Ein unerwarteter Segeltörn veröffentlicht am 25.07.2022
Vorwort Dies ist meine zweite längere Geschichte. Wer auf ein schnelles Abenteuer aus ist, wird hier enttäuscht. Wie im wahren Leben entwickelt sich die Geschichte nach und nach. Erläuterungen zu…
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Komme ich nun zu dem, weshalb ich überhaupt einen Kommentar zu dieser Geschichte abgebe: Segeln. Ich selbst habe als dreijähriger Knirps 1968 damit angefangen und übe diesen Sport bis heute aktiv auf unserer eigenen Jacht (> 16 Meter) aus. Klassisch gelernt auf Binnengewässern und anschließend aufs offene Meer. Ich habe alle Segelscheine und mich über viele Jahre bis zum SHS hochgearbeitet. Unser Heimat-Revier ist die Nordsee, da wir in einem Seehafen an der Küste liegen. Diverse Törns haben uns rund um England und Irland geführt, wir waren über die Orkneys, Shetlands und Färöer bis Island, kennen die Makro-Insel Jan Mayen, waren auf Spitzbergen und in der Biscaya. Aber auch der gesamte Ostseeraum war schon mehrfach unser Ziel.
Doch was du dir da ausgedacht hast, kann nur auf der Tatsache „dichterische Freiheit“ beruhen. Niemand, der ernsthaft am Leben hängt, fährt mit einem Day-Sailer von 9,4 m Länge ohne Radar, dazu nachts mit zwei relativ unerfahrenen Crew-Mitgliedern am Ruder, quer über die Nordsee. Tut mir leid, aber das ist totaler Nonsens, was du dir da zusammengeschrieben hast. Dem Mädel Helena wurde vom Vater die Position Skipper übertragen. Aber die kann sich nicht einfach aufs Ohr hauen, wenn es kritisch werden könnte. Schließlich hat sie die Verantwortung für Schiff und Mannschaft. Das ist grob fahrlässig.
Lachen musste ich, als du von „Dickschiff-Erfahrung“ geschrieben hast. Dickschiffe sind unter anderem Marine-Schlachtkreuzer, Kreuzfahrtschiffe oder auch Windjammer. Aber bitte kein 9,4 m kurzes Bötchen. Unter Freizeitskippern wird es gern mal spaßeshalber verwendet, was aber hier nicht rübergekommen ist.
Totaler Quatsch ist auch, während der Fahrt die Segel anzuschlagen. Das macht ein erfahrener Segler, solange das Schiff noch vertäut ist. Und wenig später eine Genua bergen, ohne vorher in den Wind gedreht zu haben, wie es erst beim Groß gemacht wird, beweist, dass du keine Ahnung vom Segeln haben kannst.
Eine weitere unglaubwürdige Szene ist, dass Helena kurz vor Mitternacht ihre beiden Mitsegler weckt. Das bedeutet konkret, dass das Schiff führerlos in der Nordsee treibt. Das kann im Zweifel vor dem Internationalen Seegerichtshof in Hamburg enden.
Was auch aus dem Reich der Fantasie entsprungen sein muss, ist, bei Starkwind eine Genua gegen eine Sturmfock zu tauschen. Die Genua I der Vindö 40 hat 34,2 qm, die Kreuzgenua 23 qm. Wie bitte schön sollen da zwei Leute das Tuch „einfangen“? Selbst wenn der Bug in den Wind gedreht wird? Du berichtest von einem Boot, was gerade mal 4,6 Tonnen wiegt. Das tanzt bei nur vier Beaufort bereits wie blöd auf den Wellen. Dazu auf der Nordsee, die von Haus aus unberechenbar ist. Nein, das ist absolut unglaubwürdig.
Irrwitzig sind auch deine Beschreibungen, während des Segelns zu kochen; ob Tee oder Essen. Unsere Jacht wiegt 45 Tonnen mit vollen Tanks. Bei nur vier Beaufort unter Volltuch (~300 qm, Groß, Fock und Genua) hat sie eine Neigung von 8 bis 10 Grad. Die nur 4,6 Tonnen leichte Vindö 40 liegt da garantiert 6 bis 11 Grad schräger. Wir haben 6,6 qm pro Tonne, die Vindö 11,2 qm, was alles aussagt, wenn man es in Relationen zu setzen weiß.
Weiterhin behauptest du im Anhang, dass eine Plicht achtern ist. Auch das ist falsch. Unsere Jacht hat ein Mittelcockpit. Eine Plicht ist lediglich ein Außensteuerstand.
Gesamtfazit: Ganz schlecht recherchiert und mit vermutlich angelesenem Segel-Halbwissen verfasst.
Aus Sicht eines echten Seglers komplett verfehlt.
Der eigentliche Plot ist von Anfang an vorhersehbar. Insofern keine Überraschung.
Deine Story ist gut gemeint, aber total schlecht umgesetzt.
Fantastisch geschrieben
So einen erotisch-romantischen Segeltörn mit zwei hübschen Ladies würde ich auch gerne unternehmen.
Wunderbar zu lesen. Danke