich unter Kontrolle hast. Lass uns weiter lernen!&ldquo; Willy spürte den Widerstand in seinen Gedanken. Er wollte sich nicht tiefer mit ihrer dunklen Seite befassen. Die Angst vor der Konsequenz für ihre Beziehung war ihm zu groß geworden. Esme und Rita? Das waren erwachsene Frauen. Intelligent genug, um zu wissen, worauf sie sich einließen.</p>
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		<title>La pulga que mata Teil 12</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Feb 2026 09:56:41 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Ein neues Leben Franziska fühlte sich nach der komplexen Operation mitgenommen. Mit dem kleinen Mädchen in ihren Armen kämpfte sie gegen die eigene Erschöpfung und die deutlich spürbaren Schmerzen. Dennoch&#8230;]]></description>
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Ein neues Leben<br />
Franziska fühlte sich nach der komplexen Operation mitgenommen. Mit dem kleinen Mädchen in ihren Armen kämpfte sie gegen die eigene Erschöpfung und die deutlich spürbaren Schmerzen. Dennoch war sie von dem Leben, welches ihrem Leib entsprungen war, überwältigt. Emilia! Der Name war etwas Besonderes. Er passte zu dem kleinen Würmchen.<br />
&bdquo;Soll ich sie nehmen?&ldquo;, wurde sie von ihrer Mutter gefragt.<br />
&bdquo;Danke! Das ist lieb.&ldquo; Sie blickte zu den vielen Blumensträußen hinüber, welche ihr von der Familie und Freunden gebracht worden waren. Willy, Ros und Vici saßen am Tisch und spielten Karten, Georg war mit ihrem Vater in der Cafeteria ein Bier trinken. Dies war ihre Familie! Allesamt hatten sie ihr in den letzten Monaten und Wochen beigestanden, um diese schwere Zeit zu durchstehen.<br />
Vorhin hatte Rosalinda das Neugeborene auf ihren Armen gehalten. Die Freundin schien in diesem Moment wie ausgewechselt. Sie hatte über das ganze Gesicht gestrahlt, die Kleine beruhigt, als diese zu weinen begann, und immer wieder freudig zu ihrem Bruder aufgesehen. In diesem Moment schienen bei Chili alle Instinkte gegriffen und sich ein eigener Kinderwunsch in ihrem Kopf ausgebreitet zu haben.<br />
War dem so? Rosalinda war eine starke Frau. Und mit Willy hatte sie einen Mann an ihrer Seite, der ihr niemals von der Seite weichen würde. Ganz anders als Holger, welcher sich bis heute kein einziges Mal bei ihr gemeldet hatte. Nur dessen Eltern hatten wiederholt den Kontakt gesucht. Sollte ihr Arschloch von Sohn verrecken!<br />
&bdquo;Ros! Kommst du mal?&ldquo;<br />
Die Latina horchte auf, schob den Stuhl zurück und trat an das Krankenbett heran.<br />
&bdquo;Brauchst du was?&ldquo;, fragte die Freundin besorgt.<br />
Franziska schüttelte ihren Kopf und lächelte. &bdquo;Die Kleine hat es dir angetan, oder?&ldquo;<br />
Rosalindas sonst so hart wirkende Züge schmolzen wie Butter in diesem Augenblick. &bdquo;Sie ist so süß. Ich bekomme Hitzewallungen, wenn ich sie auf den Armen halte. Ehrlich jetzt! Ich werde völlig wirr im Kopf. Sie ist so niedlich, duftet so schön nach Baby, und ich könnte sie einfach nur aufessen.&ldquo; Die Latina lachte und setzte sich vorsichtig an die Seite der frischgebackenen Mutter. &bdquo;Geht es dir gut?&ldquo;, fragte sie schließlich.<br />
&bdquo;Ich denke gerade viel nach. Ich werde Hilfe brauchen, und auch wenn Mama und Papa die Ersten sind, würde ich euch beide gerne mit ins Boot nehmen. Ab und an mal aufpassen, wenn ich nicht mehr kann?&ldquo;<br />
Rosalinda sah zu ihrem Freund hinüber, dann wandte sie sich wieder Franziska zu. &bdquo;Da brauchst du dir keine Gedanken zu machen. Wir bekommen die Süße schon groß. Das kann gar nicht anders sein mit mir als Tante.&ldquo;<br />
Franziska nahm Rosalindas Hand und drückte sie. &bdquo;Beschützt du sie dann auch, wenn sie es nötig hat? Von dir weiß ich, dass es keine leeren Worte sind, wenn du es mir versprichst.&ldquo;<br />
Die Latina wurde sofort ernst. &bdquo;Du denkst an Holger, oder?&ldquo;<br />
Franziska nickte. &bdquo;Ich ahne einfach, dass da noch etwas kommt. Seine Eltern haben auf meinen Brief reagiert, zumindest das. Wenn er aber mehr von seiner Tochter haben möchte, dann kriegt er ein richtiges Problem mit mir. Er hat sie fast umgebracht. Das war mir nie so bewusst wie in dem Moment, in welchem ich sie das erste Mal in meinen Armen gehalten habe.&ldquo; Sie drückte Rosalindas Hand. &bdquo;Patentante? Dann hast du sie wirklich am Hals, Chili!&ldquo;<br />
&bdquo;Klar! Dann kann ich Emilia bei deiner Erziehung unterstützen.&ldquo;<br />
Franziska lächelte. &bdquo;Du bist so doof&#8230;&ldquo;<br />
Victoria schien enttäuscht, hatte sie doch das Gespräch zwischen den beiden verfolgt. Wie sehr hätte sie sich über solch ein Angebot gefreut. Aber sie stand nun mal zeit ihres Lebens in der zweiten Reihe. Warum hätte es jetzt anders sein sollen?<br />
Ihr Handy riss sie schließlich aus ihren trüben Gedanken. Eine fremde Rufnummer erschien auf dem Display. Sie stand auf und trat in den Flur des Zimmers, bevor sie das Gespräch entgegennahm. Sie sah noch zum Krankenbett hinüber, von wo aus ihr Rosalinda unmerklich zunickte.<br />
&bdquo;Hallo?&ldquo;, nahm sie das Gespräch entgegen, dabei die Tür des Krankenzimmers öffnend.<br />
&bdquo;Ist Maria zu sprechen? Es ist wichtig&ldquo;, hörte sie eine derbe Männerstimme.<br />
Victoria stutzte.<br />
&bdquo;Maria? Ich kenne keine Maria. Vielleicht sind Sie falsch verbunden?&ldquo;<br />
Die herbe Männerstimme klang ungeduldig.<br />
&bdquo;Das kann nicht sein. Sie hat vorhin mit Louisa telefoniert. Eine Freundin meiner Frau.&ldquo;<br />
Victoria zeigte sich verwirrt. &bdquo;Kann es sein, dass Sie Rosalinda meinen?&ldquo;<br />
&bdquo;Ja, gib sie mir bitte.&ldquo;<br />
In diesem Moment wirkte sie hilflos und überlegte, wie sie sich Rosalinda bemerkbar machen sollte. Doch diese trat nun ebenfalls auf den Gang hinaus und nahm ihr wortlos das Gerät ab, um damit weiter zur Fensternische zu laufen, welche am Ende des Flurs lag.<br />
&bdquo;Was ist passiert, Jochen&#8230;&ldquo;, hörte sie noch die Stimme der jüngeren Freundin.<br />
&bdquo;Erich ist der Einzige meiner Jungs, welcher noch lebt. Selbst zum Sterben ist er zu blöde.&ldquo; Jochen lachte heiser auf, es klang verzweifelt. &bdquo;Das waren Killer, Maria. Eiskalt. Prügeleien, Messerstechereien&#8230;, alles schon erlebt. Aber solch ein Abschlachten?&ldquo; Für einen kurzen Moment herrschte Stille, dann hörte Rosalinda wieder die raue Stimme des Nazis. &bdquo;Ich habe Fracksausen. Vor allem wenn ich an Suse denke.&ldquo;<br />
&bdquo;Das macht dich vorsichtig, was gut ist. Weißt du etwas über diese Schweine?&ldquo;, fragte Rosalinda, während sie sich gegen das Fenster lehnte.<br />
&bdquo;Nein. Gar nichts. Erich hat von einem schwarzen Transporter gesprochen, an mehr kann er sich nicht erinnern.&ldquo;<br />
&bdquo;Die Bullen, haben die dich schon vernommen?&ldquo;, fragte sie weiter.<br />
&bdquo;Klar. Vier Stunden habe ich bei den Grünen gesessen. Hab ihnen erzählt, dass wir schon das letzte Mal Probleme hatten, weil die Bastarde in unserem Gebiet Drogen verticken wollten. Natürlich fragten sie mich, ob ich wüsste, wer die Tschechen ins Krankenhaus geschickt hatte, aber mit dieser Information konnte ich leider nicht dienen&ldquo;, er lachte. &bdquo;Natürlich wissen die Bescheid, sind ja nicht doof.&ldquo;<br />
&bdquo;Find raus, wie die Tschechen von damals heißen, welche ihr zusammengeschlagen habt. Das sollte nicht allzu schwierig sein. Hast du die Namen, sehen wir weiter. Bis dahin halte dich bedeckt und konzentriere dich aufs legale Geschäft!&ldquo;<br />
&bdquo;Meine Leute werden glauben, dass ich Schiss habe, Ros.&ldquo;<br />
&bdquo;Sag ihnen, dass du eure Freunde rächen wirst. Dies aber erst gründlich planen willst. Drück ihnen irgendeinen Spruch. Müssen sich was das betrifft gedulden, bis der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Rücklagen hast du, bezahl sie daraus! Nimm notfalls auch mein und Markus&lsquo; Geld.&ldquo; Rosalinda dachte an Victoria in diesem Moment. Es konnte nicht schaden, die Dicke in ihre Geschäfte mit einzubeziehen. Sie war eine treue und gutmütige Seele, welche sich an jeden Menschen klammerte, von dem sie glaubte, dass er es gut mit ihr meinen würde. Perfekt für ihre Zwecke. &bdquo;Ich schicke dir später eine Kontonummer von diesem Handy aus. Dorthin überweist du fünfzehntausend Euro von meiner Kohle. Nicht alles auf einmal natürlich. Sieh zu, dass du unter der Meldegrenze bleibst! Schieb irgendeine Strohfrau vor von wegen Privatkauf oder so. Hast du die Informationen über unsere tschechischen Freunde, leite sie auf diesem Weg an mich weiter. So, wie ich es dir gezeigt habe.&ldquo;<br />
Jochen war einverstanden. &bdquo;Ros, ich zähle mittlerweile die Monate. Ich gebe ungern zu, dass ich überfordert bin, aber solch eine Situation bekomme ich allein nicht hin.&ldquo;<br />
Rosalinda wandte sich zum Flur um, wo Willy gerade aus der Zimmertür kam.<br />
&bdquo;Ich bin ja da, nur muss ich unbedingt im Hintergrund bleiben. Eine Amerikanerin traut dem Frieden nicht und ich muss aufpassen wie ein Schießhund, dass man mir nicht im Nacken sitzt. Rufe weiter diese Nummer mit Louisas Handy an, aber erst wenn du dein eigenes irgendwo im Abseits platziert hast. Die Bullen haben dich jetzt auf ihrem Schirm, Jochen. Wenn sie vielleicht auch noch nicht wissen, auf welche Position sie dich einordnen müssen.&ldquo;<br />
Sie winkte Willy zu, der jetzt in Hörweite kam.<br />
&bdquo;Hat mich gefreut, dass du dich gemeldet hast, Louisa. Du rufst an, ja? Kannst mir gerne wieder ein Ohr abquatschen, nur jetzt passt es gerade nicht.&ldquo;<br />
Das Gespräch wurde beendet, dann landete das Handy auch schon in der Jackentasche. &bdquo;Na Geliebter? Wie fühlst du dich als Onkel?&ldquo;<br />
&bdquo;Es ist ein Wunder! Ich kann es noch gar nicht so richtig begreifen. Dass meine Sis so etwas Wundervolles zustande bringt&#8230;&ldquo;, er lächelte. &bdquo;Mit wem hast du denn gesprochen?&ldquo;<br />
&bdquo;Mit Louisa, einer Freundin. Ein paar Beziehungsprobleme.&ldquo;<br />
&bdquo;Von der Schule?&ldquo;<br />
Rosalinda nickte. &bdquo;Freundin ist eigentlich zu viel gesagt. Mir gingen dort eigentlich alle auf den Geist.&ldquo;<br />
&bdquo;Außer Anton? Hast du was von ihm gehört?&ldquo; Willy schien wirklich interessiert in diesem Moment. &bdquo;Du hast früher so viel Zeit mit ihm verbracht und jetzt? Ihr telefoniert kaum noch miteinander.&ldquo;<br />
&bdquo;Und das findest du jetzt so interessant, dass sich ein Gespräch darüber lohnt? Jetzt wo die Kleine gekommen ist?&ldquo;<br />
Er trat an sie heran und umarmte sie. &bdquo;Immerhin bist du heute auch Tante geworden.&ldquo;<br />
Rosalinda lehnte sich mit ihrem Rücken gegen seine Brust und sah aus dem Fenster.<br />
&bdquo;Antons Alte, sie ist eine blöde Bitch. Ich möchte ihr die ganze Zeit wehtun. Ich will nicht, dass er mit ihr zusammen ist.&ldquo;<br />
Willy sah nachdenklich auf sie herunter. &bdquo;Sieht dir nicht ähnlich, dass du sie trotzdem akzeptierst.&ldquo;<br />
&bdquo;Du meinst so, wie ich Dörte, die Gestörte akzeptiere?&ldquo;, fragte sie ihn zurück, dabei über die Stadtkulisse hinwegblickend, welche von vielen Grünflächen durchbrochen wurde.<br />
&bdquo;Ihr seid jetzt Freunde, richtig?&ldquo;<br />
Rosalinda schüttelte ihren Kopf. &bdquo;Nein, sind wir nicht. Ich hasse sie noch immer. Aber ich will dich auch nicht enttäuschen. Ich reiße mich zusammen, wie so oft.&ldquo;<br />
Willy wurde blass. &bdquo;Das heißt, du spielst nur, dass du sie magst?&ldquo;<br />
Seine Freundin nickte. &bdquo;Es gibt nur wenige Menschen, welche ich wirklich mag, Willy. Dich, Georg, Franzi, das Kleine&#8230;&ldquo;<br />
&bdquo;Und was ist jetzt mit Anton?&ldquo;, fragte er.<br />
Sie hob ihre Schultern. &bdquo;Die beiden lieben sich. Das muss ich halt akzeptieren.&ldquo; Sie lächelte. &bdquo;Hätten sich die beiden nicht gefunden, hätte ich mich vielleicht bei dir nicht getraut. Ich muss ihnen also dankbar sein, genauso wie deiner Schwester.&ldquo;<br />
&bdquo;Indem sie dir meinen Schniedel gezeigt hat?&ldquo;, fragte er leise.<br />
&bdquo;Reduziere dich nicht auf deinen Schwanz. Du weißt, dass er nur das Sahnehäubchen für mich ist.&ldquo; Sie lachte. &bdquo;Im wahrsten Sinne!&ldquo;<br />
Sie gingen zusammen den Gang zurück zum Zimmer. Victoria saß auf dem Bettrand Franziskas, während Rosalinda sich über Franziska beugte und ihr auf die Stirn küsste. Dabei steckte sie Victoria unmerklich das Handy zu.<br />
&bdquo;Wer weiß?&ldquo;, die frischgebackene Mutter lächelte müde. &bdquo;Vielleicht bist du die nächste?&ldquo;<br />
Rosalinda sah Franziska erschrocken an, löste aber vorsichtig das Neugeborene aus deren Armen. &bdquo;Ist ja nicht jede zu blöd für Pille, Spirale oder Kondome.&ldquo;<br />
Willys Schwester lächelte, während seine Freundin das Kind in ihren Armen wiegte. Das Kleine war ruhig und ausgeglichen auf Rosalindas Armen. Vielleicht spürte es, dass es von einem starken Menschen beschützt wurde?<br />
&bdquo;Kommst du morgen gegen 16 Uhr her?&ldquo;, fragte Franziska die Freundin schließlich. Willy unterhielt sich mit Georg und seinen Eltern, nur Vici hörte ihr, auf dem Bettrand sitzend, zu.<br />
&bdquo;Ich muss arbeiten. Aber vielleicht du, Vici?&ldquo;, meinte Rosalinda, auf die dicke Freundin herunterblickend.<br />
&bdquo;Holger kommt mit seinen Eltern. Er will seine Tochter sehen.&ldquo; Franziska bemerkte, wie Rosalinda sofort innehielt.<br />
&bdquo;Ich würde mich sicherer fühlen, wenn du dabei wärst. Meine Eltern sind zu weich und Willy? Er ist mutig, aber Holger hat keinen Respekt vor ihm. Vor dir hat er Angst. Er würde nie etwas sagen oder fordern, womit ich nicht einverstanden bin, solange du mit ihm in einem Raum bist.&ldquo;<br />
&bdquo;Findest du nicht, dass du übertreibst?&ldquo;, fragte Rosalinda, das Kind vorsichtig an Victoria weiterreichend.<br />
&bdquo;Kommst du?&ldquo;, fragte Franziska ein weiteres Mal.<br />
Rosalinda sah sie an, dann nickte sie. &bdquo;Irgendwann wirst du dich ihm aber allein stellen müssen.&ldquo;<br />
&bdquo;Das weiß ich. Und in diesem Moment brauche ich mich nur daran zu erinnern, dass es wegen ihm beinahe das Würmchen nicht gegeben hätte.&ldquo;<br />
&bdquo;Wovor hast du Angst?&ldquo;, fragte Rosalinda kaum hörbar.<br />
Franziskas Augen blickten jetzt direkt in die ihrer Freundin. &bdquo;Dass er es jetzt haben will. Einen Teil, verstehst du? Dass er Rechte einfordert, nachdem er uns beide wie Scheiße behandelt hat.&ldquo; Sie schüttelte ihren Kopf. &bdquo;Schlimmer als das. Scheiße kann man nicht verletzen.&ldquo;<br />
&bdquo;Und wenn er es nur einmal sehen möchte?&ldquo;, flüsterte Rosalinda.<br />
Franziska wandte ihren Kopf in einer energischen Bewegung hin und her. &bdquo;Und du glaubst, dass es dabei bleibt? Seine Eltern sind dabei. Ich mag sie, Ros! Nur glaubst du, sie werden loslassen, wenn sie meine Maus erst einmal gesehen haben?&ldquo; Tränen standen ihr in den Augen. &bdquo;Ich will das Arschloch nicht!&ldquo;<br />
Willy trat besorgt an das Bett heran. &bdquo;Und Ros ist nicht die Richtige, um dieses Problem für dich zu lösen. Was geht mit dir?&ldquo;<br />
Die ganze Aufmerksamkeit lag jetzt auf Franziska, welche ihre Verzweiflung nun nicht mehr verstecken konnte. &bdquo;Was schaut ihr mich jetzt an, als ob ich eine Gestörte wäre? Das Schwein hätte uns beinahe umgebracht. Das kann doch nicht egal sein.&ldquo;<br />
Georg war es, der klare Worte fand. &bdquo;Dann zeige ihn endlich an!&ldquo;<br />
Franziska schüttelte den Kopf. &bdquo;Kann ich nicht. Im Brief habe ich geschrieben, dass es für mich okay ist, wenn er für die Kleine zahlt und sich ansonsten raushält.&ldquo; Sie streckte ihre Arme in Richtung Victoria aus, welche sich nicht so recht von der Neugeborenen lösen mochte.<br />
&bdquo;Aber was gilt sein Wort, wenn er morgen mit seinen Eltern hier aufkreuzt? Einen warmen Furz!&ldquo;<br />
&bdquo;Und da holst du dir Ros, damit er Schiss bekommt?&ldquo;, gab sich Willy empört. &bdquo;Soll sie seinen Eltern ihre Kreuze zeigen, oder was?&ldquo; Er spuckte die Worte regelrecht aus, worauf die Kleine das Weinen anfing. &bdquo;Vielleicht wollen wir selbst mal Kinder haben?&ldquo; Er sah sich demonstrativ um. &bdquo;Das wird aber nicht klappen, wenn sich alle ihrer Vergangenheit bedienen.&ldquo;<br />
&bdquo;Beruhigen wir uns! Franzi! Willy?&ldquo; Georgs Blick wechselte zwischen den beiden.<br />
&bdquo;Ich werde morgen kommen. Und wenn jemand Forderungen stellt, dann werde ich diese zu verneinen wissen. Einverstanden?&ldquo;<br />
&bdquo;Wir werden morgen auch kommen, Franzi! Du wirst mit ihnen nicht allein sein&ldquo;, meinte Heidrun, Franzis Mutter.<br />
Ihre Tochter hatte indessen nur Augen für Rosalinda. Diese war aufgestanden und zum Bettende gegangen, wo sie ihr mit dem Rücken zugewandt stehen geblieben war. &bdquo;Bitte, Ros! Wenn du dabei bist&#8230;&ldquo;<br />
Die Mexikanerin schüttelte ihren Kopf. &bdquo;Nein! Willy hat Recht.&ldquo; Kurz sah sie zu Franziska hinüber, dann trat sie aus dem Raum. Willy folgte ihr nach, während seine Schwester erneut zu weinen begann.<br />
Rosalinda ging aus dem Zimmer den Gang entlang. Dabei dachte sie nicht über Franziska nach, sondern über das, was Willy gesagt hatte. Er wollte Kinder mit ihr? Das waren keine leeren Worte gewesen! Er meinte es ernst.<br />
&bdquo;Ist alles gut?&ldquo;<br />
Rosalinda sah ihren Freund auf den Gang hinaustreten.<br />
&bdquo;Ja. Passt schon.&ldquo;<br />
Er trat an sie heran, hob seine Hände an ihr Gesicht und küsste sie auf ihren Mund. &bdquo;Ich bin froh, dass du morgen nicht kommst. Franziska schiebt gerne jemanden vor, wenn sie vor etwas Angst hat. Und in diesem Fall bist du die Falsche.&ldquo;<br />
Rosalinda nickte. &bdquo;Fahren wir nach Hause?&ldquo;<br />
Willy sah sie an. &bdquo;Ich sage drinnen Bescheid, dann können meine Eltern Vic und den Pfarrer mitnehmen.&ldquo;<br />
Er wollte sich von ihr lösen, da griff sie nach seiner Hand. &bdquo;Meintest du das gerade ernst?&ldquo;<br />
Willy sah sie fragend an. &bdquo;Dass du morgen nicht herkommen sollst? Ja! Ich weiß nicht, was mit Franzi los ist. Erst der Brief, jetzt diese Scheiße.&ldquo;<br />
&bdquo;Ich meine Kinder&#8230;&ldquo;<br />
Er sah auf sie herunter, dann nickte er. &bdquo;Ich habe gesehen, wie sanft und liebevoll du zu der Kleinen warst. Wie warm du auf einmal gewirkt hast.&ldquo; Er hob seine rechte Hand an ihr Gesicht und strich mit deren Außenseite über ihre Wange. &bdquo;Du wärst eine gute Mutter.&ldquo;<br />
Rosalinda blickte nachdenklich auf, dann begannen ihre Lippen zu beben. Ihr Mund öffnete sich, ihre Lippen gaben den Blick auf ihre weißen Zahnreihen frei, dann lachte sie auch schon los. Eine Schwester trat verwundert auf den Gang und blickte in ihre Richtung.<br />
Es dauerte mehrere Augenblicke, bis sie sich wieder beruhigte. &bdquo;Komm! Sag drinnen Bescheid, dann können wir los.&ldquo;<br />
Nächtlicher Besuch und aufschlussreiche Fotos<br />
Holger war spät eingeschlafen. Er hatte nur schwer in den Schlaf finden können, nachdem seine Eltern darauf bestanden hatten, Franziska und sein Kind zu besuchen. Er müsse Verantwortung tragen. Sowohl für die Mutter als auch für seine Tochter.<br />
Es fror ihn. Er spürte einen leichten Zug an seiner Stirn. Sollte er das Fenster zumachen? Vergebens versuchte er, noch einmal in den Schlaf zu finden. Er wandte sich zur Wand, dann wieder in Richtung Fenster.<br />
&bdquo;Scheiße!&ldquo; Er schlug abrupt die Bettdecke zurück, kletterte aus dem Bett heraus und beugte sich über den Schreibtisch hinweg zum Fenster. Es war offen und gekippt! Es hing nur noch an einem Scharnier!<br />
&bdquo;Würdest du es wieder richtig machen? Mir wird sonst kalt&ldquo;, hörte er eine aparte Frauenstimme neben sich. &bdquo;Oder lass! Ich gehe eh gleich wieder.&ldquo;<br />
Er drehte sich auf der Stelle um und fand eine mittelgroße Frau am Ende seines Bettes stehend. Holger staunte in diesem Moment selbst darüber, dass er nicht zusammenschrak. Hatte er sich insgeheim auf solch ein Zusammentreffen eingestellt? Immerhin hatte sie es ihm angekündigt.<br />
&bdquo;Hör zu, Ros!&ldquo;, flüsterte er. &bdquo;Ich bleibe weg, wenn du das willst.&ldquo;<br />
Die junge Frau schüttelte den Kopf. &bdquo;Geh ruhig hin. Schau dir deine Tochter an, welche du beinahe getötet hättest, und dann verpiss dich für immer. Der Russe hat Freunde, deine Ex weiß sicher, wo du herkommst&#8230;&ldquo;<br />
&bdquo;Hast du wieder ein Messer für mich?&ldquo;, fragte der junge Mann angespannt, sich insgeheim mit seiner rechten Hand an der Stelle seines Oberschenkels berührend, welche nun von einer derben, deutlich fühlbaren Narbe geziert wurde.<br />
Die junge Mexikanerin kam um das Bett herum, trat direkt an ihn heran und zupfte an seinem T-Shirt herum, welches halb in der Sporthose steckte. &bdquo;Ich hab dir mit meinem Lippenstift eine Blutlinie auf den Hals gemalt, während du geschlafen hast.&ldquo; Sie lächelte. &bdquo;Wollte sehen, ob ich es noch kann.&ldquo;<br />
Holger fasste erschrocken an seinen Hals und fand über seiner Kehle eine klebrige Linie.<br />
&bdquo;Was wollen die von mir?&ldquo;, fragte er leise.<br />
Rosalinda setzte sich auf die Tischplatte des Schreibtisches. &bdquo;Sich rächen? Deine Aussage, das Messer, Zigarettenkippen vor dem Krankenhaus, das Handy des einen Russen&#8230;&ldquo;, sie lächelte. &bdquo;Man muss das gut planen, wenn so etwas funktionieren soll. Hat mich zwei schlaflose Nächte gekostet. Ich war die Tage völlig neben der Spur wegen des Schlafmangels. Ich wäre nächtens gar nicht weggekommen, wenn ich Willy nicht etwas zum Durchschlafen gegeben hätte.&ldquo;<br />
&bdquo;Und was machen die mit mir, wenn sie mich bekommen?&ldquo;<br />
Rosalinda hob ihre Schultern. &bdquo;Die meisten Russen im Land mögen artig sein, aber jeder von ihnen kennt jemanden, der jemanden kennt, welcher weniger artig ist. Das war bei uns in Mexiko nicht anders.&ldquo; Sie lachte leise. &bdquo;Na ja, Holgi. Ich muss los. Bis nach Hause ist es fast eine Stunde&#8230;&ldquo;<br />
&bdquo;Ros! Warte!&ldquo; Die Latina war ohne einen Ton auf den Tisch geklettert und stand schon mit ihrem rechten Fuß auf der Fensterbank.<br />
&bdquo;Was noch? Sei nicht sauer, aber ich muss. Warst doch sonst nicht so eine Klette.&ldquo;<br />
Holger schloss seine Augen. Es fiel ihm schwer, über ihren Hohn hinwegzugehen in diesem Moment.<br />
&bdquo;Hilf mir aus dieser Nummer wieder rauszukommen!&ldquo;<br />
Rosalinda sah nachdenklich auf ihn herunter, dabei mit ihrem Zopf spielend.<br />
&bdquo;Zahl Bußgeld! Für jedes Jahr, das er bekommt, 36.000 &euro;, dann seid ihr quitt. Vielleicht hast du ja auch Glück und er bekommt Bewährung? Bis jetzt war er unauffällig.&ldquo;<br />
Holger starrte sie sprachlos an. &bdquo;Ich habe nicht einmal tausend Euro übrig. Woher soll ich dieses Geld nehmen?&ldquo;<br />
&bdquo;Such dir einen lukrativen Job!&ldquo;<br />
Er schloss seine Augen. &bdquo;Sag mir, was ich für dich machen soll!&ldquo;<br />
Die Mexikanerin begann zu kichern. &bdquo;Jetzt hat er es verstanden. Ich brauche jemanden, der ortsungebunden und mobil ist. Der überall hin kann, ohne dass jemand von ihm Notiz nimmt. Solch eine weiße dicke Kartoffel, wie du eine bist, ist hierfür perfekt. Machst du deinen Job gut, dann gibt es ordentlich Kohle, und darüber hinaus werden deine Probleme zu meinen Problemen und umgekehrt.&ldquo; Sie ließ ihre rechte Hand schmerzhaft in sein Gesicht klatschen. &bdquo;Nur Franzi und das Kleine sind dann ab morgen für dich tabu! Ist dir glaube ich eh lieber.&ldquo;<br />
&bdquo;Warum ich, Ros?&ldquo;, fragte Holger leise.<br />
&bdquo;Wenn ich einen Feind zu meinem Verbündeten mache, kann das nur gut für mich sein. Und wenn er mich verrät, fällt es mir dann besonders leicht, ihn zu zerstören. Der ganze emotionale Ballast&#8230;, so von Gewissen und so.&ldquo; Sie hob ihren rechten Arm. &bdquo;Bis die Tage, Holger. Ich hab dir ein Handy auf den Tisch gelegt. Schalte es ein, wenn du dir die Sache überlegt hast. Bist du einmal für mich erreichbar, bleibst du das, und dann gehörst du Stück Schlechtmensch mir!&ldquo; Sie lächelte. &bdquo;Keine Beleidigung. Ich gehöre ja selbst auch zu dieser Gattung. Muss man halt mit Leben lernen, wenn man es erst mal rausgefunden hat.&ldquo; Sie richtete ihren Blick runter auf den Gehweg. &bdquo;Ciao! Sei artig zu Franzi und der Kleinen!&ldquo;<br />
Er sah sie auf das Fensterbrett hinaussteigen, dann sprang sie mit hochgerissenen Armen nach unten. Hastig kletterte Holger auf den Schreibtisch, um nachzusehen, ob ihr etwas passiert war, doch fand er den Gehweg unter seiner Wohnung leer. Ungläubig schüttelte er seinen Kopf. Er wohnte im zweiten Stock!<br />
Vorsichtig stieg er vom Tisch wieder herunter, spürte etwas an seinem linken Unterbein und griff danach. Ein billiges Klapphandy! Es war geladen und ging sofort an, als er es öffnete.<br />
&bdquo;Tu móvil vibra. &iquest;Te lo traigo?&ldquo;, fragte ein junges lateinamerikanisches Mädchen Rosalinda, dabei auf das Smartphone deutend, welches auf der Anrichte lag. Die nickte ihr zu, mit ihren Händen einen Teller in der Spüle der Standortkantine waschend.<br />
&bdquo;&iexcl;Responde, por favor!&ldquo;, bat Rosalinda. Die Angesprochene lächelte, wischte mit ihrem Zeigefinger der rechten Hand über das grüne Symbol und rief &bdquo;Ola!&ldquo;, bevor sie es an ihre Betreuerin weiterreichte.<br />
&bdquo;&iexcl;Descarada!&ldquo;, grinste Rosalinda, trocknete sich die Hände und nahm dem Mädchen das Gerät aus der Hand. &bdquo;Hallo Georg! Sorry, wir waren gerade am Abwaschen. Schöne Grüße von Sergio und Linda. Sie vermissen dich.&ldquo;<br />
&bdquo;Was gab es denn?&ldquo;, fragte der Pfarrer.<br />
&bdquo;Caprese-Salat und frisches Weißbrot. Was Schnelles. Ich bin super müde, da hatte ich keine Lust auf etwas Kompliziertes. Den beiden hat es geschmeckt.&ldquo;<br />
&bdquo;Hast du schlecht geschlafen?&ldquo;, fragte der Pfarrer besorgt. &bdquo;Nicht dass du krank wirst.&ldquo;<br />
Rosalinda lächelte. &bdquo;Könnte mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal krank gewesen bin.&ldquo;<br />
&bdquo;Stimmt, da hast du recht.&ldquo; Der Pfarrer machte eine kurze Pause, bevor er das Gespräch fortsetzte. &bdquo;Interessiert es dich nicht, wie der Besuch Holgers bei Franziska gelaufen ist? Ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass du sie anrufen würdest.&ldquo;<br />
&bdquo;Ich hab an euch gedacht, Pfarrer, so ist es nicht. Aber wenn, dann solltet ihr euch melden. Hatte keine Lust anzurufen und die sind noch da. Wie war es denn?&ldquo;<br />
&bdquo;Holger hat geweint, als er seine Tochter auf dem Arm hatte, lehnt aber dennoch eine Sorge außerhalb des Finanziellen ab. Seine Eltern haben ihn umzustimmen versucht, doch fühlt er sich an sein Wort gegenüber Franzi gebunden. Aber seine Eltern dürfen das Kleine sehen, solange sie sich aus der Erziehung heraushalten. Das hat Franziska klar zur Aussprache gebracht.&ldquo;<br />
&bdquo;Ist doch super! Hat sie sich umsonst in die Buchse geschissen.&ldquo; Sie gähnte. &bdquo;Fuck! Was für ein Quältag das heut ist.&ldquo;<br />
&bdquo;Wie geht es Sergio? Hat er gesprochen?&ldquo;, fragte Seydlitz.<br />
&bdquo;Wenig, Georg. Er hat bei allem mitgemacht, wirkt aber dennoch ein wenig blöd auf mich. Er wollte vorhin das ganze Brot allein essen, da ist er richtig wütend geworden, als ich ihn zurechtgewiesen habe. Er hat gezittert vor Zorn.&ldquo;<br />
&bdquo;Pass auf ihn auf, Rosalinda. Der Junge ist schwer misshandelt worden. Wer weiß, was da in seinem Kopf vorgeht.&ldquo;<br />
&bdquo;Ganz ehrlich? Ich mag es nicht rausfinden. Lass die Erkens kommen und ihn einschätzen, bevor er sich oder jemand anderen noch etwas antut.&ldquo;<br />
Georgs Stimme klang jetzt unsicher. &bdquo;Du meinst, die Gefahr besteht?&ldquo;<br />
Rosalinda war sich sicher. &bdquo;Früher in der Gang hätte ich ihn kalt gemacht, weil zu gefährlich. Von daher ja.&ldquo;<br />
&bdquo;Warum erwähnst du so etwas? Du weißt, wie sehr mich das belastet&ldquo;, schimpfte der Pfarrer.<br />
&bdquo;Aber wenn es doch stimmt. Warte damit nicht allzu lang. Linda meidet den Jungen, das spricht Bände!&ldquo;<br />
&bdquo;Respektiert er dich?&ldquo;, fragte Georg.<br />
&bdquo;Das hoffe ich für ihn. Ansonsten fängt er sich eine. Mach dir keine Sorgen, Pfarrer. Der gehört einfach in die Klapse, keine Ahnung, warum die DEA ihn hergebracht hat.&ldquo;<br />
Rosalinda wandte sich zum Eingang der Kantine um, wo Cromwell und eine junge Frau im grauen Hosenanzug den Raum betraten. Die wenigen anwesenden Soldaten grüßten und musterten die beiden interessiert.<br />
&bdquo;&iquest;Quién es ella?&ldquo;, fragte Linda, dabei zu der Unbekannten hinüberblickend, welche zielstrebig auf sie zuhielten.<br />
&bdquo;No lo sé&ldquo;, meinte Rosalinda, dem Mädchen den nächsten Teller zum Abtrocknen reichend. &bdquo;&iexcl;Sergio, guarda los platos! &iexcl;Venga!&ldquo;<br />
Der Junge zögerte, sah nervös zu den beiden Frauen hinüber, dann kam er zögerlich zu ihnen herüber.<br />
&bdquo;Tarde o temprano cogerás uno si no te mantienes al día. &iexcl;Imbécil!&ldquo;<br />
In diesem Moment erreichten die beiden Frauen die Jugendliche und die beiden Kinder.<br />
&bdquo;Hallo Rosalinda! Schön, wie du dich kümmerst.&ldquo; Cromwell deutete mit ihrer linken Hand auf ihre Begleitung. &bdquo;Das ist Jane. Sie würde dich, was Sergio betrifft, um deine Mitwirkung bitten.&ldquo;<br />
Rosalinda hob ihre Hand, dann gähnte sie, erst im Nachhinein sich die Hand vor ihren Mund haltend. &bdquo;Und wie?&ldquo;<br />
&bdquo;Bring Sergio dazu, sich ein paar Bilder anzusehen. Wir hoffen, dass er auf eins von ihnen besonders reagieren wird.&ldquo;<br />
&bdquo;Und was ist drauf?&ldquo;<br />
&bdquo;Nette Leute, Ros. Menschenhändler. Du hast ja auch früher fleißig mitgemischt, habe ich recht?&ldquo;, stichelte Cromwell.<br />
&bdquo;Hören Sie auf, Mrs. Cromwell. Ich wüsste nicht, wie wir hier weiterkommen sollen, wenn Sie den Spalt in der Tür sofort schließen.&ldquo;<br />
Rosalindas Aufmerksamkeit wechselte sofort auf die hübsche blonde Frau. Deren Haare waren zu einem ähnlich strengen Zopf gebunden wie ihr eigener. Vielleicht wollte sie auf diese Weise eine Verbindung zu ihr schaffen?<br />
&bdquo;Entschuldigen Sie Frau Cromwells Verhalten. Sie hat mir schon berichtet, dass Sie eine gemeinsame Vergangenheit haben, welche nicht einfach gewesen ist. Von daher hielt sie es für unwahrscheinlich, dass Sie mit uns kooperieren werden.&ldquo;<br />
&bdquo;Wie kommst du dann darauf, dass ich euch helfe?&ldquo;<br />
Jane reichte ihr ein Bild. Nickte ihr zu, nun gleichfalls ins Duzen wechselnd. &bdquo;Siehst du die vier Männer?&ldquo;<br />
Rosalinda überblickte eine Gruppe von fünfundzwanzig mexikanischen Kindern.<br />
&bdquo;Ja. Pederasta! Was ist mit ihnen?&ldquo;<br />
Die Amerikanerin wirkte enttäuscht. &bdquo;Du könntest den Kindern helfen. Solchen Kindern, wie es Sergio und Linda auch gewesen sind. Sie werden nicht nur über die Grenze geschafft, sie haben auch ihre Därme voller Drogen.&ldquo;<br />
Rosalinda atmete tief durch. &bdquo;Was für ein Abfuck. Das weiß ich alles. Glaubt ihr, wir hätten nicht mitgemacht? Scheiße, willst du und Cromwell wissen, wann es bei mir das erste Mal war?&ldquo;<br />
Jane wurde blass. &bdquo;Bitte, Rosalinda. Du willst doch mal selbst Kinder haben. Hilf uns dabei, diese hier zu schützen.&ldquo;<br />
Die junge Mexikanerin blies ihre Wangen auf. &bdquo;Meine Fresse, könnt ihr nerven. Kleine Finger&#8230; ganze Hand. Nun sagt schon, was ihr von mir wollt.&ldquo;<br />
&bdquo;Sag Sergio, dass er mir seine rechte Hand reichen soll. Anschließend soll er sich die Bilder ansehen, welche ich ihm reiche.&ldquo;<br />
&bdquo;Und dann hoffst du, dass sich bei seinem Puls etwas tut? Schließt ihn doch an einen Detektor an, haben sie bei mir auch gemacht. Nur keine Scheu.&ldquo; Rosalinda spuckte die Worte regelrecht aus.<br />
&bdquo;Dafür haben wir keine Freigabe bekommen.&ldquo; Jane sah Rosalinda eindringlich an. &bdquo;Bitte!&ldquo;<br />
&bdquo;Und morgen verteilen wir dann ne Tonne Schokoriegel in Somalia, abgemacht? Wo ihr doch allen Kindern helfen wollt.&ldquo; Sie lachte und winkte Sergio zu sich heran, welcher das Gespräch der beiden Frauen verfolgt hatte.<br />
&bdquo;&iexcl;Siéntate en esa mesa! &iexcl;Dale a la mujer tu mano derecha! &iexcl;Entonces mira las fotos! &iexcl;Adelante!&ldquo;<br />
Sergio blickte ängstlich zu der Amerikanerin hinüber, welche sich an dem groben Sprech der Mexikanerin störte. Doch der Junge reagierte und setzte sich an den Platz, welcher ihm von Rosalinda gewiesen worden war. &bdquo;Ich setz mich zu ihm, dann ist er ruhiger.&ldquo;<br />
Jane nickte und setzte sich nun ebenfalls an den Tisch. Sie schob langsam ihre Linke zu der des Jungen hinüber und griff vorsichtig und behutsam nach dessen Hand.<br />
&bdquo;Mira las fotos, Sergio. Echa un vistazo, &iquest;quieres?&ldquo;, bat Jane den Jungen in einem sehr klaren und akzentfreien Spanisch.<br />
Sie reichte ihm eine Ablichtung, welche er sich ansehen sollte. Es war eine große Gruppe Kinder darauf und ein paar erwachsene Männer. Die Agentin strich mit ihrem Finger über die abgebildeten Körper hinweg, ihre Gesichter dabei nicht verdeckend.<br />
Der Junge schien aufgeregt. Rosalinda sah Tränen über seine Wangen laufen und reichte ihm ein Taschentuch, fand jedoch kein Mitleid in sich. War etwas tot in ihr, was das betraf? Vielleicht waren da Stellen ihres Empfindens vor langer Zeit vernarbt? Unfähig dazu, gewisse Stimmungen oder Gefühle zu verarbeiten? Dieser Punkt beschäftigte sie immer wieder aufs Neue und ließ sie unsicher werden. Gerade gegenüber Menschen, welche ihr wichtig waren.<br />
&bdquo;Das Bild beschäftigt ihn als Ganzes. Ich kann seine Gefühlslage nicht unterscheiden im Moment&ldquo;, erklärte Jane Rosalinda.<br />
&bdquo;Dann bist du so etwas wie ein Lügendetektor auf zwei Beinen? Woher kannst du so etwas?&ldquo;<br />
&bdquo;Das kann jeder lernen, der sich gut konzentrieren kann. Ich kann dir gerne etwas davon zeigen, wenn du möchtest.&ldquo;<br />
&bdquo;Damit du mir dann die falschen Fragen stellst? Nee, lieber nicht. Bin schon einmal auf diese Weise geprüft worden, das reicht.&ldquo;<br />
Die Amerikanerin lächelte. &bdquo;Ich brauche ja nicht die richtigen Fragen stellen. Das funktioniert auch mit ganz Neutralen.&ldquo;<br />
Sie reichte dem Jungen jetzt Fotos von Männern. Sergio warf flüchtige Blicke darauf, bei einem musste er sich abwenden.<br />
&bdquo;Da haben wir schon den Ersten&ldquo;, meinte Jane leise. &bdquo;Nos tomamos un descanso. Cálmate primero.&ldquo;<br />
&bdquo;Das hätte ich jetzt aber auch gecheckt. Seine Atmung hat sich erhöht und für einen Moment schien er wie aus Stein. Was ist das für ein Vogel auf dem Bild?&ldquo;<br />
&bdquo;Das ist ein Kerl, der mexikanische Waisen an kinderlose Eltern vermittelt. Nach außen hin alles legal. Doch die Familien sind nur Fassade, dahinter steckt ein Ring, der die Kleinen an Pädophile weiterreicht. Sergio hätte dasselbe Schicksal getroffen, wenn die DEA nicht einen Tipp bekommen hätte, wegen der Drogen.&ldquo;<br />
&bdquo;Und den sucht ihr jetzt?&ldquo;, fragte Rosalinda interessiert.<br />
&bdquo;Nein. Der Mann wird bereits von uns überwacht. Es sind die Hintermänner, welche für uns wichtig sind. Wenn dann müssen wir dieser Hydra alle Köpfe abschlagen.&ldquo;<br />
&bdquo;&iquest;Estás bien, cariño?&ldquo;<br />
Der Junge schien die Frau zu mögen, wie Rosalinda feststellte, und so nickte er unmerklich.<br />
Jane streichelte mit ihrer freien Hand über seinen Unterarm, dann griff sie zu dem Stapel Fotos. &bdquo;&iexcl;Mira! No tienes que decir nada.&ldquo;<br />
Sie schob ein Foto über die Tischplatte, ließ den Jungen einen Blick darauf werfen, dann nahm sie es wieder an sich und das Nächste folgte. Sergio starrte auf die dort abgebildeten Männergesichter, wirkte wie erstarrt und brachte keinen Ton aus seinem Mund heraus.<br />
&bdquo;Da haben wir schon den Nächsten.&ldquo;<br />
Rosalinda runzelte ihre Stirn. Dieses Mal hätte sie nicht gemerkt, dass Sergio dem Foto eine besondere Aufmerksamkeit schenkte.<br />
Die Vernehmung dauerte noch eine Viertelstunde, dann war Jane mit dem Jungen fertig. Sie zeigte ihm Urlaubsfotos von einem Trip in Kanada, Ablichtungen von Bären und Wölfen und deutete auf das Bild eines großen Hundes, welcher ihr gehörte. Zum Schluss kam sie um den Tisch herum, umarmte den Jungen und strich ihm über die Wange.<br />
Sergio strahlte und es schien nichts von den für ihn belastenden Erinnerungen übrig geblieben zu sein.<br />
&bdquo;Das ist total cool, wie du mit dem Kleinen umgegangen bist&ldquo;, stellte Rosalinda fest. &bdquo;Zeig mir, wie das geht!&ldquo;<br />
Jane lächelte. &bdquo;Kann ich gerne machen. Wird aber nicht von heute auf morgen klappen. Wäre auch gut, wenn du dir da ein bisschen Lektüre antust.&ldquo;<br />
&bdquo;Hast du da eine Empfehlung?&ldquo;, fragte Rosalinda.<br />
&bdquo;Klar. Ich schreibe dir ein paar Titel zusammen. Sind aber Englischsprachige.&ldquo;<br />
Rosalinda hatte kein Problem damit. Sie lernte gerne, wenn sie etwas interessierte. &bdquo;Du bist ganz cool drauf für eine Gringa.&ldquo; Sie zog das unterste Foto heraus und legte es vor Jane auf den Tisch. &bdquo;Der Junge hier ist keiner. Keine Ahnung, ob euch das schon aufgefallen ist.&ldquo;<br />
Jane sah die Mexikanerin erstaunt an. Dann betrachtete sie das Foto genauer. Hatte die Mexikanerin recht? War ihr das aufgefallen, was einer ganzen Profilergruppe entgangen war?<br />
&bdquo;Wie kommst du darauf?&ldquo;, fragte sie schließlich.<br />
&bdquo;Er trägt eine ziemlich geile Kette um seinen Hals. Die hätte man ihm längst abgenommen, wenn es anders wäre. Genauso wie die beiden Ringe an seinen Fingern.&ldquo;<br />
Die Amerikanerin sah sie erschrocken an. &bdquo;Du hast recht. Wir haben uns nur auf das Offensichtliche konzentriert.&ldquo;<br />
&bdquo;Wisst ihr etwas über ihn?&ldquo;, fragte Rosalinda.<br />
&bdquo;Nein. Nur dass man ihn mit den anderen Kindern in eine Einrichtung der Borderkontroll gebracht hat. Aber wenn er da mit drinsteckt, werden ihn jetzt die Kollegen in die Mangel nehmen. Danke, Ros. Ich habe mir viel von Sergio erhofft, aber das, was du mir hier geliefert hast&#8230;&ldquo;<br />
&bdquo;Lass gut sein. Ein Kinderficker weniger. Wird trotzdem nicht die Regel werden. Cromwell sieht mir gegenüber klar, vielleicht erkundigst du dich bei ihr noch einmal über mich? Nicht dass du dir Illusionen machst.&ldquo;<br />
Jane lächelte. &bdquo;Das habe ich. Es war ihre Idee, dich zu fragen. Sie meinte, dass du immer für eine Überraschung gut bist. Aber auch, dass man dir keine zehn Schritt weit trauen kann. Du bist manipulativ und berechnend.&ldquo;<br />
Rosalinda grinste. &bdquo;Sie hat recht, was soll ich sagen. Hat mich gefreut, Jane. Ich bringe die beiden jetzt zurück. Frag Cromwell nach meiner Handynummer. Dann kannst du mir die Sachen schicken.&ldquo;<br />
&bdquo;Mach ich, Ros. Wir sehen uns sicher noch die Tage.&ldquo;<br />
Ein neues Problem<br />
Rosalinda war noch im Krankenhaus, als Victoria anrief. Bevor diese etwas erzählen konnte, wurde sie auch schon von ihr unterbrochen. &bdquo;Ich melde mich gleich bei dir, Vic. Mein Handy ist fast alle.&ldquo;<br />
&bdquo;Ist gut, Ros&#8230;&ldquo;, hörte sie noch, dann war sie im Fahrstuhl.<br />
Ihre Gedanken rasten. Das konnte nur Jochen sein. Hatte er die Namen? Wenn ja, dann mussten sie schnell handeln. Die Autorität ihres Freundes war infrage gestellt und je länger die Konsequenz für den Anschlag ausblieb, desto mehr verlor er im Berliner Westen an Einfluss. Fuck! Das passierte alles zu einer Unzeit. Sie war noch nicht bereit für solch einen Konflikt.<br />
Ein Blick auf die Uhr, sie musste zur U-Bahnstation laufen, wenn sie ihre Bahn schaffen wollte. So nahm sie ihren Rucksack auf den Rücken, welchen sie bis dahin in ihrer Hand gehalten hatte, zog dessen Riemen fest und ging aus einem lockeren Anlauf zu einem Sprint über, kaum dass sie das Krankenhaus verlassen hatte. Sie sprang elegant über eine Absperrungskette der Straße, lief zwischen Autos hindurch und überwand in einem gewaltigen Satz den mit einer Hecke bewachsenen Mittelstreifen, welcher die Fahrbahnen der vierspurigen Straße voneinander trennte.<br />
Passanten sahen ihr erstaunt nach, ein Mädchen innerhalb einer Schülergruppe nahm sie mit ihrem Handy auf. Sie reagierte nicht darauf, drängte in die U-Bahnstation, fand aber die Treppen und Rolltreppen voller Berufsheimkehrer. Sie würde es nicht schaffen, wenn sie sich jetzt aufhalten ließ. So sprang sie aus dem vollen Lauf gegen die Seitenwand des Bahnhofes, übersprang die Menge und rollte sich auf den ersten Absatz ab, um sogleich auf der gegenüberliegenden Wand sich erneut abzustoßen. Dabei schätzte sie jeden Bewegungsablauf im Voraus ein, berechnete aber die Bewegung eines Mannes falsch. Sie hätte ihn beinahe zu Fall gebracht.<br />
&bdquo;Tschuldigung!&ldquo;, hechelte sie und wollte weiter.<br />
Der Mann hielt nur mit Mühe seine Balance, blickte wütend in ihre Richtung, dann hellte sich sein Gesicht auf.<br />
&bdquo;Rosalinda! Kannst du nicht wie jeder andere auch die Treppe nehmen?&ldquo;<br />
&bdquo;Sigi! Scheiße, ich muss doch zur Bahn.&ldquo; Rosalinda hörte noch den Signalton in den Türen, dann schlossen sich diese auch schon. &bdquo;Fuck!&ldquo; Sie schüttelte den Kopf, während Passanten sichtlich verärgert an ihr vorbeidrängten.<br />
&bdquo;Du hättest jemanden umbringen können, du Irre&ldquo;, ätzte ein älterer Herr. &bdquo;Mach deine Turnübungen zu Hause!&ldquo;<br />
Rosalinda zeigte dem Mann grinsend ihren Mittelfinger, worauf dieser schockiert Abstand suchte. Dann wandte sie sich ihrem früheren Ausbilder zu.<br />
&bdquo;Egal, jetzt ist sie eh weg. Wie geht es dir?&ldquo; Ihr Interesse war echt. Der Mann hatte ihr in kürzester Zeit eine enorme Menge an Wissen vermittelt.<br />
&bdquo;Soweit ganz gut. Der Laden brummt und wir haben viel zu tun. Dennoch fehlst du, Schenker heult jeden Tag, weil du nicht mehr bei uns bist. Der Russe will unbedingt mit dir sprechen. Er hat anscheinend ein paar Fragen an dich, wollte aber nicht rausrücken, worum es ihm dabei geht.&ldquo;<br />
&bdquo;Schenker hat ihm nicht geholfen?&ldquo;, fragte Rosalinda erstaunt.<br />
&bdquo;Darf er nicht. Datenschutz!&ldquo; Der stämmige Mann musterte sie nachdenklich. &bdquo;Was könnte er von dir wollen, Ros?&ldquo;<br />
Die junge Frau in Jeans und Bomberjacke hob ihre Schultern. &bdquo;Keine Ahnung, Sigi. Ist mir aber auch egal. Der Typ ist ein schräger Vogel, von daher bin ich froh, dass ich mit ihm nichts mehr zu tun habe.&ldquo;<br />
Ihr früherer Ausbilder nickte. &bdquo;Dann pass gleich zweimal auf dich auf. Der Typ ließ nicht locker und Günter lässt sich schnell in die Enge treiben. Würde mich nicht wundern, wenn der Russe irgendwann doch noch bei dir aufkreuzt.&ldquo;<br />
Rosalinda wandte sich zu der Anzeigetafel um, die nächste Bahn musste jeden Moment eintreffen.<br />
&bdquo;Ruf mich an! Dann gehen wir ein Bier trinken, okay?&ldquo;, schlug sie ihm vor.<br />
Sigi seufzte. &bdquo;Damit du mich wieder wegdrückst?&ldquo;<br />
Rosalinda zeigte ihm eine entschuldigende Geste. &bdquo;Ich wollte nicht, dass du es mir noch schwerer machst. Rufe an! Ich gehe ran, versprochen.&ldquo;<br />
Der Mann war einverstanden und ließ sich von der jungen Frau drücken. Dann löste sie sich auch schon wieder von ihm und drängte durch die Menge hindurch in die Richtung der in diesem Moment einfahrenden U-Bahn. Er sah sie noch in einen der Wagen verschwinden, dann besann er sich auf seinen eigenen Nachhauseweg.<br />
Rosalinda griff nach der Haltestange über sich. Was sollte jetzt noch alles passieren? Erst die Tschechen, jetzt der Russe? Hatte der Bayer ihnen nicht versichert, sich mit der Bergung der Kisten Zeit zu lassen? Sie musste ruhig und besonnen bleiben, unbedingt.<br />
Dass sie ihren Ausbilder getroffen hatte und er sie vor Solokow warnte, schien ihr ein Wink des Schicksals. So würde sie sich vorbereiten können. Dennoch sollte Jochen noch einmal mit dem Bayern sprechen und diesen darum bitten, seine Absichten im Bergwerk bestmöglich zu verschleiern. Es gab also viel zu besprechen.<br />
Zehn Minuten später war sie in der Straße. Sie musste jetzt wachsam sein. Sie wurde gesucht, wie damals in Mexiko. Nur dass es nicht feindliche Banden waren oder Polizei und Militär, sondern ein Geschäftsmann, welcher sich von ihr betrogen fühlte. Er würde sie und ihre Möglichkeiten unterschätzen, aber sie durfte nicht das Gleiche mit ihm tun.<br />
Kaum dass sie die Wohnungstür aufgeschlossen hatte, trat ihr René entgegen. &bdquo;Hey! Hast du etwas von Maria gehört? Sie hat mich heute noch nicht angerufen.&ldquo; Er schien ihr besorgt in diesem Moment.<br />
Rosalinda zog ihre Sneaker aus, hängte ihre Jacke auf, dann schüttelte sie ihren Kopf. &bdquo;Gib mir dein Handy! Ich brauche es.&ldquo;<br />
René sah sie an, dann lief er zurück in die Küche. Sie stieg in ihre Hausschuhe und ging ihm nach. Hatte er sie nicht gehört? Wut stieg in ihr auf, da stießen sie in der Tür fast zusammen.<br />
Er hielt sein Smartphone in der Hand. Sie hätte also überreagiert. Fühlte sie Angst? Was war mit ihr los? Sie nahm es an sich, nickte ihm zu, dann lief sie den Flur zurück zum Badezimmer. Sie wählte mit ihrem eigenen Handy Victorias Nummer.<br />
&bdquo;Hey Ros. Louisa hat mich gebeten, dich anzurufen. Sie schien aufgeregt zu sein.&ldquo;<br />
&bdquo;Danke Vic. Bei dir alles gut?&ldquo;<br />
&bdquo;Ja. Eigentlich schon. Nur Franzi wollte mich anrufen, hat sich bisher aber nicht gemeldet. Weißt du etwas?&ldquo;<br />
&bdquo;Es ist alles gut. Holger hält sich raus. Aber seine Eltern dürfen das Kleine sehen. Georg hat es mir erzählt. Bei mir hat sie sich also auch noch nicht gemeldet.&ldquo; Rosalinda ahnte, dass Victoria über das Verhalten ihrer gemeinsamen Freundin enttäuscht war.<br />
&bdquo;Ich rufe mal Louisa an, okay?&ldquo;<br />
&bdquo;Sehen wir uns die Tage?&ldquo;, fragte Victoria noch.<br />
&bdquo;Klar. Können zusammen Franzi und Emilia besuchen.&ldquo;<br />
&bdquo;Ros?&ldquo;<br />
Rosalinda fühlte, wie ihre Stimme erneut zu kippen drohte.<br />
&bdquo;Ja?&ldquo;<br />
&bdquo;Das viele Geld&#8230;&ldquo;<br />
&bdquo;Sieh einfach zu, dass es klappt!&ldquo;, meinte Rosalinda in leicht genervtem Ton.<br />
Sie beendete das Gespräch, dann wählte sie die Nummer der Strohfrau.<br />
&bdquo;Louisa? Maria hier. Kann ich deinen Bruder sprechen?&ldquo;<br />
Rosalinda hörte die Wohnungstür, dann das Klimpern von Schlüsseln.<br />
&bdquo;Ros? Bist du da?&ldquo;, hörte sie Willys Stimme.<br />
&bdquo;Maria?&ldquo;, dröhnte Jochens kernige Stimme aus dem Hörer.<br />
Die Mexikanerin setzte sich auf die Toilette. &bdquo;Warte!&ldquo;, sprach sie ins Telefon.<br />
&bdquo;Ich bin aufm Pott, Süßer! Komm gleich. Muss erst Tante Rosa in den Griff bekommen.&ldquo;<br />
&bdquo;Lass dir Zeit!&ldquo;, hörte sie Willys Stimme vor der Tür.<br />
&bdquo;Maria?&ldquo;, hörte sie Jochens Stimme.<br />
Rosalinda wartete einen Moment, bevor sie antwortete. Horchte, ob sie noch jemanden auf dem Gang hörte. Sie war beruhigt, als sie die Stimme ihres Freundes und die von René hörte.<br />
&bdquo;Ja, jetzt. Was gibt es?&ldquo;, fragte sie ungeduldig.<br />
&bdquo;Ich habe ihre Namen und auch ihre Adressen. Sogar die Krankenkassennummer in der Tschechei, wenn du sie brauchst. Wie geht es jetzt weiter?&ldquo;<br />
&bdquo;Du siehst zu, dass du dich still verhältst. Keine Provokationen! Selbst dann nicht, wenn sie anfangen zu verkaufen. Wir müssen erst einmal wissen, mit wem wir es zu tun haben, das braucht seine Zeit. Ich habe jemanden, den ich auf sie ansetzen werde.&ldquo;<br />
&bdquo;Maria! Ich hab Schiss. Vielleicht ist jetzt ein guter Zeitpunkt&#8230;&ldquo;<br />
&bdquo;Rede kein Scheiß!&ldquo; Sie ärgerte sich in diesem Moment über die ängstliche Reaktion ihres Partners. &bdquo;Der Bayer! Er arbeitet an dem Stollen und hat Solokow direkt zu mir geführt. Du kontaktierst ihn! Wenn der Russe mir anfängt, auf den Sack zu gehen, schicke ich ihn direkt zu ihm. Von daher soll er tun, was wir ihm sagen. Er wird Schiss bekommen, hätte ich auch an seiner Stelle. Bei dieser Art von Typen weiß man nie.&ldquo;<br />
&bdquo;Hast du das noch im Griff, Maria?&ldquo;<br />
&bdquo;Jochen! Es wird dir nichts anderes bleiben als das zu glauben. Halt deinen Arsch still und warte darauf, dass ich dir Anweisung gebe. Dann wird alles fein.&ldquo;<br />
&bdquo;Magst du mir sagen, was du vorhast?&ldquo;<br />
&bdquo;Nein. Ich erkläre es dir, wenn es vorbei ist.&ldquo;<br />
&bdquo;Gut! Wünschen wir uns Glück. Wir können es gebrauchen.&ldquo; Jochens Stimme klang nicht gerade zuversichtlich in diesem Moment.<br />
Rosalinda beendete das Gespräch, sah auf das Display von Renés Handy herunter, dann betätigte sie die Spülung. Eilig wusch sie sich die Hände, dann ging sie an die Tür. Sie holte tief Luft, schloss auf und trat auf den Flur.<br />
Ein paar Schritte nach rechts, dann war sie schon in der Küchentür. Willy stand am Kühlschrank und suchte nach etwas zu Essen.<br />
&bdquo;Dein Telefon lag auf dem Klo.&ldquo; Sie gab beiläufig das Gerät an René weiter, welcher wie immer am Tisch saß und sein Bier trank. &bdquo;Hallo Schatz! Sorry, bin selbst kurz da, sonst hätte ich dir etwas gemacht.&ldquo;<br />
Willy war schon bei ihr, umarmte sie und gab ihr einen Kuss auf den Mund.<br />
&bdquo;Hast schon gehört von Franzi? War nicht leicht, aber sie hat es durchlitten.&ldquo;<br />
Rosalinda nickte. &bdquo;Georg hat es mir erzählt. Er schien beruhigt.&ldquo;<br />
Ihr Freund deutete auf den Herd. &bdquo;Ich mach Suppe, pellst du die Kartoffeln?&ldquo;<br />
&bdquo;Klar, nur leider blutet mir die Muschi, sonst könnte ich später meine Kartoffel pellen&ldquo;, gab sie in rauchiger Stimme zurück.<br />
René verschluckte sich und spuckte Bier auf sein T-Shirt. &bdquo;Scheiße!&ldquo;<br />
Willy schüttelte seinen Kopf, nahm die Küchenrolle zur Hand und warf sie dem Mitbewohner zu. Der fing sie geschickt auf und suchte sein Hemd zu trocknen, während Rosalinda Kartoffeln aus einem Korb holte, sich eine Unterlage nahm und zu René an den Tisch setzte.<br />
&bdquo;Isst mit?&ldquo;, fragte sie René in einem scharfen Ton.<br />
Der dickliche junge Mann nickte, dabei unsicher zu ihr hinüberblickend.<br />
&bdquo;Dann schälst du!&ldquo;, meinte Rosalinda und schob Brett, Messer und Korb grinsend zu ihm hinüber.<br />
Mike kam später dazu, sichtlich erschöpft von einem anstrengenden Tag in der Werkstatt. Hinzu kam wohl auch eine weitere Abfuhr von Dörte, die jeden seiner Bindungsversuche mit Ablehnung begegnete. &bdquo;Aber ficken ist für sie okay&ldquo;, schimpfte er.<br />
Willy setzte sich indessen wegen seines Studiums immer mehr unter Druck. Selbst beim Kochen wischte er immer wieder über das Display seines Tablets und rief Rita an, welche er wegen eines Datenbankproblems um Rat fragen wollte.<br />
&bdquo;Du hilfst mir später beim Abwaschen. Es gibt Arbeit für dich&ldquo;, flüsterte Rosalinda René zu, während sie Zucchini klein schnitt.<br />
Der Musiker sah zu Rosalindas Freund hinüber, der in diesem Moment ganz mit seinem Telefonat beschäftigt war, und nickte ihr unmerklich zu. Ab diesem Moment drehten seine Gedanken frei und eine extreme Unruhe und Nervosität breitete sich in ihm aus.<br />
&bdquo;Aua! Fuck!&ldquo;, schimpfte er, hatte er sich doch mit dem Schälmesser in seinen Finger geschnitten.<br />
Rosalinda sah ihn eindringlich an, reichte ihm eine Serviette und meinte dann demonstrativ: &bdquo;Sei kein Depp und heul nicht. Ist doch nur ein kleiner Schnitt. Warte! Ich hole dir ein Pflaster aus dem Bad. Oder komm gleich mit, dann machen wir dir Jod drauf.&ldquo;<br />
Die beiden standen gleichzeitig auf. Willy fragte noch, ob er helfen sollte, aber Rosalinda spottete nur, dass sie die Dramaqueen auch allein verarztet bekam.<br />
Im Bad angekommen herrschte sie ihn auch schon an. &bdquo;Was bist du jetzt so blöd? Willst kein Geld verdienen? Du darfst sogar auf meine Kosten Urlaub machen.&ldquo;<br />
&bdquo;Wie meinst du das?&ldquo; René sah sie erstaunt an, während Rosalinda dem Apothekenschrank ein kleines Erstversorgungsetui entnahm, seine Hand griff und den lädierten Finger zu desinfizieren begann.<br />
&bdquo;Ros! Bitte! Zieh mich nicht in etwas rein, wo ich nicht mehr rauskomme.&ldquo;<br />
Die Mexikanerin blickte auf seinen Finger herunter, tupfte mit einem Wattepad voller Jod über die Schnittwunde und hörte sogleich, wie ihr Mitbewohner wegen des Brandes aufkeuchte.<br />
&bdquo;Ahh!&ldquo;, stöhnte er auf.<br />
&bdquo;Du steckst schon drin, René. Bis zum Hals. Und wenn du mir auf die Nerven gehst, gibt es keinen Finger mehr, den ich für dich verarzten könnte. Hab ich dir schon mal angedroht. Geh nicht das Risiko ein, dass ich glauben könnte, du nimmst mich nicht ernst.&ldquo; Sie gab ein Pflaster auf die Wunde, dann fuhr sie fort. &bdquo;Alle Informationen, welche du über Solokow hast, brauche ich heute Abend noch. Schreib sie mir dieses eine Mal auf, damit ich planen kann!&ldquo;<br />
&bdquo;Wirst du dich jetzt an ihm rächen?&ldquo;, fragte René erschrocken.<br />
Rosalinda verneinte. &bdquo;Nein, es geht um etwas anderes. Ich habe etwas verkauft, von dem er glaubt, dass es ihm gehört. Der Käufer hat nun unsere Absprache gebrochen und mich damit ziemlich in Verlegenheit gebracht. Von daher werde ich das Arschloch erst einmal diskreditieren und isolieren müssen, damit er für seine Geschäftsfreunde nicht mehr tragbar ist und sie ihn zu meiden beginnen. Vielleicht geht er auch eine Weile in den Knast?&ldquo;<br />
&bdquo;Ich habe Fotos von Mädchen gemacht&ldquo;, entgegnete René, dabei auf ihr Handeln herabblickend. &bdquo;Dieser Russe zieht immer dieselbe Masche ab. Er spricht die Mädels an, füllt sie in einer schicken Hotellobby ab und irgendwann sacken sie dann von einer auf die andere Sekunde zusammen. Er schleift sie dann, unterstützt von seinem Fahrer auf das Hotelzimmer, welches er dann in den frühen Morgenstunden wieder verlässt.&ldquo;<br />
&bdquo;Und die Mädchen?&ldquo;, fragte Rosalinda leise, sich während Renés Schilderung an das eigene Schicksal erinnernd.<br />
&bdquo;Die sind fertig. Das Schwein hat sie regelrecht kaputt gemacht.&ldquo; René schüttelte seinen Kopf. &bdquo;Dass die den Hurensohn nicht anzeigen, ist mir ein Rätsel.&ldquo;<br />
&bdquo;Die schämen sich. Die werden von ihm regelrecht zur Hure gemacht. Eigentlich ziemlich clever.&ldquo; Rosalinda ließ seine Hand los und wusch sich ihre Hände, nachdem sie das blutige Pad in den Mülleimer geschmissen hatte.<br />
&bdquo;Ich habe Fotos von ihnen und auch ihre Adressen.&ldquo;<br />
&bdquo;Super. Dafür kriegst du wieder Cash von mir. Jetzt brauchen wir nur eine Freiwillige, und dann machen wir das Schwein fertig.&ldquo; Rosalinda dachte nach, blickte in den Spiegel, strich mit dem Zeigefinger ihrer rechten Hand über ihre rechte Braue und warf dem Mitbewohner einen flüchtigen Blick zu.<br />
&bdquo;Wie meinst du das?&ldquo;, fragte René unsicher.<br />
&bdquo;Na, eine hübsche Maus, welche sich von ihm vergewaltigen lässt.&ldquo;<br />
Verstört sah der Mitbewohner der Latina nach, wie diese das Bad verließ. Er wusste mittlerweile, dass jedes ihrer Worte ernst gemeint war.<br />
&bdquo;Alles wieder okay?&ldquo;, fragte Willy, mitleidig zu René hinübersehend, der gerade in die Küche getreten war.<br />
Der nickte, setzte sich wieder an den Tisch und begann nun auch die restlichen Kartoffeln zu schälen, während Rosalinda das Gemüse und Hähnchenfleisch kleinschnitt.<br />
&bdquo;Passt. Rosalinda scheint Erfahrung im Verarzten zu haben.&ldquo;<br />
Die Latina hob ihren Kopf und grinste. &bdquo;Ich schneide dir mit einer Glasscherbe eine Kugel aus deinem Fleisch raus, kein Thema. Danach nähe ich dir die Wunde mit Garn und Nähnadel wieder zu.&ldquo;<br />
&bdquo;Das ist kein Scherz, oder? Hast schon gemacht?&ldquo;, fragte René interessiert.<br />
&bdquo;Klar! Mein Compadre ist nur leider ein paar Tage später an Wundbrand verreckt. Wir hatten keine Antibiotika. Der hat gestunken wie eine Biotonne.&ldquo; Sie lachte. &bdquo;War ein cooler Typ. Schade.&ldquo;<br />
Willy sah verstört zu seiner Freundin hinüber, dabei weiter in dem Topf rührend. Aus seinem Handy drang Ritas Stimme heraus. &bdquo;War das Ros? Grüß mal! Esme und ich wären heute gern noch rumgekommen, aber die Scheißklausur raubt uns den letzten Nerv.&ldquo;<br />
&bdquo;Kommt morgen! Können wir zusammen in die City gehen. Wollte Esme eh um einen Gefallen bitten.&ldquo;<br />
Rita interessierte sich sofort. &bdquo;Habt ihr zusammen keinen Sport in der Früh?&ldquo; Bevor Rosalinda etwas sagen konnte, fuhr sie schon fort. &bdquo;Aber im Ernst, Chili, kann dir auch helfen. Musst nur sagen wie.&ldquo;<br />
&bdquo;Sorry, Bonita. Aber das ist ein Job fürs Blondie!&ldquo; Ros grinste. Rita und Esme überboten sich gegenseitig, um ihr möglichst nahe zu sein. So traf sie sich mit den beiden auch mittlerweile völlig unabhängig von Dörte. &bdquo;Aber vielleicht habe ich auch etwas für dich? Besprechen wir morgen.&ldquo; Rosalindas Stimme klang zufrieden.<br />
&bdquo;Alles klar. Freu mich.&ldquo;<br />
Willy übernahm wieder das Gespräch und ging mit Rita noch einmal die Aufgabenstellung durch.<br />
So war es dann Rosalinda, welche für die Männer kochte. Sie hörte dabei Musik, ließ sich von René die Hintergründe eines Saxophonsolos erklären und erzählte, dass sie früher auch ein Instrument lernen wollte, sie aber nie die Zeit dafür hatte finden können.<br />
&bdquo;Ich kann dir etwas zeigen, sag mir einfach Bescheid&ldquo;, schlug René vor. Er suchte in diesem Moment eine Bindung zu der Latina, welche nicht von Angst und Nötigung geprägt war.<br />
Sie sah nachdenklich zu ihm hinüber, dann stimmte sie zu. &bdquo;Klar, warum nicht.&ldquo;<br />
Das Essen schmeckte. Jeder von ihnen nahm sich eine zweite Portion. Nur ein Gespräch kam zwischen den Dreien nicht zustande. Willy war mit seinem Stoff beschäftigt. Rosalinda dachte an Solokow und René darüber nach, wie seine Zukunft wohl aussehen würde. Maria! Allein mit dieser Frau hatte Rosalinda ihm eine Kette umgelegt, welche er nicht so schnell wieder loswerden würde. Dabei hatte sie ihm in aller Deutlichkeit zu verstehen gegeben, dass sie die Frau mit voller Absicht auf ihn zugesteuert hatte. Er würde von der Mexikanerin lernen, wie man Rosalindas Feinde professionell ausspionierte und mit ihr zusammen per Heirat Papiere machen. Auch sie sollte mit seiner Hilfe zu einem deutschen Pass kommen, um nicht mehr nach Mexiko ausgeliefert werden zu können. Ab und an mit ihr zusammen in die Musik hinüberretten? Wie schön das wäre.<br />
Hatte er mit Maria über Rosalinda gesprochen, so war diese voller Bewunderung für die Chefa. &bdquo;Du hast ausgesorgt, René&ldquo;, hatte sie zu ihm gemeint. &bdquo;Wir werden reich und glücklich sein.&ldquo; Wenn er doch nur daran glauben könnte.<br />
Dieser Russe war nun endgültig zu Rosalindas Ziel geworden. Zwischenzeitlich hatte René angenommen, dass sie von ihrer Absicht, dem Mann zu schaden, Abstand genommen hatte. Nun aber, da dieser selbst den Kontakt zu ihr suchte, würde es unausweichlich zu einer Konfrontation kommen. Und hier zog sie nicht nur ihn, sondern jetzt auch noch Willys Kommilitonen hinein.<br />
Neuer Zuwachs<br />
Sergio war erneut von der jungen Amerikanerin verhört worden. Dabei ging die Frau sehr geschickt vor, ließ den Jungen beiläufige Gegebenheiten schildern, so von seinen ersten Grenzwechseln oder welche Farben die Autos hatten, welche die Männer fuhren, die sie über die Grenze brachten. Dabei hielt sie ständig seine Hand und blickte ihm direkt in die Augen, um jede noch so kleine Veränderung an ihm analysieren zu können. So fühlte sie genau, an welchen Punkten er aufgeregt reagierte und an welchen er entspannte. So tastete sie sich langsam voran und nahm die Erlebnisse des Jungen kleinteilig auseinander.<br />
Rosalinda assistierte Jane, ließ sich von ihr jede ihrer Handlungen erklären und probierte dann bei Linda auf ähnliche Weise verschiedene Reaktionen zu messen, wie zuvor die Amerikanerin bei Sergio. Das gelang ihr noch nicht wirklich souverän, und erst als es um ein kleines Mädchen ihrer Gruppe ging, welches sie selbst zu den Amerikanern gebracht hatte, schien sie voller Aufregung. Wahrscheinlich ahnte sie längst, dass sie selbst vom Opfer zur Täterin gemacht worden war.<br />
&bdquo;Das ist schon sehr gut gewesen, Ros! Super. Könnte ich das beeinflussen, würde ich vorschlagen, du fängst bei uns an.&ldquo;<br />
Rosalinda freute sich über das Lob. &bdquo;Kannst du mir etwas von diesen Kinderschändern zeigen? Dann habe ich eine Vorstellung davon, was die mit den Kleinen machen.&ldquo;<br />
Jane reagierte sofort zurückhaltend. &bdquo;Ros! Cromwell würde ausrasten, wenn ich dich auf unsere Daten zugreifen ließe. Die Typen sind schwer gestört, und das, was du siehst, wird dich für den Rest deines Lebens nicht mehr loslassen.&ldquo;<br />
&bdquo;Du würdest mir es aber trotzdem zeigen, wenn ich das möchte?&ldquo;, drängte Rosalinda weiter.<br />
Jane sah sie an, dann nickte sie. &bdquo;Wir haben Terabyte an Daten gesammelt. Nur von diesem einen Ring. Sie verkaufen Bilder und Videos über das Darknet in die ganze Welt.&ldquo; Sie griff nach einer Dose Cola, welche auf dem Tisch stand, öffnete deren Verschluss und schob sie zu Sergio hinüber. &bdquo;Lass uns mit den beiden noch ein wenig neutrale Zeit verbringen, dann zeige ich dir etwas.&ldquo;<br />
Jane hatte Rosalinda nicht umsonst gewarnt. Das, was die Psychologin der Mexikanerin in ihrem kleinen Büro zeigte, war das Verstörendste, was sie je zu Gesicht bekommen hatte, und das wollte bei ihrer Vita einiges heißen. So musste sie sich dazu überwinden, sich weitere Videos anzusehen, nachdem sie das Erste betrachtet hatte. Sie selbst hatte Kinder auf dem Gewissen. Doch das war nichts gegen diese Handlungen. Die Szenen gingen ihr nahe und ließen sie nicht mehr los. Jane hatte Recht behalten. War es angebracht, dass sie in diesem Moment Erleichterung darüber verspürte, dass sie doch noch so etwas wie Mitleid empfand?<br />
&bdquo;Ros, ich muss Cromwell noch Bericht erstatten. Lass es für heute gut sein&ldquo;, bat Jane. Die Amerikanerin warf einen flüchtigen Blick auf das Display ihres Notebooks, doch schien sie sich an dem Gezeigten nicht mehr groß zu stören. Sie war innerlich ausgehärtet, wie sie sich Rosalinda gegenüber erklärt hatte.<br />
&bdquo;Lass mich noch ein wenig gucken. Für dich mag es bescheuert klingen, aber ich fühle gerade etwas, was ich noch nie in dieser Intensität gespürt habe.&ldquo;<br />
Jane sah sie fragend an. Neugierig, was sie meinen konnte.<br />
&bdquo;Mitleid! Diese Kinder tun mir wirklich leid. Ich dachte immer, ich hätte ihnen schon das Schlimmste angetan, jetzt aber sehe ich, dass dies nicht stimmt.&ldquo;<br />
&bdquo;Wie meinst du das?&ldquo;, fragte die Amerikanerin erschrocken.<br />
Rosalinda sah mit versteinerter Miene zu ihr auf. &bdquo;Ich habe früher welche getötet. Sie für das büßen lassen, was ihre Eltern uns angetan haben. Ich habe sie damals für meine Feinde gehalten.&ldquo;<br />
Sekundenlang starrte Jane auf sie herunter, dann schüttelte sie den Kopf. &bdquo;Du wirst ein Leben lang damit umgehen müssen, Ros. Das ist Strafe genug. Gerade Kindheitserinnerungen sind die intensivsten, welche man haben kann.&ldquo; Sie deutete auf den Laptop, welcher vor der jungen Kollegin stand. &bdquo;Lass dich bitte nicht erwischen, sonst komme ich in Teufelsküche. In einer Viertelstunde komme ich wieder, dann war es das. Macht keinen Sinn, wenn du dich mit solch einer Scheiße völlig kaputt machst. Du trägst schon jetzt zu viel Ballast in deinem hübschen Kopf herum, keine Ahnung, wie du das alles verpackt bekommst.&ldquo;<br />
&bdquo;Ich bin kein guter Mensch, Jane. Deshalb kann ich das&ldquo;, erwiderte die Latina.<br />
&bdquo;Ein schlechter Mensch wäre zu solch einer Einsicht nicht in der Lage. Wirst sicher schon mal gehört haben&ldquo;, die junge Psychologin lächelte. &bdquo;Bis gleich!&ldquo;<br />
Kaum dass die Amerikanerin aus der Tür war, suchte Rosalinda auch schon nach einem Speichermedium. Wenn sie keins fand, dann würde sie die Videos wenigstens in Auszügen mit ihrem Handy filmen. Solokow würde bald als das Schwein dastehen, welches er war. Niemand würde sich der Aussagekraft dieser Bilder entziehen können. Selbst seine zwielichtigsten Freunde nicht.<br />
Sie ging die Schubladen des Büros durch, doch fand sie nichts Geeignetes. So lief sie in das Nachbarbüro und fand schließlich einen Speicherstick in einer Stiftablage. Perfekt! Zumal es weitere in einer der Schreibtischschubladen gab. Der Verlust würde nicht auffallen, wenn keine besonderen Dateien darauf waren.<br />
Rosalinda sah mithilfe von Janes Notebook nach, fand uralte Sicherungsdateien von Office-Dokumenten und überschrieb diese mit Bildern und Clips des Pädophilenrings. Dabei nahm sie nur solche, welche auch als Published gekennzeichnet waren. Sogar die Plattformen bzw. Börsennamen des Darknets standen zusammen mit dem Entdeckungsdatum darauf. Hinweise, welche sich sicher auf die eine oder andere Weise von ihr verwerten lassen würden.<br />
Die Übertragung ging schnell vonstatten. Das, was sie hier gefunden hatte, würde ausreichen, um dem Russen einen Ruf unterzuschieben, welcher weit über das hinausging, was er jungen Frauen anzutun bereit war. Strafe musste sein. Sie empfand hier keinerlei Reue.<br />
Als Jane wieder in ihr Büro kam, fand sie Rosalinda dabei, wie diese in Sergios und Lindas Akten las. Eigentlich Verschlusssache, aber nach dem gestrigen Erfolg trug sie die Hoffnung in sich, dass der jungen Latina mit der legendären Verbrechervergangenheit noch etwas auffallen könnte, was ihr und den Kollegen entgangen war. Sie hatte eine völlig andere Denkweise. Das trat immer wieder deutlich zutage.<br />
&bdquo;War doch zu viel, oder?&ldquo;<br />
Rosalinda blickte kurz zu der hübschen Profilerin auf, dann las sie weiter in den Berichten. &bdquo;Ja, diese Scheiße kann man sich wirklich nicht lange geben.&ldquo;<br />
&bdquo;Hast du noch etwas gefunden?&ldquo;<br />
Die Mexikanerin verneinte, deutete aber auf zwei Männer mexikanischer Herkunft mit dem Titel &bdquo;Unknown&ldquo;.<br />
&bdquo;Wenn ihr euch sicher seid, dass die dazugehören, kann ich sie im ganzen Mexikanischen Norden suchen lassen. Nicht von Polizei und Armee wohlgemerkt.&ldquo; Sie grinste.<br />
&bdquo;Du hast noch Kontakte?&ldquo;, fragte die Amerikanerin nervös zurück. &bdquo;Ich dachte, du hättest das hinter dir gelassen.&ldquo;<br />
Rosalinda suchte sie sofort zu beruhigen. &bdquo;Ich schon lange nicht mehr. Aber Maria und Romina ganz sicher.&ldquo;<br />
&bdquo;Das wird nicht gehen, Ros. So verlockend dein Angebot auch ist. Würde es doch endlich mal die Richtigen treffen.&ldquo;<br />
&bdquo;Überlege es dir! Das ist einer der wenigen Punkte, wo ich jetzt wirklich bereit bin, euch zu helfen.&ldquo;<br />
Am frühen Nachmittag war Rosalinda wieder zu Hause. Jane hatte recht behalten. Das Grauen dieser Bilder beschäftigte sie nach wie vor. Sie wollte selbst einmal Kinder haben. Gerade mit ihrem Willy konnte sie sich das so gut vorstellen. Er würde einen perfekten Vater abgeben. Zuverlässig, lieb, zärtlich, besorgt und sensibel. Sie schloss ihre Augen. Was waren das nur für kranke Schweine! Dass es hier nicht nur Männer gab, die solche Handlungen anstießen, war für sie eine Überraschung gewesen.<br />
Sie konnte sich noch gut daran erinnern, wie sie selbst Kinder mit Drogen im Körper über die Grenze geschickt hatte. Was ihnen auf dem Weg passierte oder nachdem sie ihre Ware transportiert hatten, war ihr damals völlig egal gewesen. Sie war noch ein Kind und dennoch ein Monster. Sie versuchte diesen belastenden Gedanken irgendwie wieder loszuwerden.<br />
Kaum dass sie die Wohnung betreten hatte, rief sie schon nach René. Ihre Stimme klang dabei fordernd und ungeduldig. Sie ahnte, dass sie den Mitbewohner dadurch demütigte, aber er sollte sie fürchten und keinen ihrer Befehle infrage stellen. So würde sie seine Angst vor ihr immer wieder erneuern müssen, gerade weil er feige war und sich vor den Konsequenzen seines Handelns fürchtete.<br />
&bdquo;Du kommst mit! Du bestätigst gleich die Geschichte, welche ich Esme und Rita drücken werde. Dabei kannst du auch gleich unsere Sachen tragen, während wir shoppen gehen.&ldquo;<br />
René nahm in einer unsicheren Bewegung ein weißes Kuvert von ihr entgegen.<br />
&bdquo;Das ist das Geld für deine letzten Einsätze plus einen Bonus. Richtig Kohle bekommst du dann, wenn das mit der Tschechei geklappt hat. Du lernst dabei einen Bekannten von mir an und setzt ihn ein. Seid vorsichtig! Werdet ihr erwischt, kann ich euch vielleicht nicht mehr helfen. Von daher haltet ihr euch genau an meine Anweisungen.&ldquo; Sie ließ ihre Hand in das dicke Gesicht Renés klatschen und grinste. &bdquo;Komm jetzt! Wir Mädels werden heute richtig Spaß miteinander haben!&ldquo;<br />
René überflog kurz den Inhalt des Briefumschlags, dann sah er sie erschrocken an. Es lagen mehr als tausend Euro darin.<br />
&bdquo;Schau nicht so doof! Du hast bisher gute Arbeit geleistet. Wenn Maria dir den nötigen Feinschliff gibt, wirst du ein richtig guter Reconocedor werden.&ldquo;<br />
Sie deutete auf seinen Parker, welcher an der Garderobe hing.<br />
&bdquo;Jetzt lass uns. Die Zeit rennt. Bis zum Wochenende muss es geschafft sein, dann geht es für dich weiter nach Pilsen.&ldquo;<br />
Während die drei Frauen durch die Boutiquen schlenderten und Rosalindas nicht enden wollende Kohle ausgaben, blieb René passiv, nickte nur hier und da die Wäschestücke der drei ab und brachte diese, wenn sie ihnen gefielen, zur Kasse. Dabei spürte er nur allzu deutlich, wie die Mexikanerin die beiden Frauen mit Geld und Erzählungen aus ihrer Vergangenheit korrumpierte. Wer Geld verdienen will, tut das auch, war dabei ihre immer wieder wiederholte Prämisse.<br />
Fragten Rita und Esme nach dem Gefallen, welchen sie Rosalinda erweisen sollten, wurden sie vertröstet. Sie wollte den beiden den schönen Nachmittag und Abend nicht zu früh verderben. Besorgte Blicke der beiden wurden von Ros mit beschwichtigenden Worten wieder negiert. Sie würden schon bald verstehen und im Anschluss die Genugtuung verspüren, eine gute Tat vollbracht zu haben.<br />
Als sie nach Stunden in einem Café halt machten, war es dann so weit. Rosalinda nahm den beiden das Versprechen ab, dass alles, was hier besprochen wurde, nicht weitergetragen wurde. Dabei brachte sie auch ganz klar zum Ausdruck, dass es Konsequenzen hatte, wenn man ihr Vertrauen missbrauchte.<br />
&bdquo;Lasst ihr euch darauf ein, kommt ihr immer wieder in den Genuss, mich bei meinen Unternehmungen tatkräftig zu unterstützen. Vertraue ich euch vollumfänglich, mache ich euch zu reichen Frauen, das ist ein Versprechen. Aber ihr steht ab dann auch in der Verantwortung und werdet schnell erkennen, wie ich mit meinen Feinden umgehe.&ldquo;<br />
Rita und Esme wechselten bedeutungsschwangere Blicke. &bdquo;Du machst uns aber nicht zu Kriminellen, oder Chili?&ldquo;<br />
Die Mexikanerin lächelte. &bdquo;Es gibt genügend Möglichkeiten, das Recht zu beugen und für uns nutzbar zu machen. Wie, das werde ich euch zeigen.&ldquo; Sie sah den beiden abwechselnd in die Augen. &bdquo;Von daher ja und nein.&ldquo;<br />
&bdquo;Du machst es spannend, Ros!&ldquo;, meinte Rita. &bdquo;Spuck schon aus! Was können wir für dich tun?&ldquo;<br />
Rosalinda deutete auf René und forderte ihn dazu auf, den beiden Frauen von Solokow zu berichten. Der begann in aller Ausführlichkeit die Handlungen des Mannes zu schildern, zeigte den beiden die Fotos, welche er von dem russischen Geschäftsmann und seinen Opfern gemacht hatte, während Rosalinda seinen Ausführungen schweigend folgte.<br />
&bdquo;Und was hast du damit zu tun, Ros?&ldquo;, fragte Rita schließlich.<br />
Die Mexikanerin wischte über das Display von Renés Handy, bis eines der Fotos ein junges Mädchen zeigte, welches vielleicht 14 oder 15 Jahre alt sein mochte. &bdquo;Mich hat er auch drangekriegt. Eigentlich ging es um einen Einsatz als Kletterin, doch hat er mich den ganzen Abend mit seinen Erzählungen eingelullt. Interessanter Typ. Ich mochte ihn. Am nächsten Morgen wachte ich dann in einem Hotelbett auf mit einem Geldumschlag und bespritzt von seiner Wichse. Sechshundert Euro und ein Dankeschön für die besondere Nacht waren darin.&ldquo;<br />
Rita und Esme tauschten schockierte Blicke. Beide wollten gleichzeitig Rosalinda berühren und schoben ihre Hände in deren Richtung.<br />
&bdquo;Weiß Willy davon?&ldquo;<br />
Rosalinda sah die beiden nachdenklich an, dann verneinte sie. &bdquo;Bisher ist René der Einzige, dem ich etwas davon erzählt habe.&ldquo;<br />
Esme lehnte sich zurück. Sie trug ihre weißblonden Haare jetzt zu einem ähnlich geflochtenen Zopf wie Rosalinda und eiferte ihr auch in vielerlei anderer Hinsicht nach. Nicht nur beim Sport, sondern auch, was ihre Haltung und Gestikulation betraf. Sie empfand die junge Mexikanerin als Inbegriff von Coolness. &bdquo;Machen wir das Schwein fertig! Sag mir nur wie.&ldquo;<br />
Rosalindas Gesichtsausdruck hellte sich sofort auf, da beugte sie sich vor, um die beiden Frauen und René in ihre Pläne einzuweihen.<br />
&bdquo;Scheiße! Das ist der Wahnsinn. Wie lange hast du dir darüber schon Gedanken gemacht?&ldquo;, fragte Rita erstaunt.<br />
&bdquo;Ein paar Tage.&ldquo; Ihre braunen Augen bekamen jetzt etwas Stechendes. &bdquo;Seid ihr dabei?&ldquo;<br />
Rita und Esme sahen sich kurz an, dann waren sie entschlossen.<br />
&bdquo;Es wird nicht einfach. Solokow bucht die Hotels über Strohmänner immer am selben Tag und nie das gleiche zweimal. Auch die Klubs und Festivals wechselt er, womit es unwahrscheinlich ist, dass er an derselben Stelle ein weiteres Mal auftaucht. Das heißt, wir müssen ihm folgen, und hier kommen René, ich und Rita ins Spiel. Wir matchen unsere Standorte über Handy und wechseln uns regelmäßig bei der Verfolgung ab. Bisher war er irgendwo im Zentrum unterwegs, was Fahrzeiten von mehr als zwanzig Minuten unwahrscheinlich werden lässt. Wir haben zwei Tage, um das zu üben.&ldquo;<br />
Rosalinda bemerkte den zweifelnden Gesichtsausdruck Renés. &bdquo;Schau nicht so blöd, buch dir einen Wagen über das Carsharing.&ldquo;<br />
&bdquo;Der schwierigste Teil ist, in sein Büro zu kommen, um seinen Rechner mit den Daten zu kompromittieren. Ich habe einen USB-Stick voller krankem Scheiß, welchen ich ihm gerne unterschieben möchte. Habt ihr da eine Idee?&ldquo;<br />
Rita und Esme sahen sich an, dann grinsten sie. &bdquo;Kein Thema. Wir haben zwei Jungs, die fressen uns aus der Hand. Die sorgen schon dafür, dass es so wirkt, als ob die Daten in regelmäßigem Gebrauch sind&ldquo;, meinte Rita.<br />
&bdquo;Wäre schön, wenn man auch irgendwie so tun könnte, als ob es gekauftes Material ist. Dann kriegen sie ihn dafür auch noch dran.&ldquo;<br />
Rita blickte zu Esme hinüber, welche ebenfalls Feuer und Flamme zu sein schien. Die Möglichkeit, dass etwas falsch lief, kam ihr in diesem Moment gar nicht in den Sinn.<br />
&bdquo;Du musst ihm den Stick irgendwie unterjubeln, Esme. Er hat eine kleine Herrenhandtasche dabei, welche er ständig bei sich trägt. Steck ihn in deren Vordertasche! Die ist sehr winzig und wird wahrscheinlich nicht in der Nutzung sein. Am besten in dem Moment, in welchem ich im Klub mit Willy aufkreuze. Dann ist er abgelenkt.&ldquo;<br />
&bdquo;Was soll ich anziehen? Ich gehe nicht unbedingt als Minderjährige durch, oder?&ldquo;<br />
Rosalinda hatte auch hier klare Vorstellungen. &bdquo;Schau dir einfach an, wie du vor sechs Jahren rumgelaufen bist. Ein, zwei Markenteile, der Rest irgendwelche Hemden und enge Bluejeans mit Sneakern. Übertreib es ein wenig mit der Schminke, dann wird jeder annehmen, dass du versuchst alt auszusehen.&ldquo;<br />
&bdquo;Was, wenn wir den Typen verlieren?&ldquo;, fragte René. Er schien sich um die hübsche Blondine zu sorgen.<br />
&bdquo;Esme geht nur mit ihm mit, wenn ihre große Cousine sie begleitet. Rita, du trinkst viel! Er muss sicher sein, dass du für seine Nummer keine Gefahr darstellst.&ldquo; Rosalinda schien sich des Erfolges sicher.<br />
&bdquo;Was, wenn er kein Interesse an Esme zeigt?&ldquo;, fragte René weiter. &bdquo;Oder ihm ein anderes Mädchen gefällt?&ldquo;<br />
&bdquo;Dafür sorge ich schon. Ich gehe dann einfach zum Türsteher und sage ihm, dass die andere noch minderjährig ist.&ldquo;</p>
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